Goldrandgeschirr und Blaualgen

„Es ging doch eigentlich“, sagt der Liebste, als wir abends zusammen auf der Treppe vorm Haus sitzen. Ich gucke fragend. „also, so alles in allem, war der Sommer doch garnicht schlecht“ sagt er. Da hat er recht, also „wenn man mal von der Kündigung, dem Hitzedom, dem kaputten Fuss und der überraschend hohen Steuerrückzahlung absieht“, „najaguuut, irgendwas ist ja immer“, sagt er.

Ein paar Sommerschnipsel:

Ungefähr da, wo wir hingewollt hätten, brennt es. Zum Glück war noch nichts gebucht. Spontan machen wir stattdessen einen Städtetrip. Wir besuchen das Kunstmuseum. Ein Raum im Museum ist ganz mit dickem Papier ausgekleidet, man darf an die Wände malen. Das möchte Julikind natürlich. Der Liebste und ich setzen uns auf die Wartebank und staunen ein bisschen, wieviel Zeit schon vergangen ist. Hier heute im Museum, weil es doch mehr Spaß macht als gedacht, und so ganz allgemein, weil das Kind da so mal gerade ein Kunstwerk an die Wand pinselt, das aussieht, als würde es zur Ausstellung gehören, holladieWaldfee.

Eigentlich mag ich keine drei Stunden Kinofilme, andererseits, was soll man sonst tun, bei 36°C im Schatten? Ein entspannter Nachmittag. Und ein guter Film eigentlich, sagt Julikind, es wäre nur hier und da vielleicht hilfreich gewesen irgendwas einzublenden, damit man weiß, worum es eigentlich geht, denn offensichtlich gab es ja irgendeine Vorgeschichte. Ähm ja. Der Liebste und ich schauen uns verwundert an. Man kann also heutzutage einen Realschulabschluss und noch nie von Odysseus gehört haben. Interessant.

Es hätte noch eine richtig schöne Fussgängerzone gegeben, stellen wir auf dem Rückweg fest, aber, nicht für uns, bei der Hitze. Das Hotel hat eine parkähnliche Gartenanlage, wo man abends noch lange draußen sitzen kann. Das ist gut. Dort picknicken wir spät am Abend, spielen Boule und würfeln. Im Stadtteil Mini-edeka konnte man Wein direkt in Gläsern kaufen. Hab ich so auch noch nie gesehen.

Auf dem Heimweg besuchen wir eine Tropfsteinhöhle. Es ist Pullover-kühl unter Tage und es gibt herrlich klare Luft, ein schönes Ferienerlebnis, man würde gern länger bleiben. Auf dem Weg zum Parkplatz verblasst die Erinnerung und beim Öffnen der Autotüren fangen alle wieder an zu schwitzen.

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Wir haben den Vollmond durch ein Telekop bewundert. Der Mond, die Technik, alles beeindruckend.

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Geschirr und Besteck für 50 Leute zu organisieren braucht nur zwei whatsapps. Fünf Minuten später hab ich alles zusammen. 20 Goldrandteller sind noch bei der Omma auf dem Dachboden, extra für solche Fälle, de Mutta hat ihre im Kellerregal stehen und die dürfen selbstverständlich genutzt werden, Schwiegermutter ist sich sicher, muss aber kurz nachsehen und meldet nach einer halben Stunde, 35x Messer und Gabel zur Abholung bereit.

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Der Liebste hat Geburtstag gefeiert, endlich mal. Beim 40sten war Corona, dann jedes Jahr irgendwas anderes. Die Kernfamilie hat gekocht und gebacken, Material getragen und die Grillhütte gefegt. Es gab einen kurzen Moment der Aufregung, als das Gerücht ging, man dürfe nicht mehr Grillen wegen Waldbrandgefahr, aber nach einem Anruf auf der Stadt ist wieder alles gut. Man muss nur wirklich ernsthaft aufpassen, aber das hätten wir ja sowieso gemacht, schon allein weil wir nebenan wohnen.

Lieblingsmenschen haben sich Zeit genommen. Ein Hauch Neunzigerjahre lag in der Luft. Es war wirklich ein Fest.

Beim Frühstück am nächsten Morgen erzählen sich die verblieben Gäste nochmal gegenseitig davon und treffen Verabredungen für das nächste Jahr. Es wird Hochzeiten geben, mehrere.

Aufräumen geht viel schneller als aufbauen und ist dank der vielen helfenden Hände schnell erledigt.

Nachmittags machen wir einen Ausflug zum Edersee, also, zu den Stellen, wo normalerweise See wäre. Wir blicken auf Wege, die zur Aselbrücke führen, blühende Gräser, Mountainbiker, Hundespaziergänger und Wanderer. „Übberlech mal du, wenn die jetz de Sperrmauer aufmachen…“ sagt ein Tourist neben uns zu seiner Frau, die gerade von der Fähranlegerrampe Richtung Abhang kraxelt, wir lachen so unauffällig wie möglich, aber herzlich. Bis hier wieder Wasser ankommt, müsste es wochenlang regnen. An der Sperrmauer gibts noch welches, aber beeindruckend wenig und grün. Schön für insta, offenensichtlich. Als Ü40 Reisegruppe beobachten wir amüsiert die jungen Contentcreator-Paare: er fotografiert sie, in immergleichen aufeinanderfolgenden Posen und mit passenden Gesichtsausdrücken, wenn genug Fotos gemacht sind, wird sofort routiniert zusammengepackt, ohne den Fotohintergrund eines Blickes zu würdigen.

Überraschend gute Pommes gegessen und gekühlte Getränke bekommen, das ist an dem Ort eher ungewöhlich, vor allem in der Kombination.

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Nach der Party kommen wir zu der Erkenntnis, es gibt einige alkoholische Getränke in diesem Haushalt, die niemals mehr jemand trinken wird. Aus den hintersten Ecken der Speisekammer und Kellerregalen tragen wir die alten Schätzchen zusammen und entsorgen sie über die Küchenspüle. Anschließend gehen wir zu zweit zum Altglascontainer. Normalerweise ist um diese Zeit nix los im Ort, aber natürlich nutzt genau heute ein Nachbar die Mittagshitze zum Straße fegen, und erkundigt sich interessiert, ob das denn die Partyreste seien. Jo, könnte man so sagen.

De Mutta trägt nur noch die schönsten Goldrandteller in den Keller zurück, alle anderen wurden entsorgt, erzählt sie später. Ommas mega-Haushalt hat Spuren hinterlassen.

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Zur Abendessenszeit soll es eine Sonnenfinternis geben. Irgendwann stehen auffallend viele Nachbarn draußen, und das Licht verändert sich. Eine sehr angenehme Abendstimmung. Dann wird es wieder heller, die Nachbarn verschwinden. Wir gucken uns die Bilder später einfach im Fernseh an – und sind ehrlich erstaunt was da alles rund um Sonnenfinsternis geboten und konsumiert wurde. Noch nicht mal das kosmisch interessierte Maikind hatte eine Brille gekauft.

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Ich fange an, im Garten alles rauszurupfen was wirklich hinüber ist. Daran würde auch Regen nichts mehr ändern. Außerdem kann alles weg, was kaputt ist. Nagut, sagt der Liebste. Er holt einen Akkuschrauber, eine kleine Säge, dann eine größere, dann die Kettensäge… ich trage Schnittgut beiseite. Am Ende des Tages ist immernoch alles staubtrocken, aber es sieht nicht mehr so trostlos aus.

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ich: naaa, haste bisschen zu lange in der Sonne geparkt?

er: hä? wieso?

ich: deute auf die Parkuhr hinter der Windschutzscheibe

er: macht ein Brummgeräusch, kannjawohlnichsein

ich: also, ich hab ja so eine ganz billige, aus Pappe

er: guckt böse, flucht auf das Wetter

ich: da wirste wohl auch n neuen Eiskratzer brauchen, diesen Winter

er: ja, samma, is denn gut jetzt?

ich finds lustig und würde die auch weiterhin benutzen, als Sommeredition, er trauert um bestes Autoinventar

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Ich hatte gesagt, ich besorge Karten, fürs Weihnachtssingen im Stadion, für Märzkind, anstatt Adventskalender und Nikolausgedöns. Der Vorverkauf startet und sie erkundigt sich, ob ich denn schon? Ich plane demnächst, sage ich. Ohhh, lieber jetzt, sagt sie. Ich lächle und nicke und bin dann doch froh, nicht gewartet zu haben. Die letzten zwei zusammenliegenden Plätze in den unteren Rängen werden ihre. Anfang August, alle bekloppt.

Julischnipsel 2026

Die Hitze ist vorbei. Wir dachten wohl alle, wenn es kühler wird machen wir einfach normal weiter. Statt dessen fühlen sich alle irgendwie wärmeverkatert, mental dehydriert und froh, dass es vorbei ist. Gibt`s schon ein Wort für diesen Zustand?

Das Vogelfutterhaus hat sich verzogen, der Gartentisch auch, in der Auffahrt ist Asphalt gerissen, sämtliche Werbegeschenks- und Souvenirladen-Fächer die wir vorrätig hatten sind durch. Bewährt haben sich die mutmaßlich vietnamesischen Palmblattfächer, die ich während der Haushaltsräumung auf Ommas Dachboden gefunden hatte. Die wurden offensichtlich für Dauerbetrieb bei hohen Temperaturen konstruiert.

Die Waschmaschine funktioniert wieder. Bei Temperaturen über 35°C ließ sie sich zu nichts überreden. Touchscreen ist viel besser als Drehknöpfe haben sie gesagt, total einfach zu bedienen haben sie gesagt.

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Märzkind und ich pflücken Sauerkirschen. Das Sommergefühl wird mit eingekocht, man wird es brauchen, eines Tages, wenn wieder Schnee liegt und der Wind pfeift… unvorstellbar.

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Alle haben sich Zeit genommen, ich fühle mich geehrt. Wir im Haus weil der Wind zu kalt ist, um draußen zu sitzen. Man trägt Strickjäckchen und wundert sich darüber. Traditionell werden am Geburtstag Fotos mit Eltern gemacht, um den Verlauf der Zeit zu dokumentieren. Weil sonst niemand mit in den Garten gekommen ist, machen wir ein Dreipersonenselfie. Vatta erzählt, mit wem er wo heute vor 44 Jahren schon was getrunken hatte. Damals musste man ja noch zu Leuten hin, um Ihnen was zu erzählen, wir hatten ja nix.

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Beide Mädels haben Auftritte auf dem Altstadtfest. Lustigerweise zu genau den gleichen Zeiten wie letztes Jahr. Überhaupt ist dieses ganze Fest genauso wie immer. Die gleichen Buden an den gleichen Stellen, die gleiche Musik auf denselben Bühnen. Nur mit weniger Leuten, wegen Ferien wahrscheinlich. Der Raum vor der Bühne füllt sich, wir finden uns und schauen den Auftritt des Julikinds in einer größeren, locker verteilten Gruppe. Die, die immer dabei sind, nicken anerkennend. Diejenige von ihren Freundinnen, die zum ersten Mal zuschaut, ist ganz aus dem Häuschen. Ich bekomme viel Lob, und freue mich natürlich, aber… ehrlich gesagt, fahre ich nur gelegentlich das Auto zum Training, also… Neee, also wirklich soso toll ist das, sagt sie.

Märzkind ist erst viel später dran. Weil niemand Lust hat auf Kultur bei Kirmesfeeling, fahren wir ins nächst gelegene Freibad, in der Hoffnung, dass man da noch einen Platz frei hat, für uns. Der Mann an der Kasse freut sich, dass wir kommen. Ausser uns sind noch drei andere Badegäste im Bad. Die gesamte Liegewiese ist frei, alles ist blitzeblank sauber, man hört das sanfte Wellenplatschen am Beckenrand – an einem Sonntag nachmittag im Juli, während der Sommerferien, wie kann das sein?

Nach zwei Stunden Urlaubsgefühl fahren wir zurück und bewundern den zweiten Auftritt des Tages. Es gab Nachwuchs in diesem Verein, das ist schön, aber ich hatte so zwei oder drei Momente Nervenflattern, weil ich dachte, jemand könnte stürzen. Nix passiert. Ab hier beginnt dann eigentlich traditionell der Sommer, überlegen wir, während wir zurück zum Auto laufen. „Aber mit Sommer meint man ja was anderes, nicht wie letzte Woche“, sagt Julikind. Recht hat sie.

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Der Twizzy bremst wieder. So gut, dass er sogar TÜV bekommt. Wir freuen uns, weil er erstens gebraucht wird, als Sommerfahrzeug und zweitens, weil diese Reperatur ungefähr 3000 Euro günstiger war, als die Vertragswerkstatt kalkuliert hatte, selbst wenn man die Ersatzteilkosten und Werkzeuganschaffungen ehrlich zusammenrechnet, sagen die Herren. Naja, die investierten Wochenenden und Nerven verbuchen sie dabei als Gewinn von Lebenserfahrung.

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Frisch Getratschtes: Ich dachte, die USA Reisenden hätten Tickets für die Achtelfinale, und wüssten halt nur nicht, wer spielt. Im Pauschalangebot dieser Fussballreise waren aber nur die Tickets für Deutschland-Achtelfinals inklusive, alternativ optional eben keine Tickets. Wer hätte gedacht, dass Leute für sowas Geld bezahlen würden? Die beste Geschäftsidee, seit jemand unsichtbare Stoffe für des Kaisers neue Kleider gewoben hat. Respekt. Aber man darf natürlich nicht lachen, es wird dauern, bis das lustig ist, falls überhaupt. Die große Schwester des Investors schickt ein Foto vom Einkaufen.

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Innerhalb von wenigen Tagen bekommen alle Halskratzen und Schnupfnasen, dazu ein Gefühl von müden Knochen. Hitzeerschöpfung, Freibad-Erkältung, Klimaanlagen- Temperaturschwankungs-rotz oder vielleicht ein Hauch von Sommercovid? Man weiß es nicht. Mich streift die Erkältung nur, Glück gehabt. Dafür verknackse mir den Fuss, beim Spaziergang. Nichts geht mehr. Na toll. Ich hab die Schnauze voll und verfalle kurz in mimimi.

Bis das Telefon klingelt. Zwei Verkehrsunfälle sind im Bekanntenkreis passiert. Einer heute, der war blöd. Es gibt einen Schaden und Verletzungen, die mich aufhören lassen über einen bunten Fuss zu jammern, aber nicht so schlimm, dass man sich sorgen muss. Der andere ist wohl schon etwas länger her. Die Nachricht ist Teil einer Antwort auf die Geburtstagseinladung des Liebsten, und wird am Ende zusammengefasst mit, es bestehe keine Lebensgefahr mehr, aber man könne derzeit leider nichts im Voraus planen und deshalb noch nicht zusagen.

Ich nehme mir ein Buch, setze mich in den neuen Sessel, wickle den Fuss in Eis und genieße das Leben.

Meilensteine und Premieren unterm Hitzedom

Vier Leute sitzen um den Esstisch und spielen Siedler von Catan. Wäre es Advent würde man von hygge und Gemütlichkeit sprechen. Es ist aber Juni und wir sitzen drin, weil es draußen zu heiß ist. Wirklich. Sogar für die drei von uns, die Sommer gern mögen und das ist neu. Wir erzählen uns gegenseitig was wir heute alles nicht machen, wegen Wetter und konzentrieren uns dann aufs Spiel.

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In der Kirche ist es angenehm kühl. Auffallend viele Leute tragen weiße Hemden, bei dieser Trauerfeier, einige Fächern sich Luft zu, so richtig mit Fächern, nicht provisorisch mit Notenblättern oder so. Wir folgen dem Trauerzug bis ans Grab, wer kann steht andächtig am Zaun. Alle anderen teilen sich die schattige Ecke an der Kirchenmauer. Die Urne verschwindet im Grab, Gebet, ein Moment noch, dann erste Blickwechsel. Es geht allen gleich. Wir eilen in aller Stille auseinander. Auf der anderen Seite der Kirche steht noch eine Frau unter einem Baum, sie entschuldigt sich, die Sonne, sie könne wirklich nicht da hinten, am Grab. Wir haben vollstes Verständnis. „Also, wer das mit dem Klima jetzt noch nicht verstanden hat, der hat doch den Knall nicht gehört“, sagt eine Ü-70 jährige im Vorbeilaufen. Es tue ihr leid, sie würde sich gern unterhalten, aber sie müsse dringend nach drinnen, sagt sie und gestikuliert dabei erklärend Richtung Universum. Wir nicken. Vielleicht ist 14 Uhr keine gute Zeit mehr für sowas.

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Och guck, so im direkten Vergleich kann man tatsächlich Unterschiede wahrnehmen. Innerhalb von nur 6 Stunden hab ich einen Mückenstich, einen Zeckenbiss und einen Bremsenstich abbekommen, alle in die Kniekehle, und ich kann sagen, was wo ist, ohne hinzugucken. Nnnaaargh. Trotzdem bin ich mit dieser Sammlung noch nicht König. Jemand braucht einen Arzttermin, wegen eskaliertem Mückenstich. Hatten wir so auch alles noch nicht.

Teile der Hausapotheke dürfen nicht über 25°C gelagert werden, sollen aber auch nicht in den Kühlschrank. Äääähm, tja. Es kommt auf die Liste, mit Sachen, über die wir nachdenken wollen, wenn es wieder kühler ist.

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Das Aquarium hat Luft nach oben. Ich schütte kaltes Wasser nach und wünsche den Fischen von Herzen alles Gute.

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Es sind nur noch zwei Kühe auf der Weide, beide auf dem Weg Richtung Stall. Sie gehen langsam. Uns gehts genauso, Mädels, denke ich. Wir waren früh unterwegs, der Hund und ich. Nicht früh genug, aber wo soll man anfangen, wenn es nachts kaum kühler wird? Morgens um sieben wird es allmählich zu warm für alles. Der Unwetterwarnungs-Ping von NINA kommt um kurz nach zehn.

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Ich nutze eine Wartezeit zum volltanken, der Rabatt endet nächste Woche. Danach gucke ich mir den neuen Lebensmittelladen mal an. Dort läuft arabische Musik, das passt. Ich kaufe eine Gewürzmischung.

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Johannesbeeren und Kräuter geerntet. Immerhin. Das Gewächshaus produziert eventuell direkt luftgetrocknetes Gemüse, diese Saison.

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Märzkind ist in Sorge um eine Nachbarin. Die Betreuung ist unter normalen Umständen schon nicht ganz leicht, und bei den Temperaturen wird es gefährlich. Sie habe Hilfe angefordert, damit vielleicht Grenzen überschritten, aber ach. Ich finde, sie hat das gut gemacht, sehr professionell.

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Der Arbeitgeber des Liebsten veranstaltet einen Familientag, alle haben sich darauf gefreut und den Termin freigehalten. Man zeigt uns Maschinen die Material verarbeiten, dass einem sonst nirgendwo im Leben begegnet. Als würde man mitten durch einen Beitrag für die Sendung mit der Maus laufen. Am Ende kommt ein Papier raus, dass dann woanders weiterverarbeitet wird, in Handarbeit, bis es schließlich zu einem Filter wird, den man so wahrscheinlich nie sehen wird, sagt der Mitarbeiter, und zeigt ein Endprodukt. Das neben mir stehende Maikind nickt nur. Die Dinger hat er im gesamten Betrieb wechseln müssen, damals, zu Beginn seiner Ausbildung, sagt er.

Es gibt Burger und Pommes, mehrere Sorten Grillfleisch und Gemüse und Salate, ein Traum für Teenager, man könnte mal so richtig… aber es geht halt nicht. Man schwitzt im Sitzen, im Schatten und bedauert die, die da am Grill stehen müssen. Nach dem Essen drehen wir uns einmal unter der Sprinkleranlage neben dem Sandberg mit Baggern und Schaufeln. Die kleinen Menschen wundern sich. Es wird trotzdem zu warm, wir verabschieden uns.

Auf dem Heimweg sehen wir zwei Unfälle. Der erste so heftig, dass schon weitem klar ist, dass das eine Weile dauern wird. Wir wenden und fahren einen Umweg. Der zweite so glimpflich, dass man sich fragt wie das überhaupt passieren konnte, die können doch kaum mehr als 10 km/h schnell gewesen sein. Verkehrstechnisch gesehen sollte man 35°C im Schatten so behandeln wie einen halben Meter Schnee, sind wir uns einig, „und wenn man das Gefühl hat, man packts nit, einfach zu Hause bleiben“, sagt Märzkind. Alle nicken.

Zu Hause Siesta.

Der Liebste kommt am frühen Abend nach Hause. Suchend guckt er in den Kühlschrank, er würde gern noch ein Stück von dieser Wassermelone, wo ist denn die? Ich schüttle mit dem Kopf. 15 Kilo waren das, einfach weg.

Wir haben das absolut kühlste Schlafzimmer im ganzen Haus. Leider hab ich heute morgen vergessen, das Fenster zu schließen. Es tut mir aufrichtg leid, ist aber nicht mehr zu ändern. Ich wache auf, mit dem Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt, aber was? Es ist zu warm. Viel zu warm. Das geht so nicht. Ich nehme mir eine Flasche Wasser mit auf die Terasse. Draußen ist es nicht wirklich kühler, aber mit ein bisschen Wind doch angenehmer. Ich schaue der Fledermaus beim Jagen zu und denke über Terassenentsiegelung und Hängematten nach. Die Tür hab ich im Halbschlaf hinter mir zugezogen und natürlich keinen Schlüssel. Naargh. Ist aber kein Problem, Samstag morgen viertel nach zwei ist für manche noch Freitag abend, und mein Handy hab ich dabei. Julikind wundert sich, dass ich noch wach bin, aber klar, sie wird mir die Tür aufmachen. Wir unterhalten uns nett. Märzkind kommt um halb drei nach Hause und wundert sich, was denn hier bitte los sei. Im Nachbarort auf dem Sportplatz sei es gefühlte 10°C kälter gewesen, eben gerade. Fast hatte man das Gefühl einen Pulli zu brauchen. Hier nicht.

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Sonntag purzeln die Hitzerekorde von Samstag. Sind wir dann jetzt soweit, dass es egal ist?, frage ich in die Runde, denn ich hatte damals, vor dieser Wetterlage eingekauft für Ofenkartoffeln. Dazu müsste ich den Backofen anmachen. Wir sind soweit, sagt die Familie. Aber, wenn das morgen noch so sein sollte, wäre er persönlich an einem Punkt, an dem er nichts warmes mehr essen wollen würde, erklärt Maikind beim Essen. Zustimmendes Gemurmel rund um den Tisch.

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Montag morgen um fünf regnet es. Das Thermometer zeigt 18°C, einfach so. Wir reißen alle Fenster auf.

Man kann tagsüber Dinge erledigen, Sachen aufräumen, zu Ende denken. Abends wird gegrillt, bei ganz normalem Sommerwetter, zur Feier des Tages. Märzkind guckt leicht irritiert, als sie in den Garten kommt. Da lag schimmeliges Brot im Kasten, sagt sie. „Brot kann schimmeln?“ fragt Maikind. Ist bisher nie vorgekommen, wie so manches letzte Woche.

Frühsommer, Geburtstage und die wilde Maus

Von jetzt auf gleich ist wieder Sommer, aber so richtig. Anbaden im Edersee. Das Wasser ist bei weitem nicht so kalt wie ich dachte. Unglaublich, dass man letzte Woche noch im Wintermantel…

Abends sitzen wir im Garten. Diese Woche hatte es in sich. Morgen noch, dann ist es geschafft. Alle nicken und seufzen ein bisschen. Die alten Tanten, sie werden Dinge wissen wollen: „Was machst du nach der Schule, und danach, und was macht man dann damit?“, sagt Julikind „wie lange studierst du denn noch, was bist du denn dann, kann man damit Geld verdienen, wo denn?“, sagt Märzkind. Wenn man eine Ausbildung macht sei es aber auch nicht besser sagt Maikind, lauter Fragen zu Plänen, die man überhaupt nicht machen kann. Vielleicht sollten sie sich ein paar Konterfragen überlegen, schlage ich vor, um das Gespräch in andere Richtungen zu lenken. „Samma, bist du eigentlich schon im Altersheim?“, fragt Julikind und grinst. „Warste denn dies Jahr schon auf Kreuzfahrt?“, erkundigt sich Märzkind, „kochst du eigentlich noch selber, oder lässt du liefern?“ fragt Maikind. Wir lachen, und das hilft schon ein bisschen.

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Runder Geburtstag in einer Gaststätte im Sommer ist aber tatsächlich ganz angenehm. Zwischen Mittag und Kaffee kann man draußen rumlaufen, nach dem Kaffee setzen wir uns in den Biergarten uns spielen Hitster. Zu unserer eigenen Überraschung gehören wir zu den letzten Gästen. Alle gemeinsam räumen Geschenke und Reste ins Auto. Abends sitzen wir mit dem Gast, der bei uns wohnt im Garten bis es dunkel wird. Hier wird es nämlich dunkel und leise, an einem Sommerabend. So beeindruckt man Großstädter.

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Ein Fahrgeschäft fahren wir alle zusammen, so ist es Tradition. Wir laufen also eine Runde über den Pfingstmarkt und entscheiden uns dann für die wilde Maus, weil die Mädels da noch nie drin waren. Julikind ist ein bisschen enttäuscht, sie hätte es lieber höher und schneller, aber nagut. Ich zahle und lasse die beiden vor, vorne sind die besten Plätze und ich bin ja schon öfter gefahren, da sollen sie ruhig. Märzkind ist misstrauisch, weil ich ein bisschen grinsen muss, als der Wagen sich in Bewegung setzt, dann hört man zwei Minuten lang nur „uuuuuaaaaahhhh“ aus der ersten Reihe und ich lach mich kaputt. „Altaaa, samma, hast du? das? gewusst?“ fragt Julikind. Ja sicher. „Ich dachte kurz, ich sterbe“, murmelt Märzkind.

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Märzkind und ich schaffen Schattenplätze und decken den Tisch im Garten. Maikindgeburtstag feiern wir mit Erdbeeren, Nussecken und Grillbuffet. Weil es nur wenig Gäste sind haben alle Zeit, sich zu unterhalten, Retro-Brettspiele kommen zum Einsatz. Schöne Party.

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Start in die Status-Reise-Hauptsaison. Diese Bibliothek in Portugal scheint was besonderes zu sein, vielleicht google ich das irgendwann mal ansonsten: Strohhalmgetränke vor Sonnenuntergang, Fahrrad vor Landschaft, Füsse mit Sand und Meer, Event-Sportereignisse.

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Honig geschleudert, und es hat Spaß gemacht dieses Jahr. Der Zeitpunkt war gut, die Menge auch, so soll das.

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Plötzlich bewegt sich was, in der Wiese neben mir. Ein winziger Hase flitzt auf den Weg und läuft genau vor uns her, wie ein flauschiger high speed riesen Flummi, das ist so süüüüüß, dass ich kurz quietschen muss. Der Hund guckt irritiert. Kinderstunde im Feld und im Wald und im Garten. Ich liebe das.

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Mottowoche der Zehntklässler. Morgen ist „kein Rucksack“, sagt Julikind und sie hatte da eine Idee. Man hört Geräusche vom Dachboden, später steht die Klebepistole in der Küche. Am nächsten Morgen räumt das Kind die wenigen Sachen, die es für diese letzten Schultage noch braucht in ihre Schultüte. Fröhlich stopft sie das Krepppapier fest. Passt. Aber ehrlich gesagt hatte sie die Schultüte größer in Erinnerung. Ich auch. Hach ja.

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Ich habe keine Ahnung von der aktuellen Weltwirtschaft, aber das Bauchgefühlt sagt, heute ist der Tag. Ich wähle die Nummer des Heizöllieferanten, mein Hirn spielt „say geronimo“ im Hintergrund. Man freut sich über meinen Anruf, ob wir denn direkt einen Liefertermin ausmachen wollen? Sicher, warum nicht. Passt morgen zwischen 12 und 14 Uhr? Gern. Am nächsten Tag klingelt es um 13 Uhr. Im Moment sei nicht viel los, sagt der Fahrer. Tja, sage ich, man zockt halt. Viele verzocken sich, erzählt er. Oft ist schon Not-aus, wenn er kommt, manchmal nimmt die Heizung das übel.

Ich hefte den Lieferschein ab und halte einen Moment andächtig inne, als ich den Preis vom letzen Jahr sehe. Arschteuer hat sich das angefühlt, damals, ich erinnere mich. Es waren die guten Zeiten. Dieses Jahr, ach komm, geh weg. Andererseits war es vielleicht auch das Investment des Jahres, wie gesagt, ich habe keine Ahnung. Wenn natürlich jetzt morgen Weltfrieden wäre, das wäre irgendwie ärgerlich.

Mai, ganz normal eigentlich

Die Freundin kommt spontan vorbei, ich freue mich. Vor der Haustür klopft sie sich symbolisch den Staub aus den Klamotten, ich winke ab, einfach hinsetzen, ist heute total egal. Sie erzählt von der Baustelle. Da ist leider alles ziemlich genauso wie erwartet, was kein Vorwurf sein soll, der Mieter war Ü-80 und ein Guter. So einen werden sie wohl nicht mehr finden. Wer will schon direkt an der Bundesstraße wohnen, mit Gasheizung? De Politik tut so, als hätten Vermieter grundsätzlich einen Sack voll Geld, aber dem ist nicht so. Die Wohnung müsste mal etwas abwerfen, damit Geld für Investitionen da ist, aber, Hauptsache ist natürlich es wohnt überhaupt jemand in so alten Häusern. Es ist kompliziert.

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Zum Muttertag bekomme ich Geschenke, und freue mich sehr. Große Kinder sind toll.

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Elf Leute sitzen um den Küchentisch und lauschen angestregt.

Märzkind: „ooohhhh, das ist der, der das Tarzan-Lied singt“

ich: „stimmt, Phil Collins“

Vatta zeigt zielsicher auf zwei kleine Kärtchen, die schon auf dem Tisch liegen: „Genesis, das kommt dazwischen“, sagt er. Alle anderen staunen.

Hitster, battle of the generations (Werbung, Spiel natürlich selber gekauft), man lernt sich irgendwie nochmal anders kennen dabei.

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Bei Schichtwechsel sind kurz fast alle da, man verabschiedet mich nett. Am nachmittag ist nicht viel los. Zur Feier des Tages setzen wir uns doch einfach selber hin, sagt die Kollegin. Wir trinken Kaffee, essen Sahnetorte und unterhalten uns. Ich war gern hier und dachte, ich wäre trauriger. Aber, weil die Dinge jetzt so sind, wie sie sind, bin ich leider ein bisschen froh…schade, ist das, sind wir uns einig.

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Ein Blick auf Thermometer verrät, dass das Wetter tatsächlich so ist, wie der Blick aus dem Fenster vermuten lässt, aber nützt ja nix. Ich nehme mir also den Wintermantel, Handschuhe und Mütze, ziehe die warmen Stiefel an und gehe die morgendliche Hunderunde bei stürmischen 3°C. Das Weihnachtsbaum-Feld wurde geschreddert. Ein trauriger Anblick, aber es riecht gut. Das Wetter, der Geruch, dazu ein Gefühl von fast völlig verbrauchten Nerven- sehr adventlich. Zu Hause mache ich den Ofen an. Mir doch egal, ob Mai ist.

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Am frühen Sonntag morgen machen wir uns auf, in die Kurstadt zum Mädchenflohmarkt, das Auto ist voller Mädels. Auch dieser Flohmarkt ist ein bisschen ramschiger geworden, aber es lohnt sich noch. Vielleicht könnte man auch mal nur so hierher kommen, überlegen auf dem Rückweg. Hier gibt es noch Geschäfte und Cafes. Nicht nur Modeketten und Dönerbuden. Man fährt 45 Minuten, so weit ist das eigentlich garnicht.

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Nagut. Weil man mich so nett gefragt hat, gehe ich nachmittags kurz mit zum Brauchtumsfest. Aber wirklich nur Kaffee trinken. Ja sicher, sagen die, die gerne hin wollen. Auf dem Weg zum Eingang das Geräusch von billigen Plastiktrompeten und „bin ich froh, dass ich so einen scheiß nicht mehr kaufen muss“, sage ich zu Märzkind. Sie grinst nur. Man begrüßt uns herzlich, was kein Wunder ist, es gab hier im tagesverlauf mehrere hundert Liter Freibier. Überraschend guter Kaffee und leckerer Kuchen. People watching. Ich kenne die Kinder nicht mehr. Ein Alterungsmoment. Obwohl, wenn man da einen Moment länger hinguckt – sehen einige doch Leuten ähnlich.

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Dienstag abend sitzen wir zu dritt auf dem Sofa und schauen uns eine Sendung über Essen an. Stanley Tucci dreht die Spagetti gegen den Uhrzeigersinn, bemerkt der Liebste. Ist mir nicht aufgefallen, sage ich. Hä? sagt Julikind, das ist doch die ganz normale Richtung. Nee. Ich drehe kurz eine imaginäre Gabel, der Liebste neben mir macht das gleiche. Hää? sagt Julikind, geht an die Besteckschublade und holt eine Gabel. Sie dreht Spagetti nach links auf, ganz normal. Wenn beide Eltern die Spagetti nach rechts drehen, wie kommt es dann, dass das Kind…? Nee, nee, macht Sinn, sagt der Liebste, spiegelverkehrt.

Prüfungswoche der Realschüler. Montag Englisch, Mittwoch Deutsch, Freitag Mathe. Dazwischen Anspannung und geistiger Tiefflug gleichzeitig.

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Wir decken gemeinsam den Tisch fürs Abendbrot, alle versuchen, sich dabei so wenig wie möglich auf den Sack zu gehen, jeder hatte heute irgendwas, alle geben sich Mühe. Das Festnetztelefon klingelt, wir wundern uns kurz, denn das tut es nicht oft. Der Liebste geht ran, murmelt etwas von, da sei er leider noch nicht zu gekommen, dann schaut er mich an, und fragt, völlig ernst „Möchtest du Freitag Matjes essen?“ Ich bin gedanklich gerade woanders und antworte daher das offensichtliche, formuliere es aber intuitiv so, dass die Frage nach seiner mentalen Gesundheit mitschwingt „Nein!? Ich möchte nie Matjes essen.“ Er gibt das wortgetreu so weiter, und fügt hinzu, dass er dann alleine kommt. In dem Moment puzzelt mein Hirn die Informationen Festnetzanruf, Freitag und Matjes zusammen. Ohauahauaha. Wobei, eigentlich, war das genau die richtige Antwort, und jetzt ist es sowieso egal, aber, nur fürs Protokoll, auf die Frage „Hamburg reist schon Freitag an, möchtest du mit zum Geburtstagsessen meiner Mutter?“, hätte ich diplomatischer reagiert.

Symbolbild des Monats

Anfang Mai

Ich sehe ein Binnenschiff, ein Touristenschiff, eine Seilbahn, einen Güterzug, ein Flugzeug, mehrere Autos und Fahrräder und Menschen, alles auf einen Blick. Wie in so nem Wimmelbuch. Es ist interessant. Also das Gesamtbild, die Sehenswürdigkeit an sich beeindruckt mich eher weniger, aber gut, haben wir das auch mal gemacht. Danach, bestes Eis des Jahres gegessen.

Am zweiten Tag unseres Ausflugs gucken wir eine Burg an, naja, eigentlich gucken wir Menschen an, die eine Burg angucken. Anschließend würden wir was essen wollen. Die Kombination von Nahrungsmittelunverträglichkeit, Feiertag und touristischer Zielgruppe macht es ungeahnt kompliziert. Zwei Stunden später sitzen wir mit einer Schale Erdbeeren und einer Flasche Wein auf einer Parkbank an der Mosel. Sehr idyllisch. Und dieser Wein, der ist dermaßen gut, wahrscheinlich liegt es am Sonnenschein und an den Segelbooten, die da direkt vor uns so angenehm leise vorbei fahren, aber wenn der aus der Flasche schon so schmeckt, überleg mal wie das erst aus einem Glas schmecken würde… Der Fussweg vor unserer Picknick-Bank führt zu einem Maifest. Gruppen fröhlicher junger Menschen laufen stetig vorbei. Viele von ihnen haben richtige Weingläser in der Hand, oder an extra dafür gemachten Tragevorrichtungen um den Hals hängen. Ich hatte keine Ahnung, dass es sowas gibt.

Am Abend finden wir ein Restaurant und essen gut und reichlich. Vor der Eisdiele von gestern steht eine 200 Meter lange Warteschlange. Beeindruckend.

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Als wir wieder zu Hause ankommen ist Sommer. Das trifft mich unvorbereitet. Ich hole die Box vom Dachboden, räume T-Shirts und kurze Hosen in den Schrank ein und bringe Wollpullis und Winterkram ins Sommerlager. Abends wird gegrillt, danach sitzen wir mit der ganzen Familie im Garten und spielen Karten, in kurzen Klamotten, barfuss und wundern uns. Vorgestern war noch Winterjacke.

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Maikind hat die familienfreie Zeit genutzt um verschiedene Projekte mal ganz in Ruhe zu reparieren. Mit dem Scharnier an meiner Autotür ist alles in Ordnung, sagt er, die Tür ist gerissen. Naargh.

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Überraschend wurden wir zu einer Konfirmation eingeladen. Den Konfirmanden kennen wir eigentlich gar nicht, er freut sich anscheind trotzdem, dass wir da sind. Die anderen Gäste kennen sich auch nicht alle untereinander, aber wir kommen schnell ins Gespräch. Die Gastgeberin erzählt auf Nachfrage von ihrem Ausflug in die Notaufnahme, neulich. Fast wäre sie gestorben. Aber wirklich nur fast, und natürlich hat sie die Bienen noch, sagt sie, das war ja keine Allergie im eigentlichen Sinn, bei 20 Stichen auf einmal wird so ziemlich jedem schwummerig und sie ist halt ein bisschen empfindlich. „ja, aber…“ sagen die Nicht-Imker und schütteln die Köpfe. Naja, sie wird in Zukunft wohl den Schleier genauer kontrollieren, nur noch an die Bienen gehen, wenn jemand mit Führerschein zu Hause ist, und dieses Ereignis zum Anlass nehmen, sich dieses Jahr eine Norderney-Königinn zu kaufen, sagt sie und grinst. „Gute Idee“ sagen die andern Imker am Tisch, „ja, aber…“ sagen die Nicht-Imker, „ach, das war doch nicht persönlich“, sagt die Imkerin und wechselt das Thema. Einfach so. Man kann also doch noch unterschiedlicher Meinung sein, ohne sich anschließend gegenseitig doof finden zu müssen. Ein sehr entspannter sommerlicher Sonntag nachmittag im Mai- grün-bunten-Garten, mit leckerem Buffet.

Zum Abschied bekommt jeder eine Klemmbaustein-Jesusfigur geschenkt. Die steht jetzt auf dem Aquariumreinigunsmagneten und läuft übers Wasser. Hihi

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Regen war angesagt und wirklich nötig. Ein normaler Mairegen wäre toll gewesen, stattdessen gibts Starkregen. Wie schön, dass nichts davon bei uns in den Keller läuft, denke ich und lausche einfach dem Geräusch, beim Einschlafen.

Geburtstage und Glitzer

Beide Mädels brauchen Abendkleidung. Eine für den Schulabschluss, eine für eine Hochzeit. Wir fahren zum Abendkleider-outlet in die Stadt. Ich bin nur als Begleitung dabei und beobachte. Als erstes fällt mir auf, dass die in der Werbung erwähnten 1000 Kleider für unter 200 Euro anscheind gestern schon verkauft wurden und das, was hier hängt zwar wunderschön, aber nicht unbedingt günstig ist, andererseits, sind Leute vermutlich gern bereit für wallende Polyester-Träume viel Geld zu bezahlen. Der Weg zur Umkleide ist mit Glitzer bestreut. Vor dem Eingang Sitzgelegenheiten, Männer dürfen nicht rein. Hinter den Vorhängen ein riesiger Raum voller Kleiderständer und Spiegel, auf jedem ein Aufkleber, der darauf hinweist, dass man bitte nicht sein Spiegelbild fotografieren möge, aus Rücksicht auf alle, die da im Hintergrund mit drauf sein könnten. Faszinierend welchen Unterschied Klamotten machen. Frauen aller Alterklassen und Kleidergrößen verwandeln sich innerhalb von wenigen Minuten. Man fotografiert sich gegenseitig, hilft in aller Selbstverständlichkeit mit Reißverschlüssen und Bändern. Sehr nette Atmosphäre. Wir verlassen das Event ohne etwas zu kaufen und überlegen auf dem Rückweg, zu welcher Art von Veranstaltungen man wohl solche Roben trägt. Und – dass das Kleid, dass ich zur standesamtlichen Trauung anhatte eigentlich fast so aussieht, wie das, was Julikind gefiel und – es existiert noch. Vielleicht…

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Mit einem gemütlichen Abendessen in Gesellschaft der „Weihnachtsrunde“ Märzkind-Geburtstag gefeiert. Die Gäste stellen fest, dass man dann mit 21 wirklich groß. Sie dürfte sich jetzt eine Waffe kaufen und beschwipst Auto fahren.

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Julikind kommt normalerweise fröhlich vom Tanztraining. Heute nicht. Suizid einer 15-jährigen. Nachrichten werden hin und her geschrieben.

Stille Anteilnahme – auch mit all den anderen Familien, die im verborgenen kämpfen. Und riesengroße Dankbarkeit, dass hätte auch ganz anders laufen können, damals.

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Der Schwager hat zum Geburtstag eingeladen, das ist ungewöhnlich. Nach dem Kaffee trinken überlegen die Blagen, was man denn jetzt wohl macht, weil, sonst sind sie danach immer auf den Spielplatz gegangen und das geht ja jetzt nicht mehr. Doch, natürlich, sage ich, sie dürften jetzt sogar ganz alleine. Wir bleiben einfach sitzen und unterhalten uns. Ein schöner Nachmittag, da sind wir uns alle einig auf dem Rückweg.

Der Blick geht im vorbei fahren auf jede Tankstellen-Preistafel, jedesmal gefolgt von einem Seufzer. Stillschweigend sind wir überein gekommen nicht zu klagen, es nützt ja nix. 50 Euro mehr als normalerweise kostet es uns, jede Woche

Nur eine Stunde Fahrzeit von hier ist der Frühling schon angekommen. Es blüht in allen Farben. Nicht nur acht Osterglocken und ein sanfter Hauch von kommendem gelb in der Hecke, wie hier.

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Die Betriebswaschmaschine steht im Keller. Der Aufzug ist nicht öffentlich, man braucht einen Schlüssel. Es ist Sonntag, außer uns ist niemand im Gebäude. Ich hatte damit gerechnet, dass die Tür einfach aufgeht, als ich den Schlüssel drehe, um im Keller den Trockner anzustellen, denn außer mir, kann da ja keiner mit gefahren sein, in der Zwischenzeit. Der Aufzug kommt von ganz oben. Ein sanfter Grusel-Schauer läuft mir den Rücken herunter.

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Es war definitv die größte Beerdigung die der Ort je gesehen hat, sagt die Freundin. Nicht nur die Kirche und der Platz, wo der Lautsprecher hängt proppevoll, die Leute standen noch über den ganzen Friedhof verteilt. Abends erkundige ich mich beim Liebsten, ob er denn da schon in irgendeiner Form Anteilnahme…? Aber er ist genauso erstaunt wie ich. Zwei Haushalte sind damit beauftragt, Traueranzeigen aus der Zeitung an uns weiterzuleiten, wir sind in mehreren whatssapp Gruppen, haben in der letzten Woche auf zwei Geburtstagsfeiern länger mit vielen Leuten zusammengessen, und dennoch: Wir haben einen Trauerfall komplett verpasst.

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Mohnkuchen gebacken und gegessen, kam durchschnittlich gut an. Cookies gebacken und verschenkt. Eine Biskuitrolle gebacken, die in alter Traditon, aussah wie ein Unfall. Ein weiterer nice-try-award wurde mir verliehen.

Frühling und Pullover

Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, es ist deutlich wärmer als noch vor ein paar Tagen, und wir haben gerade mal Anfang März. Das tut gut. Ich gehe die frühe Hunderunde und freue mich über das wunderschöne Frühlingswetter und überhaupt – im Moment sind tatsächlich alle gesund, munter und fröhlich. So schön, wenn mal so nix ist, nagut, abgesehen von einem Hausarbeits-Abgabetermin den jemand hat und Pollenflug-apokalypse, aber das ist ja normal. Einen halben Tag später ist Krieg im Nahen Osten.

Die Spritpreise gehen hoch. Sehr schnell und sehr deutlich. Freitag tanke ich für 1,80 Euro pro Liter, halb voll nur, weil, so teuer war es, glaube ich noch nie. Vier Tage später tanke ich für 1,94 Euro pro Liter und habe ein Schnäppchengefühl, weil hinter mir noch drei Autos anstanden. Julikind ruft an, sie hatte doch schon nach der 6. Stunde Schluss und es sei kein Bus gekommen, ob ich denn wohl bitte? Ja sicher. Der nächste Stadtmensch, der mir erklären will, wie man Autofahrten einspart, kann sich auf was gefasst machen.

Ich meide die Nachrichten, dann gehts.

Alle Lieferanten haben Aufträge still gelegt, und müssen Preise neu aushandeln, meldet der Liebste aus seinem Job. War klar, basiert alles auf Erdöl.

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Eine Pfanne voll Zimtschnecken gegessen, zusammen mit allen Kindern, im T-Shirt im Garten gesessen dabei.

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Die erste Stromabrechnung nach Einbau des Balkonkraftwerks. HolladieWaldfee. Sehr erfreulich.

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Man bat mich um einen Rettungsversuch einer untragbar kaputten Hose. Jetzt hätte ich ein bisschen Zeit. Ich nehme das gute Stück vom zu erledigen Stapel und suche den Schaden. Och guck. Einsatz für die Knopfsammlung. Ich nähe zwei neue Knöpfe an, bessere mit ein paar Stichen das Knopfloch aus, lasse mich feiern. Basic skills des letzten Jahrhunderts.

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Es hat ein bisschen Anlauf gebraucht, aber jetzt geht es. Ich räume Ommas Kleiderschrank aus. Wobei, Kleiderschrank stimmt eigentlich nicht, es gibt einen Schrank nur für Pullover. Die, in denen ich sie kenne, lasse ich einfach noch liegen. Alle anderen stopfe ich in Säcke. Da kommt ordentlich was zusammen. Und es dauert eine Weile, denn man findet Sachen. Antike Unterwäsche und Stofftaschentücher in Aussteuerqualität, alles orginalverpackt, Postkarten aus Zeiten, in denen man selbst keine Fotos gemacht hat, eine Zigarrenkiste voll gemischter Münzen und Scheinen, die fast aussehen wie Kunstdrucke, coupons über jeweils ein Kilo Eisen, noch gültig, steht auf dem Stempel, man fragt sich verschiedenes.

Limitierende Faktoren

Mit nur ganz wenig Fieber sitze ich auf dem Sofa. NINA schickt ein Symbol aufs Handy, dass ich noch nie gesehen habe. Man informiert mich ganz sachlich darüber, dass der Schulbusverkehr im Landkreis eingestellt wurde, morgens um 10 Uhr. Tja. Ich habe heute kein Auto, und zum Glück keine Energie um mich aufzuregen. Julikind wird wohl irgendwie wieder nach Hause kommen. Und tatsächlich ist die Strecke bis zu uns ins Dorf die einzige, die befahren wird. (Busunternehmen aus dem Nachbarort, ortskundige Fahrer und Winterreifen) Wer an der Strecke des „beste Preis“-Busunternehmens wohnt und Eltern hat, deren Lifestyle es nicht ermöglicht, Taxidienste anbieten zu können, hat schulfrei. Vier Tage lang. Wegen Schnee. Im Mittelgebirge. Anfang Februar.

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Eine erste Ladung Altkleider wurde aus Ommas Haus bis in den Container geschafft. Mehrere Personen waren daran beteiligt. Die Menge hat mich nachdenklich und entschlossen gemacht. Ich hab noch einen Sack mit meinen eigenen Klamotten zusammengetragen und gleich mit entsorgt.

Omas Vorratsschrank ausgeräumt. Die Ablaufdaten erzählen Geschichten. Danach habe ich unsere eigenen Vorräte durchgesehen, das was seit längerem eher Speisekammerdeko war radikal weggeworfen und das was neulich erst abgelaufen ist nach und nach serviert. Die Kombi Dosensauerkraut, Dosenwurst und Kartoffeln aus dem Glas war als Alltagsgericht nicht unbedingt lecker, wäre es aber in einem Krisenfall, da sind wir uns einig. Einkaufszettel geschrieben.

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Ich wollte nur „mal gerade“ die Mülltonne an die Straße ziehen, aber der erste Sonnenstrahl der Woche hat sofort Menschen nach draußen gelockt. Ob ich denn was weiß, wegen der Beerdigung erkundigt ein Spaziergänger, das Grab ist ausgehoben, hat er gerade gesehen, aber in der Zeitung stand nix. Ich gebe die Infos weiter, die der Liebste von der anderen Beerdigung mitgebracht hat, könnte mir aber vorstellen, dass die lieber ohne Leute, weil sonst hätten sie ja… Ein Nachbar wurde im engsten Kreis beigesetzt. Das ist ungewöhnlich. Aber, um ehrlich zu sein, wir mussten an dem Tag alle arbeiten, so braucht man sich für nichts entschuldigen.

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Walnusskuchen gebacken und gegessen, sah seltsam aus, kam aber sehr gut an, könnte man gerne wieder, sagen sie. Eigentlich wollte ich was davon einfrieren, aber das muss ich garnicht.

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Apfelstrudel gebacken und gegessen. Das erste mal, dass was daneben gegangen ist, geschmeckt hat es, aber ach, das nervt mich jetzt, sowas simples wie Strudelteig, ausgerechnet… murmle ich so vor mich hin. Also, er wäre durchaus bereit zweimal pro Woche ein Gebäckstück aufzuessen, sagt Maikind, „falls das der limitierende Faktor sein sollte“, fügt er kauend hinzu.

trauriger Anblick aber geschmeckt hat er

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Die Erkältung zieht sich. Könnte auch am grau kalten Nebelwetter liegen, vielleicht ist es eine Kombi, die insgesamt so ein meeeeehhhh verursacht. Alle Hunderunden voller matischigem/hart gefrorenen/rutschigen Schnee, der Nebel so dicht, dass man den nächsten Leuchtpfosten nicht sehen kann. Februar halt. Erste Kraniche über uns machen Hoffnung auf Frühling.

Geburtstagsfeiern werden geplant, einen Schulabschluss gilt es gebührend zu feiern, das „danach“ wird vorbereitet. Es tun sich Dinge in Köpfen.

Ende Januar 26

Für die Trauerfeier haben alle frei genommen und trudeln nach und nach zu Hause ein. Schwarze Winterklamotten werden zusammengesucht, es ist wirklich kalt. Dafür aber blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. „Da hat sie aber wirklich einen schönen Tag erwischt“, sagt eine von Omas Bekannten, auf dem Weg vom Grab Richtung Ausgang. Das stimmt. Zum Ende des Trauerkaffees sitzt nur noch „die Weihnachtsrunde“ zusammen und tauschen Geschichten und gesammelte Neuigkeiten aus. Die Trauerfeier war schön, feierlich, an der ein oder anderen Stelle zum Schmunzeln, und angemessen ehrlich, da sind wir uns einig. Es wird noch zwei weitere Beerdigungen geben, in nächster Zeit,“ aber das normal“, raunt die Oma aus dem Städtchen mir zu, „es wird in dreier Gruppen gestorben, schon immer.“

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Auf dem Flur steht die Krücke, unter der Garderobe, an der ihre Jacke hängt. Auf dem Küchentisch liegt ihre Brille und das kleine Schälmesser, über dem Stuhl hängt ihre Weste. Neben dem Spülbecken steht ein kleines Schälchen mit Löffel darin. Alles sieht normal aus, als wäre sie nur mal gerade die Hühner rein lassen. Auf den zweiten Blick fällt die geöffnete Kühlschranktür auf. Er ist leer und ausgeschaltet. Und die Blumen auf der Fensterbank – ich nehme ein Glas aus dem Schrank und gebe jeder einen Schluck Wasser. Es ist seltsam hier zu sein ohne sie. Eine Stunde lang sichten wir Dinge in Schränken, nehmen Erinnerungen und nützliches mit. Dann braucht es eine Pause.

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Ein Samstagmorgen Frühstück mit Maikind und dem Liebsten, das hatten wir länger nicht. Also ich. Die beiden machen das ja jedes Wochenende.

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Weil an der Arbeit Radio läuft bekomme ich wieder regelmäßig Nachrichten mit. Das berührt meine mentale Komfortzone:

Morgens erhalte ich Nachricht von Märzkind, der Studienbeitrag habe sich erhöht. Alles andere hätte mich überrascht. Nja, sagt sie, aber eventuell kommt da sogar noch was dazu, weil ja das Deutschlandticket auch teurer geworden ist. Die Studies beraten noch, ob das weiterhin Teil des Studientickets sein soll oder aus Kostengründen lieber nicht. Nachmittags höre ich im Radio, dass unsere Regierung beschlossen hat, den Kauf von neuen E-Autos zu fördern. 1500 Euro kann man minimum abgreifen. Blöd halt, dass da trotzdem noch ein selbst zu finanzierender Restbetrag bleibt. Und außerdem bin ich sowieso stinksauer, weil einmal die Bremsen neu machen am Twizzy 3600 Euro kosten soll, und das ein Totalschaden ist.

Es hat geschneit in der Nacht. Einiges, stelle ich erstaunt fest, als Julikind das Haus Richtung Bushaltestelle verlässt, da werde ich gleich räumen müssen, mal sehen ob der Bus überhaupt kommt, scherzen wir, ansonsten kann sie mir helfen. Der Schulbus fährt. Um zwanzig nach acht bekomme ich Nachricht von Julikind, sie sei auf dem Weg nach Hause, Schule fällt aus. Hä? Eine Mutterkollegin hat die Elterntaxifahrt übernommen. Mein Arbeitstag beginnt erst um 13 Uhr, bis dahin werden die Straßen ja wohl geräumt sein, dachte ich. Aber, dem ist nicht so. Keine Unwetterwarnung, kein Räumdienst, so scheint es. Mit 30 Kmh schleiche ich den Berg hoch. Direkt in der ersten Kurve rutscht mir sportlich der Arsch weg, trotz nagelneuer Winterreifen. Oooookeeee. Zum Glück war da Platz. Der Weg an die Arbeit dauert dreimal so lang wie normal, war aber so eingeplant, alles gut. Die Nachrichten berichten an diesem Nachmittag, dass der Kanzler gerne das Recht auf „Lifestyle-Teilzeit“-Arbeit einschränken würde. Da muss ich tatsächlich einmal ganz tief Luft holen.

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Orangen-Nusskuchen gebacken und gegessen.

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Die erste Erkältung des Jahres erwischt mich, klar, das hatte ja noch gefehlt.