Oktober 21, Halbzeit

„Mmmmhh, das riecht hier aber….gut. Irgendwie nach, ja nach was denn eigentlich?“ Ein Gast hat uns eine Tüte Äpfel geschenkt, aus dem Garten seiner Oma, in Polen. Sie sind eher klein, dunkelrot, haben erkennbar den Sommer draußen verbracht und duften herrlich. Lecker sind sie auch. Wieso kann man solche Äpfel eigentlich nicht kaufen, fragen die Kinder. Gute Frage.


Das Märzkind braucht eine Hose und ein paar Schuhe. Brauchen im Sinne von brauchen. Klamotten einkaufen und Mathe-Aufgaben können das Märzkind und ich nicht gut zusammen. Wir treiben uns dabei ohne böse Absicht gegenseitig in den Wahnsinn. Normalerweise geht der Liebste mit ihr einkaufen, aber darauf können wir nicht mehr warten. Statt einer Hose finden wir einen Winterpulli, einen Schal und ein Bikinioberteil, die Suche danach wurde schon aufgegeben, entsprechend groß ist die Freude. Wir haben uns den ganzen Nachmittag nicht angezickt, fällt uns auf der Rückfahrt auf, kaum zu glauben. Und ich habe neue Schuhe. Nach Wochen der erfolglosen Suche, einfach so im Vorbeigehen gekauft.


Das letzte Mal hatte ich für 1,38 Euro den Liter getankt. Diese Woche kostet der Liter 1,48 Euro, ich muss kurz schlucken. Am Zielort kostet der Liter 1,56 Euro. Yeah, da hab ich aber ein Schnäppchen gemacht.


Voruntersuchung steht im Kalender. Die Schrauben im Fuss des Liebsten sollen wieder raus. Morgens um halb sechs fahren wir vom Hof. Bemerknisse:

Ein Tempolimit von 130 würde mich nicht betreffen. In den zwei Stunden auf der Autobahn hatte ich nicht einmal das Gefühl 130 fahren zu können.

In dieser Klinik gibt es auffallend wenig übergewichtige Menschen. Gar keine, eigentlich.

Die Stimmung im Röntgen-Wartebereich ist zweigeteilt. Die Ü-60 jährigen sind fröhlich, die U-30jährigen nicht. Vermutlich haben die einen auf ihre OP`s warten müssen, für die anderen war es eine Überraschung.

Cafeteria geschlossen ist blöd. Als die Kinder gegen Mittag Fotos von ihrem Instagramm tauglich hergerichteten Essen schicken droht die Stimmung kurz zu kippen.

Wann sind wir eigentlich das letzte Mal zusammen vier Stunden lang über Krankenhausflure gelaufen, fragen wir uns auf der Rückfahrt. Noch nie. Es dauert insgesamt 10 Stunden und 45 Minuten, bis alle Zettel, die gebraucht werden da sind, wo sie sein müssen. Zum Glück waren die Leute an jeder einzelnen Station sehr nett, sonst wäre das wirklich nervig gewesen.

Da hatte ich doch tatsächlich gedacht, wenn sich drei Kindern zum Mittag ein Kilo Tortellini kochen, bliebe etwas übrig. Falsch gedacht.

Das Julikind war gestern noch kleiner.


Die Hose und Schuhe? Nächste Woche muss sie arbeiten, sagt das Märzkind. Also heute. Nach einer Stunde dämmert mir, dass diese eine perfekte Hose möglicherweise im Moment nicht verfügbar ist. Ich erkundige mich bei der Verkäuferin, in welchem Rythmus denn Ware geliefert wird. Ware wird jeden Tag geliefert, sagt sie. Was aber wann genau geliefert wird, das kann im Moment niemand sagen. Das einzige was sie mit Sicherheit sagen kann ist, das etwa die Hälfte von dem, was sie für den Herbst geordert hatten garnicht kommen wird, die Lieferkette hängt durch. Mit leicht gesenkter Stimme gibt sie mir durch die Blume zu verstehen, dass man die perfekte Hose in dieser Saison eventuell nicht kaufen können wird, sie habe auch eine Tochter in dem Alter, fügt sie hinzu. Wir schweigen einen Moment gemeinsam.

Hosen finden wir an diesem Nachmittag. Schuhe nicht.


Das Maikind muss einen Teil seines Computers zurückschicken. Er möge mir bitte diktieren, was ich da in den Rücksendeschein eintragen soll. Das hat er mir doch schon gesagt, sagt er. Ich habs nicht verstanden.


Im Baumarkt ist der komplette Weihnachtsmarkt aufgebaut. Das erscheint mir unangemesen früh. Obwohl. In zwei Wochen wird die Uhr umgestellt und in sechs Wochen ist Advent. Oh ha.

KW40/2021

Die Apotheke ist klein, auf dem Schild an der Tür steht, es dürfen bitte immer nur zwei Personen gleichzeitig eintreten. Drin steht eine Frau mit Kleinkind im Kinderwagen. Gilt das jetzt als zwei Personen? Ein Mädchen im Grundschulalter wartet auch draußen, sie gehört bestimmt dazu. Ein Erwachsener kommt aus der Apotheke, den hatte ich garnicht gesehen, das Mädchen geht rein. Ich warte. Nach zwei Minuten stehen noch drei Leute hinter mir. Alle mit Maske und Abstand, es sieht aus, als wäre Pandemie, hier. In der Eisdiele nebenan nicht. Das Mädchen kommt wieder raus und spricht mich an. Sie soll sagen, ich kann ruhig reinkommen, ein Platz ist frei. OK, dankeschön.


De Omma hat einen geordneten Tagesablauf. Alles hat seine Zeit. Heute müssen Brombeeren gepflückt werden. Zufällig passt es mir genau zu der Zeit am besten, in der sie ihre Mittagspause macht. Ich habe ein bisschen ein schlechtes Gewissen, aber ohne Hilfe bin ich eine Stunde schneller.


Maisernte läuft. Wohin man auch fährt, immer fährt ein Traktor mit einem Container voll Maishäcksel vor einem. Im Feld sieht es auf einmal ganz anders aus, ohne die grünen Wände.


„Un? Heiligabend dieses Jahr wieder bei euch, oder haben wir sie alle unterm Baum sitzen?“ Es war nur ein halber Satz, ein scherzhafter Gedankengang, mit den Reaktionen hatte ich nicht gerechnet. Also, die Aussicht, dass man das eventuell irgendwann mal bei uns…das wäre eine Erleichterung, sehr nett, dass wir das anbieten, gute Idee, hatte man schon länger gedacht, dass es so doch eigentlich einfacher… 12 Leute dann also, wird ein bisschen kuschelig, aber das passt, es wäre gut, wenn man den Baum verschieben könnte, in der Garage liegt eine Tischplatte, da müssen wir nur Rollen besorgen…

Ich habe noch vier Rollen von einem anderen Projekt übrig, das Maikind verschwindet in der Garage. Eine halbe Stunde später werde ich als Beispiel-Baum zu Testzwecken durchs Wohnzimmer geschoben. Das geht genauso, wie er sich das gedacht hat, nur bis in die Küche halt nicht. Gut. Dann kein Weihnachtsbaum in der Küche.

Ich informiere meine Geschwister über den geänderten Ort und lade ein. Dankeschön, wussten sie aber schon.


Elternabend auf der weiterführenden Schule. Bemerknisse: Die Klassenräume haben wirklich keine Türen. Ich dachte, das wäre ein Scherz. Der Sinn erschließt sich mir nicht. Je größer die Kinder werden, desto angenehmer werden die Elternabende. Berufsschullehrer unterscheiden sich optisch von Berufsschulschülern nur durch ein Sakko.


Die Taschen meiner neuen Jeans sind lächerlich klein. Da beim nächsten Hosenkauf unbedingt drauf achten. Den Hausschlüssel in die Gesäßtasche zu tun ist keine komfortable Lösung. Wo hab ich denn..? Ich hatte doch…Jackentasche.


Das Märzkind hat alte Videos auf dem Laptop gefunden, die könnten wir ja mal zusammen anschauen nach dem Abendessen. Ich wundere mich kurz, aber können wir gern machen. Zu viert klicken wir uns durch alte Zeiten. Abends um halb neun ruft jemand auf dem Festnetztelefon an. Das ist ungewöhnlich. Ich gucke fragend und erfahre: Facebook läuft nicht, deshalb auch kein whattsapp und kein Insta, schon seit drei Stunden nicht. Ah so. Ist auch mal schön.


„Morgen dann nur drei Stunden“, sagen die Kinder. „Hä? Wieso denn nur drei Stunden?“ „Herbstferien, Mama“. Oh, okay, dann also Herbstferien, jetzt.

KW39/2021

Da war doch was. Wegen des leicht verdichteten Alltags habe ich am Sonntag nur den Zettel in den Kasten geworfen und dann garnicht mehr weiter dran gedacht. Haben wir eigentlich eine Regierung? Dauert wohl noch ein bisschen. Wer da wann mit wem über was spricht interessiert mich gerade überraschend wenig, stelle ich fest. Die sollen einfach sagen, wenn sie fertig sind.


Jetzt koche ich schon seit 6 Wochen. Normalerweise reichen meine 15 Standard-Gerichte, zwischendurch kocht immer mal wieder der Liebste, der macht das ganz gerne. Mittlerweile bin ich auch mit allen nicht Standard-Gerichten durch. Ich habe keine Ideen mehr – und keine Lust, um ehrlich zu sein. *Werbung, unbezahlt, unbeauftragt Da scheine ich aber nicht die einzige zu sein, denn es gibt eine ganz einfache Lösung. Chefkoch-Rezepte-Wochenplan-KW40-schnelle Alltagsküche. Einkaufszettel schreiben. Fertig is die Laube.


Telefon klingelt. Die Brombeeren müssen gepflückt werden, sagt de Omma. Gut, ich gucke, wie ich es einrichten kann, sage ich. Nein, sagt de Omma, die müssen heute gepfückt werden, nicht „wenn ich es einrichten kann“, jetzt. Jetzt, kann ich nicht, wenn es denn heute unbedingt sein muss, werde ich das schon irgendwie hinbekommen, aber dann muss sie es aushalten, wenn die noch hängen bis heute nachmittag um fünf.

Oh, da wurde anscheind ein neues Level freigeschaltet, denke ich. So habe ich noch nie mit meiner Omma gesprochen. Das ist kein Problem, sagt die Omma, sie sei sowieso den ganzen Nachmittag im Garten.

Beeren pfücken mit Ommas Hilfe ist anstrengend. So wie ich das mache, einfach alle in den Eimer rein, so geht das nämlich nicht, da hängen ja zum Teil sogar noch die Stiele dran. Oooooommmmmm. „Ich tue die gleich alle so in den Entsafter, und mir ist es total egal, wenn da noch Stiel dran ist, Johannisbeeren entsafte ich auch mit Stiel, das macht mir garnix“, sage ich. Die Omma murmelt. „Jetzt sag nicht, tu pulst jede einzelne Johannisbeere ab, vorm Entsaften“. „Nee“, sagt die sie, bei Johannisbeeren sei das anders, abgesehen davon ernte ich viel zu schnell, wenn sie das macht, das dauert länger. Sie ist 89. Ich richte meinen Blick gen Himmel und flehe um die Rückkehr der Senioren-Nachmittage. Die Alten müssen sich wieder einmal im Monat gegenseitig volllabern, sonst werden wir alle wahnsinnig, diesen Winter.


Bienen füttern, die zweite Runde. Einige Völker haben alles bis auf den letzen Tropfen verwertet, bei manchen ist der Eimer noch halb voll, ein Volk hat noch nichtmal angefangen. Ich hebe die Beuten an einer Seite leicht an und murmele so vor mich hin. Wieviel 6 Kilo Schmutzwäsche sind, das kann ich in etwa sagen, aber wie schwer ein Bienenkasten vor dem Winter sein muss, da hab ich kein Handgewicht, machen wir uns nichts vor, ist Glücksache, diesen Winter.


Wieder mal muss ein Fuss in die Chirurgie begleitet werden. Es gibt da einige Möglichkeiten, wir probieren erst alle anderen bevor was geschnitten wird, sagt die Ärztin, das Julikind ist erleichtert.


Meine Güte, die Mengen, die ich an Lebensmitteln einkaufe, kann das denn sein. Jo, kann es. Der Liebste kauft sonst teilweise selber ein, und nimmt das direkt mit an die Arbeit. Außerdem hat der Schulkiosk geschlossen, weil, wegen Bauarbeiten auf dem Gelände gibt es das Gebäude im Moment nicht.

Ich bin ein bisschen erleichtert, dass heute eine andere Fleischereifachverkäuferin Schicht hat und ordere, 40 Scheiben Salami, 20 Scheiben Mortadella, 20 Scheiben Schinken und 30 Scheiben Käse – zum dritten mal in dieser Woche. Die drei Brote, die ich Dienstag morgen am Bäckerauto geholt habe sind Donnerstag abend weg. Zum Glück war noch was eingefroren.


Haben wir eigentlich noch Arbeitshandschuhe vorrätig, zum Holzstapeln? Ähm ja, aber nein. Es gibt eine Sammlung an einwandfreien linken Handschuhen in verschiedenen Größen und Ausführungen. Leider kann man nur mit linken nicht viel anfangen. Es werden also neue gebraucht. Überraschung, ich habe die kleinsten Hände. Ich besorge also Handschuhe in meiner Größe und eine Nummer größer für das Märzkind und noch eine Nummer größer für das Maikind. Ein sentimentaler Moment vorm Baumarktregal. Ich weiß noch, wie schwierig das war, damals, die kleinen Finger in den kleinen Handschuhen zu sortieren.

Eine Wagenladung Holz verräumen die drei plus eins Kinder ganz alleine. Das ist toll. Im Haus ist nämlich auch einiges liegen geblieben.


Besonderer Dank gilt diese Woche an den netten Besuch, der Spritzgebäck mitbrachte. Das kam genau zur richtigen Zeit, in einer Menge, die alle Herzen im Haus erfreuen wird.

Fragen und Antworten, unsortiert

Nach Weihnachten würde es ruhiger werden, hatte ich mir gesagt, damals im Dezember. Dann haben wir hier alle das Zeitgefühl verloren. Dinge werden nach Dringlichkeit abgearbeitet.

Kühlakku, da muss auf jeden Fall eins drauf. Ich durchwühle die Schubladen des Gefrierschranks. Kann das denn sein, dass wir mitten im August nicht ein einziges Kühlakku parat haben? Muss das mitreisende Kind bei Anreise einen negativen Test vorlegen, wenn die Eltern geimpft sind? Wieviel muss denn da drauf, auf den Brief, und haben wir eigentlich Briefmarken? Das Taschengeld von Juli? Haben wir noch genug leere Honiggläser? Blumen, bei einem Rasengrab? Der Hund von Lucky Luke, wie hieß der nochmal? Wollen wir den Ofen anmachen? Anlass ist jetzt, Feier im nächsten Jahr – wann schreibt man denn die Karte? An welchen Schnitt hatten Sie denn gedacht? Was ist das für eine Vase da, und wo ist eigentlich der Sarg? Wenn ich gestern geimpft wurde und morgen einen Test machen muss – ist der dann positiv? Nur noch eine Woche Ferien, wollen wir denn eigentlich noch irgendwas unternehmen? Ist es denn ein bisschen ruhiger geworden, bei euch? Du hattest doch gesagt es ist viel los und das würdest du dir wünschen.

Da muss ich kurz drüber nachdenken.

Dritte Schublade, ganz hinten. Land Hessen sagt, jede anreisende Person muss ein G nachweisen, also ja, das Kind braucht einen Test ( und wenn das demnächst zweimal die Woche kontrolliert werden soll, dann nehme ich nur noch Geimpfte und Genesene Feriengäste, fertig ). 80 cent müssen drauf – Pinnwand – ist glaube ich egal, aus wie vielen einzelnen Marken man das zusammenpuzzelt. Die einen sagen so, die anderen so, wir einigen uns auf einen Dauerauftrag, dann muss da niemand mehr dran denken. Weiß ich nicht, muss ich gucken. Keine Blumen. Rantanplan? Jemand müsste Holz reinholen, wir nehmen erstmal eine Wolldecke, jo, das reicht, für diesen Sommerabend im August, auf dem Sofa. Karte mit kleinem Betrag jetzt – Karte mit Geschenk im nächsten Jahr, wenn denn dann… Ich hätte gerne eine Jeans, die einfach passt und einigermaßen gut aussieht. Jetzt heute hier. Nicht „wenn das Lockdownröllchen eines Tages wieder weg ist“, welchen Schnitt das erfordert, kann ich derzeit nicht sagen. Es gibt keinen Sarg, wenn man verbrannt wird, bleibt gar nicht so viel übrig. Die Vase ist eine Urne, da ist die Asche drin. Nee, die Impfung legt quasi ein Schutzschild um deine Zellen, dass das Virus nicht dran kommt, der Test guckt, ob du Viren auf der Schleimhaut hast, das sind zwei verschiedene Ansätze. Plätze für die Freilichtbühne gebucht, ohne vorher jemanden zu fragen. Ein nichtoptionales Kulturerlebnis. Ja, es ist ruhiger geworden, auf jeden Fall, wenn man mal davon absieht, dass der Liebste wahrscheinlich einige Zeit nicht mit dem Hund raus und, wenn es richtig blöd läuft kein Auto fahren können wird. Aber irgendwas ist ja immer.

Nieselregen bei windigen 15°C, das Maikind und ich sind uns einig: Würde es eine Packung Spekulatius geben, wir würden sie kaufen, es fühlt sich so an. Weihnachtsgebäck gibt es aber erst nach den Sommerferien, man fragt sich, wieso.

Erste Juliwoche

Vor den Sommerferien sind es immer mehr Termine als sonst, das ist normal. Normal ist ungewohnt. War das wirklich nur eine Woche?

Wir haben einen Geburtstag und zwei Konfirmationen gefeiert.

Der Liebste und ich haben einen Baumarkteinkauf erledigt, für Reperaturen, die noch nicht dringend waren, aber in absehbarer Zeit dringend werden könnten, vermutlich an einem samstag um 18 Uhr…

Nach erfolgreicher Fehlersuche habe die Steuererklärung abgeschickt, und mir selber auf die Schulter geklopft

Ein Starkregenereignis kam aus dem Nichts. Der Liebste war joggen im Feld. Kurz habe ich mir Sorgen gemacht, aber alles gut. Zum Keller wischen war er wieder da.

Märzkind und Maikind hatten ihre ersten Impfungen.

Ich hatte eine spontane Enkel-Taxi-Fahrt. Arzttermine kann man nicht verschieben, sagt de Omma.

Eine Elterntaxifahrt mit Einkauf während der Wartezeit

Zweimal offizielle GGG-Nachweise besorgt, Hinfahrt – Wartezeit- Rückfahrt.


Leider darf jeder nur drei Leute mitbringen, das Maikind verzichtet zugunsten der kleinen Schwester. Sie freut sich sehr, aber man muss ihm nicht danken, er geht eh lieber mit dem Hund raus…

Ballkleider und Anzüge, eine echte Sängerin, Zuschauer in Festtagskleidung, die Abschlussfeier des Märzkinds ist richtig feierlich. Es ist eine Gefühlsmischung aus „wo sind diese 10 Jahre geblieben“ und „endlich“. Das letzte Jahr war ein ganz besonderes, zum Glück versucht niemand ernsthaft das schön zu reden. Alle Redner fassen sich kurz. Zeugnisausgabe mit viel Applaus. Vor der Halle werden jede Menge Fotos gemacht, dann fahren schon die nächsten festlich gekleideten Familien vor. Aus Gründen findet diese Veranstaltung heute dreimal hintereinander statt.

Abends feiert das Kind auf einem Sportplatz mit den Klassenkameraden. Für die Eltern wurde eine Gegenparty geplant. Bis Mitternacht sitzen wir am Lagerfeuer und tauschen homeschooling-Geschichten aus. Die Geschichten ähneln sich, das tut gut.


Samstag nachmittag klingelt es an der Haustür. Märzkind und ich sitzen gerade am Tisch, sie ist eben erst aufgestanden und noch in Schlabberklamotte, ich bin schon in Schlabberklamotte. Besuch. Wer rechnet denn mit sowas? „Ich muss mich kämmen“, sagt das Kind und verschwindet. Ich mache die Tür auf und freue mich. „Die sehen genauso aus wie wir, kannst wieder rauskommen“, rufe ich dem Kind nach. Der Außendienstler und seine Frau gehören zum Lockdown-Freundeskreis. Zu viert sitzen wir im Garten und trinken Tee, alle in Jogginghosen, ganz normal.

man freut sich

Die Chance schätzt er auf 30%, aber ich soll doch bitte zwischen 14 und 17 in der Nähe des Telefons bleiben. Ich habe sowieso im Haus zu tun. Eine Stunde später klingelt das Telefon. Eine fröhliche Frau infomiert mich, dass WieeinOnkel mich auf die Nachrückerliste hat setzen lassen. Da sei eben eine Dose Biontech frei geworden, wenn ich die nehmen wollen würde und innerhalb der nächsten Stunde da sein könnte. Ja, ich will, und sicher, kann ich.

Ein Blick in die Küche zeigt, dass ich damit nicht wirklich gerechnet hatte. Kann alles warten. Ich ziehe mich um und melde mich bei den Kindern ab. Der Liebste kommt von der Arbeit und bietet an mich zu fahren, wer weiß… Parken, das richtige Haus finden, Zettel ausfüllen, kurz warten, Impfi, kurz warten. Das war`s. Nach einer guten Stunde sind wir wieder zu Hause. Ich freue mich. Es war kein Impfneid, ich hatte echt Schiss, gestehe ich mir ein. Drei Kinder in vollbesetzten Klassenräumen ohne Maske…

Der Liebste freut sich auch, schüttelt aber den Kopf. Da bin ich einfach so, mitten im Leben, vom Betriebsarzt einer Firma, in der ich garnicht arbeite, geimpft worden. Der offizielle Termin für ihn, aus Priogruppe drei, im Impfzentrum ist erst morgen.

Der Tag nimmt seinen Lauf. Um halb zehn treffen wir uns fröhlich, aber total platt, auf dem Sofa wieder. Der Liebste hatte sein erstes football-Training seit, ja seit wann eigentlich?, ich hab Impfkater. Die Symthome sind ähnlich. Eine Flasche Wasser wäre schön, wir schauen uns an. Niemand von uns wird deswegen extra aufstehen.

Ich bin am nächsten Nachmittag wieder fit. Der Liebste bekommt sein Impfi in einen Arm voller Muskelkater, tja.


Ein spontaner Freibadbesuch, mitten in der Woche. Es ist kaum was los. Toben, rutschen, tauchen die Kinder sind wie Kühe, die nach dem Winter das erste mal auf die Weide kommen. Der Kiosk hat geschlossen, ich gehe eine halbe Stunde vor den Kindern raus und kaufe schnell noch was ein, für´s Abendessen. Zwei Kilo Pommes und ein Kilo chicken nuggents werden an diesem Abend restlos aufgegessen.


Abends gegen elf wird es leise im Haus. Allmählich gewöhnen sich die Kinder wieder einen Tag/Nachtrhythmus an. Das Konzept von Schule und Hausaufgaben am gleichen Tag, das überzeugt leider nicht mehr so richtig.


De Omma hat in wenigen Wochen Geburtstag. Die Fenster auf dem Dachboden müssen vorher geputzt werden, selbstverständlich werden in dem Zuge auch die Gardinen gewaschen. Das Gras im Hühnergarten muss gemäht, das Beet vor dem Haus bepflanzt werden. Sie verteilt munter Aufgaben. Jeder ist mal dran. Hochbetagten-Parties sind anstrengend.


Der Honig ist abgefüllt, etikettiert und, wir überlegen kurz – verkauft. Jetzt muss der Sommer noch was bringen. Ein Nachbar- Neuimker hat ebenfalls innerhalb von drei Tagen seine gesamte Ernte verkauft. Er wundert sich. Der Liebste sagt, er hatte es ihm ja gesagt, ab der dritten Saison muss man das Schild abmontieren. Das lockt sonst Kunden an.


13°C und Regen, für die morgendliche Hunderunde brauche ich definitv eine Jacke. Wäre nicht alles so schön grün, es könnte auch Ende September sein. Andererseits, in den Nachrichten sehe ich Bilder aus Kanada, die haben es gerade 46°C. Wenn ich dran denke, wie wir nach den paar Tagen mit über 30°C drauf waren…


Fussball-Europameisterspiel gegen England. Die Jungs kommen an den Tisch, obwohl das Spiel noch läuft. Alles klar. Die Stimmung ist gedrückt. Märzkind und ich übernehmen die letzen Minuten auf dem Sofa, vielleicht schießen sie ja doch noch ein Tor. Wir könnten ein bisschen „oooohhh, ohhh“ sagen und dann fake-Jubeln, schlage ich vor „Das wäre zu gemein“, sagt das Märzkind. „Och guck, da neben David Beckham sitzt Ed Sheeran“, sage ich. Das Märzkind erkennt natürlich Ed Sheeran, aber David Beckham? Noch nie von dem gehört. In solchen Momenten altere ich. Das Spiel wird abgepfiffen und „guck, der Ed, der freut sich jetzt aber“, man wirft uns finstere Blicke zu.

Lockerungs-Übungen

Seit November gelten Lockdown-Regeln, sie sind Teil unseres Alltags geworden. Dass alle wieder täglich zur Schule gehen können erschien uns vor ein paar Wochen noch als unerreichbar. Jetzt dürfen sie auf dem Schulhof wieder ohne Maske rumlaufen, ab morgen sogar ohne Maske im Unterricht sitzen. Die Masken werden nur noch auf den Fluren und im Bus gebraucht. Es fühle sich seltsam an, alle „so nackt“ zu sehen, sagen die Kinder.

Kickboxen findet wieder statt, Chearleading findet wieder statt, das Maikind macht eine Fahrradtour mit mehreren Freunden, man darf wieder einfach so in alle Geschäfte, sich mit Leuten treffen, das Freibad hat geöffnet… es ist kaum zu glauben.


Endlich passt alles. Die Zahlen sind nicht nur bei uns gut, sondern in Thüringen auch. Wir bekommen Besuch. Die Hunde kennen sich nicht, wir treffen uns auf neutralem Boden. Der Hund muss erstmal üben, Gäste zu haben. Die kleinen Menschen brauchen nur 10 Minuten um sich wieder aneinander zu gewöhnen, die pubertierenden Menschen brauchen einen Moment länger. Vorsichtig erkundige ich mich bei dem mitgereisten Teenager, für was er sich denn interessiert. „Essen, zocken, Schwimmbad, Fahrrad fahren“ Ein Schwimmbad haben wir nicht in der Nähe, aber der Rest ist haargenau das, wofür sich das Maikind auch begeistern kann. Die zwei verschwinden.


Mitten in der Nacht werde ich wach und frage mich wieso. Der Liebste scheint auch wach zu sein, mehr oder weniger. Mit einer Hand wedelt er über seinem Wecker. Der projiziert erst die Uhrzeit an die Decke, beim zweiten Wedeln die Temperatur. 26.6°, aha, so fühlt es sich auch an. Alle Fenster sind auf, die Türen auch, es müsste quer lüften, aber die Luft bewegt sich nicht. Ich döse wieder ein, schlafen kann man das nicht nennen, eine halbe Stunde später kraschpelt es über mir. Ist da jemand auf dem Dachboden? Morgens um halb drei? Lieber mal gucken. Das Märzkind kommt mir entgegen. Sorry, aber sie musste den Ventilator holen, Pluseins krepiert sonst gleich. Verstehe, alles gut. Gerade, als ich dachte, jetzt schlafe ich aber gleich wirklich ein, flackert das Licht vor dem Fenster. Um diese Zeit dürfe da kein Licht sein, vor dem Fenster, und was ist das eigentlich für ein Geräusch? Gewitter, meldet der wache Teil meines Gehirns, aber so richtig. Es ist noch weit weg, aber ich stehe auf und ziehe alle Stecker am Computer des Maikinds. Die Fenster mache ich auch lieber zu. Das nächste mal werde ich davon wach, dass eine Windböe die Gardine ins Zimmer weht, der Liebste war anscheind nach mir nochmal wach, und wollte die Zugluft nutzen.


Die Kinder sind in der Schule, der Liebste hat Frühschicht, da kann ich mal ganz in Ruhe wohnen. Das ist die Gelegenheit. Die Steuererklärung, sie wartet auf mich. Ich habe die Zertifikatsdatei aktualisieren lassen, ich habe die Belege gesucht, ich habe den Zettel mit dem Passwort gefunden. Es gibt keine Ausrede mehr.

Siehe da, wenn man nebenher nicht noch andere Sachen suchen/finden/unterschreiben/erlauben/kochen soll, dann ist es eigentlich schnell erledigt. Das Ergebnis der Probeberechnung schockiert mich. Das ist doch wohl nicht sein. Ich kontrolliere meine Angaben und murmele Kraftausdrücke dabei. Ich telefoniere. Die Steuerfachkraft meines Vertrauens sagt auch, das kann nicht sein, da müssen wir nochmal gucken, ich bin erleichtert. Die Frist endet übrigens erst Ende Juli, nicht nächste Woche.


Elterninfos kommen wieder auf Papier. Einmal Klassenfahrt Phantasialand, zahlbar in bar, bitte in einem Umschlag mit Name drauf, einmal Klassenfahrt Phantasialand bitte überweisen aufs Schulkonto, einmal Wandertag zum Riesen-Spielplatz – 2,50Euro für den Bus zurück mitgeben, einmal Ausflug zum Disc-Golf, die Einverständniserklärungen im unteren Bereich des Zettels jeweils unterschreiben, abschneiden und dem zugehörigen Kind mit passend abgezähltem Geldbetrag aushändigen. Die Infos in den Muttizetteln unterscheiden sich, ich google die Einreisebestimmungen vom Phantasialand nach und trage alles in den Kalender ein.

Ich wette: Sollten die Schulen im Herbst nochmal schließen müssen, wird uns der Distanzunterricht wieder in der gewohnten Qualität angeboten werden.


Etwas nachdenklich sitzen wir abends um halb sieben am See. Die Honigernte war in zweieinhalb Stunden erledigt. Das hat Vor- und Nachteile.

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Frisch Getratschtes: Der neue Teilzeitnachbar hat da dieses Gartenprojekt, er hatte es doch wirklich im Detail erklärt, es wurde schlampig umgesetzt. Er ist enttäuscht. Ich überlege, ob ich mal andeute, dass die Hecke nicht schalldicht ist.

Das AS-Taxi kam spät, das ist nicht weiter schlimm, das Märzkind hat ein mediteranes Zeitgefühl, aber gewundert hatte sie sich doch. Die Fahrerin habe sich entschuldigt, es ging nicht eher. Der Vatter vom Kurt hat Geburtstag, und, wann wird schon mal jemand 92? Das muss man doch feiern, gerade in diesen Zeiten. Deswegen ist der Kurt heute in Frankfurt, und sie fährt zwei Linien, dass muss eben mal einen Tag so gehen. Das muss es, dafür haben alle Verständnis. ( Der Kurt fährt normalerweise die AS-Taxi-Route vom Städtchen bis hier – bei jedem Wetter)

to do

„Ich weiß garnicht, wann ich zuletzt in einem Geschäft drin war“, sagt das Julikind. Stimmt, ich auch nicht. Wir geben Kontaktdaten an und dürfen dann einfach so rein. Der Liebste geht mit dem Maikind in, welche Abteilung auch immer kurze Hosen in seiner Größe verkauft, das Julikind und ich gehen in die Kinderabteilung. Winterjacken, Bademode, im Moment kann man alles haben. Die Liste ist lang, denn es passt so gut wie garnichts mehr. In anderthalb Stunden holen wir ein halbes Jahr „Konsumausgaben“ nach.


Den Einschulungs-Einkauf damals habe ich gemacht, Bleistift mit Glitzersteinen, rosa Kunstmappe, es fühlt sich noch garnicht so lange her an. Den Abschlusseinkauf übernimmt der Liebste, eine winwin Situation. Das rosa Ballkleid liegt trotz Reduzierungen ein mü über dem angedachten Budget, aber toll ist es, keine Frage. Außerdem spendiert der stolze Papa eine Palette Atra Rakete Gigant (*Werbung, wobei, ganz ehrlich, ich rate ab), damit das Märzkind am Samstag das Ende der Prüfungswoche feiern kann. In echt. Mit Freunden.


Libuse Safrankova (tut mir leid, die kleinen Striche fehlen, ich glaube, meine Tastatur kann gar kein tschechisch) ist verstorben. Wir kannten sie natürlich nicht, aber die Anteilnahme ist groß. Unser Aschenbrödel. Kann man ruhig auch mal im Juni gucken, den Film, findet das Märzkind.


Ich rufe innerhalb der Geschäftszeiten an und die Leitung ist frei, es klingelt. Es ist nicht mein erster Versuch, das wollen wir doch mal sehen, denke ich. Nach dem zehnten Klingeln meldet sich eine Dame, die sich ganz offensichtlich gestört fühlt. Gut so. Ich schildere mein Anliegen, sie kann mir wenig Hoffnung machen, in dieser Sache, ist aber bereit, mich zu verbinden, mit der zuständigen Kollegin. Ich schildere mein Anliegen, die Kollegin sagt, „das das ja alles jetzt langsam wieder los gehe“, wann genau, das wisse man aber leider noch nicht, sie könne mich da auf eine Warteliste setzen. Ich weise darauf hin, dass das Kind diese Bescheinigung bis zum Beginn des Praktikums benötigt. Mein Ehrgeiz verwirrt sie. Sie erkundigt sich nach dem Betrieb, nimmt Daten auf. Also, wenn das so ist, da sei sie recht zuversichtlich, dass das noch vor August möglich sein werde. „Ganz ehrlich, Ihre Zuversicht ist mir da ein bisschen wenig“, sage ich und erkundige mich, ob es noch andere Möglichkeiten gäbe, an so eine Bescheinigung ranzukommen. Leicht angenervt sagt sie, ich könne es mal im Nachbarkreis versuchen, ob ich dann jetzt nicht auf die Warteliste will? Doch, will ich.

Nachmittags gebe ich mal „Gesundheitsamt Nachbarkreis“ in die Suchmaschine ein. Nur so. Siehe da, es gibt eine Internetseite, mit einem Button für „Belehrungen nach §42 §43 Infektionsschutzgesetz“. Wegen der aktuellen Situation werden die im Moment nicht als Präsenzveranstaltung angeboten, sind aber als online-Veranstaltung buchbar. Terminauswahl. Klick. Nächste Woche von Montag bis Freitag zwischen 8.00 und 20.20 Uhr, was darf`s denn sein? Klick. Daten angeben. Bestätigungscode senden. Gebühr überweisen. Hat alles in allem eine viertel Stunde gedauert. 5 Minuten davon hat das Märzkind überlegt, welchen Termin sie möchte.


Der Mohn hat in den letzten beiden Jahren jeweils einen Tag geblüht. Der traurige Rest der Pflanze hat mich den Sommer über so vorwurfsvoll angeguckt, dass ich sie letzten Herbst ausgebuddelt habe. Sie steht jetzt in einem Teil des Gartens, den ich vom Fenster aus nicht sehen kann. Der Mohn blüht prachtvoll, dieses Jahr, seit einer Woche schon.


Diese Woche, sie nimmt kein Ende, man meint, es müsste Freitag sein, mindestens, aber nein, es ist tatsächlich erst Dienstag. Das sind ja jetzt noch drei Tage, es ist noch nicht mal die Hälfte geschafft. Wie hat man das früher ausgehalten, man weiß es nicht mehr.

Die Kinder hatten zwei Schultage hintereinander. Ehrlich gesagt, ich habe auch so ein Freitagsgefühl. Die Woche ist zäh.


„Am Wochenende war hier die Hölle los“, sagt der Mann im Häuschen am Erdbeerfeld, wir sollen es mal in diese Richtung versuchen. Viel ist tatsächlich nicht mehr dran. Zu zweit pflücken wir eine Stunde. Es ist nicht so viel wie wir eigentlich wollten, aber es reicht für die 20 Gläser Erdbeermarmelade, die wir brauchen. Das ganze Haus riecht nach Erdbeeren.


Ein Anruf wegen dieser Zahnbaustelle, es geht nicht voran und mich würde interessieren warum. Ich habe jetzt einen Sachbearbeiter mit einer Durchwahl, damit ich nicht durch`s callcenter muss, nächstes Mal. Läuft.


Der Teilzeit-Nachbar aus der Großstadt hat ein outdoor-Projekt. Er hämmert in unregelmäßigen Abständen auf irgendetwas aus Metall. Zwischendurch diskutiert er mit einer weiteren Person darüber, wie man besten auf irgendetwas aus Metall hämmert. Ich frage mich, ob ihm bewusst ist, dass der halbe Ort ihn hören kann, einige vermutlich sogar sehen, er arbeitet unter Flutlich, abends um halb elf. Nur weil es leise ist, im Ort, heißt das nicht, dass niemand da ist.


Man sieht wieder mehr Flugzeuge. Den tiefblauen Coronahimmel, die Fernsicht und die Sonnenuntergänge werde ich vermissen, wenn wieder alle jederzeit überall hin fliegen können.


Vereinssport darf wieder stattfinden. Wie sehr das gefehlt hat, merkt man erst jetzt so richtig.

Das Märzkind muss vor dem Training einen Selbsttest machen, das ist kein Problem, die werden im Moment für 80 cent verkauft, ich bringe welche mit. Die Gruppe vom Julikind wird draußen trainieren, man wird sich vorerst nach dem Wetter richten, was die Termine angeht.


Verabredungen, Termine, Einladungen, in den nächsten drei Wochen ist hier mehr los als bisher im ganze Jahr. Schön, einerseits, andererseits kann ich es kaum glauben, nach so langer Zeit.

Hallo Juni

Ich habe im Garten gesessen, einen ganzen Nachmittag lang. Ich habe ein Buch fertig gelesen. So fühlt sich also Freizeit an. Ich nehme mir vor, dass mal wieder zu machen, es tut gut.

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Drei Tage hintereinander Gewitterluft. Eine Unwetterwarnung ploppt auf, 40l pro Regen Quadratmeter scheinen möglich. Oh ha, da lege ich aber mal eben die Sandsäcke vors Kellerfenster. Ich hatte mit Spott gerechnet, wenn man mich dabei sieht. Statt dessen geht zweimal ein Fenster auf und mir wird Hilfe angeboten. Niemand hat Lust, den Keller zu wischen.

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Ein nettes Telefonat mit der Gastgeberin der Pension in der Nachbarschaft. Monteure sind sehr angenehme Gäste. Wenn da irgendwann wieder Touristen kommen sollten, vielleicht muss man die Preise anpassen. Die Kalkulationen gehen nicht mehr auf. Touristen benehmen sich nicht mehr wie Gäste. Natürlich nicht alle, aber doch viele.

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Mehrere Pakete mit Computerbauteilen sind angekommen, das Maikind ist im Zimmer verschwunden. Ein Teil ist defekt. Er probiert hin und her und dann ist er sich sicher, das muss zurückgeschickt werden. So ein Pech, er ist genervt. Ich muss einen digitalen Rücksendeschein ausfüllen. Er diktiert mir in aller Selbstverständlichkeit, was ich in das Feld für die Fehlerbeschreibung reinschreiben soll. Ich habe ehrlich keine Ahnung, was das bedeutet. Ob er sich sicher sei damit, erkundige ich mich. Er erklärt mir, warum das nur so sein kann, ich nicke und sage „okeee“. Es fühlt sich immernoch so an, als würde ich einen Eimer Druckluft reklamieren wollen.

Innerhalb weniger Tage kommt Ersatz und alles läuft. Große Freude.

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Plötzlich und unerwartet gehen die Inzidenzzahlen auch bei uns nach unten. Ab nächster Woche wird das Julikind wieder Präsenzunterrricht haben, jeden Tag, mit der ganzen Klasse. Das Märzkind in der Woche darauf auch. Ironischerweise ist das dann die Woche nach den schriftlichen Prüfungen. Noch eine Woche später wird das Maikind…das glauben wir dann, wenn es soweit ist.

Das Märzkind wird ein Kleid brauchen, für den Abschluss.

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Kaffee trinken mit der Omma. Der neue Hund ist durchs Beet mit den Stiefmütterchen gelaufen, Drama. Die Orchidee blüht, da muss ich gucken. Ich interessiere mich nicht für Zimmerpflanzen, aber ich schaffe es nervlich wieder eine viertel Stunde „ah“ und „oh“ zu sagen. Solange dauert die Tour entlang der Fensterbänke.

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Das Julikind snackt im 2 Stunden Takt. Die Hose, die vor zwei Wochen noch gepasst hat, ist eindeutig zu kurz. Mehrmals am Tag haut sie sich irgendwo an. Das ganze Haus passt ihr nicht mehr. Als fürsorgliche Familie nehmen wir natürlich humorvoll Anteil. Jeder hat im Haus eine „verdammtescheißEcke“, an der alle anderen immer einfach so vorbeigehen, ohne sich je anzuhauen.

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Viertel nach acht. Man müsste was hören. Es tut sich aber nichts. Ich klopfe, keine Reaktion. Ich gehe rein, alles dunkel. Ein Wuschelkopf erhebt sich vom Kissen und schaut mich fragend an. „Ähm, Schule? Jetzt.“, sage ich. Oh. Das sei aber kein Problem, denn es sind noch zehn Minuten Zeit. Nee, sind`s nicht, es ist schon zweite Stunde, und das heißt, der Bus fährt in fünf Minuten. Zwei Minuten später kommt das Kind ins Esszimmer gestolpert, greift sich im Vorbeilaufen die Brotdose und erwischt tatsächlich den Bus. Respekt. Beim Mittagessen fällt mir allerdings was auf. „Samma, du warst nicht in deiner Schlafi-Hose in der Schule, oder?“ Das Kind grinst. „Wieso, haben alle gesagt, sieht voll stylisch aus, und warum ich die nicht öfter anziehe.“ Ich schüttele mit dem Kopf und murmele. Nächste Woche sind Prüfungen, bis dahin schaffe ich es noch.

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Pluseins hilft beim Mathe-Lernen. Die Lage scheint ernster zu sein, als man uns gesagt hat, denn sie lernen wirklich. Da ist sie wieder, diese Aufgabe, mit dem Kapitän, der vom Schiff guckt, und man soll berechnen wie weit. Mit`m Sinussatz macht man das, alles ganz logisch, einfach lösbar.Tja, wenn sie meinen. Ich freue mich. Vor allem darüber, dass ich das nicht können muss.

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Ich hätte da mal eine alltägliche Sache beim Gesundheitsamt zu erfragen. Leider rufe ich außerhalb der Geschäftszeiten an. An einem Montag nachmittag, um kurz vor vier, während einer Pandemie. Naja, so dringend ist es nicht, aber ich denke eben gerade jetzt dran, und wer weiß, ob ich das nochmal tue, bevor es wirklich dringend wird. Bestimmt gibt es noch irgendeine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Ich klicke unmotiviert auf der homepage rum und finde nichts. Ab heute ist die Impfpriosierung aufgehoben, wenn ich schon mal da bin, könnte ich mich im Impfzentrum registrieren. Nö. Die Nachrückerseite pausiert. Man habe da noch 8000 Leute aus der Priogruppe 3 zu versorgen, die noch keinen Termin haben, alle anderen werden um Geduld und Besonnenheit gebeten. Tja, da kann ich dann wohl nur hoffen, dass das lange genug gut geht.

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„zu verschenken“ Wir stellen an einem sonnigen Tag ein paar Teile vom Dachboden an die Straße. Der Abschied fällt ein bisschen schwer. Nur weil man es die letzten Jahre nicht benutzt hat, heißt das ja nicht, dass man es zukünftig nicht mehr brauchen wird, das Julikind seufzt. Wir einigen uns darauf, alles was heute Abend noch steht wieder rein zu holen. Es dauert nicht mal eine Stunde, bis alles weg ist. Das Julikind freut sich. Was könnten wir denn noch hinstellen?

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Normalerweise würden wir spätestens jetzt Honig schleudern, aber da braucht man noch gar nicht dran denken. Es ist ein verrücktes Jahr.

Sonst so

Wenn man die Inzidenzzahlen von allen Landkreisen in Deutschland vergleicht, liegt unserer auf Platz neun. „Das klingt doch gut“, das Julikind. Leider nein. Platz eins ist, wo es am schlimmsten ist. Oh.

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Wir werden zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Ganz ehrlich, ich plane doch nicht wochenlang eine fast kontaktlose Familienfeier, um dann eine Woche danach zu feiern, als gäbe es keine Pandemie. Wenn wir draußen sitzen können, gern, ansonsten – nein. Der Liebste erkundigt sich, nach dem geplanten Ablauf. Ach, ja, da war ja was, das hatte man nicht bedacht. Aus einer großen Feier werden vier kleinere gemacht, notgedrungen. Kopfschüttelnd frage ich mich so einiges.

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Nachfrage beim Hausarzt, ich würde mich gern registrieren lassen, für eine Impfung. Sicher, gern. Ob ich denn in die Priogruppe drei falle. Nein. Habe ich irgendein erhöhtes Risiko. Ja, allergisches Asthma und drei Schulkinder. Natürlich schreibe man mich damit in die Liste, aber, „ich sag Ihnen wie es ist, vor September brauchen Sie mit nichts zu rechnen, probieren Sie es lieber auch im Impfzentrum über die Nachrückerliste“. Im Impfzentrum kann ich noch nicht mal ein Formular zur Registrierung öffnen.

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Die Abschlussarbeiten werden in der Turnhalle geschrieben werden. Coronatests sind an diesem Tag ausnahmsweise freiwillig, damit auch diejenigen an der Prüfung teilnehmen können, für die ein Test ein unzumutbarer Eingriff in die medizinischen Selbstbestimmungsrechte wäre. Negativ getestete dürfen am Platz die Maske abnehmen. Das wäre bei einer vier Stunden dauernden Prüfung durchaus angenehm. Sollte der Test positiv ausfallen, dürfte man natürlich nicht mit allen anderen in der Halle sitzen. Der Nachprüfungstermin ist 10 Tage später. Eine Quarantäne würde allerdings 14 Tage dauern. Die Schule hatte auf Nachfrage bisher keine Idee für ein was-wäre-wenn-Szenario. Das Märzkind überlegt, am Prüfungstag keinen Test zu machen, ausnahmsweise.

Die Abschlussklasse wird Unterricht haben, bis zum Ferienbeginn, wurde angeordnet. Niemand weiß wieso. Eigentlich war der Plan, dass die 10ten nach den Prüfungen zu Hause bleiben damit die neunten Klassen mehr Präsenzunterricht bekommen können, denen fehlt ja auch ein Schuljahr.

Die Hoffnung, dass man eventuell noch einen gemeinsamen Tagesausflug machen könnte, wird allmählich zu Grabe getragen. So schnell werden die Zahlen nicht sinken. Das Abschluss-highlight wird vorraussichtlich ein Pizzaessen mit der ganzen Klasse im Großgruppenraum.

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Schwiegermutter hat über den Winter Ahnenforschung betrieben. Ein Zweig des Stammbaumes reicht zurück bis 1652. Ich bin beeindruckt. Sie winkt ab, das war nur das, was sie so aus den Unterlagen im Haus zusammentragen konnte. Bestimmt geht da noch was, wenn man sich ernsthaft damit beschäftigen würde. Zwei der Vornamen unserer Kinder tauchen, in Varianten, über die Jahrhunderte immer mal wieder auf. Witzig, ich hatte keine Ahnung.

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Der Vatta hat endlich wieder einen Hund. Lange, lange hat er gesucht und dann, fast zufällig den passenden gefunden. Alle freuen sich mit.

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Normalerweise überlegen wir ja um diese Zeit, wie wir die Geburtstagsfeier des Maikinds mit dem Honig schleudern unter einen Hut bekommen. Dieses Jahr ist das ganz einfach. Eine große Geburtstagsfeier wird es nicht geben und die Honigräume waren Mitte Mai noch nicht mal angefangen. Ich trage morgens bei der Hunderunde noch die Winterjacke.

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Das Maikind wird 14. Meine Güte, waren wir nicht gerade noch beim Kinderturnen? Jetzt warten wir, dass die Bitcoin-Blase platzt, damit diese eine Grafikkarte wieder günstiger wird. An diesem Tag ist keine Schule. Eine Uroma kommt zum Frühstück, Großeltern plus eine andere Uroma zum Kaffee, eine Tante zum Abendbrot.

Die normale Feier mit 20 Leuten im Haus vermisse ich kein bisschen.

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Frisch Getratschtes: Im Nachbarort geht ein Nachbarschaftsstreit in die nächste Runde. Geklagt wird wegen einer Thuja, die zu nah an der Grundstücksgrenze steht. Sie hat eine gewisse Größe erreicht und stört den Satelitenempfang, mutmaßlich wurde das schon bei der Pflanzung beabsichtigt. Dieser Nachbar hat aber in der Werkstatt einen kleinen Ofen stehen und das dazugehörige Ofenrohr entspricht nicht den Richtlinien, daran hätte er besser mal denken sollen, vorher. Sehr unterhaltsam, wenn man weit genug weg wohnt./ Die Hundewelpen aus der Nachbarschaft werden für 2900Euro angeboten. Wahnsinn./ Die Oma aus dem Städtchen macht nächste Woche Urlaub, endlich.