KW 48/49 2022 hohoho und so

Fazit der diesjährigen Freiland-Gartensaison: Kaum Freude, kaum Ertrag. Das hat so keinen Zweck. Ich fülle einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Solawi aus und bin ehrlich. Ich will nix machen. Nur zahlen und Gemüse holen. Drei Tage später ein Anruf. Man freut sich voll und ich kann sofort, ab nächster Woche. Juhu! Ernten ohne Gartengedöns, da freu ich mich auch und erzähle es dem Liebsten. Der freut sich auch, das ist toll, da können wir ja dann mal hin und irgendwas im Garten und auf den Feldern, so mit richtigen Gärntern, kann man bestimmt viel lernen. Och nö.

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Die Weihnachtswünsche sind bescheiden aber speziell, dieses Jahr. Da brauch ich in der realen Welt garnicht anfangen zu suchen. Es ergibt sich ein Zeitfenster zum digitalen Einkauf. Ich möchte bitte, einfach das, was ich suche und wäre bereit, zu zahlen, was es kostet. Wohin ich auch komme brüllen mich blinkende Sonderangebote an. Black Friday. So kann ich nicht arbeiten.

Auf dem kurzen Weg vom Haus bis in den Nachbarort fahre ich an drei Star-Shower Installationen, unzähligen beleuchteten Eiszapfengirlanden und Sternen vorbei. Äh, war da nicht was? Sollte das nicht weniger? Es sieht eher nach „jetzt erst recht“ aus. Wobei, keine aufblasbaren Wintergestalten.

Ein gigantischer Plätzchenteller wird mir an der Tür überreicht. Die Besucherin ist auf dem Weg zu einem Termin, reinkommen möchte sie nicht. Einen schönen ersten Advent! Vielen Dank, wir freuen uns. Kurz den Vormittag neu sortieren. Dieser Programmpunkt war als Besuch angekündigt, ich dachte, wir trinken Kaffe, besprechen vielleicht weihnachtliches…

Nachricht eines Kindes: Wichtelgeschenk, für heute Abend, haben wir was oder muss man dafür jetzt extra in die Stadt? Wir haben was. „Wichtelgeschenk heute“ ist fester Bestandteil der Weihnachtsroutine, wirkt aber wie Magie, wenn man es beizeiten vorbereitet.

Alle Jahre wieder, die Adventskranz-Diskusion mit Märzkind. Sie hätte gern einen opulenten Mischgrünkranz mit dicken Kerzen und winterlich verspielter Dekorationen, die fließend in die Tischdeko übergehen. Dieser Tisch ist die Woche über quasi mein Arbeitsplatz. Wir essen hier, ich lege Wäsche, da will ich nicht jedesmal was wegräumen müssen, was dann woanders genauso im Weg ist und alles vollnadelt. Das Advents-Schwein steht nicht zur Debatte. Märzkind guckt gequält. Niemand hat so ein Schwein. Es sieht aus wie ein Holzklotz mit Ohren. Nee, nee, das ist puristisches Design von einem nordischen Markenhersteller, dieses zeitlose Dekorationsobjekt unterliegt der künstlichen Verknappung. Da musste im Oktober schon entscheiden, wenn du eins kaufen willst, wie bei Lego. Ob wir es wenigstens dekorieren können, fragt Märzkind. Sicher, sage ich und schiebe dem Schwein eine Zuckerstange unter die Schleife in der Körpermitte. Märzkind seufzt.

84 kleine Adventlichkeiten festlich verpackt, Nikolausstiefel befüllt, Süßigkeitenpäckchen für kleine Nikoläuse vorbereitet,ein Vormittag im Städtchen zum „nur“ Geschenke kaufen, Lebensmitteleinkauf, Elterntaxifahrten, Weihnachtskarten gebastelt und geschrieben,Plätzchen gebacken. Mich nach Kräften bemüht, meine Grinchigkeit zu verstecken.

Ach, du, übrigens… im vorbeigehen bekomme ich ein sehr nettes Kompliment zum Blog. Es trägt mich durch den Tag. Vielleicht schaffe ich ihn doch, diesen Advent.

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Maikind ist krank. So krank wie, man erinnert sich eigentlich nicht. Bei Corona ging es ihm besser. Eine Woche verbringt er eingemummelt in Wolldecken mit Wärmflasche in seinem Sessel.

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Eine Lehrerin versucht aus der Corona-Isolation heraus Lernlücken zu schließen. Das ehrt sie, funktioniert aber nur mittel. Julikind ist „vonne Psyche her“ am Ende ihrer Leistungsfähigkeit. Ich auch. Lagebesprechung. Julikind entscheidet, die Karten auf den Tisch zu legen, ich schreibe eine mail. Diese Lehrerin liest ihre mails nicht oft, sagt Julikind. Wir werden sehen. Innerhalb weniger Stunden kommt eine Antwort. Das gefühlte Problem existiert nicht, da sie aber jetzt weiß, was los ist, wird sie sich kümmern. Am nächsten Tag kommt Julikind völlig verändert nach Hause. Die Lehrerin war heute richtig nett und es haben sich noch drei Leute gemeldet, die Probleme hatten. Alles wurde besprochen. Das ganze Drama – einfach weg. Ich kann es kaum glauben.

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Gottesdienstbesuch zur Taufkerzenrückgabe am ersten Advent. Die, die da als Taufeltern mit Kleinkindern und Babys sitzen sind alle ungefähr so alt wie ich. Einen Moment lang komme ich mir uralt vor, dann fällt mir wieder ein, wie toll es ist, große Kinder zu haben.

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Der Außendienstler kommt vorbei, er trägt Dienstkleidung aber für einen Kaffee hat er Zeit. Wir haben uns länger nicht gesehen. Gerade gestern haben wir überlegt, ob die eigentlich im Urlaub sind. Das Gegenteil sei der Fall, sagt der Außendiestler. Vormittags ist er eingesprungen, weil sonst alle krank sind, nachmittags hat er Stromgereratoren an Heizungsanlagen angeschlossen. Ich sammele abgekühlte Plätzchen vom Tisch in die Dose und gucke fragend, „Haben alle Schiss wegen Blackout“, sagt er und gestikuliert, die Dose kann stehen bleiben „und eine Heizungsanlage ist hochkomplexes elektrisches Gerät, die ist empfindlich in ihrer Sinuskurve, wenn man da einen kleinen Baumarkt-Stromgenerator anschließt brennts einem ratzfatz die Steuerungseinheit durch, das wird im Nachgang dann teuer, oder vielleicht auch nicht, denn bei der ganzen Aktion wird die Hauselektrik so gestört dass der FI durchgeht und der löst dann natürlich nicht mehr aus, im Fall des Falles … brennt die Bude einfach ab und wenn die Leute schon Idioten sind, kannste davon ausgehen, dass die mehr Diesel lagern als erlaubt ist… mach mal die Dose zu und nimm sie mit“, sagt er. Ich räume das Spritzgebäck weg, der Liebste bringt Kaffee.

Dorfgruppen-Whatsapp: Im Fall eines Stromausfalls hätte das Internet geschlossen, was für die allermeisten heißt, man kann nicht mehr telefonieren. Sollte der Stromausfall länger als eine halbe Stunde andauern, steht die Feuerwehr im Gerätehaus bereit, man muss halt nur persönlich vorbeikommen und sagen, wo Notfall ist, Adressliste der Gerätehäuser und freundliche Grüße von Bürgermeister und Stadtbrandinspektor. Feine Sache. Darum hatte ich mir ehrlich gesagt null Gedanken gemacht.

De Omma könnte übrigens noch telefonieren. Analoger Anschluss und im Keller steht das gute alte Telefon, mit Wählscheibe, weil sie so schnell die Treppe nicht hoch kann.

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Der Weihnachtsstern an der Laterne strahlt in voller Pracht, alle Birnchen funktionieren dieses Jahr. Sie beleuchten die fallenden Schneeflocken vor dem noch dunklen Winterhimmel. Ich werfe einen Packen Weihnachtskarten in den Briefkasten und halte einen Moment inne. Idyllischer geht es kaum. Wenn man die Tatsache außer Acht lässt, dass ich eigentlich nur hier bin, damit der Hund da hinten an die Hecke pinkeln kann. Wetten? Die erste Karte, die wir bekommen ist von jemandem, den ich vergessen habe.

KW 43/44 2022, Hintergrundrauschen

Wir waren nicht nur reif für Ferien, wir hatten die Schnauze voll, man muss es so sagen. Die kurze Strecke von Sommerferien bis hier hat sowas von gereicht. Die Blagen verschwinden sofort nach Schulschluss in ihren Zimmern. Stille auf dem Flur, kein K-Pop Gedudel, keine kryptischen online-Spiel-Gesprächsfetzen, kein Duftkerzengeruch. Nix wollten sie machen, in den Ferien. Einfach mal garnichts. Läuft anscheind.

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Mittags um halb zwölf bemerke ich beim Wäsche aufhängen, dass im Nachbarhaus noch alle Rollläden geschlossen sind. Das muss natürlich nichts heißen, aber ich hab ein seltsames Gefühl und schreibe die Nachbarin an. Nach einer Stunde keine gelesen-Häkchen, keine Antwort. Nachricht an die Dame der Diakonie, ich gehe davon aus, die Nachbarin ist im Urlaub – Fragezeichen. Antwort nach wenigen Minuten. „Nein – wieso?“ Das Telefon klingelt. Wir reden kurz. Wie viele Nachbarn kann man denn wohl tot auffinden, ohne sich verdächtig zu machen? Es ist nur halb lustig. Der Sohn hätte sich wohl gemeldet, wenn sie nicht ans Telefon gegangen wäre, davon gehen wir einfach mal aus. Eine Stunde später sind alle Rollläden geöffnet. Die Nachbarin bedankt sich für die Nachfrage, dass wir uns Sorgen machen, hätte sie garnicht gedacht. Den Rest der Woche hält ihre normalen Rolllädenzeiten ein.

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Winterschuhe. Winterjacken. Winterreifen. Holz. Post vom Energieversorger. Kostenvoranschläge für Klassenfahrten. Zahnarztrechnungen. Einmal tief durchatmen und sich einfach freuen, dass das alles geht. Urlaub hatten wir ja sowieso noch nicht geplant.

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Nachmittags werde ich von jetzt auf gleich kurzatmig. Keine Idee, was der Auslöser gewesen sein könnte. Hab ich Corona? Nee, fühlt sich nicht so an. Ich lade Allergiemedikamente nach und denke nicht mehr drüber nach. Später fahre ich das Julikind zur Freundin. Auf dem Weg dahin fällt mir ein Trecker auf, der Grasschnitt einsammelt, das erklärt alles, ist aber ein bisschen verrückt, Ende Oktober.

Im Supermarkt steht ein Aufsteller mit Fanschminke. Einen Moment stehe ich davor und wundere mich, dann fällt es mir wieder ein. Ist ja noch WM. Drei Meter weiter steht die Schokoweihnachtsmänner-Armee.

Der Baum vor dem Haus wird geschnitten, es ist fast noch T-Shirt Wetter. An den dünnen Ästen sind schon Knospen, bei einer Linde, Anfang November.

Wir haben alle Jahreszeiten gleichzeitig.

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Ich müsste nochmal in die Stadt, bevor der Advent eskaliert, also jetzt. Ich schreibe eine Liste. Der Liebste braucht auch Sachen, wir fahren gemeinsam. Ein Männerklamotteneinkauf ist schnell erledigt, er weiß was er braucht und fährt in den Laden, wo man es kaufen kann. Wir sind die eizigen Kunden, der Verkäufer hat Zeit, es dauert kaum eine halbe Stunde. Genauso lange stehen wir anschließend zu zweit im Spielzeugladen vor dem Regal, bevor wir gemeinsam entscheiden, dass wir das heute nicht entscheiden können. Es soll ja schon der beste Bagger von allen werden. Die Auswahl überfordert uns. Beim nächsten mal hinkommen, einen nehmen, Kasse, so der Plan.

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Maikind bekommt eine Absage auf seine Bewerbung, mit dem Hinweis, dass noch Ausbildungsplätze frei wären in zwei anderen Berufen, die sehr gut zu dem passen würden, was seine Zeugnisse und Praktia über ihn erzählen. Wir lesen nach, wir denken nach. Ungeahnte Möglichkeiten.

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Wir gehen bowlen, alle fünf, ein Ferienevent. Das Ferienevent, um genau zu sein.

Beim Liebsten klingelt das Telefon, er geht ran, und verschwindet nach wenigen aufgeregten Sätzen in den musikfreien Waschraum. Oh oh. Wir fragen uns gegenseitig, wer das denn wohl war, am Telefon. Die Arbeit. Kurzfassung: „Aus Trafohäuschen hochgegagen, das wars für dies Jahr“ wird innerhalb weniger Stunden „Sprinkleranlage hat ausgelöst, dieses Wochenende frei“. Alles gut.

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Der Liebste stellt fest, dass seine Frisur im hinteren Bereich nachgelassen hat. Weiß ich doch, kein Problem – also, für mich nicht. Man kann das aber nicht in nett sagen. Er wird die Haare ab jetzt wachsen lassen, teilt er mir mit. Ich weise ihn darauf hin, welchem Familienangehörigen er dann vorraussichtlich ähnlich sehen wird, reine Fürsorge. Tagelang ist die Stimmung gedrückt, da muss noch was anderes sein. Das Frage/Antwort Spiel beginnt. Ich erkundige mich nach dem Gesundheitszustand der Schwiegermutter, der Schwiegeroma, frage beiläufig ab, ob er von seinen Kumpels mal wieder was gehört hat und lande einen Treffer. Der Kumpel, der seinem Herzen am nächsten steht ist zu Hause ausgezogen. Frau, Kinder, Hund, Haus… es fühlt sich tatsächlich ein bisschen an, wie ein Trauerfall.

„Schweinefleisch ist im Angebot und ich hab morgen einen Werkstatttermin“, sagt der Liebste beim Frühstück. Ich gucke fragend, sehe keinen Zusammenhang. Er greift zum Telefon und bestellt für morgen Vormittag 10 kg Schweineschulter. Ich nutze das regionale Fragewort in der Tonart, die sich zeitgleich nach Vorhaben und mentaler Gesundheit erkundigt „Hä?“ „Pulled pork“ sagt der Liebste, einmal für uns und einmal für die alten Herren. Aha.

Am frühen Abend mariniert in allen großen Töpfen und Brätern die dieser Haushalt besitzt das Schwein. Der Liebste kommt fröhlich aus dem Keller. „Whiskey oder Bier?“, fragt er. „Was du für angemessen hälst“. Wir sitzen gemeinsam auf dem Sofa und trinken auf die, die das nicht mehr können, also, gemeinsam auf dem Sofa sitzen. Grüße, von Herzen, auch wenn ich offiziell garnichts weiß. Der Liebste hat die verbliebene Wartezeit für einen Friseurbesuch genutzt. „Sieht gut aus, die neue Frisur“, sage ich und meine ich. Er murmelt irgendwas zu sich selber.

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Kurz vor Mitternacht komme ich aus dem Bad. Unten auf dem Flur, eine fröhliche Unterhaltung in diesem gebrüllten Flüsterton. Märzkind und Pluseinskind waren im Stadion. Durch die verschlungenen Wege des Internet habe ich ein kurzes Video gesehen, in dem das Pluseinskind aus vollem Herzen jubelt, großes Kino. Ich rufe ein verschlafenes „oleeoleeeee“ die Treppe runter. Märzkind freut sich, dass noch jemand wach ist. Julikind kommt dazu, denn die ist um diese Zeit hellwach, Pluseinskind kommt aus der Küche, will wissen, wann denn das Fleisch im Ofen…. leider erst morgen früh, dann noch in den smoker… wenn das hier so riecht, dann kann er aber garnicht schlafen, tja, muss er durch, Julikind hat das Pluseinskind-Jubel-Video auch gesehen, „nnnnnaaarh“, sagt das Pluseinskind, was isn los da draußen, fragt der Liebste… Alltag. Sonst nichts.

KW 39/40/41 2022, herbstliches

Drei Tage Erkältung. Ich hatte ganz vergessen, wie das ist, und leide wie ein Mann. Am vierten Tag, alles wieder gut. Einfach so.

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Drei Termine an einem Tag, die Zeiten überschneiden sich etwas, werden angepasst und dann als gerade alles hinkommt, werden alle drei nacheinander abgesagt. Leicht verwirrt stehe ich vorm Kalender und frage mich, was ich heute eigentlich ursprünglich vorgehabt hatte.

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Dass die Flitschbimmel nicht einfach so TÜV bekommt, war klar. Ein Birnchen ist kaputt und irgendwas muss wieder angeschweißt werden, sagt der Liebste. Ich hatte mit Schlimmerem gerechnet und fange an, mich richtig zu freuen. Leider zu früh. Ein Steinschlag im Sichtfeld muss gemacht werden. „Hä? Ein Steinschlag im Sichtfeld? Das hätte ich doch wohl bemerkt.“ Nee, hat er auch nicht gesehen, sagt der Liebste aber nützt ja nix. Der Prüfer meinte, man könne das für kleines Geld reparieren lassen. Bei ATU haben sie gesagt, im Sichtfeld geht das nicht, die Scheibe muss getauscht werden. Ein Schweigemoment. Totalschaden, wenn man ehrlich ist. Andererseits, „wenn der TÜV-Prüfer nicht weiß, dass man das da nicht reparieren darf… amArschdieRäuber… ich gucke jetzt carglas24punkt welche Endung hat Rumänien?“ „Aah nee weißte was…“ der Liebste murmelt und telefoniert. Am übernächsten Tag fährt er mit meinem Auto zur Spätschicht, parkt und als er nach acht Stunden wieder kommt, ist eine neue Scheibe drin. Magie.

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Maikind sieht dem Abgabetermin seiner Hausarbeit tiefenentspannt entgegen. Ich eher nicht. Ausflug in die Bücherei. Ich lerne verschiedenes über die Erdathmosphäre und bin eine Quelle der Inspiration dabei. Maikind lacht herzlich über meine Erkenntnisse. Das man sowas von überhaupt keine Ahnung haben kann war ihm nicht bewusst, vielleicht muss er seinen Vortrag doch anders angehen.

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Zwei Elternabende. Einmal „mimimi-Lernrückstände, mimimi-Lehrermangel“ und einmal „gerade alles ein bisschen scheiße, aber wir versuchen für jeden das Beste rauszuholen“. Insgesamt sehr aufschlussreich.

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Es läutet wieder. Das freut mich, denn es taktet den Tag, ohne dass ich auf die Uhr gucken muss.

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Man möge auf unnötige Weihnachtsbeleuchtung verzichten, sagen sie in den Nachrichten. Es gibt eine mindest notwendige Menge an Weihnachtsbeleuchtung? Witzig, das wußte ich garnicht. Die Kinder erkundigen sich vorsichtig, ob es denn in diesem Jahr einen Baum geben wird, so mit Lichterkette. Ich kann sie beruhigen. Durch meine Grinchigkeit sind wir der Zeit voraus. Wir fahren das volle Programm. Weihnachtsbaum mit Licht, Stern im Fenster und das Adventsschwein bekommt vier Kerzen in den Rücken, die hab ich sogar schon gekauft.

Könnte natürlich sein, dass im Dorf weniger beleuchtet wird. Zur Not würden wir dann statt Lichterspaziergang Glühwein im Dunkeln trinken.

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Das Blackout Geraune macht mich unruhig. Ich schaue mir ein youtube Video zur Krisenvorsorge an. Ein Großstadtpapa zeigt seinen Notfallraum und erklärt, was da warum drin ist. Sein worst case Szenario beschreibt meinen Alltag. Es kommt hier tatsächlich hin und wieder vor, dass man mehrere Tage hintereinander nicht zum Einkaufen kommt, oder nach einem Sturm irgendwas weggeräumt werden muss. Was er als Krisenvorsorge und Notfallraum bezeichnet, nennen wir Wocheneinkauf, Speisekammer, Garage und Verbandskasten. Tja.

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Der Liebste hält sich an der Türklinke fest und hustet dramatisch. „Da schlafen zwei Teenager und der Hund…man atmet ein, öffnet die Tür, macht vier Schritte, öffnet das Fenster, macht vier Schritte, schließt die Tür und atmet aus“ erkläre ich. Der Liebste wedelt so mit der Hand, und röchelt ein „vergessen“. Es macht schon Sinn, dass man eigentlich nicht länger als 19 Tage am Stück arbeiten darf.

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Ein sonniger Oktobertagnachmittag, bunte Blätter auf dem Boden, Pilze im Moos, es riecht nach Herbst im Wald. Gefühlter, gesehener und tatsächlicher Oktober zur gleichen Zeit, das ist schön.

Die Grünfläche im Garten, die wir als Rasen bezeichnen, war nicht nur steppig vertrocknet, die war durchgebacken, genauso hart wie die Pflastersteine. Ich hatte gedacht, wir müssen die neu säen, oder als Ascheplatz nutzen. Erstaunt stelle ich fest, dass sich das Gras erholt. Irgendwer wird nochmal Rasen mähen müssen, dieses Jahr.

„Die Brombeeren müssten geschnitten werden“, sagt de Omma, ich stehe daneben und nicke „ganz unbedingt müssen die geschnitten werden“ Eine Weile kann ich noch so tun, als hätte ich das nicht gehört.

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„Wieso ist es hier eigentlich so warm?“ erkundigt sich meine Schwester. Sie wollte ja nichts sagen, sagt die Gästin und krempelt die Ärmel hoch, aber, dass fragt sie sich ehrlich gesagt auch schon seit über einer Stunde. „es sind 22° im Raum, ich dachte, das wäre angemessen…“ „Boar nee, so eine Affenhitze, das ist man nicht mehr gewohnt, heizt ihr etwa schon?“ „Ne, so normal natürlich nicht, ich wollte gastfreundlich sein“, sage ich und öffne die Zimmertür.

KW 37/38 2022

Morgens um kurz nach acht wabert noch Nebel durch den Wald. Es ist herbstlich, auf die schöne Art. „ding. ding.“ Vom Dorf her hört man die Totenglocke, zwei Schläge nur. Das ist seltsam. Stille, dann läutet die normale Glocke, fünf Sekunden lang. Als ich noch dabei bin mich zu wundern, röhrt irgendwo im Tal ein Hirsch. Der Hund guckt mich fragend an „ok, du hast das auch gehört“ murmele ich und bin ein bisschen erleichtert.

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Eine gemeinsame Hunderunde war geplant, schon länger. Endlich hats geklappt und ich hab mich richtig gefreut. Der Hund auch. Sofort fröhlich losgespielt, als würde er die Dame schon ewig kennen. Herzliche Grüße.

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Als wir los sind haben sie mich ausgelacht, weil ich mir Handschuh eingesteckt habe, jetzt hätten sie selber gerne welche. Wir verabschieden uns vom Hoffest. „Das war fast wie Osterfeuer. Nur, beim Osterfeuer war vorher Winter und man ist entsprechend angezogen, und wenn man dann sowieso schon ein bisschen müde ist…“ sagen wir uns gegenseitig beim Zähne putzen, Freitag abend um zehn…

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Nach sechs Wochen wird das bestellte Bauteil für unsere Heizung geliefert. Juhu – halt, doch nicht. Richtiges Teil aber völlig falsche Größe. Der Außendienstler telefoniert mit der Servicehotline und wird ein wenig emotional, dabei. Der Versand des richtigen Teils wird drei bis fünf Werktage dauern sagen sie, wie beim letzten Mal. Ich rechne mit voll funktionsfähiger Heizung ab Mitte November. Fünf Tage später ist das richtige Teil da, wir bauen es ein. Also, der Außendienstler baut und ich halte die Taschenlampe, reiche Werkzeuge an und koche Kaffee. „Man darf da garnicht drüber nachdenken“, sagt er, „Baumaterialien werden einfach irgendwann geliefert, im Moment – oder auch nicht.“

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Pflaumen, Birnen, Brombeeren wurden geerntet und verarbeitet. Die Tomatensaison neigt sich dem Ende. Es war eine gute, muss am Dünger gelegen haben, und hunderten Litern Wasser, die wir reingetragen haben. Nach dem Regen sehen die Beete nicht mehr ganz so traurig aus, aber ernten werden wir da wohl eher nichts.

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Ein paar Gedanken-Dinge dröseln sich auf. Wo vorher „narrrghh“ war zeigen sich Möglichkeiten. Das ist erfreulich.

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Abgabe der Hausarbeit in drei Wochen? Ich dachte das hat Zeit bis Mitte November. Das Thema wurde doch letzte Woche erst offiziell genehmigt? Sowas könnten die eigentlich mal im Elternchat, oder per Email…Beim Maikind liegen die Nerven blank. Wie soll der Text aussehen, wie macht man korrekte Quellenangaben? Ich weiß das leider auch nicht. Als die große Schwester ihre Arbeit geschrieben hat, gab es vorher Unterricht, indem sowas erklärt wurde, damals, vor zwei Jahren. Märzkind hilft mit gutem Rat. Ein Hauch von homeschooling weht über den Flur.

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Ein Buffet für 300 Leute, ich stehe davor und bin kurz überfordert. Zwei Mädels im Kindergartenalter stehen neben mir, denen gehts genauso. „Booaaar“ sagt die eine, als sie den gut gefüllten Donutbaum sieht. Die andere zupft sie am Ärmel und deutet mit leuchtenden Augen in Richtung der candy bar. Ein kurzer Rundumblick, kein Erziehungsberechtiger in Sicht, leichte Entscheidung. Ich esse erstmal „was gescheites“. Der Arbeitgeber des Liebsten hat alle Mitarbeiter eingeladen, mit Familie, leider nur Kinder bis 14 Jahre. Wir schicken den Blagen ein Foto vom Spießbraten über dem riesen Grill, dann haben sie auch was davon, höhö.

Ich kenne niemanden und hab auch keine Ahnung, über was sie sich unterhalten. Einfach sitzen und mir die Leute angucken, das ist auch mal schön. Obwohl, vom hören sagen kenn ich doch einige. Es ist nämlich nicht nur die Arbeit, sagen die Herren. Würde es diese Firma nicht geben, würde ein ganzer Direktvermarktermarkt zusammenbrechen: Eier, Honig, Kartoffeln, Fleisch, wird alles hier auf dem Parkplatz umgeschlagen.

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Ein Festgottesdienst im Wald, bei windigen 10 Grad und Nieselwetter überfordert mich modisch. Vorsichtig erkundige ich mich, was denn die anderen anziehen? Schicke Jeans und dicke Schuhe, alles andere macht ja keinen Sinn. Das ist ziemlich genau das, woran ich auch dachte. Ich besitze allerdings nur eine einzige schwarze Hose – für Beerdigungen. Das geht nicht, vom Feiergefühl her, stell ich fest. Der Gottesdienst findet nicht im Wald, sondern auf der angrenzenden Wiese statt. Man hat herrliche Fernsicht, hört wunderschöne Musik, eine fröhliche Erntedank & Taufpredigt und hofft die ganze Zeit, es möge schneller gehen, damit man aus dem kalten Wind raus kann. Ich bin dann durch, mit outdoor-Gottesdiensten, bis Mai oder so. Aber, ich bin auch wieder eine Patentante, und das ist doch wirklich mal was Schönes.

ohne Küken töten

An einem Sonntag Nachmittag bei 30°C sind nur 8 Leute im Freibad. Seltsam. Vielleicht dachten die alle, es wäre schon geschlossen? Normalerweise ist das ja so, ab September. Als ich einen Zeh ins Wasser halte, wird mir schnell klar warum so wenig los ist. „Das ist aber kalt“, sagt Julikind, und die ist wirklich nicht zimperlich, was Badetemperatur angeht. Wir brauchen beide fünf Minuten bis wir losschwimmen können, und haben dann das ganze Becken für uns allein. Zwei Rutschen, Blubber-Liegen, Wasserpilz, Bahnen schwimmen wie auch immer man möchte… Schade, dass ihre Freundin nicht dabei ist, sagt Julikind, sowas hätten sie sich den ganzen Sommer schon gewünscht. Die Duschen, die sich letzte Woche schon so lauwarm eingestellt waren, fühlen sich heute fast heiß an.

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Der kleine Bach, in dem der Hund gern tobt hat kaum noch Wasser. Die Waldwege sind genauso hart wie die Teerwege, das Gras ist sogar unter den Bäumen verdorrt, es riecht nach garnichts mehr nach Wald. Abends um halb eins höre ich im Halbschlaf die Sirene. Eigentlich könnte ich weiterschlafen, denn ich bin ja nicht in der Feuerwehr, aber mein Hirn sagt, lieber mal aus dem Fenster gucken. Alles dunkel, so soll das sein, nachts im Wald, ich kann in Ruhe weiterschlafen, aber – soweit ist es schon, denke ich beim einschlafen.

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Ein neues Schuljahr beginnt. Die Freude hält sich in Grenzen. Maikind ist erleichtert, sie sind 33 im Jahrgang, das gibt zwei Klassen – juhu. 32 hätten in eine Klasse gepasst. Eine Stunde Förderunterricht für jeden der will, zur Auswahl stehen die drei Hauptfächer, kann jeder selber sagen, wo der Bedarf am dringsten ist. In der Klasse des Julikinds werden die Hauptfächer jetzt getrennt unterrichtet, alles andere zusammen, sagt sie. Also, eigentlich genau wie eine Kombiklasse, es heißt nur nicht mehr Kombiklasse? Die Cafeteria konnte aus wirtschaftlichen Gründen noch nicht wieder verpachtet werden, man bittet um Verständis, die Kinder dürfen ins Dorf gehen und sich irgendwas kaufen, der Versicherungsschutz endet allerdings jenseits des Schulgeländes, jaja… Schnitzelzettel heißt das Schreiben intern. Bücher werden ausgegeben, wenn die Quarantäne des dafür zuständigen Lehrers endet. Beim Märzkind gibt es wieder eine Cafeteria. Die ist Zitat: „Pre. Mi. Um.“ Es folgt ein schwärmerischer Vortrag über das Preis-Leistungsverhältnis eines Käse-Baguettes. Leider gibts nur noch kaltes Wasser den Waschräumen. Da muss man sich ein bisschen gewöhnen, aber hej, für die gute Sache, kein Problem. Ach übrigens, das Budget für die Abschlussfahrten wurde verdoppelt. Hessen hatte da seit Ewigkeiten nix angeglichen, und deswegen gleich doppelt. Wottsefack. Da les ich einmal nicht den Muttizettel vom Kultusminister…

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Die Queen ist tot. Die Nachricht begegnet mir Lauf des frühen Abends zufällig und ich gucke seit langem mal wieder heute journal.

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Männer 4 Euro, Frauen 2 Euro steht auf dem Schild am Eingang. Das sieht mir aber fast ein bisschen nach Diskreminierung aus.* Kurz überlege ich, mich spaßeshalber als divers auszugeben, nur um mal zu sehen was passiert, statt dessen gucke ich nur verwirrt. Ich sei wohl schon länger nicht mehr beim Fussball gewesen? fragt de Mudda. Stimmt. Das letzte Mal als Spielerfrau, da zahlt man garnichts. Leute die mich kennen, sind überrascht mich hier zu sehen. „Zu wem halten wir denn?“, fragt Julikind. Schwierig. Der Onkel trainiert das eine Team, der Papa hat zwanzig** Jahre für das andere gespielt. Wir sind ehrlich gesagt nur hier weil die Chearleader in der Halbzeit auftreten.

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Dorfflohmärkte sind ein bisschen wie Schnitzeljagd. Man läuft so durch den Ort und freut sich, wenn man irgendwo Luftballons am Zaun sieht, dann geht man bei Leuten in den Garten oder in die Garage oder in die Scheune und weiß nie, was man findet. Nebenbei kann man sich nett unterhalten und wenn man genug hat, sucht man den Gemeinderaum/das Feuerwehrhaus wegen Kuchenbuffet. Zack – Sonntag rum. Vor Corona gab es sowas glaube ich garnicht.

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Zwei Hornissen fliegen abends neben der Haustür gegen die Wand. Nur abends und immer zwei, warum auch immer. Man muss nach der letzten Hunderunde aufpassen, das keine ins Haus fliegt, wenn man die Tür öffnet. Der Hund mag das Hornissen-Fluggeräusch nicht. Das bedeutet, es kann niemand schlafen, bis die wieder draußen ist. Mit nem Schuh drauf zu hauen traut sich keiner. Die Viecher sind beeindruckend groß, man will sie lieber nicht wütend machen, und wegen Naturschutz, natürlich.

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Auf der Mayo ist vorne ein neues Label drauf. „Ohne Küken töten“, der Hohlraum im O ist ein Herzchen. Das ist ja süß, und so sinnfrei, dass es schon wieder witzig ist, finde ich. Maikind möchte wissen warum ich lache. Ich zeige ihm das Label, er liest und denkt einen Moment lang so sehr nach, dass er mit kauen aufhören muss, dabei. „Aber, in Mayonaise sind doch generell keine toten Küken drin, oder?“ Nee. Das könnte man überall drauf schreiben. „auf Schickennuggets vielleicht nicht“, überlegt Maikind. Vermutlich meinen die, dass die Hähne, die keine Eier für Mayo legen nicht geschreddert werden. Hähne kommen in die Suppe. Dorfkinder wissen sowas.

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Es regnet, endlich. „Ähm, warte mal“, murmele ich, in der einen Hand die Türklinke in der anderen die Hundeleine, „bei Regen in den Wald…. normale Schuhe…“ zurück zum Schuhregal und einen Moment nachdenken „Socken… und ein Oberteil mit langen Ärmeln – Regenjacke vielleicht“, als wäre ich noch nie bei Regen draußen gewesen.

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Ich: stelle eine Packung Spekulatius auf den Tisch

Alle anderen: Was? Jetzt schon? Da muss man doch warten… das kann man doch noch nicht…Anfang September

Viertel Stunde später: Packung leer

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Nachtrag: * Der Liebste sagt, man gehe davon aus, dass die allermeisten Mädels nicht aus sportlichem Interesse zum Fussball gucken kommen, da will man sie nicht noch mit Eintrittsgeldern verschrecken. Ist ja trotzdem schön, wenn sie da sind. Keiner hat je darüber nachgedacht, dass das Deskriminierung sein könnte. ** Er spielt auch nicht seit zwanzig Jahren in diesem Verein Fussball sondern seit sechsunddreißg. Und im Übrigen ist es eigentlich unglaublich, dass ich beim Derby war und er nicht.

KW 25/26/27, Tiergeschichten und Zahlen

Wir haben ein Wespennest unter dem Dach, da wo eigentlich Schwalben brüten sollten. Das Brummgeräusch eines Bienenstocks höre ich gern, es klingt angenehm sommerlich. Wespen hören sich anders an, stelle ich fest. Wie Tinnitus, ich muss mich woanders hinsetzen.


De Omma ist stolz wie Bolle und freut sich. 9 Küken sind geschlüpft aus den 10 Eiern, die die Glucke unter hatte. Die Glucke des Nachbarn hatte auch 10 Eier unter, da sind aber nur 8 rausgekommen. Vermutlich kann der Nachbar gut damit leben, nur zweiter geworden zu sein, in was auch immer. Küken sind niedlich, es gab lange keine mehr.


Hä? Was ist das denn? So nebenbei mal hingeguckt hatte ich gedacht, eine Katze, aber das kann nicht sein. „Oooooohhh wie süüüü… och nö“ Ein kleiner Waschbär läuft durch unseren Garten mitten am Tag. Ich frage mich, wo seine Mama wohl wohnt. Er dreht in aller Ruhe eine Runde und verschwindet durch den Zaun im Nachbargarten. Vielleicht haben wir Glück.


So wie der Liebste da gerade die Tür reingekommen ist, da ist was nicht richtig. Er lässt die Tasche im Flur fallen und geht grußlos nach oben. Eine Weile passiert nichts, dann höre ich ihn durch die Küche humpeln. Ich gucke fragend, er macht ein knurrendes Brummgeräusch und deutet auf sein Bein. „Ein Reh, ins Motorrad, genau an den Fuss“ sagt er. Ach. Du. Scheiße. Die Wade ist beeindruckend geschwollen. Sportsalbe, Eis, Fuss hochlegen, Rücksprache mit Polizei, ein kurzer Moment in dem mir klar wird, was da eigentlich alles hätte passiert sein können, gefolgt von Dankbarkeit. Ist so schon blöd genug. „Das Reh?“, frage ich vorsichtig. „Das ist hin, war zum Glück nur ein kleines“, sagt er. Er hat Bilder gemacht, wenn ich Interesse hätte… Nein, hab ich nicht. Ich kannte das Reh, also, so wie man Rehe halt kennt. Die Unfallstelle liegt an einer Hunderunde. Die Wiese neben der Straße wird nicht gemäht. Ich bin öfter vorbeigelaufen, als das Kitz gefüttert wurde. Die Ricke und ich, wir tun immer so, als würden wir uns nicht sehen. Es tut mir leid.


Eine Dame bleibt vor dem Auto stehen und guckt mich an. „Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“ „Danke, mir gehts gut, ich warte nur.“ „Ah, ok, es sah nur so aus….hätte ja sein können das was ist“. Das ist lieb. Ich parke in der mittleren Etage des Krankenhaus-Parkhauses, in zweiter Reihe, wegen Schatten und weil ich die Fussgängertreppe von hier sehen kann. Es klang so, als wäre der Liebste gleich fertig. 28°C Außentemperatur hatten wir, als ich angekommen bin. Das ist allerdings schon fast eine Stunde her. Mittlerweile ist es deutlich wärmer im Auto, deshalb hab ich die Tür geöffnet und sitze nachdenklich halb drin halb draußen. Ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich mental in der Verfassung bin für noch einen Sommer mit zur Bewegungslosigkeit verdammtem Mann auf dem Sofa.

Gerade als ich das Auto doch in der prallen Sonne parken und den Liebsten suchen gehen will, fängt das Parkhaus an zu vibrieren. Ein Hubschraubergeräusch kommt schnell näher, das Gras im Hang vor mir neigt sich bis zum Boden, die Autotür knallt zu, zum Glück hatte ich die Füsse drin. 30 Meter vor mir landet ein Rettungshubschrauber. Boar, von so nah hab ich das noch nie gesehen. Ich schicke ein Foto an den Liebsten, der wartet immernoch.

Einmal röntgen mit Diagnose „ist nichts kaputt“ dauert vier Stunden. Damit hatte ich nicht gerechnet, die Pläne für den Rest des Tages ändern sich. Aber, hej, im Vergleich zu dem, womit ich gerechnet hatte ist das pillepalle.


Dem Hund ist es morgens um neun eigentlich schon zu heiß. Nachmittags werfe ich ihm ein paar mal die Frisbee über den Hof, dann geht er gerne wieder rein. Julikind schleicht von einer Ecke in die andere, es ist überall zu warm mimimi. Abends packe ich beide ins Auto und wir machen einen Spaziergang am Flüsschen. Der Hinweg zieht sich, dann toben die beiden eine viertel Stunde im kalten Wasser und auf dem Rückweg ist das Leben wieder schön.


Es war nur so ein Bauchgefühl, auf dem Fest am Wochenende und ich bin mir ein bisschen blöd vorgekommen. Rückblickend war es eine gute Entscheidung keinen Kaffee und nichts gezapftes zu trinken. Die Coronameldungen häufen sich. Der Kreis hat eine Inzidenz knapp unter tausend, im Städtchen findet ein Straßenfest mit tausenden Leuten statt. De Mudda sagt, man kann sich nicht ewig verstecken. Ich wundere mich, aber soll mir recht sein, jeder wie er meint. Ich gehe wieder überall ohne Maske einkaufen und meide Menschenansammlungen.


Der Liebste stellt ein Foto vom Wildschaden am Moped in seinen Status. Anteilnahme und Grüße von allen Zweiradfahrern im Bekanntenkreis. Der Triathlet und der Raumausstatter kommen sogar persönlich vorbei.

Und wenn die schon mal da sind: Ein Ersatzteil für die Heizungsanlage wird bestellt und der Teppich in der Fewo vermessen. Ich erhalte genaue Anweisungen, welche Art von Teppich ich kaufen soll. Baustellentermine vor Herbst werden angepeilt.


Die Schwalben sind weg. Das ist blöd, es waren dieses Jahr sowieso drei Paare weniger als im letzten. Eigentlich halten die uns den Sommer über die Mücken vom Leib.


Auf dem Dachboden suche ich nach Fotos. Ich finde zwei Babyalben von mir und eines mit Bildern rund um meinen 16. Geburtstag. Dazwischen müsste doch noch…Schmunzelnd blättere ich durch die Bilder meiner Jugend. Das hatte ich fast vergessen, aber, ein paar Momentaufnahmen reichen, und mir fällt alles wieder ein. Nach ein paar Seiten wird der Kloß im Hals immer dicker. Jemand war die ganze Zeit ein selbstverständlicher Teil meines Lebens, im Urlaub, auf Partys, bei Umzügen. Jemand fehlt. Immernoch. Erst beim zweiten Blick fällt mir auf: die, die da so fröhlich in die Kamera prosten, auf meinem 18. Geburtstag, die sind alle beide tot. Ich klappe das Album zu, lege es zurück und muss einmal tief Luft holen.


Und, ihr Lieben, genau das ist der Grund, warum mir Geburtstage nichts ausmachen. Ich bin dann jetzt wohl 40. Es fühlt sich nicht anders an als letzte Woche, wo ich noch 39 war.

Wegen der großen Nachfrage gab es eine kleine Feierlichkeit mit Bienenstich und allerlei gegrilltem. Die Omas und der Vatta hatten an diesem Geburtstag glaube ich mehr zu knabbern als ich. „Vierzig Jahre ist das schon her“, der Satz wurde öfter geseufzt an diesem Nachmittag. Abends beim Bier auf der Treppe gucken der Liebste und ich die Fotos des Tages durch. „Die Kinder, die sind schon so groß, daran merkt man, wie alt wie sind, ne?“, sagt er, „das hat mit Geburtstagen gar nichts zu tun“.


Julikind fährt auf Klassenfahrt. Aufgeregt steigt sie in den Bus. Keine Tränen. Wenn man ehrlich ist, freut sie sich sogar ein bisschen. Im Januar hätte ich das noch für unmöglich gehalten. Es war ein Weg bis hierher – kein leichter, aber wir haben es geschafft. Ich bin stolz auf sie und freue mich richtig.

KW 24/25 2022

Langes Wochenende und kein Führerschein. Märzkind wird vermutlich an Langweile sterben, langsam und qualvoll, nur dass ich bescheid weiß. Letztes Jahr wars besser, da waren alle zu Hause. Zack, hatte man zehn Leute zusammen, die Zeit hatten, zum Campen am See. Tja, das ist vorbei. Dann backt sie Muffins, weil sie mit der Freundin zum Picknick verabredet ist, abends auf die Kirmes. Das langweiligste Leben von allen eben.


Julikind hat seit zwei Wochen kein whattsapp mehr. Zu unser aller Überraschung vermisst sie es nicht. Wenn man ehrlich ist, sogar fast im Gegenteil. Es gibt diesen einen Moment abends, wenn man sich nicht sicher ist, ob morgen die erste Stunde nun ausfällt, da wäre es schön, mal gerade jemanden fragen zu können. Aber die allermeisten Nachrichten sind entbehrlich. Für die Klassenfahrt sollte das Handy natürlich funktionieren. Nacheinander probieren wir alle alles durch. Ohne Erfolg. Der Patenonkel hat Zugriff auf Fehlersuch-software und stellt mit großem Bedauern den Totenschein für dieses mobile Endgerät aus. Das Problem lässt sich nicht mehr lösen. Julikind ist ein bisschen traurig, aber, dass hatte sie sich gedacht, denn das Handy ist „ja schon zwei Jahre alt“. Der Patenonkel sponsert ein neues.


Die Schule nimmt am „Schulradeln“ teil, eine Unterkategorie der Aktion „Stadtradeln“. Die mail kam vom Klassenlehrer des Julikinds, aber die winkt dankend ab. Maikind läd sich die App runter, holt das Fahrrad aus der Garage und fährt 230 km innerhalb einer Woche. Fahrrad wohlgemerkt, nicht E-bike. Nachdem er zwei Jahre seine Freizeit überwiegend zockend im Zimmer verbracht hat. Ende der Woche teilt er beiläufig mit, dass der Chemielehrer seine Abschlussprüfung übernehmen wird. Er hat nämlich jetzt ein Thema für seine Präsentation. Der Liebste und ich schauen uns verwundert an. Das ist toll, aber hä?


Endlich Sommer, ich mag wenn`s warm ist und freue mich. Leider bin ich da die einzige. Um mich rum nur „nörgelnörgel viel zu heiß, wie lange dauert dass denn jetzt, diese Hitzewelle nörgelnörgel…“ Ich bitte euch, drei warme Tage sind angesagt, das kann man überleben. Mein Plan war, das nicht nur zu überleben sondern sogar zu genießen. Statt dessen halte ich Türen und Fenster geschlossen und mache schiefend Hausarbeiten. Nach dem hundersten Taschentuch mache ich einen Coronatest, so elend fühlt es an. Heuernte.


Samstag Abend wird der Wald mit irgendwelchem Partylicht angestrahlt, sieht schön aus. Die Grillhütte spielt „Cordula Grün“ zur letzten kleinen Hunderunde des Tages.


Wenn es jetzt so warm ist, wäre es schön, kurze Hosen zu besitzen, denn die vom letzen Jahr passen nicht mehr. Märzkind übergibt die Vorjahresklamotten an Julikind. Die passen. Erfreulich, dann braucht ein Kind keine neue Klamotten, aber, meine Güte, wie alle gewachsen sind in einem Jahr.


Vormittags bei der Hunderunde mit einer Hausfrauen-Kollegin festgeschnuddelt. Sowas passiert auch nur im Sommer. War schön – und der Hund ist danach müde gespielt.


Eine Kugel Eis in der Fussgängerzone kostet 1,30 Euro. Ich esse gern Eis und ich bin bereit für gutes Essen Geld auszugeben. Dieses Eis schmeckt nur leider nicht mehr gut. Vermutlich wurde inflationsbedingt die Rezeptur optimiert. Das können sie an Leute verkaufen, die sowas nicht merken. Ich bin raus.


„25°C kann man aushalten“, sagt Julikind, „mehr ist zuviel“. Zum Glück hat die Freundin Zeit und die beiden werden ins Freibad gebracht. Zum Abholen fahre früher los, dann kann ich auch noch eine Runde schwimmen, so der Plan.

Irgendwo ist gerade ein Badesee gesperrt, sagen sie im Autoradio. Ein junger Mann ist ertrunken und wurde bisher nicht gefunden, deshalb ist der Badestrand gesperrt. Das scheint mir angemessen, da würde ich auch garnicht schwimmen wollen. Im Mittelmeer ertrinken regelmäßig Leute, sagt die kleine fiese Stimme in meinem Kopf, da werden die Strände nicht gesperrt. Naja, das ist was anderes, da würde ich glaube schon schwimmen gehen wollen. Anscheind gibt es irgendwo in mir drin, ein Verhältnis Wasser zu Leiche ab dem ich sagen würde „mmmjo, passt schon“, und ich frage mich, wie groß das wohl ist. Was man so denkt, bei 35°C. „Cringe“, ist wohl das Wort, das die Kinder dafür verwenden würden.

Am Zaun des Freibades stelle ich fest, dass das Verhältnis von Wasser zu lebenden Menschen mir hier heute nicht passt. Es ist so dermaßen voll, da nehme ich mir einfach das „falls man mal irgendwo länger auf jemanden warten muss-Buch“ aus dem Handschuhfach und setze mich vorm Freibad in den Schatten. Eine halbe Stunde später kommen zwei fröhliche, müde, Mädels mit Freibad-strubbel Haaren auf mich zu. Pizza haben sie gegessen und jede Menge Leute getroffen. Das Mutterherz erlebt einen weiteren Nach-Corona-Moment. Die wissen eigentlich garnicht, was sie alles verpasst haben.


De Omma bekommt Küken. Eigentlich erst Mittwoch oder Donnerstag. Aufgeregt ist sie aber schon Montag und Dienstag… da guckt man lieber einmal zuviel im Hühnerstall…wie ein Kindergartenkind in der Woche vor Weihnachten. Donnerstag sind tatsächlich 6 Küken da und es kehrt Ruhe ein. Ich bin nicht die einzige, die heimlich aufatmet. Wenn`s gut läuft, beschäftigt sie das bis zu ihrem Geburtstag.


Ich fahre mit den Mädels Gärten angucken. Im Flyer vom „Tag der offenen Gärten“ stand was von Rosengarten und Julikind malt gern Rosen. Märzkind macht Fotos mit dem neuen Objektiv. Der Garten des Gutshauses ist toll, aber haben wollen würden wir den nicht. „Stell dir mal vor, du müsstest hier Schitt ruppen. Das alles.“ Märzkind macht eine Geste über die wunderschön gepflegten Beete. Julikind macht ein nachdenliches Geräusch, so gesehen kann man doch auch gut ohne Pool leben.

Foto: Märzkind

Der Salbei im Garten blüht. Von der Bank aus kann man Hummeln, Bienen und ja, was denn eigentlich beobachten? So ein Tier hatten wir noch nie hier. Womöglich haben wir eine neue Art entdeckt. Es bewegt sich wie ein Kolibri und macht überhaupt kein Fluggeräusch. Märzkind googelt Kolibri-Hummel. Es handelt sich um einen Wollschweber, und der gehört zur Familie der Fliegen, anscheind gibt es davon 34 verschiedene in Deutschland. Wieder was gelernt.

Tomaten kommen, je eine winzige Paprika und Aubergine wachsen, Salat haben wir schon gegessen, Gurken auch. War eine gute Idee, den Boden zu düngen.


Da wohnt anscheind jemand direkt nebenan. Auf dem Video in der whatssapp Gruppe des Liebsten sieht man einen Garten. Trampolin, Sitzecke, alles wie überall. Direkt hinter dem Zaun wechselt allerdings die Farbe. Unten im Bild ist es orange, darüber schwarz, dazu ein Knisterknack- Geräusch wie Kaminfeuer und Sirenen. Das Holzlager eines Baumarktes ist abgebrannt, im Städtchen.


Irgendwas muss auf der Weser transportiert werden. Dafür braucht es das Wasser aus dem Edersee. Unsere Badestelle ist jetzt Wiese, schade.

KW22/23 2022

So, Schnauze voll. Ich hole mir eine zweite Decke vom Dachboden und schlafe ganz wunderbar, ohne zu frieren. Zum Frühstück esse Apfel-Zimt-Porridge, bringe danach eine Ladung Sonnenblumenkerne ins Futterhaus vor dem Fenster und gehe die Hunderunde in Winterjacke. 5°C, merkste selber, Juni, oder?

Nachmittags, am gleichen Tag wohlgemerkt, schleudern wir den Honig. Also, der Liebste stellt die Honigräume in die Küche, ich mache den Rest. Geht schnell, dieses Frühjahr.

Am nächsten morgen ist es merklich wärmer. Und sonnig. Fast sommerlich, man kann es kaum glauben. Märzkind und ich fahren nachmittags kurzentschlossen zum Erdbeerfeld. Nicht, dass da über Pfingsten alles abgeerntet wird – oder von Gewitter zerhagelt. Sonnencreme wäre eine gute Idee gewesen, aber mit schwülen 26 °C hatte irgendwie keine von uns gerechnet. Korb und Eimer sind schnell voll. Auf der Rückfahrt durchs Städtchen fährt ein Leichenwagen vor uns her. „Jo, dieses Wetter macht einen fertig“, sagt Märzkind.

Abends dann anbaden im See. Herrlich. So geht Juni.


Jahresvorrat Erdbeermarmelade gekocht.

Honig abgefüllt und Kunden zugeordnet. Da muss garnichts in den Keller getragen werden.


Der Teilzeitnachbar entrümpelt die Wohnung. Ich wasche Wäsche. Fast bei jeder Ladung, die ich aufhänge oder abnehme gibt es etwas Neues. Und es ist tatsächlich interessant wer da wann was abholt. Innerhalb von zwei Tagen wird das Carport einmal komplett bis oben voll und wieder leer geräumt. Ich staune. So ordentlich sah das noch nie aus. Das Ende einer traurigen Geschichte.


Abends um elf geht ich die letzten paar Meter mit dem Hund und brauche noch nicht mal einen Pulli. Ein lauer Sommerabend. In der Grillhütte wird gefeiert. Die ersten Takte eines Musikstücks laufen, man hört, dass die Gesellschaft sich freut, es wird mitgesungen. Das ist kein volltrunkenes Gegröle, stelle ich fest. Eigentlich ist das keine Überraschung. Da feiert heute die „Interessengemeinschaft landwirtschaftlicher Nutzfahrzeuge“ ( also Landwirte, Schlepperfreunde, Schrauber jeden Alters…), ich könnte mir vorstellen, dass von denen einige im Gesangverein sind. Den Refrain singen alle gemeinsam, die Hütte bebt. Es ist fast ein Gänsehautmoment. „ICH HAB ÜBERLEEEEGT MIT DEM SAUFEN AUFZUHÖÖÖÖÖÖRN . AAAAABER ICH SCHWANKE NOCH. ICH SCHWANKE NOCH“ Der Hund guckt mich fragend an. Das kennt er nicht. Tja Hund, früher, da war sowas normal, an sommerlichen Samstagen.


Ach übrigens, sagt Maikind, es gibt nur Frühstück in der Unterkunft. Sie sollen Taschengeld mitbringen, so zwischen 50 und 100 Euro wären gut, hat der Klassenlehrer gesagt. Ähm jo, früher waren Klassenfahrten ja mal „all inclusive“, meine ich mich zu erinnern, aber kein Problem, Gott sei Dank. Wer diese Beträge nicht mal eben so aus dem Hut zaubern kann ist übel angearscht, wenn so eine Info drei Tage vor Reiseantritt kommt.


Weil das Schüler-Hessenticket jetzt auch ein 9 Euro Ticket ist, muss man zum AS-Taxi garnichts mehr dazu bezahlen, sagt Märzkind und freut sich. Normalerweise kostet jede Fahrt einen Euro. Das sind bestimmt 20 Euro pro Monat, die sie jetzt anders ausgeben kann, schätze ich mal.

Märzkind bekommt ihren Traum-Ferienjob angeboten. Es ist der Job, den sie im Moment macht, als Praktikantin. Man würde sie gern über die Ferien weiter beschäftigen und wenn möglich sogar darüber hinaus, genau wie jetzt nur eben mit Geld. Da musste sie nicht überlegen. Fröhlich summend schwebt sie durchs Haus. Wenns einmal läuft…


Der große Neffe begegnet uns, einfach so, vor der Pommesbude auf dem Pfingstmarkt. Wir haben uns lange nicht gesehen, ich muss tatsächlich zweimal gucken, bevor ich mir sicher bin, dass er es ist. Die junge Frau an seiner Seite, ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, wie sie heißt, das wird gleich peinlich. Oder auch nicht, wir werden vorgestellt, alle freuen sich. Smalltalk, Pommes, weiter gehts. „Der hat ganz schön Kreuz gekriegt, auf der Polizeischule, ne?“, sagt der Liebste. Jo, das ist wahr. „und dem seine Freundinnen sehen eigentlich immer gleich aus“.

Julikind kommt fröhlich quieksend aus dem riesen Schaukel-Fahrgeschäft. Die 6 Euro haben sich sowas von gelohnt, sie ist begeistert, das könnte sie direkt nochmal… Ihre Freundin wischt sich mit einer fahrigen Bewegung eine Haarsträhne aus dem Mundwinkel, sie sagt garnichts und ihr Gesicht hat keinerlei Farbe.


Der Gastgeber, der mag uns wirklich, sagt er. Wir sind unkomplizierte Gäste, weil, wenn man uns einläd, dann sagen wir „okay, danke“, kommen zur angepeilten Uhrzeit und essen einfach ne Wurst. Die anderen wollten lieber früher kommen, wegen der Kinder und die essen alle nur noch vegetarisch… und samma, ganz ehrlich, ne, wenn man doch zum grillen einläd… Der Liebste drückt ihm ein Bier in die Hand und klopft ihm die Schulter.

Wir können die Blagen einfach alleine zu Hause lassen. High five. Die anderen unterhalten sich über Einschulungsfeiern und sind ein bisschen neidisch.


Ansonsten war nix. Auch mal schön.

KW20/2022

Eine Zugfahrt nach Frankfurt. Die Züge sind merklich voller als noch vor acht Wochen. Zwei Fahrräder blockieren 6 Sitzplätze. Ich hatte gedacht man könnte im Sommer mal mit so einem 9 Euro Ticket irgendwohin, aber, wenn das im Normalbetrieb schon so ist, hab ich da eigentlich keine Lust drauf.


Wir schließen das Kapitel „eingewachsene Zehnägel“, hoffentlich. Angeblich ist das Kind übernächste Woche wieder sporttauglich. Das wäre schön.


De Omma fragt, wann wir denn in den Urlaub fahren und ist auffallend erleichtert, als ich sage, dass wir noch nichts geplant haben. Merkwürdig.


Stundenplanänderung. Jetzt neu: Maikind hat kein Arbeitslehre mehr. Deutsch fällt aus, erstmal nur diese Woche. Beim Julikind sind noch alle Fächer da, nur anders verteilt. Eine Klassenkameradin strandet bei uns, nach der Schule. Sie wohnt einen Ort weiter, bis dahin geht die Busverbindung nicht. Normalerweise taktet die Familie die Dienstpläne so, dass das kein Problem ist. Aber wenn Stundenpläne nur 10 Tage gelten, wird es schwierig.


Der Hund. Seufz. An einem Tag ist er mir gleich zweimal abgehauen. Ich fahre im Schritttempo die Hundedamen-Haushalte im Ort ab, gucke in Gärten und Hinterhöfe und komme mir bescheuert vor. Große Anteilnahme der Rüden-Besitzer. Preisanfrage beim Tierarzt. Abends frisst der Hund wieder uns schläft danach. Vielleicht geht es ja doch so, sagen die Männer. Vielleicht.


Eine Geburtstagsfeier wird abgesagt wegen Hexenschuss. Das Telefongespräch ist an sich ist schon ungewöhnlich, die Nachrichten merkwürdig. Innerhalb kürzester Zeit wird aus Hexenschuss ein Arzttermin, ein Krankenhausaufenthalt, eine OP und ein am Rande mitbekommenes Gespräch über Pflegedienste. Oh,oh.


Niemand wird diese Rasenfläche nutzen, den ganzen Sommer nicht. Das Grundstück liegt hinter einer dichten Hecke am Ende einer Straße ohne Durchgangsverkehr. „Mal gerade drüber mähen“ dauert eine Stunde, plus Zeit für Pflege und Wartung des Aufsitzrasenmähers. Warum das alle 10 Tage gemacht werden muss, ist mir ein Rätsel. Der Garten bei uns am Haus wird genutzt aber, naja, muss halt passen, von der Zeit, dem Wetter…


Pluseins-Kind hat eine Lehrstelle im nächsten Jahr. Glückwunsch, Freude. Ein nachdenklicher Moment. Müssen da denn jetzt schon Bewerbungen? Oh,oh.


Unwetter sind angesagt, teilt mir der Liebste mit. Ich gucke ja keine Nachrichten mehr. Bestimmt will man uns nur warnen, damit es nicht wieder so wie im Ahrtal letztes Jahr…, denke ich. Die Warnungen wechseln die Farbe. Ich sauge einmal durch den Wäschekeller, wenn da wieder Wasser reinläuft, wäre das wenigstens nicht so eklig staubig. Die Warnungen wechseln nochmal die Farbe. Ich lege ein paar Sandsäcke vors Kellerfenster, denn eigentlich habe ich gar keine Lust, den Keller zu wischen.

Wir bekommen nichts ab vom Unwetter. Auch gut.

ein Wochenende wie damals

Herrliches Frühlingswetter. Auf einmal blüht alles, Farben und Geruch wechseln alle paarhundert Meter. Nicht mehr nur grau und Gülle. So macht die Hunderunde wieder Spaß.


Brot und Milch kaufe ich einzeln, also am Bäckerauto und vom Bauernhof, immer das Gleiche ohne irgendwas anderes dazu, da fällt die Preissteigerung auf. Aus 6,90 Euro sind 8,70 Euro geworden und aus 50 cent 75.


Am stillgelegten Auto auf dem Nachbargrundstück kraschpelt irgendwas, fällt mir auf, beim Wäsche aufhängen. Ich vermute irgendwelche Tiere. Och nö. Zum Glück ist es nur der Besuch der Nachbarin. Wir kennen uns flüchtig, haben uns aber lange nicht gesehen. Smalltalk über den Zaun. Nach wenigen Sätzen wird ein richtiges Gespräch daraus. Der Besuch konnte in den letzen zweieinhalb Jahren nicht kommen, wegen Corona und Arbeit, es ging nicht, im Sinne von es war unmöglich. Ich weiß, sage ich (Berufsfeuerwehr in Australien). Während dieser zwei Jahre hat sich die Nachbarin verändert. Ich weiß, sage ich. Der Besuch kämpft mit den Tränen. Ich bin ehrlich gesagt erleichtert, dass das mal jemand bemerkt hat, der die Macht hat, sich zu kümmern.


Märzkind meldet Hunger, Freitag abend um sechs. Auf keinen Fall kann das warten, bis Julikind vom Kickboxen zurück ist. Das kommt davon, dass es an der Arbeit immer schon um zwölf Mittagessen gibt. Sie versteht jetzt, warum die Omis abends immer so zeitig essen. Abendessen also zu dritt, wir unterhalten uns nett und sitzen immernoch da, als die anderen beiden zwei Stunden später dazukommen. Julikind ist entspannt und fröhlich und schläft schon, als ich ihr um halb elf gute Nacht sagen will.

Der Liebste kommt Samstag morgen von der Nachtschicht, steht mittags auf, weil Montag wieder Frühschicht ist, ganz normal, wie es auf dem Plan steht. Die Kinder und ich sind da mit dem Hausteil des „Haus und Hoftags“ schon fast fertig. Draußen ist allerdings noch genug zu tun. Märzkind hat den ersten Chearleading Auftritt, seit – man kann sich erinnern, wann. Sie beginnt mit der Schminkaktion. Maikind kramt das Feldbett aus der hinteren Ecke des Dachbodens und sucht Übernachtungssachen zusammen. Julikind nimmt an einem Malwettbewerb teil und, upsi, da ist nächste Woche Abgabe. Ich backe einen Tortenboden für Konfirmation am Sonntag. Ein Paket steht vor der Haustür. Märzkind ist erleichtert, das ist ihr Festoutfit für morgen, wir hatten schon überlegt, wie man die Alltagsklamotten zu was Schickem kombinieren könnte… Märzkind verschwindet, Maikind wird gefahren, Abendessen für drei, Märzkind kommt fröhlich wieder. Ein Hauch von Teenager in Polyester weht über den Flur, dann ist das Bad besetzt.

Sonntag morgen mach ich die Torte fertig. Der Liebste fährt Märzkind mit Torte zum Fest. Ich backe einen Geburtstags-Geschenk-Kuchen für Montag. Julikind müsste mal gelüftet werden. Hunderunde zur Hängebrücke. Auf halber Strecke meldet Maikind, man könne ihn dann gleich abholen. Das liegt auf dem Weg, kein Problem, obwohl, der Hund ist ja im Auto und das ganze Übernachtungsgepäck…. ach, ich laufe einfach von hier aus nach Hause, dann ist Platz. Als ich ankomme sind die Kinder schon bei Oma und Opa. Ich mache den Geburtstagskuchen fertig und wir fahren hinterher. Gut, dass wir mit dem Auto da sind, sagt Julikind. Auf dem Weg haben sie ein bisschen rumgeblödelt, da ist sie irgendwie vom Bordstein und hat sich den Fuss umgeknickt, aber so richtig. Der Fuss ist tatsächlich beachtlich angeschwollen. Notaufnaheme vielleicht? „Sieht nach Innenband aus“, sagt der Liebste, Kühlpack. Sportsalbe, hochlegen und dieser Haushalt hat eine aircast-Schiene für solche Fälle, was anderes würden die im Krankenhaus auch nicht machen.


Montag morgen begegnet mir der Biolandwirt im Wald. Er hält an, um zu fragen, warum ich mich denn so in der Hecke verstecke. Ich dachte, er gehört zu dem Jäger-Konvoi, der hier eben lang kam. Da halte ich den Hund immer lieber fest. Glaubt einem ja niemand, dass der so überhaupt keinen Jagdtrieb hat. „Alles gut bei euch?“ „Alles gut. Un selba?“ „Prima. Wir haben gerade zum ersten Mal in diesem Jahr Normalbetrieb. Das tut richtig gut, ist aber irgendwie ungewohnt.“ Fast zu gut. Da fällt mir ein, ist ja neunter Mai, heute. Ich deute auf sein Autoradio. „Ham wa schon Apokalypse?“ „Nee, noch nit“, sagt er, hat er aber extra angemacht, das Radio, nicht, dass Atomkrieg ist und er zieht Zäune, das könnte man sich ja dann sparen. „Tja, dann muss er wohl“, sage ich und wir sind uns einig, dass das was Gutes ist.


Abends haben wir Vattas Geburtstag gefeiert. Mit Leuten, als wäre es das normalste der Welt. Alle hatten was zu erzählen.