Mai, ganz normal eigentlich

Die Freundin kommt spontan vorbei, ich freue mich. Vor der Haustür klopft sie sich symbolisch den Staub aus den Klamotten, ich winke ab, einfach hinsetzen, ist heute total egal. Sie erzählt von der Baustelle. Da ist leider alles ziemlich genauso wie erwartet, was kein Vorwurf sein soll, der Mieter war Ü-80 und ein Guter. So einen werden sie wohl nicht mehr finden. Wer will schon direkt an der Bundesstraße wohnen, mit Gasheizung? De Politik tut so, als hätten Vermieter grundsätzlich einen Sack voll Geld, aber dem ist nicht so. Die Wohnung müsste mal etwas abwerfen, damit Geld für Investitionen da ist, aber, Hauptsache ist natürlich es wohnt überhaupt jemand in so alten Häusern. Es ist kompliziert.

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Zum Muttertag bekomme ich Geschenke, und freue mich sehr. Große Kinder sind toll.

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Elf Leute sitzen um den Küchentisch und lauschen angestregt.

Märzkind: „ooohhhh, das ist der, der das Tarzan-Lied singt“

ich: „stimmt, Phil Collins“

Vatta zeigt zielsicher auf zwei kleine Kärtchen, die schon auf dem Tisch liegen: „Genesis, das kommt dazwischen“, sagt er. Alle anderen staunen.

Hitster, battle of the generations (Werbung, Spiel natürlich selber gekauft), man lernt sich irgendwie nochmal anders kennen dabei.

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Bei Schichtwechsel sind kurz fast alle da, man verabschiedet mich nett. Am nachmittag ist nicht viel los. Zur Feier des Tages setzen wir uns doch einfach selber hin, sagt die Kollegin. Wir trinken Kaffee, essen Sahnetorte und unterhalten uns. Ich war gern hier und dachte, ich wäre ich trauriger. Aber, weil die Dinge jetzt so sind, wie sie sind, bin ich leider ein bisschen froh…schade, ist das, sind wir uns einig.

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Ein Blick auf Thermometer verrät, dass das Wetter tatsächlich so ist, wie der Blick aus dem Fenster vermuten lässt, aber nützt ja nix. Ich nehme mir also den Wintermantel, Handschuhe und Mütze, ziehe die warmen Stiefel an und gehe die morgendliche Hunderunde bei stürmischen 3°C. Das Weihnachtsbaum-Feld wurde geschreddert. Ein trauriger Anblick, aber es riecht gut. Das Wetter, der Geruch, dazu ein Gefühl von fast völlig verbrauchten Nerven- sehr adventlich. Zu Hause mache ich den Ofen an. Mir doch egal, ob Mai ist.

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Am frühen Sonntag morgen machen wir uns auf, in die Kurstadt zum Mädchenflohmarkt, das Auto ist voller Mädels. Auch dieser Flohmarkt ist ein bisschen ramschiger geworden, aber es lohnt sich noch. Vielleicht könnte man auch mal nur so hierher kommen, überlegen auf dem Rückweg. Hier gibt es noch Geschäfte und Cafes. Nicht nur Modeketten und Dönerbuden. Man fährt 45 Minuten, so weit ist das eigentlich garnicht.

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Nagut. Weil man mich so nett gefragt hat, gehe ich nachmittags kurz mit zum Brauchtumsfest. Aber wirklich nur Kaffee trinken. Ja sicher, sagen die, die gerne hin wollen. Auf dem Weg zum Eingang das Geräusch von billigen Plastiktrompeten und „bin ich froh, dass ich so einen scheiß nicht mehr kaufen muss“, sage ich zu Märzkind. Sie grinst nur. Man begrüßt uns herzlich, was kein Wunder ist, es gab hier im tagesverlauf mehrerer hundert Liter Freibier. Überraschend guter Kaffee und leckerer Kuchen. People watching. Ich kenne die Kinder nicht mehr. Ein Alterungsmoment. Obwohl, wenn man da einen Moment länger hinguckt – sehen einige doch Leuten ähnlich.

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Dienstag abend sitzen wir zu dritt auf dem Sofa und schauen uns eine Sendung über Essen an. Stanley Tucci dreht die Spagetti gegen den Uhrzeigersinn, bemerkt der Liebste. Ist mir nicht aufgefallen, sage ich. Hä? sagt Julikind, das ist doch die ganz normale Richtung. Nee. Ich drehe kurz eine imaginäre Gabel, der Liebste neben mir macht das gleiche. Hää? sagt Julikind, geht an die Besteckschublade und holt eine Gabel. Sie dreht Spagetti nach links auf, ganz normal. Wenn beide Eltern die Spagetti nach rechts drehen, wie kommt es dann, dass das Kind…? Nee, nee, macht Sinn, sagt der Liebste, spiegelverkehrt.

Prüfungswoche der Realschüler. Montag Englisch, Mittwoch Deutsch, Freitag Mathe. Dazwischen Anspannung und geistiger Tiefflug gleichzeitig.

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Wir decken gemeinsam den Tisch fürs Abendbrot, alle versuchen, sich dabei so wenig wie möglich auf den Sack zu gehen, jeder hatte heute irgendwas, alle geben sich Mühe. Das Festnetztelefon klingelt, wir wundern uns kurz, denn das tut es nicht oft. Der Liebste geht ran, murmelt etwas von, da sei er leider noch nicht zu gekommen, dann schaut er mich an, und fragt, völlig ernst „Möchtest du Freitag Matjes essen?“ Ich bin gedanklich gerade woanders und antworte daher das offensichtliche, formuliere es aber intuitiv so, dass die Frage nach einer mentalen Gesundheit mitschwingt „Nein!? Ich möchte nie Matjes essen.“ Er gibt das wortgetreu so weiter, und fügt hinzu, dass er dann alleine kommt. In dem Moment puzzelt mein Hirn die Informationen Festnetzanruf, Freitag und Matjes zusammen. Ohauahaua. Wobei, eigentlich, war das genau die richtige Antwort, und jetzt ist es sowieso egal, aber, nur fürs Protokoll, auf die Frage „Hamburg reist schon Freitag an, möchtest du mit zum Geburtstagsessen meiner Mutter?“, hätte ich diplomatischer reagiert.

Symbolbild des Monats

Anfang Mai

Ich sehe ein Binnenschiff, ein Touristenschiff, eine Seilbahn, einen Güterzug, ein Flugzeug, mehrere Autos und Fahrräder und Menschen, alles auf einen Blick. Wie in so nem Wimmelbuch. Es ist interessant. Also das Gesamtbild, die Sehenswürdigkeit an sich beeindruckt mich eher weniger, aber gut, haben wir das auch mal gemacht. Danach, bestes Eis des Jahres gegessen.

Am zweiten Tag unseres Ausflugs gucken wir eine Burg an, naja, eigentlich gucken wir Menschen an, die eine Burg angucken. Anschließend würden wir was essen wollen. Die Kombination von Nahrungsmittelunverträglichkeit, Feiertag und touristischer Zielgruppe macht es ungeahnt kompliziert. Zwei Stunden später sitzen wir mit einer Schale Erdbeeren und einer Flasche Wein auf einer Parkbank an der Mosel. Sehr idyllisch. Und dieser Wein, der ist dermaßen gut, wahrscheinlich liegt es am Sonnenschein und an den Segelbooten, die da direkt vor uns so angenehm leise vorbei fahren, aber wenn der aus der Flasche schon so schmeckt, überleg mal wie das erst aus einem Glas schmecken würde… Der Fussweg vor unserer Picknick-Bank führt zu einem Maifest. Gruppen fröhlicher junger Menschen laufen stetig vorbei. Viele von ihnen haben richtige Weingläser in der Hand, oder an extra dafür gemachten Tragevorrichtungen um den Hals hängen. Ich hatte keine Ahnung, dass es sowas gibt.

Am Abend finden wir ein Restaurant und essen gut und reichlich. Vor der Eisdiele von gestern steht eine 200 Meter lange Warteschlange. Beeindruckend.

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Als wir wieder zu Hause ankommen ist Sommer. Das trifft mich unvorbereitet. Ich hole die Box vom Dachboden, räume T-Shirts und kurze Hosen in den Schrank ein und bringe Wollpullis und Winterkram ins Sommerlager. Abends wird gegrillt, danach sitzen wir mit der ganzen Familie im Garten und spielen Karten, in kurzen Klamotten, barfuss und wundern uns. Vorgestern war noch Winterjacke.

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Maikind hat die familienfreie Zeit genutzt um verschiedene Projekte mal ganz in Ruhe zu reparieren. Mit dem Scharnier an meiner Autotür ist alles in Ordnung, sagt er, die Tür ist gerissen. Naargh.

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Überraschend wurden wir zu einer Konfirmation eingeladen. Den Konfirmanden kennen wir eigentlich gar nicht, er freut sich anscheind trotzdem, dass wir da sind. Die anderen Gäste kennen sich auch nicht alle untereinander, aber wir kommen schnell ins Gespräch. Die Gastgeberin erzählt auf Nachfrage von ihrem Ausflug in die Notaufnahme, neulich. Fast wäre sie gestorben. Aber wirklich nur fast, und natürlich hat sie die Bienen noch, sagt sie, das war ja keine Allergie im eigentlichen Sinn, bei 20 Stichen auf einmal wird so ziemlich jedem schwummerig und sie ist halt ein bisschen empfindlich. „ja, aber…“ sagen die Nicht-Imker und schütteln die Köpfe. Naja, sie wird in Zukunft wohl den Schleier genauer kontrollieren, nur noch an die Bienen gehen, wenn jemand mit Führerschein zu Hause ist, und dieses Ereignis zum Anlass nehmen, sich dieses Jahr eine Norderney-Königinn zu kaufen, sagt sie und grinst. „Gute Idee“ sagen die andern Imker am Tisch, „ja, aber…“ sagen die Nicht-Imker, „ach, das war doch nicht persönlich“, sagt die Imkerin und wechselt das Thema. Einfach so. Man kann also doch noch unterschiedlicher Meinung sein, ohne sich anschließend gegenseitig doof finden zu müssen. Ein sehr entspannter sommerlicher Sonntag nachmittag im Mai- grün-bunten-Garten, mit leckerem Buffet.

Zum Abschied bekommt jeder eine Klemmbaustein-Jesusfigur geschenkt. Die steht jetzt auf dem Aquariumreinigunsmagneten und teilt das Meer. Hihi

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Regen war angesagt und wirklich nötig. Ein normaler Mairegen wäre toll gewesen, stattdessen gibts Starkregen. Wie schön, dass nichts davon bei uns in den Keller läuft, denke ich und lausche einfach dem Geräusch, beim Einschlafen.

Halber Hase

Der gebackene Osterhase wurde verschenkt und ungefähr zur Hälfte aufgegessen. Jetzt sieht er aus wie eine Ente.

Wir überlegen diese Backform ganzjährig zu nutzen, für Wolpertinger.

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Erste Urlaubsrückkehrer berichten von Spritpreisen von 1,78€ in Italien. Die Kurzstreckenpendler wimmern leise. Wir wollten ja tapfer sein, aber leicht ist es nicht.

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Heute ist Räumaktion. Der zweite Container steht bereit. Es riecht schon von weitem nach Omas Kleiderschränken, so intensiv, dass man sich fragt, wie das sein kann. Ich werfe einen Blick in den Container. Gleich vorn an der Kante steht eine Halbliterflasche echt Kölnisch Wasser. Solange ich denken kann stand die in Omas Schlafzimmer auf der Kommode vor dem Spiegel. Er hatte gedacht, es wäre vielleicht gut, ein bisschen davon über die Sachen zu verteilen, damit keine Waschbären oder so in den Container… „dass da noch soviel wumms hinter ist nach all den Jahren konnte man ja nicht ahnen“, erklärt der, der mit einziehen wird, im vorbeigehen. Auch der zweite Container wird voll. Es fühlt sich so an, als würde das Haus aufatmen. Und das macht was mit uns allen. Momento mori, quasi.

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Verschiedene Ereignisse führen zu ehrlichen Gesprächen unter Kollegen, Informationen puzzeln sich zusammen und das Bild, das sich daraus ergibt, sieht anders aus, als das auf der Verpackung.

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Die Zehntklässer schreiben ihre Probe-Abschluss-Arbeiten. Es ist nur eine Phase.

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Ein Fuchs mit Staupe gibt Anlass, mal den Impfstatus des Hundes zu überprüfen. Ups, ähm jo. In meiner Erinnerung war Tierarzt auch viel günstiger.

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Morgens ist es frostig kalt. Nachmittags wird es frühlingshaft warm. Murmeld stehe ich vor meinem Kleiderschrank, schichte um, und, ach komm, weißte was, ich nutze diese Gelegenheit, und werfe mal alles weg, worin ich nicht tot überm Zaun hängen wollen würde, wobei ich das narürlich sowieso nie will.

Ostern, und sonst nichts, eigentlich

Das Geräusch eines Bienenstands im April, wir haben es doch vermisst. Neue Bienen ziehen auf dem alten Standplatz ein. Der Frühling kann kommen.

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Osterhasen gebacken und gemeinsam, nun ja, verziert ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, aber auf jeden Fall hat das Ergebnis fröhlich gemacht, und darum gehts ja.

Einmal Ostern mit allem: Karfreitagsgottesdienst am Nachmittag, am Samstag verschiedene Haus und Hof Tätigkeiten, abends Osterfeuer. Ostergottesdienst Sonntag morgen um sechs, anschließend Brötcheneinkauf und kleines Frühstück, Eiersuche im Garten, Rouladen essen, Spaziergang bis zur Wiese mit Großeltern und Onkel, Eierwerfen, Eier essen, im Anschluss Kaffee und Kuchen und das ein oder andere Blätterkrokantei in geselliger Runde, danach in Joggighosen auf dem Sofa sitzen. Montag ein unerwartet ruhiger Arbeitstag.

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Osterferien, die beste Gelegenheit ein Abschlussfeier-Kleid zu kaufen, alle haben Zeit. Ach ja. Ich lasse die Mädels schon mal raus, suche einen Parkplatz, kaufe mir selbst einen Pullover und gehe erst dann in die Abteilung für Abendgarderobe. Es gibt schon eine engere Auswahl und die Entscheidung fällt verhältnismäßig schnell. Es ist nur eine kleine Änderung nötig, das könnte man sofort… gut, wir warten eine Stunde im Modehaus, auf dem Rückweg isst jede noch eine Kugel Eis. Geschafft. Auffällig war die entspannte Stimmung, obwohl die Abteilung wirklich voll war.

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Endlich wieder Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen, vor dem Haus zumindest, im Garten ist es zu windig. Zu viert sitzen wir auf der Treppe und essen Beeren-Kuchen, ganz ohne Anlass, einfach weil alle heute nachmittag frei haben. Der Kuchen war schneller alle als ich gedacht hätte, daher kein Foto.

Abends auf dem Sofa Whiskey getrunken, auch ohne Anlass, das wird allerdings in Zukunft schwieriger, denn dieser Whiskey ist so dermaßen gut, „der kommt ganz hinten ins Regal“, sagt der Liebste, und lächelt „für besondere Anlässe“.

Also, wenn man die Spritpreise und die allgemeine Weltsituation mal aussen vorlässt, gehts uns richtig gut. Nagut, die Motorkontrollleuchte am gerade erst kostspielig reparierten Auto leuchtet, aber irgendwas ist ja immer.

Geburtstage und Glitzer

Beide Mädels brauchen Abendkleidung. Eine für den Schulabschluss, eine für eine Hochzeit. Wir fahren zum Abendkleider-outlet in die Stadt. Ich bin nur als Begleitung dabei und beobachte. Als erstes fällt mir auf, dass die in der Werbung erwähnten 1000 Kleider für unter 200 Euro anscheind gestern schon verkauft wurden und das, was hier hängt zwar wunderschön, aber nicht unbedingt günstig ist, andererseits, sind Leute vermutlich gern bereit für wallende Polyester-Träume viel Geld zu bezahlen. Der Weg zur Umkleide ist mit Glitzer bestreut. Vor dem Eingang Sitzgelegenheiten, Männer dürfen nicht rein. Hinter den Vorhängen ein riesiger Raum voller Kleiderständer und Spiegel, auf jedem ein Aufkleber, der darauf hinweist, dass man bitte nicht sein Spiegelbild fotografieren möge, aus Rücksicht auf alle, die da im Hintergrund mit drauf sein könnten. Faszinierend welchen Unterschied Klamotten machen. Frauen aller Alterklassen und Kleidergrößen verwandeln sich innerhalb von wenigen Minuten. Man fotografiert sich gegenseitig, hilft in aller Selbstverständlichkeit mit Reißverschlüssen und Bändern. Sehr nette Atmosphäre. Wir verlassen das Event ohne etwas zu kaufen und überlegen auf dem Rückweg, zu welcher Art von Veranstaltungen man wohl solche Roben trägt. Und – dass das Kleid, dass ich zur standesamtlichen Trauung anhatte eigentlich fast so aussieht, wie das, was Julikind gefiel und – es existiert noch. Vielleicht…

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Mit einem gemütlichen Abendessen in Gesellschaft der „Weihnachtsrunde“ Märzkind-Geburtstag gefeiert. Die Gäste stellen fest, dass man dann mit 21 wirklich groß. Sie dürfte sich jetzt eine Waffe kaufen und beschwipst Auto fahren.

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Julikind kommt normalerweise fröhlich vom Tanztraining. Heute nicht. Suizid einer 15-jährigen. Nachrichten werden hin und her geschrieben.

Stille Anteilnahme – auch mit all den anderen Familien, die im verborgenen kämpfen. Und riesengroße Dankbarkeit, dass hätte auch ganz anders laufen können, damals.

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Der Schwager hat zum Geburtstag eingeladen, das ist ungewöhnlich. Nach dem Kaffee trinken überlegen die Blagen, was man denn jetzt wohl macht, weil, sonst sind sie danach immer auf den Spielplatz gegangen und das geht ja jetzt nicht mehr. Doch, natürlich, sage ich, sie dürften jetzt sogar ganz alleine. Wir bleiben einfach sitzen und unterhalten uns. Ein schöner Nachmittag, da sind wir uns alle einig auf dem Rückweg.

Der Blick geht im vorbei fahren auf jede Tankstellen-Preistafel, jedesmal gefolgt von einem Seufzer. Stillschweigend sind wir überein gekommen nicht zu klagen, es nützt ja nix. 50 Euro mehr als normalerweise kostet es uns, jede Woche

Nur eine Stunde Fahrzeit von hier ist der Frühling schon angekommen. Es blüht in allen Farben. Nicht nur acht Osterglocken und ein sanfter Hauch von kommendem gelb in der Hecke, wie hier.

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Die Betriebswaschmaschine steht im Keller. Der Aufzug ist nicht öffentlich, man braucht einen Schlüssel. Es ist Sonntag, außer uns ist niemand im Gebäude. Ich hatte damit gerechnet, dass die Tür einfach aufgeht, als ich den Schlüssel drehe, um im Keller den Trockner anzustellen, denn außer mir, kann da ja keiner mit gefahren sein, in der Zwischenzeit. Der Aufzug kommt von ganz oben. Ein sanfter Grusel-Schauer läuft mir den Rücken herunter.

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Es war definitv die größte Beerdigung die der Ort je gesehen hat, sagt die Freundin. Nicht nur die Kirche und der Platz, wo der Lautsprecher hängt proppevoll, die Leute standen noch über den ganzen Friedhof verteilt. Abends erkundige ich mich beim Liebsten, ob er denn da schon in irgendeiner Form Anteilnahme…? Aber er ist genauso erstaunt wie ich. Zwei Haushalte sind damit beauftragt, Traueranzeigen aus der Zeitung an uns weiterzuleiten, wir sind in mehreren whatssapp Gruppen, haben in der letzten Woche auf zwei Geburtstagsfeiern länger mit vielen Leuten zusammengessen, und dennoch: Wir haben einen Trauerfall komplett verpasst.

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Mohnkuchen gebacken und gegessen, kam durchschnittlich gut an. Cookies gebacken und verschenkt. Eine Biskuitrolle gebacken, die in alter Traditon, aussah wie ein Unfall. Ein weiterer nice-try-award wurde mir verliehen.

Frühling und Pullover

Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, es ist deutlich wärmer als noch vor ein paar Tagen, und wir haben gerade mal Anfang März. Das tut gut. Ich gehe die frühe Hunderunde und freue mich über das wunderschöne Frühlingswetter und überhaupt – im Moment sind tatsächlich alle gesund, munter und fröhlich. So schön, wenn mal so nix ist, nagut, abgesehen von einem Hausarbeits-Abgabetermin den jemand hat und Pollenflug-apokalypse, aber das ist ja normal. Einen halben Tag später ist Krieg im Nahen Osten.

Die Spritpreise gehen hoch. Sehr schnell und sehr deutlich. Freitag tanke ich für 1,80 Euro pro Liter, halb voll nur, weil, so teuer war es, glaube ich noch nie. Vier Tage später tanke ich für 1,94 Euro pro Liter und habe ein Schnäppchengefühl, weil hinter mir noch drei Autos anstanden. Julikind ruft an, sie hatte doch schon nach der 6. Stunde Schluss und es sei kein Bus gekommen, ob ich denn wohl bitte? Ja sicher. Der nächste Stadtmensch, der mir erklären will, wie man Autofahrten einspart, kann sich auf was gefasst machen.

Ich meide die Nachrichten, dann gehts.

Alle Lieferanten haben Aufträge still gelegt, und müssen Preise neu aushandeln, meldet der Liebste aus seinem Job. War klar, basiert alles auf Erdöl.

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Eine Pfanne voll Zimtschnecken gegessen, zusammen mit allen Kindern, im T-Shirt im Garten gesessen dabei.

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Die erste Stromabrechnung nach Einbau des Balkonkraftwerks. HolladieWaldfee. Sehr erfreulich.

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Man bat mich um einen Rettungsversuch einer untragbar kaputten Hose. Jetzt hätte ich ein bisschen Zeit. Ich nehme das gute Stück vom zu erledigen Stapel und suche den Schaden. Och guck. Einsatz für die Knopfsammlung. Ich nähe zwei neue Knöpfe an, bessere mit ein paar Stichen das Knopfloch aus, lasse mich feiern. Basic skills des letzten Jahrhunderts.

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Es hat ein bisschen Anlauf gebraucht, aber jetzt geht es. Ich räume Ommas Kleiderschrank aus. Wobei, Kleiderschrank stimmt eigentlich nicht, es gibt einen Schrank nur für Pullover. Die, in denen ich sie kenne, lasse ich einfach noch liegen. Alle anderen stopfe ich in Säcke. Da kommt ordentlich was zusammen. Und es dauert eine Weile, denn man findet Sachen. Antike Unterwäsche und Stofftaschentücher in Aussteuerqualität, alles orginalverpackt, Postkarten aus Zeiten, in denen man selbst keine Fotos gemacht hat, eine Zigarrenkiste voll gemischter Münzen und Scheinen, die fast aussehen wie Kunstdrucke, coupons über jeweils ein Kilo Eisen, noch gültig, steht auf dem Stempel, man fragt sich verschiedenes.

Haushalt mit Jahresringen

Ein Schrank voller Bettwäsche. Baumwolle und Leinen, gemangelt und akurat zusammengelegt. Ich liebe Stoffe. Ich kann nicht alle behalten, denn brauchen tue ich strenggenommen gar keine. Es ist kompliziert. Auf einen Kissenbezug sind Initalien gestickt, ich kann sie einer Urgroßmutter zuordnen, bewundere einen Moment die Handarbeit, und erinnere mich daran, wie die Omma mal gestenreich davon erzählt hat, wie man die Fäden in den Webrahmen einspannt, auf dem dieses Leinen vermutlich entstanden ist. Ein Zettel auf der Schranktür weist darauf hin, dass sich noch Verbandszeug hinter den Stapeln des zweiten Faches befindet. Ich ziehe einen Stapel nach vorn und finde ein Schreibheft darunter. In Grundschul-Handschrift steht dort ihr Name, 4. Klasse, da ist man ungefähr 10, das Heft ist 84 Jahre alt. Ach komm, wenn wir ehrlich sind – heute werde ich hier nicht weiterkommen. Ich schließe die Schranktür. Einen Meter weiter hängt das Medizinschränkchen an der Wand. Medikamente aussortieren sollte einfach sein. Ich schaue auf die Verfallsdaten und ja, das kann alles weg. Im obersten Fach findet sich eine stattliche Sammlung an Mullbinden. Ich ziehe das einzige verpackte Päckchen heraus und staune. Die Geschichte dazu wurde mir nie erzählt. Ich weiß nur, dass der Opa als „letzte Reserve“ kurz vor Kriegsende noch eingezogen wurde, mit 15 Jahren. Ich zeige den anderen, was ich gefunden habe.

Es ist Samstag Nachmittag. Wir waren nicht verabredet aber in jedem Raum scheint jemand zu sein. Ein Geruch von „wuäh, was isn das“ wabert durchs Treppenhaus. Im Keller werden gerade uralte Weckgläser geöffnet und der Inhalt entsorgt. Ein Wäschekorb voll leerer Schnapsflaschen steht im Flur. Der Inhalt wurde unter eine Hecke geschüttet, ob das Spätfolgen hat, wird der Frühling zeigen. Auf dem Dachboden läuft jemand hin und her, Kisten voller Honiggläser werden die Haustür rausgetragen. Im Wohnzimmer finde ich Brüderchen, er inspiziert ebenfalls einen Wäscheschrank. Wir begrüßen uns herzlich. „Wenn de Omma sehen würde, was wir hier heute machen, sie würde sich im Grabe umdrehen“, sagt er und da hat er wohl recht. Wir lachen, so, wie man eben lacht, drei Wochen nach der Beerdigung. Kaum jemand durfte je in ihre Schränke gucken. Wir waren alle ein bisschen neugierig. Spoileralarm, es gibt von allem reichlich. Gemeinsam gehen wir in die Küche, ziehen eine Schublade auf. Darin gemischtes. Brüderchen beginnt zu kramen. „Ach scheiße“, sagt er „so ein Ding hab ich letzte Woche gekauft“, „du hast ne Suppenkelle gekauft?“ erkundige ich mich und lache ihn ein bisschen aus, „jamann, hab nicht dran gedacht, scheiße ej“, murmelt er.

Auf der Fensterbank stehen eine Menge Vasen und Krüge, „Flohmarkt“ steht auf dem kleinen Zettel der daneben liegt, ich erkenne die Handschrift meiner Mutter. In einer Vase steckt ein Zettel, in Erwachsenenhandschrift weist de Omma darauf hin, dass diese Vase noch von ihrer Oma sei und wir sie stets in Ehren halten und nicht verkaufen sollen. Ich schmunzle und stecke den Zettel wieder zurück.

Ich trage eine Kiste mit Flohmarktware auf den Dachboden, und stelle sie zu den anderen unter einen Tisch. Auf dem Tisch liegt ein Buch, das war beim letzten Mal noch nicht da. Es sieht aus, als hätte es jemand aus der Hogwarts-Bibliothek entliehen. Ich klappe den Deckel auf. Eine Bibel von 1823. Lag in der Schublade des Gästezimmers, sagen die, die den Keller geräumt haben, und sowas wirft man ja nicht weg. Im Keller liegen auch die Schallplatten, die Julikind gesucht hat. Was drauf ist, ist total egal, sie wählt nach Größe aus, die werden Deko. Zwischen den Schallplatten findet sie ein Foto, in schwarz weiß, darauf eine Gruppe junger Männer. Schützenverein 1932, steht auf dem kleinen Schild im Fordergrund. Wo das Bild gemacht wurde kann man erraten, auch wenn das Gebäude im Hintergrund heute verfallener aussieht. „Das war Hitlerzeit“ murmelt Julikind. Ich nicke. Einen Moment lang sagt niemand was. Einige der Jungs sind vermutlich so alt wie Julikind. Ob sie mal ein Bild davon machen kann, fragt sie den Opa, für die Schule, sie haben das gerade in Geschichte.

Limitierende Faktoren

Mit nur ganz wenig Fieber sitze ich auf dem Sofa. NINA schickt ein Symbol aufs Handy, dass ich noch nie gesehen habe. Man informiert mich ganz sachlich darüber, dass der Schulbusverkehr im Landkreis eingestellt wurde, morgens um 10 Uhr. Tja. Ich habe heute kein Auto, und zum Glück keine Energie um mich aufzuregen. Julikind wird wohl irgendwie wieder nach Hause kommen. Und tatsächlich ist die Strecke bis zu uns ins Dorf die einzige, die befahren wird. (Busunternehmen aus dem Nachbarort, ortskundige Fahrer und Winterreifen) Wer an der Strecke des „beste Preis“-Busunternehmens wohnt und Eltern hat, deren Lifestyle es nicht ermöglicht, Taxidienste anbieten zu können, hat schulfrei. Vier Tage lang. Wegen Schnee. Im Mittelgebirge. Anfang Februar.

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Eine erste Ladung Altkleider wurde aus Ommas Haus bis in den Container geschafft. Mehrere Personen waren daran beteiligt. Die Menge hat mich nachdenklich und entschlossen gemacht. Ich hab noch einen Sack mit meinen eigenen Klamotten zusammengetragen und gleich mit entsorgt.

Omas Vorratsschrank ausgeräumt. Die Ablaufdaten erzählen Geschichten. Danach habe ich unsere eigenen Vorräte durchgesehen, das was seit längerem eher Speisekammerdeko war radikal weggeworfen und das was neulich erst abgelaufen ist nach und nach serviert. Die Kombi Dosensauerkraut, Dosenwurst und Kartoffeln aus dem Glas war als Alltagsgericht nicht unbedingt lecker, wäre es aber in einem Krisenfall, da sind wir uns einig. Einkaufszettel geschrieben.

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Ich wollte nur „mal gerade“ die Mülltonne an die Straße ziehen, aber der erste Sonnenstrahl der Woche hat sofort Menschen nach draußen gelockt. Ob ich denn was weiß, wegen der Beerdigung erkundigt ein Spaziergänger, das Grab ist ausgehoben, hat er gerade gesehen, aber in der Zeitung stand nix. Ich gebe die Infos weiter, die der Liebste von der anderen Beerdigung mitgebracht hat, könnte mir aber vorstellen, dass die lieber ohne Leute, weil sonst hätten sie ja… Ein Nachbar wurde im engsten Kreis beigesetzt. Das ist ungewöhnlich. Aber, um ehrlich zu sein, wir mussten an dem Tag alle arbeiten, so braucht man sich für nichts entschuldigen.

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Walnusskuchen gebacken und gegessen, sah seltsam aus, kam aber sehr gut an, könnte man gerne wieder, sagen sie. Eigentlich wollte ich was davon einfrieren, aber das muss ich garnicht.

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Apfelstrudel gebacken und gegessen. Das erste mal, dass was daneben gegangen ist, geschmeckt hat es, aber ach, das nervt mich jetzt, sowas simples wie Strudelteig, ausgerechnet… murmle ich so vor mich hin. Also, er wäre durchaus bereit zweimal pro Woche ein Gebäckstück aufzuessen, sagt Maikind, „falls das der limitierende Faktor sein sollte“, fügt er kauend hinzu.

trauriger Anblick aber geschmeckt hat er

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Die Erkältung zieht sich. Könnte auch am grau kalten Nebelwetter liegen, vielleicht ist es eine Kombi, die insgesamt so ein meeeeehhhh verursacht. Alle Hunderunden voller matischigem/hart gefrorenen/rutschigen Schnee, der Nebel so dicht, dass man den nächsten Leuchtpfosten nicht sehen kann. Februar halt. Erste Kraniche über uns machen Hoffnung auf Frühling.

Geburtstagsfeiern werden geplant, einen Schulabschluss gilt es gebührend zu feiern, das „danach“ wird vorbereitet. Es tun sich Dinge in Köpfen.

Ende Januar 26

Für die Trauerfeier haben alle frei genommen und trudeln nach und nach zu Hause ein. Schwarze Winterklamotten werden zusammengesucht, es ist wirklich kalt. Dafür aber blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. „Da hat sie aber wirklich einen schönen Tag erwischt“, sagt eine von Omas Bekannten, auf dem Weg vom Grab Richtung Ausgang. Das stimmt. Zum Ende des Trauerkaffees sitzt nur noch „die Weihnachtsrunde“ zusammen und tauschen Geschichten und gesammelte Neuigkeiten aus. Die Trauerfeier war schön, feierlich, an der ein oder anderen Stelle zum Schmunzeln, und angemessen ehrlich, da sind wir uns einig. Es wird noch zwei weitere Beerdigungen geben, in nächster Zeit,“ aber das normal“, raunt die Oma aus dem Städtchen mir zu, „es wird in dreier Gruppen gestorben, schon immer.“

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Auf dem Flur steht die Krücke, unter der Garderobe, an der ihre Jacke hängt. Auf dem Küchentisch liegt ihre Brille und das kleine Schälmesser, über dem Stuhl hängt ihre Weste. Neben dem Spülbecken steht ein kleines Schälchen mit Löffel darin. Alles sieht normal aus, als wäre sie nur mal gerade die Hühner rein lassen. Auf den zweiten Blick fällt die geöffnete Kühlschranktür auf. Er ist leer und ausgeschaltet. Und die Blumen auf der Fensterbank – ich nehme ein Glas aus dem Schrank und gebe jeder einen Schluck Wasser. Es ist seltsam hier zu sein ohne sie. Eine Stunde lang sichten wir Dinge in Schränken, nehmen Erinnerungen und nützliches mit. Dann braucht es eine Pause.

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Ein Samstagmorgen Frühstück mit Maikind und dem Liebsten, das hatten wir länger nicht. Also ich. Die beiden machen das ja jedes Wochenende.

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Weil an der Arbeit Radio läuft bekomme ich wieder regelmäßig Nachrichten mit. Das berührt meine mentale Komfortzone:

Morgens erhalte ich Nachricht von Märzkind, der Studienbeitrag habe sich erhöht. Alles andere hätte mich überrascht. Nja, sagt sie, aber eventuell kommt da sogar noch was dazu, weil ja das Deutschlandticket auch teurer geworden ist. Die Studies beraten noch, ob das weiterhin Teil des Studientickets sein soll oder aus Kostengründen lieber nicht. Nachmittags höre ich im Radio, dass unsere Regierung beschlossen hat, den Kauf von neuen E-Autos zu fördern. 1500 Euro kann man minimum abgreifen. Blöd halt, dass da trotzdem noch ein selbst zu finanzierender Restbetrag bleibt. Und außerdem bin ich sowieso stinksauer, weil einmal die Bremsen neu machen am Twizzy 3600 Euro kosten soll, und das ein Totalschaden ist.

Es hat geschneit in der Nacht. Einiges, stelle ich erstaunt fest, als Julikind das Haus Richtung Bushaltestelle verlässt, da werde ich gleich räumen müssen, mal sehen ob der Bus überhaupt kommt, scherzen wir, ansonsten kann sie mir helfen. Der Schulbus fährt. Um zwanzig nach acht bekomme ich Nachricht von Julikind, sie sei auf dem Weg nach Hause, Schule fällt aus. Hä? Eine Mutterkollegin hat die Elterntaxifahrt übernommen. Mein Arbeitstag beginnt erst um 13 Uhr, bis dahin werden die Straßen ja wohl geräumt sein, dachte ich. Aber, dem ist nicht so. Keine Unwetterwarnung, kein Räumdienst, so scheint es. Mit 30 Kmh schleiche ich den Berg hoch. Direkt in der ersten Kurve rutscht mir sportlich der Arsch weg, trotz nagelneuer Winterreifen. Oooookeeee. Zum Glück war da Platz. Der Weg an die Arbeit dauert dreimal so lang wie normal, war aber so eingeplant, alles gut. Die Nachrichten berichten an diesem Nachmittag, dass der Kanzler gerne das Recht auf „Lifestyle-Teilzeit“-Arbeit einschränken würde. Da muss ich tatsächlich einmal ganz tief Luft holen.

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Orangen-Nusskuchen gebacken und gegessen.

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Die erste Erkältung des Jahres erwischt mich, klar, das hatte ja noch gefehlt.

KW 3/26

Der Flur wurde gelb gestrichen, die Türrahmen weiß. Ich musste rein garnichts tun und freue mich. Problem: Man erkennt jetzt deutliche Gebrauchsspuren am unrenovierten Rest des Hauses.

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Der Elternchat informiert am späten Sonntag nachmittag darüber, dass die Schule morgen nicht geschlossen sein wird, es aber aufgrund der Unwetterwarnung im eigenen Ermessen der Sorgeberechtigten liege, die Kinder zu schicken, oder eben nicht. Ähm, hä? Wir schauen uns fragend an und och guck, tatsächlich, die Notfallapp hat eine kleine Wolken mit zuckenden Blitzen gesendet. Ich informiere das Kind, dass sie morgen nicht zur Schule geht, weil, so haben es die Sorgeberechtigten nämlich für Eisregen grundsätzlich entschieden, damals. Zivilschutz durch ausschlafen.

Ja, es hat geschneit und ja, es war glatt. Aber es war alles geräumt. Im letzten Winter hatten wir an einigen Tagen mehr Wetter mit weniger Warnung und entsprechend ungeräumten Straßen, von Bürgersteigen ganz zu schweigen.

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Den freien Sonntag nachmittag genutzt und eine Runde Schlitten gefahren. Leider war es dafür schon fast zu kalt, die oberste Schicht Schnee war harsch gefroren und entsprechend langsam. Aber es gilt trotzdem als erledigt für diesen Winter. Keine Unfälle.

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„Schmeckt wie Stutenkerl“ oder eher „ein bisschen wie Hefeklöse“, sagen die kauenden Kinder und erkundigen sich fürsorglich, ob da eigentlich jemand was zurückgelegt hat, für den, der noch beim Sport ist. Nee, aber es sind ja noch welche da und „so mit Pflaumenkompott und Sahne – das ist schon fies“, sagt der Liebste am späten Nachmittag. Unsere Neujahrs-Challenges harmonieren nicht gut, dieses Jahr, mal sehen, wer länger durchhält.

Hefewaffeln gebacken und gegessen.

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Am Trauergespräch teilgenommen. Ein gutes Gespräch, denn die letzten Wochen haben mit uns allen irgendwas gemacht, da waren wir uns einig. Außerdem hatte ich einen Ahaaa-Moment, als die Familiengeschichte plötzlich einen wer-hat-hier-die-tollsten-Enkel-Wettstreit der 90er Jahre erklärte.

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Dinge tun sich an der Arbeitsstelle. Schon wieder. Es wäre wohl an der Zeit, sich mal ernsthaft Gedanken zu machen und was Gescheites… ich bin müde. Vielleicht ist ja alles nur saisonbedingt.

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Ein Geburtstagsbesuch bei der Oma im Städtchen. Sie freut sich sehr. Es gibt Torte, morgens um 10 Uhr, weil Geburtstag ist, und Gäste da sind. Die Feier war schon sehr anders als die im letzten Jahr, aber schön. Merke: Drei Gäste für eine Stunde reichen aus, als Party. Dann brauchts eine Pause.

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Sonst war nix. Auch mal schön.