Irgendwas erwischt dich

„Sonst ist nix mehr da?“, der Liebste deutet auf ein paar Panadekrümel in der Pfanne. „Kartoffelbrei ist noch da und etwa 15 Erbsen“, ich wundere mich selber. „Wieviel hattest du denn gemacht?“ Das waren 30 Fischstäbchen, Kartoffelbrei von anderthalb Kilo Kartoffeln/800ml Milch/halbes Stück Butter und 600g Erbsen dazu. Tja, gut, da hätte er aber auch gedacht, das reicht, sagt der Liebste und holt sich ein Glas Blutwurst zum Kartoffelbrei.

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Wo wir immer die Milch holen, denen ihr Oppa, begegnet mir im Vorbeigehen auf dem Hof. Er erkundigt sich, wie es unsrer Oma im Städtchen geht. Gut, soweit, man sieht sie allerdings fast nie, weil sie ziemlich Angst hat, sich den Virus zu fangen.

Jo, das kann er verstehen, es ist ja auch ziemlicher Mist das alles. Andererseits, also, man muss es natürlich nicht rausfordern und ein bisschen Vorsicht ist nicht verkehrt, aber, er werde nächste Woche 81. Da muss man doch auch mal ehrlich sagen, er hat sein Leben gelebt. Wer ist denn früher 81 geworden? Niemand. Und seine Generation hatte es gut, sagt er. Als Krieg war, waren sie noch klein, und danach ging es immer nur bergauf. Es war nicht immer leicht, das nun nicht. Aber er sei dankbar und irgendwann erwische einen eben irgendwas. Wir unterhalten uns über verschiedene Todesfälle im Dorf, was einen so alles erwischen kann. Einschlafen und Zitat „wenn du wach wirst, bist du tot“, wäre ihm persönlich am Liebsten.

So ein Gespräch hätte es am Kühlregal nie gegeben.

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Ich gebe die alljährliche workbook Bestellung auf. Eigentlich sind die vom letzten Jahr noch gut. Fast neuwertig.

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Wenn man die Masken wirklich bei 60°C wäscht und das öfter, sind sie relativ schnell fertig. Außerdem werden mehr gebraucht. Mittlerweile hat jeder ein Modell, das passt. Das Julikind hilft mir beim Bügeln und näht die geraden Strecken. Geteiltes Leid ist halbes Leid, so richtig gern näht niemand hier Masken. Die extra dafür angeschafften stylischen Stoffpaneele ändern daran nichts. Eigentlich werden die Modelle aus alten Blusen sogar schöner.

Die Schule, auf die Cousinen und Cousin gehen schließt, erstmal nur Montag, dann für die ganze Woche. Erst halte ich das für übertrieben, nur weil da ein Lehrer Kontakt zu irgendwem hatte… nee, war doch besser so.

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Die Katze aus der Nachbarschaft braucht einen Termin beim Tierarzt, das sagen alle, seit Wochen. Zum einschläfern. Das zu sagen traut sich keiner. Die Katze ist ein Kamerad, eine Erinnerung an die Zeit, als es noch besser lief. Wenn die Katze weg ist, ist er der nächste…

Die gute Seele, die sich zweimal in der Woche durch den Katzenhaushalt kämpft spricht mich an, ob wir vielleicht einen größeren Karton hätten? Etwa so groß, das da eine Katze reinpassen würde? Die Katze , frage ich nach. Ja, die Katze. Die gute Seele ist im Namen des Pflegedienstes da und hat Schweigepflicht. Wir kennen uns schon lange, und sie weiß, das ich sowieso weiß. Ich suche einen Karton und stelle ihn vor die Tür.

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Vormittag im Städtchen: Rezept holen, Apotheke, Schuh zur Reparatur abgeben, Brille richten lassen, Schuh abholen, Getränke holen, kleiner Lebensmitteleinkauf

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Auf dem Heimweg läuft die Katze über die Straße, im Ort steht die Polizei. Beides merkwürdig, aber schnell vergessen.

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Am frühen Abend bekomme ich einen Anruf, die gute Seele erzählt mir, aber das hat sie natürlich nie gesagt, das der Katzenhaushalt ihr gerade den Putzeinsatz für Montag abgesagt habe. Die Begründung klang dermaßen spektakulär, dass man es eigentlich nicht glauben kann, manchmal vereiert der einen ja auch, ob ich bitte mal einen Blick auf den Katzenhaushalt werfen würde, zur Sicherheit. Ich stelle fest, dass niemand da ist. Sehe am späten Abend aber Licht, alles scheint normal.

Am nächsten Tag erfahre ich, dass, während ich im Städtchen war, quasi direkt hinterm Haus Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei im Einsatz waren. Die spektakuläre Geschichte stimmt. Anscheind hatte die Katze noch ein Leben übrig.

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