Heu und Regelbetrieb

Männer, die mit hochauflösenden Ferngläsern irgendwo im Feld stehen, sind mir unheimlich. Vor allem, wenn verschiedene Männer zu verschiedenen Zeiten scheinbar die gleiche Stelle beobachten. Mein Hirn möchte wissen, was da beobachtet wird. Man sieht aber ohne Fernglas natürlich nichts. Merkwürdig.

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„Warum kreisen da so viele Vögel?“, wollte das Maikind wissen.

„Das sind Milane, die sind eigentlich sehr selten.“

„Sieht nicht so aus…“

„Stimmt.“

Merkwürdig.

Windräder sollen da irgendwo gebaut werden. Das ist einerseits schade, weil es wirklich eine schöne Ecke ist und zu meinen Lieblings- Hunde -Runden gehört. Andererseits nutze ich natürlich gerne Strom. Jeden Tag. Deshalb kann ich nicht dagegen sein.

Irgendwer ist aber so richtig dagegen und wurde erwischt. Am Samstag stand in der Zeitung, dass seit längerem Schweinefleisch für die Milane ausgelegt wurde, um das Gutachten zu manipulieren.

Krass, ich dachte immer, hier ist nichts los…

Die Milane fliegen übrigens wieder einzeln über die frisch gemähten Wiesen.

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Regelbetrieb der Grundschule, man muss es mit Humor nehmen. Täglicher Unterricht mit der ganzen Klasse von der zweiten bis zur vierten Stunde. Mit Busfahrten dauert ein Schultag von zwanzig nach acht bis zwanzig vor zwölf. Dann Hausaufgaben.

In der Schule sitzt das Julikind neben der Freundin, mit der sie auch die Nachmittage verbringt.

„Weißt du was Mama, an der Bushaltestelle, als keiner geguckt hat, hat Lara mich dann einfach mal geknuddelt,“ bekomme ich im Flüsterton erzählt.

Da haben sich die kleinen Mädels tatsächlich über Wochen tapfer an die Regeln gehalten. Ich staune und mir wird einiges klar. Lara geht nach den Ferien auf eine andere Schule. Es sind die letzten gemeinsamen Schultage.

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Das Maikind hat mittlerweile so viel Präsenzunterricht, das es schon wieder Freistunden gab. Es sind sich aber alle einig, dass es mit halber Klassenstärke viel besser geht. Alles.

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Das Märzkind hat diese Woche nur einen Schultag. Nächste Woche werden dann die Bücher abgegeben.

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Nach einigen Wochen warten auf einen freien Trainingstermin dürfen die Cheerleader wieder zu den alten Zeiten in der gewohnten Halle trainieren. In festen „Päckchen“ und mit viel Abstand zwischen den Kleingruppen. Es wird eingetragen, wer da war. Alles besser als nichts.

Plus vier Elterntaxifahrten pro Woche.

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Das Maikind und ich gehen Erdbeeren pflücken. Nach einer halben Stunde wird uns klar, warum die im Moment so teuer sind. Man muss sie fast suchen, auf dem Feld. 9 Kilo reichen für 25 Gläser Marmelade. 3 Gläser werden direkt in den ersten drei Tagen geleert. Das Maikind hat Sorge, dass die Vorräte nicht bis zum nächsten Jahr reichen.

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Eine kleine Gruppe Jugendlicher versucht einen freien Zeltplatz im Juli zu ergattern. Es gibt genau einen Campingplatz in der Umgebung, der für Zelte öffnet, seit drei Tagen warten sie auf eine Antwort auf ihre Anfrage. Ich befürchte das Schlimmste.

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Überall wird Heu gemacht. Ich musste die Dosis der Medikamente anpassen und befinde mich im geistigen Tiefflug. Alles in allem geht es aber ganz gut, dieses Jahr.

Vielleicht fällt es auch einfach weniger auf. Seit März liegen die gleichen Bücher auf meinem Nachttisch. Ich komme nicht zum lesen, und wenn, ist mehr so ein Buchstaben angucken.

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Ich habe nach fast sieben Jahren mal wieder ein Neugeborenes aus der Nähe gesehen. Ich hatte völlig vergessen, wie klein die sind. Es standen zwei Hobby-Footballer neben dem Kinderwagen, das hat vielleicht die Wahrnehmung verzerrt.

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Zum zweiten Mal wurde ein angefragter Zeitraum für die Ferienwohnung kommentarlos nicht wahrgenommen. Es gab zwei neue Anfragen, seltsame allerdings.

Ganz grundsätzlich kann ich sagen, es geht mir dabei um Geld. Diese Anfragen, die so tun, als wäre es ein unfassbares Glück für mich, stundenlang für wildfremde Menschen zu putzen beantworte ich mittlerweile ohne Umschweife: Nein.

Solange ich es mir leisten kann.

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Ein voll besetzter Ferienflieger macht sich auf Richtung Mallorca. Das Märzkind leidet meist leise unter den Kontaktbeschränkungen, hat jetzt aber Schnappatmung. „Wieso dürfen die so in den Urlaub und wir nicht normal in die Schule?“ Ich weiß es nicht.

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In NRW gibt es den ersten regionalen lockdown, nachdem sich jede Menge Arbeiter in einem Schlachthof angesteckt haben. Ich wundere mich, dass scheinbar alle überrascht sind, wie die Leute wohnen (müssen). Reisende Malocher erzählen oft Geschichten von Unterkünften, die sie so angeboten bekommen. Wir sind alle ein bisschen froh, das der Fleischverarbeitende Betrieb im Landkreis letztes Jahr schon pleite gemacht hat.

Zweite Juniwoche

Der Bundespräsident dankt Eltern und Kindern (Weltkindertag) für ihr Engagement bei der Bewältigung der Krise. Es war nicht leicht,wir mussten auf vieles verzichten und haben es so toll gemacht. Respekt.

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Dienstag morgen kommt Marianne aus dem Nachbarhaus ans Bäckerauto.

„Wie geht’s euch, ist alles gut?“

„Danke, alles immernoch ein bisschen chaotisch, aber wir sind fröhlich und gesund. Und bei euch?“

„Das ist ja schön, jo, bei uns ist alles gut, aber wieso denn chaotisch? „

„Ich sortiere immernoch jeden Tag neu, wer wann wie Schule hat und welche Aufgaben erledigt werden sollen. Wir freuen uns alle auf die Sommerferien, langsam reicht es. „

„Ach, ich dachte, es wäre alles wieder normal.“

Marianne ist ü70, hat erwachsene Kinder, die alle weiter weg wohnen und soweit ich weiß, keine Enkel. Für sie hat sich nichts geändert und sie ist ehrlich erstaunt.

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Für mich ist das, was alle „das neue Normal“ nennen ein „schon immer so“. Der Liebste hatte gerade die dritte Schichtplanänderung dieses Jahr, Unterricht ist auch vor Corona schon häufiger ausgefallen, Großeltern sind bei uns aus verschiedenen Gründen in den Alltag nicht einkalkuliert. Neu ist für mich nur der Respekt, den man auf einmal dafür bekommt, den Laden am laufen zu halten.

Dreihundert Euro pro Kind sollen Familien bekommen. Natürlich nicht auf einmal, wir sollen ja nichts sparen, sondern konsumieren. Anscheind gehören die care-Arbeiten doch irgendwie zum Wirtschaftssystem dazu, wer hätte das gedacht?

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Der Hund hat Pubertät. Entweder er schläft oder macht Blödsinn. Es ist ein bisschen anstrengend.

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Morgens um kurz vor sieben kreischt eine Elster im Baum vor dem Schlafzimmerfenster, untermalt vom Kettenqietschen eines Harvesters, der sich auf den Weg macht, dahin, wo vor kurzem noch Wald war. Landlust.

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Der Wald wird gefühlt jede Woche weniger.

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Wenn man Freunde hat, braucht man Geschwister hauptsächlich zum zanken. Zwei Kinder keifen sich an, eins sitzt augenrollend daneben, in jeder möglichen Kombination, ohne erkennbaren Grund. Wahrscheinlich ein gutes Zeichen, aber es nervt ein bisschen.

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Ich habe Honig abgefüllt. Es gab schon eine Warteliste und die halbe Ernte hat das Haus direkt verlassen. Das ist schön.

Wir hoffen auf eine zweite Ernte.

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Das Maikind war auf einer Übernachtungsparty. Welch ein Aufwand betrieben wurde und welche Überredungkünste nötig waren, damit alle vier das dürfen, kann man nur ahnen. Ich hatte es erlaubt, ohne groß drüber nachzudenken. Das da vielleicht noch irgendwelche Besonderheiten gelten könnten, ist mir erst eingefallen, als er fröhlich grinsend ging, mit den Worten, wenn er jetzt darf, erlauben das die anderen bestimmt auch.

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Der, der hier schon zweimal über den Flur geschlichen ist, kommt dann wohl ab jetzt offiziell öfter, wurde uns mitgeteilt.

Das hatte ich mir eh schon gedacht. Der Liebste wohl auch, aber, ach… seine Kumpels ziehen ihn schon länger auf damit, dass er da wohl wird aufpassen müssen, es gab reichlich Tipps zur Besucherabwehr. Der Liebste hatte Pläne, und jetzt das.

„Der Junge macht ja n ganz vernünftigen Eindruck“, murmelt er.

„Samma, hast du das gerade wirklich gesagt?“

Ich lach mich kaputt, nur innerlich natürlich, ganz dünnes Eis.

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Gleichungen nach x auflösen kommt einem total einfach vor, wenn man vorher was Pythagoras macht.

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Ich freue mich auf die Bücherabgabe, dieses Jahr. Wie das Haus wohl ohne diese Stapel aussehen wird?

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Das Auto kommt den Berg schlecht hoch und die Kontrolllampe des Abgasentgiftungssystems leuchtet. Vermutlich müssen auch die Bremsen mal neu, und zwei Reifen kommen so nicht mehr durch den TÜV. Die Werkstatt meldet sich morgen, ich tippe mal, es wird irgendwas um 895 Euro kosten.

Anfang Juni

Das Märzkind schlug vor, nach dem Abendessen noch eine Runde Fahrrad zu fahren. Das Gastkind schaute mich fragend an. Sie könne natürlich mein Fahrrad benutzen, sagte ich ihr. Sie wunderte sich ein bisschen, das konnte ich sehen, aber ich verstand nicht wieso, und dann waren die beiden schon weg. Kurz vorm Dunkel werden kamen sie wieder, ich hab kein Licht am Fahrrad.

„Es ist sehr still hier, draußen“, sagte das Gastkind.

„Naja, hier ist nichts los „, entschuldigte sich das Märzkind.

„Ich finde es toll“, sagte das Gastkind und wirkte wirklich begeistert.

Das Märzkind verstand nicht wieso. Im letzten Frühjahr war sie zu Besuch beim Gastkind. Eine kleine Wohnung im sechsten Stock, vom Balkon aus konnte man die Flugzeuge gaaanz nah sehen, weil es dicht am Flughafen liegt. Öffentliche Verkehrsmittel fahren mehrmals die Stunde, überall hin, bis nach Disneyland und an den Eiffelturm… Abends alleine raus, geht man allerdings lieber nicht, einfach so. Wir haben in den letzten Wochen öfter an diese herzliche Gastfamilie gedacht.

Heute kommt kein französisches Gastkind zu uns.

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Honig schleudern ist zweimal schön. Der Moment, wenn der erste Honig an die Wand der Schleuder prasselt und der Moment, wenn man einige klebrige Stunden später frisch geduscht ein Bier aufmacht.

Ein Hoch auf das neue Rührgerät. Rechnet man die drei durchgeschmorten Bohrmaschinen zusammen, die sonst das Rührwerk angetrieben haben, war es auch fast günstig.

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Erste Elterntaxifahrt zum Training. Die Zeit dazwischen reichte genau zum Lebensmitteleinkauf.

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Lebensmitteleinkauf im gewohnten Laden. Es sind viele Menschen da, aber man wartet aufeinander und entscheidet sich zügig, wenn man bemerkt, dass jemand wartet. Sehr angenehm. Alle Regale waren voll bis zum Anschlag. Mein Einkaufswagen auch, letzte Woche hatte ich ja nur so ein bisschen. Mit einem wirklich richtig vollen Einkaufswagen wird man dann doch komisch angeguckt. Ich bräuchte mal eine Armbinde oder so, die mich als Teenagermutter ausweist. An der Kasse sitzen jetzt Männer ist mir aufgefallen. Die Damen, die da seit Februar saßen haben sich ein paar freie Tage wohl mehr als verdient.

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Auf der Seite des Landkreises lese ich nach, unter welcher Voraussetzung ich die Ferienwohnung an Touristen vermieten könnte. Es ist Pfingsten und nach einem halbem Jahr ohne Zusatzeinkommen (der Winter ist ja auch ausgefallen), wäre das ganz nett. Ähm, nein, eigentlich geht es ohne.

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Bei der Kinderübergabe kommt mir die Freundin im Auto entgegen. Wir parken kurz und unterhalten uns aus den Autofenstern. Sie kommt vom Dienst und „haste nochmal was gehört, von den systemrelevanten Pflegenden in den letzten Wochen?“. Nee, eigentlich nicht. Genau. Im Krankenhaus dürfen immernoch keine Besucher rein, das Telefon klingelt ununterbrochen. Eigentlich würde jemand gebraucht, der nur mit Angehörigen redet. Keine Personaluntergrenze heißt, es ist Wahnsinn im Moment. Natürlich wünscht man niemandem etwas schlimmes, deshalb rackern sich ja alle ab, aber, ganz heimlich habe man gehofft, dass die Welt da draußen mal sieht, wie knapp das alles immer ist.

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Elterntaxifahrt zur Bushaltestelle im Nachbarort, von da aus fährt nachmittags der Bus ins Städtchen. Am Abend berichtet ein fröhliches Maikind, man dürfe sich zum Döner essen wieder setzen. Das haben sie gemacht, zu viert um einen Tisch, das war schön. Da konnte man sich mal unterhalten, ganz normal. In der Schule geht das ja nicht, wenn da die Lehrer dauernd patrouillieren und auf Abstände achten.

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Bisher sei man gut durchgekommen, durch die Pandemie, danke, dass alle bereit waren, die Einschränkungen und Besonderheiten mitzutragen. Das war wichtig und ohne wäre es nicht gegangenen. Der Liebste bekommt vom Arbeitgeber Gutscheine, einlösbar in allen kleinen Einzelhandelgeschäften des Nachbarstädtchens, weil man möchte, dass die auch alle gut durchkommen.

Danke dafür.

Das tut gut, es war nämlich wirklich nicht normal, in den letzten Wochen. Und das hilft uns viel mehr, als die Anteile an einer Airline, die Deutschland in unserem Namen angeschafft hat.

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Nächste Woche geht’s dann los mit Klassenarbeiten. Anscheind bekomme ich doch Noten, dieses Halbjahr.

Tag 49 bis 53, lockerer lockdown

Sonntag Vormittag ging ich joggen, dann wurden zwei Elterntaxifahrten verlegt. Die fallen im Moment weg. Ich gehe also Sonntag Vormittag joggen, nicht weit und nicht schnell, ein bisschen für die Gesundheit, hauptsächlich um den Kopf frei zu bekommen. Um diese Zeit hat man die Welt für sich alleine. Auf der Strecke sind mir im ganzen letzten Jahr zwei Radfahrer begegnet. Da ich alleine laufe und nicht oft, trage ich dabei eine Sofasitzhose, die mir vor Jahren als Jogginghose verkauft wurde, dazu das ganze Frühjahr über das gleiche Langarmshirt, solange, bis Tshirt Wetter ist, dann kommt es in die Wäsche. Die Schuhe sind deluxe und fast neu, leider erkennt man das aufgrund der Staubschicht nicht.

Das erste Teilstück verläuft an der Hauptstraße. Es kommt uns genau ein Auto entgegen. Der Hund läuft hier lässig und entspannt an der Leine. Im Feld mache ich ihn los.

Im tiefsten Wald begegnet uns mit ein mittelaltes Pärchen mit Hund. Ich rufe den Hund, leine ihn an. Sie erkundigen sich nach dem Weg, denn sie sind einfach mal auf gut Glück… ist alles richtig, schönen Sonntag.

Hund los, weiter geht’s. Nach 200 Metern begegnen mir Fahrradfahrer. Hund rufen, anleinen. Ein guter Freund des Maikinds ist unter den Radfahrern. Ob er denn den Hund mal streicheln dürfte, fragt er aus der Distanz. Sicher. Wir kommen schnell ins Gespräch. Schule läuft bei ihm auch eher so mittel und das Baumhaus ist eigentlich fertig, gut, zu tun gibt’s da immer was aber irgendwie… Vielleicht könnte man sich ja mal verabreden, liebe Grüße ins Tal, Grüße auf den Berg.

Einen Moment sind wir alle ratlos, weil ein weiterer Jogger in beachtlichem Tempo auf uns zu kommt. Auf dem Pfad mit Bächlein links und hohem Gras rechts bilden wir eine Gasse, um die Abstandsregeln umzusetzen. Wir schmunzeln alle, man kommt sich blöd vor, der Jogger nickt dankend. Schönen Sonntag euch allen.

Hund los, weiter geht’s. Hinter der nächsten Kurve sehe ich zwei Wanderer. Hund rufen, anleinen, Distanz halten auf schmalem Waldweg, weiter geht’s mit angeleintem Hund, damit ich einfach mal ein paar Meter laufen kann. Der Hund versteht die Welt nicht mehr. Eigentlich wollte er durch den Bach toben, während ich hier langlaufe, und all die schönen Stöcke, die man hier mitnehmen kann, sollen einfach so liegen bleiben? Joggen mit Junghund an der Leine im Wald ist ähnlich wie ein Spaziergang mit Kleinkind. Aber es nützt nichts. Ein Spaziergänger ist in Sicht. Danach noch zwei und noch zwei und noch zwei.

Das Shirt hab ich in die Wäsche getan und nächste Woche ziehe ich diese stylische Laufhose an.

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Montag ein Besuch beim Hausarzt und ein Großeinkauf in nur zwei Stunden erledigt. Das hätte sonst den ganzen Vormittag gedauert. Das Städtchen fast ohne Menschen ist ganz angenehm.

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Immernoch keine Hefe. Klopapier steht wieder im Regal. Man hat die Auswahl zwischen Ökokratz und 5-lagig, ich hätte gern das dreilagige Standard Papier. Ein paar Tage kommen wir noch hin.

Statt dessen kaufe ich „das Kochbuch für Notfall und Krise nach Empfehlungen vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“. Der Titel gefiel mir und auf dem Cover ist eine Dose. Kochen ohne Wasser wird bestimmt das nächste große Ding.

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Dass sich beim Märzkind wieder Lehrer um den Unterricht kümmern, entlastet mich enorm. Beim Maikind ist regelmäßiger Kontakt zur Mathelehrerin entstanden, ein Abgabetermin mit Rückmeldung macht vieles leichter. In Englisch fehlen Grundlagen. Wir haben uns vorgenommen, daran zu arbeiten, vielleicht wird es dann weniger nervig. Die Deutschlehrerin lebt noch. Grundschule läuft, da muss ich nur anwesend sein. Wobei das auch zeitintensiv ist, aber, unter Vorbehalt würde ich sagen, dass aus dem Hausaufgaben-Marathon allmählich so etwas wie home schooling wird.

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Es wird entschieden, dass jedes Bundesland für sich entscheiden darf, wann was in welcher Form gelockert wird. Wer schon mal versehentlich an Allerheiligen im Städtchen war kann da nur mit dem Kopf schütteln. (NRW hat Feiertag, Hessen nicht).

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Eventuell geht für alle Schüler ab der vierten Klasse ab 18. Mai der Unterricht wieder teilweise los, in eingeschränkter Form. Danke für diese Information.

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Das Julikind hat eine Freundin zu Gast. Die beiden machen die Dorfralley, die der örtliche Kindergärten organisiert hat.

Das Märzkind macht eine Fahrradtour mit einer Freundin. Picknick am Edersee.

Das Maikind guckt den neuen Star wars Film auf DVD.

Der Liebste holt 0,8 Kubikmeter Rindenmulch und verteilt ihn auf Beeten. 0,2 Kubikmeter fehlen noch.

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Es ist erstaunlich wie verschieden Gesichter sind. Ich habe bestimmt schon 5 Rotzbremsen genäht, die keinem passen. Drei Modelle können in Serie gehen, sobald die coolen Stoffe versendet werden können und es wieder Gummiband gibt.

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Lob und Anerkennung erhielt ich für eine weitergegebene Rotzbremse. Die passt perfekt. Kollegen seien neidisch, das vom Amt gestellte Modell passt nämlich niemandem und erinnert an Boxershorts. Ich freue mich.

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Ab neunten Mai darf mit sich wieder mit Personen aus einem anderen Haushalt treffen. Das passt, der Vatta hat Geburtstag und läd den ganzen Haushalt zu Gulaschsuppe ein.

Vorfreude als wäre morgen Weihnachten.

Tag 34 bis 36, Wochenende und weiter so

Samstag morgen ruft die Grundschulklassenlehrerin an, meine Fragen könne man schwer in drei Sätzen beantworten, so sei es einfacher.

Schulpflicht bestehe ja die ganze Zeit. Es werde zwei Klassen – Gruppen geben. Wer die unterrichtet hängt mit davon ab, ob Lehrer im Lauf der kommenden Woche für systemrelevant erklärt werden. Ansonsten ergebe sich ein Problem in der Kinderbetreuung. Geplant sind 20 Unterrichtsstunden in der Woche. In der Schule gibt es zwei Waschbecken, die mit funktionstüchtigen Seifenspendern ausgestattet sind. In der Notbetreuung waren während der Ferien nur wenige Kinder, man habe allerdings da schon feststellen können, dass das eher nicht ausreichen wird. Die Schulleitung telefoniere nach Seife, schön wären auch Einweghandtücher. Im Unterricht werde nach Möglichkeit Abstand gehalten, auf dem Schulhof wird das, wenn man ehrlich ist, nicht einzuhaltenden sein. Im Bus sowieso nicht.

Ich bedanke mich für diese ehrliche Rückmeldung. Butter bei die Fische.

„Würden Sie es persönlich nehmen, wenn ich das Hygienekonzept für unzureichend halte und mein Kind nicht schicke?“

Nein, überhaupt nicht. Eher im Gegenteil, ganz im Stillen hoffe man darauf, dass Eltern sich quer stellen und dieses Problem dadurch Aufmerksamkeit erhält.

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Der Landkreis verlängert sein Zweitwohnungs-Nutzungsverbot bis zum 4. Mai. Parkplätze an Seen wurden gesperrt.

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Corona Nachdenklichkeit bei mir, irgendwas passt doch da nicht.

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Im letzten Jahr haben wir die Löwenzahnblüte verpasst, das darf nicht wieder passieren. Das Maikind hat seit Tagen die Wiesen im Blick. Er sammelt einen großen Topf voll. Das gibt 15 Gläser Gelee, genug bis zum nächsten Jahr.

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Das Frisörpaket kommt an. Salon „Affenfelsen“ eröffnet.

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Die von mir gekaufte Menge Rindenmulch ist nicht annähernd ausreichend. Der Liebste amüsiert sich. Er würde dann diese Woche mal mit dem Hänger fahren. Man könnte statt Mulch ja auch Hackschnitzel in hell, dunkel oder rötlich verwenden. Ähm, jo, überrasch mich einfach. Garten Entscheidungen überfordern mich.

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Eigentlich wollte ich keine Masken nähen, weil, also, entweder braucht man Schutzkleidung oder nicht. Es erreichen mich aber immer mehr Anfragen, ob ich das denn können könnte. Ich könnte schon. Das Netz ist voll von Anleitungen, die hunderttausendfach geklickt werden. Mittlerweile kenne ich zwei Varianten, die nicht bequem sitzen.

Gummibänder, jahrelang schlummerten sie halb vergessen ganz unten im Nähkörbchen. Als wir dachten Mehl und Klopapier seien schwer zu bekommen wussten wir einfach noch nicht, wie gern wir Gummibänder kaufen wollen würden.

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Im Grundschul – Elternchat wird um Rückmeldung gebeten, wer denn nächste Woche seine Kinder zum Unterricht schickt, gerne mit Feedback.

Ich werde das Julikind nicht schicken. Es geht mir ums Prinzip. Zwei funktionstüchtige Seifenspender sind meiner Meinung nach kein strenges Hygienekonzept und das sage ich auch so. Es war gar keine Frage, aber eine Mutterkollegin antwortet darauf.

Wasser und Seife reichen aber in der Regel aus. Ich möchte nicht, dass meine Kinder mit Desinfektionsmittel hantieren und Mundschutz tragen, dafür gibt es keinen bestätigten Nutzen. Die sollen keine op am offenen Herzen durchführen, sondern was lernen.

Danke dafür. Ich kann dieses mulmige Gefühl, dass ich die ganze Zeit hatte jetzt einordnen.

Tatsächlich denke ich auch, das Wasser und Seife extrem viel bewirken. Wenn sie denn angewendet werden, an Händen, auf Tischen, Stuhllehnen, Haltegriffen, geteilten Materialien, gründlich, mehrmals pro Woche. Vielleicht empfindet man es als so selbstverständlich, dass man es nicht mitteilen muss, aber ob Busse und Gebäude derzeit häufiger oder anders gereinigt werden als normal hat noch niemand kommuniziert.

Das mulmige Gefühl ist Angst, vor ignoranter Dummheit.

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Erleichterung, endlich weiß ich, was mit mir los ist. Und ich habe auch kein schlechtes Gewissen mehr, dass ich dem Julikind Kontakte vorenthalte.

Danke, an alle, die so selbstverständlich Rücksicht nehmen auf Vorerkrankte und Angsthasen.

Eigentlich Montag

Ich stubse das Maikind ein bißchen und wünsche leise einen guten Morgen. Ein Wuschelkopf kommt zwischen Decke und Kissen zum Vorschein und erkundigt sich nach der Uhrzeit. „Ist halb acht, hast noch Zeit“. „Aahh“ mit einem Grinsen dreht er sich um, “ das das mal jemand zu mir sagt, an einem Montag morgen“.

Gegen neun stehe ich in der Pausenhalle der Schule. Ein Lehrer mit einem Stapel Zetteln in der Hand begrüßt die Ankommenden freundlich. Die Bücher seien alle in die jeweiligen Klassenräume gebracht worden, die Räume seien auf. Er hakt ab, wer schon da war. Hilft Eltern, die ohne Kinder kommen.

Ein zierliches Mädchen mit riesiger Brille, im Arm einen beachtlichen Stapel Bücher kommt die Treppe runter. „Samma, brauchen wir auch Physik?“, fragt sie eine wartende Freundin. „Die haben gesagt alles, müsste doch alles da liegen“. „Nee, Physik war nicht dabei“. Sie überlegt sichtlich. „Guck besser nochmal“, rät die Freundin. Das Mädchen geht die Treppe wieder hoch. Am anderen Ende der Pausenhalle wird eine Tür aufgestoßen. Ein großer Mann mit Strubbelfrisur trägt ebenfalls einen riesen Stapel Bücher. Er eilt die Treppe hoch. Als er an uns vorbeikommt grüßt er mit einem zerstreuten Nicken. Ich vermute, es ist ein Physiklehrer.

Der Lehrer mit den vielen Zetteln kommt zurück, erkundigt sich, wie die Kinder denn jetzt genau wieder nach Hause kommen. „Wir hören voneinander und bleibt alle gesund.“

Im kleinen Edeka des Schulstandorts kaufen wir im Anschluss ein bisschen Obst und Gemüse. Eigentlich wollte ich auch noch einen Würfel Hefe, aber Hefe ist aus. Hefe war noch nie aus. In den kleinen Kartons fehlen selten mehr als 6 Würfel der oberen Reihe. Ich frage nach. Also, sie habe da jetzt gerade Kühlware bekommen sagt die Fachkraft und deutet auf einen isolierte Palette, könnte schon sein, das da was bei ist, wenn ich wohl 10 Minuten hätte. Nee, ach, sooo dringend ist es nicht, versichere ich, ich improvisiere einfach. Die Nachbarin von drei Häuser über uns bekommt das mit. Sie habe eventuell noch ein Tütchen Trockenhefe. Derzeit könne sie nicht garantieren, das das noch haltbar ist. Aber wenn, dann könne ich das gern haben.

Die großen verschwinden mit ihren Aufgaben, das Julikind geht mit spazieren. Auf einmal ist Frühling. Als hätte jemand den Schalter umgelegt. Wir sehen Schmetterlinge, Ameisen, Hummeln und sitzen einen Moment in der Sonne.

Es wird den ganzen Nachmittag geräumt, gewerkelt, geputzt. Wundersamerweise gehen Sachen voran, die ich schon als gegeben akzeptiert hatte. Juhu.

Bei der Abend-Hunde-Runde begegnen uns die Junggesellen von der Sonnenuntergangsbank. Zwei stehen links vom Weg einer rechts. Sie treten jeweils einen halben Schritt zurück, damit wir auf dem Weg bleiben können.“Zwei Meter sollen das schon sein“, prosten sie uns fröhlich zu.

Der Fernreisende ist wieder da und liegt im Krankenhaus. Irgendwas mit Nebenhöhlen, aber ähnliche Symptome… daher Einzelzimmer. Ab morgen dürfen keine Besucher mehr ins Krankenhaus. Er erkundigt sich nach unserem Heimunterricht und bietet eine Hotline an für Fragen rund um Physik, Chemie und technisches an.

Also, Stand heute, kann ich sagen, bei mir läuft’s.

03/2020, erstes Drittel

Die häusliche Elektrik verlief, wie so oft, etwas anders als erwartet. Deshalb hatte der Liebste dann doch einen spontanen Außeneinsatz inklusive Baumarktbesuch. Wir haben jetzt wieder Strom im Wohnzimmer, auch wenn jemand im Garten Licht anmacht. Darüber freue mich.

Die andere Baustelle geht voran, langsam aber stetig. Bisher keine besonderen Vorkommnisse, das macht mich misstrauisch. In der Regel lässt sich das Haus nicht so gerne renovieren.

Frühlingsvorbereitungen laufen an. Diese Saison braucht es einen neuen Honigrührer und eine neue Beetbepflanzung. Vorentscheidungen wurden getroffen.

Felix ist verstorben. Der Hund von „wo wir immer die Milch holen“. Er war schon länger krank und ist eines morgens einfach nicht mehr aufgestanden. Wir haben ihm einen Moment feierlich gedacht. Seine Gene hat er weitergeben, auch in den Nachbarorten, oft und gern.

Diese Woche war es zum ersten Mal seit langer Zeit, warm und trocken genug, dass das Julikind einen ganzen Nachmittag lang mit der Hecken-clique draußen sein konnte. Halleluja.

Dem Maikind ist quasi über Nacht alles zu klein geworden. Gut, bei den Mengen an Nahrung, die er die letzten Wochen zu sich genommen hat, hatte ich damit gerechnet, dass er wächst. Aber so? My lovely Mister singing Club. Wir werden einkaufen müssen, er gewöhnt sich gerade an den Gedanken.

Geburtstagsvorbereitungen laufen. Ich hatte eine Idee, was man dem Märzkind schenken kann. Keine zündende Idee, aber immerhin.

Die Steuererklärung ist in Planung, davor muss aber noch einiges erledigt werden. Computer kaufen, Daten rumtüddeln, und so. Es gab einen Tipp, der das vielleicht beschleunigt.

Habe den Heizungskeller durchgefegt, weil sich der Schornsteinfeger angekündigt hat. Der vorher/ nachher Effekt war so verblüffend, dass ich entschieden habe, die Heizung mal abzusaugen, nur so ganz grob, natürlich. Ich möchte mir an dieser Stelle selber den Rat geben, das öfter zu machen (als alle 10 Jahre, hüstel).

Der Hund kann jetzt an dem bissigen Hund vorbeigehen, ohne panisch zu reagieren. Solange beide an der Leine sind passiert anscheind nichts. Die Kinder gehen im Moment freiwillig die Nachmittagsrunde spazieren. Das entspannt alle. Man fragt sich allgemein, was wir die letzten vier Jahre ohne Hund gemacht haben. Obwohl, wir haben weniger geputzt…

Ich wollte nicht in Verdacht geraten, den Tod zu bringen. Deshalb habe ich zum ersten Mal seit längerem ohne Dosen an der Wurst und Käsetheke eingekauft. Es begann wegen Weltrettung, ist mittlerweile aber einfach Faulheit. Ich hatte vergessen, wie lange es dauert, den ganzen Kram aus dem Papier in die Dosen zu räumen, und dann muss man auch noch den Müll rausbringen…

Ich kaufe tatsächlich öfter Haferflocken, Mehl, Zucker, Nudeln, Reis, getrocknete Linsen und Bohnen, nicht als Regaldeko, wir essen das. Hier im IrgendwoaufdemLand ist es immer gut, wenn manche Lebensmittel länger haltbar sind. Man braucht einen Vorrat, einfach, weil man manchmal ein oder zwei Tage später zum einkaufen kommt, als gedacht. Ich hab doof geguckt, am Montag nach der Zombi-Apokalypse, alles weg. Gestern waren Nudeln aber im Angebot, ätschibätschi.

Ich habe über das Verhalten von Menschen in unbekannten Situationen nachgedacht. Und mich gewundert, immer wieder.

Gemeinsam mit dem Liebsten festgestellt, dass wir anscheind unterdurchschnittlich viel Angst haben, davor, Pläne spontan geändert zu bekommen. Das kann einem nämlich auch einfach so mitten im Leben passieren. Darauf haben wir angestoßen, mit einem 6er Pack Corona.

Gewöhnliche Zombie-Apokalypse

Der Liebste war vor mir wach und sitzt schon am Frühstückstisch. Er wirkt etwas grummelig. Auf Nachfrage zeigt er mir mehrere im Garten verstreut liegende Teile von – oh, das war gestern noch unsere Aussenlampe. Da haben die Waschbären heute Nacht einen Punkt gemacht.

Seit etwa einem Jahr läuft ein Wettrüsten am Vogelhaus. Ich hatte vorgehabt, nur so viel Futter reinzutun, wie die Piepmätze an einem Tag schaffen. Nachts wäre dann nichts da. Aber hier geht es ums Prinzip, und ich gebe zu, es ist unterhaltsam. Wir trinken Kaffee und überlegen dabei, wie die Waschbären das wohl geschafft haben.

Dann hupt das Bäckerauto vorm Haus. Der Liebste hat als erster seinen Geldbeutel gefunden und geht. Ein paar Minuten später kommt er mit zwei kleinen Broten zurück. Das Bäckerauto sei fast leer gewesen, das sah ganz seltsam aus. Die Frau hat gesagt, sie habe schon telefoniert, damit Nachschub gebracht wird, aber im Laden ist auch alles weg. Coronavirus. Quarantäne ohne Plunderstückchen, das will man sich ja gar nicht vorstellen.

Das Julikind kommt an den Tisch, im Schlafanzug mit Strubbelfrisur, Müslischale in der Hand, Cornflakespackung unterm Arm. „Kaufen wir heute auch so viel ein wie die Leute in den Nachrichten?“ Ich erkundige mich erstaunt, wo sie denn schon Nachrichten gesehen habe. Auf YouTube. Da stehen Polisten vor Aldi, weil so viele Leute auf einmal reinwollen oder so. „Nee, wir nicht, ich war diese Woche schon einkaufen.“

„Sehen wir das zu entspannt?“ fragt mich der Liebste. Also: Ich habe die letzten drei Wochenende in Folge mit drei Kindern und einem nicht ausgelasteten Hund im Haus verbracht. Wir hatten Wetterwarnungen wegen: Sturmböen, orkanartigen Böen, Sturm, Orkan, Dauerregen, ergiebigem Dauerregen, Hochwasser, Schneefall und Glätte. Ausserdem gab einen terroristischen Terroranschlag und eine Amokfahrt in einen Karnevalszug, jeweils so dicht dran, dass ich die dazugehörigen Verkehrsumleitungen im Radio hören konnte. Es wäre möglich, dass Gewöhnung eingetreten ist.

Nur zur Sicherheit schaue ich auf einer seriösen Nachrichtenseite im Internet nach. Jo, es gibt wohl Corona, ein bisschen mehr als gestern, das Risiko wird als gering eingestuft. Man soll sich nach Möglichkeit nicht gegenseitig anniesen und hin und wieder mal die Hände waschen.

Das Julikind hat sein Frühstück beendet und der Liebste guckt mich fragend an. „Die anderen sind bekloppt“, fasse ich zusammen. Das habe er sich schon gedacht, sagt der Liebste, bestimmt war irgendwas auf Facebook. Dann schweift sein Blick wieder nach draußen. „Wenn die Stromkabel jetzt eh schon frei liegen, dann könnte man eventuell….“

Nein. Ich habe eine bessere Idee.

Herzliche Grüße an den fernreisenden Elektriker, läuft bei uns.

Winterzeit

Ich habe mich entschieden. Wenn die Zeitumstellung abgeschafft wird, möchte ich die Winterzeit behalten. Mein Hirn hatte die Frage bisher so verstanden: „Was ist dir lieber: Eis essen am See – oder Eisbrocken wegräumen in der Auffahrt?“ Deshalb hatte ich eine Tendenz zur Sommerzeit, aber ich lag falsch.

Die Zeit kurz vor den Weihnachtsferien ist ähnlich anstrengend wie die kurz vor den Sommerferien. Es werden viele Arbeiten geschrieben und es muss einiges gefeiert werden. Während wir uns im Juni jeden Morgen irgendwie in den Tag hineingewurschtelt haben, läuft das 7 Uhr Chaos im Moment sehr routiniert. Ich denke, das Geheimnis ist Schlaf. Wenn es abends um halb fünf schon dunkel wird, ist sogar die kleine Eule um 22 Uhr im Bett. Schlaf hilft gegen Müdigkeit.

Alle Jahre wieder

Im letzten Jahr hat mich der Advent geschafft. Für dieses Jahr hatte ich den Vorsatz, es nicht wieder so weit kommen zu lassen. Das klappt bis jetzt ganz gut. Grundsätzlich habe ich das vorweihnachtliche Gedanken lesen eingestellt. Wünsche und Erwartungen müssen kommuniziert werden. Wenn auf Nachfragen dann nur mit „murmelmurmelwasauchimmer“ geantwortet wird, machen wir das genau so, ohne noch dreimal nachzufragen. Das entlastet enorm, also mich. Der Liebste begegnet den anfallenden Adventlichkeiten eh mit einem lässigen „muss ich meine Frau fragen“.

Die Veranstaltung „Heilig Abend ohne Alkohol“ kam im letzten Jahr so gut an, dass es dieses Jahr ein Upgrade auf „Heilig Abend ohne essen“ gab. Ist völlig in Ordnung, muss sich halt nur mal jemand trauen, dass auch zu sagen. Dann kann ich damit arbeiten.

Herstellung von Kindheitserinnerungen

Aus strategischen Gründen haben sich die Nikoläuse für unseren Ortsteil entschieden. Mehr Häuser als der eine Nachbarort, aber weniger Kinder als der andere. Abends um halb neun saßen fünf klatschnasse Nikoläuse in überzuckerter Glückseligkeit bei uns vorm Ofen und aßen Salamibrötchen. Vier Stunden dauert es also, an jeder Haustür ein Gedicht aufzusagen, wurde mit leicht heiseren Stimmen zusammengefasst. Aber es hat sich so was von gelohnt.

Ertrag pro Kind
*Werbung, weil Markennamen erkennbar

Sonstiges

Es wurden einige Möbel abgeholt, die seit über neun Jahren bei uns lagerten. Das sie gebraucht wurden freut mich, und der neu gewonnene Platz auf Dachboden auch.

Der Liebste wiegt nur noch minus 3,9kg. Also, auf der Industriewaage an der Arbeit. Da ist ein Tara eingestellt. Eventuell brauchen wir weniger weihnachtliches Gebäck als erwartet.

Meine quietschorange Mütze mit dem Reflektorstreifen, die ich bei Hundespaziergängen in der Dämmerung trage, um nicht versehentlich erschossen zu werden oder so, geht gerade schleichend in den Besitz des Märzkindes über. Weil, ich zitiere “ is eigentlich ganz schick, BillyEllish hat die in grün.“ Wer also modisch ganz vorne mit dabei sein will, diese Saison, die Mützen gibt’s im Baummarkt, bei de Schneeschüppen.

Danksagungen

Danke an die arbeitenden Mütter-Kolleginnen, die zugegeben haben, im Advent auch am Stock zu gehen. Ich fühle mich besser. Und wundere mich trotzdem, wie ihr nach Feierabend aus dem Ärmel schüttelt, womit ich in Vollzeit Mühe habe.

Danke an die Paketboten. Ohne euch müsste ich Parkplätze suchen und in adventliche Kaufhäuser mit schauerlicher Musik gehen.

Danke an Frau Klitschko vom Schulkiosk. Ich hatte bisher keine Ahnung wie viel Ihre Arbeit zum alltäglichen Wohlbefinden beiträgt. Mit dem Lehrermangel haben wir uns arrangiert, aber wenn der Kiosk eine ganze Woche gar nicht öffnen kann, das ist echt übel.

Danke an Lehrer Schmidt und YouTube. Ohne euch hätte ich keinen Term vereinfachen können. Die binomischen Formeln sind mir heute noch genauso unlogisch wie vor 20 Jahren.

Grüße an die verbeamtete Fachlehrkraft, deren Job das eigentlich gewesen wäre. Durch Ihren Unterricht hat das Kind viel über Toleranz und kreative Problemlösungen gelernt.

Herbst im Schnelldurchlauf

Und schwupp – ist der Oktober auch schon rum. Die Wechselschichtwochen vergehen insgesamt immer rasend schnell. Wobei die einzelnen Tage sich ziehen können wie Kaugummi. Da es aber keinen Rythmus gibt und Pläne sich laufend ändern, ist es einfach ein flow. Einer arbeitet, die andere kümmert sich um den Rest. Alle sind froh, wenn es geschafft ist.

Der September-Krankheitsfall zog sich. 4 Wochen Antibiotika hochdosiert haben das Wohlbefinden doch stark beeinflusst. Es ist aber zum Glück unter dem Strich besser geworden.

Es gab eine „mathematische Situation“. Einen Nachmittag lang musste ich längst vergessene Hirnwindungen reaktivieren. Es war mühsam, aber auch faszinierend. Kein Wunder, dass ich manchmal das Gefühl habe, der Speicher ist voll.

Ich war auf einem Elternabend zur Berufsinformation. War gut gemacht, man hatte am Ende tatsächlich das Gefühl zu wissen, wo man die Infos finden kann. Hinterher noch kurz unterhalten, wir kannten vom Babyschwimmen…

Die Meerschweinchen sind ins Winterquatier umgezogen.

In einer Hauruck-Aktion wurde der diesjährige Brennholzbedarf angeliefert und mithilfe von Freunden und Nachbarn gestapelt.

Der Garten sieht nach dem zweiten Hitzesommer echt mitgenommen aus. Da muss ich mir über den Winter mal was überlegen. Aus jedem Fenster auf verdaddertes Kruppzeug zu gucken macht nicht fröhlich. Vielleicht gibts ja Schnee, dieses Jahr.

Wir haben eine Hochzeitseinladung bekommen. Der erste Eintrag im Kalender für nächstes Jahr.

Weihnachten ist angelaufen. Die Eltern sind dazu übergegangen sich Sachen zu wünschen, die Zeit und Muselkraft erfordern. Da bin ich fein raus. Der Liebste hat schon einen „Fröhliche-Weihnachten-Winterreifenwechsel“ gemacht und wird irgendwann zwischen jetzt und Frühling einen „Christmas-Kompost“ aufbauen. Bleiben nur noch die üblichen 20 Kleinigkeiten und drei Großartigkeiten…

Ansonsten haben wir alle öfter auf dem Boden gesessen als sonst und hatten viel Besuch. Außerdem waren wir öfter im Garten, auch nachts.

Irgendwer wohnt neu hier.