Waldhonig und Doppelmuffen

Wir sitzen auf der Treppe in der Sonne, unterhalten uns nett, jemand wirft einen Ball. Der Hund springt, fängt ihn aus der Luft und freut sich. 30 Kilo Lebensfreude landen genau mittig auf meinem nackten Fuss. Zwei Tage nachdem der offiziell rundum seine normale Farbe wieder hatte. Das wirft den Heilungsprozess zurück.

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Der Sommerhonig steht seit Wochen im Eimer herum und sieht immernoch aus, wie an dem Tag, als er geschleudert wurde. Ich fülle ihn in Gläser und klebe Waldhonig Etiketten. Damit geht eine verrückte Saison zu Ende. Meine vorsichtige Nachfrage im befreundeten Imkerhaushalt wird gern beantwortet. Farbe, Konsistenz, Erntemenge und Unsicherheit, alles genau wie hier. Gutes Gespräch, ich freue mich.

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Wenn Baumarktmitarbeiter Sachen googeln müssen ist immer schlecht. Teambesprechung am Esstisch. Der Liebste hatte ein Ersatzteil gekauft. Es passt nicht, was unmöglich sein sollte. Wir hatten es ja geahnt, aber man hofft halt immer. Nun ist sie da, die Herausforderung und will vielleicht sogar ein Problem werden, aber, noch haben wir Möglichkeiten. Ich schreibe eine Nachricht. Der Liebste glaubt nicht dran, lächelt aber tapfer. Kurze Zeit später bekomme ich eine Antwort. „Siehste“, sage ich. Normale Leute hätten mich wahrscheinlich für bescheuert gehalten. Die Freundin sagt schlicht „schick mal ein Foto“, auf die Frage, ob sie eine Dichtung für ein KG Rohr von vor 1977 vorrätig hat. Ich schicke ein Foto vom Dichtungsring. Schwer zu beurteilen, das Bildmaterial, sie ist noch im Dienst, sagt sie, im Notfall sei ihr Mann aber zu Hause. Ein Notfall ist es nicht, noch nicht.

Der Steinmetz kommt am nächsten Tag vorbei. Er hat selber gerade ein Bad saniert und weiß vielleicht Rat. Murmelnd stehen die Männer auf dem kleinen Flur. Man wird eine Seilsäge brauchen und eine Doppelmuffe, sagen sie. „Ja, nee, ist klar“, sage ich. Sie beteuern, dass es beides wirklich gibt. Es folgt ein geplanter Baumarktbesuch bei dem besagte Doppelmuffe und drei Pakete neuer Bodenbelag gekauft werden und ein ungeplanter, weil sich rausstellt, dass doch mehr nass ist, als vermutet. Wir kreuzen im imaginären Jahres-Katastrophen-Bingo die Kästchen für „Samstag kurz vor Torschluss im Baumarkt gewesen, wegen was, was man wirklich dringend braucht“ und „Wasserschaden“.

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Wir kommen später zur Party, deswegen. Es fällt nicht weiter auf. Wir essen zu zweit am Kindertisch, und sind uns einig, dass ab hier im Ernstfall alles immer normgerecht aus frischem Material verbaut wird. Unbekannte Baustoffe, die für mögliche Reperaturen in Ecken lagern können weg. Es hilft ja nix.

Sie waren schon eine ganze Weile zusammen auf der Hüpfburg, sagen die, die mit uns am Tisch sitzen. Aber, bei Erwachsenen darf leider immer nur einer, „und, man muss durch den Eingang passen“, sagt der junior Gastgeber in leicht bedauerndem Tonfall und guckt den Liebsten an dabei. Er wolle eh erstmal lieber Bier trinken, sagt der Liebste. Das zapft man sich hier selbst. Wir verbringen einen fröhlichen Abend, mit den Leuten, mit denen wir damals auf Laternenfesten Glühwein tranken.

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Es ist ungewöhlich dunkel am morgen. Einen Moment lang stehen Julikind und ich andächtig am Fenster. Es regnet. Dieses Geräusch, das Licht, der Geruch, endlich, so so schön ist das. Dann wird uns klar, dass wir da gleich raus müssen, und, das Haus verlassen bei Regen, wie macht man das nochmal?

Weintrauben, Kürbis und SterneHerzenBrezeln eingekauft und gegessen. Es ist also September. Man wundert sich.

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Im Ort findet ein Gottesdienst statt, und eigentlich könnten wir da ja mal hin, sagt Märzkind, weil, sonst geht vielleicht keiner, das wäre doch schade. Stimmt. Außerdem ist es vielleicht die letzte Gelegenheit auf einen Gottesdienst „mit garnichts“, bevor wieder dieses ganze adventliche jubilieren losgeht. Die Kirche ist voller Leute, außer uns so gut wie alle festlich gekleidet. Ähm ja, was auch immer hier los ist stand nicht im Programm und wird vermutlich sehr viel länger dauern als gedacht. Eine Stunde später hab ich schon mal eine Idee, wie wir unsere Silberhochzeit auf gar keinen Fall feiern werden. Märzkind fands toll, und darüber staunen wir beide. Fast wie an Weihnachten.

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Ich habe einen Behördengang digital erledigt. Es war tatsächlich total einfach, zwei klicks nur und fertig, genau wie man es mir gesagt hatte. Am Arsch. Der Weg dahin hat mehrere Tage und Anläufe gebraucht. Ich kann den Code meines Personalausweises jetzt auswendig. Aber – der Moment wird kommen, indem mir das wirklich irgendwen beeindruckt oder irgendwas einfacher macht oder schneller oder besser oder so.

Spontan ergibt sich eine Gelegenheit, meine neu gewonnene Lebenserfahrung weiterzugeben, dachte ich. Aber natürlich bekommt jeder Vorgang seine eigenen challenges. Märzkind und ich sitzen am Laptop um ein runtergeladenes Formular auszufüllen, dass dann ausgedruckt und per Post versendet werden muss, weil auf dem Bürgeramt die Passdigitalisierungscodefreischaltfunktion defekt ist und leider niemand weiß, wann das wieder repariert sein wird. Die benötigten Anlagen bitte nur als Kopie einsenden, auf keinen Fall originale, weil der gesamte Vorgang nach der Digitalisierung datenkonform geschreddert wird, steht da. Aber das versteht sich ja eigentlich von selbst in einer führenden Industrienation. Man muss es als escape game sehen.

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„Haste von der Wahl gehört, in Sachsen-Anhalt“, werde ich gefragt, mehrmals am Tag. Ja, hab ich. AfD bekommt allerdings keine Bühne im meinem Kopf, deshalb hab ich auch sonst nichts dazu zu sagen. Und der schlechteste Pisatest aller Zeiten schockt mich auch kein bisschen. Würde man im Gegenzug auch digitale Komepetenz und logisches Denken im 21. Jahrhundert bei 65 ährigen abfragen, ich bezweifele, dass die schlauer wären.

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Hab die Speisekammer aufgeräumt. Das war nötig. Sowohl in echt, als auch für mental health. Man kann einfach so reinlaufen und sofort alles finden, was kurz die Frage aufwirft, ob man drei Waffeleisen braucht, wobei, eins ist für Hörnchen, das gilt nicht und eins ist gerade verliehen. Drei sind also genau ausreichend.

Goldrandgeschirr und Blaualgen

„Es ging doch eigentlich“, sagt der Liebste, als wir abends zusammen auf der Treppe vorm Haus sitzen. Ich gucke fragend. „also, so alles in allem, war der Sommer doch garnicht schlecht“ sagt er. Da hat er recht, also „wenn man mal von der Kündigung, dem Hitzedom, dem kaputten Fuss und der überraschend hohen Steuerrückzahlung absieht“, „najaguuut, irgendwas ist ja immer“, sagt er.

Ein paar Sommerschnipsel:

Ungefähr da, wo wir hingewollt hätten, brennt es. Zum Glück war noch nichts gebucht. Spontan machen wir stattdessen einen Städtetrip. Wir besuchen das Kunstmuseum. Ein Raum im Museum ist ganz mit dickem Papier ausgekleidet, man darf an die Wände malen. Das möchte Julikind natürlich. Der Liebste und ich setzen uns auf die Wartebank und staunen ein bisschen, wieviel Zeit schon vergangen ist. Hier heute im Museum, weil es doch mehr Spaß macht als gedacht, und so ganz allgemein, weil das Kind da so mal gerade ein Kunstwerk an die Wand pinselt, das aussieht, als würde es zur Ausstellung gehören, holladieWaldfee.

Eigentlich mag ich keine drei Stunden Kinofilme, andererseits, was soll man sonst tun, bei 36°C im Schatten? Ein entspannter Nachmittag. Und ein guter Film eigentlich, sagt Julikind, es wäre nur hier und da vielleicht hilfreich gewesen irgendwas einzublenden, damit man weiß, worum es eigentlich geht, denn offensichtlich gab es ja irgendeine Vorgeschichte. Ähm ja. Der Liebste und ich schauen uns verwundert an. Man kann also heutzutage einen Realschulabschluss und noch nie von Odysseus gehört haben. Interessant.

Es hätte noch eine richtig schöne Fussgängerzone gegeben, stellen wir auf dem Rückweg fest, aber, nicht für uns, bei der Hitze. Das Hotel hat eine parkähnliche Gartenanlage, wo man abends noch lange draußen sitzen kann. Das ist gut. Dort picknicken wir spät am Abend, spielen Boule und würfeln. Im Stadtteil Mini-edeka konnte man Wein direkt in Gläsern kaufen. Hab ich so auch noch nie gesehen.

Auf dem Heimweg besuchen wir eine Tropfsteinhöhle. Es ist Pullover-kühl unter Tage und es gibt herrlich klare Luft, ein schönes Ferienerlebnis, man würde gern länger bleiben. Auf dem Weg zum Parkplatz verblasst die Erinnerung und beim Öffnen der Autotüren fangen alle wieder an zu schwitzen.

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Wir haben den Vollmond durch ein Telekop bewundert. Der Mond, die Technik, alles beeindruckend.

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Geschirr und Besteck für 50 Leute zu organisieren braucht nur zwei whatsapps. Fünf Minuten später hab ich alles zusammen. 20 Goldrandteller sind noch bei der Omma auf dem Dachboden, extra für solche Fälle, de Mutta hat ihre im Kellerregal stehen und die dürfen selbstverständlich genutzt werden, Schwiegermutter ist sich sicher, muss aber kurz nachsehen und meldet nach einer halben Stunde, 35x Messer und Gabel zur Abholung bereit.

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Der Liebste hat Geburtstag gefeiert, endlich mal. Beim 40sten war Corona, dann jedes Jahr irgendwas anderes. Die Kernfamilie hat gekocht und gebacken, Material getragen und die Grillhütte gefegt. Es gab einen kurzen Moment der Aufregung, als das Gerücht ging, man dürfe nicht mehr Grillen wegen Waldbrandgefahr, aber nach einem Anruf auf der Stadt ist wieder alles gut. Man muss nur wirklich ernsthaft aufpassen, aber das hätten wir ja sowieso gemacht, schon allein weil wir nebenan wohnen.

Lieblingsmenschen haben sich Zeit genommen. Ein Hauch Neunzigerjahre lag in der Luft. Es war wirklich ein Fest.

Beim Frühstück am nächsten Morgen erzählen sich die verblieben Gäste nochmal gegenseitig davon und treffen Verabredungen für das nächste Jahr. Es wird Hochzeiten geben, mehrere.

Aufräumen geht viel schneller als aufbauen und ist dank der vielen helfenden Hände schnell erledigt.

Nachmittags machen wir einen Ausflug zum Edersee, also, zu den Stellen, wo normalerweise See wäre. Wir blicken auf Wege, die zur Aselbrücke führen, blühende Gräser, Mountainbiker, Hundespaziergänger und Wanderer. „Übberlech mal du, wenn die jetz de Sperrmauer aufmachen…“ sagt ein Tourist neben uns zu seiner Frau, die gerade von der Fähranlegerrampe Richtung Abhang kraxelt, wir lachen so unauffällig wie möglich, aber herzlich. Bis hier wieder Wasser ankommt, müsste es wochenlang regnen. An der Sperrmauer gibts noch welches, aber beeindruckend wenig und grün. Schön für insta, offenensichtlich. Als Ü40 Reisegruppe beobachten wir amüsiert die jungen Contentcreator-Paare: er fotografiert sie, in immergleichen aufeinanderfolgenden Posen und mit passenden Gesichtsausdrücken, wenn genug Fotos gemacht sind, wird sofort routiniert zusammengepackt, ohne den Fotohintergrund eines Blickes zu würdigen.

Überraschend gute Pommes gegessen und gekühlte Getränke bekommen, das ist an dem Ort eher ungewöhlich, vor allem in der Kombination.

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Nach der Party kommen wir zu der Erkenntnis, es gibt einige alkoholische Getränke in diesem Haushalt, die niemals mehr jemand trinken wird. Aus den hintersten Ecken der Speisekammer und Kellerregalen tragen wir die alten Schätzchen zusammen und entsorgen sie über die Küchenspüle. Anschließend gehen wir zu zweit zum Altglascontainer. Normalerweise ist um diese Zeit nix los im Ort, aber natürlich nutzt genau heute ein Nachbar die Mittagshitze zum Straße fegen, und erkundigt sich interessiert, ob das denn die Partyreste seien. Jo, könnte man so sagen.

De Mutta trägt nur noch die schönsten Goldrandteller in den Keller zurück, alle anderen wurden entsorgt, erzählt sie später. Ommas mega-Haushalt hat Spuren hinterlassen.

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Zur Abendessenszeit soll es eine Sonnenfinternis geben. Irgendwann stehen auffallend viele Nachbarn draußen, und das Licht verändert sich. Eine sehr angenehme Abendstimmung. Dann wird es wieder heller, die Nachbarn verschwinden. Wir gucken uns die Bilder später einfach im Fernseh an – und sind ehrlich erstaunt was da alles rund um Sonnenfinsternis geboten und konsumiert wurde. Noch nicht mal das kosmisch interessierte Maikind hatte eine Brille gekauft.

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Ich fange an, im Garten alles rauszurupfen was wirklich hinüber ist. Daran würde auch Regen nichts mehr ändern. Außerdem kann alles weg, was kaputt ist. Nagut, sagt der Liebste. Er holt einen Akkuschrauber, eine kleine Säge, dann eine größere, dann die Kettensäge… ich trage Schnittgut beiseite. Am Ende des Tages ist immernoch alles staubtrocken, aber es sieht nicht mehr so trostlos aus.

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ich: naaa, haste bisschen zu lange in der Sonne geparkt?

er: hä? wieso?

ich: deute auf die Parkuhr hinter der Windschutzscheibe

er: macht ein Brummgeräusch, kannjawohlnichsein

ich: also, ich hab ja so eine ganz billige, aus Pappe

er: guckt böse, flucht auf das Wetter

ich: da wirste wohl auch n neuen Eiskratzer brauchen, diesen Winter

er: ja, samma, is denn gut jetzt?

ich finds lustig und würde die auch weiterhin benutzen, als Sommeredition, er trauert um bestes Autoinventar

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Ich hatte gesagt, ich besorge Karten, fürs Weihnachtssingen im Stadion, für Märzkind, anstatt Adventskalender und Nikolausgedöns. Der Vorverkauf startet und sie erkundigt sich, ob ich denn schon? Ich plane demnächst, sage ich. Ohhh, lieber jetzt, sagt sie. Ich lächle und nicke und bin dann doch froh, nicht gewartet zu haben. Die letzten zwei zusammenliegenden Plätze in den unteren Rängen werden ihre. Anfang August, alle bekloppt.

Julischnipsel 2026

Die Hitze ist vorbei. Wir dachten wohl alle, wenn es kühler wird machen wir einfach normal weiter. Statt dessen fühlen sich alle irgendwie wärmeverkatert, mental dehydriert und froh, dass es vorbei ist. Gibt`s schon ein Wort für diesen Zustand?

Das Vogelfutterhaus hat sich verzogen, der Gartentisch auch, in der Auffahrt ist Asphalt gerissen, sämtliche Werbegeschenks- und Souvenirladen-Fächer die wir vorrätig hatten sind durch. Bewährt haben sich die mutmaßlich vietnamesischen Palmblattfächer, die ich während der Haushaltsräumung auf Ommas Dachboden gefunden hatte. Die wurden offensichtlich für Dauerbetrieb bei hohen Temperaturen konstruiert.

Die Waschmaschine funktioniert wieder. Bei Temperaturen über 35°C ließ sie sich zu nichts überreden. Touchscreen ist viel besser als Drehknöpfe haben sie gesagt, total einfach zu bedienen haben sie gesagt.

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Märzkind und ich pflücken Sauerkirschen. Das Sommergefühl wird mit eingekocht, man wird es brauchen, eines Tages, wenn wieder Schnee liegt und der Wind pfeift… unvorstellbar.

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Alle haben sich Zeit genommen, ich fühle mich geehrt. Wir im Haus weil der Wind zu kalt ist, um draußen zu sitzen. Man trägt Strickjäckchen und wundert sich darüber. Traditionell werden am Geburtstag Fotos mit Eltern gemacht, um den Verlauf der Zeit zu dokumentieren. Weil sonst niemand mit in den Garten gekommen ist, machen wir ein Dreipersonenselfie. Vatta erzählt, mit wem er wo heute vor 44 Jahren schon was getrunken hatte. Damals musste man ja noch zu Leuten hin, um Ihnen was zu erzählen, wir hatten ja nix.

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Beide Mädels haben Auftritte auf dem Altstadtfest. Lustigerweise zu genau den gleichen Zeiten wie letztes Jahr. Überhaupt ist dieses ganze Fest genauso wie immer. Die gleichen Buden an den gleichen Stellen, die gleiche Musik auf denselben Bühnen. Nur mit weniger Leuten, wegen Ferien wahrscheinlich. Der Raum vor der Bühne füllt sich, wir finden uns und schauen den Auftritt des Julikinds in einer größeren, locker verteilten Gruppe. Die, die immer dabei sind, nicken anerkennend. Diejenige von ihren Freundinnen, die zum ersten Mal zuschaut, ist ganz aus dem Häuschen. Ich bekomme viel Lob, und freue mich natürlich, aber… ehrlich gesagt, fahre ich nur gelegentlich das Auto zum Training, also… Neee, also wirklich soso toll ist das, sagt sie.

Märzkind ist erst viel später dran. Weil niemand Lust hat auf Kultur bei Kirmesfeeling, fahren wir ins nächst gelegene Freibad, in der Hoffnung, dass man da noch einen Platz frei hat, für uns. Der Mann an der Kasse freut sich, dass wir kommen. Ausser uns sind noch drei andere Badegäste im Bad. Die gesamte Liegewiese ist frei, alles ist blitzeblank sauber, man hört das sanfte Wellenplatschen am Beckenrand – an einem Sonntag nachmittag im Juli, während der Sommerferien, wie kann das sein?

Nach zwei Stunden Urlaubsgefühl fahren wir zurück und bewundern den zweiten Auftritt des Tages. Es gab Nachwuchs in diesem Verein, das ist schön, aber ich hatte so zwei oder drei Momente Nervenflattern, weil ich dachte, jemand könnte stürzen. Nix passiert. Ab hier beginnt dann eigentlich traditionell der Sommer, überlegen wir, während wir zurück zum Auto laufen. „Aber mit Sommer meint man ja was anderes, nicht wie letzte Woche“, sagt Julikind. Recht hat sie.

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Der Twizzy bremst wieder. So gut, dass er sogar TÜV bekommt. Wir freuen uns, weil er erstens gebraucht wird, als Sommerfahrzeug und zweitens, weil diese Reperatur ungefähr 3000 Euro günstiger war, als die Vertragswerkstatt kalkuliert hatte, selbst wenn man die Ersatzteilkosten und Werkzeuganschaffungen ehrlich zusammenrechnet, sagen die Herren. Naja, die investierten Wochenenden und Nerven verbuchen sie dabei als Gewinn von Lebenserfahrung.

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Frisch Getratschtes: Ich dachte, die USA Reisenden hätten Tickets für die Achtelfinale, und wüssten halt nur nicht, wer spielt. Im Pauschalangebot dieser Fussballreise waren aber nur die Tickets für Deutschland-Achtelfinals inklusive, alternativ optional eben keine Tickets. Wer hätte gedacht, dass Leute für sowas Geld bezahlen würden? Die beste Geschäftsidee, seit jemand unsichtbare Stoffe für des Kaisers neue Kleider gewoben hat. Respekt. Aber man darf natürlich nicht lachen, es wird dauern, bis das lustig ist, falls überhaupt. Die große Schwester des Investors schickt ein Foto vom Einkaufen.

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Innerhalb von wenigen Tagen bekommen alle Halskratzen und Schnupfnasen, dazu ein Gefühl von müden Knochen. Hitzeerschöpfung, Freibad-Erkältung, Klimaanlagen- Temperaturschwankungs-rotz oder vielleicht ein Hauch von Sommercovid? Man weiß es nicht. Mich streift die Erkältung nur, Glück gehabt. Dafür verknackse mir den Fuss, beim Spaziergang. Nichts geht mehr. Na toll. Ich hab die Schnauze voll und verfalle kurz in mimimi.

Bis das Telefon klingelt. Zwei Verkehrsunfälle sind im Bekanntenkreis passiert. Einer heute, der war blöd. Es gibt einen Schaden und Verletzungen, die mich aufhören lassen über einen bunten Fuss zu jammern, aber nicht so schlimm, dass man sich sorgen muss. Der andere ist wohl schon etwas länger her. Die Nachricht ist Teil einer Antwort auf die Geburtstagseinladung des Liebsten, und wird am Ende zusammengefasst mit, es bestehe keine Lebensgefahr mehr, aber man könne derzeit leider nichts im Voraus planen und deshalb noch nicht zusagen.

Ich nehme mir ein Buch, setze mich in den neuen Sessel, wickle den Fuss in Eis und genieße das Leben.

Meilensteine und Premieren unterm Hitzedom

Vier Leute sitzen um den Esstisch und spielen Siedler von Catan. Wäre es Advent würde man von hygge und Gemütlichkeit sprechen. Es ist aber Juni und wir sitzen drin, weil es draußen zu heiß ist. Wirklich. Sogar für die drei von uns, die Sommer gern mögen und das ist neu. Wir erzählen uns gegenseitig was wir heute alles nicht machen, wegen Wetter und konzentrieren uns dann aufs Spiel.

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In der Kirche ist es angenehm kühl. Auffallend viele Leute tragen weiße Hemden, bei dieser Trauerfeier, einige Fächern sich Luft zu, so richtig mit Fächern, nicht provisorisch mit Notenblättern oder so. Wir folgen dem Trauerzug bis ans Grab, wer kann steht andächtig am Zaun. Alle anderen teilen sich die schattige Ecke an der Kirchenmauer. Die Urne verschwindet im Grab, Gebet, ein Moment noch, dann erste Blickwechsel. Es geht allen gleich. Wir eilen in aller Stille auseinander. Auf der anderen Seite der Kirche steht noch eine Frau unter einem Baum, sie entschuldigt sich, die Sonne, sie könne wirklich nicht da hinten, am Grab. Wir haben vollstes Verständnis. „Also, wer das mit dem Klima jetzt noch nicht verstanden hat, der hat doch den Knall nicht gehört“, sagt eine Ü-70 jährige im Vorbeilaufen. Es tue ihr leid, sie würde sich gern unterhalten, aber sie müsse dringend nach drinnen, sagt sie und gestikuliert dabei erklärend Richtung Universum. Wir nicken. Vielleicht ist 14 Uhr keine gute Zeit mehr für sowas.

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Och guck, so im direkten Vergleich kann man tatsächlich Unterschiede wahrnehmen. Innerhalb von nur 6 Stunden hab ich einen Mückenstich, einen Zeckenbiss und einen Bremsenstich abbekommen, alle in die Kniekehle, und ich kann sagen, was wo ist, ohne hinzugucken. Nnnaaargh. Trotzdem bin ich mit dieser Sammlung noch nicht König. Jemand braucht einen Arzttermin, wegen eskaliertem Mückenstich. Hatten wir so auch alles noch nicht.

Teile der Hausapotheke dürfen nicht über 25°C gelagert werden, sollen aber auch nicht in den Kühlschrank. Äääähm, tja. Es kommt auf die Liste, mit Sachen, über die wir nachdenken wollen, wenn es wieder kühler ist.

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Das Aquarium hat Luft nach oben. Ich schütte kaltes Wasser nach und wünsche den Fischen von Herzen alles Gute.

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Es sind nur noch zwei Kühe auf der Weide, beide auf dem Weg Richtung Stall. Sie gehen langsam. Uns gehts genauso, Mädels, denke ich. Wir waren früh unterwegs, der Hund und ich. Nicht früh genug, aber wo soll man anfangen, wenn es nachts kaum kühler wird? Morgens um sieben wird es allmählich zu warm für alles. Der Unwetterwarnungs-Ping von NINA kommt um kurz nach zehn.

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Ich nutze eine Wartezeit zum volltanken, der Rabatt endet nächste Woche. Danach gucke ich mir den neuen Lebensmittelladen mal an. Dort läuft arabische Musik, das passt. Ich kaufe eine Gewürzmischung.

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Johannesbeeren und Kräuter geerntet. Immerhin. Das Gewächshaus produziert eventuell direkt luftgetrocknetes Gemüse, diese Saison.

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Märzkind ist in Sorge um eine Nachbarin. Die Betreuung ist unter normalen Umständen schon nicht ganz leicht, und bei den Temperaturen wird es gefährlich. Sie habe Hilfe angefordert, damit vielleicht Grenzen überschritten, aber ach. Ich finde, sie hat das gut gemacht, sehr professionell.

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Der Arbeitgeber des Liebsten veranstaltet einen Familientag, alle haben sich darauf gefreut und den Termin freigehalten. Man zeigt uns Maschinen die Material verarbeiten, dass einem sonst nirgendwo im Leben begegnet. Als würde man mitten durch einen Beitrag für die Sendung mit der Maus laufen. Am Ende kommt ein Papier raus, dass dann woanders weiterverarbeitet wird, in Handarbeit, bis es schließlich zu einem Filter wird, den man so wahrscheinlich nie sehen wird, sagt der Mitarbeiter, und zeigt ein Endprodukt. Das neben mir stehende Maikind nickt nur. Die Dinger hat er im gesamten Betrieb wechseln müssen, damals, zu Beginn seiner Ausbildung, sagt er.

Es gibt Burger und Pommes, mehrere Sorten Grillfleisch und Gemüse und Salate, ein Traum für Teenager, man könnte mal so richtig… aber es geht halt nicht. Man schwitzt im Sitzen, im Schatten und bedauert die, die da am Grill stehen müssen. Nach dem Essen drehen wir uns einmal unter der Sprinkleranlage neben dem Sandberg mit Baggern und Schaufeln. Die kleinen Menschen wundern sich. Es wird trotzdem zu warm, wir verabschieden uns.

Auf dem Heimweg sehen wir zwei Unfälle. Der erste so heftig, dass schon weitem klar ist, dass das eine Weile dauern wird. Wir wenden und fahren einen Umweg. Der zweite so glimpflich, dass man sich fragt wie das überhaupt passieren konnte, die können doch kaum mehr als 10 km/h schnell gewesen sein. Verkehrstechnisch gesehen sollte man 35°C im Schatten so behandeln wie einen halben Meter Schnee, sind wir uns einig, „und wenn man das Gefühl hat, man packts nit, einfach zu Hause bleiben“, sagt Märzkind. Alle nicken.

Zu Hause Siesta.

Der Liebste kommt am frühen Abend nach Hause. Suchend guckt er in den Kühlschrank, er würde gern noch ein Stück von dieser Wassermelone, wo ist denn die? Ich schüttle mit dem Kopf. 15 Kilo waren das, einfach weg.

Wir haben das absolut kühlste Schlafzimmer im ganzen Haus. Leider hab ich heute morgen vergessen, das Fenster zu schließen. Es tut mir aufrichtg leid, ist aber nicht mehr zu ändern. Ich wache auf, mit dem Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt, aber was? Es ist zu warm. Viel zu warm. Das geht so nicht. Ich nehme mir eine Flasche Wasser mit auf die Terasse. Draußen ist es nicht wirklich kühler, aber mit ein bisschen Wind doch angenehmer. Ich schaue der Fledermaus beim Jagen zu und denke über Terassenentsiegelung und Hängematten nach. Die Tür hab ich im Halbschlaf hinter mir zugezogen und natürlich keinen Schlüssel. Naargh. Ist aber kein Problem, Samstag morgen viertel nach zwei ist für manche noch Freitag abend, und mein Handy hab ich dabei. Julikind wundert sich, dass ich noch wach bin, aber klar, sie wird mir die Tür aufmachen. Wir unterhalten uns nett. Märzkind kommt um halb drei nach Hause und wundert sich, was denn hier bitte los sei. Im Nachbarort auf dem Sportplatz sei es gefühlte 10°C kälter gewesen, eben gerade. Fast hatte man das Gefühl einen Pulli zu brauchen. Hier nicht.

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Sonntag purzeln die Hitzerekorde von Samstag. Sind wir dann jetzt soweit, dass es egal ist?, frage ich in die Runde, denn ich hatte damals, vor dieser Wetterlage eingekauft für Ofenkartoffeln. Dazu müsste ich den Backofen anmachen. Wir sind soweit, sagt die Familie. Aber, wenn das morgen noch so sein sollte, wäre er persönlich an einem Punkt, an dem er nichts warmes mehr essen wollen würde, erklärt Maikind beim Essen. Zustimmendes Gemurmel rund um den Tisch.

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Montag morgen um fünf regnet es. Das Thermometer zeigt 18°C, einfach so. Wir reißen alle Fenster auf.

Man kann tagsüber Dinge erledigen, Sachen aufräumen, zu Ende denken. Abends wird gegrillt, bei ganz normalem Sommerwetter, zur Feier des Tages. Märzkind guckt leicht irritiert, als sie in den Garten kommt. Da lag schimmeliges Brot im Kasten, sagt sie. „Brot kann schimmeln?“ fragt Maikind. Ist bisher nie vorgekommen, wie so manches letzte Woche.

Stolz und Hitze

Julikind ist auf Klassenfahrt, ihr Zimmer die ganze Woche frei, das ist die Gelegenheit eine Baustelle zu beginnen. Ich schiebe die Matratzen über den Flur, rücke Möbel und reiße Tapeten ab. Natürlich ist alles genauso kompliziert, wie wir angenommen hatten. Der Liebste und ich schlafen ab Woche zwei in der Ferienwohnung. Es hat ein bisschen was von Campingplatz, wenn man so morgens um viertel nach sechs im Schlafanzug durch den Garten läuft.

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Unwetterwarnung wegen Hitze ist irgendwie fies. Draußen scheinbar wunderschönes Sommerwetter, aber man kann nix. Der Triathlet meldet kaum noch Wasser an der nächstgelegenen Badestelle. Somit waren wir dieses Jahr genau einmal da schwimmen. Freibad im Städtchen hat geschlossen, Freibad der Nachbargemeinde wird um diese Zeit keine Schattenplätze mehr haben und sich bei 35°C mitten auf die Wiese zu legen kommt nicht in Frage. Also verbringen wir das Wochenende in abgedunkelten Räumen und freuen uns über die dicken Wände. Wohnen im Altbau hat durchaus auch Vorteile.

Hab die Winterjacken auf den Dachboden getragen.

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Fristende ist alle Jahre wieder die Gelegenheit, dieses Zettelfach im Regal zu leeren. Ein Jahresrückblick in Rechnungen quasi. Zwei Stunden lang suchen und heften wir, um dann festzustellen, das nachgezahlt werden muss. Naaarrgh.

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Zwei Bienenköniginnen wurden geliefert und müssen dem Veterinäramt gemeldet werden. Das geht per mail und ist schnell erledigt. Da wir in keinem Imkerverein mehr sind, wird allerdings noch die Tierseuchenkassennummer gebraucht, teilt das Amt in der Antwortmail mit, praktischerweise gibt es einen link. Ich hole einmal tief Luft und wappne mich für Behördenkontakt. Es ist aber überraschend einfach. Man wählt aus, wegen welchem Tier man hier ist, und bekommt Auswahlmöglichkeiten. Ich möchte einen Bienenstand melden, das Flurstück, auf dem der steht hat eine Adresse und – ich denke kurz drüber nach – wir machen definitiv weniger als 50 Mio Euro Umsatz im Jahr. Kurz darauf bekomme ich eine Nachricht mit der Nummer, teile die dem Amt mit und das wars.

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Nachdem wir im letzten Jahr die ersten Gäste waren und mit Applaus begrüßt wurden, kommen wir in diesem Jahr erst fünf Minuten vor Beginn der Veranstaltung an, um Peinlichkeiten zu vermeiden. Allerdings heißt Beginn hier anscheind, dass es wirklich genau dann anfängt, das war uns nicht klar. Es wird schon anmoderiert. Wir bleiben einen Moment in der Tür stehen und suchen nach zwei freien Plätzen. „Es kommen noch Leute, wie schön, herzlich willkommen“, sagt der Moderator, ganz vorn seien noch Plätze wir mögen doch bitte durchkommen. Julikind seufzt.

Dr Jekyll und Mr Hyde. Wir sitzen in der ersten Reihe und werden zwei Stunden lang gut unterhalten. So gut, dass wir uns ab und zu angucken und voll Bewunderung nicken. Auf der Rückfahrt sind sind wir uns sicher, eines Tages werden wir sagen können, die haben wir schon live gesehen, damals, 26, auf der Theaterbühne. Leider gabs kaum Sauerstoff in der sommerlichen Aula. Aber irgendwas ist ja immer.

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Die Bio-Heuwiese sieht so schön aus. Hüfthoch wächst das Gras, es summt und zirpt und raschelt. Aus einem Bullerbü-Gefühl heraus fange ich an Blumen zu pflücken, von jedem eine. Es kommt ein richtiger Strauß zusammen. Auf der konventionell betriebenen Grasfläche gleich nebenan blüht zeitgleich genau ein Löwenzahn.

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Endlich ist er da, der große Tag. Die Schulentlassungsfeier wurde zeitlich so gelegt, dass sie mit dem Unterrichtsschluss sämtlicher Schülerinnen kollidiert und sich 10 Minuten lang alle gegenseitig im Weg sind, so ist es Traditon. Die Aula ist schön kühl, wenn man von draußen kommt, es wird nicht lange halten. Es gibt einen Musikbeitrag, eine Tanzdarbietung, Reden und endlich Zeugnisse. Nach zwei Stunden sind wir alle nass geschwitzt und froh, nach draußen zu kommen. Keine Wehmut, keine Nostalgie. Draußen werden Fotos gemacht, man unterhält sich kurz, dann zieht es alle erstmal nach Hause.

Auf dem Weg zur Abendveranstaltung sammeln wir die Freundin des Julikinds ein. Die beiden feiern sich gegenseitig. So stolz sind sie aufeinander. Hach, es ist so ein Moment… Ich bin auch stolz, und ein bisschen gerührt.

In der Festhalle ist es angenehm kühl, noch. 150 Leute sind zum Essen gemeldet, im Nebenraum halten 15 Rechauds das Essen über offener Flamme warm. Nach dem Essen beginnt der DJ mit seinem Unterhaltungsprogramm und die Menge teilt sich, in die, die tanzen können und wollen und die, die im Sitzen schwitzen.

Nachts dann beeindruckendes Gewitter.

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Ich schaue ein halbes Fussballspiel mit an und gehe dann ins Bett. Irgendwie springt da kein Funke über.

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Wir fahren ins Städtchen, reichen das Zeugnis bei der weiterführenden Schule ein und kaufen ein. Ein Hitzedom wurde vorhergesagt, aber 15 Kilo Wassermelone sollten wohl reichen, bis zum Wochenende. Nachmittags ist Julikind mit der Nachbarin verabredet, und, keine Ahnung, wann sie nach Hause kommt, ne? Ist gut. Ferienbeginn

Frühsommer, Geburtstage und die wilde Maus

Von jetzt auf gleich ist wieder Sommer, aber so richtig. Anbaden im Edersee. Das Wasser ist bei weitem nicht so kalt wie ich dachte. Unglaublich, dass man letzte Woche noch im Wintermantel…

Abends sitzen wir im Garten. Diese Woche hatte es in sich. Morgen noch, dann ist es geschafft. Alle nicken und seufzen ein bisschen. Die alten Tanten, sie werden Dinge wissen wollen: „Was machst du nach der Schule, und danach, und was macht man dann damit?“, sagt Julikind „wie lange studierst du denn noch, was bist du denn dann, kann man damit Geld verdienen, wo denn?“, sagt Märzkind. Wenn man eine Ausbildung macht sei es aber auch nicht besser sagt Maikind, lauter Fragen zu Plänen, die man überhaupt nicht machen kann. Vielleicht sollten sie sich ein paar Konterfragen überlegen, schlage ich vor, um das Gespräch in andere Richtungen zu lenken. „Samma, bist du eigentlich schon im Altersheim?“, fragt Julikind und grinst. „Warste denn dies Jahr schon auf Kreuzfahrt?“, erkundigt sich Märzkind, „kochst du eigentlich noch selber, oder lässt du liefern?“ fragt Maikind. Wir lachen, und das hilft schon ein bisschen.

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Runder Geburtstag in einer Gaststätte im Sommer ist aber tatsächlich ganz angenehm. Zwischen Mittag und Kaffee kann man draußen rumlaufen, nach dem Kaffee setzen wir uns in den Biergarten uns spielen Hitster. Zu unserer eigenen Überraschung gehören wir zu den letzten Gästen. Alle gemeinsam räumen Geschenke und Reste ins Auto. Abends sitzen wir mit dem Gast, der bei uns wohnt im Garten bis es dunkel wird. Hier wird es nämlich dunkel und leise, an einem Sommerabend. So beeindruckt man Großstädter.

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Ein Fahrgeschäft fahren wir alle zusammen, so ist es Tradition. Wir laufen also eine Runde über den Pfingstmarkt und entscheiden uns dann für die wilde Maus, weil die Mädels da noch nie drin waren. Julikind ist ein bisschen enttäuscht, sie hätte es lieber höher und schneller, aber nagut. Ich zahle und lasse die beiden vor, vorne sind die besten Plätze und ich bin ja schon öfter gefahren, da sollen sie ruhig. Märzkind ist misstrauisch, weil ich ein bisschen grinsen muss, als der Wagen sich in Bewegung setzt, dann hört man zwei Minuten lang nur „uuuuuaaaaahhhh“ aus der ersten Reihe und ich lach mich kaputt. „Altaaa, samma, hast du? das? gewusst?“ fragt Julikind. Ja sicher. „Ich dachte kurz, ich sterbe“, murmelt Märzkind.

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Märzkind und ich schaffen Schattenplätze und decken den Tisch im Garten. Maikindgeburtstag feiern wir mit Erdbeeren, Nussecken und Grillbuffet. Weil es nur wenig Gäste sind haben alle Zeit, sich zu unterhalten, Retro-Brettspiele kommen zum Einsatz. Schöne Party.

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Start in die Status-Reise-Hauptsaison. Diese Bibliothek in Portugal scheint was besonderes zu sein, vielleicht google ich das irgendwann mal ansonsten: Strohhalmgetränke vor Sonnenuntergang, Fahrrad vor Landschaft, Füsse mit Sand und Meer, Event-Sportereignisse.

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Honig geschleudert, und es hat Spaß gemacht dieses Jahr. Der Zeitpunkt war gut, die Menge auch, so soll das.

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Plötzlich bewegt sich was, in der Wiese neben mir. Ein winziger Hase flitzt auf den Weg und läuft genau vor uns her, wie ein flauschiger high speed riesen Flummi, das ist so süüüüüß, dass ich kurz quietschen muss. Der Hund guckt irritiert. Kinderstunde im Feld und im Wald und im Garten. Ich liebe das.

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Mottowoche der Zehntklässler. Morgen ist „kein Rucksack“, sagt Julikind und sie hatte da eine Idee. Man hört Geräusche vom Dachboden, später steht die Klebepistole in der Küche. Am nächsten Morgen räumt das Kind die wenigen Sachen, die es für diese letzten Schultage noch braucht in ihre Schultüte. Fröhlich stopft sie das Krepppapier fest. Passt. Aber ehrlich gesagt hatte sie die Schultüte größer in Erinnerung. Ich auch. Hach ja.

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Ich habe keine Ahnung von der aktuellen Weltwirtschaft, aber das Bauchgefühlt sagt, heute ist der Tag. Ich wähle die Nummer des Heizöllieferanten, mein Hirn spielt „say geronimo“ im Hintergrund. Man freut sich über meinen Anruf, ob wir denn direkt einen Liefertermin ausmachen wollen? Sicher, warum nicht. Passt morgen zwischen 12 und 14 Uhr? Gern. Am nächsten Tag klingelt es um 13 Uhr. Im Moment sei nicht viel los, sagt der Fahrer. Tja, sage ich, man zockt halt. Viele verzocken sich, erzählt er. Oft ist schon Not-aus, wenn er kommt, manchmal nimmt die Heizung das übel.

Ich hefte den Lieferschein ab und halte einen Moment andächtig inne, als ich den Preis vom letzen Jahr sehe. Arschteuer hat sich das angefühlt, damals, ich erinnere mich. Es waren die guten Zeiten. Dieses Jahr, ach komm, geh weg. Andererseits war es vielleicht auch das Investment des Jahres, wie gesagt, ich habe keine Ahnung. Wenn natürlich jetzt morgen Weltfrieden wäre, das wäre irgendwie ärgerlich.

Mai, ganz normal eigentlich

Die Freundin kommt spontan vorbei, ich freue mich. Vor der Haustür klopft sie sich symbolisch den Staub aus den Klamotten, ich winke ab, einfach hinsetzen, ist heute total egal. Sie erzählt von der Baustelle. Da ist leider alles ziemlich genauso wie erwartet, was kein Vorwurf sein soll, der Mieter war Ü-80 und ein Guter. So einen werden sie wohl nicht mehr finden. Wer will schon direkt an der Bundesstraße wohnen, mit Gasheizung? De Politik tut so, als hätten Vermieter grundsätzlich einen Sack voll Geld, aber dem ist nicht so. Die Wohnung müsste mal etwas abwerfen, damit Geld für Investitionen da ist, aber, Hauptsache ist natürlich es wohnt überhaupt jemand in so alten Häusern. Es ist kompliziert.

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Zum Muttertag bekomme ich Geschenke, und freue mich sehr. Große Kinder sind toll.

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Elf Leute sitzen um den Küchentisch und lauschen angestregt.

Märzkind: „ooohhhh, das ist der, der das Tarzan-Lied singt“

ich: „stimmt, Phil Collins“

Vatta zeigt zielsicher auf zwei kleine Kärtchen, die schon auf dem Tisch liegen: „Genesis, das kommt dazwischen“, sagt er. Alle anderen staunen.

Hitster, battle of the generations (Werbung, Spiel natürlich selber gekauft), man lernt sich irgendwie nochmal anders kennen dabei.

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Bei Schichtwechsel sind kurz fast alle da, man verabschiedet mich nett. Am nachmittag ist nicht viel los. Zur Feier des Tages setzen wir uns doch einfach selber hin, sagt die Kollegin. Wir trinken Kaffee, essen Sahnetorte und unterhalten uns. Ich war gern hier und dachte, ich wäre trauriger. Aber, weil die Dinge jetzt so sind, wie sie sind, bin ich leider ein bisschen froh…schade, ist das, sind wir uns einig.

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Ein Blick auf Thermometer verrät, dass das Wetter tatsächlich so ist, wie der Blick aus dem Fenster vermuten lässt, aber nützt ja nix. Ich nehme mir also den Wintermantel, Handschuhe und Mütze, ziehe die warmen Stiefel an und gehe die morgendliche Hunderunde bei stürmischen 3°C. Das Weihnachtsbaum-Feld wurde geschreddert. Ein trauriger Anblick, aber es riecht gut. Das Wetter, der Geruch, dazu ein Gefühl von fast völlig verbrauchten Nerven- sehr adventlich. Zu Hause mache ich den Ofen an. Mir doch egal, ob Mai ist.

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Am frühen Sonntag morgen machen wir uns auf, in die Kurstadt zum Mädchenflohmarkt, das Auto ist voller Mädels. Auch dieser Flohmarkt ist ein bisschen ramschiger geworden, aber es lohnt sich noch. Vielleicht könnte man auch mal nur so hierher kommen, überlegen auf dem Rückweg. Hier gibt es noch Geschäfte und Cafes. Nicht nur Modeketten und Dönerbuden. Man fährt 45 Minuten, so weit ist das eigentlich garnicht.

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Nagut. Weil man mich so nett gefragt hat, gehe ich nachmittags kurz mit zum Brauchtumsfest. Aber wirklich nur Kaffee trinken. Ja sicher, sagen die, die gerne hin wollen. Auf dem Weg zum Eingang das Geräusch von billigen Plastiktrompeten und „bin ich froh, dass ich so einen scheiß nicht mehr kaufen muss“, sage ich zu Märzkind. Sie grinst nur. Man begrüßt uns herzlich, was kein Wunder ist, es gab hier im tagesverlauf mehrere hundert Liter Freibier. Überraschend guter Kaffee und leckerer Kuchen. People watching. Ich kenne die Kinder nicht mehr. Ein Alterungsmoment. Obwohl, wenn man da einen Moment länger hinguckt – sehen einige doch Leuten ähnlich.

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Dienstag abend sitzen wir zu dritt auf dem Sofa und schauen uns eine Sendung über Essen an. Stanley Tucci dreht die Spagetti gegen den Uhrzeigersinn, bemerkt der Liebste. Ist mir nicht aufgefallen, sage ich. Hä? sagt Julikind, das ist doch die ganz normale Richtung. Nee. Ich drehe kurz eine imaginäre Gabel, der Liebste neben mir macht das gleiche. Hää? sagt Julikind, geht an die Besteckschublade und holt eine Gabel. Sie dreht Spagetti nach links auf, ganz normal. Wenn beide Eltern die Spagetti nach rechts drehen, wie kommt es dann, dass das Kind…? Nee, nee, macht Sinn, sagt der Liebste, spiegelverkehrt.

Prüfungswoche der Realschüler. Montag Englisch, Mittwoch Deutsch, Freitag Mathe. Dazwischen Anspannung und geistiger Tiefflug gleichzeitig.

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Wir decken gemeinsam den Tisch fürs Abendbrot, alle versuchen, sich dabei so wenig wie möglich auf den Sack zu gehen, jeder hatte heute irgendwas, alle geben sich Mühe. Das Festnetztelefon klingelt, wir wundern uns kurz, denn das tut es nicht oft. Der Liebste geht ran, murmelt etwas von, da sei er leider noch nicht zu gekommen, dann schaut er mich an, und fragt, völlig ernst „Möchtest du Freitag Matjes essen?“ Ich bin gedanklich gerade woanders und antworte daher das offensichtliche, formuliere es aber intuitiv so, dass die Frage nach seiner mentalen Gesundheit mitschwingt „Nein!? Ich möchte nie Matjes essen.“ Er gibt das wortgetreu so weiter, und fügt hinzu, dass er dann alleine kommt. In dem Moment puzzelt mein Hirn die Informationen Festnetzanruf, Freitag und Matjes zusammen. Ohauahauaha. Wobei, eigentlich, war das genau die richtige Antwort, und jetzt ist es sowieso egal, aber, nur fürs Protokoll, auf die Frage „Hamburg reist schon Freitag an, möchtest du mit zum Geburtstagsessen meiner Mutter?“, hätte ich diplomatischer reagiert.

Symbolbild des Monats

Anfang Mai

Ich sehe ein Binnenschiff, ein Touristenschiff, eine Seilbahn, einen Güterzug, ein Flugzeug, mehrere Autos und Fahrräder und Menschen, alles auf einen Blick. Wie in so nem Wimmelbuch. Es ist interessant. Also das Gesamtbild, die Sehenswürdigkeit an sich beeindruckt mich eher weniger, aber gut, haben wir das auch mal gemacht. Danach, bestes Eis des Jahres gegessen.

Am zweiten Tag unseres Ausflugs gucken wir eine Burg an, naja, eigentlich gucken wir Menschen an, die eine Burg angucken. Anschließend würden wir was essen wollen. Die Kombination von Nahrungsmittelunverträglichkeit, Feiertag und touristischer Zielgruppe macht es ungeahnt kompliziert. Zwei Stunden später sitzen wir mit einer Schale Erdbeeren und einer Flasche Wein auf einer Parkbank an der Mosel. Sehr idyllisch. Und dieser Wein, der ist dermaßen gut, wahrscheinlich liegt es am Sonnenschein und an den Segelbooten, die da direkt vor uns so angenehm leise vorbei fahren, aber wenn der aus der Flasche schon so schmeckt, überleg mal wie das erst aus einem Glas schmecken würde… Der Fussweg vor unserer Picknick-Bank führt zu einem Maifest. Gruppen fröhlicher junger Menschen laufen stetig vorbei. Viele von ihnen haben richtige Weingläser in der Hand, oder an extra dafür gemachten Tragevorrichtungen um den Hals hängen. Ich hatte keine Ahnung, dass es sowas gibt.

Am Abend finden wir ein Restaurant und essen gut und reichlich. Vor der Eisdiele von gestern steht eine 200 Meter lange Warteschlange. Beeindruckend.

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Als wir wieder zu Hause ankommen ist Sommer. Das trifft mich unvorbereitet. Ich hole die Box vom Dachboden, räume T-Shirts und kurze Hosen in den Schrank ein und bringe Wollpullis und Winterkram ins Sommerlager. Abends wird gegrillt, danach sitzen wir mit der ganzen Familie im Garten und spielen Karten, in kurzen Klamotten, barfuss und wundern uns. Vorgestern war noch Winterjacke.

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Maikind hat die familienfreie Zeit genutzt um verschiedene Projekte mal ganz in Ruhe zu reparieren. Mit dem Scharnier an meiner Autotür ist alles in Ordnung, sagt er, die Tür ist gerissen. Naargh.

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Überraschend wurden wir zu einer Konfirmation eingeladen. Den Konfirmanden kennen wir eigentlich gar nicht, er freut sich anscheind trotzdem, dass wir da sind. Die anderen Gäste kennen sich auch nicht alle untereinander, aber wir kommen schnell ins Gespräch. Die Gastgeberin erzählt auf Nachfrage von ihrem Ausflug in die Notaufnahme, neulich. Fast wäre sie gestorben. Aber wirklich nur fast, und natürlich hat sie die Bienen noch, sagt sie, das war ja keine Allergie im eigentlichen Sinn, bei 20 Stichen auf einmal wird so ziemlich jedem schwummerig und sie ist halt ein bisschen empfindlich. „ja, aber…“ sagen die Nicht-Imker und schütteln die Köpfe. Naja, sie wird in Zukunft wohl den Schleier genauer kontrollieren, nur noch an die Bienen gehen, wenn jemand mit Führerschein zu Hause ist, und dieses Ereignis zum Anlass nehmen, sich dieses Jahr eine Norderney-Königinn zu kaufen, sagt sie und grinst. „Gute Idee“ sagen die andern Imker am Tisch, „ja, aber…“ sagen die Nicht-Imker, „ach, das war doch nicht persönlich“, sagt die Imkerin und wechselt das Thema. Einfach so. Man kann also doch noch unterschiedlicher Meinung sein, ohne sich anschließend gegenseitig doof finden zu müssen. Ein sehr entspannter sommerlicher Sonntag nachmittag im Mai- grün-bunten-Garten, mit leckerem Buffet.

Zum Abschied bekommt jeder eine Klemmbaustein-Jesusfigur geschenkt. Die steht jetzt auf dem Aquariumreinigunsmagneten und läuft übers Wasser. Hihi

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Regen war angesagt und wirklich nötig. Ein normaler Mairegen wäre toll gewesen, stattdessen gibts Starkregen. Wie schön, dass nichts davon bei uns in den Keller läuft, denke ich und lausche einfach dem Geräusch, beim Einschlafen.

Halber Hase

Der gebackene Osterhase wurde verschenkt und ungefähr zur Hälfte aufgegessen. Jetzt sieht er aus wie eine Ente.

Wir überlegen diese Backform ganzjährig zu nutzen, für Wolpertinger.

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Erste Urlaubsrückkehrer berichten von Spritpreisen von 1,78€ in Italien. Die Kurzstreckenpendler wimmern leise. Wir wollten ja tapfer sein, aber leicht ist es nicht.

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Heute ist Räumaktion. Der zweite Container steht bereit. Es riecht schon von weitem nach Omas Kleiderschränken, so intensiv, dass man sich fragt, wie das sein kann. Ich werfe einen Blick in den Container. Gleich vorn an der Kante steht eine Halbliterflasche echt Kölnisch Wasser. Solange ich denken kann stand die in Omas Schlafzimmer auf der Kommode vor dem Spiegel. Er hatte gedacht, es wäre vielleicht gut, ein bisschen davon über die Sachen zu verteilen, damit keine Waschbären oder so in den Container… „dass da noch soviel wumms hinter ist nach all den Jahren konnte man ja nicht ahnen“, erklärt der, der mit einziehen wird, im vorbeigehen. Auch der zweite Container wird voll. Es fühlt sich so an, als würde das Haus aufatmen. Und das macht was mit uns allen. Momento mori, quasi.

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Verschiedene Ereignisse führen zu ehrlichen Gesprächen unter Kollegen, Informationen puzzeln sich zusammen und das Bild, das sich daraus ergibt, sieht anders aus, als das auf der Verpackung.

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Die Zehntklässer schreiben ihre Probe-Abschluss-Arbeiten. Es ist nur eine Phase.

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Ein Fuchs mit Staupe gibt Anlass, mal den Impfstatus des Hundes zu überprüfen. Ups, ähm jo. In meiner Erinnerung war Tierarzt auch viel günstiger.

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Morgens ist es frostig kalt. Nachmittags wird es frühlingshaft warm. Murmeld stehe ich vor meinem Kleiderschrank, schichte um, und, ach komm, weißte was, ich nutze diese Gelegenheit, und werfe mal alles weg, worin ich nicht tot überm Zaun hängen wollen würde, wobei ich das narürlich sowieso nie will.

Ostern, und sonst nichts, eigentlich

Das Geräusch eines Bienenstands im April, wir haben es doch vermisst. Neue Bienen ziehen auf dem alten Standplatz ein. Der Frühling kann kommen.

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Osterhasen gebacken und gemeinsam, nun ja, verziert ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, aber auf jeden Fall hat das Ergebnis fröhlich gemacht, und darum gehts ja.

Einmal Ostern mit allem: Karfreitagsgottesdienst am Nachmittag, am Samstag verschiedene Haus und Hof Tätigkeiten, abends Osterfeuer. Ostergottesdienst Sonntag morgen um sechs, anschließend Brötcheneinkauf und kleines Frühstück, Eiersuche im Garten, Rouladen essen, Spaziergang bis zur Wiese mit Großeltern und Onkel, Eierwerfen, Eier essen, im Anschluss Kaffee und Kuchen und das ein oder andere Blätterkrokantei in geselliger Runde, danach in Joggighosen auf dem Sofa sitzen. Montag ein unerwartet ruhiger Arbeitstag.

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Osterferien, die beste Gelegenheit ein Abschlussfeier-Kleid zu kaufen, alle haben Zeit. Ach ja. Ich lasse die Mädels schon mal raus, suche einen Parkplatz, kaufe mir selbst einen Pullover und gehe erst dann in die Abteilung für Abendgarderobe. Es gibt schon eine engere Auswahl und die Entscheidung fällt verhältnismäßig schnell. Es ist nur eine kleine Änderung nötig, das könnte man sofort… gut, wir warten eine Stunde im Modehaus, auf dem Rückweg isst jede noch eine Kugel Eis. Geschafft. Auffällig war die entspannte Stimmung, obwohl die Abteilung wirklich voll war.

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Endlich wieder Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen, vor dem Haus zumindest, im Garten ist es zu windig. Zu viert sitzen wir auf der Treppe und essen Beeren-Kuchen, ganz ohne Anlass, einfach weil alle heute nachmittag frei haben. Der Kuchen war schneller alle als ich gedacht hätte, daher kein Foto.

Abends auf dem Sofa Whiskey getrunken, auch ohne Anlass, das wird allerdings in Zukunft schwieriger, denn dieser Whiskey ist so dermaßen gut, „der kommt ganz hinten ins Regal“, sagt der Liebste, und lächelt „für besondere Anlässe“.

Also, wenn man die Spritpreise und die allgemeine Weltsituation mal aussen vorlässt, gehts uns richtig gut. Nagut, die Motorkontrollleuchte am gerade erst kostspielig reparierten Auto leuchtet, aber irgendwas ist ja immer.