Halbzeit Februar

Ich bin anscheind der einzige Mensch, der im Wald spazieren geht. Die Hunderunde, die ich sonst in 40 Minuten laufe dauert anderthalb Stunden. Auf der ganzen Strecke liegen durchgängig 30cm Schnee, ich komme bei -10°C ins schwitzen, während zeitgleich meine Haare einfrieren.

Mir begegnen immer mal Tiere hier, aber wie viele wirklich unterwegs sind, das sieht man jetzt erst. Die Rehe haben schon Pfade auf dem Weg und es gibt mehr Hasen, als ich gedacht hätte. Eine Spur wird von Pfotenabdrücken gekreuzt und ein paar Meter weiter kann man deutlich sehen, wo der Fuchs dem Hasen gute Nacht gesagt.

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Vielleicht geht er einfach nicht mehr hin, zum online Unterricht, sagt das Maikind. Da wird 10 Minuten lang was erklärt und anschließend eine Stunde lang darüber geredet. Er stellt dann auf stumm und erledigt er die Aufgaben, die beim nächsten Mal online kontrolliert werden sollen. Die Hausaufgaben macht er nicht, das ist „6 Seiten lang immer die gleiche Aufgabe nur mit anderen Zahlen“, die Lehrerin schickt Freitags die Lösungen zur Selbstkontrolle, das muss man dann nur abschreiben.

Was soll ich da sagen? Er hat gelernt, eine sinnfreie Tätigkeit zu rationalisieren. Das ist was Gutes.

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Eine Lehrkraft meldet sich per mail, mitten in der Woche. Der Wochenplan sei ja bekannt, für die nächste online Stunde solle bitte noch das Arbeitsblatt aus dem Anhang bearbeitet werden. Die Email hat keinen Anhang. „Hast du ein leeres Blatt, oder soll ich dir eins geben?“, frage ich das Maikind. Er hat eins. Immer top vorbereitet, das Kind, da muss ich aber mal loben. Wir sind an einem Punkt, wo wir darüber lachen können.

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Auf dem Englisch-Wochenplan des Julikinds steht etwas von „wenn wir uns nächste Woche wieder sehen“. Hä?

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Der Minister schreibt uns Eltern. Tatsächlich, ab nächster Woche Wechselunterricht für die Klassen 1-6, weiterhin dieser die-ganze-Klasse-geteilt-in-zwei-Räumen-zeitgleich-mit-ein und derselben Lehrkraft-Unterricht für die Abschlussklassen, und für die Klassen 7-9 ist man voller Hoffnung, dass, soweit es das Infektionsgeschehen erlaubt, eines Tages ebenfalls, irgendwas. Bla.

Das Maikind freut sich. „Das klingt nicht so, als müsste ich vor den Osterferien noch, oder?“. Nö.

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Die Saison neigt sich dem Ende und Kunden gab es keine. Ein Modehaus bietet Überraschungspakete an. Ich brauche Klamotten und kann mir sowieso nicht vorstellen, mit FFP2 Maske einkaufen zu gehen. Es passt tatsächlich alles, was in dem Paket war. Einiges davon hätte ich im Laden nicht ausgesucht, aber alle Kleidungsstücke passen zusammen. Es ergeben sich Möglichkeiten, auf die wäre ich nicht gekommen. Ich könnte wieder unter Menschen.

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Das Märzkind wird eingeladen, eine Woche Campingurlaub mit einer Freundin. Eine Mutterkollegin hat gebucht und würde, wegen der aktuellen Situation, ein paar Freunde der Tochter mitnehmen. Alle freuen sich und beginnen mit der Planung. 10 Minuten, nachdem alle Probleme gelöst scheinen ruft die Mutterkollegin an. Osterurlaube sollen vermutlich nicht gestattet werden, es wurde alles wird abgesagt. Alle sind traurig, man sagt sich die üblichen Coronafloskeln. Ist halt so.

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Das Märzkind fragt nach Geburtstagsfeier- Möglichkeiten. Ich kann da leider gar nichts versprechen. Der aktuelle shutdown soll am 7.März enden. Man weiß nicht, was das heißt, oder was danach kommt. Eine Uroma hat den zweiten Impftermin drei Tage vorher, die könnten wir auf jeden Fall einladen. Was eine Feier mit Freunden angeht, da müssen wir abwarten, wie viele dann erlaubt sind und was geöffnet hat. Wir überlegen Miniparty-Möglichkeiten. Peinlich darf es unter keinen Umständen werden, langweilig auch nicht, wenn es nur so wenige Leute sind, dann ist es auch wichtig, dass die sich leiden können. Ach, es ist kompliziert. Es ist seit langem mal wieder ein Gespräch das wir geführt haben ohne uns anzuzicken, stellen wir am Ende verwundert fest. Eigentlich – nochmal kurz nachdenken- nee, wir haben uns den ganzen Tag noch nicht angeraunzt. „Hast du im Zimmer das Fenster auf und die Heizung auf vier?“, frage ich nach. „Nee“, sagt das Märzkind, „nichtmal das“.

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Das Julikind kommt morgens in Jeans und Pulli zum Frühstück. Ich wundere mich. „Haste gesehen, Mama, ich hab mich mal normal angezogen?“ Sicher, das habe ich gesehen. Das waren 90 Tage in Jogginghosen.

Langsam wird`s unheimlich.

Winter im Februar

Aha, ich hatte mich auch schon gewundert. Dieser Roman, der da beim Maikind auf dem Sessel liegt, der soll also gelesen werden. Das ist die lockdown Lektüre. Leider ist dieses Buch das langweiligste der Welt, und man hätte ja überhaupt auch mal sagen können, dass er anfangen soll, das zu lesen und ach, habe ich überhaupt gesehen wie dick dieses Buch ist? Es waren gute Zeiten, als die Lehrkräfte sich tot gestellt haben, aber die sind vorbei. Eine kurze Internetrecherche ergibt, es handelt sich anscheind um eine Standardlektüre für die achte Klasse. Man kann Inhaltsangaben zu allen Kapiteln vorgefertigt finden. Wenn da allerdings fünf Leute den gleichen Text einreichen, das wäre auch doof. Ich bestelle das Hörbuch.

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Die Englischlehrerin hat in der letzten Woche erstmals Hausaufgaben verlangt und diese Woche Sachen zur Korrektur vorliegen. Sie bittet in einer email alle Eltern, die Fotos der Aufgaben ab jetzt als pdf Datei zu schicken, denn, es ist schon ziemlich viel, all die Fotos zur Korrektur auszudrucken. Die dazu nötige app sei natürlich kostenlos.

Das ist ja nun wirklich kein Problem. Wenn wir sonst noch irgendwie helfen können, einfach sagen.

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Wir nutzen das click und collect Angebot des Baumarktes. Drei Waschbecken lang konnte die Armatur genauso einfach wieder dran gebaut werden. Diesmal passt nichts mehr zusammen. Anscheind haben sich die Abmessungen des günstigen Standard- Waschbeckens, das wir immer nehmen, irgendwie geändert. Es hat diesmal auch wirklich lange gehalten. Aus den 85 vorrätigen Möglichkeiten muss ich die einzig wahre Waschtischarmatur finden und online bestellen. Der Wasserhahn geht gerade so bis über das Waschbecken, der hätte ruhig 5cm länger sein können. Naja, aber so geht ja erstmal, sagt der Liebste. Wir wissen beide, dass das für immer so bleiben wird.

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Insgesamt hatte ich bei diesem homeschooling Quatsch den Eindruck, ich weiß nix mehr. Ich kann beim besten Willen keine Parabel mehr verschieben. Ganz spontan habe ich keine Ahnung, welche Klärstufen Abwasser durchläuft und zur Frühgeschichte der Menschheit ist gleich nach dem Stichwort Neandertaler Ende. Ich habe mir den aktuellen Spiegel-Wissenstest (*Werbung, unbezahlt, unbeauftragt, selber gekauft) mitbestellt, um herauszufinden, was man denn so allgemein wissen müsste. Siehe da, haha, zu meiner großen Freude erreiche ich ein Ergebnis, dass in der Testauswertung als „super“ beschrieben wird. Jetzt geht es mir besser. Mit Wissenlücken im Bereich Sport komme ich prima durchs Leben. Der Ruderweltmeister im Einer war vorher Schwimmer, übrigens.

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An ihrem Geburtstag ist die Liesel nicht ans Telefon gegangen. Das war schon ungewöhnlich. Als sie das letzte mal mit ihr gesprochen hat, da war sie ganz durcheinander. Der Willi war gerade ins Krankenhaus gekommen. Da hatten sie gesagt, der hat Corona. De Omma probiert es über mehrere Tage und telefoniert schließlich so lange herum, bis sie weiß, was los ist.

Die Liesel ist verstorben. Wenige Tage danach der Willi. Es fühlt sich an, wie ein Unfall. De Omma ist ganz durcheinander, sagt sie.

Ü80-jährige sind hier auf dem Land keine unbekannten, abgeschirmten Bewohner von Altersheimen. Das sind Leute. Ich kannte beide.

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Die Oma im Städtchen hat einen Impftermin Ende Februar. Eine freudige Nachricht, die man sich innerhalb der Familie weitererzählt.

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Winterwetter wird angesagt, aber so richtig. Man möge sich auf 40cm Schnee und Stromausfälle einstellen. Na toll. Locktown level zwei. Teenager ohne Strom. „Heißt dass dann, es würde auch kein Internet gehen?“ Ja. Wir wappnen uns mental. Alle Akkus werden bis zum Anschlag aufgeladen.

Sonntag vormittag liegt schon ein bisschen Schnee. Es ist auch windig, aber als Schneesturm würde ich das insgesamt nicht bezeichnen. Ich gehe eine große Runde mit dem Hund, für den Fall, dass es nachmittags doch noch Wetter gibt. Zwei Stunden laufen wir durch frischen Pulverschnee und sind fast überall die ersten. Das ist richtig schön, nach wochenlangem nebligen Matschwetter.

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Gerade als ich dachte, von dem angekündigten Unwetter haben wir nicht wirklich was abbekommen, fängt es an zu schneien. Sonntag abend schippt der Liebste nach der Arbeit noch eine Stunde die Einfahrt frei. Montag morgen ist davon nicht mehr zu sehen. Die Luft ist herrlich klar und der zugeschneite Wald sieht aus wie auf Instagramm. Noch vor Kaffee fange ich an, Schnee zu schaufeln und merke schnell, dass es eine Weile dauern wird. Ein kleiner schneebeladener Traktor fährt an unserer Einfahrt vorbei und kommt kurze Zeit später ohne Schnee wieder. Dreimal hintereinander. Im Ort stehen die Häuser dichter, da kann man den Schnee nicht einfach den Hang runter schaufeln. Als ich es fast geschafft habe, fährt das städtische Räumfahrzeug vorbei. Die 20cm Schnee, die auf der Straße lagen, landen schwungvoll in unserer Einfahrt. Och nö.

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Das Märzkind hat diese Woche auch keine Präsenzschule. Wegen Schnee, mal was anderes.

Montag morgen um 10 sind die Server überlastet. Je mehr Schüler, desto weniger Unterricht.

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„Mama, komm schnell, ich glaube, da sind Papageien am Futterhäuschen!“ Kernbeißer sind schon beeindruckend groß.

Blick aus dem Fenster

Corona hat Geburtstag, tralalalala

Heute vor einem Jahr, da war sie auf Skifreizeit, sagt das Märzkind beim Hundespaziergang.

Am Wochenende danach hatte sie diese ungewöhnlich heftige Erkältung. Wir haben Witze gemacht, weil sie nichts schmecken konnte. Darüber haben wir öfter nachgedacht, dieses Jahr.

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Am vierzehnten Schultag des zweiten lockdown im zwölften Monat der Pandemie schickt die Schule eine Schulordnung für den Distanzunterricht. Interessant. Ich hätte es schön gefunden, wenn seitens der Schule über den Sommer schon geklärt worden wäre, welche Lernplattform im Lockdownfall genutzt werden soll und die entsprechende online-Nettikette mit den Schülern besprochen und geübt worden wäre. Aber 10-jährigen mit Strafverfolgung zu drohen geht natürlich auch. Ganz allgemein wäre es wünschenswert, wenn dieser distanzierte Ringelpietz eine Qualität hätte, die von den Kindern als Unterricht wahrgenommen werden könnte. Dann würden die Blagen vielleicht gar nicht darauf kommen, den Autopilot einzuschalten und sich erstmal Frühstück zu machen. Ich unterschreibe diese Schulordnung so nicht. Mit freundlichen Grüßen, ich glaube es hackt.

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Um viertel nach acht kommt das Maikind rein. Da hat er jetzt seinen Distanzunterricht verpasst. Das ist natürlich meine Schuld, ich hätte ihn wecken müssen. Ja, um halb neun, sage ich. Nee, um halb. Das ist diese Woche anders, hat er doch wohl gesagt. Zum Glück ist das nur Deutsch, da isses sowieso egal. Ich müsste da was erzieherisches sagen, das ist mir klar. Allerdings habe ich bisher von keiner einzigen Lehrkraft des Maikinds irgendetwas gehört. Nichts. Ich kenne keinen Stundenplan und ich weiß nicht, ob er die Aufgaben hochläd. Gut möglich, dass er Recht hat.

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Es tut mir leid, alles was ich über Parabelverschiebungen noch weiß ist, dass ich das konnte. Frag pluseins, ob der das kann.

Zinseszinsrechnung, da gibt es eine Formel für, ich bin mir sicher.

Präteritum ist ging, nicht gang.

Die können doch nicht einfach sagen, die Frist endet in drei Tagen. Da muss man doch vorher mitteilen, dass es eine Frist gibt. Auf der Internetseite steht Fristende 31. März. Was gilt denn nun? Ein Anruf. Fristende für diesen Teil der Bewerbung ist Ende Juli. Wir haben gar kein Problem, oder doch. Die Bewerbung ist garnicht eingegangen? Gut, dass wir nochmal nachgefragt haben. Wie kann das sein? Ist ja auch egal, muss neu.

Die Deutschlehrern ruft an. Das Maikind hat den Unterricht versäumt. Außerdem fehlen noch zwei Hausaufgaben. Ich bedanke mich für den Anruf, ist schön, mal was zu hören. Ohne feedback wäre da ab hier auch nichts mehr zu wollen gewesen.

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Wäsche aufhängen im Keller – 10 Minuten Ruhe – an garnichts denken – eine Aufgabe bis zu Ende bringen. „I`m going to the zoo, uuuuhhuhuhhuhhhh“ Neeeeiiin! Das Hirn spielt Track 15 von der workbook CD ein.

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Mit den Stoffmasken konnte ich nicht gut atmen, einkaufen ging aber. Zum Glück habe ich das zu Hause noch ausprobiert, denn mit diesen OP-Masken kann ich schlecht atmen, stelle ich fest. Da muss ich Medikamente nehmen. Keine Ahnung, ob die irgendwas chemisches ausdunsten? Nachmittags ist im Supermarkt nicht viel los. Wenn man die einzige Person auf dem ganzen Parkplatz ist, gilt dann trotzdem Maskenpflicht? Ich sag mal, nö, und räume das Auto ohne ein. Meine Konsumlaune ist auf dem Nullpunkt angekommen.

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An einem Nachmittag fallen 10cm Neuschnee. Das hatten wir so schon lange nicht. Der Schnee geht in Regen über und alles ist schnell wieder weg.

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Wir machen einen Hundespaziergang zum Flüsschen. Das führt sehr viel mehr Wasser als im Sommer. Und es fließt auch beeindruckend schnell. Wenn man von der Hängebrücke aus nach unten sieht , fühlt es sich fast ein bisschen an wie auf der Achterbahn.

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Im Distanz-Konfirmanden-Unterricht ist das letzte Abendmahl Thema. Das Maikind soll etwas backen und das einer einsamen Person vorbeibringen. Unter Beachtung der allseits Bekannten Regeln, natürlich. Das Maikind möchte gern der Ur-Oma im Städtchen was bringen, die beiden haben sich seit Sommer gesehen. Beide freuen sich. Allmählich wir die Oma mutiger. Ein Jahr alleine ist genug.

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Wer möchte kann freitags, bei Einbruch der Dunkelheit eine brennende Kerze ins Fenster stellen. Zum Gedenken der Corona-Opfer und als Zeichen des Zusammenhalts oder der Hoffnung, ich hab gar nicht so genau mitbekommen, was der Bundespräsident da gesagt hat. Ist aber eine schöne Idee, finde ich. Unsere Fenster sieht man von der Straße nicht. Eine Laterne in der Auffahrt tut es auch. Zwei positiv Fälle Ü80 kennen wir diese Woche. Und ein bisschen Hoffnung auf Besserung haben wir nötig.

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Januar in Bildern

Halbzeit Januar

Die Aufgaben der Kinder kommen an und sind schaffbar, das ist sehr viel besser als im Frühjahr. Man kann, wenn man ein gutes Zeitfenster erwischt, die Hausaufgaben auf der Lernplattform finden und bearbeitete Sachen abschicken. Das Julikind macht ein Fach pro Tag. Sonst verlieren wir den Überblick. Eine Lehrkraft droht mit einem Hausaufgabenstrich, sollten die Aufgaben nicht fristgerecht eingereicht werden. Wie niedlich.

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Das Märzkind hat Unterricht in der Schule. Es fährt kein richtiger Bus, sondern ein kleiner weißer Sprinter. Drei Leute sind sie nur, auf der ganzen Strecke. Der Busfahrer steigt jedesmal aus und öffnet die Tür, wenn jemand ein oder aussteigt. Das ist seltsam. Die Tür würde sie ja nun wirklich selber auf und zu bekommen, sagt das Märzkind, da muss der doch nicht jedesmal raus in den Schnee. Vielleicht gibt es irgendwelche Bestimmungen, überlegen wir. Aber sie könnte das dem Busfahrer ja mal vorschlagen, sage ich.

Das Märzkind wird mittags jetzt direkt an unserer Einfahrt rausgelassen. Gefühlter VIP-Service.

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Die Klasse wurde geteilt, nach Sozialkontakten. Es sitzen also nicht genau gleich viele in den beiden Gruppen, sondern die, die sich nachmittags auch treffen würden, wenn man sich denn treffen dürfte. Da hat sich die Klassenlehrerin schon was bei gedacht.

In Französisch sind sie 13 Leute. 10 aus der eigenen und 3 aus der Paralellklasse. Sie bekommen einen größeren Raum zugeteilt. Sie halten die Abstände und öffnen die Fenster, im Januar.

Man fragt sich folgendes: Wenn ein größerer Klassenraum für diese 13 Leute aus drei verschiedenen Lerngruppen kein Problem ist, warum kann dann nicht die normale Klasse mit 18 Leuten, denn mehr sind sie nicht, in einem noch größeren Raum gemeinsam zeitgleich unterrichtet werden? Die Sporthalle ist nur 50 Meter weiter und ganztägig ungenutzt. Auch die Cafetria hat nicht geöffnet. Aber man will natürlich keine Umstände machen, war nur so ein Gedanke.

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Ich bin keine Lehrerin, wollte nie eine sein. Ich weiß das meiste selber nicht, das, was ich weiß, kann ich nicht erklären und außerdem habe ich mindestens genauso wenig Lust wie das Kind. Nicht das wir uns falsch verstehen. Ich verbringe gern Zeit mit den Blagen. Wir würden nur lieber den aktuellen Agregatzustand des Wassers praktisch nutzen und Schlitten fahren gehen, als hier am Tisch, das ganze Zeug… mimimi…

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Erste Fragen kommen, wie wir uns das denn mit der Konfirmation vorstellen, dieses Jahr. Der Saal, das Essen, es ist doch alles bestellt, sage ich. Klamotten für das Maikind würden wir sowieso erst zwei Wochen vorher kaufen, die sollen ja passen. Ob ich ehrlich glaube, dass man im Mai mit allen feiern könne, ganz normal, hakt meine Gesprächspartnerin nach.

Nein. Aber wenn, dann ist alles schon bestellt.

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Ob ich mich denn impfen lassen wollen würde, werde ich gefragt. Ja, sicher. Ich bin generell daran interessiert, tödliche Krankheiten nicht zu bekommen. Ich schnalle mich auch an, im Auto, esse nach Möglichkeit nichts giftiges, halte mich an Baderegeln…

Spaßeshalber gebe ich meine Daten mal in den Impfterminrechner ein. Zwischen dem 06.08.2021 und dem 22.02.22 bin ich dran. Ok, da hab ich Zeit. Aber, wenn die Pandemie dann schon rum ist, will ich auch nicht mehr.

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Samstag morgen läuten die Glocken morgens um acht. Der erste Coronatote, den ich kenne. Irgendwas erwischt dich, es ist noch garnicht lange her, dass wir uns darüber unterhalten haben, und es ist wohl auch fast so gelaufen, wie er sich das gewünscht hatte. Leid tut es mir trotzdem, denn ich konnte ihn wirklich gut leiden, denen ihren Oppa.

Los geht`s

Ein Mann im Schamanenkostüm steht im Kapitol der Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist erschreckend interessant.

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Ein Besuch bei der Omma. Die ist nicht direkt schlecht gelaunt, aber doch erkennbar unzufrieden, mit der Gesamtsituation. Der Rehbraten hat nicht geschmeckt, es gab keinen Plätzchenteller, kein Seniorenkaffee, zu wenig Besuch, ich erfahre warum genau sie sauer sie geworden ist als…

Auf dem Heimweg gestehe ich mir ein, dass das gerade ein bisschen anstrengend war. Vielleicht ist ein schlechtes Gewissen einfacher.

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Der Apfelkuchen ist tatsächlich heil geblieben, auf dem Grill. Wie viele Teller brauchen wir denn jetzt? Der Blick schweift über den Garten. „Wir sind viel zu viele, oder?“, flüstert die Freundin. Wieso? Oh. Wir erzählen uns, mit wem wir in den letzen Wochen sonst noch Kontakt hatten, vermutlich um uns gegenseitig zu beruhigen. Jede von uns hat sofort parat wer wann wen wo… eigentlich sehen wir seit Wochen nur die eigenen Eltern, vereinzelt die Großeltern, man tut sich da schon fast selber ein bisschen leid, und niemand denkt ernsthaft darüber nach, sechzehnjährigen den Kontakt zu „plus eins“ zu beschränken. Wenn Freunde einen neuen Welpen haben und ab Montag die strengen Kontaktbeschränkungen wieder gelten, was soll man da machen?

Der Geruch von Bratwurst im Brötchen, Glühwein, Apfelkuchen und Feuertonne, leise rieselt der Schnee, heute ging es wirklich nicht besser.

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Die Krankenkasse möchte dieses Stempelheftchen haben, um mir den Kostenvoranschlag für die Zahnbaustelle genehmigen zu können. Tatsächlich hatte ich gedacht, es gäbe da mittlerweile eine automatische Erfassung, die unsichtbar vom Arzt an die Kasse weitergeleitet wird, digital vielleicht. Aber so macht es ja auch fast gar keine Umstände.

In der Kaffeerösterei fragen sie immer, ob ich mein Treuekärtchen gestempelt haben möchte.

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Der Liebste arbeitet wieder. Zum ersten mal seit Wochen bin ich in der Küche, um zu kochen. Was muss denn weg?

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Neujahr hatte ich überlegt, ob ich irgendwas im Garten anbauen will, dieses Jahr. Dabei bin ich im Netz auf eine Seite gestoßen, wo man bei Landwirten direkt bestellen kann. Spontan habe ich uns 6 kg Kiwis bestellt, in Spanien. Weil wir Kiwis mögen und auf dem Bild die Sonne schien und dieser Pedro, der die angeblich anbaut und eigenhändig für uns ernten und verpacken wird, so fröhlich aussah, und, wenn man ehrlich ist, in unserm Garten wächst eigentlich nichts. Die Familie macht sich lustig. Im Nachhinein ist mir selber klar geworden, dass das alles ein bisschen viel Klischee auf einmal ist. Als vorraussichtlicher Liefertermin wurde der 19. Januar angegeben, abhängig vom Wetter in Spanien natürlich. Madrid hatte vorgestern 20cm Neuschnee. Ich frage mich, ob Pedro diese Woche ernten kann.

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Freitag werde ich ganz, ganz dringend gebeten, mitzuteilen, ob ich denn die Fünftklässlerin zum Präsenzunterricht anmelden möchte. Im Betreff der mail steht Notbetreuung. Hä?

Samstag erfährt das Märzkind, dass sie nächste Woche Schule haben wird. Die Klasse wird halbiert und zeitgleich vom gleichen Lehrer in nebeneinander liegenden Klassenräumen unterrichtet. Man könnte da Sinnfragen stellen, aber wozu.

Montag wird schnell klar, dass Lehrer sich auch keine Illusionen mehr machen. Das Maikind bekommt seine Aufgaben über einen Klassen Whattsapp chat, in dem der Lehrer auch ist. Die Aufgaben für das Julikind werden bei Lanis hochgeladen und kommen zur Sicherheit auch an meine mail Adresse, weil man davon ausgeht, dass Lanis abschmiert. Was gegen halb zehn, als wir anfangen wollen, schon passiert ist. Der Klassenlehrer meldet sich telefonisch, um abzufragen, ob noch alle Passwörter bekannt sind.

Im Lauf des Tages bekommt das Maikind einen Stundenplan. Vier Stunden online Unterricht stehen da pro Woche drauf, vorläufig. Leider funktioniert die Videoplattform derzeit nur eingeschränkt, wegen der großen Nachfrage. Man müsse eventuell auf Lanis zurückgreifen. Eigentlich ist es genau wie im Mai, nur entspannter, denn diesmal hatte ich erwartet, dass es genau so läuft.

der Türkranz kann hängen bleiben

23-27 Dezember

„Ist heute schon der 23ste? Oder?“. Ja ist es, der Baum kann rein. Ich muss nur noch mein Küchenchaos aufräumen. Ach, das schafft sie schon, sagt das Märzkind. Der Baum ist klatschnass, unhandlich und schwer. Das macht alles nichts, sie wuchtet ihn bis ins Wohnzimmer. Die Geschwister haben mittlerweile bemerkt, dass es losgeht und wollen helfen. Das Gezänk beginnt. Ich ziehe die Küchentür zu, sollen sie das selber regeln. Siehe da, innerhalb weniger Minuten werden sie sich einig. Eine Stunde später sieht der Baum toll aus und die Küche wieder normal. Große Kinder sind toll.

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Am Vormittag des 24. packe ich die letzen Päckchen. Anruf bei meiner Schwester, zur Absprache der kontaktlosen Geschenkeübergabe. Wie-ein-Onkel schlägt vor, man könne sich doch an der Weihnachtsscheune treffen und winken. Wir verabreden uns für zwei Uhr. Daraus ergibt sich der restliche Tagesplan von selbst.

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Die Weihnachtsscheune ist beeindruckend schön geworden. Lichterketten hängen auf halber Höhe, Gartenbänke und Stühle aller Art stehen im Kreis, jeder Platz mit einem Namensschild. Wir legen Geschenke ab und warten am Zaun. 10 Minuten später stehen wir in einem großen Kreis auf dem Hof und unterhalten uns kurz. Manche tragen Maske dabei. Es ist eigentlich nur ein bisschen seltsam. Man hat sich an schon an einiges gewöhnt.

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Man könnte es sich auch zu Hause anhören, aber dann wird es nicht richtig Weihnachten. Also haben wir uns für die Gottesdienstübertragung in der Ortsmitte entschieden. 15 Minuten Andacht vor Weihnachtsdorfkulisse. Von weitem kann man andere Familien sehen – Weihnachtswinken. Es ist eigentlich viel schöner, als so Arsch an Arsch in der rappelvollen Kirche zu sitzen, da sind wir uns einig, auf dem Rückweg.

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Nach der Bescherung zu Hause machen wir uns auf zu Oma und Opa. Die erste Stunde verbringen wir in der Scheune, dann wird es einfach zu kalt. Drin gibt es Schnittchenplatte und Süßigkeiten. Es ist leiser als sonst, wir sind ja auch viel weniger. Irgendwie sind auch alle ein bisschen müde. Die ständigen Umplanungen und Anpassungen waren anstrengend. Aber es ist doch schön, dass wir so zusammen sitzen können. Selbstverständlich ist das nicht. Ist es ja nie, nur in normalen Zeiten denkt man darüber nicht nach.

Gerne würde ich meinen Bruder mal in die Seite pieksen. Am Liebsten natürlich, wenn er gerade was getrunken hat. Das geht aus der Distanz nicht. Ich wußte gar nicht, dass das zum Weihnachtsabend dazu gehört. Aber das tut es offensichtlich. De Mudda sitzt neben ihm, weil sie über die Feiertage ein Haushalt sind. Ich bitte sie, das für mich zu übernehmen. Halbherzig piekst sie ihn ein bisschen. Es ist nicht dasselbe.

Die Oma aus dem Städtchen ruft an, um uns allen Frohe Weihnachten zu wünschen. „Warte, wir geben dich rum, oh nee, das geht ja nicht.“ Soweit hätte ich gar nicht gedacht… Der Haushalt zu dem das Telefon gehört spricht, alle anderen rufen leise Frohe Weihnachten. Ein liebevoll zusammengeknüddeltes Alupapier vom Marzipanstern werfe ich in den Mülleimer. Eigentlich wollte ich es dem Brüderchen an den Kopp schnipsen, das traue ich mich aus Seuchenschutzgründen nicht mehr.

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Anruf bei der Oma im Städtchen mit unserem Telefon. Sie ist fröhlicher, als ich gedacht hätte. Das war schon alles gut so. Sie hat ein bisschen mit dem alleinstehenden Onkel gefeiert und dann ferngesehen. Das Programm war wirklich gut, da hat sie sich gefreut und bis nach Mitternacht geguckt. Das macht sie sonst nicht. Für morgen sei sie zum Essen eingeladen, da hat sie auch abgesagt. Sie bekommt aber was gebracht, weil, das war schon bestellt, und dann soll sie ihre Portion auch essen, haben sie gesagt. Jo, und dann haben wir Weihnachten doch gut geschafft.

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Am ersten Feiertag kommen die Omas aus dem Nachbarort zum Mittagessen. Damit der Hund dabei nicht die ganze Zeit rumwuselt gehe ich morgens die große Runde. Bei strahlendem Sonnenschein und klarer Winterluft ist das herrlich. Der Liebste kocht solange ein klassisches Premium-Weihnachtsmenü.

Die Oma hat die Enkel länger nicht gesehen und nimmt erstmal alle in den Arm. Die Kinder wundern sich kurz, sie sind eher auf Abstand zu Omas trainiert. Eine Stimme in meinem Hinterkopf hofft, dass das hier nicht der Moment sein wird, an den wir uns ewig erinnern… Es wird ein gemütlicher Nachmittag. Wir spielen das neue Spiel, die Oma guckt sich die neuen Zimmer an, wir schauen total unsortierte Fotos der letzten Jahre, trinken nebenbei Kaffee und essen Plätzchen.

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Am zweiten Feiertag klingelt es schon um halb zehn. Nee, nee, rein wollen sie auf keinen Fall, nur was abgeben, sagen die Paten aus dem Nachbarort. Wir tauschen Geschenke im Türrahmen und unterhalten uns mit Abstand. Also, vielleicht, wenn einer da ist, würden sie doch einen Kaffee vor dem Haus… Kurzentschlossen holen wir den Stehtisch raus. Tee, Kaffee, Plätzchen vor dem Haus, das ist eigentlich ganz schön.

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Der Rest des Tages haben wir in Jogginghosen Märchenfilme geguckt. Da kommen wir sonst nicht zu. Das war auch mal schön. Es tut mir ein bisschen leid, aber ich habe so gut wie nichts vermisst, dieses Weihnachten.

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Der Coronaimpfstoff. Er ist zugelassen. Er ist da. Er wird verladen. Er wird unter Polizeischutz über die Autobahn gefahren. Er wird ausgeladen. Erste Senioren in einem Altersheim werden vor laufenden Kameras geimpft.

Mal was ganz anderes: Schulbetrieb ab Mitte Januar, gibt es da eigentlich schon Ideen FRAGEZEICHEN?

Erste Dezemberwoche

Eine Leiter kann man nicht stellen. Die Wand hinter dem Ofen ist nicht nur schwer erreichbar, sondern auch noch hundert Jahre schief. Es hat eine Ewigkeit gedauert und Nerven gekostet, aber die Tapete ist dran. Ich habe den Muskelkater des Jahres.

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Eine Faszienrolle sieht in etwa so aus wie eine Küchenrolle. Das Material erinnert an eine Boje. Die Rolle ist sehr fest und löst, wenn man darüber rollt, die Verklebungen der Faszien. Ist klar. Ich hatte es für ein Fitness-Gadget gehalten und nur wegen des Placeboeffekts gekauft, weil die Physiofrau gesagt hat, wir brauchen sowas. Das Märzkind hat seit Monaten kein richtiges Training mehr. Einmal die Woche Krankengymnastik ist zu wenig melden die Knochen.

Ob ich das denn auch mal probieren möchte, werde ich gefragt. Sicher, warum nicht. Unter Anweisung des Märzkindes setze ich mich auf den Boden, platziere die Rolle unter meinen Waden, stütze mich mit den Armen ab und – rolle locker über das Gerät, dachte ich. „AAAAuaaa, haaauuuaaa, aaaaa, das kann doch nicht gesund sein“. Doch, sagt das Märzkind. Da könne ich aber mal sehen, wie verspannt ich so bin. Boar nee, das ist nichts für mich. Als ich aufstehe und gehe, muss ich allerdings zugeben, es ist ein angenehmer vorher nachher Effekt erkennbar. Faszinierend.

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Da haben sie so schön gesessen und mit der Uroma drei Nüsse für Aschenbrödel geguckt und Plätzchen gegessen, dann kam der Papa dazu und hat gesagt: „guck mal die Eule, wenn man genau hinsieht, sieht man die Schnur“. Nie, niemals hat irgendwer es für möglich gehalten, dass diese Eule da nicht selber fliegt. Das Julikind ist empört, als es mir die Geschichte beim Abendessen erzählt. Der Liebste schmunzelt. Er fängt sich einen Tötungsblick und wird von beiden Mädels in die Seiten geboxt. Das ist nicht witzig. Er hat „die Glaubheit zerstört“.

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Ich bringe etwas an die Tür des Quarantäne-Haushaltes und klingele. Wer weiß, ob die das sonst finden, geht ja keiner raus, im Moment. Die Tür geht auf, ich gehe noch einen halben Schritt zurück und winke fröhlich der Mutterkollegin, die da noch halb im Flur steht. „Hast du keine Angst?“, fragt sie. „Nee“, ich wundere mich selber. „Also doch. Aber ich habe das ganze Jahr schon Angst, man gewöhnt sich…“ Die Mutterkollegin kommt bis in den Türrahmen und freut sich sehr, dass ich da bin. Sie wünscht uns wirklich von Herzen, dass uns das nicht passiert. Am Dienstag war sie mit dem Kind beim Test, direkt danach hat sie auf der Arbeit angerufen, die Chefin hat gesagt, das wäre kein Problem, sie solle ganz normal weiter arbeiten, der Test wäre doch bestimmt sowieso negativ. Sie hat dann wirklich jedesmal eine frische Maske genommen, obwohl das so gar nicht vorgesehen ist, und Hände desinfiziert und Abstand gehalten soweit es nur ging, als sie gerade anfing, selber zu glauben, dass der Test negativ sein muss, da hat die Tochter sie angerufen, und gesagt, sie muss alles sofort stehen und liegen lassen und nach Hause, Freitag war das. Seitdem sind sie alle nur im Haus. Die Kleine war am Wochenende krank. Nur zwei Tage und wenn man ehrlich ist, das könnte eine ganz normale Erkältung gewesen sein. Es geht allen gut, soweit. Nur im Kopf ist es anstrengend. Man horcht dauernt in sich rein, fragt sich, ob es vielleicht kratzt im Hals…

Das kenne ich. Die Kleine hat die ganze Woche im selben Klassenzimmer gesessen wie das Julikind.

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Was ist denn nun mit Weihnachten? Ich hole Kuchen bei der Omma und frage anstandshalber mal nach, was sie so meint. Weihnachten mit Urenkeln unter dem Baum? „Och“, sagt de Omma, „ich bin da nicht ängstlich“. Das wußten wir ja alle, aber im Moment ist es ja doch etwas bedrohlicher, deswegen… „ach, weißte, ich bin so alt, ich kann ruhig sterben“. Ähm…okee… wer fragt bekommt Antworten.

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Was ist denn nun mit Weihnachten? Gleiche Frage andere Seite der Familie. Tagelanges Schweigen von allen Beteiligten. Bei mir entsteht der Eindruck, dass niemand Gastgeber sein will. Vielleicht bietet dieses Jahr die Möglichkeit, Dinge anders zu machen als „schon immer“?, das muss ja garnicht heißen, dass es schlechter wird? Vielleicht lerne ich auch einfach irgendwann die Klappe zu halten.

Es findet sich dann doch noch eine Lösung. In der Theorie könnte das schön werden – oder Schlagzeilen machen.

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Lichter leuchten überall in den Fenstern und in den Gärten. Dieses Jahr geben sich die Leute anscheind richtig Mühe, dass kann sogar ich schön finden. Naja, das meiste zumindest. Als wir auf der Hunderunde an diesem riesigen luftgefüllten Leuchtschneemann vorbeikommen, muss ich doch grinsen. Was denn so lustig sei, erkundigt sich der Liebste. „Modell 88, dachte ich gerade, aber das ist bestimmt ein Versehen“, und deute auf die Adventsfigur. Der Schneemann sollte mit Sicherheit winken. Die Winkehand ist aber irgendwie ungünstig verklemmt und teilweise von der Luftzufuhr abgeschnitten. Statt hocherhoben zur Seite zeigt der Arm halbhoch nach vorne. „Du wieder“, sagt der Liebste, „sowas fällt doch keinem auf“.

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In der Schule werden jede Menge Arbeiten geschrieben. Die Kinder machen nachmittags Hausaufgaben und lernen. Da fällt der lockdown gar nicht weiter auf. Es hat gar keiner Zeit, sich zu verabreden. Angespannt ist die Stimmung vor den Weihnachtsferien immer, es werden jedes Jahr viele Arbeiten geschrieben. Dieses Jahr ist das Pensum aber ein anderes und es fehlt der ganze Tüddelkram. Kein Weihnachtsmarktbesuch, kein wichteln, kein Gesang, kein Gebäck.

Beim Märzkind in der Klasse gibt es in diesem Winter einen Wasserkocher. Da kann man sich Tee machen. Neben dem Wasserkocher steht auch ein kleiner Weihnachtsbaum. Ganz ehrlich, wenn das nicht wäre, dann hätte man auch langsam keinen Bock mehr. Arschkalt isses.

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Keine Wichtelgeschenke besorgen, keine Spenden für Mitbring-Buffets auf Weihnachtsfeiern, keine Sondertrainings, keine Turnveranstaltung, keine Auftritte, keine Gürtelprüfung, keine Weihnachtsfeiern. Es ist der entspannteste Advent aller Zeiten.

Dem Porno seiner

Es war einmal, an einem Mittwoch abend oder so, in der Vorweihnachtszeit des Jahres 2019. Der Hund war noch klein und – es waren andere Zeiten damals, man kann es sich kaum noch vorstellen…

Der Beziehungsrahmenvertrag sieht vor, dass ich ihn einmal im Jahr von einer Weihnachtsfeier abhole. In diesem Jahr ist es die vom Altherrenfussball, nur zwei Orte weiter.

Gegen halb zehn mache ich es mir auf dem Sofa bequem, es kann noch eine Weile dauern. Ich genieße kurz die Macht über die Fernbedienung und dann klingelt auch schon das Telefon. Unter meinem Kopfkissen. War wohl doch zu gemütlich.

Leise schleiche ich raus, den Fernseher lasse ich weiter laufen, nicht das der Hund aufwacht. Das klappt super, bis ich den Reißverschluss meiner Jacke zuziehe. Er wundert sich, das wir so spät noch rauswollen, aber – welche Freude… och nee. Im dem Moment kommt das Julikind die Treppe runter. Sie könnte den Hund mit hoch nehmen so lange, kein Problem. ( Abgesehen davon, das Grundschüler um kurz nach elf eigentlich schlafen sollten, aber mach was dran, bei der kleinen Eule.) Ich nehme ich das Angebot an und mache mich auf den Weg.

Das ist doch mal zäher Nebel. Wenn man an einem Leuchtpfosten vorbei fährt, kann man den nächsten noch nicht sehen. Sollte mich jetzt ne Wildsau rammen, ich könnte nicht mit Sicherheit sagen, wo genau ich gerade bin. Für die 10km brauche ich fast eine viertel Stunde.

Ich parke vor dem Haus und warte, dass jemand aus dem Fenster guckt. Außer mir steht sonst niemand hier, mitten in der Woche. Es tut sich nichts. Nur der Mann hinterm Tresen hat mich gesehen. Zum Glück war es kalt genug für eine Mütze, denke ich, als ich im „nach 22 Uhr auf dem Sofa Sitz Outfit“ das Lokal betrete.

Der Mann hinterm Tresen begrüßt mich freundlich.

„Na, einmal einer nach Hause?“

„Jawoll.“

Er deutet in den hinteren Teil, wo die Stimmung offensichtlich gut ist. „Such dir einen aus.“ „Och, ich glaube, ich nehm den gleichen wie immer.“ Dorfkneipe, man kennt sich.

Ich mache mich auf den Weg. „Heeeejj, da bist du ja schon, jetzt hat der Emm gerade eine neue Runde angefangen!“ Das kann ich sehen, verstehe die Info aber falsch. „Dann kann der Emm dir ja gleich ne Nachricht schicken, wie’s ausgegangen ist“. „Nee, der fährt doch mit uns“. Ach so. Ich erkläre kurz, dass der Hund das Kind so lange wach halten wird bis wir wieder zu Hause sind. Ach so. Der Emm wird nur mit seinem Namen angesprochen und mit einer wedelnden Handbewegung zum Aufbruch aufgefordert. „Oh, hi“, begrüßt er mich fröhlich, „sicher, ich komme“. Er wirft den Dartpfeil in die Scheibe, greift das Bierglas mit der frei gewordenen Hand und trinkt den letzten Schluck, dann stellt er das Glas ab, hebt die Hand und senkt den Kopf, alles in einer fließenden Bewegung: „Leute“ Mehr Worte braucht es nicht, männliche Kommunikation ist faszinierend sparsam. Bierdeckel und Sporttaschen werden zusammengesucht, nach Bargeld gekramt. Unter Protest der Kameraden, es ist anscheind zu früh zum gehen.

Mit dem Mann hinterm Tresen tausche ich heimlich ein Grinsen, er sieht dieses Schauspiel vermutlich öfter. Der Liebste zahlt seinen Deckel und wird dabei von jemandem, der am Tresen saß, erkannt. Händeschütteln, Begrüßung, lange nicht gesehen, „Hä?“, „Na, der Krissi,weißte doch…“, „ah, ja sicher, der Krissi.“ Ob wir ihn mitnehmen würden? Der Liebste weiß nicht wirklich, wer das ist, ich kenne sein Pokerface. Prinzipiell würden wir ihn natürlich mitnehmen, gerne, aber, er wohne halt in genau der anderen Richtung? Oder nicht? Nee, heute übernachtet der Krissi bei seinem Onkel, der wohnt im Haus gegenüber der Tankstelle. „Aaach, du bist dem Porno sein Kurzer…“ (Manche Sachen kann man sich nicht ausdenken…) Der Krissi guckt leicht verwirrt und bejaht. Gut, da müssen wir eh vorbei. Der Emm hat seinen Deckel währenddessen bezahlt und wir gehen zum Auto.

Ach, das war doch wirklich ein schöner Abend, sind sich die Herren einig. Und, ganz ehrlich, so bis halb zwölf, wenn du den nächsten Tag arbeiten musst, reicht das völlig. Es ist nicht mehr, wie es mal war. Nur schade, das der Alex nicht dabei war, aber, den hat’s schon übel zerlegt, man dachte kurz, der hat sich ernsthaft was getan. Ich werfe dem Liebsten einen fragenden Blick zu. Manchmal tut er den Fussballern aus Versehen weh. Die alten Herren fallen einfach anders, als die Jungs beim Football. Dafür konnte er nichts, erfahre ich. „Konnte doch keiner ahnen, das der nach links ausweicht,“ sagt der Emm, „zumal da ja die Wand war“.

Mittlerweile sind wir bei der Tankstelle angekommen. Ich erkundige mich, an welchem Haus ich denn halten soll, und werde noch drei Häuser weiter geleitet. Der Krissi bedankt sich sehr herzlich, und steigt aus.

„Wer? War? Das denn jetzt?“ erkundigt sich der Emm.

„Du wohnst doch hier, ich dachte du kennst den“, der Liebste ist verwirrt.

„Ich kenn doch die zwanzigjährigen nicht mehr.“

„Krissi, hat er nur gesagt“.

„Krissi sagt mir nix“.

„Dem Porno sein Kurzer“.

„Nä, der Porno wohnt da vorne, im Haus mit dem Zaun“, der Emm deutet die Straße runter. Alle Häuser auf dieser Seite haben einen Zaun.

„Na dann weiß ich’s auch nicht“, fasst der Liebste zusammen.

„Och, war aber ein ganz netter Kerl“.

„Jo, fand ich auch“.

Gut, dass das die Omma nicht weiß. Fremde darf ich nämlich nicht im Auto mitnehmen.

Erste Novemberwoche

Am Freitag vor dem Teil-Lockdown wird das Maikind spontan zu einer vorverlegten kleinen Geburtstagsfeier eingeladen. Das Märzkind trifft sich auch mit ein paar Leuten. Beide verlassen das Haus mit gemischten Gefühlen. Darf man das noch? Man darf, sage ich. Es sind erstens die gleichen Leute wie in der Schule und zweitens geht da auch um psychische Gesundheit – meine.

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Die Blätter sind fast alle abgefallen, aber irgendwas buntes ist doch noch, in der Hecke. Ach guck, der riesen Holz-Osterhase, ich dachte, den hat endlich einer geklaut, er war aber nur eingewachsen. Ich nehme die Heckenschere und befreie den Hasen. Das hat fast etwas symbolisches. Hingestellt habe ich ihn im März, ab da ist uns irgendwie alles über den Kopf gewachsen.

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Das Märzkind und ich müssen eine Wartezeit überbrücken und wollen der Oma-im-Städtchen etwas in den Briefkasten werfen, sollten wir Licht sehen auch klingeln und winken. Als wir vorfahren räumt sie gerade ihr Auto aus. Da sehen wir uns in echt und unterhalten uns eine Weile vor dem Haus. Das ist erst seltsam, aber eigentlich ganz schön. Nach einer Weile bittet sie uns rein. Das Märzkind und ich gucken uns etwas ratlos an. Damit hatten wir nicht gerechnet, weil diese Oma sich wirklich fürchtet, vorm Virus. Seit Februar ist sie die allermeiste Zeit allein. Wir geben zu, dass wir das lieber nicht möchten, weil diese Woche nun mal so ist wie sie ist. Die Oma meint, da hätten wir wohl recht, und irgendwie sind alle erleichtert. Wir, weil sie nicht sauer ist, und sie, weil wir nicht wollten – aber gekonnt hätten. Es ist kompliziert.

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In der halben Stunde, die wir vor dem Haus stehen fallen uns einige Autos mit Nummernschildern von weiter weg auf. Darin auffällig schick gekleidete Familien. Ein Hauch von „Weihnachten nache Omma hin – jetzt oder nie“ weht um die Häuser.

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Ein leicht zerbeultes Paket wird geliefert. Es erinnert mich daran: online Weihnachtsgeschenke bestellen, jetzt oder nie. Es kommt ja schon in normalen Zeiten zu abenteurlichen Zustellungen im Dezember.

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Gut, dass sich dieser Kollege des Liebsten Montag krank gemeldet hatte. Corona positiv. Man weiß aber woher, und der Rest ging schnell, die Schicht hat kein Problem.

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Zweimal habe ich diese Woche jemanden vor einer Klinik rausgelassen. Einer kam nach einer halben Stunde fröhlich wieder raus, der andere nicht.

Nachrichten von einem Terroranschlag in Wien und einer Präsidentenwahl, die mich immer wieder mit dem Kopf schütteln lässt.

19900 Neuinfektionen an einem Tag.

Einen Praktikumsplatz zu suchen in diesen Zeiten ist eine Herausforderung.

Schulen sind geöffnet, man wurschtelt sich so durch. Zur dritten Stunde fährt übrigens kein Bus, auch wenn der Schultag regulär da anfängt nicht.

Gibt es eigentlich mittlerweile einen Plan, für den Fall, dass aus Teil-Lockdown ein Lockdown wird, so mit Schule zu? Ein Kind wird über discord mit Unterricht versorgt werden, eins über Lanis, das andere sehen wir dann, wenn soweit ist.

Die Waschmaschine, sie will irgendwie nicht richtig, obwohl sie können müsste.

Ich hab den Apfelpflücker vergessen.

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Der Waschmaschinen-Kundendienst hat noch eine Idee, wie sich das Problem vielleicht lösen lässt. Ansonsten würden sie auch vorbeikommen, natürlich. Man könne den Leuten ja nicht sagen, melden Sie sich einfach, wenn Corona vorbei ist. Die Leute freuen sich über diese Infos.

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Zum Martinsumzug wären wir nicht gegangen, das ist ja was für Kleine, aber ein digitalisiertes Laternenfest feiern wir gern mit. Fünf Laternen sind soweit in Ordnung, dass man sie in die Fenster hängen kann. Ab morgen könnt ihr euch von der Straße aus daran erfreuen, heute gibt es noch technische Schwierigkeiten. Wir haben zwar ausreichend Beleuchtungseinheiten und Batterien, es passt nur nicht zusammen.

Stutenkerle backen wir dann einfach selber. 1kg Mehl, ein Würfel Hefe… nach so einer Woche kann man sich ruhig mal was gönnen.

oh oh, oder so

„Na? Heimstudienwoche?“ Frage ich Montag morgen bei der Freundin nach. Sie haben eine Fahrgemeinschaft mit der kleinen Schwester des Coronafalls. „Nee, nix Heimstudienwoche. Offiziell wissen wir noch nicht mal was“, sagt die Freundin. Sie habe quasi den ganzen Freitag telefoniert. Außer ihr sahen das aber alle ganz entspannt. Die kleine Schwester wurde nicht getestet, somit gäbe es keine Veranlassung zu irgendwas. Die Kinder gehen ganz normal zur Schule und sie muss auch zum Diest. Die Coronastation wird aufgemacht. Die, die sich da freiwillig gemeldet haben fehlen ja auf Normalstation.

Zwei Möglichkeiten: Entweder, es gibt kein Problem und wir sorgen uns umsonst, oder wir sind komplett am Arsch.

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Der Außendienstmitarbeiter ruft an, um sich zu erkundigen, wie es uns im neuen homeschooling geht. Es ist kein homeschooling, ich erkläre kurz den Ablauf. „Oh, ähm, oh“, sagt er. Ganz genau.

Also, er war letzte Woche Mittwoch zum Routine-Test, dass war nachdem er hier Kaffee getrunken hatte. Man hatte gesagt, er bekomme das Ergebnis auf die App. Samstag kam es mit der Post, er ist negativ. Die App schweigt dazu bis heute.

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Ich lande in einer whattsapp-Gruppe des gesamten Ortsteils. Das soll keine Geburtstags-Glückwunsch-Gruppe sein erfahre ich, vielmehr soll sie dazu dienen, sich gegenseitig über Straßensperrungen oder ähnliches zu informieren, nur der Ortsbeirat kann schreiben. Natürlich bleiben die allermeisten in der Gruppe, wenn irgendwer Corona hat, will man das schon wissen…

Als da vor ein paar Wochen auf einmal dieses riesen Loch hinter dem Haus gegraben wurde gab es keine Informationen, das war blöd. Vielleicht funktioniert es ja wirklich, ich bleibe auch.

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Ich lese ein paar Pflaumen auf, die auf dem Gartenweg lagen. Als ich sie zum Kompost bringe, fällt mir auf, das der Garten von dieser Seite aus wirklich erbärmlich aussieht. Ich frage, ob irgendwer helfen würde da mal irgendwas… Zu meiner Überraschung helfen alle. So braucht es nur eine Stunde, bis es wieder aussieht, als würde der Garten jemandem gehören.

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Elterntaxifahrt zum Training. Die eine Stunde Wartezeit reicht genau zum Einkaufen. Gleich bei den Einkaufswagen ein handgeschriebenes Schild, man möge bitte, soweit das möglich ist, die Einkäufe allein erledigen, um die Anzahl der Personen im Laden so gering wie möglich zu halten. Danke für das Verständnis.

Im Laden wirkt erstmal alles normal. Im hinteren Teil steht eine Palette Klopapier mitten im Gang, daneben eine Palette Mehl. Man sollte doch meinen, die haben alle noch genug zu Hause. Der Hefekarton im Kühlregal ist noch fast voll, es klebt allerdings ein Schild drauf. Nur zwei Würfel pro Haushalt. Mehr brauch ich doch eh nicht. Ich kaufe ganz normal ein, bis ich am Klopapierregal vorbeikomme. Das ist leer gefegt. Ganz unten ganz hinten liegt noch eine Packung mit Herbstmotiven.

Brauchen im Sinne von brauchen tun wir eigentlich keins. Allerdings will ich auch nicht wieder wie eine Idiotin in drei Läden müssen, nur wegen Klopapier. Ich nehme die letzte Packung aus dem Regal und es fühlt sich gut an. Ab jetzt gibt es nur noch weißes, direkt von der Palette. Wir aber werden welches mit Herbstmotiven haben, was für ein Glück. Dann geht es ein bisschen mit mir durch. Ich merke es, kann aber nichts dagegen tun. Wir haben nämlich auch nur noch 25 Pfefferkörner in der Mühle, ist mir heute aufgefallen, wie weit kommt man damit schon? Und von diesen Marzipanbaumstämmen mit Nougatfüllung haben wir noch gar keine vorrätig! Wer weiß, was die nächsten Wochen bringen. Am Ende müssen wir ohne durch den Advent. Ich nehme 6, sicher ist sicher.

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Der Liebste muss arbeiten. Weil viele krank sind teilen sie sich diese Woche die vier Schichten zu dritt. Spoileralarm: Niemand macht die Freischicht. Über Mittag werden zwei Leute gebraucht, Ruhezeiten müssen trotzdem eingehalten werden. Das geht alles – irgendwie.

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Der Klassenkamerad, der neben dem Coronafall gesessen hat, meldet ein negatives Testergebnis. Sein Bruder ist der Banknachbar des Maikinds. Wie groß die Anspannung wirklich war merkt man daran, wie sehr wir uns freuen. Dem Klassenkamerad geht es aber leider trotzdem schlecht.

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Wir verabreden uns mit der Oma zu einem Waldspaziergang. Das tut allen gut. Wir haben uns schon länger nicht gesehen.

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De Omma ruft an. Mit dem Apfelpflücker, den der Liebste ihr gebracht hat, kann sie nichts anfangen, der ist zu kurz. Man möge ihr den anderen bringen. Gerne jetzt. Jetzt geht aber nicht, weil ich warte auf eine Holzlieferung. Der Liebste arbeitet. Das Holz werde ich mit den Kindern verräumen, und zwar heute noch. Naja, dann wird es wohl schon dunkel sein. Da muss der Apfelpfücker wohl bis morgen… Ein Gesteck muss auch noch auf den Friedhof. Vielleicht noch diese Woche, ich möge bitte nachfragen, bei der Floristin, wann man da kommen kann, und dann bringen wir das direkt auf den Friedhof. Und den Apfelpflücker, ne?, da denke ich aber dran.

Zeitgleich schickt meine Schwester ein Foto von sich im Bademantel auf einer Relaxliege. Weil sie es kann. Sie sind nämlich gerade ganz alleine im Wellnessbereich, Fotos machen ist da sonst verboten. Wie-ein-Onkel zeigt in seinem Status eine Bilderstrecke, Wellnessbereich ohne Menschen, kommentiert mit „wir haben die letze Chance nochmal genutzt“. Freut mich für euch. Möge dich der Blitz beim scheißen treffen.

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2,7 Schüttraummeter verräumt man zu viert in einer Stunde. Große Kinder zu haben ist manchmal auch richtig toll.

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Die Waschmaschine pumpt nicht ab und schlägt mir vor, mal die Laugenpumpe zu reinigen, oder den Ablauf, oder beides.

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Ich soll das Arbeitsblatt ausdrucken? Damit du es handschriftlich ausfüllst und dann als Foto hochlädst, um es an eine Lehrerin zur Korrektur zu schicken, in einer App, die für Gamer entwickelt wurde? Nicht im Ernst, oder? Ich weiß dass das anders besser und schneller geht, weil das Julikind diese Woche eine Einweisung hatte. Gerne würde ich diese Lehrerin an meinem Wissen teilhaben lassen. Sie hat aber keine Emailadresse.

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Ab Freitag gilt Maskenpflicht im Unterricht, die ganze Zeit. Ab Montag gibt es neue Stundenpläne. Sportunterricht findet nicht mehr statt, auch die klassenübergreifenden AG’s nicht. Vereinssport geht nicht mehr und es dürfen nur noch zwei Haushalte zusammenkommen. Der Rest von diesem Lockdown betrifft uns eigentlich gar nicht. Entweder hilft das oder wir werden sicher Verständnis dafür haben, dass die Schulen wieder geschlossen werden, vermute ich mal.