Frühsommer, Geburtstage und die wilde Maus

Von jetzt auf gleich ist wieder Sommer, aber so richtig. Anbaden im Edersee. Das Wasser ist bei weitem nicht so kalt wie ich dachte. Unglaublich, dass man letzte Woche noch im Wintermantel…

Abends sitzen wir im Garten. Diese Woche hatte es in sich. Morgen noch, dann ist es geschafft. Alle nicken und seufzen ein bisschen. Die alten Tanten, sie werden Dinge wissen wollen: „Was machst du nach der Schule, und danach, und was macht man dann damit?“, sagt Julikind „wie lange studierst du denn noch, was bist du denn dann, kann man damit Geld verdienen, wo denn?“, sagt Märzkind. Wenn man eine Ausbildung macht sei es aber auch nicht besser sagt Maikind, lauter Fragen zu Plänen, die man überhaupt nicht machen kann. Vielleicht sollten sie sich ein paar Konterfragen überlegen, schlage ich vor, um das Gespräch in andere Richtungen zu lenken. „Samma, bist du eigentlich schon im Altersheim?“, fragt Julikind und grinst. „Warste denn dies Jahr schon auf Kreuzfahrt?“, erkundigt sich Märzkind, „kochst du eigentlich noch selber, oder lässt du liefern?“ fragt Maikind. Wir lachen, und das hilft schon ein bisschen.

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Runder Geburtstag in einer Gaststätte im Sommer ist aber tatsächlich ganz angenehm. Zwischen Mittag und Kaffee kann man draußen rumlaufen, nach dem Kaffee setzen wir uns in den Biergarten uns spielen Hitster. Zu unserer eigenen Überraschung gehören wir zu den letzten Gästen. Alle gemeinsam räumen Geschenke und Reste ins Auto. Abends sitzen wir mit dem Gast, der bei uns wohnt im Garten bis es dunkel wird. Hier wird es nämlich dunkel und leise, an einem Sommerabend. So beeindruckt man Großstädter.

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Ein Fahrgeschäft fahren wir alle zusammen, so ist es Tradition. Wir laufen also eine Runde über den Pfingstmarkt und entscheiden uns dann für die wilde Maus, weil die Mädels da noch nie drin waren. Julikind ist ein bisschen enttäuscht, sie hätte es lieber höher und schneller, aber nagut. Ich zahle und lasse die beiden vor, vorne sind die besten Plätze und ich bin ja schon öfter gefahren, da sollen sie ruhig. Märzkind ist misstrauisch, weil ich ein bisschen grinsen muss, als der Wagen sich in Bewegung setzt, dann hört man zwei Minuten lang nur „uuuuuaaaaahhhh“ aus der ersten Reihe und ich lach mich kaputt. „Altaaa, samma, hast du? das? gewusst?“ fragt Julikind. Ja sicher. „Ich dachte kurz, ich sterbe“, murmelt Märzkind.

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Märzkind und ich schaffen Schattenplätze und decken den Tisch im Garten. Maikindgeburtstag feiern wir mit Erdbeeren, Nussecken und Grillbuffet. Weil es nur wenig Gäste sind haben alle Zeit, sich zu unterhalten, Retro-Brettspiele kommen zum Einsatz. Schöne Party.

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Start in die Status-Reise-Hauptsaison. Diese Bibliothek in Portugal scheint was besonderes zu sein, vielleicht google ich das irgendwann mal ansonsten: Strohhalmgetränke vor Sonnenuntergang, Fahrrad vor Landschaft, Füsse mit Sand und Meer, Event-Sportereignisse.

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Honig geschleudert, und es hat Spaß gemacht dieses Jahr. Der Zeitpunkt war gut, die Menge auch, so soll das.

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Plötzlich bewegt sich was, in der Wiese neben mir. Ein winziger Hase flitzt auf den Weg und läuft genau vor uns her, wie ein flauschiger high speed riesen Flummi, das ist so süüüüüß, dass ich kurz quietschen muss. Der Hund guckt irritiert. Kinderstunde im Feld und im Wald und im Garten. Ich liebe das.

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Mottowoche der Zehntklässler. Morgen ist „kein Rucksack“, sagt Julikind und sie hatte da eine Idee. Man hört Geräusche vom Dachboden, später steht die Klebepistole in der Küche. Am nächsten Morgen räumt das Kind die wenigen Sachen, die es für diese letzten Schultage noch braucht in ihre Schultüte. Fröhlich stopft sie das Krepppapier fest. Passt. Aber ehrlich gesagt hatte sie die Schultüte größer in Erinnerung. Ich auch. Hach ja.

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Ich habe keine Ahnung von der aktuellen Weltwirtschaft, aber das Bauchgefühlt sagt, heute ist der Tag. Ich wähle die Nummer des Heizöllieferanten, mein Hirn spielt „say geronimo“ im Hintergrund. Man freut sich über meinen Anruf, ob wir denn direkt einen Liefertermin ausmachen wollen? Sicher, warum nicht. Passt morgen zwischen 12 und 14 Uhr? Gern. Am nächsten Tag klingelt es um 13 Uhr. Im Moment sei nicht viel los, sagt der Fahrer. Tja, sage ich, man zockt halt. Viele verzocken sich, erzählt er. Oft ist schon Not-aus, wenn er kommt, manchmal nimmt die Heizung das übel.

Ich hefte den Lieferschein ab und halte einen Moment andächtig inne, als ich den Preis vom letzen Jahr sehe. Arschteuer hat sich das angefühlt, damals, ich erinnere mich. Es waren die guten Zeiten. Dieses Jahr, ach komm, geh weg. Andererseits war es vielleicht auch das Investment des Jahres, wie gesagt, ich habe keine Ahnung. Wenn natürlich jetzt morgen Weltfrieden wäre, das wäre irgendwie ärgerlich.

Mai, ganz normal eigentlich

Die Freundin kommt spontan vorbei, ich freue mich. Vor der Haustür klopft sie sich symbolisch den Staub aus den Klamotten, ich winke ab, einfach hinsetzen, ist heute total egal. Sie erzählt von der Baustelle. Da ist leider alles ziemlich genauso wie erwartet, was kein Vorwurf sein soll, der Mieter war Ü-80 und ein Guter. So einen werden sie wohl nicht mehr finden. Wer will schon direkt an der Bundesstraße wohnen, mit Gasheizung? De Politik tut so, als hätten Vermieter grundsätzlich einen Sack voll Geld, aber dem ist nicht so. Die Wohnung müsste mal etwas abwerfen, damit Geld für Investitionen da ist, aber, Hauptsache ist natürlich es wohnt überhaupt jemand in so alten Häusern. Es ist kompliziert.

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Zum Muttertag bekomme ich Geschenke, und freue mich sehr. Große Kinder sind toll.

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Elf Leute sitzen um den Küchentisch und lauschen angestregt.

Märzkind: „ooohhhh, das ist der, der das Tarzan-Lied singt“

ich: „stimmt, Phil Collins“

Vatta zeigt zielsicher auf zwei kleine Kärtchen, die schon auf dem Tisch liegen: „Genesis, das kommt dazwischen“, sagt er. Alle anderen staunen.

Hitster, battle of the generations (Werbung, Spiel natürlich selber gekauft), man lernt sich irgendwie nochmal anders kennen dabei.

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Bei Schichtwechsel sind kurz fast alle da, man verabschiedet mich nett. Am nachmittag ist nicht viel los. Zur Feier des Tages setzen wir uns doch einfach selber hin, sagt die Kollegin. Wir trinken Kaffee, essen Sahnetorte und unterhalten uns. Ich war gern hier und dachte, ich wäre trauriger. Aber, weil die Dinge jetzt so sind, wie sie sind, bin ich leider ein bisschen froh…schade, ist das, sind wir uns einig.

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Ein Blick auf Thermometer verrät, dass das Wetter tatsächlich so ist, wie der Blick aus dem Fenster vermuten lässt, aber nützt ja nix. Ich nehme mir also den Wintermantel, Handschuhe und Mütze, ziehe die warmen Stiefel an und gehe die morgendliche Hunderunde bei stürmischen 3°C. Das Weihnachtsbaum-Feld wurde geschreddert. Ein trauriger Anblick, aber es riecht gut. Das Wetter, der Geruch, dazu ein Gefühl von fast völlig verbrauchten Nerven- sehr adventlich. Zu Hause mache ich den Ofen an. Mir doch egal, ob Mai ist.

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Am frühen Sonntag morgen machen wir uns auf, in die Kurstadt zum Mädchenflohmarkt, das Auto ist voller Mädels. Auch dieser Flohmarkt ist ein bisschen ramschiger geworden, aber es lohnt sich noch. Vielleicht könnte man auch mal nur so hierher kommen, überlegen auf dem Rückweg. Hier gibt es noch Geschäfte und Cafes. Nicht nur Modeketten und Dönerbuden. Man fährt 45 Minuten, so weit ist das eigentlich garnicht.

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Nagut. Weil man mich so nett gefragt hat, gehe ich nachmittags kurz mit zum Brauchtumsfest. Aber wirklich nur Kaffee trinken. Ja sicher, sagen die, die gerne hin wollen. Auf dem Weg zum Eingang das Geräusch von billigen Plastiktrompeten und „bin ich froh, dass ich so einen scheiß nicht mehr kaufen muss“, sage ich zu Märzkind. Sie grinst nur. Man begrüßt uns herzlich, was kein Wunder ist, es gab hier im tagesverlauf mehrere hundert Liter Freibier. Überraschend guter Kaffee und leckerer Kuchen. People watching. Ich kenne die Kinder nicht mehr. Ein Alterungsmoment. Obwohl, wenn man da einen Moment länger hinguckt – sehen einige doch Leuten ähnlich.

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Dienstag abend sitzen wir zu dritt auf dem Sofa und schauen uns eine Sendung über Essen an. Stanley Tucci dreht die Spagetti gegen den Uhrzeigersinn, bemerkt der Liebste. Ist mir nicht aufgefallen, sage ich. Hä? sagt Julikind, das ist doch die ganz normale Richtung. Nee. Ich drehe kurz eine imaginäre Gabel, der Liebste neben mir macht das gleiche. Hää? sagt Julikind, geht an die Besteckschublade und holt eine Gabel. Sie dreht Spagetti nach links auf, ganz normal. Wenn beide Eltern die Spagetti nach rechts drehen, wie kommt es dann, dass das Kind…? Nee, nee, macht Sinn, sagt der Liebste, spiegelverkehrt.

Prüfungswoche der Realschüler. Montag Englisch, Mittwoch Deutsch, Freitag Mathe. Dazwischen Anspannung und geistiger Tiefflug gleichzeitig.

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Wir decken gemeinsam den Tisch fürs Abendbrot, alle versuchen, sich dabei so wenig wie möglich auf den Sack zu gehen, jeder hatte heute irgendwas, alle geben sich Mühe. Das Festnetztelefon klingelt, wir wundern uns kurz, denn das tut es nicht oft. Der Liebste geht ran, murmelt etwas von, da sei er leider noch nicht zu gekommen, dann schaut er mich an, und fragt, völlig ernst „Möchtest du Freitag Matjes essen?“ Ich bin gedanklich gerade woanders und antworte daher das offensichtliche, formuliere es aber intuitiv so, dass die Frage nach seiner mentalen Gesundheit mitschwingt „Nein!? Ich möchte nie Matjes essen.“ Er gibt das wortgetreu so weiter, und fügt hinzu, dass er dann alleine kommt. In dem Moment puzzelt mein Hirn die Informationen Festnetzanruf, Freitag und Matjes zusammen. Ohauahauaha. Wobei, eigentlich, war das genau die richtige Antwort, und jetzt ist es sowieso egal, aber, nur fürs Protokoll, auf die Frage „Hamburg reist schon Freitag an, möchtest du mit zum Geburtstagsessen meiner Mutter?“, hätte ich diplomatischer reagiert.

Symbolbild des Monats

Anfang Mai

Ich sehe ein Binnenschiff, ein Touristenschiff, eine Seilbahn, einen Güterzug, ein Flugzeug, mehrere Autos und Fahrräder und Menschen, alles auf einen Blick. Wie in so nem Wimmelbuch. Es ist interessant. Also das Gesamtbild, die Sehenswürdigkeit an sich beeindruckt mich eher weniger, aber gut, haben wir das auch mal gemacht. Danach, bestes Eis des Jahres gegessen.

Am zweiten Tag unseres Ausflugs gucken wir eine Burg an, naja, eigentlich gucken wir Menschen an, die eine Burg angucken. Anschließend würden wir was essen wollen. Die Kombination von Nahrungsmittelunverträglichkeit, Feiertag und touristischer Zielgruppe macht es ungeahnt kompliziert. Zwei Stunden später sitzen wir mit einer Schale Erdbeeren und einer Flasche Wein auf einer Parkbank an der Mosel. Sehr idyllisch. Und dieser Wein, der ist dermaßen gut, wahrscheinlich liegt es am Sonnenschein und an den Segelbooten, die da direkt vor uns so angenehm leise vorbei fahren, aber wenn der aus der Flasche schon so schmeckt, überleg mal wie das erst aus einem Glas schmecken würde… Der Fussweg vor unserer Picknick-Bank führt zu einem Maifest. Gruppen fröhlicher junger Menschen laufen stetig vorbei. Viele von ihnen haben richtige Weingläser in der Hand, oder an extra dafür gemachten Tragevorrichtungen um den Hals hängen. Ich hatte keine Ahnung, dass es sowas gibt.

Am Abend finden wir ein Restaurant und essen gut und reichlich. Vor der Eisdiele von gestern steht eine 200 Meter lange Warteschlange. Beeindruckend.

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Als wir wieder zu Hause ankommen ist Sommer. Das trifft mich unvorbereitet. Ich hole die Box vom Dachboden, räume T-Shirts und kurze Hosen in den Schrank ein und bringe Wollpullis und Winterkram ins Sommerlager. Abends wird gegrillt, danach sitzen wir mit der ganzen Familie im Garten und spielen Karten, in kurzen Klamotten, barfuss und wundern uns. Vorgestern war noch Winterjacke.

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Maikind hat die familienfreie Zeit genutzt um verschiedene Projekte mal ganz in Ruhe zu reparieren. Mit dem Scharnier an meiner Autotür ist alles in Ordnung, sagt er, die Tür ist gerissen. Naargh.

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Überraschend wurden wir zu einer Konfirmation eingeladen. Den Konfirmanden kennen wir eigentlich gar nicht, er freut sich anscheind trotzdem, dass wir da sind. Die anderen Gäste kennen sich auch nicht alle untereinander, aber wir kommen schnell ins Gespräch. Die Gastgeberin erzählt auf Nachfrage von ihrem Ausflug in die Notaufnahme, neulich. Fast wäre sie gestorben. Aber wirklich nur fast, und natürlich hat sie die Bienen noch, sagt sie, das war ja keine Allergie im eigentlichen Sinn, bei 20 Stichen auf einmal wird so ziemlich jedem schwummerig und sie ist halt ein bisschen empfindlich. „ja, aber…“ sagen die Nicht-Imker und schütteln die Köpfe. Naja, sie wird in Zukunft wohl den Schleier genauer kontrollieren, nur noch an die Bienen gehen, wenn jemand mit Führerschein zu Hause ist, und dieses Ereignis zum Anlass nehmen, sich dieses Jahr eine Norderney-Königinn zu kaufen, sagt sie und grinst. „Gute Idee“ sagen die andern Imker am Tisch, „ja, aber…“ sagen die Nicht-Imker, „ach, das war doch nicht persönlich“, sagt die Imkerin und wechselt das Thema. Einfach so. Man kann also doch noch unterschiedlicher Meinung sein, ohne sich anschließend gegenseitig doof finden zu müssen. Ein sehr entspannter sommerlicher Sonntag nachmittag im Mai- grün-bunten-Garten, mit leckerem Buffet.

Zum Abschied bekommt jeder eine Klemmbaustein-Jesusfigur geschenkt. Die steht jetzt auf dem Aquariumreinigunsmagneten und läuft übers Wasser. Hihi

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Regen war angesagt und wirklich nötig. Ein normaler Mairegen wäre toll gewesen, stattdessen gibts Starkregen. Wie schön, dass nichts davon bei uns in den Keller läuft, denke ich und lausche einfach dem Geräusch, beim Einschlafen.

Ostern, und sonst nichts, eigentlich

Das Geräusch eines Bienenstands im April, wir haben es doch vermisst. Neue Bienen ziehen auf dem alten Standplatz ein. Der Frühling kann kommen.

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Osterhasen gebacken und gemeinsam, nun ja, verziert ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, aber auf jeden Fall hat das Ergebnis fröhlich gemacht, und darum gehts ja.

Einmal Ostern mit allem: Karfreitagsgottesdienst am Nachmittag, am Samstag verschiedene Haus und Hof Tätigkeiten, abends Osterfeuer. Ostergottesdienst Sonntag morgen um sechs, anschließend Brötcheneinkauf und kleines Frühstück, Eiersuche im Garten, Rouladen essen, Spaziergang bis zur Wiese mit Großeltern und Onkel, Eierwerfen, Eier essen, im Anschluss Kaffee und Kuchen und das ein oder andere Blätterkrokantei in geselliger Runde, danach in Joggighosen auf dem Sofa sitzen. Montag ein unerwartet ruhiger Arbeitstag.

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Osterferien, die beste Gelegenheit ein Abschlussfeier-Kleid zu kaufen, alle haben Zeit. Ach ja. Ich lasse die Mädels schon mal raus, suche einen Parkplatz, kaufe mir selbst einen Pullover und gehe erst dann in die Abteilung für Abendgarderobe. Es gibt schon eine engere Auswahl und die Entscheidung fällt verhältnismäßig schnell. Es ist nur eine kleine Änderung nötig, das könnte man sofort… gut, wir warten eine Stunde im Modehaus, auf dem Rückweg isst jede noch eine Kugel Eis. Geschafft. Auffällig war die entspannte Stimmung, obwohl die Abteilung wirklich voll war.

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Endlich wieder Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen, vor dem Haus zumindest, im Garten ist es zu windig. Zu viert sitzen wir auf der Treppe und essen Beeren-Kuchen, ganz ohne Anlass, einfach weil alle heute nachmittag frei haben. Der Kuchen war schneller alle als ich gedacht hätte, daher kein Foto.

Abends auf dem Sofa Whiskey getrunken, auch ohne Anlass, das wird allerdings in Zukunft schwieriger, denn dieser Whiskey ist so dermaßen gut, „der kommt ganz hinten ins Regal“, sagt der Liebste, und lächelt „für besondere Anlässe“.

Also, wenn man die Spritpreise und die allgemeine Weltsituation mal aussen vorlässt, gehts uns richtig gut. Nagut, die Motorkontrollleuchte am gerade erst kostspielig reparierten Auto leuchtet, aber irgendwas ist ja immer.

Frühling und Pullover

Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, es ist deutlich wärmer als noch vor ein paar Tagen, und wir haben gerade mal Anfang März. Das tut gut. Ich gehe die frühe Hunderunde und freue mich über das wunderschöne Frühlingswetter und überhaupt – im Moment sind tatsächlich alle gesund, munter und fröhlich. So schön, wenn mal so nix ist, nagut, abgesehen von einem Hausarbeits-Abgabetermin den jemand hat und Pollenflug-apokalypse, aber das ist ja normal. Einen halben Tag später ist Krieg im Nahen Osten.

Die Spritpreise gehen hoch. Sehr schnell und sehr deutlich. Freitag tanke ich für 1,80 Euro pro Liter, halb voll nur, weil, so teuer war es, glaube ich noch nie. Vier Tage später tanke ich für 1,94 Euro pro Liter und habe ein Schnäppchengefühl, weil hinter mir noch drei Autos anstanden. Julikind ruft an, sie hatte doch schon nach der 6. Stunde Schluss und es sei kein Bus gekommen, ob ich denn wohl bitte? Ja sicher. Der nächste Stadtmensch, der mir erklären will, wie man Autofahrten einspart, kann sich auf was gefasst machen.

Ich meide die Nachrichten, dann gehts.

Alle Lieferanten haben Aufträge still gelegt, und müssen Preise neu aushandeln, meldet der Liebste aus seinem Job. War klar, basiert alles auf Erdöl.

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Eine Pfanne voll Zimtschnecken gegessen, zusammen mit allen Kindern, im T-Shirt im Garten gesessen dabei.

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Die erste Stromabrechnung nach Einbau des Balkonkraftwerks. HolladieWaldfee. Sehr erfreulich.

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Man bat mich um einen Rettungsversuch einer untragbar kaputten Hose. Jetzt hätte ich ein bisschen Zeit. Ich nehme das gute Stück vom zu erledigen Stapel und suche den Schaden. Och guck. Einsatz für die Knopfsammlung. Ich nähe zwei neue Knöpfe an, bessere mit ein paar Stichen das Knopfloch aus, lasse mich feiern. Basic skills des letzten Jahrhunderts.

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Es hat ein bisschen Anlauf gebraucht, aber jetzt geht es. Ich räume Ommas Kleiderschrank aus. Wobei, Kleiderschrank stimmt eigentlich nicht, es gibt einen Schrank nur für Pullover. Die, in denen ich sie kenne, lasse ich einfach noch liegen. Alle anderen stopfe ich in Säcke. Da kommt ordentlich was zusammen. Und es dauert eine Weile, denn man findet Sachen. Antike Unterwäsche und Stofftaschentücher in Aussteuerqualität, alles orginalverpackt, Postkarten aus Zeiten, in denen man selbst keine Fotos gemacht hat, eine Zigarrenkiste voll gemischter Münzen und Scheinen, die fast aussehen wie Kunstdrucke, coupons über jeweils ein Kilo Eisen, noch gültig, steht auf dem Stempel, man fragt sich verschiedenes.

Haushalt mit Jahresringen

Ein Schrank voller Bettwäsche. Baumwolle und Leinen, gemangelt und akurat zusammengelegt. Ich liebe Stoffe. Ich kann nicht alle behalten, denn brauchen tue ich strenggenommen gar keine. Es ist kompliziert. Auf einen Kissenbezug sind Initalien gestickt, ich kann sie einer Urgroßmutter zuordnen, bewundere einen Moment die Handarbeit, und erinnere mich daran, wie die Omma mal gestenreich davon erzählt hat, wie man die Fäden in den Webrahmen einspannt, auf dem dieses Leinen vermutlich entstanden ist. Ein Zettel auf der Schranktür weist darauf hin, dass sich noch Verbandszeug hinter den Stapeln des zweiten Faches befindet. Ich ziehe einen Stapel nach vorn und finde ein Schreibheft darunter. In Grundschul-Handschrift steht dort ihr Name, 4. Klasse, da ist man ungefähr 10, das Heft ist 84 Jahre alt. Ach komm, wenn wir ehrlich sind – heute werde ich hier nicht weiterkommen. Ich schließe die Schranktür. Einen Meter weiter hängt das Medizinschränkchen an der Wand. Medikamente aussortieren sollte einfach sein. Ich schaue auf die Verfallsdaten und ja, das kann alles weg. Im obersten Fach findet sich eine stattliche Sammlung an Mullbinden. Ich ziehe das einzige verpackte Päckchen heraus und staune. Die Geschichte dazu wurde mir nie erzählt. Ich weiß nur, dass der Opa als „letzte Reserve“ kurz vor Kriegsende noch eingezogen wurde, mit 15 Jahren. Ich zeige den anderen, was ich gefunden habe.

Es ist Samstag Nachmittag. Wir waren nicht verabredet aber in jedem Raum scheint jemand zu sein. Ein Geruch von „wuäh, was isn das“ wabert durchs Treppenhaus. Im Keller werden gerade uralte Weckgläser geöffnet und der Inhalt entsorgt. Ein Wäschekorb voll leerer Schnapsflaschen steht im Flur. Der Inhalt wurde unter eine Hecke geschüttet, ob das Spätfolgen hat, wird der Frühling zeigen. Auf dem Dachboden läuft jemand hin und her, Kisten voller Honiggläser werden die Haustür rausgetragen. Im Wohnzimmer finde ich Brüderchen, er inspiziert ebenfalls einen Wäscheschrank. Wir begrüßen uns herzlich. „Wenn de Omma sehen würde, was wir hier heute machen, sie würde sich im Grabe umdrehen“, sagt er und da hat er wohl recht. Wir lachen, so, wie man eben lacht, drei Wochen nach der Beerdigung. Kaum jemand durfte je in ihre Schränke gucken. Wir waren alle ein bisschen neugierig. Spoileralarm, es gibt von allem reichlich. Gemeinsam gehen wir in die Küche, ziehen eine Schublade auf. Darin gemischtes. Brüderchen beginnt zu kramen. „Ach scheiße“, sagt er „so ein Ding hab ich letzte Woche gekauft“, „du hast ne Suppenkelle gekauft?“ erkundige ich mich und lache ihn ein bisschen aus, „jamann, hab nicht dran gedacht, scheiße ej“, murmelt er.

Auf der Fensterbank stehen eine Menge Vasen und Krüge, „Flohmarkt“ steht auf dem kleinen Zettel der daneben liegt, ich erkenne die Handschrift meiner Mutter. In einer Vase steckt ein Zettel, in Erwachsenenhandschrift weist de Omma darauf hin, dass diese Vase noch von ihrer Oma sei und wir sie stets in Ehren halten und nicht verkaufen sollen. Ich schmunzle und stecke den Zettel wieder zurück.

Ich trage eine Kiste mit Flohmarktware auf den Dachboden, und stelle sie zu den anderen unter einen Tisch. Auf dem Tisch liegt ein Buch, das war beim letzten Mal noch nicht da. Es sieht aus, als hätte es jemand aus der Hogwarts-Bibliothek entliehen. Ich klappe den Deckel auf. Eine Bibel von 1823. Lag in der Schublade des Gästezimmers, sagen die, die den Keller geräumt haben, und sowas wirft man ja nicht weg. Im Keller liegen auch die Schallplatten, die Julikind gesucht hat. Was drauf ist, ist total egal, sie wählt nach Größe aus, die werden Deko. Zwischen den Schallplatten findet sie ein Foto, in schwarz weiß, darauf eine Gruppe junger Männer. Schützenverein 1932, steht auf dem kleinen Schild im Fordergrund. Wo das Bild gemacht wurde kann man erraten, auch wenn das Gebäude im Hintergrund heute verfallener aussieht. „Das war Hitlerzeit“ murmelt Julikind. Ich nicke. Einen Moment lang sagt niemand was. Einige der Jungs sind vermutlich so alt wie Julikind. Ob sie mal ein Bild davon machen kann, fragt sie den Opa, für die Schule, sie haben das gerade in Geschichte.

Limitierende Faktoren

Mit nur ganz wenig Fieber sitze ich auf dem Sofa. NINA schickt ein Symbol aufs Handy, dass ich noch nie gesehen habe. Man informiert mich ganz sachlich darüber, dass der Schulbusverkehr im Landkreis eingestellt wurde, morgens um 10 Uhr. Tja. Ich habe heute kein Auto, und zum Glück keine Energie um mich aufzuregen. Julikind wird wohl irgendwie wieder nach Hause kommen. Und tatsächlich ist die Strecke bis zu uns ins Dorf die einzige, die befahren wird. (Busunternehmen aus dem Nachbarort, ortskundige Fahrer und Winterreifen) Wer an der Strecke des „beste Preis“-Busunternehmens wohnt und Eltern hat, deren Lifestyle es nicht ermöglicht, Taxidienste anbieten zu können, hat schulfrei. Vier Tage lang. Wegen Schnee. Im Mittelgebirge. Anfang Februar.

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Eine erste Ladung Altkleider wurde aus Ommas Haus bis in den Container geschafft. Mehrere Personen waren daran beteiligt. Die Menge hat mich nachdenklich und entschlossen gemacht. Ich hab noch einen Sack mit meinen eigenen Klamotten zusammengetragen und gleich mit entsorgt.

Omas Vorratsschrank ausgeräumt. Die Ablaufdaten erzählen Geschichten. Danach habe ich unsere eigenen Vorräte durchgesehen, das was seit längerem eher Speisekammerdeko war radikal weggeworfen und das was neulich erst abgelaufen ist nach und nach serviert. Die Kombi Dosensauerkraut, Dosenwurst und Kartoffeln aus dem Glas war als Alltagsgericht nicht unbedingt lecker, wäre es aber in einem Krisenfall, da sind wir uns einig. Einkaufszettel geschrieben.

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Ich wollte nur „mal gerade“ die Mülltonne an die Straße ziehen, aber der erste Sonnenstrahl der Woche hat sofort Menschen nach draußen gelockt. Ob ich denn was weiß, wegen der Beerdigung erkundigt ein Spaziergänger, das Grab ist ausgehoben, hat er gerade gesehen, aber in der Zeitung stand nix. Ich gebe die Infos weiter, die der Liebste von der anderen Beerdigung mitgebracht hat, könnte mir aber vorstellen, dass die lieber ohne Leute, weil sonst hätten sie ja… Ein Nachbar wurde im engsten Kreis beigesetzt. Das ist ungewöhnlich. Aber, um ehrlich zu sein, wir mussten an dem Tag alle arbeiten, so braucht man sich für nichts entschuldigen.

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Walnusskuchen gebacken und gegessen, sah seltsam aus, kam aber sehr gut an, könnte man gerne wieder, sagen sie. Eigentlich wollte ich was davon einfrieren, aber das muss ich garnicht.

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Apfelstrudel gebacken und gegessen. Das erste mal, dass was daneben gegangen ist, geschmeckt hat es, aber ach, das nervt mich jetzt, sowas simples wie Strudelteig, ausgerechnet… murmle ich so vor mich hin. Also, er wäre durchaus bereit zweimal pro Woche ein Gebäckstück aufzuessen, sagt Maikind, „falls das der limitierende Faktor sein sollte“, fügt er kauend hinzu.

trauriger Anblick aber geschmeckt hat er

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Die Erkältung zieht sich. Könnte auch am grau kalten Nebelwetter liegen, vielleicht ist es eine Kombi, die insgesamt so ein meeeeehhhh verursacht. Alle Hunderunden voller matischigem/hart gefrorenen/rutschigen Schnee, der Nebel so dicht, dass man den nächsten Leuchtpfosten nicht sehen kann. Februar halt. Erste Kraniche über uns machen Hoffnung auf Frühling.

Geburtstagsfeiern werden geplant, einen Schulabschluss gilt es gebührend zu feiern, das „danach“ wird vorbereitet. Es tun sich Dinge in Köpfen.

KW 3/26

Der Flur wurde gelb gestrichen, die Türrahmen weiß. Ich musste rein garnichts tun und freue mich. Problem: Man erkennt jetzt deutliche Gebrauchsspuren am unrenovierten Rest des Hauses.

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Der Elternchat informiert am späten Sonntag nachmittag darüber, dass die Schule morgen nicht geschlossen sein wird, es aber aufgrund der Unwetterwarnung im eigenen Ermessen der Sorgeberechtigten liege, die Kinder zu schicken, oder eben nicht. Ähm, hä? Wir schauen uns fragend an und och guck, tatsächlich, die Notfallapp hat eine kleine Wolken mit zuckenden Blitzen gesendet. Ich informiere das Kind, dass sie morgen nicht zur Schule geht, weil, so haben es die Sorgeberechtigten nämlich für Eisregen grundsätzlich entschieden, damals. Zivilschutz durch ausschlafen.

Ja, es hat geschneit und ja, es war glatt. Aber es war alles geräumt. Im letzten Winter hatten wir an einigen Tagen mehr Wetter mit weniger Warnung und entsprechend ungeräumten Straßen, von Bürgersteigen ganz zu schweigen.

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Den freien Sonntag nachmittag genutzt und eine Runde Schlitten gefahren. Leider war es dafür schon fast zu kalt, die oberste Schicht Schnee war harsch gefroren und entsprechend langsam. Aber es gilt trotzdem als erledigt für diesen Winter. Keine Unfälle.

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„Schmeckt wie Stutenkerl“ oder eher „ein bisschen wie Hefeklöse“, sagen die kauenden Kinder und erkundigen sich fürsorglich, ob da eigentlich jemand was zurückgelegt hat, für den, der noch beim Sport ist. Nee, aber es sind ja noch welche da und „so mit Pflaumenkompott und Sahne – das ist schon fies“, sagt der Liebste am späten Nachmittag. Unsere Neujahrs-Challenges harmonieren nicht gut, dieses Jahr, mal sehen, wer länger durchhält.

Hefewaffeln gebacken und gegessen.

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Am Trauergespräch teilgenommen. Ein gutes Gespräch, denn die letzten Wochen haben mit uns allen irgendwas gemacht, da waren wir uns einig. Außerdem hatte ich einen Ahaaa-Moment, als die Familiengeschichte plötzlich einen wer-hat-hier-die-tollsten-Enkel-Wettstreit der 90er Jahre erklärte.

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Dinge tun sich an der Arbeitsstelle. Schon wieder. Es wäre wohl an der Zeit, sich mal ernsthaft Gedanken zu machen und was Gescheites… ich bin müde. Vielleicht ist ja alles nur saisonbedingt.

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Ein Geburtstagsbesuch bei der Oma im Städtchen. Sie freut sich sehr. Es gibt Torte, morgens um 10 Uhr, weil Geburtstag ist, und Gäste da sind. Die Feier war schon sehr anders als die im letzten Jahr, aber schön. Merke: Drei Gäste für eine Stunde reichen aus, als Party. Dann brauchts eine Pause.

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Sonst war nix. Auch mal schön.

Glockengeläut morgens um acht

Gegen halb zehn kommt Julikind mit ihrem Gast und den ersten beiden Brettspielen vom Dachboden ins Esszimmer. Damit beginnt der offizielle Teil des Sylvesterabends. Die Spielanleitungen müssen wir tatsächlich nochmal durchlesen, solange ist das schon her. Bei „Schnappt Hubi“ leitet eine Stimme aus dem Kasten durch das Spiel. Die Teenager schmunzeln über die antike Technik. Ich weise darauf hin, dass das echt krasser scheiß war, damals, in 2012. Danach spielen wir „können Schweine fliegen?“. Einen kurzen Moment lang überlege ich, ob Steinböcke Federn haben, frage mich dann innerlich, ob ich das gerade ernsthaft…?, und bescheinige mir selbst den geistigen Tiefpunkt des Jahres. Noch eine Runde „memory“ und dann müssen wir uns schon anziehen, es ist nämlich richtig kalt draußen. Und glatt, stellen wir nach wenigen Schritten fest. Die erste halbe Stunde des Jahres verbringen wir mit lieben Nachbarn hinterm Haus. Angestoßen wird mit Feigenschnaps und Eierlikör.

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Der Neujahrstag ist wie immer zu nichts zu gebrauchen, Feinstaub lässt grüßen.

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Tja, da hab ich wohl Glück gehabt, wenn man so will. Ein hausärztlicher Notfall am Wochenende, ich muss arbeiten, der Liebste hat frei, so wie die letzten beiden male auch.

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Eine Nachricht im Familienchat, es gab einen Anruf aus dem Krankenhaus, letzter Aufruf. Ich würde dann nochmal hin wollen. Maikind und Julikind auch. Als ich von der Arbeit komme sind sie schon so gut wie abfahrtbereit. „Aber, ganz ehrlich“, sagt Maikind…. Alle drei haben wir ein bisschen Angst, das, was uns erwartet vielleicht nicht aushalten zu können. Es tut gut, das mal laut gesagt zu haben. Wer nicht mehr kann geht einfach raus, wer weinen muss, bekommt ein Taschentuch und niemand wird darüber irgendwas denken. Als wir ankommen ist es still auf dem Krankenhausflur. Es wird ein ruhiger Besuch, ohne Tränen. Gut, dass wir das gemacht haben.

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Weihnachten wieder eingepackt und auf den Dachboden getragen.

Berliner gebacken und gegessen.

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Der Elternchat informiert darüber, dass die Präsentationsprüfungen um eine Woche nach hinten verschoben werden. Persönliche Gründe. Der Liebste schickt die Nachricht weiter an Julikind. Sie schickt den Hirnexplosions-emoji und sitzt 5 Minuten später bei uns auf dem Sofa. Wir haben Verständnis für persönliche Situationen, im Moment. Die letzte Ferienwoche hätte man allerdings auch anders… naja, zwei Tage bleiben ja noch.

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Zwei Weihnachtsbesuche gäbe es noch zu erledigen, einer davon könnte schon mit einem Geburtstagsbesuch kombiniert werden.

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Ob es etwas neues gibt, erkundigt sich Märzkind. Nein. Aber wir rechnen da jederzeit mit einem Anruf, ob sie nochmal hin möchte, frage ich nach. Sie würde gern. Julikind wollte sowieso mal in die Stadt, spontan machen wir uns also auf den Weg. Die Atmosphäre im Krankenzimmer ist heute völlig anders. Jemand hat eine kleine Lampe hingestellt und eine Kerze, der Blumenstrauß von letzter Woche sieht traurig aus, leider gibts im Krankenhaus keine zu kaufen, wir könnten auf dem Rückweg noch welche vorbeibringen, überlegen wir. Eine Krankenschwester bittet uns, bescheid zu geben, wenn wir gehen, dann würden sie wieder häufiger vorbeischauen, aber solange wir da sind, wird niemand stören. Wir ziehen die dicken Winterjacken aus, setzen uns und fangen an, uns zu unterhalten. Über Geburtstage, Beerdigungen, Erinnerungen an andere Großeltern, Besonderheiten der letzten Wochen und das Wetter, ganz normal, wie wir das auch bei der Oma in der Küche getan hätten. Zwischendurch halten wir zweimal inne lauschen und beobachten, aber alles gut. Als die Tür aufgeht stehe ich schnell auf, weil ich auf dem Tisch sitze, und das tut man ja eigentlich nicht. Die Marburger Verwandschaft kommt und ist in einer völlig anderen Stimmung als wir. Wir machen eine kurze Übergabe und verabschieden uns von der Oma, auch ganz normal, heute war es nämlich schön hier und es hat gut getan, nochmal so zu sitzen.

Als wir gerade vom einkaufen nach Hause kommen informiert eine Nachricht im Familienchat, dass die Oma gestorben ist. Eine knappe Stunde nachdem wir weg waren. Die Blumen hatten wir ganz vergessen, fällt uns ein, aber das war ja dann egal.

Abendessen bei den Eltern in der Küche. Es gibt eine Gedächtnis-Wurstplatte, denn die Oma mochte mehrere Wurstsorten am liebsten. Wir erzählen vom Tag und schauen alte Fotoalben an, die der Vatta aus Omas Schrank mitgebracht hat. Julikind ist ehrlich interessiert und beeindruckt, die könnte sie ja vielleicht auch mal in der Schule zeigen. Geschichte mit echten Menschen, ist irgendwie anders, als im Buch.

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Am nächsten Morgen läuten die Glocken, morgens um acht. So wissen alle, das am Vortag jemand gestorben ist..Der Liebste und ich schaufeln dabei andächtig zehn cm klatschnassen Schnee aus der Auffahrt. Denn für Leute die Zeit hatten, sich mit anderen Nachrichten zu beschäftigen war auch noch apokalypthisches Winterwetter im Angebot, von dem wir aber, ausser diesen 10cm Schnee nichts mitbekommen haben.

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2026 hat noch Luft nach oben.

Jahresende 2025

Einen Nachmittag lang haben wir bei der Freundin in der Küche gesessen, uns nett unterhalten und Waffeln gegessen. Das hat gut getan.

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Am vierten Advent essen wir einen Vogel, das hatten wir schon im Sommerurlaub so verabredet. Der Liebste kocht seit den frühen Morgenstunden, mit Liebe, ein bisschen vielleicht zur Entspannung und mit Vorfreude. Schön ist das. Auch, weil ich nichts muss. Nach und nach tauchen die jungen Menschen auf und um 13 Uhr können wir essen. Hätten wir das als Uhrzeit geplant, es wäre nie im Leben so ausgekommen. Ein gemütliches Mittagessen und ab hier weihnachtet es dann wirklich. Früher gehörte zur Tradition ein gemeinsamer Spaziergang, heute haben sie aber alle noch was vor und das macht nichts. Der Liebste und ich verbringen den Sonntag nachmittag auf dem Sofa und gucken „leave the world behind“. Er sieht einen dystopischen Thriller und ich einen interesanten Gruselfilm. Das Terassenlicht geht an, es stehen Hirsche im Garten, Gruselmusik, das Licht geht wieder aus. Ich: „Alltaaaa, ich hoffe mir begegnen in nächster Zeit keine Hirsche im Wald.“ Er: „Hä? Wieso?“

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Wir bekommen einen Geschenkkorb, mit lieben Dankesworten, von einer Freundin des Julikinds und deren Mama, für etwas, das keine Mühe gemacht hat, aber offensichtlich eine Hilfe war. Alle freuen sich, weihnachtliche Umarmungen.

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So, vier Tage noch, da könnte man doch eigentlich mal einen Plan machen. Zeitverzögerte Kommunikation mit meiner Cousine. Sie richtet die andere Heiligabendverstaltung aus und an einer von beiden wird die Oma aus dem Städtchen teilnehmen, wobei sie auch alleine feiern könnte, wie sie mehrfach betont hat. Wir sind uns einig, dass das keine Option ist. Die Oma möchte einfach keine Umstände machen, niemandem, es ist kompliziert. Meine Cousine bietet eine Nachmittagsveranstaltung an und es wäre wirklich kein Problem, sagt sie. Auch hier wäre es kein Problem, allerdings, unter den diesjährigen Umständen, entscheide ich spontan, wäre es toll, wenn das so gehen könnte, nehme ihr Angebot an, und teile anschließend meiner Mudda mit, dass es jetzt so ist. Sie ist sehr erleichtert, denn sie könne ja schlecht Gäste zu mir einladen und wusste auch nicht recht… Ich schicke der Cousine noch eine Nachricht, lachende smileys auf allen Seiten. Eigentlich war es ganz einfach.

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Wenn fast alle bis zum letzten Tag arbeiten, passiert Heilig Abend nicht von alleine. Es gibt eine recht lange to-do-Liste, ungewohnt aber es funktioniert.

Ein angenehm weihnachtlicher Gottesdienst. Der Pfarrer bedankt sich am Ende, dass wir Heilig Abend in die Kirche gekommen sind und das ganze Jahr über Kirchensteuer gezahlt haben. Das ist neu, man wünscht fröhlich Frohe Weihnachten.

Es ist richtig, richtig kalt draußen. Auf den paar hundert Metern von der Kirche bis nach Hause friere ich mir fast die Ohren ab und wundere mich darüber.

Kartoffelsalat, „billige Brötchen“ mit verschiedenen Dipps, Pfefferbeißer, Mettbrötchen, Käseplatte, ein Pfirsichsahnetraum zum Nachtisch, dazu Marzipankartoffeln, Plätzchen, Gummielche und Marshmallow-Schneeflocken, Geschenke-Gewusel, Freude über gewünschtes und gute Überraschungen, eine Runde „was bin ich?“ endet um halb zwölf.

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Am ersten Feiertag sitzen wir in fast genau der gleichen Besetzung wie letztes Jahr am kleinen Tisch bei Schwiegermutter im Wohnzimmer – vor der Musik. Dieses Jahr ist Panflöte im Angebot. Ob man das nicht vielleicht ändern könnte, fragt die Schwägerin. Sicher, wenn sie sich traut, sagen die, die letztes Jahr auch hier gesessen haben. Sie steht auf und sichtet das Angebot an CD`s. Es dauert eine Weile. Vogelstimmen wären im Angebot. Wir schütteln mit dem Kopf, „haben wir versucht, letztes Mal, fällt auf“. „Nagut“ sagt sie und wechselt die CD. Die Teenager gucken leidend. „Gleich wirds besser“, „gleich rockt das, pass auf“, wird zum geflügelten Wort des nachmittags.

Bis zum Kaffeetrinken hab ich durchgehalten, aber zu Hause geht`s direkt aufs Sofa. Schnupfen des Todes, Kopf- und Gliederschmerzen. Alle für den zweiten Feiertag geplanten Besuche werden verschoben.

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Zwischen den Jahren ein Arbeitstag, der beeindruckt.

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Ein Besuch im Krankenhaus mit Märzkind zusammen. Nachdenklich gehen wir zurück zum Auto. Man kann nicht helfen. Ich bringe sie zum Bahnhof und fahre einkaufen, wie alle anderen auch, stelle ich auf dem Parkplatz fest.

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Heute abend Kleinigkeitenbuffet und Kartenspiele, wahrscheinlich. Tschüß 2025.

Alles Gute zum neuen Jahr!