KW44/2021

Märzkind ist auf einen Geburtstag eingeladen. Sie fährt dann in einer halben Stunde und bräuchte noch ein Geschenk. Ähm, ja. Ein bisschen verhuscht laufe ich durchs Haus. Geschenk in einer halben Stunde habe ich doch früher dauernt gemacht. Wieso fällt mir das denn auf einmal so schwer? War in diesem Jahr überhaupt schon irgendwer auf einem Kindergeburtstag eingeladen? Ich glaube nicht. Normalerweise bestreiten wir etwa 28 Kindergeburtstage im Jahr. 28 gesparte Geschenke, wo ist eigentlich das ganze Geld? Im Heizöltank, sagt der Liebste.


Morgens um halb sechs steht der Hund bei mir vorm Bett. Allerhöchste Zeit zum Aufstehen, sagt er. Er weiß nichts von Zeitumstellung und Wochenende.


Ich freue mich über die bunten Blätter. Die Herbstfarben haben mir gefehlt, in den beiden Dürrejahren. Das Fegen eher weniger.

Ein Laubbläser-Geräusch am Montag morgen. Die letzten beiden Wochen hatte ich halbherzig den Bürgersteig ein paar Meter weit gefegt, soweit, wie ich halt abends mit dem Hund noch gehe, in Latschen. Die Straße nicht. Die sah aus wie ein riesen Komposthaufen. Vier Leute arbeiten drei Stunden. Wow! Wenn mal acht Wochen lang garnichts gemacht wird, weiß man das hinterher wieder anders zu schätzen. Vielleicht soll das so.


Jacke aus, Schuhe aus, Maske in den Müll, so könnte das gehen. Man kann die Masken aber natürlich auch in die Jackentasche stecken oder in die Sporttasche, in die Mützenkiste, auf dem Rücksitz liegen lassen, unter die Sonnenblende stecken oder ins Autotürfach, man kann sie in die Ritze zwischen Bett und Matratze klemmen, auf die Kommode legen oder in einen Schuh reintun…


Ein Telefonat zum Thema Rettungswagen, letzte Woche. Das hat jeder aus einer anderen Perspektive mitbekommen. Zusammengetragen ergibt sich ein neues Bild. Wenn in so Lebensgemeinschaften einer wegbricht, und sei es nur für ein paar Tage, sieht man mal, wie das große Ganze eigentlich funktioniert. Wir schalten Seniorenbeobachtungs-Level 2 frei: Austausch von Neuigkeiten, die im Notfall gebraucht werden könnten.


Die Arbeitslehre-Lehrerin vom Maikind macht Stress. Schüler-Praktikumsplatz für Ende März nächstes Jahr, hex hex.


Auto ist nicht durch den TÜV gekommen. Zum Glück nur Kleinigkeiten.


Der Fuss des Liebsten, da ist doch irgendwas nicht richtig. Ich könne ja beim Arzt anrufen, wenn ich meine, dass das nötig ist, sagt er, aus seiner Sicht ist alles tutti. Ich beobachte das schweigend einen weiteren Tag und mache dann einen Termin.

„Und?“ frage ich, als er wieder ins Auto einsteigt. „Du hattest recht“, sagt er. Verheiratete Männer leben länger, wegen sowas, vermute ich. Sagen muss ich das nicht, ich kann so gucken.


Eine Trennung im Freundeskreis. Ein Telefonat, wie nach einem Trauerfall. „Oha, ja, Weihnachten. Da ist es wahrscheinlich egal, was du machst. Weihnachten wird richtig scheiße, dieses Jahr.“ Am anderen Ende des Telefons wird einmal kurz gelacht. Ich entschuldige mich. Ich bin kein guter Motivationstrainer. „Immerhin fällt dir was ein, was man sagen kann, in solchen Fällen“, sagt der Liebste. „Und es ist ja so“, sagt die Stimme am Telefon, „schöne Worte helfen auch nicht“.


Alles in allem würde ich sagen, der November hat noch Luft nach oben.

KW 43/2021, oh oh & ein leises hohoho

Der Apfelsaft steht schon etwas länger in der Küche. Ich wollte ja sowieso mehr trinken, das ist doch eine gute Gelegenheit. Ich gieße mir den letzten Schluck mit Wasser auf und trinke noch vor dem wachwerden ein großes Glas Apfel….wurks. Beim vorletzten Schluck wird mir klar, so sollte es nicht schmecken. Eine sauer gespritze Schorle, Montag morgen um viertel nach sechs. Willkommen, neue Woche. Gut, dass ich das nicht in die Flasche vom Julikind gefüllt habe.


Der neue Klassenkamerad ist ein alter Bekannter, sagt das Maikind. Och nö.


Dieses Kapitel soll sie zusammenfassen, sagt das Julikind. Aber – ganz ehrlich – sie hat keine Ahnung, was da wichtig ist. Ich biete an, ihr das Kapitel nochmal vorzulesen, vielleicht kann sie es dann besser verstehen. Nein. Ich auch nicht. Wer bis jetzt noch gern gelesen hat, dem wird es mit dieser Schullektüre sicher vergehen. Das Buch stammt aus der Mitte der neuziger Jahre und wurde lieblos aus dem französischen übersetzt, Sätze schlängeln sich über fünf Zeilen, ohne irgendeine erkennbare Aussage. Sowas muss nicht reformiert oder digitalisiert werden. Das kann einfach weg, finde ich.


Das Julikind wollte ins Kino, am Samstag. Da braucht man einen aktuellen negativen Coronatest, wenn man nicht geimpft ist. Mit elf ist man nicht geimpft. Ich habe einen Termin im Testzentrum gebucht, der wurde mir per email bestätigt. Samstag morgen stellen wir fest – das Testzentrum gibt es nicht mehr. Da ist niemand, am genannten Ort zur vereinbarten Zeit. Planung wird kurz durcheinander geworfen. Das Julikind kommt sich „jetzt aber schon ziemlich verarscht“ vor.

Es wurde ein Testzentrum gefunden, dass samstags ohne Termine testet und sie haben es rechtzeitig geschafft. Aber, es war doch blöd genug, dass ich nachmittags eine Antwort auf die Bestätigungsmail vom Rathaus schreibe. „Herzlichen Dank für Nichts“ mit freundlichen Grüßen. Eigentlich nur für meine seelische Gesundheit, ich hatte keine Reaktion erwartet.

Montag nachmittag steht der Bürgermeister bei uns vor der Tür. Er entschuldigt sich beim Julikind. Sie bekommt erstmal eine Tüte Süßigkeiten und Kinogutscheine wird man ihr zuschicken. Als die mail auf seinem Tisch gelandet ist, habe er erst gedacht, da regt sich wieder einer auf, aber als er dann die Bestätigungsmail gesehen hat, das ist ja wirklich blöd gelaufen. Vielen Dank, dass ich mich gemeldet habe. Ich war die erste, die was gesagt hat. Das Testzentrum sei ja schon seit drei Wochen zu und sie haben alle links von ihrer Seite runtergenommen. Wie ich denn an diesen Termin gekommen sei? Über die Seite vom Kreis, das war ganz einfach. Oh ha, dann wurde da etwas übersehen. Eine Kleinigkeit eigentlich aber, man kann man nur hoffen, dass nicht allzu viele Leute Termine gebucht hatten und jetzt sauer sind, ohne was zu sagen.

Da hat sich das Nörgeln ja mal richtig gelohnt. Eine ganz ungewohnte Erfahrung. Wir freuen uns.


Ich höre einen Rettungswagen. Er fährt an unserem Haus vorbei, und kommt zurück? Das Geräusch hört auf. Ich wollte gerade mit dem Hund raus, ein Blick aus der Haustür – oh, oh. Die parken bei uns und gehen zum Nachbarhaus. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten, und wenn einer von beiden einen Arzt braucht, sind bestimmt beide in Not. Ich greife im Gehen ein Maske und informiere den Liebsten, dass ich erstmal drüben gucke, der Hund muss warten. Zum Glück muss ich nichts weiter tun. Die Nachbarin hat alles im Griff. Ich gehe wieder. Rettungseinsätze haben keinen Unterhaltungswert für mich.


Eine Ladung Apfelmus haben wir eingekocht. Ich staune, wie schnell das ging. Naja, der Liebste hat den ganzen Korb Äpfel alleine geschält, während ich draußen Sachen erledigt habe, daran könnte es gelegen haben. Es ist richtig lecker geworden. Während wir so zu dritt in der Küche stehen und unsere Schüsselchen aus dem 10 Liter Topf füllen, ergibt sich ein Gespräch.

Wir schließen ein Abkommen zur kalorienreduzierten Vorweihnachtszeit. Es wird Gebäck geben, aber nur jeweils eine Teller voll, wenn alle, dann weg. Ich hatte Bedenken, das könnte ungastlich sein. Ach was, sagen die anderen, Plätzchen sind hier so lecker, da kann man nicht aufhören und die Gäste wollen doch eigentlich auch nicht fett werden.


Als ich sagte „ich wechsele keine Winterreifen“ meinte ich, dass ich nicht einen Nachmittag lang mit Wagenheber und Drehmomentschlüssel in der Scheune verbringen möchte. Die Reifen ins Auto laden, damit irgendwo hin fahren, wo es eine Hebebühne und ein Schrauberteam gibt, das die Reifen aus dem Auto ausläd, innerhalb weniger Minuten tauscht und die Sommerreifen wieder ins Auto packt, das würde ich wohl machen. „Ach sooo“, sagt der Liebste. „Hä?“ sage ich, weil mir gerade erst klar wird, dass wir da aneinander vorbei geredet haben.


Warum ich ihn eigentlich seit neustem 10 Minuten später wecke, möchte das Maikind wissen. Tue ich nicht. Ich richte mich nach Küchenzeit. Wenn ich da um 6.58 Uhr losgehe komme ich um 7.10 Uhr in seinem Zimmer an. So groß ist das Haus nicht, da passt irgendwas nicht. Ich stelle mich auf den Flur und bitte alle, mir die Uhrzeit zuzurufen. Es gibt Differenzen von insgesamt 12 Minuten. Faszinierend, dass sie alle den Bus erwischt haben, sagt das Maikind. Wir lassen das erstmal so. Sonntag wird sowieso die Uhr umgestellt.


Weihnachtswünsche abgefragt. Sachen gedacht. Rumgegoogelt. Liste geschrieben. Hohoho. Mögen die Spiele beginnen.

KW39/2021

Da war doch was. Wegen des leicht verdichteten Alltags habe ich am Sonntag nur den Zettel in den Kasten geworfen und dann garnicht mehr weiter dran gedacht. Haben wir eigentlich eine Regierung? Dauert wohl noch ein bisschen. Wer da wann mit wem über was spricht interessiert mich gerade überraschend wenig, stelle ich fest. Die sollen einfach sagen, wenn sie fertig sind.


Jetzt koche ich schon seit 6 Wochen. Normalerweise reichen meine 15 Standard-Gerichte, zwischendurch kocht immer mal wieder der Liebste, der macht das ganz gerne. Mittlerweile bin ich auch mit allen nicht Standard-Gerichten durch. Ich habe keine Ideen mehr – und keine Lust, um ehrlich zu sein. *Werbung, unbezahlt, unbeauftragt Da scheine ich aber nicht die einzige zu sein, denn es gibt eine ganz einfache Lösung. Chefkoch-Rezepte-Wochenplan-KW40-schnelle Alltagsküche. Einkaufszettel schreiben. Fertig is die Laube.


Telefon klingelt. Die Brombeeren müssen gepflückt werden, sagt de Omma. Gut, ich gucke, wie ich es einrichten kann, sage ich. Nein, sagt de Omma, die müssen heute gepfückt werden, nicht „wenn ich es einrichten kann“, jetzt. Jetzt, kann ich nicht, wenn es denn heute unbedingt sein muss, werde ich das schon irgendwie hinbekommen, aber dann muss sie es aushalten, wenn die noch hängen bis heute nachmittag um fünf.

Oh, da wurde anscheind ein neues Level freigeschaltet, denke ich. So habe ich noch nie mit meiner Omma gesprochen. Das ist kein Problem, sagt die Omma, sie sei sowieso den ganzen Nachmittag im Garten.

Beeren pfücken mit Ommas Hilfe ist anstrengend. So wie ich das mache, einfach alle in den Eimer rein, so geht das nämlich nicht, da hängen ja zum Teil sogar noch die Stiele dran. Oooooommmmmm. „Ich tue die gleich alle so in den Entsafter, und mir ist es total egal, wenn da noch Stiel dran ist, Johannisbeeren entsafte ich auch mit Stiel, das macht mir garnix“, sage ich. Die Omma murmelt. „Jetzt sag nicht, tu pulst jede einzelne Johannisbeere ab, vorm Entsaften“. „Nee“, sagt die sie, bei Johannisbeeren sei das anders, abgesehen davon ernte ich viel zu schnell, wenn sie das macht, das dauert länger. Sie ist 89. Ich richte meinen Blick gen Himmel und flehe um die Rückkehr der Senioren-Nachmittage. Die Alten müssen sich wieder einmal im Monat gegenseitig volllabern, sonst werden wir alle wahnsinnig, diesen Winter.


Bienen füttern, die zweite Runde. Einige Völker haben alles bis auf den letzen Tropfen verwertet, bei manchen ist der Eimer noch halb voll, ein Volk hat noch nichtmal angefangen. Ich hebe die Beuten an einer Seite leicht an und murmele so vor mich hin. Wieviel 6 Kilo Schmutzwäsche sind, das kann ich in etwa sagen, aber wie schwer ein Bienenkasten vor dem Winter sein muss, da hab ich kein Handgewicht, machen wir uns nichts vor, ist Glücksache, diesen Winter.


Wieder mal muss ein Fuss in die Chirurgie begleitet werden. Es gibt da einige Möglichkeiten, wir probieren erst alle anderen bevor was geschnitten wird, sagt die Ärztin, das Julikind ist erleichtert.


Meine Güte, die Mengen, die ich an Lebensmitteln einkaufe, kann das denn sein. Jo, kann es. Der Liebste kauft sonst teilweise selber ein, und nimmt das direkt mit an die Arbeit. Außerdem hat der Schulkiosk geschlossen, weil, wegen Bauarbeiten auf dem Gelände gibt es das Gebäude im Moment nicht.

Ich bin ein bisschen erleichtert, dass heute eine andere Fleischereifachverkäuferin Schicht hat und ordere, 40 Scheiben Salami, 20 Scheiben Mortadella, 20 Scheiben Schinken und 30 Scheiben Käse – zum dritten mal in dieser Woche. Die drei Brote, die ich Dienstag morgen am Bäckerauto geholt habe sind Donnerstag abend weg. Zum Glück war noch was eingefroren.


Haben wir eigentlich noch Arbeitshandschuhe vorrätig, zum Holzstapeln? Ähm ja, aber nein. Es gibt eine Sammlung an einwandfreien linken Handschuhen in verschiedenen Größen und Ausführungen. Leider kann man nur mit linken nicht viel anfangen. Es werden also neue gebraucht. Überraschung, ich habe die kleinsten Hände. Ich besorge also Handschuhe in meiner Größe und eine Nummer größer für das Märzkind und noch eine Nummer größer für das Maikind. Ein sentimentaler Moment vorm Baumarktregal. Ich weiß noch, wie schwierig das war, damals, die kleinen Finger in den kleinen Handschuhen zu sortieren.

Eine Wagenladung Holz verräumen die drei plus eins Kinder ganz alleine. Das ist toll. Im Haus ist nämlich auch einiges liegen geblieben.


Besonderer Dank gilt diese Woche an den netten Besuch, der Spritzgebäck mitbrachte. Das kam genau zur richtigen Zeit, in einer Menge, die alle Herzen im Haus erfreuen wird.

Bienen, Kühe, Hirsche & Menschen

Im Supermarkt ist das volle Weihnachts-Süßigkeiten-Sortiment aufgebaut. Die ersten bunten Blätter sind zu sehen. Morgens bei der frühen winzigen Hunderunde und abends bei der letzen hören wir die Hirsche röhren. Der Hund ist leicht verwirrt. Das war doch sonst nicht.

Hallo Herbst! Die erste Jahreszeit dieses Jahr, die ich bewusst wahrnehme. Frühling und Sommer sind an mir vorbeigerauscht.


Beim Wäsche aufhängen komme ich mit dem Gast der Ferienwohnung ins Gespräch. Er spricht mehrere Sprachen, deshalb ist er meist derjenige, der Kollegen nach Unfällen mit ins Krankenhaus begleitet. In Deutschland muss man lieber nicht ins Krankenhaus, sage ich. Garnicht hin zu müssen ist natürlich immer am besten, da sind wir uns einig, aber wenn, dann sei Deutschland „the best“, sagt er. Belgien wäre auch sehr gut, in Polen aber, wenn man da keine pivate Versicherung hat, dann dauert es, bis jemand Zeit hat. Sein Kollege hatte sich die Fingerkuppe abgesägt, 6 Stunden haben sie gewartet und das Blut die ganze Zeit so – er macht eine Handbewegung Richtung Boden – „not good“. Oh. Mit dem Wissen das ich jetzt habe, würde ich sagen, da ist wirklich alles prima gelaufen, bei dieser Fuss-Sache de Liebsten. Für die Möglichkeit der Krankenversicherung für alle bin ich eh immer dankbar.

Am gleichen Tag begegnet mir die pflegende Freundin. Wir haben uns schon eine Weile nicht gesehen, und unterhalten uns kurz. Sie hatte sieben Tage Dienst am Stück und war sowas von fertig. Da ging nichts mehr. Vier Leute hätten sie sein sollen, in der Schicht, es ist jemand krank geworden, also haben sie es eben zu dritt gewuppt, es gibt niemanden mehr, den man anrufen könnte. Während Corona hatte sie die Hoffnung, dass sich was ändert. Danach sieht es nicht aus. Vielleicht fängt sie an, sich nach etwas anderem umzusehen. Das schwingt schon länger mit, wenn sie erzählt, aber laut gesagt hat sie es zum ersten mal.


Ich habe 100 Kilo Zucker gekauft, und weil ich schon mal im Großhandel war, noch 5 Kilo Spagetti dazu. Die Frau an der Kasse hatte ein großes Fragezeichen im Gesicht. Diese Kombination wird wohl nicht häufig genommen. „Bienenfutter und Teenager“ erkläre ich. „Ach, ja. Für Bienen. Sicher. Man nimmt den Honig raus – und dann brauchen die ja irgendwas – sicher. Da denkt man ja sonst nicht drüber nach, fressen die denn Zucker?“ Jo, tun sie.

Ich habe 50 Kilo Zucker zu Sirup gekocht und auf die Bienenvölker verteilt. Es lief etwas holprig. Der Liebste hat Garage und Scheune so organisiert – das ist für mich nicht intuitiv bedienbar. Ich musste alles suchen. Was ich fand, war zum Teil nicht einsatzbereit. Ich habe improvisiert und die nächste Runde wird schneller gehen.


Der Hund von „wo wir immer die Milch holen“ hatte einen Unfall. Vorsichtig erkundige mich, wie es ihm geht. Geht so, erfahre ich, drei Wochen muss er noch ruhig gehalten werden, richtig ruhig, das ist natürlich nicht sein Ding, aber muss, es war knapp. Tja, da könnte er sich mit dem Liebsten zusammentun, der muss auch noch drei Wochen ruhig gehalten werden. Wir kommen ins Gespräch.

Es wird neue Kühe geben demnächst, die Umstellung hat gerade angefangen, ob ich mal gucken will. Jo, gerne, ich mag Kühe. Die neuen Kühe sind eigentlich alte, also eine alte Rasse. Der Unterschied ist im direkten Vergleich leicht zu erkennen, die sind kleiner und haben Zitat: „stabilere Füsse und einen dickeren Arsch“, ( sehen aus wie die in den Ali Mitgusch Wimmelbüchern). Sie geben weniger Milch. Das macht aber nichts, weil sie länger leben und viel gesünder sind, unterm Strich lohnt sich das. Und so nebenbei wurden noch zwei Galloway-Rinder gekauft. Die sind noch robuster und sollen in der Landschaftspflege arbeiten, das ist jetzt neu, Flächen werden anders genutzt, wegen Wirtschaftlichkeit und Weltrettung. Das freut den Imker-Haushalt.


Der Liebste wird allmählich unruhig. Irgendwas will er auch tun. Egal was. Es muss doch irgendwas geben, von der samstäglichen Haus und Hof to-do-Liste, was man im Sitzen erledigen kann. Das Julikind bietet ihm an, ihre Hausaufgaben zu machen. Nee, nee, sagt er, das nun auch nicht. Tja, da bliebe noch das Sockenmemory und Taschentücher bügeln, sagen die Kinder. Jeder weiß, das der Liebste nix bügelt. Taschentücher bügeln ist hier sowieso Kinderarbeit.

Ich erledige verschiedene Draußen-Aufgaben. Als ich wieder rein komme liegt ein Stapel akkurat gefalteter Taschentücher auf dem Tisch. Ich gucke fragend. Der Knopf für die power-Dampffunktion des Bügeleisens habe geknackt, der darauf folgende Dampfstoss war gewaltig und ging durch das Bügelbrett durch, es sieht so aus, als sei die Taste möglicherweise defekt, jetzt, sagt der Liebste. Eine leichte Brandverletzung auf dem rechten Knie, hat er, natürlich nicht der Rede wert. Aber ungefährlich ist das nicht, bügeln im Sitzen, sagt er.

Lockerungs-Übungen

Seit November gelten Lockdown-Regeln, sie sind Teil unseres Alltags geworden. Dass alle wieder täglich zur Schule gehen können erschien uns vor ein paar Wochen noch als unerreichbar. Jetzt dürfen sie auf dem Schulhof wieder ohne Maske rumlaufen, ab morgen sogar ohne Maske im Unterricht sitzen. Die Masken werden nur noch auf den Fluren und im Bus gebraucht. Es fühle sich seltsam an, alle „so nackt“ zu sehen, sagen die Kinder.

Kickboxen findet wieder statt, Chearleading findet wieder statt, das Maikind macht eine Fahrradtour mit mehreren Freunden, man darf wieder einfach so in alle Geschäfte, sich mit Leuten treffen, das Freibad hat geöffnet… es ist kaum zu glauben.


Endlich passt alles. Die Zahlen sind nicht nur bei uns gut, sondern in Thüringen auch. Wir bekommen Besuch. Die Hunde kennen sich nicht, wir treffen uns auf neutralem Boden. Der Hund muss erstmal üben, Gäste zu haben. Die kleinen Menschen brauchen nur 10 Minuten um sich wieder aneinander zu gewöhnen, die pubertierenden Menschen brauchen einen Moment länger. Vorsichtig erkundige ich mich bei dem mitgereisten Teenager, für was er sich denn interessiert. „Essen, zocken, Schwimmbad, Fahrrad fahren“ Ein Schwimmbad haben wir nicht in der Nähe, aber der Rest ist haargenau das, wofür sich das Maikind auch begeistern kann. Die zwei verschwinden.


Mitten in der Nacht werde ich wach und frage mich wieso. Der Liebste scheint auch wach zu sein, mehr oder weniger. Mit einer Hand wedelt er über seinem Wecker. Der projiziert erst die Uhrzeit an die Decke, beim zweiten Wedeln die Temperatur. 26.6°, aha, so fühlt es sich auch an. Alle Fenster sind auf, die Türen auch, es müsste quer lüften, aber die Luft bewegt sich nicht. Ich döse wieder ein, schlafen kann man das nicht nennen, eine halbe Stunde später kraschpelt es über mir. Ist da jemand auf dem Dachboden? Morgens um halb drei? Lieber mal gucken. Das Märzkind kommt mir entgegen. Sorry, aber sie musste den Ventilator holen, Pluseins krepiert sonst gleich. Verstehe, alles gut. Gerade, als ich dachte, jetzt schlafe ich aber gleich wirklich ein, flackert das Licht vor dem Fenster. Um diese Zeit dürfe da kein Licht sein, vor dem Fenster, und was ist das eigentlich für ein Geräusch? Gewitter, meldet der wache Teil meines Gehirns, aber so richtig. Es ist noch weit weg, aber ich stehe auf und ziehe alle Stecker am Computer des Maikinds. Die Fenster mache ich auch lieber zu. Das nächste mal werde ich davon wach, dass eine Windböe die Gardine ins Zimmer weht, der Liebste war anscheind nach mir nochmal wach, und wollte die Zugluft nutzen.


Die Kinder sind in der Schule, der Liebste hat Frühschicht, da kann ich mal ganz in Ruhe wohnen. Das ist die Gelegenheit. Die Steuererklärung, sie wartet auf mich. Ich habe die Zertifikatsdatei aktualisieren lassen, ich habe die Belege gesucht, ich habe den Zettel mit dem Passwort gefunden. Es gibt keine Ausrede mehr.

Siehe da, wenn man nebenher nicht noch andere Sachen suchen/finden/unterschreiben/erlauben/kochen soll, dann ist es eigentlich schnell erledigt. Das Ergebnis der Probeberechnung schockiert mich. Das ist doch wohl nicht sein. Ich kontrolliere meine Angaben und murmele Kraftausdrücke dabei. Ich telefoniere. Die Steuerfachkraft meines Vertrauens sagt auch, das kann nicht sein, da müssen wir nochmal gucken, ich bin erleichtert. Die Frist endet übrigens erst Ende Juli, nicht nächste Woche.


Elterninfos kommen wieder auf Papier. Einmal Klassenfahrt Phantasialand, zahlbar in bar, bitte in einem Umschlag mit Name drauf, einmal Klassenfahrt Phantasialand bitte überweisen aufs Schulkonto, einmal Wandertag zum Riesen-Spielplatz – 2,50Euro für den Bus zurück mitgeben, einmal Ausflug zum Disc-Golf, die Einverständniserklärungen im unteren Bereich des Zettels jeweils unterschreiben, abschneiden und dem zugehörigen Kind mit passend abgezähltem Geldbetrag aushändigen. Die Infos in den Muttizetteln unterscheiden sich, ich google die Einreisebestimmungen vom Phantasialand nach und trage alles in den Kalender ein.

Ich wette: Sollten die Schulen im Herbst nochmal schließen müssen, wird uns der Distanzunterricht wieder in der gewohnten Qualität angeboten werden.


Etwas nachdenklich sitzen wir abends um halb sieben am See. Die Honigernte war in zweieinhalb Stunden erledigt. Das hat Vor- und Nachteile.

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Frisch Getratschtes: Der neue Teilzeitnachbar hat da dieses Gartenprojekt, er hatte es doch wirklich im Detail erklärt, es wurde schlampig umgesetzt. Er ist enttäuscht. Ich überlege, ob ich mal andeute, dass die Hecke nicht schalldicht ist.

Das AS-Taxi kam spät, das ist nicht weiter schlimm, das Märzkind hat ein mediteranes Zeitgefühl, aber gewundert hatte sie sich doch. Die Fahrerin habe sich entschuldigt, es ging nicht eher. Der Vatter vom Kurt hat Geburtstag, und, wann wird schon mal jemand 92? Das muss man doch feiern, gerade in diesen Zeiten. Deswegen ist der Kurt heute in Frankfurt, und sie fährt zwei Linien, dass muss eben mal einen Tag so gehen. Das muss es, dafür haben alle Verständnis. ( Der Kurt fährt normalerweise die AS-Taxi-Route vom Städtchen bis hier – bei jedem Wetter)

Anfang Mai

Samstag morgen Hundespaziergang mit Pullover und dicker Winterjacke. Sonntag nachmittag sitzen wir auf dem Hof in T-Shirt ganz ohne Jacke.

Der Vatta hat Geburtstag. Niemand war eingeladen, aber wir sind mehr Leute als an Weihnachten. Auffallend viele Motorräder fahren vorbei und Autos mit Fahrrädern hinten drauf. Der erste warme Tag in diesem Jahr, fast wie damals, vor Corona. Ein Polizeiauto fährt vorbei und wir überlegen kurz. Die Omas sind beide voll geimpft und fallen damit seit heute aus den Kontaktbeschränkungen raus. Zwei Personen sind unter vierzehn. Wir sitzen hier quasi zu dritt. Passt.

Der Vatta bietet einen guten Cognac an. Es gibt eine Geschichte dazu, wie er den bekommen hat. Wir trinken auf den Schenker und auf die Gesundheit. Aus Spaß spreche ich de Omma auf platt an. Die hat schon eine Maibowle getrunken und antwortet in aller Selbstverständlichkeit auf platt. Das Märzkind grinst. Mit uns reden immer alle hochdeutsch. Ich kann gar kein Gespräch auf platt führen. Ach, das fällt den Omas aber jetzt erst auf. Sowas. Wie kann das denn sein? Naja, damals wollte man uns was Gutes. Jo, und jetzt sind wir die einzigen, die mitten in Hessen ein aktzentfreies hochdeutsch sprechen. Die Omas versuchen, zu retten, was zu retten ist.

Aus einem Riss in der Teerdecke krabbeln Ameisen. „Do krupen de Kramenzeln uht de ritze ruut.“

*

Nachbarn melden sich. Gerne wird man zum kontaklosen Kuchenbuffet vorbeikommen, gute Idee, sowas haten wir ja auch noch nie. Mit jeder Rückmeldung fällt mir ein kleiner Stein vom Herzen. Das hätte auch doof werden können. Kann es immernoch, sagt die kleine Stimme im Kopf. sssschhhttt.

*

De Omma ruft an. „Samma, die Konfirmation, das ist ja jetzt Sonntag schon.“ Ja, das ist diesen Sonntag, bestätige ich. „Soll ich dir denn einen Kuchen machen?“ Das ist eine rhetorische Frage. Wenn de Omma entschieden hat, dass sie einen Kuchen backt, wird sie nichts und niemand davon abbringen. „Gerne“, sage ich. Sie freut sich und teilt mir mit, was sie backen wird. Wenn das natürlich diese Woche schon ist, dass hatte sie nicht bedacht. Da müsste ich ihr folgendes vom Einkaufen mitbringen…

*

Maikind und Märzkind kommen Dienstag fröhlich von der Schule. Donnerstag ist Feiertag und damit haben sie jetzt Wochenende.

*

Zahnarzttermin fürs Märzkind. Die Mama muss mit, sonst dürfen sie nicht röntgen. Es ist genau wie wir uns das dachten, die Weisheitszähne müssen raus. Ein Termin zum Aufklärungsgespräch soll gemacht werden. Übernächste Woche Donnerstag um elf wäre möglich. Wir gucken uns ratlos an, zählen an Fingern ab. Es tut mir leid, sage ich zu der Frau hinter der Plexiglasscheibe, ich rufe sie gleich an, wenn ich vor dem Kalender stehe. Niemand von uns weiß, wer übernächste Woche Donnerstag Schule hat.

Wenn wir dann schon im Städtchen sind, können wir auch gerade noch in der Drogierie einen Haarreif und eine Strumpfhose besorgen, beim Tierarzt eine Wurmkur und beim Hausarzt ein Attest holen und den Wocheneinkauf machen.

Das Maikind hat dann wohl Konfa, heute nachmittag, eine Abschlussstunde. Moment. So richtig, oder irgendwas digitales. Nee, so richtig, da muss er gleich hin (gefahren werden…).

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Diese eine Kiste mit dem Konfirmations-Dekozeug, ich suche sie seit Wochen. Mittlerweile bin ich mir sicher, auf dem Dachboden ist sie nicht, unter der Kellertreppe auch nicht, in keinem der Schränke. Hatte ich das Zeug verliehen? Aber es war ja nix, seitdem. Merkwürdig. Ach, es wird ohne gehen. Ich muss vielleicht nochmal mit der Floristin sprechen. Dann, als ich dem Liebsten kurz beim Garage räumen helfe taucht der Karton auf. Hat er doch gesagt, dass er da hinstellt, vor zwei Jahren. Er hatte sich schon gewundert, dass ich davon nichts brauche.

*

Da ist er, der Punkt, an dem es einfacher ist, diesen Raum aufzuräumen, als immer um das Chaos rumzuarbeiten. Den schon halb leeren Sack Hundefutter kippe ich in den dafür vorgesehen Behälter und nehme leere Tüten und verschiedenes mit in den Müll. Nach einer viertel Stunde sieht es schon viel besser aus. Abends fragt das Maikind nach dem Becher, mit dem man die Hundefutterportion abmisst. Ähm ja, also, wenn der nicht oben drauf liegt, dann liegt er vermutlich ganz unten, musst er halt mal ein wühlen, im Hundefutter. Das Maikind lacht sich kaputt. Sowas schusseliges kann auch nur mir passieren, sagt er.

Mal was anderes

Oh, eine Hochzeit? Der Liebste hupt fröhlich zurück. Vier Autos später wird uns klar, dass das keine Hochzeit, sondern die Demo gegen die Windräder ist. Wir haben verschiedene Sachen abzugeben. Ein paar Minuten später begegnet uns der Autokorso ein zweites Mal. Nein, wir möchten uns nicht einreihen. (Natürlich sind wir nicht dafür, dass an der Stelle Windräder gebaut werden sollen. Aber dagegen kann man auch schlecht sein, wenn man seit zwanzig Jahren Ökostrom bezieht.) Auffallend viele SUVs sind dabei. Besetzt mit jeweils einer Person. Wir amüsieren uns prächtig. Darauf muss man erstmal kommen, aus dem SUV heraus gegen Umweltzerstörung zu demonstrieren.

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Information aus dem Elternchat: Ab nächster Woche dürfen die Kinder nur noch mit FFP2 Masken befördert werden. Spaßeshalber weise ich mal darauf hin, dass das Maikind im Praktikum ganz ohne Maske mit auf eine Baustelle fahren durfte. Firmenwagen fallen unter eine andere Richtlinie, erfahre ich. Sicher, hätte ich mir ja denken können.

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Was wäre wenn wir die 165er Inzidenz erreichen und Schulen zumachen? Hätte das Märzkind dann trotzdem Unterricht? Aus dem Ministerschreiben werde ich nicht schlau. Nach Seitenlangem Geschwurbel kommt eine kleine Tabelle. Die hätte mir gereicht. Diese Bundesnotbremse ist für uns (fast) eine Lockerung, das Maikind wird nächste Woche seinen ersten Schultag haben, dieses Jahr. Also, wenn denn dann. Eine Ausgangssperre gilt zwischen 22 und 6 Uhr, das betrifft mich nicht.

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Der Liebste hat das Modehaus am Telefon. Für Konfirmationsklamotten darf man in Präsenz einkaufen. Das ist schön. Der nächste freie Termin wäre in einer Woche. Ähm, muss er kurz seine Frau fragen. Die Frau nickt nur und hofft das Beste.

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Blumen? Wozu denn Blumen? Ach so. Ja dann. Sicher. Aber nix mit Blüten.

Das schnellste Gespräch zum Thema Kirchendeko aller Zeiten.

Das Maikind und ich gehen kurz zur Kirche, um mal zu schauen, was denn da wohl wie zu dekorieren wäre. Die Kirche wirkt einsam. Alles ist so aufgeräumt. Die dicke Kerze war noch nicht einmal an.

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Besprechung mit der Floristin. Alles kein Problem.

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Irgendein Vogel zwitschert einen Klingelton, morgens um kurz nach fünf, im Baum vor dem Schlafzimmerfenster. Düdelüdelüdelüüü. Sehr laut. Wenn der Wecker um halb sechs klingelt denke ich schon seit einer viertel Stunde darüber nach, wie man den Vogel dazu bekommt, seine Frühschicht in den Baum vor dem Fenster des Maikinds zu verlegen, oder sonstwohin.

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Bisher gab es nur nette Reaktionen auf den geänderten Konfirmationsablauf. Sogar von der Omma. Anscheind freuen sich alle, das überhaupt mal was los ist. Auf einmal geht alles ganz leicht, denn „sowas hatten wir ja noch nie“, deshalb hat es auch noch nie jemand besser gemacht.

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Überraschung: Kein Sportunterricht mehr, weil wir über 100 liegen. Das Problem besteht jetzt allerdings darin, dass das Märzkind letzte Woche noch keinen Sport machen durfte und damit 100% des Sportunterrichts diesen Halbjahres verpasst hat. Es soll aber eine Sportnote geben.

Ab nächster Woche wird auch die Abschlussklasse in Wechselunterricht gehen. Wechselunterricht klingt ja, als würde man zur Hälfte in der Schule und zur anderen Hälfte digital unterrichtet. So ist es nicht. Wechselunterricht bedeutet, man hat nur jeden zweiten Tag Schule. Die Prüfungen bleiben aber genau so, wie sie immer waren. Normalerweise gäbe es eine Vorbereitungswoche, in der alles was dran kommen könnte nochmal grob wiederholt wird. Ob die dieses Jahr stattfinden kann, hängt von der Inzidenz ab.

Die Stimmung schwankt zwischen „wottsefack-jetzt-erst-recht“ und „wir-werden-alle-bei-Aldi-an-der-Kasse-als-piep-arbeiten-müssen“.

Noch sieben Wochen. Und wenn es geschafft ist, werden wir Sekt trinken, auf dem Schulhof, mindestens.

*

Frisch Getratschtes: Jemand im Bekanntenkreis hat möglicherweise eine Impfnebenwirkung. Jemand ist aktuell an Covid erkrankt. Jemand traut sich nicht in die Schule, aus Angst vor Coronatest-Mobbing. Jemand wäre beinahe beklaut worden, auf dem Parkplatz vom Supermarkt. Jemand ist gesünder, als man befürchtet hatte. Und jemand hat 10 Welpen bekommen, so süß.

Schule zu Hause, Woche 2

Montag stehe ich zur gewohnten Uhrzeit auf. Die Kinder müssen erst etwas später zum online Unterricht, aber ich hätte gern einen Überblick, bevor alles wieder alles auf einmal gebraucht wird. Es läuft alles schon recht routiniert. Nach anderthalb Stunden ist alles ausgedruckt und den einzelnen Fächern der jeweiligen Kinder zugeordnet. Läuft doch. Denkste.

Ein Druckauftrag läuft quälend langsam. Ist das ein Papierstau? Nee, der versucht ein Foto zu drucken, ganzseitig, Abbruch. Was ist da los? Eine Lehrkraft hat ein Foto einer Buchseite geschickt.

Eine Audiodatei lässt sich nicht abspielen.

Das Kind möge bitte die Aufgaben aus dem Workbook auf ein loses Blatt abschreiben, das erleichtert die Korrektur, später, wenn das eingesammelt wird. Nein. Das workbook gehört uns. Außerdem besitzt dieser Haushalt ein Cuttermesser.

Da haben sie jetzt 10 Minuten gewartet, aber der Lehrer ist nicht gekommen, zum online Unterricht, nur dass ich bescheid weiß, er macht dann jetzt was anderes, sagt das Maikind. OK.

Die Aufgaben dieser Woche bitte nicht so abgeben wie die der letzen Woche. Es wurde eine neue Mailadresse angelegt, extra nur dafür, das erleichtert die Korrektur.

Hä? Woher kommt denn dieser Arbeitsauftrag? Der war doch Montag noch nicht da.

Abgabetermin Donnerstag, keine Zeitabgabe. Abends um acht werden die Aufgaben fertig, wir könnten sie hochladen. Leider gibt es keinen Abgabe-Button für dieses Fach. Dann packen wir das einfach in einen Email-Anhang und schicken es – ähm – nein, leider wurde keine Mailadresse mitgeteilt. Eine Mutterkollegin mir weiterhelfen. Sie hat noch ihre Notizen vom Elternabend 2019.

Eigentlich gilt der Abgabetermin bis Montag, folgende Aufgaben aber bitte schon Freitag einreichen.

Man kann sich nicht einwählen, in die online Sitzung. Das Kind hat schon alles probiert, ich probiere trotzdem alles nochmal. Es geht nicht. Das Kind wurde für die Teilnahme an dieser Sitzung extra geweckt und ist stinksauer.

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Wenn das Schwimmbad wieder aufmacht, dann sind wir die ersten, die da hinfahren. Gleich morgens. Die Badesachen ziehen wir drunter. Leider ist unsere Geldkarte leer, wir werden also klingeln und auf die Bademeisterin warten müssen. Während wir warten ziehen wir uns schon aus und knüddeln unsere Klamotten so, dass man sie im Vorbeigehen in einen Spint werfen kann. Drei Minuten, wird das dauern, ungefähr, vom Drehkreuz bis zum besten Platz vor der Sprudeldüse. Von da aus kann man die anderen Leute sehen, die rein kommen. Die sind dann leider alle zu spät, der Platz vor der Sprudeldüse ist schon besetzt. Und wenn das Schwimmbad am gleichen Tag aufmacht, wie die Schulen? Ach, dann sagen wir, das haben wir nicht gewusst und ich schreibe dir eine Entschuldigung, beruhige ich das Julikind.

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Eine Anfrage, ob ich denn dieses Frühjahr eherenamtlich so einmal die Woche, im letzen Jahr musste ja alles ausfallen und es wäre schade, so wie immer geht natürlich nicht, aber es wäre doch schön, wenn man alternativ etwas im kleineren Rahmen, dafür braucht es nur mehr Leute, also, was kann ich denn anbieten? Die mail ist schnell beantwortet. Nix.

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Ich weiß nicht mehr, wie die Frage aufkam, aber wir diskutieren ausführlich und ernsthaft, nach dem Abendessen darüber: Wenn man in der Schwerelosigkeit furzt, wie verteilt sich das? Und, nur mal angenommen, man müsste im Weltall keinen Raumanzug tragen und würde einfach so ins Universum pupsen, könnte man das sehen? Ich bin im naturwissenschaftlichen Bereich schnell raus, der Liebste übernimmt.

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Märzkind hat mündliche Prüfung. Alles läuft super. Die ganze Familie freut sich aus vollem Herzen mit.

Schriftliche Prüfungen wurden drei Wochen nach hinten geschoben, irgendwann im Juni dann. Da ist es ja total gut, dass keine Abschlussfahrt und auch sonst nichts stattfinden soll. Sonst würde das gar nicht gehen. Der einzige Komfort, den dieser Jahrgang noch gehabt hätte, wäre das Gefühl gewesen, ein wenig eher Ferien zu haben als alle andern. Tja.

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Gerade haben wir uns in die Küche gesetzt, da bekommt de Omma einen Anruf. Sie hält sich den Hörer ans Ohr, der Lautsprecher ist allerdings auch an. „Haste dann jehort? Der Zeitungszusteller ist gestürzt?“ De Omma fällt aus allen Wolken, das wußte sie noch garnicht. Ich nicke, weil, ich wußte das schon. Ich weiß sogar, welcher Art die Verletzungen sind und wie die OP gelaufen ist. Das wußte die Frau am Telefon anscheind nicht. Irritiert hakt sie nach, woher ich das denn wisse. Ich will nicht angeben, aber diese Informationen habe ich aus allererster Hand. „Och, ja dann, schönen Abend noch“, die Frau legt auf. Wer war das denn, erkundige ich mich? Dann muss ich der Omma alles nochmal erzählen, in der Aufregung hat sie ja garnicht richtig nachgefragt. Gerne doch, etwas vor Winters Frieda zu wissen, das passiert einem wahrscheinlich nur einmal im Leben.

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Hundespaziergang bei windigen null Grad und Schneegestöber. Als ich wieder rein komme stehen drei Kinder um den Esstisch. Die Kiwis wurden gerade geliefert. 6kg so in einem Karton, das sieht man nicht alle Tage. Sehr lecker.

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Lockdownverschärfungen also. Was heißt das für uns? Einkaufen und Busfahren geht ab jetzt nur noch mit medizinischen Masken. Schulen bleiben generell geschlossen bis 14. Februar, wenn ich das richtig verstanden habe eher bis Ostern, ohne das es jemand so sagt. Der ganze Rest wird so angeordnet, wie wir das seit November schon handhaben. Allmählich frage ich mich…

Dem Porno seiner

Es war einmal, an einem Mittwoch abend oder so, in der Vorweihnachtszeit des Jahres 2019. Der Hund war noch klein und – es waren andere Zeiten damals, man kann es sich kaum noch vorstellen…

Der Beziehungsrahmenvertrag sieht vor, dass ich ihn einmal im Jahr von einer Weihnachtsfeier abhole. In diesem Jahr ist es die vom Altherrenfussball, nur zwei Orte weiter.

Gegen halb zehn mache ich es mir auf dem Sofa bequem, es kann noch eine Weile dauern. Ich genieße kurz die Macht über die Fernbedienung und dann klingelt auch schon das Telefon. Unter meinem Kopfkissen. War wohl doch zu gemütlich.

Leise schleiche ich raus, den Fernseher lasse ich weiter laufen, nicht das der Hund aufwacht. Das klappt super, bis ich den Reißverschluss meiner Jacke zuziehe. Er wundert sich, das wir so spät noch rauswollen, aber – welche Freude… och nee. Im dem Moment kommt das Julikind die Treppe runter. Sie könnte den Hund mit hoch nehmen so lange, kein Problem. ( Abgesehen davon, das Grundschüler um kurz nach elf eigentlich schlafen sollten, aber mach was dran, bei der kleinen Eule.) Ich nehme ich das Angebot an und mache mich auf den Weg.

Das ist doch mal zäher Nebel. Wenn man an einem Leuchtpfosten vorbei fährt, kann man den nächsten noch nicht sehen. Sollte mich jetzt ne Wildsau rammen, ich könnte nicht mit Sicherheit sagen, wo genau ich gerade bin. Für die 10km brauche ich fast eine viertel Stunde.

Ich parke vor dem Haus und warte, dass jemand aus dem Fenster guckt. Außer mir steht sonst niemand hier, mitten in der Woche. Es tut sich nichts. Nur der Mann hinterm Tresen hat mich gesehen. Zum Glück war es kalt genug für eine Mütze, denke ich, als ich im „nach 22 Uhr auf dem Sofa Sitz Outfit“ das Lokal betrete.

Der Mann hinterm Tresen begrüßt mich freundlich.

„Na, einmal einer nach Hause?“

„Jawoll.“

Er deutet in den hinteren Teil, wo die Stimmung offensichtlich gut ist. „Such dir einen aus.“ „Och, ich glaube, ich nehm den gleichen wie immer.“ Dorfkneipe, man kennt sich.

Ich mache mich auf den Weg. „Heeeejj, da bist du ja schon, jetzt hat der Emm gerade eine neue Runde angefangen!“ Das kann ich sehen, verstehe die Info aber falsch. „Dann kann der Emm dir ja gleich ne Nachricht schicken, wie’s ausgegangen ist“. „Nee, der fährt doch mit uns“. Ach so. Ich erkläre kurz, dass der Hund das Kind so lange wach halten wird bis wir wieder zu Hause sind. Ach so. Der Emm wird nur mit seinem Namen angesprochen und mit einer wedelnden Handbewegung zum Aufbruch aufgefordert. „Oh, hi“, begrüßt er mich fröhlich, „sicher, ich komme“. Er wirft den Dartpfeil in die Scheibe, greift das Bierglas mit der frei gewordenen Hand und trinkt den letzten Schluck, dann stellt er das Glas ab, hebt die Hand und senkt den Kopf, alles in einer fließenden Bewegung: „Leute“ Mehr Worte braucht es nicht, männliche Kommunikation ist faszinierend sparsam. Bierdeckel und Sporttaschen werden zusammengesucht, nach Bargeld gekramt. Unter Protest der Kameraden, es ist anscheind zu früh zum gehen.

Mit dem Mann hinterm Tresen tausche ich heimlich ein Grinsen, er sieht dieses Schauspiel vermutlich öfter. Der Liebste zahlt seinen Deckel und wird dabei von jemandem, der am Tresen saß, erkannt. Händeschütteln, Begrüßung, lange nicht gesehen, „Hä?“, „Na, der Krissi,weißte doch…“, „ah, ja sicher, der Krissi.“ Ob wir ihn mitnehmen würden? Der Liebste weiß nicht wirklich, wer das ist, ich kenne sein Pokerface. Prinzipiell würden wir ihn natürlich mitnehmen, gerne, aber, er wohne halt in genau der anderen Richtung? Oder nicht? Nee, heute übernachtet der Krissi bei seinem Onkel, der wohnt im Haus gegenüber der Tankstelle. „Aaach, du bist dem Porno sein Kurzer…“ (Manche Sachen kann man sich nicht ausdenken…) Der Krissi guckt leicht verwirrt und bejaht. Gut, da müssen wir eh vorbei. Der Emm hat seinen Deckel währenddessen bezahlt und wir gehen zum Auto.

Ach, das war doch wirklich ein schöner Abend, sind sich die Herren einig. Und, ganz ehrlich, so bis halb zwölf, wenn du den nächsten Tag arbeiten musst, reicht das völlig. Es ist nicht mehr, wie es mal war. Nur schade, das der Alex nicht dabei war, aber, den hat’s schon übel zerlegt, man dachte kurz, der hat sich ernsthaft was getan. Ich werfe dem Liebsten einen fragenden Blick zu. Manchmal tut er den Fussballern aus Versehen weh. Die alten Herren fallen einfach anders, als die Jungs beim Football. Dafür konnte er nichts, erfahre ich. „Konnte doch keiner ahnen, das der nach links ausweicht,“ sagt der Emm, „zumal da ja die Wand war“.

Mittlerweile sind wir bei der Tankstelle angekommen. Ich erkundige mich, an welchem Haus ich denn halten soll, und werde noch drei Häuser weiter geleitet. Der Krissi bedankt sich sehr herzlich, und steigt aus.

„Wer? War? Das denn jetzt?“ erkundigt sich der Emm.

„Du wohnst doch hier, ich dachte du kennst den“, der Liebste ist verwirrt.

„Ich kenn doch die zwanzigjährigen nicht mehr.“

„Krissi, hat er nur gesagt“.

„Krissi sagt mir nix“.

„Dem Porno sein Kurzer“.

„Nä, der Porno wohnt da vorne, im Haus mit dem Zaun“, der Emm deutet die Straße runter. Alle Häuser auf dieser Seite haben einen Zaun.

„Na dann weiß ich’s auch nicht“, fasst der Liebste zusammen.

„Och, war aber ein ganz netter Kerl“.

„Jo, fand ich auch“.

Gut, dass das die Omma nicht weiß. Fremde darf ich nämlich nicht im Auto mitnehmen.

oh oh, oder so

„Na? Heimstudienwoche?“ Frage ich Montag morgen bei der Freundin nach. Sie haben eine Fahrgemeinschaft mit der kleinen Schwester des Coronafalls. „Nee, nix Heimstudienwoche. Offiziell wissen wir noch nicht mal was“, sagt die Freundin. Sie habe quasi den ganzen Freitag telefoniert. Außer ihr sahen das aber alle ganz entspannt. Die kleine Schwester wurde nicht getestet, somit gäbe es keine Veranlassung zu irgendwas. Die Kinder gehen ganz normal zur Schule und sie muss auch zum Diest. Die Coronastation wird aufgemacht. Die, die sich da freiwillig gemeldet haben fehlen ja auf Normalstation.

Zwei Möglichkeiten: Entweder, es gibt kein Problem und wir sorgen uns umsonst, oder wir sind komplett am Arsch.

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Der Außendienstmitarbeiter ruft an, um sich zu erkundigen, wie es uns im neuen homeschooling geht. Es ist kein homeschooling, ich erkläre kurz den Ablauf. „Oh, ähm, oh“, sagt er. Ganz genau.

Also, er war letzte Woche Mittwoch zum Routine-Test, dass war nachdem er hier Kaffee getrunken hatte. Man hatte gesagt, er bekomme das Ergebnis auf die App. Samstag kam es mit der Post, er ist negativ. Die App schweigt dazu bis heute.

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Ich lande in einer whattsapp-Gruppe des gesamten Ortsteils. Das soll keine Geburtstags-Glückwunsch-Gruppe sein erfahre ich, vielmehr soll sie dazu dienen, sich gegenseitig über Straßensperrungen oder ähnliches zu informieren, nur der Ortsbeirat kann schreiben. Natürlich bleiben die allermeisten in der Gruppe, wenn irgendwer Corona hat, will man das schon wissen…

Als da vor ein paar Wochen auf einmal dieses riesen Loch hinter dem Haus gegraben wurde gab es keine Informationen, das war blöd. Vielleicht funktioniert es ja wirklich, ich bleibe auch.

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Ich lese ein paar Pflaumen auf, die auf dem Gartenweg lagen. Als ich sie zum Kompost bringe, fällt mir auf, das der Garten von dieser Seite aus wirklich erbärmlich aussieht. Ich frage, ob irgendwer helfen würde da mal irgendwas… Zu meiner Überraschung helfen alle. So braucht es nur eine Stunde, bis es wieder aussieht, als würde der Garten jemandem gehören.

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Elterntaxifahrt zum Training. Die eine Stunde Wartezeit reicht genau zum Einkaufen. Gleich bei den Einkaufswagen ein handgeschriebenes Schild, man möge bitte, soweit das möglich ist, die Einkäufe allein erledigen, um die Anzahl der Personen im Laden so gering wie möglich zu halten. Danke für das Verständnis.

Im Laden wirkt erstmal alles normal. Im hinteren Teil steht eine Palette Klopapier mitten im Gang, daneben eine Palette Mehl. Man sollte doch meinen, die haben alle noch genug zu Hause. Der Hefekarton im Kühlregal ist noch fast voll, es klebt allerdings ein Schild drauf. Nur zwei Würfel pro Haushalt. Mehr brauch ich doch eh nicht. Ich kaufe ganz normal ein, bis ich am Klopapierregal vorbeikomme. Das ist leer gefegt. Ganz unten ganz hinten liegt noch eine Packung mit Herbstmotiven.

Brauchen im Sinne von brauchen tun wir eigentlich keins. Allerdings will ich auch nicht wieder wie eine Idiotin in drei Läden müssen, nur wegen Klopapier. Ich nehme die letzte Packung aus dem Regal und es fühlt sich gut an. Ab jetzt gibt es nur noch weißes, direkt von der Palette. Wir aber werden welches mit Herbstmotiven haben, was für ein Glück. Dann geht es ein bisschen mit mir durch. Ich merke es, kann aber nichts dagegen tun. Wir haben nämlich auch nur noch 25 Pfefferkörner in der Mühle, ist mir heute aufgefallen, wie weit kommt man damit schon? Und von diesen Marzipanbaumstämmen mit Nougatfüllung haben wir noch gar keine vorrätig! Wer weiß, was die nächsten Wochen bringen. Am Ende müssen wir ohne durch den Advent. Ich nehme 6, sicher ist sicher.

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Der Liebste muss arbeiten. Weil viele krank sind teilen sie sich diese Woche die vier Schichten zu dritt. Spoileralarm: Niemand macht die Freischicht. Über Mittag werden zwei Leute gebraucht, Ruhezeiten müssen trotzdem eingehalten werden. Das geht alles – irgendwie.

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Der Klassenkamerad, der neben dem Coronafall gesessen hat, meldet ein negatives Testergebnis. Sein Bruder ist der Banknachbar des Maikinds. Wie groß die Anspannung wirklich war merkt man daran, wie sehr wir uns freuen. Dem Klassenkamerad geht es aber leider trotzdem schlecht.

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Wir verabreden uns mit der Oma zu einem Waldspaziergang. Das tut allen gut. Wir haben uns schon länger nicht gesehen.

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De Omma ruft an. Mit dem Apfelpflücker, den der Liebste ihr gebracht hat, kann sie nichts anfangen, der ist zu kurz. Man möge ihr den anderen bringen. Gerne jetzt. Jetzt geht aber nicht, weil ich warte auf eine Holzlieferung. Der Liebste arbeitet. Das Holz werde ich mit den Kindern verräumen, und zwar heute noch. Naja, dann wird es wohl schon dunkel sein. Da muss der Apfelpfücker wohl bis morgen… Ein Gesteck muss auch noch auf den Friedhof. Vielleicht noch diese Woche, ich möge bitte nachfragen, bei der Floristin, wann man da kommen kann, und dann bringen wir das direkt auf den Friedhof. Und den Apfelpflücker, ne?, da denke ich aber dran.

Zeitgleich schickt meine Schwester ein Foto von sich im Bademantel auf einer Relaxliege. Weil sie es kann. Sie sind nämlich gerade ganz alleine im Wellnessbereich, Fotos machen ist da sonst verboten. Wie-ein-Onkel zeigt in seinem Status eine Bilderstrecke, Wellnessbereich ohne Menschen, kommentiert mit „wir haben die letze Chance nochmal genutzt“. Freut mich für euch. Möge dich der Blitz beim scheißen treffen.

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2,7 Schüttraummeter verräumt man zu viert in einer Stunde. Große Kinder zu haben ist manchmal auch richtig toll.

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Die Waschmaschine pumpt nicht ab und schlägt mir vor, mal die Laugenpumpe zu reinigen, oder den Ablauf, oder beides.

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Ich soll das Arbeitsblatt ausdrucken? Damit du es handschriftlich ausfüllst und dann als Foto hochlädst, um es an eine Lehrerin zur Korrektur zu schicken, in einer App, die für Gamer entwickelt wurde? Nicht im Ernst, oder? Ich weiß dass das anders besser und schneller geht, weil das Julikind diese Woche eine Einweisung hatte. Gerne würde ich diese Lehrerin an meinem Wissen teilhaben lassen. Sie hat aber keine Emailadresse.

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Ab Freitag gilt Maskenpflicht im Unterricht, die ganze Zeit. Ab Montag gibt es neue Stundenpläne. Sportunterricht findet nicht mehr statt, auch die klassenübergreifenden AG’s nicht. Vereinssport geht nicht mehr und es dürfen nur noch zwei Haushalte zusammenkommen. Der Rest von diesem Lockdown betrifft uns eigentlich gar nicht. Entweder hilft das oder wir werden sicher Verständnis dafür haben, dass die Schulen wieder geschlossen werden, vermute ich mal.