KW 17/18 2022

Es war angenehm ereignislos.

Die Wechselschichtwochen des Liebsten sind schon vorbei. Ich glaube, es war nur ein Rückwärtswechsel dabei. Aber Normalbetrieb ist noch einfacher. Naja, was man so Normalbetrieb nennt. Die Lieferketten, die Rohstoffe, eigentlich ist alles möglich.

Märzkind hat Theorieprüfung für den Autoführerschein. Zwanzig nach acht muss sie beim TÜV sein, danach in die Schule. Das geht nur mit Muttitaxi. Mein Plan war, in der halben Stunde Wartezeit einzukaufen, aber wegen der Baustelle quer durchs Städtchen kommt das hin. Ich habe also einen Aufenthalt auf dem TÜV Parkplatz. Ein Fahrschulauto mit einem sichtlich angespannten jungen Mann am Steuer fährt gerade los. Ich schicke gute Gedanken und drücke die Daumen. Nach zehn Minuten sind sie zurück. Der junge Mann sieht blass aus und geht mit gesenktem Kopf davon. Schade. Ich nutze die Zeit um in meinem Auto Müll einzusammeln, es lohnt sich. Märzkind hat bestanden – juhu! Dann jetzt schnell zur Schule, dritte Stunde Mathearbeit. Ich bin heimlich froh, dass das nicht mein Tagesprogramm ist.

Aus Gewohnheit gehe ich mit Maske in den Baumarkt. Eine niederländische Familie, die im gleichen Gang steht guckt mich komisch an. Die fühlen sich sichtlich unwohl, neben mir. Erst da fällt mir auf, dass alle anderen keine Maske aufhaben. Soll mir recht sein. Ich nehme sie ab und kaufe ohne weiter ein. Es fühlt sich genauso verrückt an wie der erste Einkauf mit Maske, damals.

Man möge sich doch bitte auf Katastrophen vorbereiten, geht durch die Nachrichten. 10 Tage ohne einkaufen sollte man durchhalten. Das würde gehen, glaube ich. Wobei, ohne Strom wäre blöd. Ein Wasservorrat macht natürlich auch Sinn, das haben wir ja letzten Herbst gesehen, als da dieses Rohr im Keller… aber auf unsere Haushaltsgröße gerechnet wären das nach amtlicher Liste 220 Liter. Wo sollten wir die denn lagern? Andererseits wollen wir natürlich auch nicht die ersten Idioten sein, die nichts mehr haben. Weltfrieden wäre am komfortabelsten.

Ein bei rebuy im Zustand „sehr gut“ gekauftes Mobiltelefon gibt nach einem halben Jahr den Geist auf. Ich schicke es ein, die sagen, kein Garantiefall, wegen nicht sachgemäßer Bedienung. Keine Ahnung was damit gemeint ist. Das Handy hatte keinen Unfall, war keinen Naturgewalten ausgesetzt, nix. Nachfrage im Handyladen. Natürlich kann man das reparieren. Würde 289,98 Euro kosten. Totalschaden. Sehr! Ärgerlich! Schrott hätte ich billiger kaufen können.

Wenn in der Hexennacht auf den ersten Mai vorm Haus Sachen weg gehext und irgendwo im Ort versteckt werden, ist das völlig in Ordnung. Brauchtum. Da muss man eben dran denken, den Kram reinzuholen, oder Maibowle hinstellen, für die Hexen. Wenn Sachen hinterm Haus, im umzäunten Grundstück gehext werden ist das weniger in Ordnung, finde ich. Wenn etwas aus dem Garten mitgenommen wird und nicht mehr zu finden ist – das ist klauen. War nur Gartenkitsch, aber ich mochte den.

Die blauen Briefe wurden verschickt und, ich will nicht angeben, aber ein bisschen stolz bin ich schon, denn ich habe keinen bekommen. Von den 12 Jungs in seiner Klasse sind 6 versetzungsgefährdet, sagt Maikind. In der Paralellklasse sieht es nicht besser aus. Wenn kein Wunder geschieht, wird aus zwei Abschlussklassen mit etwa 18 Kindern, wohl eine mit irgendwas um die 30 Schülern werden.

Ich habe einen neuen Filter im Denken, stelle ich fest. Vermutlich kommt das von der mentalen Überlastung der letzten Jahre. Manche Dinge sind mir so von Herzen egal, dass ich noch nicht mal aus Höflichkeit so tun kann, als würde ich mich dafür interessieren. Die Länge des Rasens in Schwiegermutters Garten beispielsweise und nein, ehrlich gesagt habe ich die Folge vom Traumschiff, in der Wie ein Onkel mitspielt nicht gesehen, weil, ich gucke nie Traumschiff.

Der Liebste hat neue Beete angelegt und Mist von regionalen Biorindern im Garten verteilt. Gemüsepflanzen haben wir in einer kleinen Gärnterei gekauft, mit Beratung. Ich habe die am ersten sonnigen Nachmittag eingepflanzt und schon mehrmals gegossen. Wenn das jetzt nichts wird, betonieren wir die Fläche und streichen sie grün.

Es wird grün und bunt draußen, endlich.

Dritte Adventswoche, im Nebel

Eine Elterntaxifahrt in der Dämmerung. Von rechts kommt ein Reh aus der Wiese, läuft vor uns über die Straße und auf der anderen Seite den Hang hoch. Kommentar vom Beifahrersitz aus: „Vorsicht. Weitere Einzeltiere können folgen“ Fahrschülerin an Bord.


„Mama, schnell“, ruft das Märzkind. Ich habs gesehen. Kurz nachdem sie der Haustür raus war, ist der Bus vorbeigefahren. Vier Minuten eher als üblich. Ich schnappe mir den Autoschlüssel und rufe nach oben, dass ich kurz nicht da bin. An der Bushaltestelle laden noch zwei ein, die auch zu spät waren, heute kommt kein Bus mehr. Leider steht im nächsten Ort niemand an der Haltestelle und der Bus fährt durch. Auf der schmalen Landstraße kann man keinen Bus überholen. Im nächsten Ort stehen zum Glück ein paar Leute. Ich halte, die drei Mädels bedanken sich herzlich und rennen los. Ich wende und fahre so schnell es geht durch den dichten Nebel wieder zurück. Wenn mir jetzt was vors Auto laufen würde, ich habe kein Handy dabei. Auch keine Jacke, und wenn ich so drüber nachdenke, ich hab Hausschuhe an.

Juhu, die anderen Kinder waren ausreichend geweckt und ziehen sich gerade die Jacken an als ich zu Hause ankomme. Ich hatte mich schon auf eine zweite Tour eingestellt.

Der Bus fährt ab jetzt vier Minuten früher. Es gab eine Fahrplanänderung. Die erste seit – schon immer. Ein Hinweis-Zettel im Bus wäre hilfreich gewesen.


Der Liebste fährt seine Mutter in die Klinik. Zwei bis drei Wochen wird das dauern. Weihnachten müssen wir dann mal sehen, ob und wann und wer und wie und wo.


Ich habe um neun einen Termin, normalerweise hätte jemand die Hunderunde übernommen. Normal wurde abgeschafft, scheint mir. Um halb acht ist es im Feld noch dunkel. Das macht aber eigentlich nichts, denn es ist so dermaßen neblig, da könnte man im Hellen auch nicht mehr sehen. Der Hund läuft zwanzig Meter vor und ist verschwunden. Ich hab schlecht geschlafen und für Kaffee war noch keine Zeit. Dieses Wetter, es ist wie in dem Buch, das ich heute nacht gelesen habe. Eigentlich um müde genug zum weiterschlafen zu werden, hat aber nicht funktioniert. Im Buch kamen die Hungernden aus dem Nebel. Eine Art Zombie-Vampire, die sehen aus wie Menschen, naja, wie tote Menschen, mit roten Augen, Klauen und Reißzähnen um den Lebenden das Fleisch von den Knochen… Drei Meter hinter mir springt etwas aus dem Graben. Da bin ich doch tatsächlich am eigenen Hund vorbeigelaufen, ohne es zu bemerken. Jetzt bin ich wach.


Am Eingang wird kurz ein Blick auf meinen QR-Code geworfen. Danke, alles super, bitte hier. Nachdem letzte Woche im Bastelladen mein Code gescannt und mit Perso abgeglichen wurde, scheint mir diese Kontrolle etwas lasch, aber egal. Es gilt sowieso FFP2-Masken-Pflicht. Einmal waschen, schneiden, föhnen dauert 40 Minuten und kostet 43,50 Euro. Gefühlte Inflation. Ich war allerdings auch schon länger nicht beim Frisör.


Ich lese ein bisschen was über die Omikron Variante und ergänze den Einkaufszettel. Hundefutter, Klopapier, Rotwein, Chips, Schokolade, Tiefkühlschnitzel, Frikadellen in Dosen. Ich will nicht wieder angeguckt werden wie der apokalyptische Hamster, wenn ich für mehrfach-Teenager-Haushalt mit geschlossener Kantine einkaufe. Vorräte verstecke ich im Keller, da vermuten die Blagen nichts Leckeres.


Der Klassenlehrer des Maikinds bittet alle, die bisher noch ohne sind, über die Ferien nochmal über eine Impfung nachzudenken, es gäbe erste Hinweise, dass Schule vielleicht, irgendwann nach den Ferien 2G werden könnte. „Das heißt, ich geh dann nicht mehr hin, oder was?“, erkundigt sich das Julikind, und freut sich schon. „Keine Ahnung“, knurrt das Maikind.


De Omma gibt mir ihr Rezept für Honigkuchen und ruft zwei Tage später an, um zu fragen, wie sie denn geworden sind. Bin ich noch nicht zu gekommen. Was? Wieso das denn nicht? Wegen Sachen. So kurz vor Weihnachten, da müsse man aber schon Prioritäten setzen, sagt de Omma.

KW39/2021

Da war doch was. Wegen des leicht verdichteten Alltags habe ich am Sonntag nur den Zettel in den Kasten geworfen und dann garnicht mehr weiter dran gedacht. Haben wir eigentlich eine Regierung? Dauert wohl noch ein bisschen. Wer da wann mit wem über was spricht interessiert mich gerade überraschend wenig, stelle ich fest. Die sollen einfach sagen, wenn sie fertig sind.


Jetzt koche ich schon seit 6 Wochen. Normalerweise reichen meine 15 Standard-Gerichte, zwischendurch kocht immer mal wieder der Liebste, der macht das ganz gerne. Mittlerweile bin ich auch mit allen nicht Standard-Gerichten durch. Ich habe keine Ideen mehr – und keine Lust, um ehrlich zu sein. *Werbung, unbezahlt, unbeauftragt Da scheine ich aber nicht die einzige zu sein, denn es gibt eine ganz einfache Lösung. Chefkoch-Rezepte-Wochenplan-KW40-schnelle Alltagsküche. Einkaufszettel schreiben. Fertig is die Laube.


Telefon klingelt. Die Brombeeren müssen gepflückt werden, sagt de Omma. Gut, ich gucke, wie ich es einrichten kann, sage ich. Nein, sagt de Omma, die müssen heute gepfückt werden, nicht „wenn ich es einrichten kann“, jetzt. Jetzt, kann ich nicht, wenn es denn heute unbedingt sein muss, werde ich das schon irgendwie hinbekommen, aber dann muss sie es aushalten, wenn die noch hängen bis heute nachmittag um fünf.

Oh, da wurde anscheind ein neues Level freigeschaltet, denke ich. So habe ich noch nie mit meiner Omma gesprochen. Das ist kein Problem, sagt die Omma, sie sei sowieso den ganzen Nachmittag im Garten.

Beeren pfücken mit Ommas Hilfe ist anstrengend. So wie ich das mache, einfach alle in den Eimer rein, so geht das nämlich nicht, da hängen ja zum Teil sogar noch die Stiele dran. Oooooommmmmm. „Ich tue die gleich alle so in den Entsafter, und mir ist es total egal, wenn da noch Stiel dran ist, Johannisbeeren entsafte ich auch mit Stiel, das macht mir garnix“, sage ich. Die Omma murmelt. „Jetzt sag nicht, tu pulst jede einzelne Johannisbeere ab, vorm Entsaften“. „Nee“, sagt die sie, bei Johannisbeeren sei das anders, abgesehen davon ernte ich viel zu schnell, wenn sie das macht, das dauert länger. Sie ist 89. Ich richte meinen Blick gen Himmel und flehe um die Rückkehr der Senioren-Nachmittage. Die Alten müssen sich wieder einmal im Monat gegenseitig volllabern, sonst werden wir alle wahnsinnig, diesen Winter.


Bienen füttern, die zweite Runde. Einige Völker haben alles bis auf den letzen Tropfen verwertet, bei manchen ist der Eimer noch halb voll, ein Volk hat noch nichtmal angefangen. Ich hebe die Beuten an einer Seite leicht an und murmele so vor mich hin. Wieviel 6 Kilo Schmutzwäsche sind, das kann ich in etwa sagen, aber wie schwer ein Bienenkasten vor dem Winter sein muss, da hab ich kein Handgewicht, machen wir uns nichts vor, ist Glücksache, diesen Winter.


Wieder mal muss ein Fuss in die Chirurgie begleitet werden. Es gibt da einige Möglichkeiten, wir probieren erst alle anderen bevor was geschnitten wird, sagt die Ärztin, das Julikind ist erleichtert.


Meine Güte, die Mengen, die ich an Lebensmitteln einkaufe, kann das denn sein. Jo, kann es. Der Liebste kauft sonst teilweise selber ein, und nimmt das direkt mit an die Arbeit. Außerdem hat der Schulkiosk geschlossen, weil, wegen Bauarbeiten auf dem Gelände gibt es das Gebäude im Moment nicht.

Ich bin ein bisschen erleichtert, dass heute eine andere Fleischereifachverkäuferin Schicht hat und ordere, 40 Scheiben Salami, 20 Scheiben Mortadella, 20 Scheiben Schinken und 30 Scheiben Käse – zum dritten mal in dieser Woche. Die drei Brote, die ich Dienstag morgen am Bäckerauto geholt habe sind Donnerstag abend weg. Zum Glück war noch was eingefroren.


Haben wir eigentlich noch Arbeitshandschuhe vorrätig, zum Holzstapeln? Ähm ja, aber nein. Es gibt eine Sammlung an einwandfreien linken Handschuhen in verschiedenen Größen und Ausführungen. Leider kann man nur mit linken nicht viel anfangen. Es werden also neue gebraucht. Überraschung, ich habe die kleinsten Hände. Ich besorge also Handschuhe in meiner Größe und eine Nummer größer für das Märzkind und noch eine Nummer größer für das Maikind. Ein sentimentaler Moment vorm Baumarktregal. Ich weiß noch, wie schwierig das war, damals, die kleinen Finger in den kleinen Handschuhen zu sortieren.

Eine Wagenladung Holz verräumen die drei plus eins Kinder ganz alleine. Das ist toll. Im Haus ist nämlich auch einiges liegen geblieben.


Besonderer Dank gilt diese Woche an den netten Besuch, der Spritzgebäck mitbrachte. Das kam genau zur richtigen Zeit, in einer Menge, die alle Herzen im Haus erfreuen wird.

to do

„Ich weiß garnicht, wann ich zuletzt in einem Geschäft drin war“, sagt das Julikind. Stimmt, ich auch nicht. Wir geben Kontaktdaten an und dürfen dann einfach so rein. Der Liebste geht mit dem Maikind in, welche Abteilung auch immer kurze Hosen in seiner Größe verkauft, das Julikind und ich gehen in die Kinderabteilung. Winterjacken, Bademode, im Moment kann man alles haben. Die Liste ist lang, denn es passt so gut wie garnichts mehr. In anderthalb Stunden holen wir ein halbes Jahr „Konsumausgaben“ nach.


Den Einschulungs-Einkauf damals habe ich gemacht, Bleistift mit Glitzersteinen, rosa Kunstmappe, es fühlt sich noch garnicht so lange her an. Den Abschlusseinkauf übernimmt der Liebste, eine winwin Situation. Das rosa Ballkleid liegt trotz Reduzierungen ein mü über dem angedachten Budget, aber toll ist es, keine Frage. Außerdem spendiert der stolze Papa eine Palette Atra Rakete Gigant (*Werbung, wobei, ganz ehrlich, ich rate ab), damit das Märzkind am Samstag das Ende der Prüfungswoche feiern kann. In echt. Mit Freunden.


Libuse Safrankova (tut mir leid, die kleinen Striche fehlen, ich glaube, meine Tastatur kann gar kein tschechisch) ist verstorben. Wir kannten sie natürlich nicht, aber die Anteilnahme ist groß. Unser Aschenbrödel. Kann man ruhig auch mal im Juni gucken, den Film, findet das Märzkind.


Ich rufe innerhalb der Geschäftszeiten an und die Leitung ist frei, es klingelt. Es ist nicht mein erster Versuch, das wollen wir doch mal sehen, denke ich. Nach dem zehnten Klingeln meldet sich eine Dame, die sich ganz offensichtlich gestört fühlt. Gut so. Ich schildere mein Anliegen, sie kann mir wenig Hoffnung machen, in dieser Sache, ist aber bereit, mich zu verbinden, mit der zuständigen Kollegin. Ich schildere mein Anliegen, die Kollegin sagt, „das das ja alles jetzt langsam wieder los gehe“, wann genau, das wisse man aber leider noch nicht, sie könne mich da auf eine Warteliste setzen. Ich weise darauf hin, dass das Kind diese Bescheinigung bis zum Beginn des Praktikums benötigt. Mein Ehrgeiz verwirrt sie. Sie erkundigt sich nach dem Betrieb, nimmt Daten auf. Also, wenn das so ist, da sei sie recht zuversichtlich, dass das noch vor August möglich sein werde. „Ganz ehrlich, Ihre Zuversicht ist mir da ein bisschen wenig“, sage ich und erkundige mich, ob es noch andere Möglichkeiten gäbe, an so eine Bescheinigung ranzukommen. Leicht angenervt sagt sie, ich könne es mal im Nachbarkreis versuchen, ob ich dann jetzt nicht auf die Warteliste will? Doch, will ich.

Nachmittags gebe ich mal „Gesundheitsamt Nachbarkreis“ in die Suchmaschine ein. Nur so. Siehe da, es gibt eine Internetseite, mit einem Button für „Belehrungen nach §42 §43 Infektionsschutzgesetz“. Wegen der aktuellen Situation werden die im Moment nicht als Präsenzveranstaltung angeboten, sind aber als online-Veranstaltung buchbar. Terminauswahl. Klick. Nächste Woche von Montag bis Freitag zwischen 8.00 und 20.20 Uhr, was darf`s denn sein? Klick. Daten angeben. Bestätigungscode senden. Gebühr überweisen. Hat alles in allem eine viertel Stunde gedauert. 5 Minuten davon hat das Märzkind überlegt, welchen Termin sie möchte.


Der Mohn hat in den letzten beiden Jahren jeweils einen Tag geblüht. Der traurige Rest der Pflanze hat mich den Sommer über so vorwurfsvoll angeguckt, dass ich sie letzten Herbst ausgebuddelt habe. Sie steht jetzt in einem Teil des Gartens, den ich vom Fenster aus nicht sehen kann. Der Mohn blüht prachtvoll, dieses Jahr, seit einer Woche schon.


Diese Woche, sie nimmt kein Ende, man meint, es müsste Freitag sein, mindestens, aber nein, es ist tatsächlich erst Dienstag. Das sind ja jetzt noch drei Tage, es ist noch nicht mal die Hälfte geschafft. Wie hat man das früher ausgehalten, man weiß es nicht mehr.

Die Kinder hatten zwei Schultage hintereinander. Ehrlich gesagt, ich habe auch so ein Freitagsgefühl. Die Woche ist zäh.


„Am Wochenende war hier die Hölle los“, sagt der Mann im Häuschen am Erdbeerfeld, wir sollen es mal in diese Richtung versuchen. Viel ist tatsächlich nicht mehr dran. Zu zweit pflücken wir eine Stunde. Es ist nicht so viel wie wir eigentlich wollten, aber es reicht für die 20 Gläser Erdbeermarmelade, die wir brauchen. Das ganze Haus riecht nach Erdbeeren.


Ein Anruf wegen dieser Zahnbaustelle, es geht nicht voran und mich würde interessieren warum. Ich habe jetzt einen Sachbearbeiter mit einer Durchwahl, damit ich nicht durch`s callcenter muss, nächstes Mal. Läuft.


Der Teilzeit-Nachbar aus der Großstadt hat ein outdoor-Projekt. Er hämmert in unregelmäßigen Abständen auf irgendetwas aus Metall. Zwischendurch diskutiert er mit einer weiteren Person darüber, wie man besten auf irgendetwas aus Metall hämmert. Ich frage mich, ob ihm bewusst ist, dass der halbe Ort ihn hören kann, einige vermutlich sogar sehen, er arbeitet unter Flutlich, abends um halb elf. Nur weil es leise ist, im Ort, heißt das nicht, dass niemand da ist.


Man sieht wieder mehr Flugzeuge. Den tiefblauen Coronahimmel, die Fernsicht und die Sonnenuntergänge werde ich vermissen, wenn wieder alle jederzeit überall hin fliegen können.


Vereinssport darf wieder stattfinden. Wie sehr das gefehlt hat, merkt man erst jetzt so richtig.

Das Märzkind muss vor dem Training einen Selbsttest machen, das ist kein Problem, die werden im Moment für 80 cent verkauft, ich bringe welche mit. Die Gruppe vom Julikind wird draußen trainieren, man wird sich vorerst nach dem Wetter richten, was die Termine angeht.


Verabredungen, Termine, Einladungen, in den nächsten drei Wochen ist hier mehr los als bisher im ganze Jahr. Schön, einerseits, andererseits kann ich es kaum glauben, nach so langer Zeit.

Schule zu Hause, Woche 2

Montag stehe ich zur gewohnten Uhrzeit auf. Die Kinder müssen erst etwas später zum online Unterricht, aber ich hätte gern einen Überblick, bevor alles wieder alles auf einmal gebraucht wird. Es läuft alles schon recht routiniert. Nach anderthalb Stunden ist alles ausgedruckt und den einzelnen Fächern der jeweiligen Kinder zugeordnet. Läuft doch. Denkste.

Ein Druckauftrag läuft quälend langsam. Ist das ein Papierstau? Nee, der versucht ein Foto zu drucken, ganzseitig, Abbruch. Was ist da los? Eine Lehrkraft hat ein Foto einer Buchseite geschickt.

Eine Audiodatei lässt sich nicht abspielen.

Das Kind möge bitte die Aufgaben aus dem Workbook auf ein loses Blatt abschreiben, das erleichtert die Korrektur, später, wenn das eingesammelt wird. Nein. Das workbook gehört uns. Außerdem besitzt dieser Haushalt ein Cuttermesser.

Da haben sie jetzt 10 Minuten gewartet, aber der Lehrer ist nicht gekommen, zum online Unterricht, nur dass ich bescheid weiß, er macht dann jetzt was anderes, sagt das Maikind. OK.

Die Aufgaben dieser Woche bitte nicht so abgeben wie die der letzen Woche. Es wurde eine neue Mailadresse angelegt, extra nur dafür, das erleichtert die Korrektur.

Hä? Woher kommt denn dieser Arbeitsauftrag? Der war doch Montag noch nicht da.

Abgabetermin Donnerstag, keine Zeitabgabe. Abends um acht werden die Aufgaben fertig, wir könnten sie hochladen. Leider gibt es keinen Abgabe-Button für dieses Fach. Dann packen wir das einfach in einen Email-Anhang und schicken es – ähm – nein, leider wurde keine Mailadresse mitgeteilt. Eine Mutterkollegin mir weiterhelfen. Sie hat noch ihre Notizen vom Elternabend 2019.

Eigentlich gilt der Abgabetermin bis Montag, folgende Aufgaben aber bitte schon Freitag einreichen.

Man kann sich nicht einwählen, in die online Sitzung. Das Kind hat schon alles probiert, ich probiere trotzdem alles nochmal. Es geht nicht. Das Kind wurde für die Teilnahme an dieser Sitzung extra geweckt und ist stinksauer.

*

Wenn das Schwimmbad wieder aufmacht, dann sind wir die ersten, die da hinfahren. Gleich morgens. Die Badesachen ziehen wir drunter. Leider ist unsere Geldkarte leer, wir werden also klingeln und auf die Bademeisterin warten müssen. Während wir warten ziehen wir uns schon aus und knüddeln unsere Klamotten so, dass man sie im Vorbeigehen in einen Spint werfen kann. Drei Minuten, wird das dauern, ungefähr, vom Drehkreuz bis zum besten Platz vor der Sprudeldüse. Von da aus kann man die anderen Leute sehen, die rein kommen. Die sind dann leider alle zu spät, der Platz vor der Sprudeldüse ist schon besetzt. Und wenn das Schwimmbad am gleichen Tag aufmacht, wie die Schulen? Ach, dann sagen wir, das haben wir nicht gewusst und ich schreibe dir eine Entschuldigung, beruhige ich das Julikind.

*

Eine Anfrage, ob ich denn dieses Frühjahr eherenamtlich so einmal die Woche, im letzen Jahr musste ja alles ausfallen und es wäre schade, so wie immer geht natürlich nicht, aber es wäre doch schön, wenn man alternativ etwas im kleineren Rahmen, dafür braucht es nur mehr Leute, also, was kann ich denn anbieten? Die mail ist schnell beantwortet. Nix.

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Ich weiß nicht mehr, wie die Frage aufkam, aber wir diskutieren ausführlich und ernsthaft, nach dem Abendessen darüber: Wenn man in der Schwerelosigkeit furzt, wie verteilt sich das? Und, nur mal angenommen, man müsste im Weltall keinen Raumanzug tragen und würde einfach so ins Universum pupsen, könnte man das sehen? Ich bin im naturwissenschaftlichen Bereich schnell raus, der Liebste übernimmt.

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Märzkind hat mündliche Prüfung. Alles läuft super. Die ganze Familie freut sich aus vollem Herzen mit.

Schriftliche Prüfungen wurden drei Wochen nach hinten geschoben, irgendwann im Juni dann. Da ist es ja total gut, dass keine Abschlussfahrt und auch sonst nichts stattfinden soll. Sonst würde das gar nicht gehen. Der einzige Komfort, den dieser Jahrgang noch gehabt hätte, wäre das Gefühl gewesen, ein wenig eher Ferien zu haben als alle andern. Tja.

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Gerade haben wir uns in die Küche gesetzt, da bekommt de Omma einen Anruf. Sie hält sich den Hörer ans Ohr, der Lautsprecher ist allerdings auch an. „Haste dann jehort? Der Zeitungszusteller ist gestürzt?“ De Omma fällt aus allen Wolken, das wußte sie noch garnicht. Ich nicke, weil, ich wußte das schon. Ich weiß sogar, welcher Art die Verletzungen sind und wie die OP gelaufen ist. Das wußte die Frau am Telefon anscheind nicht. Irritiert hakt sie nach, woher ich das denn wisse. Ich will nicht angeben, aber diese Informationen habe ich aus allererster Hand. „Och, ja dann, schönen Abend noch“, die Frau legt auf. Wer war das denn, erkundige ich mich? Dann muss ich der Omma alles nochmal erzählen, in der Aufregung hat sie ja garnicht richtig nachgefragt. Gerne doch, etwas vor Winters Frieda zu wissen, das passiert einem wahrscheinlich nur einmal im Leben.

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Hundespaziergang bei windigen null Grad und Schneegestöber. Als ich wieder rein komme stehen drei Kinder um den Esstisch. Die Kiwis wurden gerade geliefert. 6kg so in einem Karton, das sieht man nicht alle Tage. Sehr lecker.

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Lockdownverschärfungen also. Was heißt das für uns? Einkaufen und Busfahren geht ab jetzt nur noch mit medizinischen Masken. Schulen bleiben generell geschlossen bis 14. Februar, wenn ich das richtig verstanden habe eher bis Ostern, ohne das es jemand so sagt. Der ganze Rest wird so angeordnet, wie wir das seit November schon handhaben. Allmählich frage ich mich…

Los geht`s

Ein Mann im Schamanenkostüm steht im Kapitol der Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist erschreckend interessant.

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Ein Besuch bei der Omma. Die ist nicht direkt schlecht gelaunt, aber doch erkennbar unzufrieden, mit der Gesamtsituation. Der Rehbraten hat nicht geschmeckt, es gab keinen Plätzchenteller, kein Seniorenkaffee, zu wenig Besuch, ich erfahre warum genau sie sauer sie geworden ist als…

Auf dem Heimweg gestehe ich mir ein, dass das gerade ein bisschen anstrengend war. Vielleicht ist ein schlechtes Gewissen einfacher.

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Der Apfelkuchen ist tatsächlich heil geblieben, auf dem Grill. Wie viele Teller brauchen wir denn jetzt? Der Blick schweift über den Garten. „Wir sind viel zu viele, oder?“, flüstert die Freundin. Wieso? Oh. Wir erzählen uns, mit wem wir in den letzen Wochen sonst noch Kontakt hatten, vermutlich um uns gegenseitig zu beruhigen. Jede von uns hat sofort parat wer wann wen wo… eigentlich sehen wir seit Wochen nur die eigenen Eltern, vereinzelt die Großeltern, man tut sich da schon fast selber ein bisschen leid, und niemand denkt ernsthaft darüber nach, sechzehnjährigen den Kontakt zu „plus eins“ zu beschränken. Wenn Freunde einen neuen Welpen haben und ab Montag die strengen Kontaktbeschränkungen wieder gelten, was soll man da machen?

Der Geruch von Bratwurst im Brötchen, Glühwein, Apfelkuchen und Feuertonne, leise rieselt der Schnee, heute ging es wirklich nicht besser.

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Die Krankenkasse möchte dieses Stempelheftchen haben, um mir den Kostenvoranschlag für die Zahnbaustelle genehmigen zu können. Tatsächlich hatte ich gedacht, es gäbe da mittlerweile eine automatische Erfassung, die unsichtbar vom Arzt an die Kasse weitergeleitet wird, digital vielleicht. Aber so macht es ja auch fast gar keine Umstände.

In der Kaffeerösterei fragen sie immer, ob ich mein Treuekärtchen gestempelt haben möchte.

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Der Liebste arbeitet wieder. Zum ersten mal seit Wochen bin ich in der Küche, um zu kochen. Was muss denn weg?

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Neujahr hatte ich überlegt, ob ich irgendwas im Garten anbauen will, dieses Jahr. Dabei bin ich im Netz auf eine Seite gestoßen, wo man bei Landwirten direkt bestellen kann. Spontan habe ich uns 6 kg Kiwis bestellt, in Spanien. Weil wir Kiwis mögen und auf dem Bild die Sonne schien und dieser Pedro, der die angeblich anbaut und eigenhändig für uns ernten und verpacken wird, so fröhlich aussah, und, wenn man ehrlich ist, in unserm Garten wächst eigentlich nichts. Die Familie macht sich lustig. Im Nachhinein ist mir selber klar geworden, dass das alles ein bisschen viel Klischee auf einmal ist. Als vorraussichtlicher Liefertermin wurde der 19. Januar angegeben, abhängig vom Wetter in Spanien natürlich. Madrid hatte vorgestern 20cm Neuschnee. Ich frage mich, ob Pedro diese Woche ernten kann.

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Freitag werde ich ganz, ganz dringend gebeten, mitzuteilen, ob ich denn die Fünftklässlerin zum Präsenzunterricht anmelden möchte. Im Betreff der mail steht Notbetreuung. Hä?

Samstag erfährt das Märzkind, dass sie nächste Woche Schule haben wird. Die Klasse wird halbiert und zeitgleich vom gleichen Lehrer in nebeneinander liegenden Klassenräumen unterrichtet. Man könnte da Sinnfragen stellen, aber wozu.

Montag wird schnell klar, dass Lehrer sich auch keine Illusionen mehr machen. Das Maikind bekommt seine Aufgaben über einen Klassen Whattsapp chat, in dem der Lehrer auch ist. Die Aufgaben für das Julikind werden bei Lanis hochgeladen und kommen zur Sicherheit auch an meine mail Adresse, weil man davon ausgeht, dass Lanis abschmiert. Was gegen halb zehn, als wir anfangen wollen, schon passiert ist. Der Klassenlehrer meldet sich telefonisch, um abzufragen, ob noch alle Passwörter bekannt sind.

Im Lauf des Tages bekommt das Maikind einen Stundenplan. Vier Stunden online Unterricht stehen da pro Woche drauf, vorläufig. Leider funktioniert die Videoplattform derzeit nur eingeschränkt, wegen der großen Nachfrage. Man müsse eventuell auf Lanis zurückgreifen. Eigentlich ist es genau wie im Mai, nur entspannter, denn diesmal hatte ich erwartet, dass es genau so läuft.

der Türkranz kann hängen bleiben

Halbzeit November

Der Liebste hat ein paar Tage frei. Das war auch nötig. Niemand von uns will jammern, wirklich nicht. Krise mit Geld ist definitiv viel besser als Krise ohne Geld. Anstrengend ist es aber trotzdem.

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Da hat der Klassenkamerad zu der Fachlehrerin gesagt „ach, halten Sie doch die Fresse“ dann hat er seine Sachen eingepackt und ist mit den Worten „den scheiß muss ich mir nicht geben“ rausgegangen und mit dem Fahrrad weggefahren. Der Klassenlehrer, der Vertrauenslehrer und die Sozialarbeiterin haben ihn dann in ihren Autos verfolgt. Diese Geschichte höre ich beim Mittagessen aus drei verschiedenen Perspektiven. Großes Kino. Der Klassenkamerad ist zwar einer von der speziellen Sorte, hat aber in dieser Sache alle Sympathien auf seiner Seite. Die Fachlehrerin hat im kognitiven Bereich noch Luft nach oben, da sind sie sich einig.

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Wir nutzen eine Sonderaktion des Einzelhandels und kaufen Kleidung ein. Ausnahmsweise mal nicht für die Kinder. Man wird am Eingang herzlich begrüßt, und gebeten, so ein Tütchen zu nehmen, damit jederzeit nachvollziehbar ist wie viele Leute gerade da sind. Es sind auffallend viele Verkäufer da, alle fachkundig und freundlich, es gibt keine Schlangen an den Umkleiden. Eigentlich ist es ein tolles einkaufen, so. Wenn da nicht dieses sanfte gruseln wäre, mit so vielen Leuten in einem Raum…

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Die Großeltern entscheiden, dass man sie trotz lockdown noch besuchen darf, weil sie keine Lust mehr haben, sich zu fürchten. Die Kinder freuen sich sehr und verschwinden.

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Die Schule hat irgendwas am Start, für den Fall, dass sie wieder schließen müssen. Das Märzkind sagt, sie habe den Zettel auch bekommen (ja Zettel, im neunten Monat der Pandemie) die Lehrerin geht aber davon aus, das dieses irgendwas eher nicht funktioniert, wenn alle gleichzeitig damit unterrichten wollen. Sie werden bei dem bleiben, was sie im Frühjahr und in der Heimstudienwoche genutzt haben, bis das andere verlässlich funktioniert. Ach, und bitte 5 Euro Kopiergeld mitgeben, pro Kind. Mit Mühe unterdrücke ich den Impuls eine Kopie der Rechnung über 42 Euro für Druckerpatronen an die Schule zu schicken, per mail, weil ich es kann.

Ich erkläre mich statt dessen dreimal handschriftlich auf Papier damit einverstanden, dass meine Kinder, im Falle eines Lockdowns, von dem wir selbstverständlich alle hoffen, dass es ihn nicht geben wird, ein Videokonferenzportal nutzen düfen, das von der Kreisbildstelle auditiert wird. Es gibt da auch ein Kästchen, dass man ankreuzen kann, wenn man damit nicht einverstanden ist. Dann würde dieses Kind nicht unterrichtet.

Funfact am Rande: Die AG „Digitale Helden“ wurde schon vor zwei Wochen ins digitale verlegt, weil sich da in der echten Welt verschiedene Klassen mischen würden. Das Maikind hat bereits Zugangsdaten zu diesem Videokonferenzportal. Wenn man die eingibt passiert rein garnichts. Die digitalen Helden sind offline.

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Ein Herr Montgomery von der Ärztekammer oder so sagt im Interview des heute journal, Kinder seien einfach ein besonderes Problem in dieser Pandemie. Ich hatte in den letzten Monaten eher den Eindruck, das Problem liegt in der schlechten Ausstattung der Schulen, vorsintflutlichen Kommunikationswegen und darin, dass verbeamtete Pädagogen sich über Wochen tot stellen, aber, man wird ja so schnell betriebsblind. Natürlich sind die Kinder das Problem.

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Was ist denn nun mit Weihnachten? Die Frage kommt immer öfter. Man hätte da gerne einen Plan. Nun, das ist etwas kniffelig, dieses Jahr, aber de Mudda und ich, wir sind Team Grinch und können das ganz nüchtern durchdenken.

Plan A: Wie immer- alle sitzen im Wohnzimmer mit Weihnachtsbaum, es gibt mehr Abstand als sonst und es wird nicht gesungen. Nach der Geschenkeübergabe, spätestens, wäre man sich dann wohl sicher, dass niemand im Raum Covid hat und würde die Abstände nach und nach verringern.

Plan B: wie Plan A, nur mit bleibenden Abständen und mit Maske (ob man sich dabei dann albern vorkommt, entscheiden die Statistiken)

Plan C: Wie Plan A aber in kleinerer Gruppe, Details würden sich von selber ergeben, oder kurzfristig abgesprochen.

Plan D: Wie Plan C mit den Massnahmen aus Plan B

Plan E: Plan A – jeder in seinem eigenen Wohnzimmer über zoom

worst case scenario: mehrere kleine maskierte Gruppen stehen vor den Fenstern von anderen Gruppen oder Einzelpersonen winken. Dabei wäre Gesang theoretisch möglich.

In jedem Fall bekommt jeder, der möchte einen Baum organisiert und natürlich ein Geschenk. „Komme was wolle“, sagt de Mudda „Hauptsache, alle leben noch“. Ist immer gut, nicht allzu hohe Erwartungen zu haben. Weihnachten in 10 Minuten durchgeplant, läuft doch.

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Oder auch nicht. Wenn man so ein Weihnachtsfest auseinander rechnet, dann treffen wir 11 verschiedene Haushalte, normalerweise, das wird mir erst allmählich klar.

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Die Frau am Bäckerwagen sagt, sie denken darüber nach, die Bestellannahme für Heilig Abend zu beenden. Mehr geht einfach nicht.

Der Tiefkühlkost-Lieferant, der alle drei Wochen bei uns klingelt sagt, die Sachen, die er sonst im Januar preisreduziert verkauft, die sind jetzt schon alle weg. 6 Wochen vor Weihnachten. Das gab es noch nie.

Wottsefack?

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Wir werden an Weihnachten essen, was auch immer es am Freitag vor Heilig Abend noch zu kaufen gibt.

Die traditionellen Weihnachtkarten für Honigkunden und andere liebe Menschen bastele ich, nachdem ich lange über die beste Möglichkeit nachgedacht habe, einfach aus dem ganzen Flitterkram, den ich in den Schränken finde.

Wir machen uns einfach nicht mehr verrückt dieses Jahr.

oh oh, oder so

„Na? Heimstudienwoche?“ Frage ich Montag morgen bei der Freundin nach. Sie haben eine Fahrgemeinschaft mit der kleinen Schwester des Coronafalls. „Nee, nix Heimstudienwoche. Offiziell wissen wir noch nicht mal was“, sagt die Freundin. Sie habe quasi den ganzen Freitag telefoniert. Außer ihr sahen das aber alle ganz entspannt. Die kleine Schwester wurde nicht getestet, somit gäbe es keine Veranlassung zu irgendwas. Die Kinder gehen ganz normal zur Schule und sie muss auch zum Diest. Die Coronastation wird aufgemacht. Die, die sich da freiwillig gemeldet haben fehlen ja auf Normalstation.

Zwei Möglichkeiten: Entweder, es gibt kein Problem und wir sorgen uns umsonst, oder wir sind komplett am Arsch.

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Der Außendienstmitarbeiter ruft an, um sich zu erkundigen, wie es uns im neuen homeschooling geht. Es ist kein homeschooling, ich erkläre kurz den Ablauf. „Oh, ähm, oh“, sagt er. Ganz genau.

Also, er war letzte Woche Mittwoch zum Routine-Test, dass war nachdem er hier Kaffee getrunken hatte. Man hatte gesagt, er bekomme das Ergebnis auf die App. Samstag kam es mit der Post, er ist negativ. Die App schweigt dazu bis heute.

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Ich lande in einer whattsapp-Gruppe des gesamten Ortsteils. Das soll keine Geburtstags-Glückwunsch-Gruppe sein erfahre ich, vielmehr soll sie dazu dienen, sich gegenseitig über Straßensperrungen oder ähnliches zu informieren, nur der Ortsbeirat kann schreiben. Natürlich bleiben die allermeisten in der Gruppe, wenn irgendwer Corona hat, will man das schon wissen…

Als da vor ein paar Wochen auf einmal dieses riesen Loch hinter dem Haus gegraben wurde gab es keine Informationen, das war blöd. Vielleicht funktioniert es ja wirklich, ich bleibe auch.

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Ich lese ein paar Pflaumen auf, die auf dem Gartenweg lagen. Als ich sie zum Kompost bringe, fällt mir auf, das der Garten von dieser Seite aus wirklich erbärmlich aussieht. Ich frage, ob irgendwer helfen würde da mal irgendwas… Zu meiner Überraschung helfen alle. So braucht es nur eine Stunde, bis es wieder aussieht, als würde der Garten jemandem gehören.

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Elterntaxifahrt zum Training. Die eine Stunde Wartezeit reicht genau zum Einkaufen. Gleich bei den Einkaufswagen ein handgeschriebenes Schild, man möge bitte, soweit das möglich ist, die Einkäufe allein erledigen, um die Anzahl der Personen im Laden so gering wie möglich zu halten. Danke für das Verständnis.

Im Laden wirkt erstmal alles normal. Im hinteren Teil steht eine Palette Klopapier mitten im Gang, daneben eine Palette Mehl. Man sollte doch meinen, die haben alle noch genug zu Hause. Der Hefekarton im Kühlregal ist noch fast voll, es klebt allerdings ein Schild drauf. Nur zwei Würfel pro Haushalt. Mehr brauch ich doch eh nicht. Ich kaufe ganz normal ein, bis ich am Klopapierregal vorbeikomme. Das ist leer gefegt. Ganz unten ganz hinten liegt noch eine Packung mit Herbstmotiven.

Brauchen im Sinne von brauchen tun wir eigentlich keins. Allerdings will ich auch nicht wieder wie eine Idiotin in drei Läden müssen, nur wegen Klopapier. Ich nehme die letzte Packung aus dem Regal und es fühlt sich gut an. Ab jetzt gibt es nur noch weißes, direkt von der Palette. Wir aber werden welches mit Herbstmotiven haben, was für ein Glück. Dann geht es ein bisschen mit mir durch. Ich merke es, kann aber nichts dagegen tun. Wir haben nämlich auch nur noch 25 Pfefferkörner in der Mühle, ist mir heute aufgefallen, wie weit kommt man damit schon? Und von diesen Marzipanbaumstämmen mit Nougatfüllung haben wir noch gar keine vorrätig! Wer weiß, was die nächsten Wochen bringen. Am Ende müssen wir ohne durch den Advent. Ich nehme 6, sicher ist sicher.

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Der Liebste muss arbeiten. Weil viele krank sind teilen sie sich diese Woche die vier Schichten zu dritt. Spoileralarm: Niemand macht die Freischicht. Über Mittag werden zwei Leute gebraucht, Ruhezeiten müssen trotzdem eingehalten werden. Das geht alles – irgendwie.

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Der Klassenkamerad, der neben dem Coronafall gesessen hat, meldet ein negatives Testergebnis. Sein Bruder ist der Banknachbar des Maikinds. Wie groß die Anspannung wirklich war merkt man daran, wie sehr wir uns freuen. Dem Klassenkamerad geht es aber leider trotzdem schlecht.

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Wir verabreden uns mit der Oma zu einem Waldspaziergang. Das tut allen gut. Wir haben uns schon länger nicht gesehen.

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De Omma ruft an. Mit dem Apfelpflücker, den der Liebste ihr gebracht hat, kann sie nichts anfangen, der ist zu kurz. Man möge ihr den anderen bringen. Gerne jetzt. Jetzt geht aber nicht, weil ich warte auf eine Holzlieferung. Der Liebste arbeitet. Das Holz werde ich mit den Kindern verräumen, und zwar heute noch. Naja, dann wird es wohl schon dunkel sein. Da muss der Apfelpfücker wohl bis morgen… Ein Gesteck muss auch noch auf den Friedhof. Vielleicht noch diese Woche, ich möge bitte nachfragen, bei der Floristin, wann man da kommen kann, und dann bringen wir das direkt auf den Friedhof. Und den Apfelpflücker, ne?, da denke ich aber dran.

Zeitgleich schickt meine Schwester ein Foto von sich im Bademantel auf einer Relaxliege. Weil sie es kann. Sie sind nämlich gerade ganz alleine im Wellnessbereich, Fotos machen ist da sonst verboten. Wie-ein-Onkel zeigt in seinem Status eine Bilderstrecke, Wellnessbereich ohne Menschen, kommentiert mit „wir haben die letze Chance nochmal genutzt“. Freut mich für euch. Möge dich der Blitz beim scheißen treffen.

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2,7 Schüttraummeter verräumt man zu viert in einer Stunde. Große Kinder zu haben ist manchmal auch richtig toll.

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Die Waschmaschine pumpt nicht ab und schlägt mir vor, mal die Laugenpumpe zu reinigen, oder den Ablauf, oder beides.

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Ich soll das Arbeitsblatt ausdrucken? Damit du es handschriftlich ausfüllst und dann als Foto hochlädst, um es an eine Lehrerin zur Korrektur zu schicken, in einer App, die für Gamer entwickelt wurde? Nicht im Ernst, oder? Ich weiß dass das anders besser und schneller geht, weil das Julikind diese Woche eine Einweisung hatte. Gerne würde ich diese Lehrerin an meinem Wissen teilhaben lassen. Sie hat aber keine Emailadresse.

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Ab Freitag gilt Maskenpflicht im Unterricht, die ganze Zeit. Ab Montag gibt es neue Stundenpläne. Sportunterricht findet nicht mehr statt, auch die klassenübergreifenden AG’s nicht. Vereinssport geht nicht mehr und es dürfen nur noch zwei Haushalte zusammenkommen. Der Rest von diesem Lockdown betrifft uns eigentlich gar nicht. Entweder hilft das oder wir werden sicher Verständnis dafür haben, dass die Schulen wieder geschlossen werden, vermute ich mal.

Jetzt haben wir den Salat

Alle drei Kinder gehen in die Schule. Es ist herrlich.

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Der Liebste feiert ein paar Überstunden ab, wir fahren gemeinsam ins Städtchen und erledigen jede Menge liegen gebliebene Kleinigkeiten und Weihnachtseinkäufe.

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Hundespaziergang bei 4°C, Nieselregen und Wind. Es fühlt sich bitterkalt an. Früher hatte man um diese Zeit seit drei Wochen Winterreifen drauf, das könnte man für diese Woche auch mal einplanen, sagt der Liebste. Vielleicht gibt es ja Winter, dieses Jahr.

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Im Klassenraum des Märzkindes bleiben die Fenster geöffnet. Die Lehrerin wohnt in einem Ort, der diese Woche hotspot ist. Sie hätte es selber bestimmt auch lieber warm. Ich sage die üblichen Corona-Kalendersprüche auf, und kann es eigentlich selbst nicht mehr hören. Das Märzkind nimmt eine Wolldecke mit. Blöd ist es trotzdem.

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Das Sofa soll aus diesem Zimmer raus und die Treppe hoch in ein anderes Zimmer. Das Treppengeländer beginnt sehr dicht neben der Tür, daran kann man nichts ändern. Leider hat das Sofa auch nur wenig Knautschzone. Die folgende halbe Stunde kann man in einem Satz zusammenfassen. Es passt nicht. Der Liebste hat die Herausforderung angenommen, schließe ich aus dem Gemurmel.

Es fehlen nur noch zwei Winkel und ein paar Tackernadeln

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Morgen muss diese Hausarbeit abgegeben werden. Ein bisschen Hilfe würde das Kind dann doch brauchen, beim letzten Feinschliff. Sicher kann ich helfen, das hatte ich ja gesagt. Heute ist aber irgendwie ungünstig. Gleich wird Holz geliefert, dieses Sofa liegt im Weg, die anderen beiden Kinder brauchen auch Hilfe bei den Hausaufgaben und der Hund will raus. Alles schön der Reihe nach. Kurz nach Mitternacht stehe ich in der Speisekammer und fluche auf den Drucker. Der fiese kleine Drecksack behauptet, keine Tinte mehr zu haben. Ich weiß nicht, wie ich ihm das Gegenteil beweisen soll. Ich hatte ja gesagt, man ist bei wichtigen Sachen besser einen halben Tag früher fertig als zwingend nötig, aber was weiß ich schon.

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Freitag morgen schickt das Märzkind eine whatssapp, es gibt einen positv getesteten Elternteil bei einem Klassenkameraden. Oh shit. Als sie mittags nach Hause kommt hat sie gerade die Nachricht erhalten, dass der Klassenkamerad selbst mittlerweile auch positiv getestet wurde.

Wir überlegen, wo wir diese Woche gewesen sind. Wer hat wen wann getroffen, wo und wie lange. Das waren bei weitem nicht so viele wie normalerweise, weil das Märzkind die ganze Woche an der Hausarbeit gesessen hat.

Nachmittags ruft das Gesundheitsamt an und fragt ab, wie nah genau das Kind dem Klassenkameraden gekommen ist. Sie hat im selben Raum gesessen und ihn eventuell im Sportunterricht kurz angerempelt, vielleicht. Sie möge bitte die nächste Woche zu Hause bleiben, sagt das Amt. Eine Ansteckung ist unter diesen Umständen richtig unwahrscheinlich, sollten Symthome auftreten entscheidet der Hausarzt wie das weitergeht.

Sonst nix? Wir wissen alle nicht, ob man sich jetzt freuen soll, oder ernsthafte Sorgen um die Gesamtsituation haben will.

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Um halb acht machen der Liebste und ich einen Wein auf. Wir trinken darauf, dass der Liebste sich am Donnerstag die Hände desinfiziert hat, bevor er die Brötchen für das Trainigs-Abschluss-Grillen der Alten Herren aufgeschnitten hat. Darauf, dass wir nach dem Holz stapeln draußen gesessen haben mit dem Fahrer des Traktors, obwohl es schon dunkel und windig war. Darauf, dass ich seit Wochen ständig ein paar haltbare Sachen mehr einkaufe, als wir brauchen und das Lager gut gefüllt ist. Darauf, dass das Märzkind nicht beim Training war. Darauf, dass die Lehrerin auf geöffnete Fenster bestanden hat. Und ehrlich gesagt auch darauf, dass wir nicht die ersten waren.

Es war ja nie die Frage ob wir diesen Winter mal vom Gesundheitsamt angerufen werden, nur wann. Jetzt ist es also so weit. Verwundert stellen wir alle fest, dass uns das längst nicht so viel Angst macht, wie wir dachten. Der Liebste wird Montag ganz normal arbeiten gehen, zwei von drei Kindern in die Schule. Das Märzkind hat laut Stundenplan Heimstudienwoche. Schönes Wort. Es bedeutet Hausaufgabenmarathon. Die Lehrerin muss ja Vertretungsunterricht machen und hat erstmal keine Zeit für online Unterricht. Für Sinnfragen fehlt mir da die Energie. Man kann nur hoffen, dass irgendwer sich was dabei gedacht hat.

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Samstag morgen gehe ich ohne Maske zum Bäckerauto. Die Frau erzählt mir ja seit Anfang März, dass alles nur eine ausgedachte, aufgebauschte Verschwörung von irgendwas ist. Der Verkaufswagen ist schon ziemlich leer. Heute sind wieder alle wie bekloppt, erfahre ich. Das hatte ich mir schon gedacht. Ich kaufe ein wie immer. „Ach, wir hängen da übringens auch mit drin, in diesem Cluster, bis jetzt ist alles kein Problem, aber sollte es sich ergeben und am Dienstag darf keiner von raus, würde das gehen, dass ich eine Tüte raushänge?“ Sicher, wenn die gut sichtbar ist wird sie befüllt, sagt die Frau. Aber wieso das denn? Ich erkläre kurz die Situation. Die Frau reißt die Augen auf, wird ein bißchen blass und geht einen halben Schritt zurück in ihrem Auto, „ein schönes Wochenende und alles Gute“. So schnell bin ich da schon lange nicht weg gekommen.

Apfel Marathon

Ich bin jahreszeitlich verwirrt. Die Allergiebelastung ist frühlingshaft, die Temperaturen ganz eindeutig sommerlich. Die Blätter sind bunt wie sonst im Oktober und im Baumarkt werden Christbaumkugeln in die Regale geräumt. Alles an einem Tag.

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Es ist September sagt der Apfelbaum. Der Liebste nimmt das Maikind und das Julikind mit. Erst Äpfel sammeln, dann Saft pressen. Dafür wird Starkstrom gebraucht, den gibt’s bei der Oma in der Scheune. Die Äpfel müssen in den Nachbarort gefahren werden, der Saft zurück. Es war mehr als gedacht, den ganzen Samstag läuft der Einkocher. Dann muss alles in den Keller. Gratis workout.

Das Märzkind bekommt von all dem nichts mit. Nicht schlimm, sie schafft andere Vorräte. Sollte es nochmal zu einer Schulschließung kommen und sie könnte mehrere Wochen ihre Freunde nicht treffen, das wäre übel für uns alle. Da sind die Geschwister sich einig.

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Ich schäle einen Korb voll Äpfel für Apfelmus und koche es ein. Das ist einfacher, als Apfelmus ohne Citronensäure zu kaufen. Und Apfelmus gehört nun mal zu Pfannkuchen.

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„Sag mal, weißt du noch, was du an Sylvester auf deinen Wunschzettel geschrieben hast, für dieses Jahr?“, frage ich das Maikind beim Spaziergang. Am Sylvesterabend schreibt jeder einen oder auch mehrere Wünsche für das neue Jahr auf einen Zettel. Nur realistische Sachen sind erlaubt. Die Zettel kommen dann unbesehen in eine Zeitkapsel (Bockwurstdose). Bis zum nächsten Sylvesterabend. „Nee“, sagt das Maikind, „keine Ahnung, aber was ich mir für nächstes Jahr wünsche, das weiß ich schon.“ Ich auch.

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Der Triathlet kommt kurz auf einen Kaffee vorbei. Er verweigert den Keks, weil, er muss diese Woche noch einen Marathon laufen. Ich wundere mich, findet der statt? Sicher, der ist jetzt virtuell, das ganze Wochende kann jeder laufen, irgendeine Strecke, man muss sich nur registrieren und am Ende ein Foto hochladen, von seinem Ergebnis, auf der Pulsuhr oder der App, geht alles. „Da machst du auch mit“, teilt er dem Liebsten mit. „Du bist bescheuert, ich lauf doch keinen Marathon“. „Nee, das ist klar“, sagt der Triathlet, man könne aber selber sagen, wie weit man laufen möchte, es gehe da hauptsächlich um die gute Sache, der Sponsor spendet pro Teilnehmer, und, der Triathlet hat die Seite schon aufgerufen, „ihr macht da jetzt mit“.

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Das Julikind ist die ganze Woche „schuluntauglich erkrankt“. Bisschen erkältet, nannte man das früher.

Im Ortsteil wohnt noch ein Klassenkamerad und dieser Klassenlehrer hat keinerlei hygienische Bedenken, was die Weitergabe von Hausaufgaben angeht. In der letzten Woche war der Klassenkamerad erkrankt. Er ruft meist um die Mittagszeit an, um zu fragen, ob es Hausaufgaben gibt. Dann besprechen wir, wer was abholt oder bringt oder schicken Fotos. Freitag ist er früh dran.

„Ich wollte nur sagen, heute kann ich keine Hausaufgaben mitbringen, ich hab in der Schule gekotzt, nicht dass ihr wartet.“

„Danke fürs Bescheid geben, gute Besserung.“

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Der Oppa nimmt den Konfirmanden mit zum Gottesdienst im Nachbarort. Das Märzkind muss nicht zum Training , keine Elterntaxifahrt am Sonntag, da hab ich spontan Zeit…

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Startnummer 2345 bei einem virtuellen Marathon. Die drucke ich gar nicht erst aus, das glaubt mir doch keiner. Dann laufe ich also, die gleiche Strecke wie immer, mit dem Handy des Liebsten in der Tasche, ich hab keine eigene App. Aus gutem Grund. Die Zeit, die ich für 6km brauche ist, nun ja, man muss wohl sagen, sehr sehr großartig. Eines Tages wird die Welt auf dieses Ergebnis schauen und sagen, was für eine fantastische Leistung. Es ist wohl die beste Zeit, die auf diesem Abschnitt des virtuellen weltweiten Marathons jemals gelaufen wurde. Ich bin sehr sehr glücklich. Für die gute Sache.