eine Prise Chaos

Märzkind wurde von der Arbeit nach Hause geschickt, sagt sie am Telefon. Ohoh. Nee, der Test war negativ, heute morgen, aber so ein bisschen Schnupfen hat sie schon. Die Hausarztpraxis fragt Symthome ab und schreibt für zwei Tage krank, ohne den Schnupfen gesehen zu haben. Bauchfreie Pullis im Dezember, ich hatte es ja gesagt.


Das Maikind hat Damenbesuch. Eine Freundin. Nicht seine Freundin. Ich hätte das so direkt gar nicht gefragt, aber gut, weiß ich bescheid. Als ich von der Hunderunde zurück komme sitzen die beiden im Esszimmer und spielen ein Brettspiel. Ungewohnt, aber erfreulich. Das Maikind wohnt seit Wochen nur in seinem Zimmer vor sich hin.


Jetzt hat er nicht nur alle Telefonnummern von seinem Chef, sondern auch die vom Chef vom Chef. Der Liebste murmelt. Normalerweise hätte er zwischen den Jahren frei gehabt. Normal wurde abgeschafft. Liegen bleiben kann da nichts, bis nächstes Jahr, die sind gerade kritische Infrastruktur. Dienstplan-Mikado. Zwei Schichten werden es unter dem Strich. Das hätte schlimmer kommen können.


Ich gucke ja gern mal einen Märchenfilm mit. Mal. Einen. „Da hatte der Niklaus echt ne gute Idee“, sagt das Julikind mit einem wissenden Lächeln. Cinderella und die Schöne und das Biest, als Doppel-DVD hat er gebracht, die Spielfilme mit den tollen Ballkleidern, nicht die Disneyversionen, die nach knapp 90 Minuten zu Ende sind. Wir schauen beide, Samstag Abend und Sonntag vormittag. Am Nachmittag guckt das Märzkind Cinderella im Wohnzimmer, sie war heute morgen nicht da und hat keinen DVD-Spieler. Der Nikolaus überlegt, am Abend Machine Gun Preacher zu gucken, für´s innere Gleichgewicht.


Vierter Advent schon? Das ging aber schnell dieses Jahr. Der Liebste kocht. Aber so richtig. Vier Stunden ist der Vogel im Ofen, wir essen mit Genuss. Danach vorweihnachtliche Fressstarre.


Der Liebste und das Märzkind besorgen ein Baum. „Und? Ist es denn der Schönste?“, frage ich das Kind. Sie macht ein Geräusch und winkt ab. In Anbetracht der Umstände ist es der schönstmögliche, sagt der Liebste. Wir haben nun mal keinen Wintergarten und keine Galerie….und es sollen 12 Leute sitzen können, Heilig Abend, wenn denn dann.


Ein lang erwarteter Arzttermin mit dem Julikind. Hoffnung auf Besserung ist realistisch. Freude und Dankbarkeit.


Ach, übrigens, er holt dann morgen seine Mutter aus der Klinik wieder ab, sagt der Liebste. Das waren drei Tage weniger, als ursprünglich angenommen. Erfreulich, hoffentlich.


Ich probiere ein Plätchenrezept aus dem hundert Jahre alten Flohmarkt-Kochbuch aus. Die Angaben sind etwas schwammig formuliert. Ich bin mir unsicher, ob das so hinkommt und reiche dem Märzkind eine kleine Portion rohen Teig. „Booaar, das brauchst du nicht zu backen, das ess ich so“. OK. Ich backe sie trotzdem, bei mittlerer Hitze, bis sie braun sind. Nach Belieben, quasi.

Kalorienangaben gibt es keine, in dem alten Buch. Man geht davon aus, dass die Leute danach sowieso Holz hacken müssen, oder so.


Es ist kälter geworden. Aber dafür wird es morgens merklich heller. Sonne, blauer Himmel! Ich hatte schon fast vergessen wie sich das anfühlt, nach den vielen, vielen Hunderunden durch dichten Nebel.


Die Schultage sind mit Maske eh schon anstrengend, die letzten Wochen waren zusätzlich noch vollgepackt mit Arbeiten in so ziemlich allen Fächern. Die Kinder sind ferienreif. Bis zum letzten Tag waren die Schulen auf. Hätte ich nicht gedacht. Sie sollen eine große Tasche mitbringen, „damit sie über die Ferien alles mit nach Hause nehmen können“. Die politsch korrekte Umschreibung für „niemand rechnet ernsthaft damit, dass es im Januar einfach so wieder los geht“.


Wenn der Dorftratsch stimmt, lesen zwei Quarantänehaushalte mit. Herzliche Grüße! Wir drücken euch die Daumen! Ich habe leider zum Glück keine Ahnung, welche wir Hilfe anbieten könnten. Morgen muss ich auf jeden Fall nochmal ins Städtchen…

Schöne Ferien, euch allen!

Ende November 2021

Es klingelt. Vor der Haustür steht ein riesen Paket. Der Paketbote sitzt schon wieder im Auto. In fünf Minuten kommen die Kinder nach Hause. Wo verstecke ich das denn jetzt auf die Schnelle? Auf dem Dachboden. Ich schaue mich suchend um. Irgendwas muss ich da drüber legen, obwohl, eigentlich, so wie es gerade da steht verschmilzt es geradezu perfekt mit dem rumpeligen Ambiente. Das war leicht.


Weihnachtsgespräche. Das Märzkind ist eingeladen, am ersten Feiertag, ob sie da denn zusagen kann, oder sind wir bei der Oma? Ich weiß es nicht. Diese Seite der Familie kommuniziert nicht. Ich finde, sie kann ruhig zusagen, wer zuerst kommt… Nee, sie würde da schon gern mit, wenn denn dann. Ich weise den Liebsten an, Weihnachtsinfos zu beschaffen. Wenige Tage später bekomme ich die Rückmeldung, dass Planung im Moment nicht möglich ist, aus Gründen, die zur Abwechslung mit Corona mal garnichts zu tun haben.


Ein Gottesdienstbesuch zum Ewigkeitssonntag. Danach auf den Friedhof. Auf dem Rückweg komme ich am Zigarettenautomaten vorbei. Da kaufe ich sonst jedes Jahr ein Geschenk. Jetzt brauche ich das nicht mehr.


Die Inzidenz liegt bei 210. Ich will nichts beschreien, aber, vermutlich wird es über kurz oder lang wieder Einschränkungen geben. Den Kindern gegenüber so zu tun, als wäre das nicht so, finde ich unfair. Ich spreche vorsichtig mit dem Märzkind darüber. Sie wird blass, aber eigentlich, das hatte sie sich auch schon gedacht. Einige aus ihrer Klasse machen Praktika in Grundschulen und Kitas. Da bekommt man ja mit, was gerade los ist. Sie haben in der Schule schon gefragt, wie es denn weitergehen würde, mit den Praktika, im Fall von Schulschließungen. Die haben gesagt „das wird nicht passieren“. Anscheind gibt es keinen was-wäre-wenn-Plan.

Doch, bei uns schon: Wer noch Geschenke zu besorgen hat, oder nochmal ins Kino möchte, oder so, möge das bitte für nächste Woche einplanen. Muttitaxi steht zur Verfügung und Taschengeldvorschüsse wären kein Problem. Möglichkeiten finden, statt mimimi. Jeder denkt bitte einmal darüber nach, wie man ein schönes Lockdown-Weihnachten feiern könnte. Nur eine Denksportaufgabe. Der ursprüngliche Plan gilt bis Heilig Nachmittag, mindestens.


Die Mädels wollten gern nochmal ins Schwimmbad. Wir sitzen mitten in den Blubberblasen und überlegen, wann wir zuletzt im Hallenbad waren. Vor zwei Jahren ungefähr, sagt das Julikind, könnte sein, sie hat recht. Es ist ein bisschen seltsam, dass man vorm Eintritt kontrolliert wird, aber, es scheint so, als wäre 2G ein Filter. Die Leute die drin sind halten sich so gut es eben geht an Abstände und begegnen einander freundlich. Beim Abendbrot ist es auffallend leise. Hat uns schwimmen früher auch so müde gemacht?


„Ach, und ab heute galt dann wieder Maskenpflicht“, sagt das Maikind beim Abendessen. „Stimmt, aber bei ihnen erst ab der dritten Stunde“, sagt das Julikind, die ersten beiden Stunden haben sie noch so gesessen. Wir sind lange über den Punkt raus, wo man sich über sowas wundern würde. „Na, das hat ja dann genau eine Woche lang gehalten, dieses Konzept“, sage ich. Schade. Aber leider sind die Zahlen so, dass man diese Maßnahme eigentlich gut findet.

Die Masken wärmen auch das Gesicht ein bisschen. Das ist praktisch, wenn man bei -2 Grad dauernt das Fenster aufmachen muss. Lüften ist auch im zweiten Coronawinter das Mittel der Wahl. Die Kinder sitzen im Kalten, das ist bedauerlich, aber nicht zu ändern. Energiekosten? Klimawandel? alles pillepalle wenn man dagegen den Aufwand betrachtet, den Anschaffung und Unterhalt von Luftfiltern in Schulen bedeuten würde. Ach, Deutschland.


Der Liebste arbeitet wieder und schafft sogar danach noch eine kleine Hunderunde. Hätte ich nicht gedacht, aber ich freu mich natürlich. Er hat was zu erzählen. An der Arbeit hatten sie heute fast ein Gasleck. Wie kann man denn fast ein Gasleck haben? Erkundige ich mich. Schön, dass es doch noch andere Themen gibt, außer Corona. Und so viele andere Möglichkeiten zu Tode zu kommen.


An der Laterne vorm Haus wurde die Weihnachtsbeleuchtung angebracht. Stimmt, es ist ja schon soweit. Normalerweise ist der Nachbar mit der beeindruckenden Balkonbeleuchtung immer der Erste. Da hängt bis jetzt nur ein leuchtender Stern im Fenster, der blinkt noch nicht mal. Ich hole die Kiste mit der Weihnachtsdeko vom Dachboden. Es fühlt sich so an, als hätte ich sie letzte Woche erst eingepackt.

Füsse, Wind und aufgefrischte Allgemeinbildung

Flugzeuge. Viele. Morgens um viertel nach sieben sieht man am Himmel über dem Wald ein Schachbrettmuster aus Kondensstreifen. Dieses leise Brummgeräusch, es ist auch wieder da. Vor Corona dachte ich, so hört sich die Welt eben an. Nee, das sind die Flugzeuge. 71 hat er gezählt, sagt das Maikind, als er von der Hunderunde wiederkommt, und das war nur die kleine Runde.

Das Gute daran ist, man kann sonntags morgens wieder die große Hunderunde im Tal am Flüsschen entlang gehen. In zwei Stunden begegnen mir nur vier Menschen. Ich höre sie erst wenige Meter, bevor wir uns treffen. Diese krakelenden Wandergruppen in nagelneuer outdoor-Bekleidung, die im Wald verzweifelt nach W-Lan suchten, sind anscheind wieder auf Malle. So ist es ja für alle schöner.


Ein Computerteil wird geliefert, das Maikind verschwindet freudestrahlend in seinem Zimmer. Das Teil ist neu. Der Computer läuft seit Juni, da waren alle Teile neu. Ein Bauteil für 100 Euro hält also, bei sachgerechter Nutzung 3 Monate? Echt jetzt?


Sonntag, der letzte freie Tag des Märzkindes, Herbstferien, wir könnten doch mal was unternehmen. Wir müssten sogar mal was unternehmen. Was soll man denn sonst erzählen, nach den Ferien? Also? Irgendwer eine Idee? Das Julikind darf nicht schwimmen, wegen Fuss. Draußen rumlaufen geht auch nicht, in den Latschen. Im Kino läuft nichts, was man zusammen anschauen wollen würde. Museum? boar nee. Ein Gesellschaftsspiel vielleicht? Ach komm, geh weg. Das Maikind fragt, ob er dann wieder ins Zimmer gehen kann, weil, er hätte da schon Dinge zu tun. Ja, kann er, wie es aussieht bleiben wir zu Hause. Wir Mädels erzählen uns, worauf wir sonst noch alles keine Lust haben, heute.

Wie wäre es denn, wenn wir etwas von der „jemand müsste mal- Liste“ erledigen? Dafür scheint der Tag geeignet. Wir holen uns die Klamottenkisten vom Dachboden. Was dem Märzkind vor zwei Jahren zu klein war passt dem Julikind. 4 neue Hosen auf einen Schlag, einfach so. Mensch, das hat sich aber mal gelohnt, damit hatten wir nicht gerechnet. Einige Sachen können in den second hand Laden, anderes in den Sack. Die Kiste ist leer, das Märzkind geht ins Zimmer und sortiert Sachen aus, die aktuell zu klein sind, die Kiste kann wieder hoch.

Zwei Klamottenkisten und eine mit fragwürdiger Adventsdekoration haben wir geschafft. Es fühlt sich gut an. Danach räumen wir den Kleiderschrank des Julikinds einmal komplett aus. Was jetzt noch drin ist passt, dem Kind und zur Saison.


Julikind hat Termin bei der medizinischen Fusspflege. In der Praxis steht eine kleine Weihnachtspyramide auf dem Tresen. Sie wird mit Teelichtern betrieben. Überhaupt brennen hier überall Teelichter. Es ist dieser Ayurvedisch-weihnachtliche- Wellnessgeruch. Das kann ich nicht gut wegatmen. Die Deko ist eine wilde Mischung aus indischem Souvenir-Kitsch und Eulen, interessant.


Eine Sturmwarnung ploppt auf. Das nehme ich zum Anlass im Garten ein bisschen aufzuräumen. Wir sitzen eh nicht mehr draußen. Ich richte mich in Sachen Sturmvorbereitung nach den Nachbarn. Wenn die das Gewächshaus mit Spanngurten sichern, wird`s heftig. Wenn nicht, dann nicht. Tja, diese analoge Warnapp funktioniert so nicht mehr. Da wurde ein Wohnmobil angeschafft, das parkt als Windbrecher vor deren Gewächshaus, fällt mir gerade auf.


Die Heizung tropft. Das ist nicht gut. Im Oktober schon garnicht. Der Außendienstler sagt, das sei kein Problem, halbe Stunde. Ich assistiere mit der Taschenlampe. Es ist wirklich kein Problem zu sein, wenn man weiß, was und wie. Ich lerne, wie eine Lötstelle aussehen sollte, damit es nicht tropft. Merke: Alle grünen Wasserhähne im Kellerraum einmal komplett zudrehen – dann komplett aufdrehen – dann eine halbe Drehung wieder zudrehen, immer Ostern und Weihnachten, jedes Jahr. Dann kann man sich sicher sein, dass die Hähne nicht zukalken und sich drehen lassen, feine Sache, wenn man mal Wasser abdrehen muss.

( Danke, danke, danke an den Notfall-Klempner)


„Hä? Warum gibt es denn am Donnerstag Brötchen?“, will das Maikind wissen. „Wegen Sturm“, sage ich. Der Bus vom Märzkind kam nicht, heute morgen. Deshalb war ich schon im Städtchen. „Du kannst fahren, aber der Bus nicht?“ Ja, weiß ich auch nicht wieso.

Gegen Mittag fegen ein paar heftige Böen ums Haus. Ich sichere provisorisch die Gewächshaus-Fenster.


Der Liebste hat keine Schrauben mehr im Fuss. Juhu!


Ich fahre 60km/h auf der mittleren Spur, die Autobahn ist voll. Ooohhh, Blaulicht im Rückspiegel, wo muss ich denn hin? Ich würde sagen nach rechts, aber der vor mir hält sich links, oohhh. „Linke Spur fährt nach ganz links, alle anderen so weit rechts wie möglich“, sagt der Liebste. OK, einen Führerschein würde ich auf keinen Fall mehr bestehen, aber, die drei Fahrzeuge hinter und vor mir haben noch länger gebraucht.

So, un wenn da jetzt gleich Stau kommt, geh ich vorher besser nochmal pullern, in 800m kommt eine Raststätte.

„Wollen Sie wirklich 50 cent verschenken?“ steht an der Toilettentür. Jo, könnte ich eigentlich. Im Restaurantbereich steht eine ganze Busladung voll 13 jähriger für Schnitzel und Burger an. „Hi, will von euch vielleicht jemand meinen Bon einlösen?“, frage ich in die Runde. Die pubertierenden Hirne brauchen einen Moment, um die Frage zu verarbeiten, das kenne ich. Alle wundern sich. „Ähm, joo“, sagt einer, ist sich aber nicht sicher, ob er vereiert wird. „Bitteschön“, sage ich und gebe ihm den Bon. Damit hatte er anscheind nicht gerechnet. „Äh, wow, danke“, ich sehe strahlende Augen und vermute ein Grinsen unter der Maske. Der freut sich definitiv mehr über die 50 cent als ich mich über ein überteuertes Snickers, das ich sonst aus Geiz hätte kaufen müssen.

Beobachtungen zur Digitalisierung und zum Gesundheits- und Bildungswesen zwei Wochen vor der Wahl

Ein Kühlakku war zu wenig, das hatte ich mir gleich gedacht. Vom ersten Arztbesuch bis zur Diagnose hat es zwei Wochen gedauert, von Diagnose bis OP-Termin dann aber nur 24 Stunden. Samstag nachmittag würde ich den Liebsten gern besuchen, in der Klinik. Das geht natürlich nicht einfach so, Corona.

Beginn der Besuchszeit ist um 15 Uhr. Um 14.57 Uhr reihe ich mich in die Warteschlange ein. Vor mir zwei Senioren und ein Elternpaar mir einem jungen Mann im Rollstuhl. Die Senioren möchten jeweils jemanden besuchen, sie weisen ihren Impfstatus nach und bekommen ein Blatt in die Hand gedrückt, dass Sie bitte ausfüllen und wieder abgeben sollen. Der junge Mann soll vorstellig werden, das örtliche Krankenhaus traut sich da nicht ran. Das ist Alltag hier, er möge sich in die Ambulanz begeben. Ah, die Eltern wollen mit? Das ist was anderes. Zwei Leute dürfen eigentlich nicht mit, aber wenn sie beide Eltern sind, nagut, das sollte gehen. Leben denn alle drei im gleichen Haushalt? Nein? Dann bitte jeder einen Zettel ausfüllen, und die Eltern jeweils den Impfstatus nachweisen. Langsam werde ich ungeduldig. Die beiden Senioren haben ihre Selbstauskunftszettel fertig ausgefüllt. Der Mann fragt höflich, ob er denn eventuell vor dürfte, um den Zettel abzugeben. Ja, darf er. Die Besucherwarteschlange geht mittlerweile bis vor die Tür. Ja, die zweite Seniorin, die vor mit in der Schlange war darf auch den Zettel noch abgeben. Dann bin ich dran.

ich: „Ich möchte meinen Mann besuchen.“

die Dame: „Da muss ich einmal bitte ihren Impf- oder Testnachweis sehen.“

Ich wedele mit dem Handy. Suche nach dem QR-Code zum einchecken

die Dame: „Nee, Äpps haben wir hier nicht.“

Ich krame meinen Impfpass raus, schlage die Seite mit den Covid19-Impfungen auf und reiche ihn der Dame durch das dafür vorgesehene Loch in der Scheibe

die Dame: guckt einmal kurz drauf, sagt „OK“, (kein Blick auf die Vorderseite, wo der Name steht), beginnt in ihre Zettelwirtschaft zu durchwühlen, findet den Ausdruck, auf dem der Name meines Mannes steht, überlegt, guckt mich an und teilt mir abschließend mit „da sind schon zwei“

Ich verstehe nicht, was das heißen soll und frage nach

die Dame: „da sind schon zwei Besucher“

Ich bin nervlich mittlerweile etwas angespannt, „gute Frau, ich bin mir sicher, dass da nicht schon zwei Besucher sind, weil, ich bin gerade zweieinhalb Stunden Auto gefahren, um herzukommen. Soweit wohnen wir nämlich weg, da kommt niemand spontan vorbei.“

Die Dame durchwühlt ihren Stapel erneut, kommt zu dem Schluss, dass da einfach zwei Patienten auf dem Zimmer sind, und dann müsste ich bitte den Zettel noch ausfüllen

ich: „ich bin die Ehefrau, ich bin als Besuchsperson eingetragen, meine Daten sind hinterlegt“

Die Dame reicht mir wortlos den Zettel und weist mich Richtung Zettelausfüllstation.

ich: „Also, ich fülle jetzt diesen Zettel aus, reiche Ihnen den hier rein und gehe dann aufs Zimmer, ist das OK für Sie“

die Dame: „ja, Sie sind ja die Ehefrau“

Ich gehe in den Zettelausfüllbereich, gebe Auskunft darüber, dass ich kein Halskratzen oder Fieber habe, wen ich hier wann genau aus welchem Grund auf welchem Zimmer besuchen möchte und dass ich in keinem Risikogebiet war. Ich reiche den Zettel durchs Fenster, die Frau, die nach mir in der Schlange stand hat ihren Zettel noch garnicht bekommen, die Stimmung im Rest der Warteschlange ist angespannt.

Ankunft im Patientenzimmer um 15.25 Uhr.


Montag kann der Liebste nach Hause. Es gibt eine extra Verwaltungskraft, die sich nur um Besucherzettel kümmert, nach zwei Minuten bin ich drin und freue mich – zu früh. Die Tasche hat er schon gepackt, sagt der Liebste, wir müssen nur noch auf den Mann vom Sanitätshaus warten, der die Orthese bringt, und einen Arztbrief. Nach anderthalb Stunden frage ich nach. Tja, also der Arztbrief sei gedruckt und müsse nur noch unterschrieben werden und das Sanitätshaus komme immer so gegen Mittag, also quasi jeden Moment. Eine halbe Stunde später kommt jemand. Nach einer freundlichen und routinierten Einweisung in die Handhabung der Orthese warten wir nur noch auf den Arztbrief. Und warten. Und warten. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert, im siebzehnten Monat einer Pandemie, es ist das homeoffice Zeitalter. Ich komme mir verarscht vor, wenn ich hier auf einen Zettel warten soll, der angeblich vor zwei Stunden schon gedruckt wurde. Ich suche die Adresse der Hausarztpraxis raus, schreibe auch die email Adresse dazu, das Städtchen hat, glaube ich, sogar einen Brieftaubenverein, vielleicht sollte ich derern Kontaktdaten auch angeben, falls ihnen die anderen Wege zu modern sind? Da kommt zum Glück der Kaffeewagen durch. Man ist überrascht, dass dieses Zimmer immernoch belegt ist, aber wir bekommen beide einen Kaffee. Das hilft. Danach nehme ich die Tasche und wir machen uns auf Richtung Dienstzimmer, um mitzuteilen, dass wir dann jetzt gehen. Man bittet uns um einen Moment Geduld, da sei extra für uns jemand auf dem Weg. Ein Pfleger kommt mit dem Arztbrief durchs Treppenhaus gesprintet. Außerdem bekommt der Liebste noch eine Bonus-Thrombosespritze für heute Abend, weil der nächste Arztbesuch erst am Donnerstag ist, und die Klinik darf nur ein Rezept für zwei ausstellen. Das ist nett.


Dienstag nachmittag mache ich mich auf den Weg, das Rezept einzulösen. Die Apothekerin murmelt vor ihrem Bildschirm. Leider kann sie zwei Thrombosespritzen nicht bekommen. 10 könnte sie mir geben, allerdings nicht auf dieses Rezept, weil da ja nur zwei drauf stehen, ob ich es vielleicht nochmal woanders versuchen will? Vielleicht hat eine andere Apotheke diese Packungsgröße noch vorrätig. Um es kurz zu machen: Nö. Diese Packungsgröße ist nicht vorrätig und nicht zu bekommen. Ich gehe also zur Hausarztpraxis und bitte um ein anderes Rezept. Das sei kein Problem, erfahre ich zu meiner Freude. Nur leider ist die Ärztin gerade in einer längeren Untersuchung, da müsste ich kurz auf die Unterschrift warten. Das ist kein Problem. Ich warte, gehe danach wieder zur Apotheke, bekomme die Spritzen und habe die anderhalb Stunden gezahlte Parkzeit damit bis auf die letzte Minute genutzt.


Morgen hat er übrigens „Heimstudientag“, sagt das Maikind. „Hä?“, frage ich nach. Der Klassenlehrer ist krank, erfahre ich, deshalb hätten sie morgen, mal abgesehen von einer Stunde Englisch, nur Vertretungsunterricht gehabt und das macht ja nun wirklich keinen Sinn. Deswegen haben sie Aufgaben bekommen und bleiben alle zu Hause.

Ganz ehrlich, nach so einer Woche ist mir das Furzegal, dann eben keine Schule, wieder mal.

Fragen und Antworten, unsortiert

Nach Weihnachten würde es ruhiger werden, hatte ich mir gesagt, damals im Dezember. Dann haben wir hier alle das Zeitgefühl verloren. Dinge werden nach Dringlichkeit abgearbeitet.

Kühlakku, da muss auf jeden Fall eins drauf. Ich durchwühle die Schubladen des Gefrierschranks. Kann das denn sein, dass wir mitten im August nicht ein einziges Kühlakku parat haben? Muss das mitreisende Kind bei Anreise einen negativen Test vorlegen, wenn die Eltern geimpft sind? Wieviel muss denn da drauf, auf den Brief, und haben wir eigentlich Briefmarken? Das Taschengeld von Juli? Haben wir noch genug leere Honiggläser? Blumen, bei einem Rasengrab? Der Hund von Lucky Luke, wie hieß der nochmal? Wollen wir den Ofen anmachen? Anlass ist jetzt, Feier im nächsten Jahr – wann schreibt man denn die Karte? An welchen Schnitt hatten Sie denn gedacht? Was ist das für eine Vase da, und wo ist eigentlich der Sarg? Wenn ich gestern geimpft wurde und morgen einen Test machen muss – ist der dann positiv? Nur noch eine Woche Ferien, wollen wir denn eigentlich noch irgendwas unternehmen? Ist es denn ein bisschen ruhiger geworden, bei euch? Du hattest doch gesagt es ist viel los und das würdest du dir wünschen.

Da muss ich kurz drüber nachdenken.

Dritte Schublade, ganz hinten. Land Hessen sagt, jede anreisende Person muss ein G nachweisen, also ja, das Kind braucht einen Test ( und wenn das demnächst zweimal die Woche kontrolliert werden soll, dann nehme ich nur noch Geimpfte und Genesene Feriengäste, fertig ). 80 cent müssen drauf – Pinnwand – ist glaube ich egal, aus wie vielen einzelnen Marken man das zusammenpuzzelt. Die einen sagen so, die anderen so, wir einigen uns auf einen Dauerauftrag, dann muss da niemand mehr dran denken. Weiß ich nicht, muss ich gucken. Keine Blumen. Rantanplan? Jemand müsste Holz reinholen, wir nehmen erstmal eine Wolldecke, jo, das reicht, für diesen Sommerabend im August, auf dem Sofa. Karte mit kleinem Betrag jetzt – Karte mit Geschenk im nächsten Jahr, wenn denn dann… Ich hätte gerne eine Jeans, die einfach passt und einigermaßen gut aussieht. Jetzt heute hier. Nicht „wenn das Lockdownröllchen eines Tages wieder weg ist“, welchen Schnitt das erfordert, kann ich derzeit nicht sagen. Es gibt keinen Sarg, wenn man verbrannt wird, bleibt gar nicht so viel übrig. Die Vase ist eine Urne, da ist die Asche drin. Nee, die Impfung legt quasi ein Schutzschild um deine Zellen, dass das Virus nicht dran kommt, der Test guckt, ob du Viren auf der Schleimhaut hast, das sind zwei verschiedene Ansätze. Plätze für die Freilichtbühne gebucht, ohne vorher jemanden zu fragen. Ein nichtoptionales Kulturerlebnis. Ja, es ist ruhiger geworden, auf jeden Fall, wenn man mal davon absieht, dass der Liebste wahrscheinlich einige Zeit nicht mit dem Hund raus und, wenn es richtig blöd läuft kein Auto fahren können wird. Aber irgendwas ist ja immer.

Nieselregen bei windigen 15°C, das Maikind und ich sind uns einig: Würde es eine Packung Spekulatius geben, wir würden sie kaufen, es fühlt sich so an. Weihnachtsgebäck gibt es aber erst nach den Sommerferien, man fragt sich, wieso.

Verschiedenes, Ende Juli 21

Die Oma hat Gäste, wir sitzen im Garten und unterhalten uns. Der Liebste hat gerade einen Schwarm Bienen wieder eingefangen. Als die losgeflogen sind, das war schon beeindruckend, sagt die Festgesellschaft, sowas sieht man nicht oft. Sowas gibt es auch Ende Juli nicht oft, es ist ein seltsames Bienenjahr.

Märzkind will mal bei der Uroma gucken, die ist im Haus geblieben. Es geht ihr nicht gut. Im Fernsehen laufen Bilder der Flutkatastrophe, den ganzen Tag. Die Zerstörung ist wirklich unvorstellbar – für uns. Käthe ist 101. Sie kann sich das durchaus vorstellen und ist entsprechend unruhig. Nach einer halben Stunde kommt das Märzkind wieder. Die Uroma habe heute vormittag jemanden in Wuppertal erreicht, der die Auskunft geben konnte, dass bei ihren Bekannten alles OK ist. Das ist eine Erleichterung. Ein ganz kleines Stück Kuchen habe sie gegessen, damit sie ihre Ruhe hat. Das ist gut.


Bei der Hunderunde begegnet uns ein örtlicher Katastrophenschützer. Er erzählt, wie der Bach, der letzte Woche doch eher ein Fluss war in der Nacht vorher ausgesehen hat. Wir waren ja am späten vormittag noch beeindruckt von der Wassermenge, da war das allermeiste aber wohl schon durch. Man habe sich im Lauf der Woche unterhalten, mit allen Wehrführern der Ortsteile, erfahren wir. Wenn man sich mal kurz vorstellt, dass der Bach zwei Ortsteile weiter von jetzt auf gleich 8 Meter höher wäre, dann, tja… es würde die Anfahrtmöglichkeiten für einige Häuser verändern.


Das Julikind wird elf. Wir grillen im Garten, mit Leuten. Es ist eigentlich eine normale Geburtstagsfeier, das ist schön. Abends bittet sie mich, noch ein Foto zu machen. Dafür hat sie alle Geschenke auf dem Bett aufgebaut und setzt sich mit dem fröhlichsten Geburtstagsgrinsen daneben. Was für ein Tag! Und so viele schöne Sachen. Wenn sie jetzt noch mit ihren Freundinnen feiern dürfte, dann wäre es perfekt gelaufen, dieses Jahr. Die Chancen stehen eigentlich ganz gut, gerade. Noch.


Das Gute an dem vielen Regen ist, wir müssen gar nicht weit fahren, der See beginnt dieses Jahr schon 10 km weiter. Im letzten Jahr war da um diese Zeit schon längst kein Wasser mehr. Am frühen Abend ist die Liegewiese so gut wie leer. Einen Strand gibt es hier nicht. Man geht von der Wiese drei Schritte durch die Hecke, dann nochmal drei Schritte ins Wasser rein, da kann man schon losschwimmen. Hier stört es niemanden, wenn der Hund auch schwimmt. Der Liebste wirft ein Spielzeug, voller Freude springt der Hund ins Wasser, holt sein Spielzeug und schwimmt uns entgegen, ziemlich weit, und ziemlich schnell. Ähm, jo, damit hatte niemand gerechnet, aber alle haben Spaß. Und die Erkenntnis, dass Hunde anders schwimmen, als Menschen. Jeder von uns hat irgendwo einen Kratzer abbekommen, was solls, sagen die Kinder.


Ich bekomme die zweite Impfung. Anderthalb Tage habe ich irgendwie schwere Knochen, und freue mich trotzdem. Der Liebste kommt sich „dezent verarscht“ vor, als Angehöriger der Priogruppe drei, weil ich jetzt zwei Wochen vor ihm fertig geimpft bin. Luxusprobleme, die man so hat. Nachdem wochenlang garnichts voran ging, in Sachen impfen, sind jetzt fast alle durch. Weihnachten kann kommen.


Wir fahren für eine Hunde-Runde in den Nachbarort. Beim Aussteigen fällt mir auf, dass die Telefonleitung sich heftig bewegt, zwischen den Masten. Oh oh. Kein Sturm, kein Erdbeben, da gibt es eigentlich nur noch eine Erklärung. 200 Meter weiter kommt uns ein LKW entgegen, der hat gerade irgendwelche Düngemitttel abgeladen, auf dem Feld, neben der Telefonleitung. Zu dicht neben der Telefonleitung. Ein Teil des Kabels liegt rechts im Graben, der andere links auf dem Feld.

Yeah! Für die Fans von „Lockdown mit Teenagern“ und „schulfrei von Dezember bis Mai“ jetzt neu: „Sommerferien bei regnerischen 15°C ohne Internet“. Wir nehmen direkt die extended version „ohne Mobilfunkempfang im Wohngebäude“, wenn schon, denn schon.

Am Ende dieses Tages sitze ich im Garten. Auf der Treppe, die man von keinem Fenster aus sehen kann, im Dunkeln. In der Hand ein Glas, darin ein großer Schluck vom besten Weihnachts-Whiskey. 20 Minuten allein sein. Herrlich. Die Ruhe ist so erholsam, dass ich mir, als das Glas leer ist, eingestehe, dass ich dem Zusammenbruch sehr viel näher bin, als irgendeiner Form von Erholung.


Die Freude, als das Internet am Nachmittag des nächsten Tages zu uns zurückkommt ist riesig. Auf einen Schlag ändert sich die Grundstimmung. Spielen, Videos, Musik, telefonieren, man könnte sogar wieder Fernseh gucken, so viele Möglichkeiten. Maikind sagt, er habe da jetzt nochmal drüber nachgedacht und, eigentlich ist es doch in manchen Situationen vielleicht praktische kein smart home zu haben. Da hat er wohl recht.


Vier Geburtstage und ein Gemeindefest in 10 Tagen, waren das. Nächste Woche haben wir garnichts vor. Das ist auch mal wieder schön.

Regenwetter zum Schuljahresende

Wir nähern uns den Sommerferien. Der Liebste und das Märzkind haben schon frei. Morgens nur zwei Kinder in die Schule zu schicken fühlt sich seltsam an.


Wir verbringen ein bisschen Zeit im Garten. Dabei kommt uns eine Gestaltungsidee. Wir könnten erstmal alles rausräumem und rupfen, was keinem gefällt, vielleicht sähe es dann schon anders aus.


Ich bekomme einen Brief vom Energieversorger. Der Fahrtkostenantrag, den ich damals gestellt hatte, als das Maikind Praktikum gemacht hat, der wurde bewilligt. Man wird mir Geld überweisen. Ich freue mich. Wow, ich freue mich sogar sehr, stelle ich fest, als ich sehe, wieviel Geld man mir überweisen wird. Kein Wunder, dass man dieses Formular aktiv anfordern musste.

Ich bekomme einen Brief von der weiterführenden Schule. Alle Unterlagen sind da, man freut sich mitteilen zu können, dass das Märzkind damit offziell angenommen ist. Schulstandort wird das Städtchen sein. Ab der Sekundarstufe zwei werden die Fahrtkosten nicht mehr vom Schulträger übernommen, man möge sich kümmern. Mööööp! Wobei, sehen wir es mal so: unterm Strich wird uns das Hessenticket somit 62 Euro kosten. Ein Schnäppchen, quasi.


Alle unter 18 Jahren dürfen alle Freibäder im Landkreis umsonst nutzen, bis zum Ende der Saison. Finanziert wird das aus den Mehreinnahmen durch die Corona-Bussgelder. Da hatte doch mal jemand eine gute Idee, die Kinder freuen sich. Man könnte selbstständig, mit dem Bus oder dem AS-Taxi ins Städtchen, sich da mit Leuten treffen und schwimmen gehen, für umme, es tun sich Möglichkeiten auf. Welche Freibäder gibt es denn sonst noch im Landkreis? Wir werden jedes einzelne mindestens einmal nutzen. Schönen Dank auch, ihr Maskenverweigerer.


Der Wetterbericht meldet Regen. Ergiebigen Dauerregen, im Warnbereich rot. Der Liebste sichert das Kellerfenster. Abends gegen halb zehn geht es los. Jo, da kommt ordentlich was runter. Der Hund ist nach den paar Metern Spät-Gassi-Runde klatschnass. Der Liebste läuft mit der Taschenlampe ums Haus. Während der letzten Starkregenereignisse war er nicht zu Hause, jetzt sieht er mal selber, wie das Wasser läuft, aus dem Garten, ums Haus und zum Glück nicht mehr genau in den Keller, die Graben- und Deichanlagen wirken.

Trotz Unwetter schlafe ich ganz wunderbar und staune am nächsten morgen. Das Bächlein im Tal, in dem der Hund gern tobt ist ein Fluss geworden, die Wiese ist teilweise überschwemmt. Ein kurzer Schreckmoment, der Hund hat anscheind nicht wahrgenommen, dass die Brücke, von der er sonst fröhlich ins Wasser spingt, heute nicht begehbar ist. Geradeso schafft er es wieder raus. Das war knapp. Wir gehen lieber wieder.

Wasser rauscht unter jedem Gullideckel. Vor dem Haus kann man hören, wie das Wasser ins nahegelegene Regenrückhaltebecken fließt. Kleine Wasserläufe im Wald sind über Nacht Bäche geworden. Wir dachten, wir hätten viel Regen gehabt, bis wir die Bilder aus NRW sehen. Plötzlich fühlen sich die 40 Liter Wasser, die wir letzte Woche aus dem Keller gewischt haben ganz anders an.


Eine Strickjacke und ein Schlafsack hängen da, seit Tagen, ohne zu trocknen. Fast alle Schuhe dieses Haushalts sind mit Zeitungspapier ausgestopft, und, gibt es eigentlich noch ein trockenes Handtuch? Ist mir egal, dass Mitte Juli ist, ich mache jetzt den Ofen an.


Die Zeugnisse der Kinder sind richtig gut, stellen der Liebste und ich kopfschüttelnd fest. Wir erinnern uns an die Stimmung anfang des Jahres, die Untergangsrhetorik einzelner Lehrkräfte. Da waren wir hier alle so mit den Nerven runter, dass wir innerlich einen Haken an dieses Schuljahr gemacht hatten. Es schien nicht schaffbar, beim besten Willen nicht. Jetzt klopfen wir uns auf die Schultern. Wenn man nur die Zeugnisse betrachtet, funktioniert es zu Hause besser als in der Schule, fast. Was man nicht sieht, auf dem Papier, ist die Erschöpfung.

Und? Wenn wir, als Eltern diesem Schuljahr eine Note geben könnten? Der Liebste und ich sind uns schnell einig. Ungenügend. Das ist allerdings den herausragenden Leistungen einzelner Lehrkräfte zu verdanken, die sich Wissen angeeignet und Equipment beschafft haben, die bereit waren, datenschutzrechtliche Grauzonen zu betreten, und unter ständig wechselnden Bedingungen ihren Job einfach immer weiter gemacht haben. Was die Qualität des Distanzunterrichts angeht, da geht die Tendenz Richtung „erbärmlich“. Ich wüßte ehrlich nicht, was da noch schlechter hätte laufen können. Man kann nur hoffen, dass man den nie wieder brauchen wird.


Sommerferien. Juhu. Oder? Es fühlt sich garnicht so an. Könnte auch ein Lockdown sein. Beim Mittagessen nach dem letzten Schultag sitzen zwei Freundinnen des Julikinds mit am Tisch. Der Klassenlehrer habe gesagt, er wäre eigentlich dafür, dass sie online Unterricht machen, während der Ferien. Das war ein Scherz, da hat der doch selber keinen Bock drauf, mit Sicherheit nicht, die drei sind sich einig, aber alle gucken mich fragend an. Jetzt ist 6 Wochen lang garnix, da kann sie beruhigen. Fröhlich giggelnd verschwinden sie nach draußen. Abends um halb neun kommt das Julikind wieder rein, wegen Hunger. So soll das.

Endlich Ferien.

Corona-Konfirmation

Am Donnerstag zwinge ich alle, ihre Festtags-outfits einmal komplett anzuziehen. Als hätte ich es geahnt. Das Kleid, zu dem das Märzkind sich schon passende Accesoires gekauft hat, passt nicht mehr. Der Rock und die Bluse, die ich mir gekauft hatte sehen hier im tageslicht völlig anders aus als im Laden. Das geht so nicht.

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Freitag morgen um halb vier steht der Liebste auf. Normalerweise höre ich den Wecker nicht. Heute springt sofort mein Kopf an und spult die Liste, der noch zu erledigenden Sachen ab.

Um punkt neun Uhr stehen das Märzkind und ich vorm Testcentrum, um uns einen „negativen Coronatest, nicht älter als 24 Stunden“ ausstellen zu lassen. Den braucht man, wenn man in ein Geschäft möchte, dass nicht lebensnotwendige Dinge verkauft. Wir dachten, wir wären früh, vierzig Leute vor uns waren früher. Es dauert anderthalb Stunden.

Ich gebe Rock und Bluse wieder ab und bekomme eine Gutschrift. Vielleicht findet das Märzkind hier ja was. In der Damenabteilung ist die Beleuchtung nur zur Hälfte eingeschaltet, fällt mir auf. Das erklärt, warum die Farben zu Hause anders aussahen.

Wir fahren die 30km ins Nachbarstädtchen. In dem riesigen Modehaus sind vielleicht fünf Kunden, man hilft uns gern. Leider sieht die Nach-Lockdown-Mode-Kollektion so aus wie das, was meine Oma auf Fotos aus den 70ern anhat. Der Verzweiflung nahe entscheidet sich das Märzkind für einen schwarzen Bleistiftrock. Irgendwas wird sie noch im Schrank haben, was man dazu anziehen kann, Begeisterung sieht anders aus. Ob sie denn für mich auch mal schauen soll, erkundigt sich die Verkäuferin. Ja, soll sie. Vier mal sagen wir beide aus vollem Herzen nein, als ich aus der Kabine komme. Das fünfte Kleid landet immerhin in der Kategorie „passen tut es“. Ich kapituliere. In meinem Schrank sind einige Sachen die passen und darüber hinaus einigermaßen gut aussehen, ich werde irgendwas davon nehmen.

Auf der Rückfahrt stellen wir zwei Dinge fest. Erstens: Das war wirklich blöd. Entweder kann man demnächst wieder normal einkaufen, oder wir bestellen. Zweitens: In den fünf Stunden, die das ganze gedauert hat, haben wir uns nicht angeraunzt und nicht gestritten. Eigentlich hatten wir sogar Spaß, beim Warten in der Schlange vorm Testcentrum. Jedenfalls mehr Spaß als die anderern. Seltsam.

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Das Julikind kommt in Englisch nicht weiter. Das Maikind hat die freie Zeit genutzt und den perfekten Schreibtisch gefunden, den hätte er dann gern, wann gibt es eigentlich essen heute? Gute Frage.

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Anruf der Floristin, es ist diese sanfte Stimme, mit der alle Dienstleister mit Konfi-Müttern sprechen. Sie wolle mich nicht beunruhigen aber „ich konnte kein Gras kaufen“. Ein Teil meines Hirns lacht sich kaputt, der andere denkt schon. Der Konfirmand ist nervlich an einem Punkt, wo er nicht mehr wahrnehmen wird, ob da das Grasgesteck oder ein Blumenstrauß auf dem Altar steht, denke ich. Sie wirkt erleichtert und hat natürlich auch eine Idee.

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De Omma hat nicht verstanden, dass die Kontaktbeschränkungen nachmittags auch gelten werden, das wird mir erst allmählich klar. Ich lade sie für Montag ein. „Aber, wo trinken wir denn dann am Sonntag Kaffee?“. Wir drehen uns im Kreis.

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Eigentlich reicht es für einen Tag. Wenn es Arbeit wäre, was ich hier tue, dann könnte ich jetzt Feierabend machen. Meine Liste sagt, der Tag hat noch gar nicht angefangen. Seufz. Ich streiche auf das allernötigste zusammen und verteile Aufgaben. Samstag hat der Liebste frei. Tatsächlich schaffen wir alles, was wirklich erledigt werden muss, bis zum frühen Nachmittag.

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Dann trifft der Patenonkel ein. Damit beginnt das Fest, denn wir haben uns schon wirklich lange nicht gesehen. Gespräche, in der Freizeit, mit Menschen, die man mag, aber mit denen man nicht verwandt ist, wann hat man das schon?

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Laut Hygienekonzept dürfen 30 Leute in die Kirche. Das Maikind ist der einzige Konfirmand, wir dürfen alle Plätze besetzen. Großeltern, Paten, Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen, alle sind da. Es war sogar noch ein Platz für den besten Freund frei. Wir feiern nicht „trotzdem“, wir genießen den VIP-Status. Es ist richtig schön.

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Im Anschluss bilden wir einen Autokorso. Die Dönerbude im Nachbarstädtchen erwartet uns. Kurze Verwirrung, wie gibt man denn am besten eine Bestellung für 28 Leute auf? Man reicht uns einen Block durchs Fenster. Haben alle bestellt, weiß jeder seine Nummer noch? Der Liebste reicht den Zettel zurück. Sind wir ehrlich, das ist jetzt reine Glückssache. 20 Minuten später werden zwei Kartons über den Tresen gereicht. Auf dem Bahnhofsvorplatz gibt es eine 50m lange Beeteinfassung, da können wir alle distanziert sitzen. Es fehlt tatsächlich nur eine Portion Pommes.

Nachtisch gibt es an der Eisdiele. Es regnet ein bisschen. Ein Mitarbeiter kurbelt extra für uns den großen Schirm auf. Sitzen darf man nicht, stehen aber schon.

Damit ist die offizielle Feier schon vorbei. Als wir zu Hause ankommen steht ein Freund des Maikinds mit seiner Mutter vor dem Haus. Sie sind zum Kaffee eingeladen. Wir unterhalten uns kurz. Sie trauen sich nicht so recht, die Garage zu öffnen. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wie es darin gerade aussieht. Heute morgen um acht habe ich die Kuchen, die gestern schon abgegeben wurden geschnitten und hingestellt. Der Rest lief kontaktlos, hoffe ich.

„Wow, aber – war das nicht eure Garage?“, fragt der Freund. Das ist immernoch die Garage. Der Liebste hat hier wunder gewirkt, in der letzten Woche. Und es hat tatsächlich funktioniert. Während wir weg waren hat sich hier wie von Zauberhand ein Tortenbuffet aufgebaut, und was für eins, einen Moment stehen wir staunend davor.

Drin ist der Tisch festlich gedeckt, aber wir sind eigentlich alle noch pappsatt. Die Männer holen die Bierbänke raus. Kaffee gibt es aus den Alltags-Kaffeepötten.

Gäste kommen an, beglückwünschen das Maikind, übergeben Karten, nehmen sich Torte vom Garagenbuffet und gehen dann zum Kaffee trinken wieder nach Hause. Die freundlich fröhliche Grundstimmung hat etwas feierliches. Das Maikind freut sich. Es war schon hart, so ganz alleine im Mittelpunkt zu stehen, aber dafür musste er keine Tischrede halten, und keine Hände schütteln. Hat alles Vor- und Nachteile.

Der Patenonkel verabschiedet sich am frühen Nachmittag. Sie haben noch einen Weg vor sich und müssen auch den Hund noch abholen, ab 22 Uhr ist Ausgangssperre. Man kommt sich blöd vor und wäre gern noch geblieben, aber so ist es halt.

Am frühen Abend kommt die Oma. Feierlich öffnet das Maikind seine Umschläge. Alle Aufregung ist von ihm abgefallen, jetzt kann er sich einfach mal freuen. So viele Leute haben an ihn gedacht, das hatte er nicht erwartet.

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Danke

allen, die mitgeholfen haben.

An diese Feier werden wir uns sicher noch eine Weile erinnern. Es war besonders schön.

zuckerfrei

Früher, da musste ich sonntags schon um halb neun mit dem Hund raus. Um kurz vor zehn musste der Konfirmand zum Gottesdienst gefahren werden. Danach war ich gerade so rechtzeitig zu Hause, um das Märzkind zum Training ins Städtchen zu fahren. Dann zurück und irgendwas kochen, wieder hin um das Kind abzuholen, essen und wieder mit dem Hund raus. Ich mag die Lockdown-Sonntage.

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Gefühlt kommen sehr viel mehr Kraniche wieder, als ich Richtung Süden habe fliegen sehen.

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Das Maikind wird am Telefon verlangt. Das ist ungewöhnlich. Gleich kommt die Tante vorbei um seinen Nintendo abzuholen, sagt er. Ich wundere mich, die Konsole gehört eigentlich zum Allerheiligsten. Der große Cousin ist in Quarantäne, erfahre ich. „Und, wenn der schon übers Festnetz hier anruft, dann braucht der die echt.“

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Ich klettere so halb den Hang hoch und angele nach der Hunde-Frisbee. Ratsch. Meine Jeans reißt. Das kann doch wohl nicht sein. Abends stelle ich mich zum ersten Mal seit Ewigkeiten auf die Waage. Oh. Die Jeans hatte recht.

Wieviel Süßkram ich wirklich gegessen habe fällt mir erst auf, als ich versuche ohne klar zu kommen.

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Kopiergeld soll sie mitbringen, sechs Euro, sagt das Julikind. Vier Präsenztage Schule waren das, bis jetzt, dieses Jahr. Mir war so, als hätte ich in der übrigen Zeit die Kopien gemacht. Aber natürlich zahle ich gern. Die Bildug der Kinder liegt uns ja allen am Herzen. Nicht wahr?

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Stadt/Land/Einhorn ist tatsächlich eine intelektuelle Herausforderung. Ich kenne so gut wie keine Flüsse und gar keine Influencer. Städte und Länder fallen mir schon ein, aber so einfach ist es natürlich nicht. „Honduras ist kein Land, man darf sich doch nicht einfach irgendwas ausdenken“. Das Julikind ist entrüstet. „Günther??? Also Mama echt jetzt, Günther ist doch kein Einhornname.“ Ja, nee, ist klar.

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Das Maikind wirft seit Tagen einen kleinen Ball gegen seine Zimmerwand, so leise es geht, aber stundenlang. Es nervt ein bisschen. Völlig unerwartet hört das Klopfgeräusch auf. Er kommt aus dem Zimmer, setzt sich an den Esstisch und erklärt mir wie Bitcoin-Mining funktioniert. Ich bin ehrlich beeindruckt. Er backt dann jetzt Schokoladenkuchen, sagt er.

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Anderen beim Backen zuzuschauen ist faszinierend.

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Eine Geburtstagsfeier für das Märzkind? Schwierig, die Kontaktbeschränkungen werden dann immernoch gelten. Es dürfen sich maximal 5 Leute aus zwei Haushalten treffen. Paare gelten als ein Haushalt. Was heißt das denn wohl? Sind das Märzkind und pluseins damit ein Haushalt. Die Freundin hat einen besten Freund, die sind zwar kein Paar, aber das kann doch niemand wissen, oder? Ich bewundere im Stillen ihren Ehrgeiz, die Regeln einzuhalten. 5 Personen haben wir erlaubt, in der Hoffnung, dass da einfach niemand so genau nachfragt. Beim zweiten Lockdown-Geburtstag ist nachfeiern keine Option mehr.

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Wir bereiten uns aber schon mal auf Lockdown-Osterfeuer vor. Der Liebste räumt Altholzvorräte aus der Garage immer schön nach vorne. Wir werden wohl die ganze Nacht an der Feuertonne stehen.

Ich weiß es doch auch nicht

Vor Ostern, wenn die Skigäste durch sind und es draußen warm genug zum Wäsche trocknen ist, mache ich normalerweise eine Grundreinigung in der Ferienwohnung. Skigäste gab es keine, Ostergäste wird es auch nicht geben. Ich vermisse das Bettzeug und Gardinen- und Geschirrchaos. Es ist seltsam, ich mochte es nie. Den Weihnachtsstern könnte ich mal abnehmen.

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Wir bringen ein Auto zum Wanderparkplatz zwei Orte weiter und laufen ein Stück auf diesem Premiumwanderweg, der quasi vor der Haustür anfängt. Wir müssen hier alle mal raus. Das Julikind wollte nicht mit, zu Hause bleiben aber auch nicht. Nach einer halben Stunde führt der Weg durch die Wildnis und sie wird fröhlicher. Früher, als er klein war, musste er auch wandern, mit seinen Eltern, sagt der Liebste, sie waren in Bayern, in Österreich und so. Aber hier, hier ist er noch nie lang gelaufen.

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Vor zwei Wochen hatte ich eine Matratze bestellt und bezahlt. Seitdem nichts mehr davon gehört. So langsam müsste die geliefert werden. Oder auch nicht. Nach zwanzig Minuten in einer nervtötenden Warteschleife, habe ich eine Dame am Telefon, die mir nur sagen kann, das auf meiner Zahlungsbestätigung eine falsche Nummer steht, und der Auftrag vermutlich deswegen „irgendwie durchgerutscht“ ist, leider könne sie da nichts für mich tun, ihr Job ist es nur, ans Telefon zu gehen, so leid es ihr tut. Ich storniere.

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„Der Mathewettbewerb, nächste Woche, findet der statt?“, fragt das Maikind im vorbeigehen. Ähm, gute Frage. Anruf im Sekretariat der Schule. Gute Frage, man wird mich gleich zurückrufen. Der findet tatsächlich statt, so halb digital. Das Maikind soll bitte Mittwoch in die Schule kommen. Jackpot! Mittwoch ist der einzige Tag der Woche, der pickepackevoll mit online-Unterricht ist. Leider wird verlangt, dass er ab der sechsten Stunde zu Hause wieder teilnehmen muss. Man fasst es kaum, sagt das Maikind. Hätte der Wettbewerb im Städtchen stattgefunden, wäre er für diesen Tag freigestellt worden. Ähm, ich sag lieber nix.

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Samstag morgen um halb acht ist es wirklich leise im Ort. Etwas weiter unten am Hang knackt ein Ast. Weil es das einzige Geräusch ist, schaue ich in die Richtung und bleibe verwundert stehen. Eine Hirschkuh, anscheind auf dem Weg zum Altglascontainer. Hund und Hirsch gucken mich aus verschiedenen Richtungen leicht verwirrt an. „Expecto patronum“, murmele ich. Die Hirschkuh dreht sich um und geht.

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Die geistige Freizeit, die sich durch zwei Tage Präsenzunterricht ergibt, füllt sich schnell von selber.

Man müsste mal: Familien-Verwaltungssachen erledigen, Arzttermine machen für ganz normale Kontrollsachen, Sperrmüll bestellen, Konfirmationseinladungen, zu klein gewordenes aus dem Kleiderschrank des Julikindes räumen, Wäsche, Fenster putzen.

Der Liebste nimmt die Kinder mit zum Fahrrad fahren. Eine Stunde bin ich allein zu Hause. Es ist herrlich. Mit einer Tasse Kaffe stehe ich am Fenster und mache nichts, sowas von garnichts, eine ganze Stunde, weil ich es kann. Früher hätte ich eine Woche Urlaub machen müssen, um einen gleichwertigen Erholungswert zu erlangen. Nach einem Jahr Pandemie reicht eine Stunde.

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Die Blagen haben die Tüte mit Osterschnucke gefunden. Ganz hinten ganz unten in einem Schrank, in dem nur hauswirtschaftlicher Kram lagert, den ausser mir eigentlich nie jemand sucht. Als würde man mit einem Schwarm Heuschrecken zusammen wohnen…

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Auf der Danksagung steht hinten handschriftlich drauf, wie sehr man sich über unsere Karte gefreut habe. Ich stelle fest, dass ich die Frau auf dem Bild wirklich nicht kenne. Der Liebste freut sich, denn er mochte diese Tante aus der Gemeinde richtig gern, und, hat er doch gewusst, das ich da die richtigen Worte finde. Das widerum freut mich, weil ich lieber Karten schreibe als Holz trage. Ein win-win Situation.

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Das Praktikum findet statt, da muss ich dann mal anrufen, sagt mir das Maikind im Vorbeigehen. „Moment, ich kann doch da nicht einfach anrufen und sagen, das Praktium findet statt, da brauch ich ein Datum.“ Augenrollen. Der Außendiestler habe doch gesagt, das ginge, egal wann. „Das ist richtig, aber wann genau müssen die ja dann trotzdem wissen. Sag der Fachlehrerin, ich will eine Email.“ Kurze klare Sätze.

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„Wann ist wieder Kickboxen?“, fragt das Julikind. Ich weiß es leider nicht. Aber die Frisöre machen doch auf. Ich glaube, das heißt nichts. Machen die Gartencenter nicht auch auf? Ich habe keine Ahnung. „Aber, die werden doch wohl nicht die Gartencenter aufmachen, bevor alle wieder zur Schule können?“, das Märzkind ist irritiert. Ich fürchte, genau das wird passieren. „Aber, in Gartencentern kaufen doch nur alte Leute. Wieso immer nur die Alten? Die werden geimpft und dürfen wieder einkaufen, ganz normal, und wir? Nix.“ „Die Rentner dürfen wählen, ihr nicht.“ „Aber das ist doch scheiße“, sagt das Märzkind. „Richtig“, sage ich. PoWi im homeschooling.

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De Omma hat das Beet im Vorgarten gejätet und mit der Hacke schon mal kleine Löcher reingegraben, um die genaue Anzahl der benötigten Stiefmütterchen zu ermitteln. Ein bisschen wartet sie noch, es ist nachts noch ziemlich kalt nachts, sagt sie.

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In deutscher Gründlichkeit wurde eine Art Öffnungsstrategie entworfen. Ich versuche, dieser Tabelle einen Sinn zu entnehmen. Es ist schwierig. Meine Öffnungsstrategie sieht daher folgerdermaßen aus: Wir planen, und dann geht das entweder oder nicht. Das schreibe ich in die Einladung. Problem gelöst.