…und dann der Hund

Alle Kinder sind in der Schule, der Liebste arbeitet. Das wäre die Gelegenheit, ohne Unterbrechungen einfach mal was von der to do Liste abzuarbeiten. Liegen geblieben ist genug in den letzten Wochen. Oder, ich könnte eins von den Projekten in der Warteschleife auf den Weg bringen. Oder, ein verrückter Gedanke, ich könnte ein Buch lesen.

Der Hund denkt, dass ich da nur so sitze und stupst mich vorsichtig. Ja, wir gehen gleich, ich muss nur noch die Überweisungen… jaahaa, eine Minute dauert es noch, jaaahhaaaa, so gibt das eh nichts. Es ist wie mit einem Kleinkind diese Woche. Ich schaffe genau eine online Überweisung, bevor der Hund raus muss.

Es ist auch kein spazieren gehen im eigentlichen Sinn, alle paar Meter muss ein Stock geworfen werden, keine Ermüdungserscheinungen erkennbar. Auf halber Strecke entschließe ich mich, die Standardrunde zu erweitern. Welch Freude, hier waren wir schon lange nicht, da hat er was zu schnuppern und ich kann aufhören, Stöcke zu werfen, immerhin.

Die neue Hunderunde, die ich morgens noch vor der zweiten Tasse Kaffee gehe, ist in der örtlichen Wanderkarte verzeichnet. Als Rundwanderweg. Der Hund ist danach tatsächlich müde, ein bisschen, für zwei Stunden…

Einmal am Tag wasche ich meine Hände, weil sie wirklich schmutzig sind.

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Der Wald müsste um diese Jahreszeit nach Herbst riechen. Nach ersten bunten Blättern auf feuchter Erde, Pilzen, irgendwie frisch modrig. Das tut er nicht, es riecht nach nichts. Der Boden unterscheidet sich auch kaum von den Feldwegen, was die Dämpfung angeht. Es müsste ganz dringend mal eine längere Zeit regnen.

Elternabend mit Abstand, keine Fachlehrer, die sich vorstellen wollen, Klassenfahrt verschoben und online Unterricht, naja, jetzt warten wir erstmal ab, ob es überhaupt nochmal dazu kommt. Zwei Mutter-Koleginnen erklären sich spontan bereit, Elternbeirat zu werden, beide wirken nett und normal. Unregelmäßigkeiten nach dem ersten Wahlgang, Frage in die Runde, Missverständnis, im zweiten Wahlgang wird so zurecht gewählt, dass es alles passt, auf den offiziellen, gestempelten Zetteln, Dokumentation, danke schön, schönen Abend noch, eine gute Stunde, fertig.

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Als ich vom Hundespaziergang wiederkomme ist der Liebste gerade wach geworden. Er sitzt mit Handy und Tablet vor dem geöffneten Fenster und fragt, ob ich schon was gehört habe. Was hätte ich den hören sollen?

Heute ist doch bundesweiter Warntag, erfahre ich. Gleich wird er per App gewarnt und die Sirenen werden gehen. Also, mich würde das nicht in alarmbereitschaft versetzten, ich bin ja gar nicht in der Feuerwehr. Nee, nicht der normale Sirenenton, irgendein anderer solle heute kommen.

Hätte der Liebste mir nichts erzählt, hätte ich den Warntag gar nicht mitbekommen. Es ist keinerlei Alarm angekommen. Und was genau ich bei diesem anderen Sirenenton hätte tun sollen, weiß ich auch nicht. Wir haben drei Päckchen Klopapier im Keller, was soll schon passieren.

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Mein Auto ist durch den TÜV, juhu. Für den Spottpreis von nur 10 Euro. Gut, eigentlich für 610 Euro. Der Kinderbonus war genau einen Tag auf dem Konto. Dann haben wir sowohl einen regionalen Handwerksbetrieb, als auch die gesamtwirtschaftliche Erholung unterstützt, indem wir alles auf einmal ausgegeben haben. Bitte Deutschland.

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In der letzten Woche sind das Bügeleisen, die Bohrmaschine und der Staubsauger kaputt gegangen. Außerdem sind natürlich alle Jacken der letzten Saison zu klein, die Pullover auch. Tja.

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Auf dem Wanderparkplatz „Irgendwo am Wald“ steht ein Camper mit dänischem Kennzeichen. Merkwürdig. Anderthalb Stunden später ist der immernoch da, hoffentlich kommen die nicht auf die Idee, hier zu grillen. Die Tür geht auf, ein Mann kommt einen Schritt aus der Tür und fragt, ob er was fragen darf. Sicher. Da wäre gerade so ein Alarm gewesen. Sie haben hier überhaupt kein Internet und was muss man tun? Ist Gefahr?

Nein, keine Gefahr, es ist der zweite Samstag im Monat, da heulen die Sirenen nur zur Probe, alles gut, das hier so üblich. Der Mann wundert sich, wirkt aber erleichtert. Wir unterhalten uns kurz. Er erkundigt sich nach der aktuellen Coronalage. In Dänemark sieht es gerade leider übel aus. Bei uns geht es, kann ich erzählen, wir sind froh, dass die Schulen wieder auf haben und alle geben sich Mühe.

Ehrlich gesagt hatten sie gerade überlegt, ob sie nicht lieber weiter fahren bis Österreich, sagt der Mann. Sie haben gestern Leute feiern sehen, draussen zwar, aber doch mit viel Bier und wenig Abstand. Sie arbeiten beide im Hospital und wollten genau so was nicht. Ich erkundige mich, wo sie denn gestern gewesen sind. Oh ha, jo, Willingen ist ein bisschen anders, als der Rest von Deutschland.

Ich vermisse Airbnb, wie es früher war, stelle ich fest. Das hat mal Spass gemacht.

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Die Katze ist verstorben. Ich kondoliere.

Es gibt eine Folge bei „Gilmore girls“ in der stirbt die Nachbarskatze, die könnte ich eigentlich mal wieder gucken.

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Ich hab das erste mal morgens wieder Licht angemacht, beim Brote schmieren.

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Ein erstes Vorgespräch für den 24.12.20 hat stattgefunden. Wie viel Distanz verträgt ein Weihnachtsabend? Eigentlich keine. Wir kommen zu dem Schluss, joooääähhmmpfff

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Eigentlich war die Woche mit dem hyperaktiven Hund gar nicht schlecht. Der gefühlte Kinder Overload wird besser und ich hab bemerkenswert gut geschlafen. Diese Jeans passt auch wieder.

Irgendwer müsste allerdings mal wieder aufräumen und so.

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