In direktem Vergleich mit dem Problem ist die Lösung eine deutliche Verschlechterung. Nach der Hunderunde tut der Fuss so dermaßen weh, dass ich direkt mit Kühlpack aufs Sofa gehe. Im Grunde bin ich wieder da, wo die ganze Geschichte anfing, im Juli. Auf der Heilmittelverordnung steht die genaue medizinische Bezeichnung und, weil ich verzweifelt genug bin und gerade Zeit habe, gebe ich das bei einer Suchmaschine ein, die nicht google ist, ein. Och guck. Es handelt sich um eine gängige Sportverletzung. Nehmen wir also an, ich wolle zur nächsten Marathonsaison wieder fit sein… nach einer halben Stunde im Sportboomeruniversum habe ich eine handvoll Übungen für Heilungsphase zwei zusammengestellt, die ich dann vorläufig schonmal selber, weil ich die Schnauze sowas von voll hab und das muss echtjetzmal. Alltaaaaa, 5 Minuten später weiß ich, woher die Schmerzen genau kommen und warum. Mehr geht nicht. Aber, immer freundlich sein, im eigenen Kopf, mahnt die leise Stimme, eines Tages wird es mein warmup sein, ein Immobilieninvestment, quasi, höhö, aber schon überwiegend mimimi.
Die Physiopraxis entschuldigt sich, Termine frühestens in drei Wochen, vorher leider garnichts. Nehme ich. Sofort. Alle die ich bisher angerufen habe hatten Aufnahmestopp. Nach einem kurzen Moment von yipiiiiee fragt man sich dann, ob es Gründe gibt. Naja, vielleicht ist einfach jemand verstorben.
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Wegen Sturmwarnung findet das Fische räuchern nicht am Teich im Wald statt, sondern in der Garage am Haus. Drei Bierbankgarnituten bilden eine lange Tafel, wer neu dazu kommt setzt sich wo Platz ist, man nickt sich zu und beginnt smalltalk über Verzehrtechniken. Ein fröhlicher Mann in Outdoor-Strickjacke bestückt routiniert den Räucherofen und redet nebenher mit Gästen, ein eher schweigsamer Mann in Gummistiefeln und mit Fischermütze nimmt frei gewordene Haken mit in den Innenraum, spießt dort neue Fische auf und hängt sie an den Stahlträger des Hochregals. Würde man Großstädter bitten „Teich leer fischen“ zu illustrieren, es würde wahrscheinlich ziemlich genau so aussehen, sind wir uns einig, landlustiger gehts kaum.
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Ist das Marketing oder sowas wie ne Weihnachtsfeier? Märzkind sagt, ein bisschen von allem aber schon eine Herzensangelegenheit. Wir besuchen also Sonntag morgen mit der ganzen Familie das „Pumpen und Pumpkins“-event im Gym. Man freut sich und bringt uns Kaffee, das Buffet wurde gespendet, ist überaschend üppig und ist kostenlos. Wir kommen gerade vom Frühstück, aber eine handvoll Lose kaufen wir natürlich gern, für die gute Sache. Julikind und ich waren als einzige noch nie hier. Wir laufen ein bisschen rum. Auf der ganzen Fläche gibt es keinen einzigen Bildschirm, Laufbänder, Stepper und Ruderbank stehen vor den großen Fenstern, Blickrichtung Wiese, Feld und Wald. Die, die gerade pumpen sind hier wegen Rücken oder gegen Wampe, es entsteht kein content dabei. Sehr sympathisch. Drei Flummis, einen Wunderbaum und einen Monat Gratistraining gewonnen. Tja.
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Ich hab mich geweigert, solange es ging, aber ganz vielleicht macht es ja doch irgendeinen Sinn, wir werden sehen. Julikind erklärt mir geduldig wie diese social media Plattform funktioniert. Nicht nur die Bedienung, auch die Etikette. Damit ich nicht wirke „wie so ne Millenielmutti, die alle reels auf volle Lautstärke guckt“. Im Gegenzug erkläre ich ihr, wie man einen Haltewunsch in einem spärlich besetzten Linienbus kommuniziert und googlemaps mit der analogen Welt abgleicht. Eigentlich ganz einfach, alles.
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Wir haben uns lange nicht gesehen, und tratschen ein bisschen, morgens um kurz vor acht an der Kläranlage. Dort wurde neulich ein Schild aufgestellt, als Wegweiser für Touristen. Ob ich denn den dazugehörigen Film schon gesehen habe, fragt die Anwohnerin. Nein, ich wusste garnicht, dass es einen gibt. Doch, doch stundenlang sei das Filmteam hier überall rumgestiefelt, da darf man jetzt mal gespannt sein, wer da so kommt, Preis auf Anfrage. Jedenfalls stehen des öfteren Leute bei ihr vor der Haustür und fragen nach Kaffee und Kuchen, seitdem ein Schild mit herzlich willkommen am Ende der Auffahrt steht, erzählt sie kopfschüttelnd. Das macht man doch an anderen Häusern auch nicht, wenn auf der Fussmatte Herzlich Willkommen steht.
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Altkleidercontainer gesucht und Freizeitanlage gefunden. Im Nachbarort kann man Basketball, Tischtennis und Federball, einfach so. Ich hatte keine Ahnung.
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Das weihnachtliche Familientreffen bei Schwiegermutter wurde auf den zweiten Feiertag verlegt, somit seit Jahrzehnten gepflegte Routinen verändert. Es entstehen Dialoge wie bei Loriot. Wir haben es dann jetzt eben am ersten Feiertag gemütlich.
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Kaum geht man mal drei Jahre nicht ins Hallenbad, bauen die einfach alles um. Also, nicht alles, nur die Umkleiden. Man nutzt jetzt die vom Fitnessstudio, daraus ergeben sich andere Laufwege und die Aufnahmen der Videoüberwachung haben bestimmt Unterhaltungswert. Wie die ersten Menschen irren wir über Flure und durch Treppenhäuser. Fazit des Tages: Wenn jemand mit dem Fuss meine Schulter runterdrückt, kann ich mit den Zehen auf 3,5 m Tiefe tauchen, für eine halbe Sekunde. Raufholen könnte ich nix und niemanden.












