Soziale Kontakte, mehrere

Das Märzkind hat gut geschlafen, auf dem Campingplatz, sagt sie. Wir wecken sie zum Abendessen.

Ausgepackt wird am nächsten Tag. In der Wäsche sind drei Tshirts und zwei Pullis, die ich noch nie gesehen habe. Anscheind hat einfach jeder eine Tasche voll mitgenommen…

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☆Aus Wohnzimmer werde Jugendzimmer, hex hex☆

Leider ist es etwas komplizierter. Da, wo jetzt Esszimmer ist, müsste dann der Fernseher hin. Der Liebste und der Außendienstmitarbeiter gehen erst ums Haus, dann in den Keller, stehen schließlich murmelnd vor der Wand.

Es gäbe zwei Möglichkeiten: Man könnte vom Hausanschluss durch die Wand in den Keller, das dürfte an der Stelle kein Problem sein. Gut, es gibt einen Versatz von 1,2m aber das kriegen sie hin, dann von dem einen Kellerraum durch die Wand in den anderen Kellerraum und neben den Ölbehältern gerade nach oben. Dann müsste man genau hier rauskommen. Vorraussichtlich. Einen Toleranzbereich muss man natürlich schon einrechnen, ist ja Bruchstein, da weiß man nie, aber die dicke Hilti schafft das.

„Was wäre die andere Möglichkeit?“, erkundige ich mich.

„Der Fernseher könnte da stehen, die Anschlüsse sind beinahe vorhanden, dauert eine halbe Stunde, ungefähr“.

Es werde natürlich so gebaut, wie ich das möchte, alles sei möglich, sagt der Liebste. Auf charmante Art entzieht er mir so die Lizenz zum Nörgeln. Optimal ist beides nicht.

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Wir arbeiten den Ferienprogrammpunkt ‚pulled pork essen‘ ab, und laden die Familie dazu ein, bei der wir neulich so nett Burger gegessen haben. Normalerweise dauert es Monate, einen gemeinsamen freien Tag zu finden, wir freuen uns. Der jüngste Gast verschwindet mit der kleinen Kamera.

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Ein Paar schwarzer Socken wird im Vorbeigehen auf einen Stapel Wäsche gekickt. Moment! Ich erkundige mich, ob es einen Grund für die mutwillige Fehlsortierung gibt. Sortierung? Man schaut mich fragend an.

Ich gebe einen Schnellkurs in Wäschepflege. Helle Buntwäsche und schwarze Kochwäsche, das geschulte Auge ist danach in der Lage Unterschiede wahrzunehmen.

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Das Julikind hat eine Verabredung zum Pferde versorgen und ist ganz hibbelig. Wir anderen sind eingeladen, Kaffee zu trinken , solange. Mit einem strahlenden Lächeln teilt das Julikind uns mit, sie dürfe sogar Reiten und verschwindet. Das Maikind geht derweil mit einem Freund zusammen mit dem Hund eine Runde durchs Feld. Der Liebste und ich bleiben einfach sitzen, trinken den restlichen Kaffee und genießen den Garten. Man sitzt so schön und guckt so schön, zum ersten Mal in diesen Ferien fühlt es sich wie Urlaub an. Dann gehen wir den Reiterinnen entgegen, es werden ja Fotos gebraucht.

Abends werde ich umarmt, mit den Worten, „Mama, das war ein richtig schöner Ferientag, heute“. Hach, das freut mich.

Herzlichen Dank ins Tal!

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Spontan verabrede ich mich mit der Freundin für eine weitere Etappe des örtlichen, frisch zertifizierten Premiumwanderweges. Morgens um neun ist es schon richtig warm. Von der Haustür aus erreichen wir nach etwa vierzig Minuten einen Weg, den keine von uns je gegangen ist. Obwohl wir quasi schon immer hier wohnen und seit mindestens 14 Jahren Hunde habe.

Premium, es stimmt wirklich.

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Wir sehen einen Kometen und 12 Fledermäuse. Wobei, es könnten auch weniger Fledermäuse gewesen sein, die mehrmals vorbeiflogen. Das lässt sich schwer feststellen.

ungewohnte Ereignisdichte

Der Liebste hat schon länger was, nun ist klar, es bedarf einer ambulanten OP. Zur Auswahl standen ein Termin jetzt oder Mitte September, statt Sommerurlaub also Krankschreibung, ist dieses Jahr nicht tragisch.

Hunde bekommen ja nach Operationen so einen Kragen. Etwas in der Art wäre wohl auch nötig gewesen, denn „so eine Kleinigkeit“ hält den Liebsten ja von nichts ab. Über den Tag sammeln sich so drölfizig halb erledigte Arbeiten, die in guter Absicht angefangen wurden, mit einem Arm aber nicht zu Ende zu bringen waren.

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Abends um neun freue mich darauf, gleich mal auf dem Sofa zu sitzen. Nur noch kurz die Wäsche im Keller abnehmen, die da schon drei Tage hängt. Als ich die Tür öffne bemerke ich ein Geräusch, rechts über mir an der Wand, dass ich nicht zuordnen kann. Oh, der gesamte Kellerfussboden steht unter Wasser, ein Rohr ist undicht daher das Geräusch.

Was für ein Glück, dass wir alle zu Hause sind. „Höhö, guck mal, der Eimer steht gar nicht, der schwimmt“, sagt das Maikind. Ich habe an diesem Tag nicht mehr auf dem Sofa gesessen.

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Bin ich froh, dass alles was gekocht werden musste bereits gekocht war. Partyvorbereitung ohne Wasser aus dem Wasserhahn ist – mal was anderes.

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Handwerker kommen zwei Stunden, bevor die Gäste eintreffen, ich war schon ein bisschen unruhig. Jetzt kann ich sogar noch duschen. Nach 18 Stunden ohne Wasser weiß ich das zu schätzen.

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Die Party wurde aufgeteilt. Das Julikind hatte Bedenken, wie es wohl wird, wenn keine Kinder kommen. Das war aber überhaupt kein Problem. Alle Erwachsenen haben sich Zeit für sie genommen und sie hat den VIP Status sehr genossen.

Es waren tatsächlich alle fünf Omas da. In Anwesenheit einer Hundertjährigen hatten die anderen merklich weniger Beschwerden aller Art.

Partyspiel, knapp nichts passiert

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Ich bringe das Märzkind auf den Campingplatz und helfe beim Ausladen des Gepäcks. Mein Plan war eigentlich, dann wieder nach Hause zu fahren. Eine engagierte Mutter-Kollegin bietet Hilfe beim Zeltaufbau an und spannt mich mit ein. So verbringe ich eine Stunde auf einem Jugendzeltplatz.

Ich bin froh, dass ich wieder gehen kann, mit dieser Erkenntnis altere ich auf der Rückfahrt schlagartig.

Ein Corona-Moment schleicht sich ein. Die sorgsam ausgefüllte Teilnehmerliste und Gesundheitszettel, die auf der Webseite gefordert wurden wollte bei der Anmeldung niemand sehen. Auf dem Platz war vom Virus keine Spur. Ich gönne es den Kindern von Herzen, ein mulmiges Gefühl habe ich trotzdem.

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Nachdem ein halbes Jahr keine einzige Anfrage kam, hätte ich in dieser Woche so was von die Ferienwohnung vermieten können!

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De Omma hat ihren Geburtstag auch aufgeteilt. So können wir uns in der erweiterten Kernfamilie mal unterhalten. Man überlegt, wann wir uns das letzte Mal so gesehen haben. Es muss das erste Märzwochenende gewesen sein. Danach wurde dicht gemacht.

Im Tratsch erfahre ich, dass Putzkräfte in Feriendörfern ähnliche Arbeitsbedingungen haben, wie Mitarbeiter in Schlachthöfen. Man sei da letzte Woche misstrauisch geworden, weil die fünfunddreißigste Person eine Wohnadresse in einem Einfamilienhaus angab. Vermutet wurde Betrug, der Außendienst hat dann eine Situation vorgefunden.

Wir stellen mit einigem Erstaunen fest, dass die Lage um uns herum gerade ähnlich ist, wie Anfang März. Wir sitzen entspannt im Garten dabei.

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Das Julikind hatte eine Reitstunde. Ich habe in der zwischenzeit eine Stunde auf der idyllischsten Bank gesessen, die man sich vorstellen kann. Das war sehr erholsam.

Sind das wirklich schon Stoppelfelder? Ich habe kein Zeitgefühl mehr. Halbzeit der Sommerferien. Nur noch sechs Wochen bis Spekulatius, verrückt.

03/2020, erstes Drittel

Die häusliche Elektrik verlief, wie so oft, etwas anders als erwartet. Deshalb hatte der Liebste dann doch einen spontanen Außeneinsatz inklusive Baumarktbesuch. Wir haben jetzt wieder Strom im Wohnzimmer, auch wenn jemand im Garten Licht anmacht. Darüber freue mich.

Die andere Baustelle geht voran, langsam aber stetig. Bisher keine besonderen Vorkommnisse, das macht mich misstrauisch. In der Regel lässt sich das Haus nicht so gerne renovieren.

Frühlingsvorbereitungen laufen an. Diese Saison braucht es einen neuen Honigrührer und eine neue Beetbepflanzung. Vorentscheidungen wurden getroffen.

Felix ist verstorben. Der Hund von „wo wir immer die Milch holen“. Er war schon länger krank und ist eines morgens einfach nicht mehr aufgestanden. Wir haben ihm einen Moment feierlich gedacht. Seine Gene hat er weitergeben, auch in den Nachbarorten, oft und gern.

Diese Woche war es zum ersten Mal seit langer Zeit, warm und trocken genug, dass das Julikind einen ganzen Nachmittag lang mit der Hecken-clique draußen sein konnte. Halleluja.

Dem Maikind ist quasi über Nacht alles zu klein geworden. Gut, bei den Mengen an Nahrung, die er die letzten Wochen zu sich genommen hat, hatte ich damit gerechnet, dass er wächst. Aber so? My lovely Mister singing Club. Wir werden einkaufen müssen, er gewöhnt sich gerade an den Gedanken.

Geburtstagsvorbereitungen laufen. Ich hatte eine Idee, was man dem Märzkind schenken kann. Keine zündende Idee, aber immerhin.

Die Steuererklärung ist in Planung, davor muss aber noch einiges erledigt werden. Computer kaufen, Daten rumtüddeln, und so. Es gab einen Tipp, der das vielleicht beschleunigt.

Habe den Heizungskeller durchgefegt, weil sich der Schornsteinfeger angekündigt hat. Der vorher/ nachher Effekt war so verblüffend, dass ich entschieden habe, die Heizung mal abzusaugen, nur so ganz grob, natürlich. Ich möchte mir an dieser Stelle selber den Rat geben, das öfter zu machen (als alle 10 Jahre, hüstel).

Der Hund kann jetzt an dem bissigen Hund vorbeigehen, ohne panisch zu reagieren. Solange beide an der Leine sind passiert anscheind nichts. Die Kinder gehen im Moment freiwillig die Nachmittagsrunde spazieren. Das entspannt alle. Man fragt sich allgemein, was wir die letzten vier Jahre ohne Hund gemacht haben. Obwohl, wir haben weniger geputzt…

Ich wollte nicht in Verdacht geraten, den Tod zu bringen. Deshalb habe ich zum ersten Mal seit längerem ohne Dosen an der Wurst und Käsetheke eingekauft. Es begann wegen Weltrettung, ist mittlerweile aber einfach Faulheit. Ich hatte vergessen, wie lange es dauert, den ganzen Kram aus dem Papier in die Dosen zu räumen, und dann muss man auch noch den Müll rausbringen…

Ich kaufe tatsächlich öfter Haferflocken, Mehl, Zucker, Nudeln, Reis, getrocknete Linsen und Bohnen, nicht als Regaldeko, wir essen das. Hier im IrgendwoaufdemLand ist es immer gut, wenn manche Lebensmittel länger haltbar sind. Man braucht einen Vorrat, einfach, weil man manchmal ein oder zwei Tage später zum einkaufen kommt, als gedacht. Ich hab doof geguckt, am Montag nach der Zombi-Apokalypse, alles weg. Gestern waren Nudeln aber im Angebot, ätschibätschi.

Ich habe über das Verhalten von Menschen in unbekannten Situationen nachgedacht. Und mich gewundert, immer wieder.

Gemeinsam mit dem Liebsten festgestellt, dass wir anscheind unterdurchschnittlich viel Angst haben, davor, Pläne spontan geändert zu bekommen. Das kann einem nämlich auch einfach so mitten im Leben passieren. Darauf haben wir angestoßen, mit einem 6er Pack Corona.

Gewöhnliche Zombie-Apokalypse

Der Liebste war vor mir wach und sitzt schon am Frühstückstisch. Er wirkt etwas grummelig. Auf Nachfrage zeigt er mir mehrere im Garten verstreut liegende Teile von – oh, das war gestern noch unsere Aussenlampe. Da haben die Waschbären heute Nacht einen Punkt gemacht.

Seit etwa einem Jahr läuft ein Wettrüsten am Vogelhaus. Ich hatte vorgehabt, nur so viel Futter reinzutun, wie die Piepmätze an einem Tag schaffen. Nachts wäre dann nichts da. Aber hier geht es ums Prinzip, und ich gebe zu, es ist unterhaltsam. Wir trinken Kaffee und überlegen dabei, wie die Waschbären das wohl geschafft haben.

Dann hupt das Bäckerauto vorm Haus. Der Liebste hat als erster seinen Geldbeutel gefunden und geht. Ein paar Minuten später kommt er mit zwei kleinen Broten zurück. Das Bäckerauto sei fast leer gewesen, das sah ganz seltsam aus. Die Frau hat gesagt, sie habe schon telefoniert, damit Nachschub gebracht wird, aber im Laden ist auch alles weg. Coronavirus. Quarantäne ohne Plunderstückchen, das will man sich ja gar nicht vorstellen.

Das Julikind kommt an den Tisch, im Schlafanzug mit Strubbelfrisur, Müslischale in der Hand, Cornflakespackung unterm Arm. „Kaufen wir heute auch so viel ein wie die Leute in den Nachrichten?“ Ich erkundige mich erstaunt, wo sie denn schon Nachrichten gesehen habe. Auf YouTube. Da stehen Polisten vor Aldi, weil so viele Leute auf einmal reinwollen oder so. „Nee, wir nicht, ich war diese Woche schon einkaufen.“

„Sehen wir das zu entspannt?“ fragt mich der Liebste. Also: Ich habe die letzten drei Wochenende in Folge mit drei Kindern und einem nicht ausgelasteten Hund im Haus verbracht. Wir hatten Wetterwarnungen wegen: Sturmböen, orkanartigen Böen, Sturm, Orkan, Dauerregen, ergiebigem Dauerregen, Hochwasser, Schneefall und Glätte. Ausserdem gab einen terroristischen Terroranschlag und eine Amokfahrt in einen Karnevalszug, jeweils so dicht dran, dass ich die dazugehörigen Verkehrsumleitungen im Radio hören konnte. Es wäre möglich, dass Gewöhnung eingetreten ist.

Nur zur Sicherheit schaue ich auf einer seriösen Nachrichtenseite im Internet nach. Jo, es gibt wohl Corona, ein bisschen mehr als gestern, das Risiko wird als gering eingestuft. Man soll sich nach Möglichkeit nicht gegenseitig anniesen und hin und wieder mal die Hände waschen.

Das Julikind hat sein Frühstück beendet und der Liebste guckt mich fragend an. „Die anderen sind bekloppt“, fasse ich zusammen. Das habe er sich schon gedacht, sagt der Liebste, bestimmt war irgendwas auf Facebook. Dann schweift sein Blick wieder nach draußen. „Wenn die Stromkabel jetzt eh schon frei liegen, dann könnte man eventuell….“

Nein. Ich habe eine bessere Idee.

Herzliche Grüße an den fernreisenden Elektriker, läuft bei uns.

Scherben und Europa

Bettwäsche, Handtücher, Tischdecken, Putzzeug, alles ist einsatzbereit. Ein Blick auf die Uhr, wenn es gut läuft schaffe ich den Ferienwohnungsgästewechsel noch bevor die Kinder nach Hause kommen.

Es klingelt. Der Gast bittet mich, nochmal mit in die Wohnung zu kommen, es sei etwas kaputt gegangen. Oh, oh. Die kleine Ferienwohnung nebenan gehört mit zu dem 100 Jahre alten Haus, in dem wir wohnen. Hier ist gar nichts normgerecht. Erneuerungen sind meist zeitaufwändig und erfordern Gesprächskreise mit befreundeten Handwerkern. Das würde heute alles nicht so passen.

Auf dem Weg erklärt mir der Gast, dass der ferngesteuerte Roboter seines Sohnes leider das Kabel der Nachttischlampe mitgezogen habe. Die ist jetzt in tausend Teile zerbrochen. Ach, ich bin erleichtert. Das ist ja nun kein Problem, versuche ich den Gast zu beruhigen. Die Lampen sehen zwar stylisch aus, sind aber nicht teuer.

Er bittet mich, den Schaden zu begutachten. Ja, die Lampe ist eindeutig kaputt. Nein, dass ist kein Problem, ehrlich nicht.

Die Wohnung ist ansonsten sehr aufgeräumt, sie haben sogar den Müll schon rausgebracht. Beide Kinder waren als mitreisende Personen angegeben. Das ist alles nicht selbstverständlich. Es sind nette Gäste, und ein bißchen Schwund ist immer.

Nein, bitte, er möchte die Lampe ersetzen, ich solle einen Preis nennen. Ach was, das ist nicht nötig.

Der Mann blickt hilfesuchend zu seiner Frau. Sie steht gerade mit einer Plastikverpackung vor den vier Mülltüten, die sie am Zaun aufgereiht hat und überlegt. Mülltrennung ist sehr deutsch und gehört wahrscheinlich zum Urlaubserlebnis.

Die Gäste sind Europäer. Die Eltern kommen aus Osteuropa, ihr Englisch kann ich gut verstehen. Die Kinder sind in England aufgewachsen, ihr englisch klingt sehr britisch. Die Familie hat sich hier mit Freunden zum Ski fahren getroffen, die in Frankreich und Skandinavien leben. Mit der Frau habe ich mich diese Woche schon mal sehr nett unterhalten.

Sie kommt dazu und bittet mich ebenfalls, die Lampe bezahlen zu dürfen. Ich glaube, es geht hier nicht wirklich um Geld. Es ist ihnen irgendwie ein Bedürfnis den Schaden zu beheben.

Na gut, wenn sie unbedingt wollen, dann könnten sie mir 10 Euro geben, entscheide ich. Die Frau lächelt und drückt mir 20 Euro in die Hand. Nee, nee, ich hole Wechselgeld.

Als ich ihr das Wechselgeld gebe bedankt sie sich, und kommt ins erzählen. Letzen Herbst habe es Probleme gegeben, bei ihnen im Viertel. Sie zögert kurz. Mit Zigeunern. Die hatten auf einer Grünfläche ein wildes Camp errichtet. Es war ziemlich chaotisch, viel Müll und die Bewohner des Camps hätten gepöbelt und auch geklaut. Da es Osteuropäer waren, ist die Familie schnell in den selben Topf geworfen worden. Natürlich könne man den Ärger der Anwohner verstehen, aber – ihre eigenen Kinder hatten irgendwann Angst auf die Straße zu gehen. Es war nicht schön.

Mir wird einiges klar. Ich hatte noch nie Probleme mit Gästen aus Osteuropa, erzähle ich ihr. Eher im Gegenteil, sie hinterlassen alles besonders ordentlich, wenn ich darüber nachdenke. Mit einem Lächeln weise ich auf die säuberlich arrangierten Mülltüten. Vielleicht ist das der Grund. Naja, sagt der Mann, man bemühe sich.

Sie sollen sich keine Sorgen machen, sage ich den beiden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jede Nation ihre Idioten hat. Deutsche verstehen das, die meisten jedenfalls.
Der Mann lächelt, er schüttelt mir zum Abschied die Hand und bedankt sich ganz herzlich für die Gastfreundschaft. Als sie schon am Auto sind dreht er sich nochmal um: „Und wenn ihr mal im Winter nach London wollt,“ ruft er mir zu, „meldet euch, dann können wir Wohnungen tauschen“. „Das ist eine gute Idee“, rufe ich zurück. Alle winken fröhlich.

Erst als sie um die Kurve fahren fällt mir auf – niemand hat auch nur ein Wort über den Brexit verloren.