Geburtstage und Glitzer

Beide Mädels brauchen Abendkleidung. Eine für den Schulabschluss, eine für eine Hochzeit. Wir fahren zum Abendkleider-outlet in die Stadt. Ich bin nur als Begleitung dabei und beobachte. Als erstes fällt mir auf, dass die in der Werbung erwähnten 1000 Kleider für unter 200 Euro anscheind gestern schon verkauft wurden und das, was hier hängt zwar wunderschön, aber nicht unbedingt günstig ist, andererseits, sind Leute vermutlich gern bereit für wallende Polyester-Träume viel Geld zu bezahlen. Der Weg zur Umkleide ist mit Glitzer bestreut. Vor dem Eingang Sitzgelegenheiten, Männer dürfen nicht rein. Hinter den Vorhängen ein riesiger Raum voller Kleiderständer und Spiegel, auf jedem ein Aufkleber, der darauf hinweist, dass man bitte nicht sein Spiegelbild fotografieren möge, aus Rücksicht auf alle, die da im Hintergrund mit drauf sein könnten. Faszinierend welchen Unterschied Klamotten machen. Frauen aller Alterklassen und Kleidergrößen verwandeln sich innerhalb von wenigen Minuten. Man fotografiert sich gegenseitig, hilft in aller Selbstverständlichkeit mit Reißverschlüssen und Bändern. Sehr nette Atmosphäre. Wir verlassen das Event ohne etwas zu kaufen und überlegen auf dem Rückweg, zu welcher Art von Veranstaltungen man wohl solche Roben trägt. Und – dass das Kleid, dass ich zur standesamtlichen Trauung anhatte eigentlich fast so aussieht, wie das, was Julikind gefiel und – es existiert noch. Vielleicht…

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Mit einem gemütlichen Abendessen in Gesellschaft der „Weihnachtsrunde“ Märzkind-Geburtstag gefeiert. Die Gäste stellen fest, dass man dann mit 21 wirklich groß. Sie dürfte sich jetzt eine Waffe kaufen und beschwipst Auto fahren.

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Julikind kommt normalerweise fröhlich vom Tanztraining. Heute nicht. Suizid einer 15-jährigen. Nachrichten werden hin und her geschrieben.

Stille Anteilnahme – auch mit all den anderen Familien, die im verborgenen kämpfen. Und riesengroße Dankbarkeit, dass hätte auch ganz anders laufen können, damals.

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Der Schwager hat zum Geburtstag eingeladen, das ist ungewöhnlich. Nach dem Kaffee trinken überlegen die Blagen, was man denn jetzt wohl macht, weil, sonst sind sie danach immer auf den Spielplatz gegangen und das geht ja jetzt nicht mehr. Doch, natürlich, sage ich, sie dürften jetzt sogar ganz alleine. Wir bleiben einfach sitzen und unterhalten uns. Ein schöner Nachmittag, da sind wir uns alle einig auf dem Rückweg.

Der Blick geht im vorbei fahren auf jede Tankstellen-Preistafel, jedesmal gefolgt von einem Seufzer. Stillschweigend sind wir überein gekommen nicht zu klagen, es nützt ja nix. 50 Euro mehr als normalerweise kostet es uns, jede Woche

Nur eine Stunde Fahrzeit von hier ist der Frühling schon angekommen. Es blüht in allen Farben. Nicht nur acht Osterglocken und ein sanfter Hauch von kommendem gelb in der Hecke, wie hier.

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Die Betriebswaschmaschine steht im Keller. Der Aufzug ist nicht öffentlich, man braucht einen Schlüssel. Es ist Sonntag, außer uns ist niemand im Gebäude. Ich hatte damit gerechnet, dass die Tür einfach aufgeht, als ich den Schlüssel drehe, um im Keller den Trockner anzustellen, denn außer mir, kann da ja keiner mit gefahren sein, in der Zwischenzeit. Der Aufzug kommt von ganz oben. Ein sanfter Grusel-Schauer läuft mir den Rücken herunter.

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Es war definitv die größte Beerdigung die der Ort je gesehen hat, sagt die Freundin. Nicht nur die Kirche und der Platz, wo der Lautsprecher hängt proppevoll, die Leute standen noch über den ganzen Friedhof verteilt. Abends erkundige ich mich beim Liebsten, ob er denn da schon in irgendeiner Form Anteilnahme…? Aber er ist genauso erstaunt wie ich. Zwei Haushalte sind damit beauftragt, Traueranzeigen aus der Zeitung an uns weiterzuleiten, wir sind in mehreren whatssapp Gruppen, haben in der letzten Woche auf zwei Geburtstagsfeiern länger mit vielen Leuten zusammengessen, und dennoch: Wir haben einen Trauerfall komplett verpasst.

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Mohnkuchen gebacken und gegessen, kam durchschnittlich gut an. Cookies gebacken und verschenkt. Eine Biskuitrolle gebacken, die in alter Traditon, aussah wie ein Unfall. Ein weiterer nice-try-award wurde mir verliehen.

Frühling und Pullover

Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, es ist deutlich wärmer als noch vor ein paar Tagen, und wir haben gerade mal Anfang März. Das tut gut. Ich gehe die frühe Hunderunde und freue mich über das wunderschöne Frühlingswetter und überhaupt – im Moment sind tatsächlich alle gesund, munter und fröhlich. So schön, wenn mal so nix ist, nagut, abgesehen von einem Hausarbeits-Abgabetermin den jemand hat und Pollenflug-apokalypse, aber das ist ja normal. Einen halben Tag später ist Krieg im Nahen Osten.

Die Spritpreise gehen hoch. Sehr schnell und sehr deutlich. Freitag tanke ich für 1,80 Euro pro Liter, halb voll nur, weil, so teuer war es, glaube ich noch nie. Vier Tage später tanke ich für 1,94 Euro pro Liter und habe ein Schnäppchengefühl, weil hinter mir noch drei Autos anstanden. Julikind ruft an, sie hatte doch schon nach der 6. Stunde Schluss und es sei kein Bus gekommen, ob ich denn wohl bitte? Ja sicher. Der nächste Stadtmensch, der mir erklären will, wie man Autofahrten einspart, kann sich auf was gefasst machen.

Ich meide die Nachrichten, dann gehts.

Alle Lieferanten haben Aufträge still gelegt, und müssen Preise neu aushandeln, meldet der Liebste aus seinem Job. War klar, basiert alles auf Erdöl.

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Eine Pfanne voll Zimtschnecken gegessen, zusammen mit allen Kindern, im T-Shirt im Garten gesessen dabei.

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Die erste Stromabrechnung nach Einbau des Balkonkraftwerks. HolladieWaldfee. Sehr erfreulich.

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Man bat mich um einen Rettungsversuch einer untragbar kaputten Hose. Jetzt hätte ich ein bisschen Zeit. Ich nehme das gute Stück vom zu erledigen Stapel und suche den Schaden. Och guck. Einsatz für die Knopfsammlung. Ich nähe zwei neue Knöpfe an, bessere mit ein paar Stichen das Knopfloch aus, lasse mich feiern. Basic skills des letzten Jahrhunderts.

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Es hat ein bisschen Anlauf gebraucht, aber jetzt geht es. Ich räume Ommas Kleiderschrank aus. Wobei, Kleiderschrank stimmt eigentlich nicht, es gibt einen Schrank nur für Pullover. Die, in denen ich sie kenne, lasse ich einfach noch liegen. Alle anderen stopfe ich in Säcke. Da kommt ordentlich was zusammen. Und es dauert eine Weile, denn man findet Sachen. Antike Unterwäsche und Stofftaschentücher in Aussteuerqualität, alles orginalverpackt, Postkarten aus Zeiten, in denen man selbst keine Fotos gemacht hat, eine Zigarrenkiste voll gemischter Münzen und Scheinen, die fast aussehen wie Kunstdrucke, coupons über jeweils ein Kilo Eisen, noch gültig, steht auf dem Stempel, man fragt sich verschiedenes.

Limitierende Faktoren

Mit nur ganz wenig Fieber sitze ich auf dem Sofa. NINA schickt ein Symbol aufs Handy, dass ich noch nie gesehen habe. Man informiert mich ganz sachlich darüber, dass der Schulbusverkehr im Landkreis eingestellt wurde, morgens um 10 Uhr. Tja. Ich habe heute kein Auto, und zum Glück keine Energie um mich aufzuregen. Julikind wird wohl irgendwie wieder nach Hause kommen. Und tatsächlich ist die Strecke bis zu uns ins Dorf die einzige, die befahren wird. (Busunternehmen aus dem Nachbarort, ortskundige Fahrer und Winterreifen) Wer an der Strecke des „beste Preis“-Busunternehmens wohnt und Eltern hat, deren Lifestyle es nicht ermöglicht, Taxidienste anbieten zu können, hat schulfrei. Vier Tage lang. Wegen Schnee. Im Mittelgebirge. Anfang Februar.

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Eine erste Ladung Altkleider wurde aus Ommas Haus bis in den Container geschafft. Mehrere Personen waren daran beteiligt. Die Menge hat mich nachdenklich und entschlossen gemacht. Ich hab noch einen Sack mit meinen eigenen Klamotten zusammengetragen und gleich mit entsorgt.

Omas Vorratsschrank ausgeräumt. Die Ablaufdaten erzählen Geschichten. Danach habe ich unsere eigenen Vorräte durchgesehen, das was seit längerem eher Speisekammerdeko war radikal weggeworfen und das was neulich erst abgelaufen ist nach und nach serviert. Die Kombi Dosensauerkraut, Dosenwurst und Kartoffeln aus dem Glas war als Alltagsgericht nicht unbedingt lecker, wäre es aber in einem Krisenfall, da sind wir uns einig. Einkaufszettel geschrieben.

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Ich wollte nur „mal gerade“ die Mülltonne an die Straße ziehen, aber der erste Sonnenstrahl der Woche hat sofort Menschen nach draußen gelockt. Ob ich denn was weiß, wegen der Beerdigung erkundigt ein Spaziergänger, das Grab ist ausgehoben, hat er gerade gesehen, aber in der Zeitung stand nix. Ich gebe die Infos weiter, die der Liebste von der anderen Beerdigung mitgebracht hat, könnte mir aber vorstellen, dass die lieber ohne Leute, weil sonst hätten sie ja… Ein Nachbar wurde im engsten Kreis beigesetzt. Das ist ungewöhnlich. Aber, um ehrlich zu sein, wir mussten an dem Tag alle arbeiten, so braucht man sich für nichts entschuldigen.

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Walnusskuchen gebacken und gegessen, sah seltsam aus, kam aber sehr gut an, könnte man gerne wieder, sagen sie. Eigentlich wollte ich was davon einfrieren, aber das muss ich garnicht.

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Apfelstrudel gebacken und gegessen. Das erste mal, dass was daneben gegangen ist, geschmeckt hat es, aber ach, das nervt mich jetzt, sowas simples wie Strudelteig, ausgerechnet… murmle ich so vor mich hin. Also, er wäre durchaus bereit zweimal pro Woche ein Gebäckstück aufzuessen, sagt Maikind, „falls das der limitierende Faktor sein sollte“, fügt er kauend hinzu.

trauriger Anblick aber geschmeckt hat er

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Die Erkältung zieht sich. Könnte auch am grau kalten Nebelwetter liegen, vielleicht ist es eine Kombi, die insgesamt so ein meeeeehhhh verursacht. Alle Hunderunden voller matischigem/hart gefrorenen/rutschigen Schnee, der Nebel so dicht, dass man den nächsten Leuchtpfosten nicht sehen kann. Februar halt. Erste Kraniche über uns machen Hoffnung auf Frühling.

Geburtstagsfeiern werden geplant, einen Schulabschluss gilt es gebührend zu feiern, das „danach“ wird vorbereitet. Es tun sich Dinge in Köpfen.

Ende Januar 26

Für die Trauerfeier haben alle frei genommen und trudeln nach und nach zu Hause ein. Schwarze Winterklamotten werden zusammengesucht, es ist wirklich kalt. Dafür aber blauer Himmel und strahlender Sonnenschein. „Da hat sie aber wirklich einen schönen Tag erwischt“, sagt eine von Omas Bekannten, auf dem Weg vom Grab Richtung Ausgang. Das stimmt. Zum Ende des Trauerkaffees sitzt nur noch „die Weihnachtsrunde“ zusammen und tauschen Geschichten und gesammelte Neuigkeiten aus. Die Trauerfeier war schön, feierlich, an der ein oder anderen Stelle zum Schmunzeln, und angemessen ehrlich, da sind wir uns einig. Es wird noch zwei weitere Beerdigungen geben, in nächster Zeit,“ aber das normal“, raunt die Oma aus dem Städtchen mir zu, „es wird in dreier Gruppen gestorben, schon immer.“

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Auf dem Flur steht die Krücke, unter der Garderobe, an der ihre Jacke hängt. Auf dem Küchentisch liegt ihre Brille und das kleine Schälmesser, über dem Stuhl hängt ihre Weste. Neben dem Spülbecken steht ein kleines Schälchen mit Löffel darin. Alles sieht normal aus, als wäre sie nur mal gerade die Hühner rein lassen. Auf den zweiten Blick fällt die geöffnete Kühlschranktür auf. Er ist leer und ausgeschaltet. Und die Blumen auf der Fensterbank – ich nehme ein Glas aus dem Schrank und gebe jeder einen Schluck Wasser. Es ist seltsam hier zu sein ohne sie. Eine Stunde lang sichten wir Dinge in Schränken, nehmen Erinnerungen und nützliches mit. Dann braucht es eine Pause.

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Ein Samstagmorgen Frühstück mit Maikind und dem Liebsten, das hatten wir länger nicht. Also ich. Die beiden machen das ja jedes Wochenende.

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Weil an der Arbeit Radio läuft bekomme ich wieder regelmäßig Nachrichten mit. Das berührt meine mentale Komfortzone:

Morgens erhalte ich Nachricht von Märzkind, der Studienbeitrag habe sich erhöht. Alles andere hätte mich überrascht. Nja, sagt sie, aber eventuell kommt da sogar noch was dazu, weil ja das Deutschlandticket auch teurer geworden ist. Die Studies beraten noch, ob das weiterhin Teil des Studientickets sein soll oder aus Kostengründen lieber nicht. Nachmittags höre ich im Radio, dass unsere Regierung beschlossen hat, den Kauf von neuen E-Autos zu fördern. 1500 Euro kann man minimum abgreifen. Blöd halt, dass da trotzdem noch ein selbst zu finanzierender Restbetrag bleibt. Und außerdem bin ich sowieso stinksauer, weil einmal die Bremsen neu machen am Twizzy 3600 Euro kosten soll, und das ein Totalschaden ist.

Es hat geschneit in der Nacht. Einiges, stelle ich erstaunt fest, als Julikind das Haus Richtung Bushaltestelle verlässt, da werde ich gleich räumen müssen, mal sehen ob der Bus überhaupt kommt, scherzen wir, ansonsten kann sie mir helfen. Der Schulbus fährt. Um zwanzig nach acht bekomme ich Nachricht von Julikind, sie sei auf dem Weg nach Hause, Schule fällt aus. Hä? Eine Mutterkollegin hat die Elterntaxifahrt übernommen. Mein Arbeitstag beginnt erst um 13 Uhr, bis dahin werden die Straßen ja wohl geräumt sein, dachte ich. Aber, dem ist nicht so. Keine Unwetterwarnung, kein Räumdienst, so scheint es. Mit 30 Kmh schleiche ich den Berg hoch. Direkt in der ersten Kurve rutscht mir sportlich der Arsch weg, trotz nagelneuer Winterreifen. Oooookeeee. Zum Glück war da Platz. Der Weg an die Arbeit dauert dreimal so lang wie normal, war aber so eingeplant, alles gut. Die Nachrichten berichten an diesem Nachmittag, dass der Kanzler gerne das Recht auf „Lifestyle-Teilzeit“-Arbeit einschränken würde. Da muss ich tatsächlich einmal ganz tief Luft holen.

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Orangen-Nusskuchen gebacken und gegessen.

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Die erste Erkältung des Jahres erwischt mich, klar, das hatte ja noch gefehlt.

KW 3/26

Der Flur wurde gelb gestrichen, die Türrahmen weiß. Ich musste rein garnichts tun und freue mich. Problem: Man erkennt jetzt deutliche Gebrauchsspuren am unrenovierten Rest des Hauses.

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Der Elternchat informiert am späten Sonntag nachmittag darüber, dass die Schule morgen nicht geschlossen sein wird, es aber aufgrund der Unwetterwarnung im eigenen Ermessen der Sorgeberechtigten liege, die Kinder zu schicken, oder eben nicht. Ähm, hä? Wir schauen uns fragend an und och guck, tatsächlich, die Notfallapp hat eine kleine Wolken mit zuckenden Blitzen gesendet. Ich informiere das Kind, dass sie morgen nicht zur Schule geht, weil, so haben es die Sorgeberechtigten nämlich für Eisregen grundsätzlich entschieden, damals. Zivilschutz durch ausschlafen.

Ja, es hat geschneit und ja, es war glatt. Aber es war alles geräumt. Im letzten Winter hatten wir an einigen Tagen mehr Wetter mit weniger Warnung und entsprechend ungeräumten Straßen, von Bürgersteigen ganz zu schweigen.

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Den freien Sonntag nachmittag genutzt und eine Runde Schlitten gefahren. Leider war es dafür schon fast zu kalt, die oberste Schicht Schnee war harsch gefroren und entsprechend langsam. Aber es gilt trotzdem als erledigt für diesen Winter. Keine Unfälle.

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„Schmeckt wie Stutenkerl“ oder eher „ein bisschen wie Hefeklöse“, sagen die kauenden Kinder und erkundigen sich fürsorglich, ob da eigentlich jemand was zurückgelegt hat, für den, der noch beim Sport ist. Nee, aber es sind ja noch welche da und „so mit Pflaumenkompott und Sahne – das ist schon fies“, sagt der Liebste am späten Nachmittag. Unsere Neujahrs-Challenges harmonieren nicht gut, dieses Jahr, mal sehen, wer länger durchhält.

Hefewaffeln gebacken und gegessen.

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Am Trauergespräch teilgenommen. Ein gutes Gespräch, denn die letzten Wochen haben mit uns allen irgendwas gemacht, da waren wir uns einig. Außerdem hatte ich einen Ahaaa-Moment, als die Familiengeschichte plötzlich einen wer-hat-hier-die-tollsten-Enkel-Wettstreit der 90er Jahre erklärte.

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Dinge tun sich an der Arbeitsstelle. Schon wieder. Es wäre wohl an der Zeit, sich mal ernsthaft Gedanken zu machen und was Gescheites… ich bin müde. Vielleicht ist ja alles nur saisonbedingt.

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Ein Geburtstagsbesuch bei der Oma im Städtchen. Sie freut sich sehr. Es gibt Torte, morgens um 10 Uhr, weil Geburtstag ist, und Gäste da sind. Die Feier war schon sehr anders als die im letzten Jahr, aber schön. Merke: Drei Gäste für eine Stunde reichen aus, als Party. Dann brauchts eine Pause.

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Sonst war nix. Auch mal schön.

Weihnachtsstimmungen, zweiter Teil

Mein umgekehrter Adventskalender hatte vielleicht schon 24 Türchen bzw Tonnen. Ich habe mehrere Kleidungsstücke in die give box getragen und einige so klein geschnitten, dass sie eine zweite Karriere als Öltücher in der Garage machen können, mehrere Bücher weitergegeben, vier Handys wurden zur passenden Entsorgungsstelle mitgenommen. Ich habe einige Kontakte aus der Telefonliste gelöscht, außerdem jede Menge emails und Fotos mit nutzlos gewordenen Informationen, eine größere Menge Altpapier vom Dachboden entsorgt und zweimal Sperrmüll bestellt, für die wirklich großen Teile. Fühlt sich gut an.

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Wir haben einen Baum gekauft und im Anschluss daran Bratwurst gegessen.

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Julikind hatte einen Teller frisch dekorierter Plätzchen in der Küche stehen lassen, damit sie trocknen können. Abends ist der Teller leer. Sie wundert sich, wie sowas sein kann? Die waren lecker, erklärt Maikind. Ob eigentlich irgend jemand eine Ahnung hat, wieviel Arbeit sowas macht? fragt sie nach. Ja sicher. Alle nicken anerkennend.

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Vom Weihnachtsoratorium wird uns wohl hauptsächlich das grelle Licht und die unbequemen Sitzmöbel in Erinnerung bleiben. Das macht nichts, denn es ging bei dieser Veranstaltung ja um die gemeinsam verbrachte Zeit. Danach waren wir noch auf dem Weihnachtsmarkt. Märzkind und Schwiegermutter genossen die Atmosphäre, Julikind und ich beobachteten das Ganze interessiert. Wir haben alle gut gegessen und ich hab sogar was gekauft. Been there, done that, got the t-shirt, quasi.

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Ich will kein Corona haben, auf keinen Fall, das wäre das letzte, was uns jetzt noch fehlt, da sind sich alle hier einig. Wir meiden also den Großelternhaushalt und besuchen nicht die Omma im Krankenhaus. Die Berichte über ihren Zustand machen allerdings nachdenklich. Und als der Liebste es laut ausspricht ist die Antwort auf einmal ganz einfach. Ich würde da schon nochmal hin wollen, und wenn das so ist, kommt er mit, sagt er. Während wir Kittel, Handschuhe, FFP2 Maske anziehen überlegen wir, wann wir diese Kombi zuletzt… ist zum Glück schon länger her, aber man erinnert sich gut. Vor zwei Wochen habe ich die Omma zuletzt gesehen. Es wirkt, als wäre es Jahre her. Alles an ihr hat sich verändert, aber mit meinem Namen kann sie was anfangen, zwei Minuten lang, dann siezt sie mich. Wir verlassen das Krankenhaus in Hoffnung auf baldige Besserung, und sind froh, dass wir da waren. Wir haben den allerbesten Tag für einen Besuch erwischt.

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Überall werden die immer gleichen Zuckerguss überzogenen Gemütlichkeitskonsum Weihnachtslieder gespielt. Ich kanns nicht mehr hören. Gerade als ich überlege, wo ich denn mal unbeobachtet mit der Stirn gegen eine Wand klopfen könnte, spielen sie doch tatsächlich „fairytail of new york“, nicht die orginal Version, aber immerhin. Die Zeile mit den Flüchen singe ich leise mit, wie andere Leute den refrain von „last christmas“. So. Es geht wieder.

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Montag vormittag ein Besuch in einer Facharztpraxis wegen der einen Sache, Montag nachmittag im Krankenhaus wegen der anderen. Danach sitzen wir bei den Eltern in der Küche. Der Adventskranz leuchtet und wir überlegen mal, nur so für den Fall des Falles, wie viele Leute denn wohl zum Trauerkaffee kommen würden. Eigentlich ein gemütliches Beisammensein. Es ist eben wie es ist, dieses Jahr.

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Der Flur soll gestrichen werden. Alle Farben der Baumarkt Farbmusterwand stehen zur Auswahl, wir müssten uns für eine entscheiden. Der Liebste schlägt gelb vor. Ich wäre für ocker oder sandfarben, markiere den Bereich in der Farbpalette und reiche das Bild zurück. Ja gut, sagt er, dann sind wir uns doch einig, denn welche Art von gelb genau ist ihm egal.

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Der Elternbeirat informiert per Sprachnachricht über eine Sachlage. Der Liebste und ich tauschen einen Blick und würdigen kurz den Augenblick, denn uns betrifft es nicht. Wir haben kein Problem. Das ist schön.

Advent, Halbzeit

Als ich abends nach Hause komme, steht das Sofa vor weiß gestrichener Wand, der Fernseher gegenüber. Auf dem Sofa sitzt Julikind und lächelt. Gemeinsam staunen wir einen Moment darüber, wie groß dieser Raum eigentlich ist, und wie gemütlich das alles aussieht. Es fehlen noch zwei Leisten und die Bilder an der Wand, aber dann ist alles wieder so, wie es mal war, vor 18 Monaten, als diese ausserplanmäßige Renovierung begann.

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Das Kind braucht einen Facharzttermin sagt die Hausärztin für morgen, spätestens übermorgen. Wir verlassen die Praxis mit einer Überweisung. Am Abend des nächsten Tages sind der Liebste und ich beide mental erschöpft aber, zusammenfassend kann man sagen, sie hat einen Termin für den übernächsten Tag bekommen.

Es brauchte nur drei Telefonate mit der Fachpraxis, die Anmeldung in einem Medizinportal über das man theoretisch ein Foto hätte übersenden können, eine Fahrt ins Städtchen zum Foto zeigen auf Mobiltelefon am Tresen der Facharztpraxis, ein Telefonat mit dem Krankenhaus zwecks Ausstellung eines Arztbriefes und die Abholung des Arztbriefes am Tresen der Notaufnahme, wo die ganze Geschichte vor 10 Tagen begann (auf Papier naürlich, denn es zu diesem Zeitpunkt nicht weitergeholfen den an die Haussarztpraxis zu faxen, denn gebraucht wurde er in der Facharztpraxis) Alles ist gut, sie hat zur richtigen Zeit bekommen was sie brauchte, und darüber sind wir froh und dankbar. Aber, man fragt sich ernsthaft, wie man das hätte regeln sollen, wenn der Liebste nicht zufällig frei gehabt hätte. Beim nächsten Hausarztbesuch ist der Arztbrief da, war heute in der Post, sagen sie. (Post im Sinne von Papier in Briefumschlag). Tja.

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De Omma ist krank und muss ins Krankenhaus. Dort würde man sie nach wenigen Tagen gern entlassen, eine Geschichte gegen die unser Erlebnis wie Ponyreiten im Sonnenuntergang aussehen lässt.

Veränderungen stehen an, zum Guten wahrscheinlich, aber erstmal ist es eben wie es ist.

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Weihnachtsmusik der krassesten Sorte schallt aus der Küche. Der Liebste und ich tauschen einen leicht gequälten Blick als wir gewhamt werden, aber wir sind tapfer. Die Kinder haben es „schön adventlich“, backen Plätzchen, alle zusammen und räumen danach sogar auf. Große Kinder sind toll.

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Je mehr Weihnachtsbäume mir im adventlichen Alltag begegnen, desto weniger erinnere ich dieses ultimative Weihnachtsgefühl der früheren Heilig Abende, dass ich sonst damit verbunden habe, was eigentlich schade ist.

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An einem Nachmittag kommen drei verschiedene Versanddienstleister. Pakete, Pakete, Pakete. Ich staple sie nach an verschiedenen Orten.

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Nikolaustag hat sich verändert. Ich habe Geschenke von Kolleginnen bekommen, schöne Geschenke, mit Liebe, obwohl ich gerade mal 6 Wochen da arbeite, und mich ehrlich gefreut. Ich mag die auch alle gern, hatte aber natürlich nix dabei, weil – ich hatte ja keine Ahnung. Vormittags kam ein Nikolaus und hat die Gäste beschenkt. Es war sprichwörtlich froh und munter. Ich hab gestaunt, wie viele Erwachsene ein Foto mit Nikolaus machen wollten. Schön war das.

Abends kamen null kleine Nikoläuse zum Süßigkeiten sammeln. Könnte am Regenwetter gelegen haben, oder Halloween hat gewonnen, man weiß es nicht.

Der Bär sah von der Haustür aus betrachtet aus, wie ein 2 Meter großes Gummibärchen, hat mir gut gefallen.

Weihnachtsstimmung oder so

Mit vereinten Kräften wurden die Fische über die Hitzetage im Sommer gerettet, rückblickend war das schon ein ziemlicher Aufwand, man wird sich da vielleicht was überlegen müssen, für die Zukunft, sagt der, dem der Teich gehört, aber alles in allem hat es sich gelohnt. Also, für uns auf jeden Fall. In netter Atmosphäre essen wir die Fische heute, frisch geräuchert, und unterhalten uns dabei mit den anderen am Tisch darüber, dass es schon ein bisschen verrückt ist, Mitte November im Garten zu sitzen, aber schöner wars im Sommer auch nicht.

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Ich hatte was bestellt, im Möbelladen. Die fröhliche Frau hinter dem Tresen erinnert sich an unser Telefonat und macht sich auf den Weg ins Lager. Ich frage mich währenddessen, ob ich sie von irgendwoher kennen müsste. Nein. Das selbtverständliche duzen scheint hier Teil der Firmenidentität zu sein, und wirkt eigentlich ganz sympathisch. Vorname und Du finde ich OK, Vorname und Sie oder Nachname und Sie auch. Nachname und Du, wie es in meinem letzten Job üblich war, fand ich die ganz über irgendwie doof, und das fällt mir gerade erst richtig auf, während ich so rumstehe und warte.

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Es hätte mich schon mal interessiert, andererseits, brauche ich das wirklich? Für irgendwas? Nachdem ich zwei apps installiert habe, mich per Personalausweis identifiziert, meine email-Adresse verifiziert und den code eingegeben habe, den man mir per Post an meine Wohnadresse schickte, stellt die App sich dumm. Irgendwas hat nicht funktioniert. Es ist mir ein Rätsel. Ich verfüge über digitale Grundkenntnisse, spreche fließend deutsch, kann sinnerfassend lesen, bin durchschnittlich intelligent, aber offensichtlich nicht in der Lage meine elektronische Patientenakte einzusehen. Dann eben nicht.

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Der Liebste darf wieder ganz ohne Krücke laufen. Juhu!

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Die Oma aus dem Städtchen ist gestürzt, liegt im Krankenhaus, meldet der Familienchat. Es gehe schon wieder ganz gut, sagt de Mutta, sie sind über den Flur gelaufen, niemand versteht, warum die Oma so lange dort bleiben soll. Zwei Tage später ist de Mutta krank, Corona. Der Vatta zieht wenige Tage später nach. Sehr milder Verlauf, aber es ist ihr erstes Mal und sie sind doch erstaunt wie man sich so fühlt, dabei.

Mein Auto macht ein Geräusch vorne rechts. Nach jedem noch so kleinen Schlagloch rechne ich mit einem Achsbruch. Der Liebste nimmt es mit in die Werkstatt, die auf seinem Arbeitsweg liegt. Wir machen einen Plan, zum Rücktransport, nur für den Fall… Die Werkstatt entfernt ein Stück abgebrochener Feder, funktioniert auch so, bis das Ersatzteil da ist und jemand Zeit hat.

De Omma möchte üblicherweise sofort nach dem Abendessen ins Bett, aber eigentlich möchte sie vielleicht heute lieber noch im Sessel sitzen, sagt sie. Soll mir recht sein. Ich hole eine Wärmflasche aus dem Bett, lege sie neben die Oma in den Sessel, reiche eine Wolldecke und lasse mir die einzig wahre Methode des zudeckens erklären. Das Gespräch des Tages besteht aus ungefähr 6 Sätzen, und spielt in drei verschiedenen Jahrzehnten.

Julikind hat da was, es wird schlimmer, Sonntag morgen fährt der Liebste mit ihr zum hausärztlichen Notdienst, abends holen wir sie im Krankenhaus wieder ab, frisch operiert. Einen leicht restsedierten Verwandten 24 Stunden lang zu überwachen gehört ja zu jedem Jahr dazu.

Der Advent darf jetzt gerne langweilig werden, bitte.

Ziellinien in Sicht

Ein nettes Gespräch über jahreszeitlich bedingte Verletzungen. Ich hab mir ein Stück Maronenschale unter den Fingernagel des rechten Daumens gerammt, bis ins Blut natürlich. Maikind ist beim Radmuttern nachziehen ein bisschen abgerutscht. Ist halt so. Für November erwarten wir irgendeine Schramme aus der Kategorie „bisschen paddelig gewesen beim Holz holen“ , und dann schon die ersten Schlürfwunden von winterlichen Heißgetränken.

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Die Weihnachtsmänner sind angekommen im Lebensmittelladen. Ich gehe einmal um die Pappaufsteller-Regal-Insel und sichte das Angebot. Eigentlich kaufe ich ja nix, wo Weihnachten drauf steht, aber ich kenne jemanden der sowohl Weihnachten als auch diese Schokolade gerne mag und sein Geschenk ist noch nicht komplett, da könnte man vielleicht eine Ausnahme… Ich nehme also Weihnachtsmann. Nach zwei Metern Weg hat mein Hirn die Informationen des Preisschildes verarbeitet, ich drehe mich wieder um und stelle den Weihnachtsmann zurück. Auf der anderen Seite der Regalinsel tut eine Frau zeitgleich genau dasselbe. Unsere Blicke begegnen sich. Wir schütteln beide mit dem Kopf, müssen dann ein bisschen grinsen, weil diese Situation so fast filmreif verrückt ist, stellen dabei fest, das wir uns ja kennen und unterhalten uns kurz, über Schokoladenpreise zu Weihnachten und dass man das alternativ auch einfach weglassen kann. Schön war das. Grüße an Team Grinch.

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Der Raumausstatter kommt auf einen Kaffee vorbei, weil er gerade in der Gegend war und der Liebste krank geschrieben ist und keine Zeit zum Telefonieren war. Schön war das.

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Der Liebste bekommt zwei Wochen Verlängerung, darf aber wieder mit halber Belastung, immerhin.

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Der Steinmetz trägt eine letzte Schicht Lehmputz auf die Wand auf, um die entstandenen Risse zu füllen. Wenn die dann trocken ist, wird gestrichen und vielleicht haben wir bis Weihnachten wieder eine ganz normale Wand.

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Eine halbe Stunde mit der Oma in der Küche gesessen, Stollenkonfekt gegessen und fünf mal hintereinander das gleiche kleine Gespräch geführt. Es war gemütlich und passte gut zu meinem mentalen Zustand.

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Der letzte Arbeitstag ist einerseits so herzlich, dass ich um ein Haar rührselig geworden wäre, andererseits ein guter Tag zum Abgewöhnen. Ich verlasse das Gebäude mit einer Tasche voll Blumen und Geschenken und mit pochenden Kopfschmerzen und klingeln in den Ohren. Hach.

Am frühen Abend dann Korrektur lesen der Abschluss-Prüfungs-Hausarbeit des Julikinds. Die Oma druckt alles aus und damit ist der schriftliche Teil zur Abgabe bereit. Juhu!

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Der erste Arbeitstag im neuen Job ist so ganz anders. Ich bin fix und alle, aber eigentlich auch fröhlich.

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Märzkind kommt vorbei und hätte wohl Zeit, Weihnachtskarten zu basteln, sagt sie. Das ist gut, weil alleine hätte ich keine Lust. Wir überlegen, wer denn alles eine bekommen soll, suchen Material zusammen und breiten alles auf dem Esstisch aus. Der Liebste hilft beim Zuschnitt und klebt mit halbherzigem Engament Flitterkram auf. Märzkind bemängelt das, ich grinse. Sie beschwert sich, dass wir das garnicht richtig ernst nehmen, dabei ist es doch so schön weihnachtlich. Dialoge wie bei Loriot, alle Jahre wieder.

Herbst

Herbstferien und ein paar freie Tage für mich. Alle noch übrigen Urlaubstage und Überstunden müssen ja jetzt weg. Der Plan fürs Jahresende war ein anderer, aber nun ist es eben so. Erledigung von liegen gebliebem und aufgeschobenem, es fühlt sich gut an, wieder auf der Höhe der Zeit angekommen zu sein.

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Auch in den Herbstferien gab es weniger Postkarten-ersetzende- Statusmeldungen als in den letzten Jahren. Insgesamt dieses Jahr: viele Bilder von Wanderungen, Strand, Berge, Sportevents und essen, deutliche Tendenz Richtung Norden, wenige bis gar keine Standard-Touristen-Hotspot-Fotos.

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Ob es wohl an meiner eigenen Gemütsverfassung liegt, am Wetter oder ist vielleicht der Zeitpunkt erreicht, an dem plötzlich alle Redebedarf haben? Man erzählt mir verschiedene Coronageschichten, einfach so, alle in nur einer Woche.

Die Musik zum Erntedank-Gottesdienst wird per Lautsprecher eingespielt. Es war für heute einfach kein Organist zu bekommen, der Pfarrer bittet, dies zu entschuldigen. Es ist eben leider wie es ist – und es ist ja nun nicht so, als hätten wir das noch nie gemacht, vor nicht allzu langer Zeit… freuen wir uns also einfach darüber, dass wir singen dürfen – ohne Masken, nebeneinander sitzend…

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Damals, solange ist es eigentlich noch garnicht her, hat er ein Schreiben der Dienststelle und seinen Personalausweis an der Kasse vorlegen müssen um mehrere Packungen Klopapier kaufen zu dürfen. Man kann es sich garnicht mehr vorstellen. Als die alte Dame hinter ihm dann anfing, dass das „ja wohl eine Frechheit sei“, musste er der guten Frau leider mal in aller Deutlichkeit sagen, dass er dienstlich, quasi zum Wohle aller, 60 Kinderärsche abzuwischen hat, und dass es ihrerseits eine Frechheit sei, ohne Kenntnis der Sachlage hier die Leute anzumachen. Da war dann Ruhe.

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Beim Spaziergang begegnet mir ein älterer Herr, wir wechseln drei Sätze über das schöne Herbstwetter, ich beschleunige, in der Absicht, ihn zu überholen. Er hält Schritt und erzählt mir von seiner Gesundheit und von der seines Sohnes, der ist nämlich krank, seit er sich damals gegen Corona hat impfen lassen. 500 Meter lang höre ich mir feinstes Impfgegnergeschwurbel an. Es wirkt irgendwie aus der Zeit gefallen. Ich schweige und stelle fest, dass mich das nur ganz wenig Nerven kostet. Surviving of the fittest.

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Meine Friseurin hat heute vormittag ihre Coronahilfen zurückgezahlt. Den gesamten Betrag. Vielleicht hätte sie etwas davon behalten dürfen, aber ach, sie möchte sich nicht nochmal einlesen und nochmal genau nachrechnen. Es reicht, sagt sie.

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De Omma hat direkt hinter der Haustür einen kleinen Raum. Dort steht die Waschmaschine. Außerdem gibt es eine Garderobe und Ablagefläche von Haushalts-Dingen „für draußen“, Gummistiefel, Alltagsjacken und Vogelfutter sowas in der Art. Die Familien-whatsapp Gruppe für Besonderheiten in Seniorenhaushalten meldet, de Omma habe heute morgen mit der Winterfütterung der Vögel begonnen. Leider hat sie statt Vogelfutter Waschpulver verwendet. Knapp daneben. Ein Meilenstein.

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Beim Spaziergang im Nachbarort am Wegesrand einen Jutebeutel voll Äpfel gesammelt. Eigentlich wollte ich nur ein paar, aber es gab so viele verschiedene Sorten… bio, regional und kostenlos. Eigentlich schade, dass die so rumliegen.

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Alle Autos brauchen neue Winterreifen. Man träumt kurz von öffentlichem Nahverkehr.

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Maikind saugt das obere Stockwerk mit drei Staubsaugern gleichzeitig und freut sich darüber, wie unglaublich effektiv das ist. Ich mich auch.

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Zum ersten mal in dieser Saison ist es stockdunkel, als Julikind und ich nach ihrem Training nach Hause fahren. War nicht vorhin noch Sommer? Nächste Woche wird die Uhr umgestellt, und in zwei Monaten ist Weihnachten, in acht Wochen also, und das ist gar nicht mehr lange, stellen wir fest. Sie wundert sich, wie kann sowas sein, früher, da hat es immer eeeeewig gedauert bis Weihnachten.