Erste Novemberwoche

Am Freitag vor dem Teil-Lockdown wird das Maikind spontan zu einer vorverlegten kleinen Geburtstagsfeier eingeladen. Das Märzkind trifft sich auch mit ein paar Leuten. Beide verlassen das Haus mit gemischten Gefühlen. Darf man das noch? Man darf, sage ich. Es sind erstens die gleichen Leute wie in der Schule und zweitens geht da auch um psychische Gesundheit – meine.

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Die Blätter sind fast alle abgefallen, aber irgendwas buntes ist doch noch, in der Hecke. Ach guck, der riesen Holz-Osterhase, ich dachte, den hat endlich einer geklaut, er war aber nur eingewachsen. Ich nehme die Heckenschere und befreie den Hasen. Das hat fast etwas symbolisches. Hingestellt habe ich ihn im März, ab da ist uns irgendwie alles über den Kopf gewachsen.

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Das Märzkind und ich müssen eine Wartezeit überbrücken und wollen der Oma-im-Städtchen etwas in den Briefkasten werfen, sollten wir Licht sehen auch klingeln und winken. Als wir vorfahren räumt sie gerade ihr Auto aus. Da sehen wir uns in echt und unterhalten uns eine Weile vor dem Haus. Das ist erst seltsam, aber eigentlich ganz schön. Nach einer Weile bittet sie uns rein. Das Märzkind und ich gucken uns etwas ratlos an. Damit hatten wir nicht gerechnet, weil diese Oma sich wirklich fürchtet, vorm Virus. Seit Februar ist sie die allermeiste Zeit allein. Wir geben zu, dass wir das lieber nicht möchten, weil diese Woche nun mal so ist wie sie ist. Die Oma meint, da hätten wir wohl recht, und irgendwie sind alle erleichtert. Wir, weil sie nicht sauer ist, und sie, weil wir nicht wollten – aber gekonnt hätten. Es ist kompliziert.

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In der halben Stunde, die wir vor dem Haus stehen fallen uns einige Autos mit Nummernschildern von weiter weg auf. Darin auffällig schick gekleidete Familien. Ein Hauch von „Weihnachten nache Omma hin – jetzt oder nie“ weht um die Häuser.

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Ein leicht zerbeultes Paket wird geliefert. Es erinnert mich daran: online Weihnachtsgeschenke bestellen, jetzt oder nie. Es kommt ja schon in normalen Zeiten zu abenteurlichen Zustellungen im Dezember.

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Gut, dass sich dieser Kollege des Liebsten Montag krank gemeldet hatte. Corona positiv. Man weiß aber woher, und der Rest ging schnell, die Schicht hat kein Problem.

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Zweimal habe ich diese Woche jemanden vor einer Klinik rausgelassen. Einer kam nach einer halben Stunde fröhlich wieder raus, der andere nicht.

Nachrichten von einem Terroranschlag in Wien und einer Präsidentenwahl, die mich immer wieder mit dem Kopf schütteln lässt.

19900 Neuinfektionen an einem Tag.

Einen Praktikumsplatz zu suchen in diesen Zeiten ist eine Herausforderung.

Schulen sind geöffnet, man wurschtelt sich so durch. Zur dritten Stunde fährt übrigens kein Bus, auch wenn der Schultag regulär da anfängt nicht.

Gibt es eigentlich mittlerweile einen Plan, für den Fall, dass aus Teil-Lockdown ein Lockdown wird, so mit Schule zu? Ein Kind wird über discord mit Unterricht versorgt werden, eins über Lanis, das andere sehen wir dann, wenn soweit ist.

Die Waschmaschine, sie will irgendwie nicht richtig, obwohl sie können müsste.

Ich hab den Apfelpflücker vergessen.

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Der Waschmaschinen-Kundendienst hat noch eine Idee, wie sich das Problem vielleicht lösen lässt. Ansonsten würden sie auch vorbeikommen, natürlich. Man könne den Leuten ja nicht sagen, melden Sie sich einfach, wenn Corona vorbei ist. Die Leute freuen sich über diese Infos.

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Zum Martinsumzug wären wir nicht gegangen, das ist ja was für Kleine, aber ein digitalisiertes Laternenfest feiern wir gern mit. Fünf Laternen sind soweit in Ordnung, dass man sie in die Fenster hängen kann. Ab morgen könnt ihr euch von der Straße aus daran erfreuen, heute gibt es noch technische Schwierigkeiten. Wir haben zwar ausreichend Beleuchtungseinheiten und Batterien, es passt nur nicht zusammen.

Stutenkerle backen wir dann einfach selber. 1kg Mehl, ein Würfel Hefe… nach so einer Woche kann man sich ruhig mal was gönnen.

Apfel Marathon

Ich bin jahreszeitlich verwirrt. Die Allergiebelastung ist frühlingshaft, die Temperaturen ganz eindeutig sommerlich. Die Blätter sind bunt wie sonst im Oktober und im Baumarkt werden Christbaumkugeln in die Regale geräumt. Alles an einem Tag.

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Es ist September sagt der Apfelbaum. Der Liebste nimmt das Maikind und das Julikind mit. Erst Äpfel sammeln, dann Saft pressen. Dafür wird Starkstrom gebraucht, den gibt’s bei der Oma in der Scheune. Die Äpfel müssen in den Nachbarort gefahren werden, der Saft zurück. Es war mehr als gedacht, den ganzen Samstag läuft der Einkocher. Dann muss alles in den Keller. Gratis workout.

Das Märzkind bekommt von all dem nichts mit. Nicht schlimm, sie schafft andere Vorräte. Sollte es nochmal zu einer Schulschließung kommen und sie könnte mehrere Wochen ihre Freunde nicht treffen, das wäre übel für uns alle. Da sind die Geschwister sich einig.

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Ich schäle einen Korb voll Äpfel für Apfelmus und koche es ein. Das ist einfacher, als Apfelmus ohne Citronensäure zu kaufen. Und Apfelmus gehört nun mal zu Pfannkuchen.

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„Sag mal, weißt du noch, was du an Sylvester auf deinen Wunschzettel geschrieben hast, für dieses Jahr?“, frage ich das Maikind beim Spaziergang. Am Sylvesterabend schreibt jeder einen oder auch mehrere Wünsche für das neue Jahr auf einen Zettel. Nur realistische Sachen sind erlaubt. Die Zettel kommen dann unbesehen in eine Zeitkapsel (Bockwurstdose). Bis zum nächsten Sylvesterabend. „Nee“, sagt das Maikind, „keine Ahnung, aber was ich mir für nächstes Jahr wünsche, das weiß ich schon.“ Ich auch.

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Der Triathlet kommt kurz auf einen Kaffee vorbei. Er verweigert den Keks, weil, er muss diese Woche noch einen Marathon laufen. Ich wundere mich, findet der statt? Sicher, der ist jetzt virtuell, das ganze Wochende kann jeder laufen, irgendeine Strecke, man muss sich nur registrieren und am Ende ein Foto hochladen, von seinem Ergebnis, auf der Pulsuhr oder der App, geht alles. „Da machst du auch mit“, teilt er dem Liebsten mit. „Du bist bescheuert, ich lauf doch keinen Marathon“. „Nee, das ist klar“, sagt der Triathlet, man könne aber selber sagen, wie weit man laufen möchte, es gehe da hauptsächlich um die gute Sache, der Sponsor spendet pro Teilnehmer, und, der Triathlet hat die Seite schon aufgerufen, „ihr macht da jetzt mit“.

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Das Julikind ist die ganze Woche „schuluntauglich erkrankt“. Bisschen erkältet, nannte man das früher.

Im Ortsteil wohnt noch ein Klassenkamerad und dieser Klassenlehrer hat keinerlei hygienische Bedenken, was die Weitergabe von Hausaufgaben angeht. In der letzten Woche war der Klassenkamerad erkrankt. Er ruft meist um die Mittagszeit an, um zu fragen, ob es Hausaufgaben gibt. Dann besprechen wir, wer was abholt oder bringt oder schicken Fotos. Freitag ist er früh dran.

„Ich wollte nur sagen, heute kann ich keine Hausaufgaben mitbringen, ich hab in der Schule gekotzt, nicht dass ihr wartet.“

„Danke fürs Bescheid geben, gute Besserung.“

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Der Oppa nimmt den Konfirmanden mit zum Gottesdienst im Nachbarort. Das Märzkind muss nicht zum Training , keine Elterntaxifahrt am Sonntag, da hab ich spontan Zeit…

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Startnummer 2345 bei einem virtuellen Marathon. Die drucke ich gar nicht erst aus, das glaubt mir doch keiner. Dann laufe ich also, die gleiche Strecke wie immer, mit dem Handy des Liebsten in der Tasche, ich hab keine eigene App. Aus gutem Grund. Die Zeit, die ich für 6km brauche ist, nun ja, man muss wohl sagen, sehr sehr großartig. Eines Tages wird die Welt auf dieses Ergebnis schauen und sagen, was für eine fantastische Leistung. Es ist wohl die beste Zeit, die auf diesem Abschnitt des virtuellen weltweiten Marathons jemals gelaufen wurde. Ich bin sehr sehr glücklich. Für die gute Sache.

…und dann der Hund

Alle Kinder sind in der Schule, der Liebste arbeitet. Das wäre die Gelegenheit, ohne Unterbrechungen einfach mal was von der to do Liste abzuarbeiten. Liegen geblieben ist genug in den letzten Wochen. Oder, ich könnte eins von den Projekten in der Warteschleife auf den Weg bringen. Oder, ein verrückter Gedanke, ich könnte ein Buch lesen.

Der Hund denkt, dass ich da nur so sitze und stupst mich vorsichtig. Ja, wir gehen gleich, ich muss nur noch die Überweisungen… jaahaa, eine Minute dauert es noch, jaaahhaaaa, so gibt das eh nichts. Es ist wie mit einem Kleinkind diese Woche. Ich schaffe genau eine online Überweisung, bevor der Hund raus muss.

Es ist auch kein spazieren gehen im eigentlichen Sinn, alle paar Meter muss ein Stock geworfen werden, keine Ermüdungserscheinungen erkennbar. Auf halber Strecke entschließe ich mich, die Standardrunde zu erweitern. Welch Freude, hier waren wir schon lange nicht, da hat er was zu schnuppern und ich kann aufhören, Stöcke zu werfen, immerhin.

Die neue Hunderunde, die ich morgens noch vor der zweiten Tasse Kaffee gehe, ist in der örtlichen Wanderkarte verzeichnet. Als Rundwanderweg. Der Hund ist danach tatsächlich müde, ein bisschen, für zwei Stunden…

Einmal am Tag wasche ich meine Hände, weil sie wirklich schmutzig sind.

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Der Wald müsste um diese Jahreszeit nach Herbst riechen. Nach ersten bunten Blättern auf feuchter Erde, Pilzen, irgendwie frisch modrig. Das tut er nicht, es riecht nach nichts. Der Boden unterscheidet sich auch kaum von den Feldwegen, was die Dämpfung angeht. Es müsste ganz dringend mal eine längere Zeit regnen.

Elternabend mit Abstand, keine Fachlehrer, die sich vorstellen wollen, Klassenfahrt verschoben und online Unterricht, naja, jetzt warten wir erstmal ab, ob es überhaupt nochmal dazu kommt. Zwei Mutter-Koleginnen erklären sich spontan bereit, Elternbeirat zu werden, beide wirken nett und normal. Unregelmäßigkeiten nach dem ersten Wahlgang, Frage in die Runde, Missverständnis, im zweiten Wahlgang wird so zurecht gewählt, dass es alles passt, auf den offiziellen, gestempelten Zetteln, Dokumentation, danke schön, schönen Abend noch, eine gute Stunde, fertig.

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Als ich vom Hundespaziergang wiederkomme ist der Liebste gerade wach geworden. Er sitzt mit Handy und Tablet vor dem geöffneten Fenster und fragt, ob ich schon was gehört habe. Was hätte ich den hören sollen?

Heute ist doch bundesweiter Warntag, erfahre ich. Gleich wird er per App gewarnt und die Sirenen werden gehen. Also, mich würde das nicht in alarmbereitschaft versetzten, ich bin ja gar nicht in der Feuerwehr. Nee, nicht der normale Sirenenton, irgendein anderer solle heute kommen.

Hätte der Liebste mir nichts erzählt, hätte ich den Warntag gar nicht mitbekommen. Es ist keinerlei Alarm angekommen. Und was genau ich bei diesem anderen Sirenenton hätte tun sollen, weiß ich auch nicht. Wir haben drei Päckchen Klopapier im Keller, was soll schon passieren.

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Mein Auto ist durch den TÜV, juhu. Für den Spottpreis von nur 10 Euro. Gut, eigentlich für 610 Euro. Der Kinderbonus war genau einen Tag auf dem Konto. Dann haben wir sowohl einen regionalen Handwerksbetrieb, als auch die gesamtwirtschaftliche Erholung unterstützt, indem wir alles auf einmal ausgegeben haben. Bitte Deutschland.

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In der letzten Woche sind das Bügeleisen, die Bohrmaschine und der Staubsauger kaputt gegangen. Außerdem sind natürlich alle Jacken der letzten Saison zu klein, die Pullover auch. Tja.

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Auf dem Wanderparkplatz „Irgendwo am Wald“ steht ein Camper mit dänischem Kennzeichen. Merkwürdig. Anderthalb Stunden später ist der immernoch da, hoffentlich kommen die nicht auf die Idee, hier zu grillen. Die Tür geht auf, ein Mann kommt einen Schritt aus der Tür und fragt, ob er was fragen darf. Sicher. Da wäre gerade so ein Alarm gewesen. Sie haben hier überhaupt kein Internet und was muss man tun? Ist Gefahr?

Nein, keine Gefahr, es ist der zweite Samstag im Monat, da heulen die Sirenen nur zur Probe, alles gut, das hier so üblich. Der Mann wundert sich, wirkt aber erleichtert. Wir unterhalten uns kurz. Er erkundigt sich nach der aktuellen Coronalage. In Dänemark sieht es gerade leider übel aus. Bei uns geht es, kann ich erzählen, wir sind froh, dass die Schulen wieder auf haben und alle geben sich Mühe.

Ehrlich gesagt hatten sie gerade überlegt, ob sie nicht lieber weiter fahren bis Österreich, sagt der Mann. Sie haben gestern Leute feiern sehen, draussen zwar, aber doch mit viel Bier und wenig Abstand. Sie arbeiten beide im Hospital und wollten genau so was nicht. Ich erkundige mich, wo sie denn gestern gewesen sind. Oh ha, jo, Willingen ist ein bisschen anders, als der Rest von Deutschland.

Ich vermisse Airbnb, wie es früher war, stelle ich fest. Das hat mal Spass gemacht.

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Die Katze ist verstorben. Ich kondoliere.

Es gibt eine Folge bei „Gilmore girls“ in der stirbt die Nachbarskatze, die könnte ich eigentlich mal wieder gucken.

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Ich hab das erste mal morgens wieder Licht angemacht, beim Brote schmieren.

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Ein erstes Vorgespräch für den 24.12.20 hat stattgefunden. Wie viel Distanz verträgt ein Weihnachtsabend? Eigentlich keine. Wir kommen zu dem Schluss, joooääähhmmpfff

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Eigentlich war die Woche mit dem hyperaktiven Hund gar nicht schlecht. Der gefühlte Kinder Overload wird besser und ich hab bemerkenswert gut geschlafen. Diese Jeans passt auch wieder.

Irgendwer müsste allerdings mal wieder aufräumen und so.

Heu und Regelbetrieb

Männer, die mit hochauflösenden Ferngläsern irgendwo im Feld stehen, sind mir unheimlich. Vor allem, wenn verschiedene Männer zu verschiedenen Zeiten scheinbar die gleiche Stelle beobachten. Mein Hirn möchte wissen, was da beobachtet wird. Man sieht aber ohne Fernglas natürlich nichts. Merkwürdig.

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„Warum kreisen da so viele Vögel?“, wollte das Maikind wissen.

„Das sind Milane, die sind eigentlich sehr selten.“

„Sieht nicht so aus…“

„Stimmt.“

Merkwürdig.

Windräder sollen da irgendwo gebaut werden. Das ist einerseits schade, weil es wirklich eine schöne Ecke ist und zu meinen Lieblings- Hunde -Runden gehört. Andererseits nutze ich natürlich gerne Strom. Jeden Tag. Deshalb kann ich nicht dagegen sein.

Irgendwer ist aber so richtig dagegen und wurde erwischt. Am Samstag stand in der Zeitung, dass seit längerem Schweinefleisch für die Milane ausgelegt wurde, um das Gutachten zu manipulieren.

Krass, ich dachte immer, hier ist nichts los…

Die Milane fliegen übrigens wieder einzeln über die frisch gemähten Wiesen.

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Regelbetrieb der Grundschule, man muss es mit Humor nehmen. Täglicher Unterricht mit der ganzen Klasse von der zweiten bis zur vierten Stunde. Mit Busfahrten dauert ein Schultag von zwanzig nach acht bis zwanzig vor zwölf. Dann Hausaufgaben.

In der Schule sitzt das Julikind neben der Freundin, mit der sie auch die Nachmittage verbringt.

„Weißt du was Mama, an der Bushaltestelle, als keiner geguckt hat, hat Lara mich dann einfach mal geknuddelt,“ bekomme ich im Flüsterton erzählt.

Da haben sich die kleinen Mädels tatsächlich über Wochen tapfer an die Regeln gehalten. Ich staune und mir wird einiges klar. Lara geht nach den Ferien auf eine andere Schule. Es sind die letzten gemeinsamen Schultage.

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Das Maikind hat mittlerweile so viel Präsenzunterricht, das es schon wieder Freistunden gab. Es sind sich aber alle einig, dass es mit halber Klassenstärke viel besser geht. Alles.

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Das Märzkind hat diese Woche nur einen Schultag. Nächste Woche werden dann die Bücher abgegeben.

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Nach einigen Wochen warten auf einen freien Trainingstermin dürfen die Cheerleader wieder zu den alten Zeiten in der gewohnten Halle trainieren. In festen „Päckchen“ und mit viel Abstand zwischen den Kleingruppen. Es wird eingetragen, wer da war. Alles besser als nichts.

Plus vier Elterntaxifahrten pro Woche.

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Das Maikind und ich gehen Erdbeeren pflücken. Nach einer halben Stunde wird uns klar, warum die im Moment so teuer sind. Man muss sie fast suchen, auf dem Feld. 9 Kilo reichen für 25 Gläser Marmelade. 3 Gläser werden direkt in den ersten drei Tagen geleert. Das Maikind hat Sorge, dass die Vorräte nicht bis zum nächsten Jahr reichen.

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Eine kleine Gruppe Jugendlicher versucht einen freien Zeltplatz im Juli zu ergattern. Es gibt genau einen Campingplatz in der Umgebung, der für Zelte öffnet, seit drei Tagen warten sie auf eine Antwort auf ihre Anfrage. Ich befürchte das Schlimmste.

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Überall wird Heu gemacht. Ich musste die Dosis der Medikamente anpassen und befinde mich im geistigen Tiefflug. Alles in allem geht es aber ganz gut, dieses Jahr.

Vielleicht fällt es auch einfach weniger auf. Seit März liegen die gleichen Bücher auf meinem Nachttisch. Ich komme nicht zum lesen, und wenn, ist mehr so ein Buchstaben angucken.

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Ich habe nach fast sieben Jahren mal wieder ein Neugeborenes aus der Nähe gesehen. Ich hatte völlig vergessen, wie klein die sind. Es standen zwei Hobby-Footballer neben dem Kinderwagen, das hat vielleicht die Wahrnehmung verzerrt.

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Zum zweiten Mal wurde ein angefragter Zeitraum für die Ferienwohnung kommentarlos nicht wahrgenommen. Es gab zwei neue Anfragen, seltsame allerdings.

Ganz grundsätzlich kann ich sagen, es geht mir dabei um Geld. Diese Anfragen, die so tun, als wäre es ein unfassbares Glück für mich, stundenlang für wildfremde Menschen zu putzen beantworte ich mittlerweile ohne Umschweife: Nein.

Solange ich es mir leisten kann.

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Ein voll besetzter Ferienflieger macht sich auf Richtung Mallorca. Das Märzkind leidet meist leise unter den Kontaktbeschränkungen, hat jetzt aber Schnappatmung. „Wieso dürfen die so in den Urlaub und wir nicht normal in die Schule?“ Ich weiß es nicht.

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In NRW gibt es den ersten regionalen lockdown, nachdem sich jede Menge Arbeiter in einem Schlachthof angesteckt haben. Ich wundere mich, dass scheinbar alle überrascht sind, wie die Leute wohnen (müssen). Reisende Malocher erzählen oft Geschichten von Unterkünften, die sie so angeboten bekommen. Wir sind alle ein bisschen froh, das der Fleischverarbeitende Betrieb im Landkreis letztes Jahr schon pleite gemacht hat.

Anfang Juni

Das Märzkind schlug vor, nach dem Abendessen noch eine Runde Fahrrad zu fahren. Das Gastkind schaute mich fragend an. Sie könne natürlich mein Fahrrad benutzen, sagte ich ihr. Sie wunderte sich ein bisschen, das konnte ich sehen, aber ich verstand nicht wieso, und dann waren die beiden schon weg. Kurz vorm Dunkel werden kamen sie wieder, ich hab kein Licht am Fahrrad.

„Es ist sehr still hier, draußen“, sagte das Gastkind.

„Naja, hier ist nichts los „, entschuldigte sich das Märzkind.

„Ich finde es toll“, sagte das Gastkind und wirkte wirklich begeistert.

Das Märzkind verstand nicht wieso. Im letzten Frühjahr war sie zu Besuch beim Gastkind. Eine kleine Wohnung im sechsten Stock, vom Balkon aus konnte man die Flugzeuge gaaanz nah sehen, weil es dicht am Flughafen liegt. Öffentliche Verkehrsmittel fahren mehrmals die Stunde, überall hin, bis nach Disneyland und an den Eiffelturm… Abends alleine raus, geht man allerdings lieber nicht, einfach so. Wir haben in den letzten Wochen öfter an diese herzliche Gastfamilie gedacht.

Heute kommt kein französisches Gastkind zu uns.

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Honig schleudern ist zweimal schön. Der Moment, wenn der erste Honig an die Wand der Schleuder prasselt und der Moment, wenn man einige klebrige Stunden später frisch geduscht ein Bier aufmacht.

Ein Hoch auf das neue Rührgerät. Rechnet man die drei durchgeschmorten Bohrmaschinen zusammen, die sonst das Rührwerk angetrieben haben, war es auch fast günstig.

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Erste Elterntaxifahrt zum Training. Die Zeit dazwischen reichte genau zum Lebensmitteleinkauf.

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Lebensmitteleinkauf im gewohnten Laden. Es sind viele Menschen da, aber man wartet aufeinander und entscheidet sich zügig, wenn man bemerkt, dass jemand wartet. Sehr angenehm. Alle Regale waren voll bis zum Anschlag. Mein Einkaufswagen auch, letzte Woche hatte ich ja nur so ein bisschen. Mit einem wirklich richtig vollen Einkaufswagen wird man dann doch komisch angeguckt. Ich bräuchte mal eine Armbinde oder so, die mich als Teenagermutter ausweist. An der Kasse sitzen jetzt Männer ist mir aufgefallen. Die Damen, die da seit Februar saßen haben sich ein paar freie Tage wohl mehr als verdient.

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Auf der Seite des Landkreises lese ich nach, unter welcher Voraussetzung ich die Ferienwohnung an Touristen vermieten könnte. Es ist Pfingsten und nach einem halbem Jahr ohne Zusatzeinkommen (der Winter ist ja auch ausgefallen), wäre das ganz nett. Ähm, nein, eigentlich geht es ohne.

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Bei der Kinderübergabe kommt mir die Freundin im Auto entgegen. Wir parken kurz und unterhalten uns aus den Autofenstern. Sie kommt vom Dienst und „haste nochmal was gehört, von den systemrelevanten Pflegenden in den letzten Wochen?“. Nee, eigentlich nicht. Genau. Im Krankenhaus dürfen immernoch keine Besucher rein, das Telefon klingelt ununterbrochen. Eigentlich würde jemand gebraucht, der nur mit Angehörigen redet. Keine Personaluntergrenze heißt, es ist Wahnsinn im Moment. Natürlich wünscht man niemandem etwas schlimmes, deshalb rackern sich ja alle ab, aber, ganz heimlich habe man gehofft, dass die Welt da draußen mal sieht, wie knapp das alles immer ist.

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Elterntaxifahrt zur Bushaltestelle im Nachbarort, von da aus fährt nachmittags der Bus ins Städtchen. Am Abend berichtet ein fröhliches Maikind, man dürfe sich zum Döner essen wieder setzen. Das haben sie gemacht, zu viert um einen Tisch, das war schön. Da konnte man sich mal unterhalten, ganz normal. In der Schule geht das ja nicht, wenn da die Lehrer dauernd patrouillieren und auf Abstände achten.

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Bisher sei man gut durchgekommen, durch die Pandemie, danke, dass alle bereit waren, die Einschränkungen und Besonderheiten mitzutragen. Das war wichtig und ohne wäre es nicht gegangenen. Der Liebste bekommt vom Arbeitgeber Gutscheine, einlösbar in allen kleinen Einzelhandelgeschäften des Nachbarstädtchens, weil man möchte, dass die auch alle gut durchkommen.

Danke dafür.

Das tut gut, es war nämlich wirklich nicht normal, in den letzten Wochen. Und das hilft uns viel mehr, als die Anteile an einer Airline, die Deutschland in unserem Namen angeschafft hat.

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Nächste Woche geht’s dann los mit Klassenarbeiten. Anscheind bekomme ich doch Noten, dieses Halbjahr.

Tag 58 bis 63, Pandemie fertig

Auf einmal werden Hausaufgaben wieder rausgekramt, die wir vor langer Zeit mal auf einen „sollte der Moment kommen, vielleicht “ Stapel abgelegt hatten. Einige Lehrer haben Andeutungen gemacht, anscheind geht es dann nächste Woche doch los. Irgendwie, ein bisschen. Ich durchsuche Emails und chat-Gruppen nach Informationen und finde nichts. Nur der Kultusminister schreibt mir auf allen Wegen immer den gleichen Brief.

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Vier Seiten lang ist der Brief des Kultusministers. Vermutlich hat er den wirklich selber geschrieben. Er habe zwei Kinder, eins ist schon fertig mit der Schule, eins ist im Kindergarten, deshalb glaubt er, nachfühlen zu können, was Eltern gerade alles leisten. Er schildert mir meine Belastungen und Sorgen der letzten Wochen. Diese Sache mit dem Unterricht in der Zeit des lockdown, nun, ach, da wäre wohl noch Luft nach oben gewesen, gibt er zu. Dass die Eltern jetzt alle so laut und nörgelig sind tut ihm voll leid. Bei ihm im Haus arbeitet man daran, die Schulen zukünftig bei der Schaffung einer verbesserten „unterrichtsersetzenden Lernsituation“ zu unterstützen. Sogar mit so digitalen Sachen. Alles wird gut, und von ganzem Herzen schönen Dank auch, das wir den Arsch am kacken gehalten haben. Mit freundlichen Grüßen, Professor Doktor….

Die unterrichtsersetzende Lernsituation bin dann wohl ich, vermute ich mal. Das bin ich ja schon seit neun Jahren. Die kantinenersetzende Küchensituation übrigens auch, obwohl alle Kinder in Schulen mit Ganztags-irgendwas gehen. Das ist alles kein Problem, also, im Moment nicht. Wenn ich an meine einkommensersetzende Rentensituation denke schon. Anerkennung in Form von Rentenpunkten oder irgendeiner Art von mehr Euros auf dem Konto wären mir lieber, als blumige Ministerworte.

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Allmählich kommt Leben ins Dorf, man hört wieder Kinder draußen, es fahren mehr Autos, in der Ortsmitte sitzen die älteren Damen wieder auf der Bank. So soll das.

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Der Parkplatz vor dem Supermarkt ist ziemlich voll, es sind aber noch Einkaufswagen da. Anscheind kaufen wieder die Leute ein, die das normalerweise auch tun. Es steht niemand mehr lange nachdenklich vorm Regal und alle Anwesenden laufen intuitiv in die richtigen Richtungen. Keine Gespräche, keine Augenkontakte, es wird normaler.

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Die Monteure, die eigentlich heute angereist wären, müssen überraschend zwei Wochen Quarantäne stopp in Polen machen. Falls es den Auftrag danach noch gibt, würden sie wohl gern kommen. Kein Problem.

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Ich war beim Frisör. Die Frisur, die mir das Märzkind geschnitten hat, war gut. Allerdings wächst sie seltsam unregelmäßig nach. Um da wieder eine Richtung reinzubringen… so kurz hatte ich die Haare zuletzt auf meinem Führerscheinfoto.

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Montag also Schule. Die neuen Klassenräume und Laufrichtungen werden bekannt gegeben. „Dann muss ich jetzt alles selber mitschleppen?“ Ja, so sieht’s aus. Eigentlich gibt es ein mit Banknachbarn abgesprochenes, ausgeklügeltes System, dass an jedem Tisch eine Vollausstattung an Büchern, Tintenkillern, Geodreiecken und so sicherstellt, ohne das jeder alles dabei haben muss. Die Kinder sichten den Stundenplan, der an diesem Tag gelten, wird und packen.

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Der erste Schultag fühlt sich paradoxerweise an, wie der letzte vor den Sommerferien. Welche Anspannung in den Kindern steckte, merkt man erst jetzt. Alles war seltsam in der Schule, aber auf eine nette Art. Das morgen wieder frei ist, ist eigentlich ganz schön. Ranzen werden in die Ecke gestellt und Verabredungen für den Nachmittag gemacht. Die ersten Gäste die kommen waren auch die letzten, die vor der Kontaktbeschränkung gegangen sind. Obwohl, einer schleicht über den Flur, der war noch nie hier. Langeweile hatten wir die ganze Zeit nicht einmal.

Tag 49 bis 53, lockerer lockdown

Sonntag Vormittag ging ich joggen, dann wurden zwei Elterntaxifahrten verlegt. Die fallen im Moment weg. Ich gehe also Sonntag Vormittag joggen, nicht weit und nicht schnell, ein bisschen für die Gesundheit, hauptsächlich um den Kopf frei zu bekommen. Um diese Zeit hat man die Welt für sich alleine. Auf der Strecke sind mir im ganzen letzten Jahr zwei Radfahrer begegnet. Da ich alleine laufe und nicht oft, trage ich dabei eine Sofasitzhose, die mir vor Jahren als Jogginghose verkauft wurde, dazu das ganze Frühjahr über das gleiche Langarmshirt, solange, bis Tshirt Wetter ist, dann kommt es in die Wäsche. Die Schuhe sind deluxe und fast neu, leider erkennt man das aufgrund der Staubschicht nicht.

Das erste Teilstück verläuft an der Hauptstraße. Es kommt uns genau ein Auto entgegen. Der Hund läuft hier lässig und entspannt an der Leine. Im Feld mache ich ihn los.

Im tiefsten Wald begegnet uns mit ein mittelaltes Pärchen mit Hund. Ich rufe den Hund, leine ihn an. Sie erkundigen sich nach dem Weg, denn sie sind einfach mal auf gut Glück… ist alles richtig, schönen Sonntag.

Hund los, weiter geht’s. Nach 200 Metern begegnen mir Fahrradfahrer. Hund rufen, anleinen. Ein guter Freund des Maikinds ist unter den Radfahrern. Ob er denn den Hund mal streicheln dürfte, fragt er aus der Distanz. Sicher. Wir kommen schnell ins Gespräch. Schule läuft bei ihm auch eher so mittel und das Baumhaus ist eigentlich fertig, gut, zu tun gibt’s da immer was aber irgendwie… Vielleicht könnte man sich ja mal verabreden, liebe Grüße ins Tal, Grüße auf den Berg.

Einen Moment sind wir alle ratlos, weil ein weiterer Jogger in beachtlichem Tempo auf uns zu kommt. Auf dem Pfad mit Bächlein links und hohem Gras rechts bilden wir eine Gasse, um die Abstandsregeln umzusetzen. Wir schmunzeln alle, man kommt sich blöd vor, der Jogger nickt dankend. Schönen Sonntag euch allen.

Hund los, weiter geht’s. Hinter der nächsten Kurve sehe ich zwei Wanderer. Hund rufen, anleinen, Distanz halten auf schmalem Waldweg, weiter geht’s mit angeleintem Hund, damit ich einfach mal ein paar Meter laufen kann. Der Hund versteht die Welt nicht mehr. Eigentlich wollte er durch den Bach toben, während ich hier langlaufe, und all die schönen Stöcke, die man hier mitnehmen kann, sollen einfach so liegen bleiben? Joggen mit Junghund an der Leine im Wald ist ähnlich wie ein Spaziergang mit Kleinkind. Aber es nützt nichts. Ein Spaziergänger ist in Sicht. Danach noch zwei und noch zwei und noch zwei.

Das Shirt hab ich in die Wäsche getan und nächste Woche ziehe ich diese stylische Laufhose an.

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Montag ein Besuch beim Hausarzt und ein Großeinkauf in nur zwei Stunden erledigt. Das hätte sonst den ganzen Vormittag gedauert. Das Städtchen fast ohne Menschen ist ganz angenehm.

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Immernoch keine Hefe. Klopapier steht wieder im Regal. Man hat die Auswahl zwischen Ökokratz und 5-lagig, ich hätte gern das dreilagige Standard Papier. Ein paar Tage kommen wir noch hin.

Statt dessen kaufe ich „das Kochbuch für Notfall und Krise nach Empfehlungen vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“. Der Titel gefiel mir und auf dem Cover ist eine Dose. Kochen ohne Wasser wird bestimmt das nächste große Ding.

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Dass sich beim Märzkind wieder Lehrer um den Unterricht kümmern, entlastet mich enorm. Beim Maikind ist regelmäßiger Kontakt zur Mathelehrerin entstanden, ein Abgabetermin mit Rückmeldung macht vieles leichter. In Englisch fehlen Grundlagen. Wir haben uns vorgenommen, daran zu arbeiten, vielleicht wird es dann weniger nervig. Die Deutschlehrerin lebt noch. Grundschule läuft, da muss ich nur anwesend sein. Wobei das auch zeitintensiv ist, aber, unter Vorbehalt würde ich sagen, dass aus dem Hausaufgaben-Marathon allmählich so etwas wie home schooling wird.

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Es wird entschieden, dass jedes Bundesland für sich entscheiden darf, wann was in welcher Form gelockert wird. Wer schon mal versehentlich an Allerheiligen im Städtchen war kann da nur mit dem Kopf schütteln. (NRW hat Feiertag, Hessen nicht).

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Eventuell geht für alle Schüler ab der vierten Klasse ab 18. Mai der Unterricht wieder teilweise los, in eingeschränkter Form. Danke für diese Information.

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Das Julikind hat eine Freundin zu Gast. Die beiden machen die Dorfralley, die der örtliche Kindergärten organisiert hat.

Das Märzkind macht eine Fahrradtour mit einer Freundin. Picknick am Edersee.

Das Maikind guckt den neuen Star wars Film auf DVD.

Der Liebste holt 0,8 Kubikmeter Rindenmulch und verteilt ihn auf Beeten. 0,2 Kubikmeter fehlen noch.

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Es ist erstaunlich wie verschieden Gesichter sind. Ich habe bestimmt schon 5 Rotzbremsen genäht, die keinem passen. Drei Modelle können in Serie gehen, sobald die coolen Stoffe versendet werden können und es wieder Gummiband gibt.

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Lob und Anerkennung erhielt ich für eine weitergegebene Rotzbremse. Die passt perfekt. Kollegen seien neidisch, das vom Amt gestellte Modell passt nämlich niemandem und erinnert an Boxershorts. Ich freue mich.

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Ab neunten Mai darf mit sich wieder mit Personen aus einem anderen Haushalt treffen. Das passt, der Vatta hat Geburtstag und läd den ganzen Haushalt zu Gulaschsuppe ein.

Vorfreude als wäre morgen Weihnachten.

Tag 30 bis 33, fast wie Ferien

Der Sommer ist zurück. Innerhalb von zwei Tagen ist die Hecke vorm Haus blickdicht geworden.

Der Liebste hat Honigräume aufgesetzt, also, auf die Bienen. Ich habe den Bestand an Gläsern und Etiketten durchgesehen. Es ist wieder Dürre angesagt, man kann eigentlich unmöglich schätzen, wie viel wir brauchen werden.

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Ich habe versucht mit einer Bestellung den örtlichen kleinen Buchhandel zu unterstützen. Leider waren meine Bezahlmöglichkeiten nicht systemkompatibel. Tja, zwei Klicks nebenan waren sie es, so leid es mir tut.

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Das Märzkind hat sehr konkrete Vorstellungen, wie eine kurze Hose in diesem Jahr auszusehen hat. Ich habe wenig Hoffnung, gebe aber zum Spaß ihre Erwartungen mal in die Kleinanzeigen des Auktionshauses ein. Siehe da, es gibt sogar zwei. Meine Bezahlmöglichkeiten werden akzeptiert und drei Tage später kommen zwei fette Briefumschläge an. An beiden Hosen sind die Etiketten noch dran. Da kam der Sommer wohl ein Kilo zu früh… Glück für mich, sie passen und gefallen.

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Das Maikind ist wieder aufgetaucht, ich freue mich. Natürlich war er genauso zu Hause wie wir alle, hat sich aber irgendwie unsichtbar gemacht. Als ich mal vorsichtig bei ihm reingeschaut habe, saß er am Schreibtisch über Englisch. Ich begann, mir Sorgen zu machen. Gestern hat er mir das Deutschbuch auf den Esstisch geworfen und gemurmelt, dass das alles ziemlicher kackmist sei. Er kann mir jetzt fast in die Augen gucken und seine Stimme klingt irgendwie anders. Dieses stille vor sich hin pubertieren ist mir immernoch fremd. Wenn bei den Mädels Türen knallen und die Fetzen fliegen mache ich mir nie Sorgen.

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Bei der Abend-Hunde-Runde im Wald rascheln Blätter am Hang gegenüber. Die beiden Rehe, die mir sonst mehrmals in der Woche begegnen, habe ich schon länger nicht gesehen, fällt mir auf. Suchend schaue ich in die Richtung, aus der das Geräusch kam.

Wow!

Das sich so ein großes Tier so leise bewegen kann ist erstaunlich. Eine Hirschkuh schaut in meine Richtung. Zwei weitere stehen ein Stück höher. Drei sogar, wenn sie still stehen kann man sie kaum erkennen, in dieser Umgebung. Die Ohren bewegen sich permanent, der Rest des Tieres garnicht. Sie schaut in Richtung ihrer Kolleginnen „ich schwöre, da war was“, scheint sie zu sagen. Der Hund und ich stehen ganz still. Die anderen Hirsche horchen jetzt auch. „Du wieder“, sagen sie und laufen in aller Ruhe den Hang hoch Richtung Wiese. Sehr beeindruckend.

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Weil ja jetzt kaum noch Autos fahren pinkeln die Rennradfahrer einfach so am Straßenrand. Man will das gar nicht so im Detail sehen, aber es ist wie ein Unfall, man guckt automatisch hin. Es sind immer Rennradfahrer. Wahrscheinlich können die dünnen Reifen nur auf Asphalt fahren. Mountainbiker hab ich noch nie pinkeln sehen.

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Mittwoch kommt die Nachricht, dass alles noch so bleibt wie es ist, Kontaktverbot bis zum 4. Mai. Da hatte ich mit gerechnet, es ist OK.

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Das Märzkind leidet zunehmend unter unser aller Frisuren. So sehr, dass es vielleicht sogar mehr Erkenntnisse bringt, als es das ausgefallene Betriebspraktikum gekonnt hätte. Ich bestelle etwas im Frisörversand.

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Donnerstag erhalte ich eine Mail der Grundschul-Klassenlehrerin. Sie sei angehalten, mal nachzufragen, wer aufgrund eigener Erkrankungen oder Erkrankungen im direkten Umfeld ein erhöhtes Risiko habe, wenn denn die Schule wieder losgeht. Risiko wird nicht weiter definiert, kein Plan erkennbar, ich reagiere nicht.

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Freitag morgen teilt das Julikind mit, ihre Freundinnen hätten gesagt, für sie gehe übernächste Woche die Schule wieder los. Ich weiß von nichts und gehe von einem Missverständnis aus. Mittags zeigt die Vertretungsplan app dann auch bei mir eine Nachricht.

Die vierten Klassen der Grundschule haben tatsächlich, wie die Abschlussklassen ab 27. April Schule. Die Klasse wird geteilt, daher wird ein anderer Stundenplan gelten, außerdem natürlich strikte Hygiene und Gesundheitsregeln.

Für die anderen Klassen werden im Hauptgebäude Materialtische aufgebaut, an denen bearbeite Unterrichtsmaterialien abgegeben und neue abgeholt werden können.

Bitte? Was soll das denn für eine Information sein?

Ruhe bewahren.

Der Grundschulelternchat beginnt zu brodeln. Die einen haben Großeltern im Haushalt, die anderen würden die Blagen gerne einfach wieder abgeben. Niemand hat Lust bis zu den Sommerferien homeschooling anzubieten. Aber die meisten haben den Eindruck, es handelt sich hier um irgendeine Art von Versuch. Der Elternbeirat, ach, der hat eine Meinung. Ich hätte gerne Informationen, die es gegebenenfalls erlauben, anderer Meinung zu sein.

Es sagen ja dauernd alle, man könne sich an die Klassenlehrerin wenden, das hat bis jetzt auch wirklich gut geklappt. Ein bisschen tut sie mir leid, weil ich vermute, dass sie es auch nicht weiß. Trotzdem möchte ich gerne folgendes wissen:

Besteht Schulpflicht?

Wird Unterricht stattfinden, oder soll „nur“ der Ablauf einer Wiederaufnahme unter anderen Bedingungen geprobt werden?

Was bedeuten „strikte Hygiene und Gesundheitsregeln“ konkret?

Gibt es genug Material um diese Regeln verlässlich umsetzen zu können?

Was genau ist mit geändertem Stundenplan gemeint?

Wird dieser Stundenplan mit der Bustaktung abgestimmt?

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Wer mir Informationen im „schaunwama dann sehnwaschon“-Stil zukommen lässt, kann sich ab jetzt auf Rückfragen gefasst machen.

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Fortsetzung folgt

Tag 25 bis 29, Ostern

Wir färben 40 Eier, das wird in diesem Jahr ausreichen. Die Eier kommen aus dem Eierautomaten zwei Orte weiter. Das witzige ist, das da verschiedene Größen Formen und Farben in der gleichen Packung sein können. Hier gleicht kein Ei dem anderen.

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Die Kirchenglocken sind im Moment so ziemlich das einzige Geräusch in der Außenwelt. Zwischen Karfreitag und Ostersonntag schweigen die Glocken. Es fahren auch kaum Motorräder vorbei, was bei diesen Temperaturen am Wochenende sehr ungewöhnlich ist, Trecker auch nicht, wegen Feiertag. Es ist still im Ort.

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Abends um halb zwölf, ich bin auf dem Weg ins Bett, kommt das Julikind im Schlafanzug die Haustür rein.

Die waldecksche Mundart kennt ein allumfassendes Fragewort für solche Situationen. Durch Variationen in Klang und Länge kann man den eigenen Standort anzeigen und Zukunftspläne oder Herkunft seiner Mitmenschen erfragen. Es klingt kompliziert, wird aber von Ortsansässigen aller Generationen intuitiv verstanden. Deshalb brauche ich nur ein Wort.

„Hää?“

Die Patentante habe doch am späten Abend ein Osternest bringen wollen, da habe sie jetzt nur nochmal geguckt, nicht das die Waschbären…

„Ach so.“

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Der Samstag erfüllt jedes Klischee. Ein bißchen putzen, ein spontaner Baumarktbesuch, Gartenarbeiten, Straße fegen, grillen.

Als es dunkel wird machen wir Osterfeuerchen im Garten. Zu fünft sitzen wir um die Feuerschale und suchen Sternbilder. Das kleine Feuer ist angenehm. Man kann dicht genug dran sitzen, dass man nicht friert, ohne das einem dabei die Schuhsohlen schmelzen, weil es einen Meter weiter schon echt richtig heiß ist.

Die Nachbarn machen auch Osterfeuer. Es gibt also doch noch mehr Menschen außer uns.

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Normalerweise würden das Märzkind und ich um kurz vor fünf aufstehen und ins Städtchen fahren. Dort beginnt um halb sechs die Osternacht. Da ist es noch dunkel. Am Eingang der Kirche bekommt man mit eine Kerze und ein Gesangbuch gereicht, mit einem freundlichen, aber wortlosen Nicken. Entlang der Sitzbänke stehen drei kleine Laternen um grob den Weg zu zeigen, man braucht ein paar Sekunden um sich zu entscheiden, Leute sieht man nicht, aber man kann spüren, das noch andere da sind. Nicht auf gruselige Art, nur leise und dunkel. Andächtig. Irgendwann kraschpelt es ein bisschen. Während man noch überlegt, ob das Geräusch wohl echt war oder nur eingebildet, fängt der Chor an zu singen. Unplugged. In einem Gebäude, dessen Akustik genau dafür gemacht wurde, ein Gänsehautmoment. Nicht digitalisierbar.

Merkwürdig, der Gottesdienst an Heilig Abend hat mir garnicht gefehlt.

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Ich rufe meine Schwester an, um frohe Ostern zu wünschen. Nach einer viertel Stunde Gespräch fällt uns auf, das wäre gar nicht nötig gewesen. Wir sind uns die letzten 20 Jahre nie an Ostern begegnet, wenn nicht zufällig jemand Geburtstag hatte. Ach guck, haben wir das auch mal bemerkt. Es ist aber trotzdem schön sich mal zu hören.

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Das Osternest der Patentante wird gefunden. „Schöne Ostern soll ich euch sagen“ , meldet das Julikind mit einem fröhlichen Grinsen „wir machen dann was, wenn Corona vorbei ist, hat sie geschrieben“. Dazu gabs eine gesegnete Portion Schnuck, die sofort ins Kinderzimmer getragen wird. Läuft.

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Die anderen Osterkörbchen hatte der Hase wegen sommerlicher Temperaturen im Haus versteckt. Das ist unüblich, es gibt keine Standardverstecke und die Suche dauert entsprechend länger. Eiersuche im Garten geht dann schneller.

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Mittagessen besteht aus Marzipan und Blätterkrokant.

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Am frühen Nachmittag gehen wir Eierwerfen. Bei 25 Grad ist es eigentlich schon zu warm, um den Hang mehrmals wieder hochzulaufen. Nach der zweiten Runde essen wir die Eier, die noch heil geblieben sind in Picknick Atmosphäre auf der Wiese. Die zwei die kaputt gegangen sind darf der Hund sich holen. Am Himmel über der Eierwiese ist nicht ein einziges Flugzeug zu sehen, die ganze Zeit nicht.

Am Wanderparkplatz ist schon ein Hinweis auf Waldbrandgefahr angebracht. Anscheind rechnet man mit anreisenden Städtern. Das man im Wald nicht raucht und keine Zufahrtswege zuparkt ist eigentlich klar.

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Oma und Opa haben das Eiersuchareal ausgeweitet. „Die ganze Hecke, bis da hoch“, die Oma macht eine ausladende Armbewegung. Die Kinder verschwinden.

Als alles gefunden ist sitzen wir noch eine Weile auf dem Hof.

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Als wir zu Hause ankommen fährt gerade die Oma aus dem Städtchen vor. Sie bleibt im Auto sitzen, wir bleiben stehen und warten. Sie bleibt sitzen, wir wundern uns. Sie öffnet die Tür einen kleinen Spalt und sagt, sie wolle nur die Osterhasen für die Kinder bringen, bleibt aber sitzen. Der Liebste fragt, ob er denn ans Auto kommen dürfe, um sie ihr abzunehmen. Sie ringt sichtlich mit sich, steigt dann aus und übergibt mit ausgestreckten Armen eine Tasche mit Osterhasen und eine mit ausgelesenen Büchern, die ich ihr geliehen hatte.

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Abends wieder Star wars. Ich habe jetzt drei Folgen gesehen und frage mich, worin die Handlung wohl besteht. Natürlich nur innerlich, sonst wird mir das noch jemand erklären. Ich habe allerdings nachträglich noch einige Witze aus big bang theory und Lego Movie verstanden. Das Märzkind und ich waren uns einig, das die dieses Fluggerät mal grundsätzlich warten sollten. Nach jedem Start fliegen irgendwo Funken und jemand rennt fluchend mit dem Schraubenschlüssel los. Das verliert zunehmend an Unterhaltungswert. Die Jungs waren der Meinung, wir hätten keine Ahnung.

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Montag dann fünfzehn Grad weniger und viel Wind. Ich mache den Ofen an.

Nach der Hunde-Spaziergangs-Runde sammeln wir ein Osternest bei der Oma im Nachbarort ein.

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Märzkind und Maikind erkundigen sich unabhängig voneinander, ob ich schon weiß, ob die Schule nach den Ferien weitergeht, und wenn ja, wie?

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In den Nachrichten spricht ein Professor der Leopoldina. Bestimmt einer der besten seines Fachs. Leider hat er ganz offensichtlich keine Vorstellung davon, wie sich Grundschüler verhalten werden, die sich seit 5 Wochen nicht gesehen haben. Das nicht alle Schüler generell zu Fuss zur Schule kommen hat anscheind auch noch niemand im Detail bedacht.

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Zu meiner eigenen Überraschung stelle ich fest, das mir die Probleme der letzten Wochen sympathischer werden, je näher wir einer Lösung kommen.

Tag 20 bis 25

Samstag

Haus und Hoftag läuft etwas zäh. Irgendwie ist die Luft raus.

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Der Ferienbeginn war ein Punkt, auf den wir hingearbeitet hatten. Die Erkenntnis, dass es im Grunde genauso weitergehen wird wie die letzten drei Wochen trifft uns hart. Es sind noch so viele Aufgaben zu erledigen. Die Kinder haben viel gearbeitet, ich würde behaupten, mehr als im Unterricht. Aber das Pensum war für zwei von drei Kindern unter diesen Bedingungen nicht zu schaffen. Die Bedingungen machen mich allmählich wütend.

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Das Julikind fragt, ob es denn möglich sein wird, trotz Corona bei der Patentante im neuen Haus zu übernachten. Leider macht es keinen Unterschied, ob man das schon im Januar verabredet hat. Die Enttäuschung ist groß, obwohl sie sich das gedacht hatte.

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Letzte Woche hats noch geschneit, da waren Winterstiefel in Ordnung. Heute sind es über 20 Grad. Ich suche auf dem Dachboden nach Schuhen für das Julikind. Wir haben einen Fundus an Sportschuhen, die nur 8 Wochen gepasst haben und ähnlichem. In dieser Größe aber leider gar nichts. Ich überlasse ihr meine Sportschuhe, aber die drücken.

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Der Landkreis untersagt ab heute für die Dauer der Osterferien die Nutzung von Zweit-und Ferienwohnungen. Wir hätten sowieso nicht vermietet, unter diesen Umständen. Wir hatten überlegt, Freunde einzuladen, aber den Gedanken auch schon vor Wochen fallen gelassen. Trotzdem. Etwas amtlich verboten zu bekommen fühlt sich seltsam an.

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Bei der Abend-Hunde-Runde schallt Musik durch das Tal. Vor einer Feldscheune auf dem Hügel stehen zwei Gestalten und – prosten uns zu? In dieser Scheune war noch nie Musik. Da waren auch noch nie Leute. Die Fragen kommen prompt.

„Ich denke, man soll sich nicht treffen und nicht feiern, warum dürfen die denn? Und wir nicht?“

„Die dürfen auch nicht. Das sind Kameradenschweine.“

Das Märzkind seufzt. „Ich wäre jetzt auch gerne ein Kameradenschwein.“

Ich weiß.

Die Kinder haben seit Wochen ihre Freunde nicht gesehen, die Großeltern nur auf dem Hof, mit viel Abstand. Die Schule funktioniert nur analog, alles andere haben wir selbst zusammengebastelt, in dieser Zeit. Der Nullpunkt der Stimmung ist erreicht. Ein bisschen erschrecke ich mich vor mir selbst. Ich bin normalerweise kein Blockwart, aber ich schwöre, wäre da eine dritte Person aufgetaucht, ich hätte gepetzt.

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Das Märzkind telefoniert mit ihren Freundinnen bis irgendwann nachts.

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Ich gucke mit den beiden anderen Star Wars. Die Ereignisdichte ist überschaubar, so habe ich nebenbei Zeit, darüber nachzudenken, wie seltsam es doch ist. Seit über 20 Jahren bin ich erfolgreich drumrum gekommen, mir dieses Epos anschauen zu müssen. Und nun sitze ich hier und freue mich, dass die Kinder sich darüber freuen. Außerhalb von lockdown Maßnahmen werde ich vorraussichtlich keine weiteren Episoden anschauen.

Sonntag

Der Liebste schläft zwischen zwei Wochenend-Nachtschichten. Alle anderen sitzen vor verschiedenen Bildschirmen oder kruscheln irgendwas.

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Hier steht eigentlich nie ein Auto. Und wenn, dann von Einheimischen, die mal ne andere Runde mit dem Hund gehen. Gerade fährt ein fetter schwarzer SUV in Schrittgeschwindigkeit auf den Parkplatz im Nirgendwo. Kennzeichen aus dem Nachbarkreis, die hinteren Scheiben getönt, die Felgen waren noch nie Offroad unterwegs . Es ist so merkwürdig, dass ich die Leute direkt anschaue, falls ich später eine Personenbeschreibung abgeben muss, oder so. Beide Insassen senken den Blick und bleiben im Auto sitzen, bis ich um die Kurve bin. Vermutlich fanden sie mich auch unheimlich.

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Ich versuche, das home office freie Internet zu nutzen, um das Radioprojekt des Märzkindes an den hr zu senden. Es geht nicht, auf verschiedene Arten. Kurz überlege ich, jemanden zu fragen. Aber ich möchte eigentlich keine Tipps mehr bekommen. Wenn mir noch einmal jemand sagt, ich solle mich entspannen, die Dinge lockerer angehen, den Kindern auch einfach Halt geben in diesen ungewohnten Abläufen, dann schreie ich.

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Wir planen ein bisschen an unserem Osterfest. Das wird auf jeden Fall schön.

Montag, Dienstag, … was auch immer

De Omma ruft an, jemand möge den Kuchen holen. Die letzten beiden Wochen haben wir aus fadenscheinigen Gründen keinen Kuchen geholt. Montags kommt ja sonst immer die Dora, aber die hat Schiss jetzt, zwei Wochen war sie schon nicht da, sagt de Omma.

Ich hole also Kuchen, bei meiner herzkranken 87-jährigen Oma. Für alles andere fehlt mir der Kampfgeist.

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Eine Mutterkollegin fragt vorsichtig, ob ich denn den Radiobeitrag schon gesendet hätte, und wenn ja? Wie?

Zwei Minuten später kommt ein, danke, es habe sich erledigt.

Wie? Möchte ich gern wissen. Die große Schwester des Grundschulkindes hat einen Weg gefunden, der bei mir auch schon nicht ging. Pech gehabt.

„Wenn ich noch einmal den Satz ‚und wenn euch langweilig ist…‘ höre, dann eskaliere ich, echt!“, sagt die Mutter Kollegin. Danke dafür. Ich packe die Dateien in einen Email Anhang und schicke sie der Klassenlehrerin. Fertig ist die Laube.

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Meerschweindame Elsa tritt nach einem langen und erfüllten Leben die Reise über die Regenbogenbrücke an. Ein Drama. Große Anteilnahme. Das feierlichste Kleintierbegräbnis, das diese Familie bisher hatte. Dann geht es wieder besser.

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Das Märzkind kann möglicherweise eine neue Kamerafunktion bedienen und würde gerne mal Fotos machen, von Menschen. Zur Not auch von Geschwistern, das Maikind stellt sich zur Verfügung.

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Ich gucke die Ansprache der Queen beim Wäsche zusammenlegen.

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Die Freundin ruft an, nur mal so hören. Wir sind dann anscheind in einem Alter, wo man sich zu diesem Zweck übers Festnetz anruft. Ich freue mich. Die Freundin hat gerade frei, obwohl sie systemrelevant ist. Alle Fortbildungen und Einweisungen sind erledigt, Normalbetrieb findet im Moment nicht statt. Alle warten auf die Welle. Und die wird kommen. Denn der Normalbetrieb wird ja nicht einfach von alleine gesund, das kommt einfach alles später wieder. Ansonsten, fröhliche Distanz.

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Der Liebste macht die Bienenkästen startklar.

„Was hast du denn da für einen Fleck am Oberschenkel“, erkundige ich mich.

„Das ist Blut.“

„Wie das?“

Nun, durch eine Verkettung diverser Unwahrscheinlichkeiten ist es im Rahmen der geltenden physikalischen Gesetze zu einer leichten Verletzung….

„Du hast dir selber ins Bein getackert?“

Schadenfreude Lebensfreude, willkommen zurück!

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Ein später Spaziergang, der Vollmond strahlt so hell, dass man Schatten sieht. Wahnsinn.

Lockdown Einkäufe/Dienstleistungen

man gewöhnt sich an das Arbeiten mit tutorials

Mein erster Lebensmitteleinkauf seit über drei Wochen. Alles sehr geordnet, alle nehmen Rücksicht, halten sich an Regeln und Abstand voneinander. Im Zweifel redet man miteinander und schaut sich in die Augen dabei. Es ist sowas von nicht normal, ein beklemmendes Gefühl. Könnte aber gut werden, sollte etwas davon über bleiben, wenn sie die ganzen Absperrungen zurückbauen.

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6 beim gleichen Betrieb bestellte Tshirts werden in 5 Einheiten unabhängig voneinander geliefert. Natürlich passt die Hälfte nicht und muss tatsächlich in drei verschiedene Logistikzentren zurückgeschickt werden. Ich werde weich.

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Kontaktlose Heulieferung

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Vorm Baumarkt steht ein Schild. Aufgrund der Kita und Schulschließungen sei Beratung im Moment nur sehr eingeschränkt möglich, man bitte um Verständnis. Im Kassenbereich wurden Markierungen auf den Boden geklebt. Die Kunden bleiben jeweils dahinter stehen. Es fühlt sich in diesem Ambiente ganz natürlich an. Der Kassierer sitzt hinter Plexiglas, die Einschnitte für den Zahlungsvorgang wurden sinnig gesägt, keine Verrenkungen nötig. Ich möge bitte vorfahren, der Kollege räumt die Säcke ins Auto, schöne Feiertage.

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Der Kalli stellt eine Auswahl an Schuhen für das Märzkind zusammen, das wäre kein Probem. Die kann sie zu Hause probieren, den Rest bringen wir zurück, das geht alles kontaktlos. Der Liebste fährt.

*Werbung
Für den regionalen kleinen Einzelhandel

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Für diese Woche haben wir alle Probleme gelöst.

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My warmest wishes to all of you!