to do

„Ich weiß garnicht, wann ich zuletzt in einem Geschäft drin war“, sagt das Julikind. Stimmt, ich auch nicht. Wir geben Kontaktdaten an und dürfen dann einfach so rein. Der Liebste geht mit dem Maikind in, welche Abteilung auch immer kurze Hosen in seiner Größe verkauft, das Julikind und ich gehen in die Kinderabteilung. Winterjacken, Bademode, im Moment kann man alles haben. Die Liste ist lang, denn es passt so gut wie garnichts mehr. In anderthalb Stunden holen wir ein halbes Jahr „Konsumausgaben“ nach.


Den Einschulungs-Einkauf damals habe ich gemacht, Bleistift mit Glitzersteinen, rosa Kunstmappe, es fühlt sich noch garnicht so lange her an. Den Abschlusseinkauf übernimmt der Liebste, eine winwin Situation. Das rosa Ballkleid liegt trotz Reduzierungen ein mü über dem angedachten Budget, aber toll ist es, keine Frage. Außerdem spendiert der stolze Papa eine Palette Atra Rakete Gigant (*Werbung, wobei, ganz ehrlich, ich rate ab), damit das Märzkind am Samstag das Ende der Prüfungswoche feiern kann. In echt. Mit Freunden.


Libuse Safrankova (tut mir leid, die kleinen Striche fehlen, ich glaube, meine Tastatur kann gar kein tschechisch) ist verstorben. Wir kannten sie natürlich nicht, aber die Anteilnahme ist groß. Unser Aschenbrödel. Kann man ruhig auch mal im Juni gucken, den Film, findet das Märzkind.


Ich rufe innerhalb der Geschäftszeiten an und die Leitung ist frei, es klingelt. Es ist nicht mein erster Versuch, das wollen wir doch mal sehen, denke ich. Nach dem zehnten Klingeln meldet sich eine Dame, die sich ganz offensichtlich gestört fühlt. Gut so. Ich schildere mein Anliegen, sie kann mir wenig Hoffnung machen, in dieser Sache, ist aber bereit, mich zu verbinden, mit der zuständigen Kollegin. Ich schildere mein Anliegen, die Kollegin sagt, „das das ja alles jetzt langsam wieder los gehe“, wann genau, das wisse man aber leider noch nicht, sie könne mich da auf eine Warteliste setzen. Ich weise darauf hin, dass das Kind diese Bescheinigung bis zum Beginn des Praktikums benötigt. Mein Ehrgeiz verwirrt sie. Sie erkundigt sich nach dem Betrieb, nimmt Daten auf. Also, wenn das so ist, da sei sie recht zuversichtlich, dass das noch vor August möglich sein werde. „Ganz ehrlich, Ihre Zuversicht ist mir da ein bisschen wenig“, sage ich und erkundige mich, ob es noch andere Möglichkeiten gäbe, an so eine Bescheinigung ranzukommen. Leicht angenervt sagt sie, ich könne es mal im Nachbarkreis versuchen, ob ich dann jetzt nicht auf die Warteliste will? Doch, will ich.

Nachmittags gebe ich mal „Gesundheitsamt Nachbarkreis“ in die Suchmaschine ein. Nur so. Siehe da, es gibt eine Internetseite, mit einem Button für „Belehrungen nach §42 §43 Infektionsschutzgesetz“. Wegen der aktuellen Situation werden die im Moment nicht als Präsenzveranstaltung angeboten, sind aber als online-Veranstaltung buchbar. Terminauswahl. Klick. Nächste Woche von Montag bis Freitag zwischen 8.00 und 20.20 Uhr, was darf`s denn sein? Klick. Daten angeben. Bestätigungscode senden. Gebühr überweisen. Hat alles in allem eine viertel Stunde gedauert. 5 Minuten davon hat das Märzkind überlegt, welchen Termin sie möchte.


Der Mohn hat in den letzten beiden Jahren jeweils einen Tag geblüht. Der traurige Rest der Pflanze hat mich den Sommer über so vorwurfsvoll angeguckt, dass ich sie letzten Herbst ausgebuddelt habe. Sie steht jetzt in einem Teil des Gartens, den ich vom Fenster aus nicht sehen kann. Der Mohn blüht prachtvoll, dieses Jahr, seit einer Woche schon.


Diese Woche, sie nimmt kein Ende, man meint, es müsste Freitag sein, mindestens, aber nein, es ist tatsächlich erst Dienstag. Das sind ja jetzt noch drei Tage, es ist noch nicht mal die Hälfte geschafft. Wie hat man das früher ausgehalten, man weiß es nicht mehr.

Die Kinder hatten zwei Schultage hintereinander. Ehrlich gesagt, ich habe auch so ein Freitagsgefühl. Die Woche ist zäh.


„Am Wochenende war hier die Hölle los“, sagt der Mann im Häuschen am Erdbeerfeld, wir sollen es mal in diese Richtung versuchen. Viel ist tatsächlich nicht mehr dran. Zu zweit pflücken wir eine Stunde. Es ist nicht so viel wie wir eigentlich wollten, aber es reicht für die 20 Gläser Erdbeermarmelade, die wir brauchen. Das ganze Haus riecht nach Erdbeeren.


Ein Anruf wegen dieser Zahnbaustelle, es geht nicht voran und mich würde interessieren warum. Ich habe jetzt einen Sachbearbeiter mit einer Durchwahl, damit ich nicht durch`s callcenter muss, nächstes Mal. Läuft.


Der Teilzeit-Nachbar aus der Großstadt hat ein outdoor-Projekt. Er hämmert in unregelmäßigen Abständen auf irgendetwas aus Metall. Zwischendurch diskutiert er mit einer weiteren Person darüber, wie man besten auf irgendetwas aus Metall hämmert. Ich frage mich, ob ihm bewusst ist, dass der halbe Ort ihn hören kann, einige vermutlich sogar sehen, er arbeitet unter Flutlich, abends um halb elf. Nur weil es leise ist, im Ort, heißt das nicht, dass niemand da ist.


Man sieht wieder mehr Flugzeuge. Den tiefblauen Coronahimmel, die Fernsicht und die Sonnenuntergänge werde ich vermissen, wenn wieder alle jederzeit überall hin fliegen können.


Vereinssport darf wieder stattfinden. Wie sehr das gefehlt hat, merkt man erst jetzt so richtig.

Das Märzkind muss vor dem Training einen Selbsttest machen, das ist kein Problem, die werden im Moment für 80 cent verkauft, ich bringe welche mit. Die Gruppe vom Julikind wird draußen trainieren, man wird sich vorerst nach dem Wetter richten, was die Termine angeht.


Verabredungen, Termine, Einladungen, in den nächsten drei Wochen ist hier mehr los als bisher im ganze Jahr. Schön, einerseits, andererseits kann ich es kaum glauben, nach so langer Zeit.

Hallo Juni

Ich habe im Garten gesessen, einen ganzen Nachmittag lang. Ich habe ein Buch fertig gelesen. So fühlt sich also Freizeit an. Ich nehme mir vor, dass mal wieder zu machen, es tut gut.

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Drei Tage hintereinander Gewitterluft. Eine Unwetterwarnung ploppt auf, 40l pro Regen Quadratmeter scheinen möglich. Oh ha, da lege ich aber mal eben die Sandsäcke vors Kellerfenster. Ich hatte mit Spott gerechnet, wenn man mich dabei sieht. Statt dessen geht zweimal ein Fenster auf und mir wird Hilfe angeboten. Niemand hat Lust, den Keller zu wischen.

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Ein nettes Telefonat mit der Gastgeberin der Pension in der Nachbarschaft. Monteure sind sehr angenehme Gäste. Wenn da irgendwann wieder Touristen kommen sollten, vielleicht muss man die Preise anpassen. Die Kalkulationen gehen nicht mehr auf. Touristen benehmen sich nicht mehr wie Gäste. Natürlich nicht alle, aber doch viele.

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Mehrere Pakete mit Computerbauteilen sind angekommen, das Maikind ist im Zimmer verschwunden. Ein Teil ist defekt. Er probiert hin und her und dann ist er sich sicher, das muss zurückgeschickt werden. So ein Pech, er ist genervt. Ich muss einen digitalen Rücksendeschein ausfüllen. Er diktiert mir in aller Selbstverständlichkeit, was ich in das Feld für die Fehlerbeschreibung reinschreiben soll. Ich habe ehrlich keine Ahnung, was das bedeutet. Ob er sich sicher sei damit, erkundige ich mich. Er erklärt mir, warum das nur so sein kann, ich nicke und sage „okeee“. Es fühlt sich immernoch so an, als würde ich einen Eimer Druckluft reklamieren wollen.

Innerhalb weniger Tage kommt Ersatz und alles läuft. Große Freude.

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Plötzlich und unerwartet gehen die Inzidenzzahlen auch bei uns nach unten. Ab nächster Woche wird das Julikind wieder Präsenzunterrricht haben, jeden Tag, mit der ganzen Klasse. Das Märzkind in der Woche darauf auch. Ironischerweise ist das dann die Woche nach den schriftlichen Prüfungen. Noch eine Woche später wird das Maikind…das glauben wir dann, wenn es soweit ist.

Das Märzkind wird ein Kleid brauchen, für den Abschluss.

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Kaffee trinken mit der Omma. Der neue Hund ist durchs Beet mit den Stiefmütterchen gelaufen, Drama. Die Orchidee blüht, da muss ich gucken. Ich interessiere mich nicht für Zimmerpflanzen, aber ich schaffe es nervlich wieder eine viertel Stunde „ah“ und „oh“ zu sagen. Solange dauert die Tour entlang der Fensterbänke.

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Das Julikind snackt im 2 Stunden Takt. Die Hose, die vor zwei Wochen noch gepasst hat, ist eindeutig zu kurz. Mehrmals am Tag haut sie sich irgendwo an. Das ganze Haus passt ihr nicht mehr. Als fürsorgliche Familie nehmen wir natürlich humorvoll Anteil. Jeder hat im Haus eine „verdammtescheißEcke“, an der alle anderen immer einfach so vorbeigehen, ohne sich je anzuhauen.

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Viertel nach acht. Man müsste was hören. Es tut sich aber nichts. Ich klopfe, keine Reaktion. Ich gehe rein, alles dunkel. Ein Wuschelkopf erhebt sich vom Kissen und schaut mich fragend an. „Ähm, Schule? Jetzt.“, sage ich. Oh. Das sei aber kein Problem, denn es sind noch zehn Minuten Zeit. Nee, sind`s nicht, es ist schon zweite Stunde, und das heißt, der Bus fährt in fünf Minuten. Zwei Minuten später kommt das Kind ins Esszimmer gestolpert, greift sich im Vorbeilaufen die Brotdose und erwischt tatsächlich den Bus. Respekt. Beim Mittagessen fällt mir allerdings was auf. „Samma, du warst nicht in deiner Schlafi-Hose in der Schule, oder?“ Das Kind grinst. „Wieso, haben alle gesagt, sieht voll stylisch aus, und warum ich die nicht öfter anziehe.“ Ich schüttele mit dem Kopf und murmele. Nächste Woche sind Prüfungen, bis dahin schaffe ich es noch.

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Pluseins hilft beim Mathe-Lernen. Die Lage scheint ernster zu sein, als man uns gesagt hat, denn sie lernen wirklich. Da ist sie wieder, diese Aufgabe, mit dem Kapitän, der vom Schiff guckt, und man soll berechnen wie weit. Mit`m Sinussatz macht man das, alles ganz logisch, einfach lösbar.Tja, wenn sie meinen. Ich freue mich. Vor allem darüber, dass ich das nicht können muss.

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Ich hätte da mal eine alltägliche Sache beim Gesundheitsamt zu erfragen. Leider rufe ich außerhalb der Geschäftszeiten an. An einem Montag nachmittag, um kurz vor vier, während einer Pandemie. Naja, so dringend ist es nicht, aber ich denke eben gerade jetzt dran, und wer weiß, ob ich das nochmal tue, bevor es wirklich dringend wird. Bestimmt gibt es noch irgendeine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Ich klicke unmotiviert auf der homepage rum und finde nichts. Ab heute ist die Impfpriosierung aufgehoben, wenn ich schon mal da bin, könnte ich mich im Impfzentrum registrieren. Nö. Die Nachrückerseite pausiert. Man habe da noch 8000 Leute aus der Priogruppe 3 zu versorgen, die noch keinen Termin haben, alle anderen werden um Geduld und Besonnenheit gebeten. Tja, da kann ich dann wohl nur hoffen, dass das lange genug gut geht.

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„zu verschenken“ Wir stellen an einem sonnigen Tag ein paar Teile vom Dachboden an die Straße. Der Abschied fällt ein bisschen schwer. Nur weil man es die letzten Jahre nicht benutzt hat, heißt das ja nicht, dass man es zukünftig nicht mehr brauchen wird, das Julikind seufzt. Wir einigen uns darauf, alles was heute Abend noch steht wieder rein zu holen. Es dauert nicht mal eine Stunde, bis alles weg ist. Das Julikind freut sich. Was könnten wir denn noch hinstellen?

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Normalerweise würden wir spätestens jetzt Honig schleudern, aber da braucht man noch gar nicht dran denken. Es ist ein verrücktes Jahr.

Sonst so

Wenn man die Inzidenzzahlen von allen Landkreisen in Deutschland vergleicht, liegt unserer auf Platz neun. „Das klingt doch gut“, das Julikind. Leider nein. Platz eins ist, wo es am schlimmsten ist. Oh.

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Wir werden zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Ganz ehrlich, ich plane doch nicht wochenlang eine fast kontaktlose Familienfeier, um dann eine Woche danach zu feiern, als gäbe es keine Pandemie. Wenn wir draußen sitzen können, gern, ansonsten – nein. Der Liebste erkundigt sich, nach dem geplanten Ablauf. Ach, ja, da war ja was, das hatte man nicht bedacht. Aus einer großen Feier werden vier kleinere gemacht, notgedrungen. Kopfschüttelnd frage ich mich so einiges.

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Nachfrage beim Hausarzt, ich würde mich gern registrieren lassen, für eine Impfung. Sicher, gern. Ob ich denn in die Priogruppe drei falle. Nein. Habe ich irgendein erhöhtes Risiko. Ja, allergisches Asthma und drei Schulkinder. Natürlich schreibe man mich damit in die Liste, aber, „ich sag Ihnen wie es ist, vor September brauchen Sie mit nichts zu rechnen, probieren Sie es lieber auch im Impfzentrum über die Nachrückerliste“. Im Impfzentrum kann ich noch nicht mal ein Formular zur Registrierung öffnen.

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Die Abschlussarbeiten werden in der Turnhalle geschrieben werden. Coronatests sind an diesem Tag ausnahmsweise freiwillig, damit auch diejenigen an der Prüfung teilnehmen können, für die ein Test ein unzumutbarer Eingriff in die medizinischen Selbstbestimmungsrechte wäre. Negativ getestete dürfen am Platz die Maske abnehmen. Das wäre bei einer vier Stunden dauernden Prüfung durchaus angenehm. Sollte der Test positiv ausfallen, dürfte man natürlich nicht mit allen anderen in der Halle sitzen. Der Nachprüfungstermin ist 10 Tage später. Eine Quarantäne würde allerdings 14 Tage dauern. Die Schule hatte auf Nachfrage bisher keine Idee für ein was-wäre-wenn-Szenario. Das Märzkind überlegt, am Prüfungstag keinen Test zu machen, ausnahmsweise.

Die Abschlussklasse wird Unterricht haben, bis zum Ferienbeginn, wurde angeordnet. Niemand weiß wieso. Eigentlich war der Plan, dass die 10ten nach den Prüfungen zu Hause bleiben damit die neunten Klassen mehr Präsenzunterricht bekommen können, denen fehlt ja auch ein Schuljahr.

Die Hoffnung, dass man eventuell noch einen gemeinsamen Tagesausflug machen könnte, wird allmählich zu Grabe getragen. So schnell werden die Zahlen nicht sinken. Das Abschluss-highlight wird vorraussichtlich ein Pizzaessen mit der ganzen Klasse im Großgruppenraum.

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Schwiegermutter hat über den Winter Ahnenforschung betrieben. Ein Zweig des Stammbaumes reicht zurück bis 1652. Ich bin beeindruckt. Sie winkt ab, das war nur das, was sie so aus den Unterlagen im Haus zusammentragen konnte. Bestimmt geht da noch was, wenn man sich ernsthaft damit beschäftigen würde. Zwei der Vornamen unserer Kinder tauchen, in Varianten, über die Jahrhunderte immer mal wieder auf. Witzig, ich hatte keine Ahnung.

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Der Vatta hat endlich wieder einen Hund. Lange, lange hat er gesucht und dann, fast zufällig den passenden gefunden. Alle freuen sich mit.

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Normalerweise überlegen wir ja um diese Zeit, wie wir die Geburtstagsfeier des Maikinds mit dem Honig schleudern unter einen Hut bekommen. Dieses Jahr ist das ganz einfach. Eine große Geburtstagsfeier wird es nicht geben und die Honigräume waren Mitte Mai noch nicht mal angefangen. Ich trage morgens bei der Hunderunde noch die Winterjacke.

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Das Maikind wird 14. Meine Güte, waren wir nicht gerade noch beim Kinderturnen? Jetzt warten wir, dass die Bitcoin-Blase platzt, damit diese eine Grafikkarte wieder günstiger wird. An diesem Tag ist keine Schule. Eine Uroma kommt zum Frühstück, Großeltern plus eine andere Uroma zum Kaffee, eine Tante zum Abendbrot.

Die normale Feier mit 20 Leuten im Haus vermisse ich kein bisschen.

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Frisch Getratschtes: Im Nachbarort geht ein Nachbarschaftsstreit in die nächste Runde. Geklagt wird wegen einer Thuja, die zu nah an der Grundstücksgrenze steht. Sie hat eine gewisse Größe erreicht und stört den Satelitenempfang, mutmaßlich wurde das schon bei der Pflanzung beabsichtigt. Dieser Nachbar hat aber in der Werkstatt einen kleinen Ofen stehen und das dazugehörige Ofenrohr entspricht nicht den Richtlinien, daran hätte er besser mal denken sollen, vorher. Sehr unterhaltsam, wenn man weit genug weg wohnt./ Die Hundewelpen aus der Nachbarschaft werden für 2900Euro angeboten. Wahnsinn./ Die Oma aus dem Städtchen macht nächste Woche Urlaub, endlich.

Beobachtungen

Das Maikind kommt nicht in den online Unterricht rein. Nicht in die erste Stunde, nicht in die zweite, wir kontrollieren das Wlan und das Endgerät, der Fehler liegt nicht bei uns. Ein Klassenkamerad wird über whattsapp informiert und sagt bescheid. Am nächsten Tag genau die gleiche Geschichte. Soll ich mal in der Schule anrufen? „Wieso“, fragt das Maikind, „es wissen doch alle, dass es nicht funktioniert.“ Von den 13 Stunden Distanzunterricht sind diese Woche vier Stunden ausgefallen, in drei Stunden konnte er sich nicht einwählen. Da hat doch fast die Hälfte stattgefunden, sagt er. Das Problem liegt in meiner Erwartungshaltung.

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Das Julikind soll Kristalle züchten. Zu diesem Zweck wurde eine Zuckerlösung angerührt. Ich bin nicht gut in Naturwissenschaften, habe aber schon oft Zuckerlösungen gekocht. Mit diesem Rezept können da keine Kristalle wachsen. Vielleicht wurden verschiedene Rezepte verteilt und es ist Teil des Plans, das da bei manchen nichts passiert? Das Julikind beobachtet seit zwei Wochen den im Glas hängenden Wollfaden und dokumentiert den Stillstand. Heute ist endlich was passiert. „Vielleicht ist es eine Falle? Ich schreibe gleich: Zwei tote Fliegen schwimmen oben drauf.“, sagt sie.

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„Geht?“, erkundigt sich der Liebste nach fünf Minuten Actionszene am Stück. Die Schnittmenge der Filme, die wir zusammen gucken ist klein. „Jo geht. Es ist eine Mischung aus Indiana Jones und Disneys Vaiana, ich frage mich gerade wer sich sowas wohl ausdenkt.“ Der Liebste sagt, mit Vaiana habe das rein garnichts zu tun, hat er sich eigentlich gedacht, das man das mit mir nicht gucken kann. Spoileralarm: Am Ende des Films kauft Lara Croft ihre Pistolen.

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Ein Kaffeetrinken mit Großeltern und pluseins gilt als Party. Danach gemütliches Beisammensein mit vier Freunden im Gartenhaus. Das Märzkind läuft den Rest des Wochenendes fröhlich summend und singend durchs Haus. Räumt ganz von selber den Partykram auf und gleich noch das Zimmer. Dieses lebensfrohe, ausgeglichenen Kind, ich hatte es schon vergessen.

Das Mutterherz bekommt einen Eindruck davon, wie schlimm dieser lockdown wirklich ist, und möchte eigentlich heulen. Aber natürlich freue ich mich mit, dass das noch gepasst hat, mit dieser kleinen Party.

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In Kassel war eine Anti-Corona-Demo mit 6000 Leuten genehmigt, irgendwo am Stadtrand. Statt dessen ziehen 20000 Leute mitten durch die Stadt, viele davon ohne Masken, ohne Abstände. Es stört mich. Die Polizei ist da leider toleranter.

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Der Lockdown wird verlängert bis 18. April. Keine Reisen in den Osterferien, Gastronomie und alle anderen Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen, Kontaktbeschränkungen gelten, Gottesdienste bitte nur online. Nach Mallorca fliegen, das geht.

Herbst

Die erste Hunderunde der Saison in dichtem Nebel. Man sieht etwa 100 Meter Weg vor sich, Nebelschwaden ziehen darüber hinweg, den Waldrand am Ende der Wiese kann man erahnen. Der Hund legt mir bestens gelaunt die Frisbee vor die Füße. Ich bücke mich, um sie aufzuheben, genau in dem Moment höre ich ein Rascheln in der Hecke neben mir. Hufe treffen auf dem Feldweg auf.

„Der kopflose Reiter“, meldet das Hirn, „was sonst?“ Mein Herz setzt einen Schlag aus. Während die eine Hirnhälfte versucht, sich zu erinnern, was der kopflose Reiter eigentlich tut – hatte der ein Schwert? – ich weiß es nicht mehr, meldet die andere Hälfte, dass das unmöglich Perdehufe gewesen sein können. Das Geräusch war viel zu klein. Ich drehe den Kopf und sehe einen ziemlich großen Rehbock über die Wiese laufen. Der hat sich auch erschreckt. Vorwurfsvoll schaue ich Richtung Hund. Das er sich nicht für Wild interessiert ist eigentlich sehr angenehm. Aber im Vorbeigehen mal kurz in die Richtung schnuppern könnte er doch schon, finde ich. Der Hund guckt zurück: Wirfst du jetzt die Frisbee, oder was?

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Zimmer tauschen ist ein bisschen wie umziehen.

„Haben wir keinen Drucker mehr?“

„In der Speisekammer, auf dem Froster“.

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Der Liebste holt noch vor der Schicht das neue Bett des Märzkindes ab und stellt die Einzelteile in der Garage ab. Die Kinder und ich bekommen es ohne Anleitung und ohne Streit aufgebaut, wir wundern uns.

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Alle Kinder bekommen neue Herbstklamotten. Keine bauchfreien Pullis, dieses Jahr. Alle zwanzig Minuten sollen die Klassenzimmer für drei Minuten gelüftet werden. Da wird es nie warm sein, diesen Winter.

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Ein Beherbergungsverbot wird ausgesprochen, wegen der steigenden Coronazahlen.

Nun läuft eine Buchung zu „touristischen Zwecken“ normalerweise so ab: Ich bekomme ein Anschreiben von zwei oder drei kurzen Zeilen von demjenigen, der gern kommen würde. Dazu zeigt mir das System an, wie viele Personen und aus welcher Gegend, beispielsweise Nordrhein- Westfalen oder Amsterdam. Dann muss ich die Anfrage annehmen oder ablehnen. Erst nach Bestätigung bekomme ich eine Telefonnummer der Gäste angezeigt. Ich habe also in diesem System gar keine Chance, vorab festzustellen, ob meine Gäste aus einem Risikogebiet kommen. Bei Anreise müsste ich mir dann wohl den Personalausweis zeigen lassen, checken, ob ich die Leute reinlassen darf und im ungünstigsten Fall direkt wieder nach Hause schicken, oder wie hatte man sich das gedacht?

Monteure dürfen beherbergt werden. Egal woher sie kommen.

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Eine kleine Unachtsamkeit hatte zur Folge, dass wir mal diese Kruschel-Schublade in der Küche, in der alles drin ist, was man so täglich braucht, komplett ausgeräumt haben (um alles abzutrocknen). Wenn man das ganze Zeug dann so rumliegen sieht fällt auf, so ganz dringend braucht man das allermeiste davon eigentlich gar nicht. Die Schublade ist jetzt nur noch halb so voll.

Meine Führerscheinprüfung hat übrings 252 DM gekostet, die Quittung hab ich noch.

Irgendwas erwischt dich

„Sonst ist nix mehr da?“, der Liebste deutet auf ein paar Panadekrümel in der Pfanne. „Kartoffelbrei ist noch da und etwa 15 Erbsen“, ich wundere mich selber. „Wieviel hattest du denn gemacht?“ Das waren 30 Fischstäbchen, Kartoffelbrei von anderthalb Kilo Kartoffeln/800ml Milch/halbes Stück Butter und 600g Erbsen dazu. Tja, gut, da hätte er aber auch gedacht, das reicht, sagt der Liebste und holt sich ein Glas Blutwurst zum Kartoffelbrei.

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Wo wir immer die Milch holen, denen ihr Oppa, begegnet mir im Vorbeigehen auf dem Hof. Er erkundigt sich, wie es unsrer Oma im Städtchen geht. Gut, soweit, man sieht sie allerdings fast nie, weil sie ziemlich Angst hat, sich den Virus zu fangen.

Jo, das kann er verstehen, es ist ja auch ziemlicher Mist das alles. Andererseits, also, man muss es natürlich nicht rausfordern und ein bisschen Vorsicht ist nicht verkehrt, aber, er werde nächste Woche 81. Da muss man doch auch mal ehrlich sagen, er hat sein Leben gelebt. Wer ist denn früher 81 geworden? Niemand. Und seine Generation hatte es gut, sagt er. Als Krieg war, waren sie noch klein, und danach ging es immer nur bergauf. Es war nicht immer leicht, das nun nicht. Aber er sei dankbar und irgendwann erwische einen eben irgendwas. Wir unterhalten uns über verschiedene Todesfälle im Dorf, was einen so alles erwischen kann. Einschlafen und Zitat „wenn du wach wirst, bist du tot“, wäre ihm persönlich am Liebsten.

So ein Gespräch hätte es am Kühlregal nie gegeben.

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Ich gebe die alljährliche workbook Bestellung auf. Eigentlich sind die vom letzten Jahr noch gut. Fast neuwertig.

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Wenn man die Masken wirklich bei 60°C wäscht und das öfter, sind sie relativ schnell fertig. Außerdem werden mehr gebraucht. Mittlerweile hat jeder ein Modell, das passt. Das Julikind hilft mir beim Bügeln und näht die geraden Strecken. Geteiltes Leid ist halbes Leid, so richtig gern näht niemand hier Masken. Die extra dafür angeschafften stylischen Stoffpaneele ändern daran nichts. Eigentlich werden die Modelle aus alten Blusen sogar schöner.

Die Schule, auf die Cousinen und Cousin gehen schließt, erstmal nur Montag, dann für die ganze Woche. Erst halte ich das für übertrieben, nur weil da ein Lehrer Kontakt zu irgendwem hatte… nee, war doch besser so.

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Die Katze aus der Nachbarschaft braucht einen Termin beim Tierarzt, das sagen alle, seit Wochen. Zum einschläfern. Das zu sagen traut sich keiner. Die Katze ist ein Kamerad, eine Erinnerung an die Zeit, als es noch besser lief. Wenn die Katze weg ist, ist er der nächste…

Die gute Seele, die sich zweimal in der Woche durch den Katzenhaushalt kämpft spricht mich an, ob wir vielleicht einen größeren Karton hätten? Etwa so groß, das da eine Katze reinpassen würde? Die Katze , frage ich nach. Ja, die Katze. Die gute Seele ist im Namen des Pflegedienstes da und hat Schweigepflicht. Wir kennen uns schon lange, und sie weiß, das ich sowieso weiß. Ich suche einen Karton und stelle ihn vor die Tür.

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Vormittag im Städtchen: Rezept holen, Apotheke, Schuh zur Reparatur abgeben, Brille richten lassen, Schuh abholen, Getränke holen, kleiner Lebensmitteleinkauf

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Auf dem Heimweg läuft die Katze über die Straße, im Ort steht die Polizei. Beides merkwürdig, aber schnell vergessen.

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Am frühen Abend bekomme ich einen Anruf, die gute Seele erzählt mir, aber das hat sie natürlich nie gesagt, das der Katzenhaushalt ihr gerade den Putzeinsatz für Montag abgesagt habe. Die Begründung klang dermaßen spektakulär, dass man es eigentlich nicht glauben kann, manchmal vereiert der einen ja auch, ob ich bitte mal einen Blick auf den Katzenhaushalt werfen würde, zur Sicherheit. Ich stelle fest, dass niemand da ist. Sehe am späten Abend aber Licht, alles scheint normal.

Am nächsten Tag erfahre ich, dass, während ich im Städtchen war, quasi direkt hinterm Haus Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei im Einsatz waren. Die spektakuläre Geschichte stimmt. Anscheind hatte die Katze noch ein Leben übrig.

Ein Job

Unter diesen Bedingungen ist die Aula mit 16 Kindern plus Eltern voll. Herzliches Willkommen im Namen der Schüler, der Schulleitung, des Klassenlehrers und Gottes Segen. Elterninfos wegen Essen, Hausaufgabenbetreuung, Klassenaufteilung, kein Tanz, keine Musik, alles auf Abstand. Halbe Stunde, fertig. Das Kind kommt dann einfach mit dem Bus nach Hause. Normalerweise hätte sich die Veranstaltung den ganzen Vormittag gezogen. Man darf es natürlich nicht zugeben, wenn Einkindeltern dabei sind, aber so ist es durchaus angenehm.

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Bücher werden eingeschlagen, Schnellhefter besorgt und Vokabelhefte in irgendwelchen Formaten, ein ausreichend langer gelber Buntstift gesucht, Muttizettel unterschrieben, Bestellungen zur Kenntnis genommen, Bargeld in Umschläge gesteckt, die Sporthose gesucht, Brotdosen gefüllt, die Pflaumen geerntet, das Motorrad des Liebsten braucht Ersatzteile, wenn er jetzt selber nicht da ist, dann soll ich mal sagen…, Elterntaxifahrten im Normalbetrieb, der Hund muss raus und um halb zwei möge ein Mittagessen auf dem Tisch stehen, was leckeres, es kommt ein Gast direkt nach der Schule…

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„Sag mal Mama, willst du dir eigentlich auch mal wieder einen Job suchen?“, fragt das Julikind mich abends beim Zähne putzen.

Oh mein Kind, ich hab einen.

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Ein Sommerabend zum wegtuppern. Sowas braucht man, wenn der November endlos grau ist.

Irgendwo hat es anscheind geregnet und irgendwer hat einen Damm gebaut, im Flüsschen. Das Maikind und das Julikind legen sich mittenrein. Es ist fast wie schwimmen gehen.

Es wird doch merklich früher dunkel, und auch recht schnell. Auf dem Rückweg kann man eigentlich nicht mehr sehen, wohin man tritt.

Fledermäuse machen überhaupt kein Fluggeräusch, man erschreckt sich die ersten drei Male, wenn sie einem so um den Kopf rum fliegen.

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Samstag Abend trinken der Liebste und ich ein Feierabend Bier im Garten. 12 Nachtschichten am Stück waren das für ihn, für mich der Rest.

Im Nachbarort gibt es einen Open Air Kinoabend. Anscheind stehen die Lautsprecher in unsere Richtung, wir verstehen jedes Wort. Liegt vielleicht auch daran, dass der Wald dazwischen nicht mehr ist, überlegen wir. Aus der anderen Richtung kommen Partyhits der frühen Neunziger, Geräusche der Geselligkeit aus der Ortsmitte. Ah, die Ferien sind rum. Man darf die Partyplätze wieder mieten.

Die Wechselschicht Wochen sind immer anstrengend, aber diesmal noch mehr als sonst. Wir haben keine Reserven mehr. Nur so sitzen ist schön.

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Dieser Klappstuhl-Gottesdienst wurde geplant, als Gesang noch verboten war, entschuldigt sich der Pfarrer. Seit dieser Woche seien zwei Choräle zu je zwei Strophen erlaubt, aus dem selbst mitgebrachten Gesangbuch allerdings nur, versteht sich. Ein Raunen geht durch die Gemeinde. Fragen bleiben offen. Wie lang darf denn eine Strophe wohl sein? Was passiert, wenn jemand versehentlich die dritte Strophe ansingt? Muss man das melden? Wem? Wird es gesundheitliche Auswirkungen haben? Was bedeutet das für den Standort Deutschland? Man muss es mit Humor nehmen. „So klappt zusammen und gehet hin in Frieden, möchte man sagen, aber das wäre natürlich nicht angemessen. Wir machen das schon anständig“, sagt der Pfarrer. Wir gehen mit Maske bis vor den Zaun und unterhalten uns dort ohne, über den Transport von Campingstühlen in Kleinwagen.

August, Halbzeit

Ich habe ein Buch gelesen. Bis zum Ende. Normalerweise lese ich viele Bücher bis zum Ende, aber dieses war besonders, denn es war das erste, seit Februar, bei dem ich weiter als 12 Seiten gekommen bin. Ein Fantasyroman aus der Abteilung für 12 bis 15jährige, nun ja, es scheint eine Triologie zu sein. Wir werden sehen.

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In Thüringen fangen die Herbstferien genau dann an, wenn sie hier enden, fällt uns auf. Das ist ja blöd. Dann eben in den Weihnachtsferien…

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Das Maikind ist jetzt Konfirmand. Bis nächsten Mai soll er an mindestens 30 Gottesdiensten teilnehmen und die Gemeinde kennenlernen. Es werden außerdem Punkte vergeben für die Mithilfe bei der Kinderbibelwoche, beim Gemeindekaffee oder beim Küster. Es findet halt nur nichts statt. Oder?

Ein Klappstuhlgottesdienst wird angekündigt für Sonntag im Nachbarort. Samstag nachmittag schaue ich auf der Homepage der Gemeinde. Ja, da steht, Sonntag im Nachbarort. Für mich wäre noch interessant gewesen, wann und wo genau.

Ich stelle fest, auch nach sechs Wochen Ferien habe ich noch nicht wieder die Nerven, Infos hinterherzulaufen. Ich will das auch gar nicht mehr. Entweder es macht sich jemand die Mühe mir irgendeine Art von Mitteilung zukommen zu lassen, oder ich weiß es eben nicht.

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Siehe da, es geht.

Sonntag morgen um 10 sitzen das Maikind und ich auf der Kirchenwiese in der Sonne. Auf den dicken Sitzkissen, weil, wir haben gar keine Klappstühle. Da waren wir aber nicht die einzigen. Um uns rum sitzen Leute auf Bürostühlen, Hockern und Campingmöbeln aller Art. Dass direkt neben uns eine Frau im Rollstuhl sitzt bemerke ich erst auf den zweiten Blick. Sie winkt fröhlich.

Da hat er aber das beste Jahr erwischt, sagt das Maikind. Gottesdienste draußen und Gesang ist verboten, was für ein Glück. Also, bis auf weiteres, im Herbst wird es vielleicht blöder.

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Wir haben jetzt das beste Internet. Ein deutlicher vorher/nachher Effekt. Es hat sich gelohnt. Dank an die Fachkraft, die das installiert hat, auch im Namen meiner Kinder!

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Ich habe alle Schubladen mit Schulsachen einmal komplett ausgeräumt. Hatte mir schon gedacht, dass die nicht alle weg sind.

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Morgen wäre dann Sportunterricht, teilt das Maikind mit. Das heißt dann wohl heute Schuhe kaufen. Aber nur, wenn die, die er hat, wirklich nicht mehr passen, grummelgrummel, Abgang Maikind. Drei Minuten später haben wir Gewissheit, die Schuhe von März sind zu klein. Der Papa will sowieso gerade ins Städtchen, das trifft sich gut.

Die neuen Schuhe sind fünf (!) Nummern größer als die alten. Fünfeinhalb Nummern sogar, wenn man es genau nehmen will.

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Mögest du von fröhlichen, motivierten, pädagogischen Fachkräften unterrichtet werden, aus Büchern, die nach der Rechtschreibreform gedruckt wurden.

Mögen die Busse, in denen du transportiert wirst den TÜV bestanden haben und regelmäßig fahren. Mögen die Busfahrer*innen ortskundig oder der deutschen Sprache mächtig sein, oder beides.

Mögen deine Mitschüler unbewaffnet und mit freundlichen Absichten zum Unterricht kommen.

Mögen die sanitären Anlagen allzeit nutzbar sein und die Seife bis zum Ende des Tages reichen.

Zu lang. Ich schreibe einfach „Alles Gute zum Schulanfang“ in die Karte für das letzte i-männchen der Familie.

Hatte ich erwähnt, wie schön es ist, dass ich die Grundschule fertig habe?

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„Bisschen dreckig, aber geht noch“ geht diese Woche dann nicht mehr. Hallo Wäscheberg.

Ende Juni

Die Harvester und Kettensägengeräusche wurden abgelöst von Abriss und Baustellenverkehrsgeräuschen, von kurz nach sieben bis kurz nach vier. Mittags gibt es einen Moment, indem man sich fragt, was gerade anders ist. Dann geht es wieder los.

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Beim Märzkind gab es Noten für die mündliche Beteiligung beim online Unterricht. Es ist ein Witz. Leider ist es aber auch ein Bewerbungszeugnis und deshalb frustrierend.

Ein Jobday zur Berufsinformation wurde ins digitale verlegt. Der Arbeitslehre-Lehrer gibt einen link raus. Der link funktioniert nicht, auf verschiedene Arten, auch nicht mit Hilfe der Freundinnen. Es gab keine weiteren Hinweise. Das Angebot, für dass sich das Märzkind interessiert hätte läuft seit zwanzig Minuten, dann ist es auch egal.

Diese Art von Unterricht ist schlecht.

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Wer von den Eltern Zeit und Lust hat, kann zur Geschenkübergabe an die Grundschullehrerin dazu kommen. Um zehn auf dem Schulhof. Ohne Programm und mit Distanz ist es eine kurze aber schöne Veranstaltung. So ganz ohne alles wäre der Abschied doch seltsam gewesen. Spontan wird entschieden, die Abschlusszeugnisse auf dem Schulhof zu übergeben, natürlich ist es nicht erlaubt, Einladungen auszusprechen, aber sollten Eltern da sein, würde man sie nicht wegschicken.

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In den neunzigern habe ich mich auch schon nicht für Fussball interessiert. Damals verbrachte ich aber viel Zeit mit dem größten Liverpool-Fan des Festlandes. Fast mein gesamtes Fussball-wissen stammt aus dieser Zeit. Das Liverpool seitdem nichts großartig gewonnen hat, hatte ich nicht mitbekommen. Diese Woche sind sie Meister geworden und konnten es kaum glauben! Man kann sich mitfreuen ohne mitgefiebert zu haben.

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Wenn wieder gefeiert wird, müssen auch wieder Besorgungen gemacht werden. Der Bedarf an Süßigkeiten, Snacks und Kaffee ist fast wieder auf Vor- Corona- Niveau.

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Maikind sagt, Freibad mit Ampel-Betrieb sei nicht so blöd wie gedacht. Currywurst holen mit Maske ist ja eh normal.

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Im Auto sind es gefühlte 80 Grad, ich gehe also mit in den Baumarkt. Während der Liebste seine Liste konzentriert abarbeitet sichte ich das Angebot in der Jagdabteilung. Nur so, da war ich noch nie, nach wenigen Minuten weiß ich warum.

Der Liebste hat einen Mitarbeiter gerufen, weil man Seil nicht selber abschneiden soll. Sie fachsimpeln noch. Der Mitarbeiter sieht mich kommen, bemerkt, dass ich dazu gehöre und guckt einmal so von oben bis unten an mir runter. Es könnte Einbildung oder Zufall gewesen sein.

Giggelgiggel. „Jo, fünf Meter dürften reichen, denk ich“, er guckt zu mir und sagt im Verschwörerton zum Liebsten „oh, hat sie aber nicht gehört“. Giggelgiggel.

Doch, hat sie gehört. Aber sie hat eine handwerkliche Ausbildung und pariert Herrenwitze auf diesem Niveau mühelos.

Ich schaue dem Mitarbeiter direkt in die Augen und ziehe zweimal ganz kurz die Augenbrauen hoch. Es könnte Einbildung gewesen sein oder Zufall. Er ist sich auf einmal nicht mehr sicher, „waren das jetzt drei Meter oder schon vier?“, und muss nochmal von vorne anfangen. Ob wir denn sonst noch was brauchen? Nee.

„Macht irgendwie einen untervögelten Eindruck, der arme Kerl, oder?“, stellt der Liebste auf dem Weg zum Auto fest. Ist mir auch aufgefallen.

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Wir sind zum Hoffest eingeladen, es ist im Ort, wir gehen ohne Kinder.

Einfach nur sitzen und mit anderen Erwachsenen ein Gespräch führen, das sich nicht um homeschooling dreht, herrlich!

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Ich weiß jetzt, wer welche Häuser gekauft hat und für wen, wer alles im Krankenhaus liegt und weswegen, warum ein kompletter Jahrgang Mädels zerstritten ist, wann geheiratet wird und wer Zwillinge bekommt.

Hätte man mich im März gefragt, ob mich irgendwas davon interessiert, hätte ich wahrscheinlich nö gesagt.

Vor-Ferien

Wir haben es aufgeschoben, solange es ging, aber jetzt geht’s nicht mehr. Jemand muss das Gelärsch für die Steuererklärung zusammensuchen und jemand muss mit den Kindern Klamotten kaufen. Pest oder Cholera? Der Liebste und ich werden uns schnell einig.

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Wie jedes Jahr nehme ich mir vor, ab jetzt schneller und besser abzuheften.

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Sie haben tolle Sachen gefunden, in Größen, die ich alle so nicht bestellt hätte. Die vier sind völlig erledigt und hoffen sehr, das die Klamotten eine Weile passen. Einkaufen mit Maske ist anstrengend.

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Vier große Tüten mit Sommersachen der Kategorie „schade, das das zu klein ist“ wurden im second hand Laden gerne angenommen.

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Das Auto konnte aus der Werkstatt geholt werden. Es war mehr dran als gedacht, aber anders und daher günstiger als befürchtet. Ein ganz neues Fahrgefühl.

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Mangels Sport im Fernsehen gucken wir wieder Fussball. Die letzten drei Jahre lief hier hauptsächlich Football. Fussball ist langsamer. Viel langsamer. Jammert der jetzt, weil er hingefallen ist?

Ein Bundesliga-Geisterspiel ist akustisch nicht von der Kreisliga zu unterscheiden, stelle ich fest. Vielleicht mache ich doch lieber irgendwas anderes. Gerade, als ich beschließe zu gehen, breitet das Julikind eine Wolldecke über uns aus und kuschelt sich an.

„So ohne Publikum kann man fast einschlafen dabei, ne?“

Stimmt.

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Der Schnellkochtopf schließt nicht mehr so ganz. Alle Dichtungen wurden getauscht, ohne Verbesserungen zu erzielen. Durch Zufall fiel auf, dass der Griff zwei winzige Risse hat, fast unsichtbar, aber so kann der Topf gar nicht schließen. Große Freude! Erstens, weil es das Ersatzteil noch gibt und zweitens, weil der Defekt bemerkt wurde, bevor eine Küchenkomplettrenovierung nötig wurde.

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Fünf Leute stehen murmelnd davor. Die Tatzeit lässt sich sehr genau bestimmen. Der Hauptverdächtige hat wasserdichtes Alibi. Mysteriös.

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Die Grundschule soll ab dem 22. Juni wieder immer für alle öffnen. Abstandsregeln wären damit abgeschafft, das Konzept von „jeder wäscht sich die Hände vorm Unterricht“ bei 6 Grundschulklassen und vier Waschbecken auch eher schwierig umzusetzen. Es gäbe wohl die Möglichkeit, alles so zu lassen, wie es gerade ist. Dafür müssten sich die Eltern dann aber einstimmig entscheiden.

Natürlich gab es keine einstimmige Entscheidung. Innerhalb dieser Klasse ist von Verschwörungstheorie bis zum krebskranken Geschwisterkind alles vertreten. Der Tonfall im chat ist unangenehm. Drei Wochen noch…

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Kontaktsportarten dürfen dann anscheind auch wieder trainieren. Juhu!

In 10er Gruppen, mööööp, also nicht.

Aber das Freibad macht auf, das ist gut.

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Die Kunstnote wird anhand einer Präsentation ermittelt. Picasso hat ungefähr 12 Vornamen und auch ansonsten recht viel gemacht in seinem Leben. Es ist eine umfangreiche und nervenaufreibende Aufgabe. Das Märzkind ist ein neuer Mensch, als es endlich geschafft ist. Alle anderen können sich von Herzen mitfreuen!

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Das Julikind genießt das erste wirklich komplett Hausaufgaben und lernfreie Wochenende seit, man weiß schon nicht mehr wann eigentlich.

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Der Klassenlehrer des Maikindes überlegt, in den Ferien eine Woche online Unterricht anzubieten. Wir wissen das Engagement zu schätzen, ehrlich.

Aber nein.

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Eine Einladung zum Burger essen, wir freuen uns, das letzte mal haben wir im November so zusammengesessen. Die Großen halten Abstand und lassen die Kinder einfach ganz normal spielen. Auf dem Trampolin, im Pool, bis es fast dunkel ist. Einmal alle so richtig ehrlich müde gemacht, nicht nur geistig erschöpft.

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Nach zwei schwülen, heißen Sommertagen regnet es. Kein Unwetter, kein Hagel, einfach nur richtig Regen, wie bestellt.