Nach drei Stunden in der Notaufnahme geht es mir schon viel besser, also, nicht wirklich, aber im direkten Vergleich zu den anderen Wartenden habe ich eigentlich kein Problem. Die Patientin ist wach, orientiert und ansprechbar steht im Arztbrief. Tja, stimmt alles, aber aus Spaß war ich nicht hier. Der Parkscheinautomat akzeptiert natürlich keine Kartenzahlung, heute, aber haha!, damit hatte ich gerechnet, einfach weil diese Woche so läuft. Ich ziehe 10 Euro aus der Hosentasche und ganz kurz fühlt es sich an als hätte ich gewonnen. Scheine will der Automat allerdings auch nicht. Ach komm, geh weg.
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Am Esstisch wird an drei Laptops gleichzeitig gearbeitet. Wir sind ein Coworking space, quasi. Man könnte das auch alles auslagern, die KI einfach mal machen lassen, aber leider können sie das mit ihrer Berufsehre nicht in Einklang bringen, das soll schon alles stimmen und funktionieren und mit KI sei das so ne Sache, sagen die jungen Menschen seufzend. Also ich würde meinen bürokratischen Firlefanz gern irgendwohin auslagern, aber das sage ich natürlich nicht laut, bloß nichts tun, was den flow gefährden könnte.
Und, wie es immer ist, am Ende aller Nerven entspannt sich die Lage von allein. Verschiedene Personen haben Anträge abgeschickt, Hausarbeit eingereicht, Berufsschulprojekt abgegeben, Mathearbeit geschrieben, alles am gleichen Tag, natürlich. Nachmittags sitzen wir im Garten, es sind 28°C, um uns herum fallen bunte Blätter von den Bäumen und es riecht ein bisschen nach Weihnachten, aber das liegt am Kokoskuchen, den Märzkind gebacken hat. Ob wohl die Freibäder in den Herbstferien nochmal aufmachen, fragen wir uns scherzhaft.

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Die jungen Leute sind natürlich im Moment etwas überfordert, neue Fächer, Mitschüler, Räume, Abläufe, man solle sich das ungefähr so vorstellen, als müssten sie eine neue Sprache lernen. Das offene Raumkonzept mit Glasfront und ohne Tür ist da wenig hilfreich, eine analoge Datingapp quasi, wenn die Technikerklasse vorbei läuft braucht es einen Moment bis wieder Unterricht möglich ist, aber alles in allem ist das ne tolle Klasse, das merkt man schon, nach den ersten Wochen, deshalb macht es auch überhaupt nichts, wenn niemand Elternbeirat sein möchte. Dann gibt’s eben keinen. Der entspannteste Elternabend aller Zeiten. Auf dem Weg zum Parkplatz freuen wir uns darüber und gedenken kurz all den Abenden, an denen das so ganz anders lief.
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Eigentlich wartet man ja, bis man sowas erzählt bekommt, aber nachdem mich jetzt drei Leute gefragt haben, frage ich dann doch mal nach, bei einer, die es wissen muss. Das Gerücht wird bestätigt, keine weiteren Details genannt und die brauchts ja auch nicht. Es ist eben, wie es ist. Ein alleinerziehender Vater mehr im Bekanntenkreis.
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Dresscode war „so wie man auch auf einen runden Geburtstag gehen würde“. Schon am Eingang wird mir klar, dass man runde Geburtstage sehr unterschiedlich feiern kann. Highwalker in beleuchteten Kostümen winken uns herein. Wow, ich bin ehrlich beeindruckt. Drinnen erwarten uns lange Tafeln mit weißen Tischdecken, darauf in regelmäßigen Abständen Blumen und Brotkörbchen, Geschenktüten auf jedem Platz. Kurzer Blickwechsel mit dem Liebsten. Wir waren schon auf Hochzeiten mit sehr viel weniger…
Die Firma dankt anlässlich des Jubiläums allen Mitarbeitenden und mit nächstem Angehörigen für „all the early mornings and late evenings“, denn Maschinen alleine reißen es nicht. Es funktioniert nur, weil Leute da sind wenn man sie braucht, und das geht nur, wenn man ihnen zu Hause den Rücken frei hält, dass sei allen klar. Ich bin gerührt, ehrlich. Dieser Job ist irgendwie wirklich ein Teil der Familie.
Im Verlauf des Abends stellen der Liebste und ich fest, wie gut Julikind tanzt. Man hat ja selten Gelegenheit zu Vergleichen, aber gerade sind wir beide ziemlich unterwältigt von der profesionellen Tanzdarbietung auf der Bühne.
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Auf den ersten Blick dachte ich, jemand hat sich einen kleinen Scherz mit alter Halloweendeko erlaubt, aber dafür ist es eigentlich doch zu filigran und detailreich. Ich bin ein bisschen froh, dass dieses Geschöpf in einem Behälter mit Griff wohnt, so kann ich es gruselfrei in den Garten tragen. Erst auf dem Rückweg kommt mir der Gedanke, dass ich mal ein Foto hätte machen sollen, man wird mir nicht glauben, wie groß diese Spinne war, so groß, und mit der Zeichnung, das könnte vielleicht sogar… jo, google bestätigt meinen Verdacht. Ich hab die erste Nosferatu meines Lebens rausgetragen, ohne auch nur zu quietschen. Den Rest des Tages bin ich mein eigener Held.










