Hallo Juni

Ich habe im Garten gesessen, einen ganzen Nachmittag lang. Ich habe ein Buch fertig gelesen. So fühlt sich also Freizeit an. Ich nehme mir vor, dass mal wieder zu machen, es tut gut.

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Drei Tage hintereinander Gewitterluft. Eine Unwetterwarnung ploppt auf, 40l pro Regen Quadratmeter scheinen möglich. Oh ha, da lege ich aber mal eben die Sandsäcke vors Kellerfenster. Ich hatte mit Spott gerechnet, wenn man mich dabei sieht. Statt dessen geht zweimal ein Fenster auf und mir wird Hilfe angeboten. Niemand hat Lust, den Keller zu wischen.

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Ein nettes Telefonat mit der Gastgeberin der Pension in der Nachbarschaft. Monteure sind sehr angenehme Gäste. Wenn da irgendwann wieder Touristen kommen sollten, vielleicht muss man die Preise anpassen. Die Kalkulationen gehen nicht mehr auf. Touristen benehmen sich nicht mehr wie Gäste. Natürlich nicht alle, aber doch viele.

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Mehrere Pakete mit Computerbauteilen sind angekommen, das Maikind ist im Zimmer verschwunden. Ein Teil ist defekt. Er probiert hin und her und dann ist er sich sicher, das muss zurückgeschickt werden. So ein Pech, er ist genervt. Ich muss einen digitalen Rücksendeschein ausfüllen. Er diktiert mir in aller Selbstverständlichkeit, was ich in das Feld für die Fehlerbeschreibung reinschreiben soll. Ich habe ehrlich keine Ahnung, was das bedeutet. Ob er sich sicher sei damit, erkundige ich mich. Er erklärt mir, warum das nur so sein kann, ich nicke und sage „okeee“. Es fühlt sich immernoch so an, als würde ich einen Eimer Druckluft reklamieren wollen.

Innerhalb weniger Tage kommt Ersatz und alles läuft. Große Freude.

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Plötzlich und unerwartet gehen die Inzidenzzahlen auch bei uns nach unten. Ab nächster Woche wird das Julikind wieder Präsenzunterrricht haben, jeden Tag, mit der ganzen Klasse. Das Märzkind in der Woche darauf auch. Ironischerweise ist das dann die Woche nach den schriftlichen Prüfungen. Noch eine Woche später wird das Maikind…das glauben wir dann, wenn es soweit ist.

Das Märzkind wird ein Kleid brauchen, für den Abschluss.

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Kaffee trinken mit der Omma. Der neue Hund ist durchs Beet mit den Stiefmütterchen gelaufen, Drama. Die Orchidee blüht, da muss ich gucken. Ich interessiere mich nicht für Zimmerpflanzen, aber ich schaffe es nervlich wieder eine viertel Stunde „ah“ und „oh“ zu sagen. Solange dauert die Tour entlang der Fensterbänke.

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Das Julikind snackt im 2 Stunden Takt. Die Hose, die vor zwei Wochen noch gepasst hat, ist eindeutig zu kurz. Mehrmals am Tag haut sie sich irgendwo an. Das ganze Haus passt ihr nicht mehr. Als fürsorgliche Familie nehmen wir natürlich humorvoll Anteil. Jeder hat im Haus eine „verdammtescheißEcke“, an der alle anderen immer einfach so vorbeigehen, ohne sich je anzuhauen.

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Viertel nach acht. Man müsste was hören. Es tut sich aber nichts. Ich klopfe, keine Reaktion. Ich gehe rein, alles dunkel. Ein Wuschelkopf erhebt sich vom Kissen und schaut mich fragend an. „Ähm, Schule? Jetzt.“, sage ich. Oh. Das sei aber kein Problem, denn es sind noch zehn Minuten Zeit. Nee, sind`s nicht, es ist schon zweite Stunde, und das heißt, der Bus fährt in fünf Minuten. Zwei Minuten später kommt das Kind ins Esszimmer gestolpert, greift sich im Vorbeilaufen die Brotdose und erwischt tatsächlich den Bus. Respekt. Beim Mittagessen fällt mir allerdings was auf. „Samma, du warst nicht in deiner Schlafi-Hose in der Schule, oder?“ Das Kind grinst. „Wieso, haben alle gesagt, sieht voll stylisch aus, und warum ich die nicht öfter anziehe.“ Ich schüttele mit dem Kopf und murmele. Nächste Woche sind Prüfungen, bis dahin schaffe ich es noch.

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Pluseins hilft beim Mathe-Lernen. Die Lage scheint ernster zu sein, als man uns gesagt hat, denn sie lernen wirklich. Da ist sie wieder, diese Aufgabe, mit dem Kapitän, der vom Schiff guckt, und man soll berechnen wie weit. Mit`m Sinussatz macht man das, alles ganz logisch, einfach lösbar.Tja, wenn sie meinen. Ich freue mich. Vor allem darüber, dass ich das nicht können muss.

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Ich hätte da mal eine alltägliche Sache beim Gesundheitsamt zu erfragen. Leider rufe ich außerhalb der Geschäftszeiten an. An einem Montag nachmittag, um kurz vor vier, während einer Pandemie. Naja, so dringend ist es nicht, aber ich denke eben gerade jetzt dran, und wer weiß, ob ich das nochmal tue, bevor es wirklich dringend wird. Bestimmt gibt es noch irgendeine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Ich klicke unmotiviert auf der homepage rum und finde nichts. Ab heute ist die Impfpriosierung aufgehoben, wenn ich schon mal da bin, könnte ich mich im Impfzentrum registrieren. Nö. Die Nachrückerseite pausiert. Man habe da noch 8000 Leute aus der Priogruppe 3 zu versorgen, die noch keinen Termin haben, alle anderen werden um Geduld und Besonnenheit gebeten. Tja, da kann ich dann wohl nur hoffen, dass das lange genug gut geht.

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„zu verschenken“ Wir stellen an einem sonnigen Tag ein paar Teile vom Dachboden an die Straße. Der Abschied fällt ein bisschen schwer. Nur weil man es die letzten Jahre nicht benutzt hat, heißt das ja nicht, dass man es zukünftig nicht mehr brauchen wird, das Julikind seufzt. Wir einigen uns darauf, alles was heute Abend noch steht wieder rein zu holen. Es dauert nicht mal eine Stunde, bis alles weg ist. Das Julikind freut sich. Was könnten wir denn noch hinstellen?

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Normalerweise würden wir spätestens jetzt Honig schleudern, aber da braucht man noch gar nicht dran denken. Es ist ein verrücktes Jahr.

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