Ich weiß es doch auch nicht

Vor Ostern, wenn die Skigäste durch sind und es draußen warm genug zum Wäsche trocknen ist, mache ich normalerweise eine Grundreinigung in der Ferienwohnung. Skigäste gab es keine, Ostergäste wird es auch nicht geben. Ich vermisse das Bettzeug und Gardinen- und Geschirrchaos. Es ist seltsam, ich mochte es nie. Den Weihnachtsstern könnte ich mal abnehmen.

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Wir bringen ein Auto zum Wanderparkplatz zwei Orte weiter und laufen ein Stück auf diesem Premiumwanderweg, der quasi vor der Haustür anfängt. Wir müssen hier alle mal raus. Das Julikind wollte nicht mit, zu Hause bleiben aber auch nicht. Nach einer halben Stunde führt der Weg durch die Wildnis und sie wird fröhlicher. Früher, als er klein war, musste er auch wandern, mit seinen Eltern, sagt der Liebste, sie waren in Bayern, in Österreich und so. Aber hier, hier ist er noch nie lang gelaufen.

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Vor zwei Wochen hatte ich eine Matratze bestellt und bezahlt. Seitdem nichts mehr davon gehört. So langsam müsste die geliefert werden. Oder auch nicht. Nach zwanzig Minuten in einer nervtötenden Warteschleife, habe ich eine Dame am Telefon, die mir nur sagen kann, das auf meiner Zahlungsbestätigung eine falsche Nummer steht, und der Auftrag vermutlich deswegen „irgendwie durchgerutscht“ ist, leider könne sie da nichts für mich tun, ihr Job ist es nur, ans Telefon zu gehen, so leid es ihr tut. Ich storniere.

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„Der Mathewettbewerb, nächste Woche, findet der statt?“, fragt das Maikind im vorbeigehen. Ähm, gute Frage. Anruf im Sekretariat der Schule. Gute Frage, man wird mich gleich zurückrufen. Der findet tatsächlich statt, so halb digital. Das Maikind soll bitte Mittwoch in die Schule kommen. Jackpot! Mittwoch ist der einzige Tag der Woche, der pickepackevoll mit online-Unterricht ist. Leider wird verlangt, dass er ab der sechsten Stunde zu Hause wieder teilnehmen muss. Man fasst es kaum, sagt das Maikind. Hätte der Wettbewerb im Städtchen stattgefunden, wäre er für diesen Tag freigestellt worden. Ähm, ich sag lieber nix.

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Samstag morgen um halb acht ist es wirklich leise im Ort. Etwas weiter unten am Hang knackt ein Ast. Weil es das einzige Geräusch ist, schaue ich in die Richtung und bleibe verwundert stehen. Eine Hirschkuh, anscheind auf dem Weg zum Altglascontainer. Hund und Hirsch gucken mich aus verschiedenen Richtungen leicht verwirrt an. „Expecto patronum“, murmele ich. Die Hirschkuh dreht sich um und geht.

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Die geistige Freizeit, die sich durch zwei Tage Präsenzunterricht ergibt, füllt sich schnell von selber.

Man müsste mal: Familien-Verwaltungssachen erledigen, Arzttermine machen für ganz normale Kontrollsachen, Sperrmüll bestellen, Konfirmationseinladungen, zu klein gewordenes aus dem Kleiderschrank des Julikindes räumen, Wäsche, Fenster putzen.

Der Liebste nimmt die Kinder mit zum Fahrrad fahren. Eine Stunde bin ich allein zu Hause. Es ist herrlich. Mit einer Tasse Kaffe stehe ich am Fenster und mache nichts, sowas von garnichts, eine ganze Stunde, weil ich es kann. Früher hätte ich eine Woche Urlaub machen müssen, um einen gleichwertigen Erholungswert zu erlangen. Nach einem Jahr Pandemie reicht eine Stunde.

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Die Blagen haben die Tüte mit Osterschnucke gefunden. Ganz hinten ganz unten in einem Schrank, in dem nur hauswirtschaftlicher Kram lagert, den ausser mir eigentlich nie jemand sucht. Als würde man mit einem Schwarm Heuschrecken zusammen wohnen…

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Auf der Danksagung steht hinten handschriftlich drauf, wie sehr man sich über unsere Karte gefreut habe. Ich stelle fest, dass ich die Frau auf dem Bild wirklich nicht kenne. Der Liebste freut sich, denn er mochte diese Tante aus der Gemeinde richtig gern, und, hat er doch gewusst, das ich da die richtigen Worte finde. Das widerum freut mich, weil ich lieber Karten schreibe als Holz trage. Ein win-win Situation.

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Das Praktikum findet statt, da muss ich dann mal anrufen, sagt mir das Maikind im Vorbeigehen. „Moment, ich kann doch da nicht einfach anrufen und sagen, das Praktium findet statt, da brauch ich ein Datum.“ Augenrollen. Der Außendiestler habe doch gesagt, das ginge, egal wann. „Das ist richtig, aber wann genau müssen die ja dann trotzdem wissen. Sag der Fachlehrerin, ich will eine Email.“ Kurze klare Sätze.

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„Wann ist wieder Kickboxen?“, fragt das Julikind. Ich weiß es leider nicht. Aber die Frisöre machen doch auf. Ich glaube, das heißt nichts. Machen die Gartencenter nicht auch auf? Ich habe keine Ahnung. „Aber, die werden doch wohl nicht die Gartencenter aufmachen, bevor alle wieder zur Schule können?“, das Märzkind ist irritiert. Ich fürchte, genau das wird passieren. „Aber, in Gartencentern kaufen doch nur alte Leute. Wieso immer nur die Alten? Die werden geimpft und dürfen wieder einkaufen, ganz normal, und wir? Nix.“ „Die Rentner dürfen wählen, ihr nicht.“ „Aber das ist doch scheiße“, sagt das Märzkind. „Richtig“, sage ich. PoWi im homeschooling.

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De Omma hat das Beet im Vorgarten gejätet und mit der Hacke schon mal kleine Löcher reingegraben, um die genaue Anzahl der benötigten Stiefmütterchen zu ermitteln. Ein bisschen wartet sie noch, es ist nachts noch ziemlich kalt nachts, sagt sie.

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In deutscher Gründlichkeit wurde eine Art Öffnungsstrategie entworfen. Ich versuche, dieser Tabelle einen Sinn zu entnehmen. Es ist schwierig. Meine Öffnungsstrategie sieht daher folgerdermaßen aus: Wir planen, und dann geht das entweder oder nicht. Das schreibe ich in die Einladung. Problem gelöst.

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