Beobachtungen

Das Maikind kommt nicht in den online Unterricht rein. Nicht in die erste Stunde, nicht in die zweite, wir kontrollieren das Wlan und das Endgerät, der Fehler liegt nicht bei uns. Ein Klassenkamerad wird über whattsapp informiert und sagt bescheid. Am nächsten Tag genau die gleiche Geschichte. Soll ich mal in der Schule anrufen? „Wieso“, fragt das Maikind, „es wissen doch alle, dass es nicht funktioniert.“ Von den 13 Stunden Distanzunterricht sind diese Woche vier Stunden ausgefallen, in drei Stunden konnte er sich nicht einwählen. Da hat doch fast die Hälfte stattgefunden, sagt er. Das Problem liegt in meiner Erwartungshaltung.

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Das Julikind soll Kristalle züchten. Zu diesem Zweck wurde eine Zuckerlösung angerührt. Ich bin nicht gut in Naturwissenschaften, habe aber schon oft Zuckerlösungen gekocht. Mit diesem Rezept können da keine Kristalle wachsen. Vielleicht wurden verschiedene Rezepte verteilt und es ist Teil des Plans, das da bei manchen nichts passiert? Das Julikind beobachtet seit zwei Wochen den im Glas hängenden Wollfaden und dokumentiert den Stillstand. Heute ist endlich was passiert. „Vielleicht ist es eine Falle? Ich schreibe gleich: Zwei tote Fliegen schwimmen oben drauf.“, sagt sie.

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„Geht?“, erkundigt sich der Liebste nach fünf Minuten Actionszene am Stück. Die Schnittmenge der Filme, die wir zusammen gucken ist klein. „Jo geht. Es ist eine Mischung aus Indiana Jones und Disneys Vaiana, ich frage mich gerade wer sich sowas wohl ausdenkt.“ Der Liebste sagt, mit Vaiana habe das rein garnichts zu tun, hat er sich eigentlich gedacht, das man das mit mir nicht gucken kann. Spoileralarm: Am Ende des Films kauft Lara Croft ihre Pistolen.

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Ein Kaffeetrinken mit Großeltern und pluseins gilt als Party. Danach gemütliches Beisammensein mit vier Freunden im Gartenhaus. Das Märzkind läuft den Rest des Wochenendes fröhlich summend und singend durchs Haus. Räumt ganz von selber den Partykram auf und gleich noch das Zimmer. Dieses lebensfrohe, ausgeglichenen Kind, ich hatte es schon vergessen.

Das Mutterherz bekommt einen Eindruck davon, wie schlimm dieser lockdown wirklich ist, und möchte eigentlich heulen. Aber natürlich freue ich mich mit, dass das noch gepasst hat, mit dieser kleinen Party.

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In Kassel war eine Anti-Corona-Demo mit 6000 Leuten genehmigt, irgendwo am Stadtrand. Statt dessen ziehen 20000 Leute mitten durch die Stadt, viele davon ohne Masken, ohne Abstände. Es stört mich. Die Polizei ist da leider toleranter.

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Der Lockdown wird verlängert bis 18. April. Keine Reisen in den Osterferien, Gastronomie und alle anderen Freizeiteinrichtungen bleiben geschlossen, Kontaktbeschränkungen gelten, Gottesdienste bitte nur online. Nach Mallorca fliegen, das geht.

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