Hallo Juni

Ich habe im Garten gesessen, einen ganzen Nachmittag lang. Ich habe ein Buch fertig gelesen. So fühlt sich also Freizeit an. Ich nehme mir vor, dass mal wieder zu machen, es tut gut.

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Drei Tage hintereinander Gewitterluft. Eine Unwetterwarnung ploppt auf, 40l pro Regen Quadratmeter scheinen möglich. Oh ha, da lege ich aber mal eben die Sandsäcke vors Kellerfenster. Ich hatte mit Spott gerechnet, wenn man mich dabei sieht. Statt dessen geht zweimal ein Fenster auf und mir wird Hilfe angeboten. Niemand hat Lust, den Keller zu wischen.

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Ein nettes Telefonat mit der Gastgeberin der Pension in der Nachbarschaft. Monteure sind sehr angenehme Gäste. Wenn da irgendwann wieder Touristen kommen sollten, vielleicht muss man die Preise anpassen. Die Kalkulationen gehen nicht mehr auf. Touristen benehmen sich nicht mehr wie Gäste. Natürlich nicht alle, aber doch viele.

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Mehrere Pakete mit Computerbauteilen sind angekommen, das Maikind ist im Zimmer verschwunden. Ein Teil ist defekt. Er probiert hin und her und dann ist er sich sicher, das muss zurückgeschickt werden. So ein Pech, er ist genervt. Ich muss einen digitalen Rücksendeschein ausfüllen. Er diktiert mir in aller Selbstverständlichkeit, was ich in das Feld für die Fehlerbeschreibung reinschreiben soll. Ich habe ehrlich keine Ahnung, was das bedeutet. Ob er sich sicher sei damit, erkundige ich mich. Er erklärt mir, warum das nur so sein kann, ich nicke und sage „okeee“. Es fühlt sich immernoch so an, als würde ich einen Eimer Druckluft reklamieren wollen.

Innerhalb weniger Tage kommt Ersatz und alles läuft. Große Freude.

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Plötzlich und unerwartet gehen die Inzidenzzahlen auch bei uns nach unten. Ab nächster Woche wird das Julikind wieder Präsenzunterrricht haben, jeden Tag, mit der ganzen Klasse. Das Märzkind in der Woche darauf auch. Ironischerweise ist das dann die Woche nach den schriftlichen Prüfungen. Noch eine Woche später wird das Maikind…das glauben wir dann, wenn es soweit ist.

Das Märzkind wird ein Kleid brauchen, für den Abschluss.

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Kaffee trinken mit der Omma. Der neue Hund ist durchs Beet mit den Stiefmütterchen gelaufen, Drama. Die Orchidee blüht, da muss ich gucken. Ich interessiere mich nicht für Zimmerpflanzen, aber ich schaffe es nervlich wieder eine viertel Stunde „ah“ und „oh“ zu sagen. Solange dauert die Tour entlang der Fensterbänke.

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Das Julikind snackt im 2 Stunden Takt. Die Hose, die vor zwei Wochen noch gepasst hat, ist eindeutig zu kurz. Mehrmals am Tag haut sie sich irgendwo an. Das ganze Haus passt ihr nicht mehr. Als fürsorgliche Familie nehmen wir natürlich humorvoll Anteil. Jeder hat im Haus eine „verdammtescheißEcke“, an der alle anderen immer einfach so vorbeigehen, ohne sich je anzuhauen.

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Viertel nach acht. Man müsste was hören. Es tut sich aber nichts. Ich klopfe, keine Reaktion. Ich gehe rein, alles dunkel. Ein Wuschelkopf erhebt sich vom Kissen und schaut mich fragend an. „Ähm, Schule? Jetzt.“, sage ich. Oh. Das sei aber kein Problem, denn es sind noch zehn Minuten Zeit. Nee, sind`s nicht, es ist schon zweite Stunde, und das heißt, der Bus fährt in fünf Minuten. Zwei Minuten später kommt das Kind ins Esszimmer gestolpert, greift sich im Vorbeilaufen die Brotdose und erwischt tatsächlich den Bus. Respekt. Beim Mittagessen fällt mir allerdings was auf. „Samma, du warst nicht in deiner Schlafi-Hose in der Schule, oder?“ Das Kind grinst. „Wieso, haben alle gesagt, sieht voll stylisch aus, und warum ich die nicht öfter anziehe.“ Ich schüttele mit dem Kopf und murmele. Nächste Woche sind Prüfungen, bis dahin schaffe ich es noch.

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Pluseins hilft beim Mathe-Lernen. Die Lage scheint ernster zu sein, als man uns gesagt hat, denn sie lernen wirklich. Da ist sie wieder, diese Aufgabe, mit dem Kapitän, der vom Schiff guckt, und man soll berechnen wie weit. Mit`m Sinussatz macht man das, alles ganz logisch, einfach lösbar.Tja, wenn sie meinen. Ich freue mich. Vor allem darüber, dass ich das nicht können muss.

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Ich hätte da mal eine alltägliche Sache beim Gesundheitsamt zu erfragen. Leider rufe ich außerhalb der Geschäftszeiten an. An einem Montag nachmittag, um kurz vor vier, während einer Pandemie. Naja, so dringend ist es nicht, aber ich denke eben gerade jetzt dran, und wer weiß, ob ich das nochmal tue, bevor es wirklich dringend wird. Bestimmt gibt es noch irgendeine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Ich klicke unmotiviert auf der homepage rum und finde nichts. Ab heute ist die Impfpriosierung aufgehoben, wenn ich schon mal da bin, könnte ich mich im Impfzentrum registrieren. Nö. Die Nachrückerseite pausiert. Man habe da noch 8000 Leute aus der Priogruppe 3 zu versorgen, die noch keinen Termin haben, alle anderen werden um Geduld und Besonnenheit gebeten. Tja, da kann ich dann wohl nur hoffen, dass das lange genug gut geht.

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„zu verschenken“ Wir stellen an einem sonnigen Tag ein paar Teile vom Dachboden an die Straße. Der Abschied fällt ein bisschen schwer. Nur weil man es die letzten Jahre nicht benutzt hat, heißt das ja nicht, dass man es zukünftig nicht mehr brauchen wird, das Julikind seufzt. Wir einigen uns darauf, alles was heute Abend noch steht wieder rein zu holen. Es dauert nicht mal eine Stunde, bis alles weg ist. Das Julikind freut sich. Was könnten wir denn noch hinstellen?

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Normalerweise würden wir spätestens jetzt Honig schleudern, aber da braucht man noch gar nicht dran denken. Es ist ein verrücktes Jahr.

Sonst so

Wenn man die Inzidenzzahlen von allen Landkreisen in Deutschland vergleicht, liegt unserer auf Platz neun. „Das klingt doch gut“, das Julikind. Leider nein. Platz eins ist, wo es am schlimmsten ist. Oh.

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Wir werden zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Ganz ehrlich, ich plane doch nicht wochenlang eine fast kontaktlose Familienfeier, um dann eine Woche danach zu feiern, als gäbe es keine Pandemie. Wenn wir draußen sitzen können, gern, ansonsten – nein. Der Liebste erkundigt sich, nach dem geplanten Ablauf. Ach, ja, da war ja was, das hatte man nicht bedacht. Aus einer großen Feier werden vier kleinere gemacht, notgedrungen. Kopfschüttelnd frage ich mich so einiges.

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Nachfrage beim Hausarzt, ich würde mich gern registrieren lassen, für eine Impfung. Sicher, gern. Ob ich denn in die Priogruppe drei falle. Nein. Habe ich irgendein erhöhtes Risiko. Ja, allergisches Asthma und drei Schulkinder. Natürlich schreibe man mich damit in die Liste, aber, „ich sag Ihnen wie es ist, vor September brauchen Sie mit nichts zu rechnen, probieren Sie es lieber auch im Impfzentrum über die Nachrückerliste“. Im Impfzentrum kann ich noch nicht mal ein Formular zur Registrierung öffnen.

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Die Abschlussarbeiten werden in der Turnhalle geschrieben werden. Coronatests sind an diesem Tag ausnahmsweise freiwillig, damit auch diejenigen an der Prüfung teilnehmen können, für die ein Test ein unzumutbarer Eingriff in die medizinischen Selbstbestimmungsrechte wäre. Negativ getestete dürfen am Platz die Maske abnehmen. Das wäre bei einer vier Stunden dauernden Prüfung durchaus angenehm. Sollte der Test positiv ausfallen, dürfte man natürlich nicht mit allen anderen in der Halle sitzen. Der Nachprüfungstermin ist 10 Tage später. Eine Quarantäne würde allerdings 14 Tage dauern. Die Schule hatte auf Nachfrage bisher keine Idee für ein was-wäre-wenn-Szenario. Das Märzkind überlegt, am Prüfungstag keinen Test zu machen, ausnahmsweise.

Die Abschlussklasse wird Unterricht haben, bis zum Ferienbeginn, wurde angeordnet. Niemand weiß wieso. Eigentlich war der Plan, dass die 10ten nach den Prüfungen zu Hause bleiben damit die neunten Klassen mehr Präsenzunterricht bekommen können, denen fehlt ja auch ein Schuljahr.

Die Hoffnung, dass man eventuell noch einen gemeinsamen Tagesausflug machen könnte, wird allmählich zu Grabe getragen. So schnell werden die Zahlen nicht sinken. Das Abschluss-highlight wird vorraussichtlich ein Pizzaessen mit der ganzen Klasse im Großgruppenraum.

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Schwiegermutter hat über den Winter Ahnenforschung betrieben. Ein Zweig des Stammbaumes reicht zurück bis 1652. Ich bin beeindruckt. Sie winkt ab, das war nur das, was sie so aus den Unterlagen im Haus zusammentragen konnte. Bestimmt geht da noch was, wenn man sich ernsthaft damit beschäftigen würde. Zwei der Vornamen unserer Kinder tauchen, in Varianten, über die Jahrhunderte immer mal wieder auf. Witzig, ich hatte keine Ahnung.

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Der Vatta hat endlich wieder einen Hund. Lange, lange hat er gesucht und dann, fast zufällig den passenden gefunden. Alle freuen sich mit.

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Normalerweise überlegen wir ja um diese Zeit, wie wir die Geburtstagsfeier des Maikinds mit dem Honig schleudern unter einen Hut bekommen. Dieses Jahr ist das ganz einfach. Eine große Geburtstagsfeier wird es nicht geben und die Honigräume waren Mitte Mai noch nicht mal angefangen. Ich trage morgens bei der Hunderunde noch die Winterjacke.

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Das Maikind wird 14. Meine Güte, waren wir nicht gerade noch beim Kinderturnen? Jetzt warten wir, dass die Bitcoin-Blase platzt, damit diese eine Grafikkarte wieder günstiger wird. An diesem Tag ist keine Schule. Eine Uroma kommt zum Frühstück, Großeltern plus eine andere Uroma zum Kaffee, eine Tante zum Abendbrot.

Die normale Feier mit 20 Leuten im Haus vermisse ich kein bisschen.

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Frisch Getratschtes: Im Nachbarort geht ein Nachbarschaftsstreit in die nächste Runde. Geklagt wird wegen einer Thuja, die zu nah an der Grundstücksgrenze steht. Sie hat eine gewisse Größe erreicht und stört den Satelitenempfang, mutmaßlich wurde das schon bei der Pflanzung beabsichtigt. Dieser Nachbar hat aber in der Werkstatt einen kleinen Ofen stehen und das dazugehörige Ofenrohr entspricht nicht den Richtlinien, daran hätte er besser mal denken sollen, vorher. Sehr unterhaltsam, wenn man weit genug weg wohnt./ Die Hundewelpen aus der Nachbarschaft werden für 2900Euro angeboten. Wahnsinn./ Die Oma aus dem Städtchen macht nächste Woche Urlaub, endlich.

Corona-Konfirmation

Am Donnerstag zwinge ich alle, ihre Festtags-outfits einmal komplett anzuziehen. Als hätte ich es geahnt. Das Kleid, zu dem das Märzkind sich schon passende Accesoires gekauft hat, passt nicht mehr. Der Rock und die Bluse, die ich mir gekauft hatte sehen hier im tageslicht völlig anders aus als im Laden. Das geht so nicht.

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Freitag morgen um halb vier steht der Liebste auf. Normalerweise höre ich den Wecker nicht. Heute springt sofort mein Kopf an und spult die Liste, der noch zu erledigenden Sachen ab.

Um punkt neun Uhr stehen das Märzkind und ich vorm Testcentrum, um uns einen „negativen Coronatest, nicht älter als 24 Stunden“ ausstellen zu lassen. Den braucht man, wenn man in ein Geschäft möchte, dass nicht lebensnotwendige Dinge verkauft. Wir dachten, wir wären früh, vierzig Leute vor uns waren früher. Es dauert anderthalb Stunden.

Ich gebe Rock und Bluse wieder ab und bekomme eine Gutschrift. Vielleicht findet das Märzkind hier ja was. In der Damenabteilung ist die Beleuchtung nur zur Hälfte eingeschaltet, fällt mir auf. Das erklärt, warum die Farben zu Hause anders aussahen.

Wir fahren die 30km ins Nachbarstädtchen. In dem riesigen Modehaus sind vielleicht fünf Kunden, man hilft uns gern. Leider sieht die Nach-Lockdown-Mode-Kollektion so aus wie das, was meine Oma auf Fotos aus den 70ern anhat. Der Verzweiflung nahe entscheidet sich das Märzkind für einen schwarzen Bleistiftrock. Irgendwas wird sie noch im Schrank haben, was man dazu anziehen kann, Begeisterung sieht anders aus. Ob sie denn für mich auch mal schauen soll, erkundigt sich die Verkäuferin. Ja, soll sie. Vier mal sagen wir beide aus vollem Herzen nein, als ich aus der Kabine komme. Das fünfte Kleid landet immerhin in der Kategorie „passen tut es“. Ich kapituliere. In meinem Schrank sind einige Sachen die passen und darüber hinaus einigermaßen gut aussehen, ich werde irgendwas davon nehmen.

Auf der Rückfahrt stellen wir zwei Dinge fest. Erstens: Das war wirklich blöd. Entweder kann man demnächst wieder normal einkaufen, oder wir bestellen. Zweitens: In den fünf Stunden, die das ganze gedauert hat, haben wir uns nicht angeraunzt und nicht gestritten. Eigentlich hatten wir sogar Spaß, beim Warten in der Schlange vorm Testcentrum. Jedenfalls mehr Spaß als die anderern. Seltsam.

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Das Julikind kommt in Englisch nicht weiter. Das Maikind hat die freie Zeit genutzt und den perfekten Schreibtisch gefunden, den hätte er dann gern, wann gibt es eigentlich essen heute? Gute Frage.

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Anruf der Floristin, es ist diese sanfte Stimme, mit der alle Dienstleister mit Konfi-Müttern sprechen. Sie wolle mich nicht beunruhigen aber „ich konnte kein Gras kaufen“. Ein Teil meines Hirns lacht sich kaputt, der andere denkt schon. Der Konfirmand ist nervlich an einem Punkt, wo er nicht mehr wahrnehmen wird, ob da das Grasgesteck oder ein Blumenstrauß auf dem Altar steht, denke ich. Sie wirkt erleichtert und hat natürlich auch eine Idee.

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De Omma hat nicht verstanden, dass die Kontaktbeschränkungen nachmittags auch gelten werden, das wird mir erst allmählich klar. Ich lade sie für Montag ein. „Aber, wo trinken wir denn dann am Sonntag Kaffee?“. Wir drehen uns im Kreis.

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Eigentlich reicht es für einen Tag. Wenn es Arbeit wäre, was ich hier tue, dann könnte ich jetzt Feierabend machen. Meine Liste sagt, der Tag hat noch gar nicht angefangen. Seufz. Ich streiche auf das allernötigste zusammen und verteile Aufgaben. Samstag hat der Liebste frei. Tatsächlich schaffen wir alles, was wirklich erledigt werden muss, bis zum frühen Nachmittag.

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Dann trifft der Patenonkel ein. Damit beginnt das Fest, denn wir haben uns schon wirklich lange nicht gesehen. Gespräche, in der Freizeit, mit Menschen, die man mag, aber mit denen man nicht verwandt ist, wann hat man das schon?

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Laut Hygienekonzept dürfen 30 Leute in die Kirche. Das Maikind ist der einzige Konfirmand, wir dürfen alle Plätze besetzen. Großeltern, Paten, Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen, alle sind da. Es war sogar noch ein Platz für den besten Freund frei. Wir feiern nicht „trotzdem“, wir genießen den VIP-Status. Es ist richtig schön.

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Im Anschluss bilden wir einen Autokorso. Die Dönerbude im Nachbarstädtchen erwartet uns. Kurze Verwirrung, wie gibt man denn am besten eine Bestellung für 28 Leute auf? Man reicht uns einen Block durchs Fenster. Haben alle bestellt, weiß jeder seine Nummer noch? Der Liebste reicht den Zettel zurück. Sind wir ehrlich, das ist jetzt reine Glückssache. 20 Minuten später werden zwei Kartons über den Tresen gereicht. Auf dem Bahnhofsvorplatz gibt es eine 50m lange Beeteinfassung, da können wir alle distanziert sitzen. Es fehlt tatsächlich nur eine Portion Pommes.

Nachtisch gibt es an der Eisdiele. Es regnet ein bisschen. Ein Mitarbeiter kurbelt extra für uns den großen Schirm auf. Sitzen darf man nicht, stehen aber schon.

Damit ist die offizielle Feier schon vorbei. Als wir zu Hause ankommen steht ein Freund des Maikinds mit seiner Mutter vor dem Haus. Sie sind zum Kaffee eingeladen. Wir unterhalten uns kurz. Sie trauen sich nicht so recht, die Garage zu öffnen. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wie es darin gerade aussieht. Heute morgen um acht habe ich die Kuchen, die gestern schon abgegeben wurden geschnitten und hingestellt. Der Rest lief kontaktlos, hoffe ich.

„Wow, aber – war das nicht eure Garage?“, fragt der Freund. Das ist immernoch die Garage. Der Liebste hat hier wunder gewirkt, in der letzten Woche. Und es hat tatsächlich funktioniert. Während wir weg waren hat sich hier wie von Zauberhand ein Tortenbuffet aufgebaut, und was für eins, einen Moment stehen wir staunend davor.

Drin ist der Tisch festlich gedeckt, aber wir sind eigentlich alle noch pappsatt. Die Männer holen die Bierbänke raus. Kaffee gibt es aus den Alltags-Kaffeepötten.

Gäste kommen an, beglückwünschen das Maikind, übergeben Karten, nehmen sich Torte vom Garagenbuffet und gehen dann zum Kaffee trinken wieder nach Hause. Die freundlich fröhliche Grundstimmung hat etwas feierliches. Das Maikind freut sich. Es war schon hart, so ganz alleine im Mittelpunkt zu stehen, aber dafür musste er keine Tischrede halten, und keine Hände schütteln. Hat alles Vor- und Nachteile.

Der Patenonkel verabschiedet sich am frühen Nachmittag. Sie haben noch einen Weg vor sich und müssen auch den Hund noch abholen, ab 22 Uhr ist Ausgangssperre. Man kommt sich blöd vor und wäre gern noch geblieben, aber so ist es halt.

Am frühen Abend kommt die Oma. Feierlich öffnet das Maikind seine Umschläge. Alle Aufregung ist von ihm abgefallen, jetzt kann er sich einfach mal freuen. So viele Leute haben an ihn gedacht, das hatte er nicht erwartet.

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Danke

allen, die mitgeholfen haben.

An diese Feier werden wir uns sicher noch eine Weile erinnern. Es war besonders schön.

Anfang Mai

Samstag morgen Hundespaziergang mit Pullover und dicker Winterjacke. Sonntag nachmittag sitzen wir auf dem Hof in T-Shirt ganz ohne Jacke.

Der Vatta hat Geburtstag. Niemand war eingeladen, aber wir sind mehr Leute als an Weihnachten. Auffallend viele Motorräder fahren vorbei und Autos mit Fahrrädern hinten drauf. Der erste warme Tag in diesem Jahr, fast wie damals, vor Corona. Ein Polizeiauto fährt vorbei und wir überlegen kurz. Die Omas sind beide voll geimpft und fallen damit seit heute aus den Kontaktbeschränkungen raus. Zwei Personen sind unter vierzehn. Wir sitzen hier quasi zu dritt. Passt.

Der Vatta bietet einen guten Cognac an. Es gibt eine Geschichte dazu, wie er den bekommen hat. Wir trinken auf den Schenker und auf die Gesundheit. Aus Spaß spreche ich de Omma auf platt an. Die hat schon eine Maibowle getrunken und antwortet in aller Selbstverständlichkeit auf platt. Das Märzkind grinst. Mit uns reden immer alle hochdeutsch. Ich kann gar kein Gespräch auf platt führen. Ach, das fällt den Omas aber jetzt erst auf. Sowas. Wie kann das denn sein? Naja, damals wollte man uns was Gutes. Jo, und jetzt sind wir die einzigen, die mitten in Hessen ein aktzentfreies hochdeutsch sprechen. Die Omas versuchen, zu retten, was zu retten ist.

Aus einem Riss in der Teerdecke krabbeln Ameisen. „Do krupen de Kramenzeln uht de ritze ruut.“

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Nachbarn melden sich. Gerne wird man zum kontaklosen Kuchenbuffet vorbeikommen, gute Idee, sowas haten wir ja auch noch nie. Mit jeder Rückmeldung fällt mir ein kleiner Stein vom Herzen. Das hätte auch doof werden können. Kann es immernoch, sagt die kleine Stimme im Kopf. sssschhhttt.

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De Omma ruft an. „Samma, die Konfirmation, das ist ja jetzt Sonntag schon.“ Ja, das ist diesen Sonntag, bestätige ich. „Soll ich dir denn einen Kuchen machen?“ Das ist eine rhetorische Frage. Wenn de Omma entschieden hat, dass sie einen Kuchen backt, wird sie nichts und niemand davon abbringen. „Gerne“, sage ich. Sie freut sich und teilt mir mit, was sie backen wird. Wenn das natürlich diese Woche schon ist, dass hatte sie nicht bedacht. Da müsste ich ihr folgendes vom Einkaufen mitbringen…

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Maikind und Märzkind kommen Dienstag fröhlich von der Schule. Donnerstag ist Feiertag und damit haben sie jetzt Wochenende.

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Zahnarzttermin fürs Märzkind. Die Mama muss mit, sonst dürfen sie nicht röntgen. Es ist genau wie wir uns das dachten, die Weisheitszähne müssen raus. Ein Termin zum Aufklärungsgespräch soll gemacht werden. Übernächste Woche Donnerstag um elf wäre möglich. Wir gucken uns ratlos an, zählen an Fingern ab. Es tut mir leid, sage ich zu der Frau hinter der Plexiglasscheibe, ich rufe sie gleich an, wenn ich vor dem Kalender stehe. Niemand von uns weiß, wer übernächste Woche Donnerstag Schule hat.

Wenn wir dann schon im Städtchen sind, können wir auch gerade noch in der Drogierie einen Haarreif und eine Strumpfhose besorgen, beim Tierarzt eine Wurmkur und beim Hausarzt ein Attest holen und den Wocheneinkauf machen.

Das Maikind hat dann wohl Konfa, heute nachmittag, eine Abschlussstunde. Moment. So richtig, oder irgendwas digitales. Nee, so richtig, da muss er gleich hin (gefahren werden…).

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Diese eine Kiste mit dem Konfirmations-Dekozeug, ich suche sie seit Wochen. Mittlerweile bin ich mir sicher, auf dem Dachboden ist sie nicht, unter der Kellertreppe auch nicht, in keinem der Schränke. Hatte ich das Zeug verliehen? Aber es war ja nix, seitdem. Merkwürdig. Ach, es wird ohne gehen. Ich muss vielleicht nochmal mit der Floristin sprechen. Dann, als ich dem Liebsten kurz beim Garage räumen helfe taucht der Karton auf. Hat er doch gesagt, dass er da hinstellt, vor zwei Jahren. Er hatte sich schon gewundert, dass ich davon nichts brauche.

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Da ist er, der Punkt, an dem es einfacher ist, diesen Raum aufzuräumen, als immer um das Chaos rumzuarbeiten. Den schon halb leeren Sack Hundefutter kippe ich in den dafür vorgesehen Behälter und nehme leere Tüten und verschiedenes mit in den Müll. Nach einer viertel Stunde sieht es schon viel besser aus. Abends fragt das Maikind nach dem Becher, mit dem man die Hundefutterportion abmisst. Ähm ja, also, wenn der nicht oben drauf liegt, dann liegt er vermutlich ganz unten, musst er halt mal ein wühlen, im Hundefutter. Das Maikind lacht sich kaputt. Sowas schusseliges kann auch nur mir passieren, sagt er.

Denksportaufgaben für ungeimpfte

Ich müsste vor der Konfirmation nochmal zum Frisör. Die Stadt bietet die kostenlosen Coronatest, die anschließend als Eintrittskarten gelten, samstags zwischen 10 und 14 Uhr an. Überraschung, samstags gibt es keine Frisörtermine. Wenn ich zu einem bisher unbekannten Frisör gehe, besteht das Risiko, dass mir eine zwanzigjährige eine Trendfrisur schneidet. Das würde alles nur noch schlimmer machen. Meine Haare erfordern Erfahrung und müssen von einer Ingrid oder Brigitte geschnitten werden.

Beratung mit dem Märzkind. Man könnte mit vorhandenen Pflegeprodukten und raffinierter Föhnführung die Wellen formen. Das probieren wir mal, wenn es nicht aussieht, wird alles geglättet. Das ginge dann schnell. Chearleader definieren „schnell“ in Sachen make-up und Frisur anders als ich.

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Eine Packung Potpourri mit Schneckenhäusern, eine blaue Kerze und eine Spiegel-Girlande – alles Gartenbedarf, da kann man ohne Test einkaufen. Sonnenblumenkerne für die Vögel, wäre in meinem Fall auch Gartenbedarf, weil die Vögel fressen ja im Garten. Könnte auch Tierfutter sein, Tierfutter ist doch auch geöffnet, steht aber im Gartenmarkt in der verbotenen Abteilung, wo man auch Werkzeug bekommt und einen negativen Coronatest braucht.

Im Landhandel an der Rampe wird ohne Maske bedient.

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Konfirmationsoutfit fürs Julikind kommt an, gefällt, passt. Ein Hoch auf die digitalen Kleinanzeigen. Schuhe braucht sie noch dazu.

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Die Patentante ist geimpft und hat eine Frage zur Feier: Dürfen wir denn dann im Schnellrestaurant überhaupt alle zusammen sitzen? Nee, soweit ich weiß, darf bis dahin immernoch niemand drin sitzen. Aber im Gottesdienst sitzen wir doch auch? Das ist was anderes. Da sind wir eine Glaubensgemeinschaft, das geht. Hinter dem Zaun sind wir eine Menschenmenge, das geht nicht.

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Donnerstag ist erster Schultag. Da habe er aber Glück gehabt, sagt ein Freund zum Maikind. Er sei leider in der anderen Gruppe, mit den ganzen Idioten. Da hat er jetzt schon keine Lust auf Donnerstag. Moment. Das Mutterhirn stellt fest: Irgendwas passt da nicht. Ich scrolle ganz weit nach oben im Elternchat. Tatsächlich. Die Schulwoche beginnt für die achtklässler zwar erst Donnerstag, die Woche wird aber natürlich schon ab Montag gezählt, da es eine gerade Kalenderwoche ist, hätte Gruppe eins somit Montag/Mittwoch/Freitag Unterricht. Damit ist der erste Schultag der Freitag. Logisch.

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Distanzunterricht am Montag. Statt Mathe in der fünften Stunde findet heute aus organisatorischen Gründen Chemie in der dritten und vierten Stunde statt. „Dritte Stunde? Wann fängt die denn an?“, frage ich das Kind neben mir. Die wäre jetzt. Er war auch schon da, aber entweder weiß der Lehrer nichts von der Änderung, oder die Plattform hat wieder irgendwas, auf jeden Fall kann man sich nicht einwählen. Die Mathestunde wird verlegt auf Mittwoch dritte Stunde, da wäre Physik gewesen, Physik wurde geschoben auf heute, zweite Stunde, als die Änderung rein kam war es leider schon zu spät, um da Unterricht zu machen, man könnte quasi sagen, es ist ausgefallen. Englisch findet in dieser Woche ausnahmsweise Mittwoch in der dritten und vierten Stunde statt. Hä?

Sprecht in die Tüte.

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Meine Haare, das geht so nicht. Anruf beim Frisör, gerne morgen um elf. Entweder mit Bescheinigung über einen negativen Test oder einen Schnelltest direkt im Laden, der würde fünf Euro kosten, dann bitte eine viertel Stunde früher da sein.

Das Testcenter ist direkt neben dem Frisör. Ich fahre eine Stunde vor dem Termin los, in der Hoffnung, dass die Zeit reicht, für einen offiziellen Test. Ich bin die zweite in der Schlange und komme fast sofort dran. Auf das Ergebnis wartet man draußen. Die Person, die nach mir rauskommt kenne ich. Ewig nicht gesehen, mit Maske noch nie. Sie braucht den Test um heute nachmittag eine Sportgruppe für Kinder leiten zu dürfen. Da dürfen im Moment nur fünf Kinder kommen. Vormittags unterrichtet sie einen Sportkurs in der Schule, da dürfen es 15 Kinder sein und es reicht ein Selbsttest. Verrückte Zeiten. Wir bekommen unsere Bescheinigungen. Da hab ich jetzt sogar vor dem Frisör noch Zeit, ein paar Kleinigkeiten von meiner Liste abzuarbeiten, wenn ich schon im Städtchen bin. Oh warte, erstmal gucken, ja, ist negativ. „Stimmt“, sagt sie, „die würden das ja gar nicht sagen, ne?“ Mittlerweile warten schon zwanzig Leute vor dem Gebäude, wohl eher nicht. Wir verabschieden uns, es war nett, sich mal wieder zu sehen.

Frisör

Modehaus – Wir waren zwei Kunden im ganzen Laden, etwas gespenstisch, aber VIP-Status, outfit fertig in einer halben Stunde

Mittagessen zu Hause, der Liebste hat gekocht, wir haben uns nur im Vorbeigehen gesehen

Schuhgeschäft mit Julikind – man kennt sich, auf Ehre und Gewissen, das Kind wurde heute morgen in der Schule getestet, sie darf mit rein, das Maikind bekommt eine Auswahl von Schuhen mit nach Hause. Was nicht passt reichen wir morgen wieder durchs Fenster.

Elterntaxifahrt zur Krankgengymnastik

Erstaunlich, was man alles an einem einzigen Tag erledigen kann.

Eine Woche keine Nachrichten geguckt

In der halben Stunde, die ich auf das Märzkind warte, gehe ich schnell einkaufen. Die Frau an der Kasse wünscht mir einen schönen Feiertag. Hä? Was denn für ein Feiertag? Erst auf dem Weg zum Auto fällt mir ein, dass ja erster Mai ist, dieses Wochenende.

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Ein Strauss Rosen, ich freue mich. So sehr, das könnte ich fast mal in meinen Status stellen. „Jo, das mach ruhig mal“, sagt der Liebste, „wird jedes Jahr teurer“, murmelt er noch. Ich bekomme nicht alle Rosen auf ein Foto, das Märzkind sieht mich turnen und hilft, sie hat die bessere Kamera. Den ganzen Tag über erhalte ich Glückwünsche und wundere mich, wer alles an uns denkt.

Symbolbild aus dem kostenlosen online Archiv

Das Maikind freut sich einen Tag später. Er hatte den Hochzeitstag beiläufig erwähnt und war live dabei, als der Oma klar wurde, dass sie den vergessen hat, zum ersten Mal. „Scheiße“ hat sie gesagt und das tut sie sonst nicht.

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Die Bienenkästen müssen versetzt werden. In einen Kasten hat der Specht über Winter zwei Löcher gepickt. Der Liebste hat schon passende Steine reingequetscht, damit die Bienen während der Fahrt bleiben, wo sie sind. Möglichst ohne Erschütterung tragen wir den Kasten zu zweit ins Auto, schieben ihn vorsichtig in den Kofferraum, setzen uns, schnallen uns an, sagen zeitgleich „woooouuoo“ öffnen die Türen, schnallen uns ab, reissen die Türen auf und springen raus. Hat das jemand gesehen? Zum Glück nicht. Die Zeitung, die das Flugloch verschlossen hat ist beim Schieben ein bisschen verrutscht. Das Bienenvolk ist nach einem Winter mit Specht im wahrsten Sinne angefressen, und empfindlich was Störungen angeht. Der Liebste steckt die Zeitung wieder fest und wir warten noch zwei Minuten, bis die dreißig Bienen, die entwischt waren, aus dem Auto fliegen.

Die Kästen sind zu leicht. Der Frühling hängt zwei Wochen.

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Der Liebste braucht ein Klimmzugband, ob ich denn wohl eins bestellen könnte? Bestimmt. Ich habe keine Ahnung, was ein Klimmzugband ist und google mich so durch, das Internet denkt jetzt, dass ich krassen Kraftsport betreibe. Ich bekomme völlig andere Werbung angezeigt als sonst.

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Man könnte einen Antrag auf Fahrtkostenerstattung stellen, sagt das Maikind, das Formular kann man sich im Sekretariat abholen. Märzkind bringt eins mit, denn diesen Antrag möchte ich tatsächlich stellen.

Man hätte doch sagen können: Danke Eltern, dass ihr euch gekümmert habt, dass die Blagen einen Praktikumsplatz gefunden haben und zwei Wochen lang jeden morgen hin, und nachmittags wieder zurück gekommen sind. Das ist total wichtig für die Berufsorientierung und hat auch kurz davon abgelenkt, dass sie dieses Jahr noch gar nicht in der Schule waren. Natürlich können wir es uns nicht leisten, euren Einsatz ernsthaft zu honorieren, aber gerne würden wir euch symbolisch einen Anteil der tatsächlich enstandenen Kosten ersetzen. Wie viel war es denn und wohin sollen wir es überweisen? Das wäre nett gewesen.

Statt dessen werde ich erstmal darauf hingewiesen, dass Fahrtkosten generell nur bis 30 km erstattet werden. Es sei durchaus zumutbar, die Praktikumszeiten an die Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel anzupassen. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel (ländlicher Raum) und Bildung von Fahrgemeinschaften war wegen Corona nicht möglich. Das schreibe ich so in die dafür vorgesehenen freien Zeilen neben dem Feld, das man ankreuzt, wenn man mit dem eigenen PKW, nur zu diesem Zweck gefahren ist. Dann muss nur noch der Praktikumsbetrieb mit Unterschrift und Stempel bestätigen, dass das Kind anwesend war, bzw die Anzahl der Fehltage eintragen. Nicht, dass da einer 35 cent zuviel beantragt.

Maikind hat ein dickes Dankeschön vom Praktikumsbetrieb bekommen. Er könnte sich da bewerben, wenn er Ausbildung machen möchte. Große Freude, dafür hat es sich gelohnt.

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Im Modehaus hätte man am Eingang gerne unsere Bescheinigung über einen offiziell durchgeführten negativen Coronatest, nicht älter als 24 Stunden. „Ähm, wir hatten einen Termin vereinbart, telefonisch, Sie hatten gesagt, Sie melden sich, falls sich was ändert, es hat sich niemand gemeldet.“ Der Mitarbeiter ist sehr nett, darf uns aber nicht reinlassen, man sieht, dass es ihm wirklich leid tut, er kann nichts dafür und würde uns gerne bedienen. Wir können auch nichts dafür und würden gerne was kaufen. Der Liebste versucht es mit gesundem Menschenverstand. Er wurde doch getestet, diese Woche, die Kinder auch ( ich noch nie, aber hej, wenn die anderen vier Personen aus meinem Haushalt negativ sind….) Der Verkäufer schaut sich um, ausser uns ist niemand da. Er erklärt sich bereit, Sachen anzureichen, für das Maikind, eine Kabine steht ja quasi im Eingang.

Das Julikind und ich gehen raus, mal schauen, was es im Schaufenster zur Auswahl gibt. Es gibt keine Schaufenster mit Kindersachen. Wir schlendern dort, wo mal eine Fussgängerzone war, rauf und runter und überlegen. Ich könnte das gleiche anziehen wie auf der Konfirmation vom Märzkind. Gut, auf Fotos sähe das komisch aus, aber da war eben Corona, damals, da konnte man nichts kaufen… Ich hab auch so Strickhandschuhe, und einen Parka, zusammen mit einer blauen OP-Maske, könnte ich dasitzen wie Bernie Sanders. Noch ist Zeit, etwas zu bestellen. Oder vielleicht das Beerdigungskleid mit der Bikerjacke? Ach, so viele Möglichkeiten.

Das Julikind braucht Klamotten. Aber wenn sie dafür nochmal extra zum Test muss, dann nicht, das reicht ihr in der Schule. Das verstehe ich. Warum so ein Schul-Corona-Test nicht auch fürs Einkaufen am nachmittag gültig ist? Gute Frage. Eine richtig gute Frage.

Es dauert nicht mal eine halbe Stunde, da kommen uns die Jungs entgegen. Das Maikind ist begeistert, er hat alles, was er sich gedacht hatte. So macht einkaufen Spaß.

Schuhe fehlen.

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So, ab nächster Woche hat der Liebste Wechselschicht und alle drei Kinder Wechselunterricht. Da kann ich mal alle fünf Spalten am Kalender nutzen.

Mal was anderes

Oh, eine Hochzeit? Der Liebste hupt fröhlich zurück. Vier Autos später wird uns klar, dass das keine Hochzeit, sondern die Demo gegen die Windräder ist. Wir haben verschiedene Sachen abzugeben. Ein paar Minuten später begegnet uns der Autokorso ein zweites Mal. Nein, wir möchten uns nicht einreihen. (Natürlich sind wir nicht dafür, dass an der Stelle Windräder gebaut werden sollen. Aber dagegen kann man auch schlecht sein, wenn man seit zwanzig Jahren Ökostrom bezieht.) Auffallend viele SUVs sind dabei. Besetzt mit jeweils einer Person. Wir amüsieren uns prächtig. Darauf muss man erstmal kommen, aus dem SUV heraus gegen Umweltzerstörung zu demonstrieren.

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Information aus dem Elternchat: Ab nächster Woche dürfen die Kinder nur noch mit FFP2 Masken befördert werden. Spaßeshalber weise ich mal darauf hin, dass das Maikind im Praktikum ganz ohne Maske mit auf eine Baustelle fahren durfte. Firmenwagen fallen unter eine andere Richtlinie, erfahre ich. Sicher, hätte ich mir ja denken können.

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Was wäre wenn wir die 165er Inzidenz erreichen und Schulen zumachen? Hätte das Märzkind dann trotzdem Unterricht? Aus dem Ministerschreiben werde ich nicht schlau. Nach Seitenlangem Geschwurbel kommt eine kleine Tabelle. Die hätte mir gereicht. Diese Bundesnotbremse ist für uns (fast) eine Lockerung, das Maikind wird nächste Woche seinen ersten Schultag haben, dieses Jahr. Also, wenn denn dann. Eine Ausgangssperre gilt zwischen 22 und 6 Uhr, das betrifft mich nicht.

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Der Liebste hat das Modehaus am Telefon. Für Konfirmationsklamotten darf man in Präsenz einkaufen. Das ist schön. Der nächste freie Termin wäre in einer Woche. Ähm, muss er kurz seine Frau fragen. Die Frau nickt nur und hofft das Beste.

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Blumen? Wozu denn Blumen? Ach so. Ja dann. Sicher. Aber nix mit Blüten.

Das schnellste Gespräch zum Thema Kirchendeko aller Zeiten.

Das Maikind und ich gehen kurz zur Kirche, um mal zu schauen, was denn da wohl wie zu dekorieren wäre. Die Kirche wirkt einsam. Alles ist so aufgeräumt. Die dicke Kerze war noch nicht einmal an.

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Besprechung mit der Floristin. Alles kein Problem.

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Irgendein Vogel zwitschert einen Klingelton, morgens um kurz nach fünf, im Baum vor dem Schlafzimmerfenster. Düdelüdelüdelüüü. Sehr laut. Wenn der Wecker um halb sechs klingelt denke ich schon seit einer viertel Stunde darüber nach, wie man den Vogel dazu bekommt, seine Frühschicht in den Baum vor dem Fenster des Maikinds zu verlegen, oder sonstwohin.

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Bisher gab es nur nette Reaktionen auf den geänderten Konfirmationsablauf. Sogar von der Omma. Anscheind freuen sich alle, das überhaupt mal was los ist. Auf einmal geht alles ganz leicht, denn „sowas hatten wir ja noch nie“, deshalb hat es auch noch nie jemand besser gemacht.

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Überraschung: Kein Sportunterricht mehr, weil wir über 100 liegen. Das Problem besteht jetzt allerdings darin, dass das Märzkind letzte Woche noch keinen Sport machen durfte und damit 100% des Sportunterrichts diesen Halbjahres verpasst hat. Es soll aber eine Sportnote geben.

Ab nächster Woche wird auch die Abschlussklasse in Wechselunterricht gehen. Wechselunterricht klingt ja, als würde man zur Hälfte in der Schule und zur anderen Hälfte digital unterrichtet. So ist es nicht. Wechselunterricht bedeutet, man hat nur jeden zweiten Tag Schule. Die Prüfungen bleiben aber genau so, wie sie immer waren. Normalerweise gäbe es eine Vorbereitungswoche, in der alles was dran kommen könnte nochmal grob wiederholt wird. Ob die dieses Jahr stattfinden kann, hängt von der Inzidenz ab.

Die Stimmung schwankt zwischen „wottsefack-jetzt-erst-recht“ und „wir-werden-alle-bei-Aldi-an-der-Kasse-als-piep-arbeiten-müssen“.

Noch sieben Wochen. Und wenn es geschafft ist, werden wir Sekt trinken, auf dem Schulhof, mindestens.

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Frisch Getratschtes: Jemand im Bekanntenkreis hat möglicherweise eine Impfnebenwirkung. Jemand ist aktuell an Covid erkrankt. Jemand traut sich nicht in die Schule, aus Angst vor Coronatest-Mobbing. Jemand wäre beinahe beklaut worden, auf dem Parkplatz vom Supermarkt. Jemand ist gesünder, als man befürchtet hatte. Und jemand hat 10 Welpen bekommen, so süß.

Bundesnotbremsen-Woche

Montag morgen um zwanzig vor sieben bekomme ich eine whattsapp vom Märzkind: „Nicht wundern, ich habe erst zur zweiten Stunde“. Mich wundern gerade was ganz anderes. „Ich stehe gerade vorm Rewe im Nachbarstädtchen und warte. Die machen erst um sieben auf. Surreal.“

Um viertel nach acht habe ich eine riesen Brotdose befüllt, zwei Überweisungen getätigt, hatte eine Elterntaxifahrt und der Wocheneinkauf ist erledigt und verräumt. Ja, Hund, wir gehen gleich. Erstmal muss ich das Julikind wecken, ist ja wieder Hausaufgabentag, heute. Obwohl, die kann noch eine halbe Stunde schlafen. Ich brauche erstmal einen Kaffee.

Hunderunde. Kochen. Essen. Neue Stundenpläne zur Kenntnis nehmen. Sport? Im Ernst? Passen die Schuhe noch? Wo zum Geier, sollen wir denn bis Donnerstag Sportschuhe herbekommen? Moment. Du darfst doch diese Woche noch keinen Sport machen. Nächste Woche ist Schulsport bestimmt eh schon wieder verboten. Wir haben kein Problem. Hausaufgaben. Ist da jetzt was in Lanis hinterlegt? Oder kommt das so aus, das jede Gruppe jeden Lehrer einmal in der Woche sieht?

Maikind wieder abholen. Er war heute mit auf einer Baustelle, da durften sie ohne Maske arbeiten, das war schön. Vorsichtig erkundige ich mich, wie viele Leute denn da sonst noch… Nicht so viele, ein paar Maler, ein paar Fensterputzer. Seufz. Dafür sitzen wir eigentlich nicht seit November zu Hause. Aber wenn sich alle anderen einig sind, dann gibt es eben auf Baustellen kein Covid. Hauptsache der Junge kann sich mal wieder über was freuen.

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Der Liebste feiert Überstunden ab. Er übernimmt die Familien-Frühschicht. Ich kann morgens um sieben mit Kaffee anfangen, das ist ungewohnt. Aber es tut gut. Die letzte Woche hat mich mental geschafft.

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Mutterkollegin teilt im whattsappchat mit, dass das Konfirmationsdatum verschoben wurde. Seufz. Mal abgesehen davon, dass das Maikind auf keinen Fall verschieben möchte, dieser Termin passt nicht. Garnicht.

Anruf im Pfarramt. Dieses Jahr macht man alles möglich. Der Termin kann bleiben.

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Außer dem Termin ändert sich dadurch allerdings alles. Wir sagen ab, denken um, planen um.

Was darf man denn mit wie vielen Personen unter welchen Umständen wo?

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Der Dachdecker ruft an, morgen passt es. Morgen passt eigentlich nicht so richtig gut. Andererseits warten wir seit fast drei Jahren auf einen Dachdecker, der so einen winzigen Auftrag annimmt. Der Liebste beginnt mit dem Abriss. Das geht einfacher und schneller als erwartet. Am Nachmittag des nächsten Tages ist alles neu. Wie schlimm das wirklich aussah merkt man erst jetzt. Wir freuen uns. Man könnte auf dieses Dach sogar einen Bodenbelag drauftun, dann wäre es als Fläche nutzbar, murmelnd laufen wir eine Weile im Garten auf und ab.

Es ist etwas fertig geworden. Einfach so, mitten im Leben.

Halbzeit April

Das habe ich aber völlig unterschätzt. Wäre es ein Sonntag nachmittag im Juli, würde man sagen, gut was los, hier. Für einen Mittwoch abend bei regnerischen fünf Grad ist es schlicht der Wahnsinn. Die Talsperre läuft über, das haben wir alle, obwohl wir nur eine halbe Stunde weg wohnen, noch nie gesehen. Hunderte andere anscheind auch nicht. In den zwanzig Minuten, die man braucht, um einmal hin und her zu laufen, sehe ich mehr Menschen, als im ganzen letzten Jahr zusammen.

Der Geruch von frisch frittierten Pommes… der Blick auf die Warteschlange. Auf dem Rückweg halten wir am Supermarkt. Dieser Ferientag endet mit 2 Kilo Pommes und drei Packungen Dinosaurier-Nuggets, dazu gab es technische Erkenntnisse und einen kurzen Einblick in die regionale Geschichte. Es ist eigentlich ganz spannend, das hier auch Geschichte passiert, sagen die Kinder.

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Eine Einverständniserklärung und eine Wäscheklammer braucht das Märzkind am Montag, und Julikind am Dienstag entnehme ich dieser Elterninfo. Unsere Wäscheklammern sind zum Teil im Aussendienst, der andere Teil seit Jahren im Keller, für repräsentative, medizinische Zwecke somit eher weniger geeignet. Zum Glück finde ich noch ein neues Päckchen, ich freue mich, dass ich die Kinder nicht mit abgerockten Wäscheklammern zum Coronatest schicken muss. Eine Sekunde später kommt mir das albern vor. Man sollte meinen, irgendwer würde der Schule einen Hunderterpack Wäscheklammern organisieren. Die Mutti-Zettel mit Wäscheklammern dran wandern von einer Ecke in die andere, schließlich klammere ich sie persönlich in die Schultaschen der Mädels. Vielleicht erfindet eines Tages ja mal jemand eine Methode, sich ohne Zettel mit etwas einverstanden zu erklären.

Das Maikind bleibt im Distanzunterricht, theoretisch. Das Praktikum findet statt. Nur aus Spaß frage ich nochmal nach: Wechselunterricht für die achten Klassen wird als zu gefährlich betrachtet, aber wenn sich der komplette Jahrgang, ohne Schnelltests, auf Betriebe/Werkstätten/Einrichtungen/Büros im ganzen Landkreis verteilen ist es OK? Klassenlehrer sagt: So siehts aus, leider. Hat das Schulamt entschieden. Es ist einerseits toll, dass das klappt, weil das Maikind seit vier Monaten immer nur zu Hause ist und sich wirklich auf dieses Praktikum freut, andererseits waren es heute über neunundzwanzigtausend Neuinfektionen.

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Die Konfirmation hatte ich innerlich abgehakt und eigentlich darauf gewartet, dass jemand anruft um mir schonend beizubringen, dass es nichts wird. Den anderen Müttern, (die Organisation liegt in allen Haushalten bei den Müttern) geht es genauso. Als ich erfahre, dass der Kirchenvorstand eine Sitzung einberufen hat, um diesen Gottesdienst rund um die Bestimmungen schön für uns hinzubekommen, bin ich überrascht. Wenn wir also verschieben wollen würden, müssten wir das jetzt sagen. Nachfrage beim Maikind. Verschieben kommt nicht in Frage. Die Diskussionen mit den Mutterkolleginnen dauern bis in den Abend.

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Sind das Halsschmerzen? Räusper. Jo, aber nee. Ich weiß wirklich nicht, wann ich das letzte Mal soviel gesprochen habe, an einem Tag. Und so ohne irgendein Ergebnis.

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Anruf beim Praktikumsplatz: Wie hätten Sie es denn gern, mit dem Coronatest? Man appeliere in erster Linie immer und überall an den gesunden Menschenverstand der Mitarbeiter, sagt man mir. Alle achten aufeinander und wer krank ist, bleibt zu Hause. Ansonsten die üblichen Hygienesachen. So sei man gut über das letzte Jahr gekommen. Klingt vernünftig. Wir müssen am Samstag nicht zum Bürgertest.

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Märzkind hat Krankengymnastik, ich gehe solange einkaufen. Die Vorrät wieder aufstocken. Wenn ab nächster Woche drei von fünf regelmäßig getestet werden, wird wohl früher oder später eine Quarantänesituation eintreten.

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Die anderen Eltern würden dann den Konfirmationstermin gerne verschieben. Wohin weiß keiner.

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Die bestellten Arbeitsklamotten sind nicht angekommen. Der Liebste hätte einen Weg und erkundigt sich im Baumarkt, ob man denn privat vorbeikommen könnte, um welche zu kaufen. Heute sei das noch möglich, sagt der Mann am Telefon. Morgen hätte besser gepasst, aber lieber nicht zu weit in die Zukunft planen.

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Von den Osterferien hatte ich mir ein wenig Erholung erhofft. Weiß ich auch nicht mehr, wieso.

Osterferien

Abends um acht ist es noch hell, eine Amsel zwitschert im Baum und es schneit wie aus Kübeln. Es liegen bestimmt schon fünf Zentimeter auf dem Gartentisch. Da haben wir gesessen, vor genau einer Woche, bis abends um 10, man kann es sich kaum noch vorstellen. Frühlingswetter in den Ferien wäre schön gewesen.

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Der Parkplatz vor dem Baumarkt ist ganz normal gefüllt und gerade laufen 10 Leute Richtung Eingang. Och nö, jetzt muss ich bestimmt ewig warten, bis ich meine bestellte Tapete bekomme. Hä? Die Leute gehen rein? Ich hätte gar nicht clicken müssen. Ist aber trotzdem ganz praktisch. Alles steht parat und ich kann sofort an die Kasse.

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Wo ich schon im Städtchen bin, kann ich kurz in der Buchhandlung vorbei, die Lieblings-youtuber haben etwas neues rausgebracht, es ist dringend. Buchläden haben geöffnet, das wußte ich. Leider nur der Teil der Brettspiele und Bücher anbietet. Eine Postkarte hätte ich noch gebraucht, aber dieser Bereich ist nicht zugänglich. Als ich nach einer viertel Stunde zurück zum Auto komme habe ich einen Zettel unter dem Scheibenwischer, der mich darüber informiert, dass ich demnächst ein Knöllchen per Post bekommen werde, weil ich hier, auf dem noch nicht mal halbvollen Parkplatz, neben der Fussgängerzone, in der so gut wie alles geschlossen hat, kein Parkticket gelöst habe. Ich gebe zu, mit voller Absicht. Ich dachte, das Ordnungsamt hat gerade andere Dinge zu tun und die Stadt freut sich vielleicht, wenn ich den örtlichen Einzelhandel unterstütze. Das mache ich mit Sicherheit so schnell nicht wieder.

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Das Maikind hat das Zimmer mit den geradesten Wänden im Haus. Zu zweit kommen wir gut voran, so macht tapezieren fast Spaß. Als alles fertig ist, sieht es richtig gut aus.

Wenn man dann allerdings auf den Flur kommt, da sieht die Tapete auf einmal übel runtergewohnt aus.

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Die Schule kostet uns viel Energie im Moment. Zu viel. Die Ferien schaffen ein bisschen Luft, um mal an was anderes zu denken.

Ich nehme mir den Wäscheberg vor. Dabei höre „der König von Narnia“ (gibts in der ARD-Audiothek, die bezahlen sowieso alle, ist es dann Werbung?) In der Geschichte ist es immer Winter, und es wird niemals Weihnachten. Das passt. Praktischerweise dauern die zwei Folgen des Hörbuchs genau so lange, wie es dauert, einmal die ganze Wäsche vom Keller bis in die Schränke zu schaffen. Auf dem Weg nach unten nehme ich dann gleich die Schmutzwäsche wieder mit. Ach ja.

Gespräch mit der Freundin. Was machen wir denn wohl mit der Konfirmation? Vier Wochen vorher wäre doch wohl der Moment, da mal ernsthaft in die Planung einzusteigen, Klamotten zu kaufen, Deko. Keine von uns hat bis jetzt irgendwas.

Nächste Woche machen die Achtklässler ein Praktikum, wer`s glaubt… Aber abgesagt ist es nicht. Ich bestelle also eine Arbeitshose für das Maikind.

Es fehlen Unterlagen für das Praktikum des Märzkindes. Ich telefoniere und erfahre, das da eigentlich noch nichts fehlt. Alles der normale Ablauf, es dauert halt hier und da ein bisschen. Auf jeden Fall ist das Märzkind vorgemerkt und man freut sich auf sie, schöne Grüße soll ich ihr ausrichten. Das war doch mal ein nettes Gespräch. Das Kind ist erleichtert. Sie hatte im Stillen schon damit gerechnet, sich auf den letzten Drücker noch was anderes suchen zu müssen. Für die Corona-Kinder gibt es keine kleinen Probleme mehr. Jede Kleinigkeit kann einem jederzeit den Boden unter den Füssen wegziehen.

Die Infektionszahlen, sie steigen. Eigentlich sind wir wieder da, wo wir vor den Weihnachtsferien angefangen haben, mit Lockdown.

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Jemand, der die ganze Pandemie noch nicht einen einzigen homeschooling-Tag begleitet hat, erklärt mir, was sich im Bereich der Distanzbeschulung im letzten Jahr alles getan hat. Ich schildere die aktuellsten Gegenbeispiele, mache auf die Müdigkeit und Verzweiflung der Eltern aufmerksam und stoße auf Unverständnis. Im Haushalt meines Gegenübers arbeitet jemand im homeoffice (im leer stehenden Gästezimmer, auf Büromöbeln, die der Arbeitgeber gestellt hat, an einem vom Arbeitgeber gestellten Computer, mit profesionell betreuten Netzwerken) das funktioniert wirklich ganz wunderbar.

„Was, die Kinder haben immernoch Ferien? Wie lange denn noch?“, erkundigt sich jemand. „Ähm, diese Woche noch, das waren dann insgesamt zwei Wochen, die ersten freien Tage seit Weihnachten, übrigens.“ „Aber, die haben doch schon die ganze Zeit keine Schule“.

Seit über einem Jahr geben wir alles, für das große Ganze. Ich stecke solche Kommentare nicht mehr gut weg.

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Besuch von zwei Menschen, die nicht zur eigenen Familie gehören, ein Fest, quasi. Es tut gut, mal nicht die Schuleltern-Standard-Gespräche zu führen, sondern einfach nur so zu quatschen. Der Abend ist schnell rum, die Gäste werden abgeholt und wir räumen zu dritt fröhlich giggelnd den Tisch ab. Normalerweise schlafe ich um diese Zeit seit drei Stunden, wir sind im eigenen Esszimmer versackt. Das Märzkind und der Liebste gehen noch ein paar Meter mit dem Hund. Während ich die Spülmaschine einräume, überlege ich, ob ich uns für die nächsten Osterferien Urlaub buchen könnte. Helgoland, vielleicht.