durchziehender Oktober, 2023

Von außen betrachtet sieht es wohl so aus, als wäre nichts los. Aber es tun sich Dinge in Köpfen.

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Märzkind braucht vielleicht doch einen Laptop. Ich wechsle einen Blick mit Maikind. Hatten wir uns schon gedacht, dass man nur mit Kulli und Collegeblock nicht durchs Studium kommt. Maikind soll mal sagen, welcher wohl gut wäre. Er fragt nach Betriebssystem, Kostenrahmen, Arbeitsspeicher, Bildschirmgröße, Grafikkarte. Märzkind guckt fragend. „Vielleicht dann doch lieber ein Tablet?“ Maikind bemerkt ein Kommunikatiosproblem und versucht es anders. „Wofür brauchst du das Gerät denn?“ „Na – fürs Studium, so zum Schreiben, speichern, mitnehmen…“, sagt Märzkind in dem geschwisterlichen Tonfall für blöde-Frage-Vollpfosten. Maikind seufzt. Ich dolmetsche. Er findet was, wir bestellen gemeinsam, Märzkind bedankt sich herzlich. Hat sie doch gewusst, dass Maikind sowas kann, dauert halt nur immer, bis er verstanden hat…

Läuft bei den Blagen. Man freut sich richtig, einen Moment lang. Dann übernehmen die Senioren.

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Die Oma aus dem Städtchen bringt zwei Salatschüsseln und vier kleine Handtücher vorbei. Sie wird umziehen, demnächst. Ich biete ihr Hilfe an, bei konkreten Tätigkeiten, denn ich habe da so einen Verdacht. Fröhlich lächelnd lehnt sie ab, das wird nicht nötig sein. Sie kümmert sich heute um das hier – deutet auf Schüsseln- ihr Sohn dann um den Rest. Aha. Die Fassade war solide, aber jetzt hagelt es Erkenntnisse.

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Seine Oma liegt jetzt nur noch, erzählt der Liebste nach einem Besuch. Ansonsten wirkt sie aber fröhlich.

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De Omma braucht neue Schuhe. Oder auch nicht. Sie hat nämlich noch welche aus den späten siebzigern, die sind gut zu gebrauchen. „Also, ich persönlich fände es schöner, wenn du nicht im Hühnergarten auf die Schnauze legst und irgendwelche Knochen dabei brichst, aber, du bist ja alt genug, mach wie du meinst“. Ich staune selber, als ich mich das sagen höre, denn so rede ich eigentlich nicht mit Omas. Es ist allerdings nicht das erste Gespräch zu diesem Thema und ich wäre dann jetzt durch. „Njo. Vielleicht haste recht“, sagt sie. Wottsefack?

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Eine Woche Herbstferien ist wenig, aber immerhin. Erstmal natürlich, muss man garnichts machen, drei Tage lang. Dann erledigt Julikind Besuche, für die im laufenden Betrieb keine Zeit war. Zack, eine Woche rum.

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Seit der Grundschule lese ich für Maikind Korrektur und komme bei den Berichtsheft Einträgen langsam an meine Grenzen. Heißt es Steckdosenstromkreis oder Steckdosen Stromkreis? Aderendhülsen? Hast du dir das Wort ausgedacht? Maikind erklärt wo, wie und zu welchem Zweck man die einbaut. Und: Beim nächsten Baumarktbesuch fällt es mir plötzlich auf, wahrscheinlich war es schon immer da, das Regal mit den Aderendhülsen.

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Bei fast noch warmen Herbst-Regenwetter begegnen mir Feuersalamander im Wald. Ich hab lange keine gesehen und freu mich. Dachte schon, die wären ausgestorben. Es ist überhaupt richtig schönes Herbstwetter. Bunte Blätter an den Bäumen, Moos in allen grünschattierungen und Pilze, jede Menge Pilze. Sehr dekorativ, das alles.Beispielbild aus kostenlosem Archiv, aber könnte auch von hier sein

Photo by Matthias Zomer on Pexels.com

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Es fühlt sich nicht so an, aber lange ist es nicht mehr, bis Weihnachten. Ich hatte da um Absprachen gebeten, denn der Kalender füllt sich allmählich, aber, es wird auch ohne gehen und zwar folgendermaßen: Sollten Terminanfragen kommen, trage ich die ein und wenn sich Sachen überschneiden, teilen wir uns auf oder sagen ab. Er habe tatsächlich eine Weihnachtsgruppe mit seinen Geschwistern gegründet, zur Terminabsprache, sagt der Liebste. Sehr gut. Das freut mich. Leider sei erst nach der Planungsphase aufgefallen, dass statt seines Bruders einer von den alten Herren Mitglied der Gruppe war, unerwartete Verzögerungen, alles irgendwie ein bisschen komplizierter als gedacht. Ach was.

Bei einem flüchtigen Besuch in der Buchhandlung fällt mir ein Aufsteller mit Grinch-Merchandise-Artikeln auf. Interessant. Anscheind wird Grinch sein allmählich gesellschaftsfähig. Ich befürworte das, bin persönlich aber schon auf einem anderen Level. Ich kaufe nix wo Weihnachten drauf steht. Garnichts. Es gibt normale Geschenke, normales Blätterkrokant und Standard-Schichtnougat zu, naja, halbwegs normalen Preisen.

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Die Baustelle ist fertig – juhu. So mit 50 Sachen durch die Ortschaften Richtung Städtchen, es fühlt sich fast wie rasen an, nach Monaten bei Tempo 30. „Guck es dir an“, sage ich zum neben mir sitzenden Märzkind, auf der langen Geraden „niemand vor uns und niemand zu sehen, im Rückspiegel“ „so soll das“, sagt Märzkind, „einfach mal in Ruhe geradeaus fahren, ohne Leute“. Der Schulbus fährt auch wieder nach Plan. Macht 80 Minuten mehr Unterricht pro Woche. Natürlich ploppt sofort die nächste Baustelle auf. Wegen Schienenersatzverkehr wird Märzkind nächste Woche an dem Tag der autofreien Anreise 3 statt anderthalb Stunden für den Weg zur Uni brauchen.

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Leider, man kann sich nicht erklären wie eigentlich, ist eine Flasche preisgünstiges „Pahrfühm“ im Turnbeutel zerbrochen. Ein sensorisches Inferno, 80000 Olf verteilen sich im Haus.

Hömma, was ist eigentlich los?

Der Liebste wirft einen Stapel Zettel in die Tischmitte. Zufällig sitzen gerade noch zwei Kinder mit am Tisch, die können eigentlich mal selber… ich verteile Kullis und erkläre wer da was wohin schreiben soll. Es dauert fast fünf Minuten, bis diese Aktion jemandem komisch vor kommt „was machen wir hier eigentlich?“, möchte Julikind wissen. „Steuererklärung“, sage ich. „Ach was. So sieht eine Steuerklärung aus?“, Märzkind ist ehrlich interessiert. Sie habe gedacht, man würde das digital… das war ja garnicht so kompliziert und ging auch schneller, als sie gedacht hätte. Tja also, verheirateter Alleinverdienerhaushalt mit minderjährigen Kindern ist der einfachste Fall. Die Zettel auszufüllen dauert eine halbe Stunde. Ehrlicherweise sollte man aber die dreieinhalb Stunden Lebenszeit mit einrechnen, die ich versucht habe, in das ELSTER-Programm reinzukommen, bevor ich die Möglichkeit in Betracht zog, das das vielleicht garnicht an mir liegt.

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Für mich ist eine neue digitale Versicherungskarte in der Post. Der chip müsste noch aktiviert werden, das geht angeblich ganz einfach und dauert nur wenige Minuten und die alte Versichertenkarte ist dann übrigens ab sofort ungültig, steht in beiliegedem Schreiben. Aha. Nach einer viertel Stunde wird mir klar, dass die Aktivierung unmöglich ist, weil mein Perso anscheind nicht über die dafür notwendige Funktion verfügt. Ich könnte jetzt auf die Stadt fahren, um das ändern zu lassen, oder alternativ einen Termin bei der Krankenkasse machen, damit jemand meinen Ausweis mit den Augen anguckt und feststellt, dass ich ich bin und das auf der Krankenkarte speichert. Tja, blöd, dass ich das nicht habe kommen sehen… Anruf in der Hausarztpraxis, weil, ich würde das bestellte Rezept wahrscheinlich brauchen, bevor diese Karte voll funktionsfähig ist. Überhaupt! kein! Problem!, sagt die Dame am Telefon, mit dem E-Rezept fangen sie an, wenn das Pflicht wird, keinen Tag eher. Niemand hat Lust auf eine Übergangszeit voller halbdigitalem Gewurschtel.

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Letzte Ferienwoche, spontan gäbe es die Möglichkeit, ein paar Tage weg zu fahren, für uns Mädels. Wir planen was. Direkt buchen geht leider nicht, ich schicke eine Anfrage. An nachmittag des nächten Tages bekomme ich eine mail, auf der ganz oben, noch vor der Anrede in fetter roter Schrift steht, dass es sich dabei nicht um eine Buchungsbestätigung handelt, man teile nur mit, das die Anfrage eingegangen sei. Spaßeshalber gibt der Liebste mal unsere Wunschdaten in seine Buchungsapp ein. Wenn man bereit ist, zu dritt ein Zimmer zu teilen und auf Fussballplatz und Kickerraum verzichten kann, gibt es Angebote die günstiger sind, als der Preis, den die Jugendherberge aufruft. Deutlich günstiger, trotz bezogener Betten und Fernseher und W-Lan im Zimmer, ich bin ehrlich überrascht. Dann implodieren zwei Dienstpläne. Gut, dass nichts gebucht ist. Drei Tage später, abends um halb neun klingelt das Telefon. Eine freundliche junge Frau von der Rezeption erkundigt sich, ob wir später anreisen. Hä? Es dauert einen Moment, bis ich verstehe, was sie meint. Nein, wir reisen garnicht an, unsere Anfrage wurde nicht beantwortet. Die Frau murmelt *Tastaturklappergeräusch*, richtig, die Bestätigung sei garnicht rausgegangen, das könne sie sehen, das ist ja jetzt schade, ob wir denn trotzdem noch kommen wollen? Nein, die Pläne haben sich geändert, aber danke der Nachfrage. Sie entschuldigt sich, vielleicht ja beim nächsten Mal, man würde sich freuen… Um 20.39 Uhr erhalte ich eine email. Schade, dass sich unsere Reisepläne geändert haben, der Aufenthalt wurde kostenlos storniert. Das eine nicht gebuchte Reise kostenlos stornierbar ist, entspricht meinen Erwartungen.

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Im Juni hatte ich mit dem NVV telefoniert, wegen Kündigungsfrist für das Schüler-Hessenticket und erfahren: es werden Schreiben verschickt, im August, wenn man darauf nicht reagiert, wird das Ticket automatisch gekündigt, in dem Jahr, indem das Kind 18 wird. Ich muss also garnichts tun. Service der begeistert. Mitte September kündigt der NVV an, demnächst den Betrag für das Jahresticket abbuchen zu wollen. Ich telefoniere. Die Schreiben seien leider nicht rausgegangen, Chaos wegen Deutschlandticket. Verstehe. Mein Problem liegt allerdings nicht darin, dass ich das Schreiben, auf das ich nicht hätte reagieren sollen nicht bekommen habe. „Ah, so, bei Ihnen ist Geld abgebucht worden für ein Ticket das gekündigt werden sollte?“ kombiniert der Servicemitarbeiter. Ganz genau. Dann *Tastaturklappergeräusch* kündigt er das jetzt rückwirkend und das Geld wird mir zeitnah zurückerstattet werden. Damit wäre mein Problem gelöst, ich bedanke mich, der Mitarbeiter wirkt leicht verwirrt, wahrscheinlich sieht das Protokoll noch mehrere Minuten Genörgel vor. Drei Tage später bekommt Märzkind ein Schreiben indem mitgeteilt wird, das das Abo gekündigt ist und sie demnächst eine Rückzahlung von 31 Euro erhalten wird. Missverständnis. Wir hätten tatsächlich gerne die ganzen 365 Euro zurück. Diesmal hängt sich der Liebste in die Warteschleife.

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Während einer Wartezeit ploppt eine Videoempfehlung für mich auf. Mal sehen was youtube denkt, was mich interessieren könnte. Och guck. Meine Cousine im Fernseh. Der Kinderarzt, der ihre Tochter noch vor wenigen Wochen als Patientin aufgenommen hat, ist verschwunden. Praxisaufgabe. Funfact: Alle Kinderärzte im Umkreis von 30km sind voll. Sie hofft sehr, dass der Kinderarzt im Nachbarstädtchen, 40 Autominuten entfernt, noch was frei hat. Die Anfrage läuft.

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Neun Jahre am Stück war ich (als hinbringende/abholende Mami) im kleinen örtlichen Kindergarten, während der ganzen Zeit gab es ein festes Team aus zwei Erzieherinnen und einer Reinigungskraft, die den Laden geschmissen haben plus wechselnde Teilzeitkräften und Praktikanten. Die Atmosphäre war wertschätzend und freundlich. Eine der Erzieherinnen ist letzten Sommer in Rente gegangen, die verbliebenen drei haben gekündigt. Dorftratsch. Man fragt sich verschiedenes. Funfact: Die drei nächstliegenden Kindergärten der Nachbardörfer sind alle voll. Was für ein Glück, dass unsere groß sind.

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Märzkind sitzt bei mir am Esstisch, müde. Sie hat seit dem sehr frühen Sonntag morgen ein kaputtes Knie begleitet. In die Notaufnahme, zum Anästhesistengespräch, zum OP-Termin und nach Wartezeit zurück aufs heimische Sofa. Wiedervorlage morgen früh, weil es sich bei diesem „Notfall-OP-Termin“ um einen „OP-Termin auf Warteliste“ handelte, was bedeutet, man bekommt zwar innerhalb von drei Tagen einen OP-Termin, der wird aber abgesagt, falls ein echter Notfall dazwischen kommt, was dann um halb zehn eben der Fall war. Natürlich hat man Verständnis. Es waren auch alle die ganze Zeit über nett. Aber hätte einem das vorher jemand gesagt, man wäre mit einer anderen Haltung in diesen Tag gestartet.

August-Schnipsel 23

Der Liebste feiert seinen Geburtstag nicht- vielleicht – mit der engsten Familie – ein paar Freunden… zum Essen…wie jedes Jahr, schöne Party. Der Plan war, Reste portionsweise einzufrieren, aber das wird nicht nötig sein, sagen die Blagen, das bisschen schaffen sie später noch. Der Liebste wundert sich. Möglicherweise hat er in Erwachsenen-Portionen gerechnet? Es waren fünf Teenager dabei.

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Gab`s einen Startschuss? Über Nacht hat sich ein bunter Strauss Postkarten ersetzender Statusmeldungen angesammelt. Das Grandhotel am Gardasee, europäische Wahrzeichen, Wege durch Felsen, Fahrräder vor Landschaft und opulente Gebäckstücke. Mir fehlt noch der Satz „E5 ist ja völlig überlaufen“, dann hätte ich Bingo.

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Es steht tatsächlich garnichts im Kalender, über mehrere Wochen, aber der Eindruck täuscht. Es arbeitet in Köpfen.

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Die herbstlichen Temperaturen werden innerhalb kürzester Zeit von tropischer Schwüle abgelöst. Jetzt ist es zwar warm, aber so kann man mit dem Wetter auch nichts anfangen. „Der Ur-Oma gehts nicht gut, hat die Oma gesagt, weil sie alt ist…“, berichtet Maikind als er vom Rasen mähen zurück kommt. Wir schauen uns an und denken wahrscheinlich das gleiche, bei diesem Wetter scheint nichts unmöglich, aber niemand möchte es laut sagen.

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Das Gewitter ist noch weit weg, aber der Blitz eben, der hat irgendwo in der Nähe eingeschlagen. De Omma ruft an, um mitzuteilen, dass sie nicht telefonieren kann. Aha. Totalausfall von Telefon und Internet bei den Eltern. De Omma hat einen analogen Anschluss. Eine besondere Situation, die für uns alle Herausforderungen bereit hält, um es mal im Stile des Lockdowns zu formulieren.

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Eine gute Nachricht: Schwiegeroma ist wieder wohl auf. War wohl nur das Wetter, oder so.

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Fupp. Backofen kaputt.

Nicht tragisch, es gibt ein Budget für diesen Fall, denn eigentlich ist ein anderes Haushaltsgerät alterschwach, es könnte jederzeit soweit sein… genaugenommen sind alle Weißgeräte im Haus ungefähr gleich alt und Reperatursachen kommen traditionell im Dreierpack…aber…sssscccchhhhhh bloß nichts herbeireden, da wird der Liebste abergläubisch. Sofort lieferbar bedeutet, es dauert vier Wochen, bis das neue Gerät da ist. Da freut man sich dann richtig. Der Ofen wird an einem Freitag geliefert. Am darauf folgenden Samstag, abends um halb elf, führt das Betätigen der Klospülung zu einer völlig unerwarteten Eskalation. Sowas könnte ja ruhig mal Mittwoch morgen oder so, aber nö. Sonntag nachmittag streikt der Staubsauger.

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Das war doch mal ein richtig guter Film, ne? Wie es mir denn gefallen hat, fragen die Mädels. „Naja, gut ist vielleicht nicht das richtige Wort, aber, Premium trash, würde ich sagen.“ Was? Wieso denn trash? Das war doch wohl nicht schlecht, was denn dann für mich ein guter Film wäre, das soll ich aber jetzt mal sagen. „Das der schlecht war, hab ich nie behauptet. Von einem guten Film hätte ich allerdings erwartet, dass die Person die, während sie einen Salto mit dem Jetski macht, mit einer aus Altmetallteilen im fahrenden Schlauchboot selbst gebauten Giftampullen-Harpune einen Megalodon erlegt, sich dabei das Shirt nass macht, sonst wirkt es unrealistisch.“ „Sowas fällt nur dir auf…“ murmelt der Liebste, „man muss eine Handlung auch einfach mal laufen lassen können und außerdem… es war Jason Statham… hallo?“ sagen die Mädels. Meg 2. Wir einigen uns auf unterhaltsam.

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Ausflüge in einen Tierpark, einen Kletterpark, eine Innenstadt. Das Gefühl, Zeit zu haben, vielleicht zum ersten Mal in diesem Jahr.

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Natürlich nur ganz kurz. Der Liebste bekommt Urlaubsbilder von einem Kollegen geschickt. Eine Bergrettung? Fuss, verbunden, auf Kissen liegend, es gucken Schrauben raus. Nicht gut, das heißt was, für die nächsten Wochen. Aber dieser Bänderriss von damals fühlt sich rückblickend fast garnicht mehr so schlimm an.

Von hundert auf null, KW 29/30 2023

So viel und so häufig haben wir seit der Kleinkinderzeit nicht mehr über Schlaf geredet, aus Gründen. Wir schlafen alle schlecht, seit längerem und jeder auf andere Art. Man bemüht sich, niemandem auf den Sack zu gehen, jeder räumt jedem Sachen hinterher, läuft Wege doppelt oder dreifach, weil der eigene Kram dabei vergessen wurde. Insgesamt erinnert dieser Zustand an was. Vielleicht ist das noch Rest-Corona?

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Ein Aufbackbrötchen vom Discounter, die Backzeit wurde offensichtlich auf das Minimum reduziert. Es ist aufgeschnitten, aber nicht erkennbar belegt. Aus Neugier hebe ich den Deckel an, sehe zwei hauchzarte Scheiben Mortadella auf einer dünnen Schicht Streichfett und seufze leise. Man hätte so viele Brötchen schmieren dürfen wie man will, sagt Julikind, aber eins musste jeder. Da hat der Klassenlehrer drauf bestanden, sonst hätte sie gar keins eingepackt, weil „is eklig, ne?“ Jo. Aber ich esse das jetzt trotzdem.

Nominiert für das unterwältigendste Gastro-Erlebnis in der Kategorie Preis/Leistung ist damit…Trommelwirbel… dieses Lunchpaket, bestehend aus einem halben Liter Wasser in Plastikmehrwegflasche, einem selbstgeschmiertes Brötchen und einem Großhandels-Müsliriegel zum Preis von 8 Euro.

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Julikind hat am letzten Schultag Geburtstag. Kaffeetrinken gibt es bei der Oma auf dem Hof. Sie teilen sich einen Geburtstag. Einige Gäste kommen etwas später und wundern sich, dass wir so draußen sitzen, wo sie herkommen ist Hagel und Sturm. Wir haben die Wolken vorbei ziehen sehen, aber sonst war nichts.

Abendessen gibt es bei uns. Nudeln wurden gewünscht, und das passt gut, denn zum draußen sitzen ist es abends tatsächlich zu frisch. Julikind freut sich ehrlich über alle Geschenke. Die Gäste sind ein bisschen erleichtert, geben sie zu. Dieses Jahr hatte niemand so richtig eine Idee, was Julikind eigentlich gerade gerne mag, noch nicht mal sie selber. Am meisten freut sie sich über einen besonderen Gast. Das Baby der Patentante ist gerade mal zwei Wochen alt. Julikind verliebt sich sofort.

Zeugnisse machen die Runde. Schwiegermutter murmelt und schüttelt dann staunend den Kopf. Leider habe sie garnicht genug Bargeld dabei, um ihre Freude in den für diese Noten üblichen Beträgen Ausdruck zu verleihen. Kann man stolz sein. Vor allem, wenn man über Wochen immer nur das Drama und das „durchkommen, einfach nur durchkommen….“- Mantra am Küchentisch und mit was ganz anderem gerechnet hatte. Ich freue mich, dass dieses Schuljahr endlich geschafft ist!

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Auf zwei Partys an einem Tag folgt einer auf dem Sofa. Niemand will irgendwas. Auch mal schön.

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Wir feiern den 91. Geburtstag von der Omma. Hochbetagten Partys sind was Schönes, aber auch ein bisschen anstrengend. Selbst wenn man „nur“ Gast ist. Unauffällig tausche ich einen Blick mit der Mudda, ab morgen wirds leichter.

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Die Zahnarztpraxis ruft an, man hat die Termine der Kinder hintereinander legen müssen, parallel geht nicht, leider sei jemand krank geworden, ich möge bitte statt 45 Minuten anderthalb Stunden Zeit einplanen, nur dass ich bescheid weiß. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Man bietet mir an, einen oder beide Termine zu verschieben. Nee, aber danke. Ich gebe die Kinder ab und fahre einkaufen. Nach einer halben Stunde ruft Maikind an. Da sei nur ein Termin gebucht gewesen, war aber nicht schlimm, denn der war für Kleinkinder kalkuliert. Die Prohylaxefrau hat gesagt, das, was der Arzt da gemacht haben wollte ist eigentlich jenseits der Grundschule gar nicht mehr nötig, und wo sie denn jetzt hinkommen sollen? Man fragt sich verschiedenes. Aber, das Witzige ist, hätte jeder einzelne kommentarlos Dienst nach Vorschrift gemacht, es hätte von aussen gewirkt wie Kompetenz, stellt Maikind fest. Stimmt.

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Ein Starkregen-Ereignis. Der Liebste und ich gucken aus dem Fenster und beobachten, kann man ja nicht nachstellen, sowas. Sieht alles supergut aus. Regenmengen bis 30 Liter pro Stunde können wir jetzt entspannt sehen. Da läuft nix mehr in den Keller. Dank an den Steinmetz.

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Die erste Ferienwoche regnet es, durchgehend und ergiebig. Entspannend, man muss garnichts.

In der zweiten Woche kommen die Blagen das erste Mal aus ihren Zimmern, ohne dass vorher jemand „essen“ gerufen hat. Abends um halb 8 machen wir das Licht im Esszimmer an, weil es ohne zu dunkel wäre und spielen endlich mal dieses Gesellschaftsspiel, dass wir damals, vor dem ersten Lockdown in der Annahme, es könne langweilig werden, gekauft hatten.

Regen prasselt ans Fenster, der Liebste und ich sitzen mit Wolldecke über den Füßen und Bier in der Hand auf dem Sofa. Gemütlich. Kurz fragen wir uns, ob wir uns vielleicht selber peinlich sind. Aber nee, passt schon. Waaaackeeeen!!

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Ich hole mir eine zweite Decke vom Dachboden, ist sonst zu kalt nachts. Jemand hat die ersten Sendetermine für „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ im Status. Märzkind gesteht kleinlaut, gestern abend den ersten Weihnachtsfilm geguckt zu haben. Ach, soll sie ruhig, sage ich. Wir arbeiten die Jahreszeiten einfach so ab wie sie kommen. Vielleicht können wir an Heilig Abend irgendwo ein Tretboot mieten.

Hallo? Sommerferien?

Unwetter und Alterungsmomente, KW 25/26 2023

Montag morgen um halb sechs bemerke ich auf dem Weg zum Auto, die Strickjacke hätte ich garnicht gebraucht. Es ist richtig schön draußen. Maikind sieht das anders und hofft sehr, dass sie bei diesem Wetter nicht im Stau stehen müssen, zumal die Fahrt ja sowieso schon fast 12 Stunden…

Die Busfahrerin öffnet die Kofferräume „bitte, ihr dürft, seid ja schon groß“, sagt sie und beißt in ihr Brötchen. Junge Menschen in Jogginghosen verabschieden sich, verladen Reisetaschen, und verschwinden im Bus. Ich hab eine Winkerlaubnis und bleibe an der Hecke stehen. In diesem kleinen Elterngrüppchen haben wir schon den Kindergartenausflügen hinterher gewunken. Als der Bus die Hauptstraße erreicht wird uns klar, das war gerade das letzte Mal, ab Herbst winkt jeder woanders, wenn überhaupt. Es ist so ein Moment.

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Der Liebste sieht blass aus, als er von der Hunderunde wiederkommt und setzt sich erstmal. Was er auf dem Weg erfahren hat ist kein Tratsch, es ist eine Nachricht. Es gab einen Unfall, Stromschlag, Spezialklinik, Intensivstation. Schweigen. Dann kommt die Sicherheitsfachkraft im Liebsten durch. Sowas sollte unmöglich sein. Wie nur?

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In der morning-show des regionalen Radiosenders spielt der Moderator normalerweise das Wetter als Klaviermelodie. Heute wäre das schnell erledigt, für ganz Hessen gilt das Gleiche. Allerdings ist diese Wetterlage auf dem Klavier nicht darstellbar. Man behilft sich mit ACDC „Thunderstruck“.

Äh, wenn es Tornados geben soll, würde ich den geplanten Gartenmarktbesuch vielleicht lieber verschieben. Nee, nee, sagt der Liebste, Tornados erst heute Nachmittag, wir machen das jetzt. Auf der Rückfahrt sind die Wetterwarnungen nicht mehr lustig. „Die Pumpe steht in der Garage“, sagt er, als er sich zur Spätschicht aufmacht, „nur für den Fall“. Ja nee, ist klar. Der Familienchat deckt diese Woche ein Gebiet von Dangast bis Wien ab. Fotos von Wolken, Stand jetzt: überall alles tutti.

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Ein Anruf. Jemand braucht eine Unterkunft, nur für eine Nacht, heute. Kein Problem, sage ich, in der Annahme, die Gäste kämen nach Feierabend. Man freut sich sehr und wäre dann in einer halben Stunde da, wegen Wetter… oh. Die Ferienwohnung war länger nicht belegt, ich hatte Grundreinigung…ääähh… die Mädels eilen zur Hilfe. Betten beziehen, durchsaugen, Bad fertig, Geschirrschränke einräumen, Bezüge aufs Sofa, Handtücher und Tischdecke, Gäste willkommen heißen. High five, große Kinder sind toll, das hätte ich alleine nicht geschafft. Eine halbe Stunde später schwitzen wir immernoch.

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Eine Luft draußen, man wundert sich fast, dass man sie nicht sehen kann, als gestapelte Würfel, oder so. Der Hund müsste nochmal raus. Bei dem Wetter kriegt er womöglich wieder Kreislauf, aber bei Hagel-Gewitter will man ja auch nicht. Ein rundum Blick an den Himmel, leichte Entscheidung, wir gehen jetzt. Die Wolken klingen, als würde jemand eine Mülltonne über Kopfsteinpflaster ziehen. Dann wird es dunkel im Wald. Ich drehe um, der Hund wundert sich. Erst sind es nur wenige Regentropfen, aber jeder einzelne geht sofort durch, bis auf die Haut. Wir joggen den Weg zurück.

Der Liebste ruft an, er hat Wolken ziehen sehen und Geräuschkulisse wahrgenommen. Alles gut, nur Regen sage ich und in dem Moment ändert sich das Geräusch. Die größten Hagelkörner, die ich je gesehen habe. Nur wenige und nur kurz, aber beeindruckend. Für 10 Minuten, dann erreichen uns Bilder aus dem Nachbarort. Hagelkörner so groß wie Hühnereier.

In der Gewitterpause gehe ich kurz zur Omma. Die ist fröhlich. Jo, es habe da eben mal ganz ordentlich geregnet, aber alles in Ordnung. „Da kommt gleich noch mehr“, sage ich, genaugenommen geht es schon los. Ich deute auf den laut prasselnden Regenschauer vorm Fenster. Die Omma dreht sich um. „Ja, die Blume da, auf der Fensterbank, wunderschön blüht die, ne?“ Ich unterdrücke ein Schmunzeln. Soviel zum Thema „ich höre und sehe noch alles“, aber für heute ist es praktisch. Den Weg zurück jogge ich und bin Sekunden vor dem richtig fetten Regen an der Haustür angekommen.

Der Vatta ruft an. Er hat Hessenschau geguckt im Urlaub und …wie es denn aussehe, bei uns? Gut. Ich mache das Fernseh an und bekomme eine Ahnung, wieviel Glück wir wirklich hatten. Nur wenige Kilometer weiter sieht es ganz anders aus. Gärten liegen darnieder, Autos mit Totalschaden, kaputte Dachfenster…

Wien schickt ein Foto vom Schnitzel.

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Auf wundersame Weise hat sich ein Chaos so zusammengefügt, dass ich nur sitzen und warten brauche. Ein Buch und ein Getränk, angenehm temperierter Sommerwind weht durch eine geöffnete Autotür, friedliche Parkplatzstille, ich vergesse die Zeit. Wegen Hunger gucke ich dann doch irgendwann auf die Uhr. Trainingsende ist schon länger her, eigentlich. Merkwürdig. Ich gehe nachsehen und finde eine fröhlich tratschende Runde von Kickboxern verschiedener Generationen.

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Die Spiele der Klostertrophy sind angelehnt an bekannte Klassiker wie vier gewinnt, looping Loui oder der heiße Draht, nur halt in XXL-outdoor-Versionen, gespielt wird in fünfer-Teams, alle müssen volljährig sein. Wir sind nur Zuschauer. „Weißte noch, damals?“, fragt der Liebste. Sicher. Legendär der Abend als sein Heimatort den ersten und den dritten Platz gemacht hat. 800 Euro Preisgeld waren das, kein einziger davon hat das Festzelt verlassen. Die, die jetzt mitspielen, waren da noch garnicht auf der Welt, stellen wir fest. Einige von ihnen haben wir auf Kindergeburtstagen bespaßt, neulich doch erst, wie kann das sein?

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Es gäbe einen Anlass, wir würden eventuell ins Phantasialand wollen. Karten muss man vorher buchen. Der angedachte Tag liegt in einer günstigen Preiskategorie, juhu – äh, nee, doch nicht. Bei allem Verständnis für Inflation und so, aber da bin ich raus. Für 270 Euro Eintritt würde mich jede in Warteschlangen verbrachte Minute stressen.

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Kind: „… Bundesjugendspiele… Bankballtunier… Wasserski fahren… und Freitag ist ja dann der Feiertag“

Ich: „Freitag ist kein Feiertag“

Kind: „Hä? Wieso haben wir denn dann Freitag keine Schule?“

Ich: „Ihr habt Freitag keine Schule?“

Es gab mal eine Zeit, da hat die Schule sowas an Eltern kommuniziert, aber, ach komm geh weg, ist ja auch egal.

Rosen aus Salami, KW 20/2023

Zwei leere Flaschen stehen neben der Kaffeemaschine. Ohne groß drüber nachzudenken packe ich sie ein und bringe Milch mit, von der Hunderunde durchs Feld. Äh, im Kühlschrank stehen noch zwei fast volle Flaschen. Merkwürdig, aber, wenn man so darüber nachdenkt, die zwei, die hier so regelmäßig mitessen, dass es Teil der Einkaufsroutine ist waren alle beide schon länger nicht da. Vielleicht läuft das Vor-Ferien-Chaos schon an.

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Oh, oh, für zwei Sekunden sieht es so aus, als würde ich gleich einen riesen Scherbenhaufen geliefert bekommen. „Müssen se n bisschen aufpassen, damit, die Palette ist im Arsch“, sagt der Lieferant. Er hat da eine von seinen noch mit drunter gepackt, sonst hätte man das garnicht transportieren können. Das ist nett. Ich hole mir die Schubkarre und mache mich daran, die Kartons von der Bordsteinkante in den Keller zu verfrachten. Nach zweimal hin und her ziehe ich mir Sportklamotten an, schwülwarme 26 Grad, morgens um elf, ausgerechnet heute, die Wolken werden immer dunkler, es grummelt. Nicht nur das Wetter. In die Kartons, in denen bisher geliefert wurden, haben wir nach der Ernte die vollen Honiggläser wieder reingepackt. Die Kunden nehmen die Kartons mit, quer durchs Land und bringen im Lauf des Jahres leere Honiggläser darin zurück. Ein Mehrwegsystem, quasi. Wo früher riesige Tackernadeln stabilen Kartonboden zusammenhielten, sind jetzt Klebebandstreifen auf wabbeliger Pappe. Diese Verpackung wurde für den einmaligen Transport leerer Gläser konstruiert, einige sind schon auf der Palette zerbeult. Ich hatte mich kurz gefreut, dass es garnicht so viel teurer geworden ist, wie erwartet aber, hätte ich eine Ahnung gehabt, was mit dem Begriff „Beispielbild“ in der Angebotsbeschreibung gemeint war, ich hätte das so nicht bestellt. Aaarggghhh!

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Innerhalb von einer Stunde bekommen wir einen halben Meter Schinken/Salami/Wurst-Aufschnitt-Brett-Reste und eine Torte geschenkt. Reste des Muttertagsbuffets und einer Geburtstagsfeier, nicht schaffbar, man müsste es wegwerfen. Soweit darf man es kommen lassen, sagen die Teenager. Bilder ähnlich einer Pinguinfütterung.

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„Ach übrigens, ich bin dann morgen auf einen Geburtstag eingeladen…“ Äh, jo. Ein Geburtstagsgeschenk für sofort, bitte. Das hatten wir schon lange nicht.

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Drei Brotdosen gefüllt, mit dem Hund bis an die Bank gewesen, Spülmaschine aus und Waschmaschine eingeräumt, eine Besucherin begrüßt, zwei Überweisungen getätigt, eine Elterntaxifahrt zur Schule (Klassenarbeit, Bus kommt immernoch 20 Minuten später als normal), alles noch vorm ersten Kaffee. Es geht wieder, stelle ich fest, obwohl ich gestern Kartons geschleppt hab, da ruhig mal einen Moment drüber freuen, denn das sah vor wenigen Wochen ganz anders aus.

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Am späten Nachmittag dann öffnet jemand die Tür und der „wind of change“ weht mir um die Ohren. Ein Drama. Nicht meines und eigentlich auch nicht überraschend, aber irgendwie halt doch.

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So sehr sich die Geschwister untereinander manchmal auf den Sack gehen – in der Not stehen sie zusammen. Jeder tut was möglich ist. Ein Hauch von freundlicher Rücksichtnahme weht durchs Haus, lauter nette Gesten und aufrichtige Anteilnahme. Ungewohnt. Fast gespenstisch, nach wochenlangen Vor-Prüfungs-Launen.

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Der Liebste hat überraschend den Feiertag frei und wünscht sich eine Vatertagswanderung mit seiner Familie. Die Blagen sind nicht begeistert, aber tapfer, danach wird gegrillt.

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„Warum liegt da eine angefangene Tüte Popcorn?“ „Hab ich nicht auf einmal geschafft…“ „Mmmhh“ Pause „Was klebt denn da?“ „Ein Namensschild, hat wahrscheinlich, ich lese Vor- und Nachname vor, hingeklebt“ „Naarha- und wieso steckt da eine Krone auf dem Rückspiegel?“ „Keine Krone, is n Diadem, falls jemand 18 wird, oder sonstige Anlässe“ „aha“ Julikind sucht Sinn während dieser Elterntaxifahrt, vergeblich. Märzkind und ich teilen dieses Auto, Menschen fahren mit, Sachen bleiben liegen.

Festwoche KW 13/23

Es geht wieder. Nicht gut und nur langsam, aber eine Teilnahme am Geburtstags-Kaffee trinken nachmittags scheint im Bereich des Möglichen zu liegen. Da hatte ich gestern noch nicht viel Hoffnung. Ich übernehme eine Elterntaxifahrt mit kleinem Einkauf während der Wartezeit, mache Kuchen fertig und bin danach eigentlich erledigt. Ein Hoch auf die gut sortierte Hausapotheke.

Gastgeben im eigentlichen Sinne kann ich nicht, aber es ist ja auch nicht meine Party. Nur so sitzen geht. Märzkind fragt, wie das denn losgeht, auf so einer Party. Man checkt ob alle da sind, sagt vielleicht kurz, dass man sich freut oder so und holt sich dann Kuchen, und es läuft. Anscheind sind alle da. Halt, doch nicht. Wer hat de Omma vergessen? Die Frage wird durch den Saal gemurmelt. Sie hat abgesagt, quasi in letzter Minute, sagt de Mudda. Hä? Wieso? Wegen Corona. Sehr merkwürdig. Dienstag hat sie noch drauf bestanden, dass jemand von uns Kuchen abholt. Wir konnten uns gerade so darauf einigen, dass sie eine Tüte an die Haustür hängt.

Sonntag morgen tut zum ersten mal seit langem nichts weh, beim wach werden. Der Kopf ist auch wieder klarer. Es fühlt sich nicht mehr an, als müsste man alles durch dichten Nebel denken. Leben in normaler Geschwindigkeit, herrlich. Ich freue mich richtig. Im Nachbarort ist heute Vorstellungsgottesdienst, da könnte ich mit Julikind hin. Brüderchen erkundigt sich in der Familiengruppe, ob wir denn alle an der Uhr gedreht haben. Hä? Nee. Zum ersten mal überhaupt hab ich die Zeitumstellung völlig vergessen. Spontane Planänderung…Gottesdienstbeginn in 10 Minuten ist nicht schaffbar, Kaffee also. Der Liebste wirkt leicht zerknittert. Er war länger auf der Party als ursprünglich gedacht, irgendwie sei ihm die Rolle des weisen Mannes zugefallen, Leute hatten Redebedarf, bis zwei Uhr stand immer jemand bei ihm am Grill, sagt er. Hunderunde schaffe ich noch nicht, aber ich könnte mal gucken, ob vom Salatbuffet noch was übrig/essbar ist.

Abgestandene Partys erzählen Geschichten und ich bin ehrlich gesagt neugierig. Es sieht bei weitem nicht so schlimm aus wie erwartet. Jemand hat sich für die kommende Saison der örtlichen Mannschaft verpflichtet, schriftlich, der durchgesiffte Bierdeckel ist wohl ein Dokument, den lass ich erstmal liegen. Anscheind trinkt man Fruchtsaft oder Eistee mit Korn, Bier ist jede Menge übrig. Auf einem der Tische liegt ein Haarreif mit Moosgummikrönchen und Schleier, der hat vielleicht idellen Wert, ich setze ihn auf, nicht das er weg kommt. Als ich den Kofferraum mit Salatschüsseln und Geschirr belade fahren Autos vor, oh, ist hier etwa Fussball, heute? Nee, sagen die Jungs, Auswärtsspiel, sie treffen sich nur hier. Ich bin erleichtert, frage mich kurz, warum die alle so komisch gucken, und mache weiter. Auf dem Weg zurück ins Gebäude weht mir der Wind einen Hauch von glitzerdem Polyestergeschmeide über die Schulter. Ach so.

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Alle räumen den Tisch ab. Auf dem Rückweg vom Kühlschrank ist ein knappes Gespräch unter Geschwistern zu belauschen Julikind: „Kannste mich mal von der Seite würgen?“ Maikind: „Samma, hackts bei dir?“ Gürtelprüfung, diese Woche, jeder ausser ihr ist sich sicher, dass sie das schafft.

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Weil wir jung genug sind um es zu können und alt genug um keine Kleinkinder mehr auf dem Schoss balancieren zu müssen sitzen wir an der Biergarnitur in der Küche. Aus dem Wohnzimmer ertönt eine schmissige Klingelmelodie. Wir gucken uns fragend an. Die Herrschaften, die da auf richtigen Stühlen um den Tisch sitzen sind eigentlich alle zu alt für Mobiltelefone. Als die Meldodie das dritte mal von vorn beginnt, seufzt Schwiegermudda leise und fragt sich murmelnd, ob denn die Tante wohl ernsthaft denkt, dass die Oma jetzt aufsteht und da hinläuft? In dem Moment kommt die Tante samt Telefon angelaufen. Diese Meldodie… ein Telefonklingeln… wie man denn abnimmt? Schwiegermudda nimmt das Gerät entgegen die Melodie endet. Kurze Erklärung was zu tun ist, sollte es nochmal vorkommen und wo das Telefon am besten liegt, damit alle es finden können. „Ok“, sagt die Tante, schon auf dem Rückweg „wenns grün leuchtet, einfach da drauf drücken“. „Nee“, sagt Schwiegermudda, „wenn es leuchtet auf grün drücken“, aber das kann die Tante schon nicht mehr hören. Drei Sekunden später wieder die schmissige Melodie. „Da klingelt doch was, da will doch bestimmt jemand gratulieren“, ruft die Oma, „ah, das gibt wahrscheinlich nix“, murmelt Schwiegermudda und geht der Tante hinterher. Ich fühle mich gut unterhalten, gebe mir aber Mühe, es nicht zu zeigen. Die Schwägerin stupst mich sanft mit dem Ellbogen und fragt leise, ob ich mich noch an die Serie „Golden Girls“ erinnern kann. Wir lachen, die Blagen verstehen nicht wieso und sind peinlich berührt. Die Oma des Liebsten feiert ihren 103. Geburtstag. Wer U70 ist sitzt am Kindertisch.

Ob er vorne sitzen darf, fragt Maikind, als wir uns auf den Rückweg machen. Jo sicher, hast Erster gefragt, sage ich. Die kurvige Strecke zurück muss sie üben sagt Märzkind, ich soll ihr mal die Schlüssel geben. Äh, das hatte ich ganz vergessen, aber wieso nicht. „Oh“, sagt Maikind, als Märzkind einsteigt, „das ist aber ungewohnt“. „Für mich auch“, sage ich. „Hä?“, fragt Julikind als sie hinten einsteigt, „wieso sitzt du hier? ach so… “ Die erste Kurve nimmt sie sportlich. „Uuuaa“, sagt Julikind, und hält sich an der Tür fest. Ich weise daraufhin, dass ich wahrscheinlich brechen muss, wenn Märzkind so jetzt den ganzen Weg. „Ruhe dahinten“, sagt Märzkind. „Hömma“, sage ich. Kind mit Führerschein ist schon toll, nur ungewohnt.

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Husten, Rotzenasen, Halsschmerzen, Müdigkeit, Gliederschmerzen, mangelhafte Nachtruhe, Zeitumstellung – alles viel besser als letzte Woche aber ach…

Ein herzliches Dankschön, für die Anteilnahme und Genesungswünsche, vonne Psyche her hat`s geholfen.

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Nachdem wir zwei Haus- und Hof-Samstage hintereinander ausfallen haben lassen, kann auch das ungeschulte Auge erkennen, wieso die nötig sind. Wer kann hauswirtschaftet ein bisschen. Von selber, ohne zu nörgeln. Deutliche vorher/nachher Effekte sind erkennbar. Bemerkenswert.

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Werbung für Heuschnupfenmedikamente erreicht mich. Ich blicke raus ins Schneegestöber und frage mich, was das wohl soll.

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Ob er sich ein Bier nehmen darf, fragt Maikind Donnerstag abend. Ja. Ob ich auch eins will? Ja. Im Vorbeilaufen stoßen wir an. Weil wir es können und weil für ihn jetzt die Ferien beginnen. „Heimstudientag“ ist das Fachwort für, „sind halt keine Lehrer da und es wären ja sowieso nur zwei Stunden gewesen“.

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Brüderchen hat anlässlich seines Geburtstags eingeladen zu Kaffee, Kuchen und Mettbrötchen. Man fragt sich, wann denn der Esstisch das letzte Mal so komplett ausgezogen war, es ist schon länger her. Ein gemütlicher Nachmittag in der Weihnachtsrunde. Es ist Geburtstagshochsaison, obwohl wir uns diese Woche schon mal begegnet sind, gibt es einiges zu erzählen. Nächstes Wochende kann jeder selber was machen, dann ist schon Ostern, stellen wir fest. Also, wenn es schneit oder in Strömen regnet, dann lassen wir Eierwerfen aber ausfallen, keine Lust mehr, auf dieses Wetter…wenn Gülle gefahren wurde auch, ansonsten gerne, und ruhig auch wieder Kuchen oder so, da ist man sich einig.

Der Einschlag, Teil 2

Diese Halsschmerzen, die hatte er schon mal so, sagt Maikind Freitag morgen, er macht mal einen Test. „Scheiße“ flüstert er zwei Minuten später. Wir schweigen einen Moment „armes Märzkind, der dritte Corona-Geburtstag“, murmelt er und schüttelt mit dem Kopf. Märzkind kommt von der Schule und macht selber nochmal einen Test. Auch zwei Balken. Hä? Drei Tage gings ihr echt schlecht und sie war immer negativ, und heute? wo sie wieder in der Schule war? Ok, wenn ich jetzt drüber nachdenke, diese Kopfschmerzen, die hatte ich auch schon mal so – negativ. Soll mir recht sein. Ich fahre Julikind zum Training. Am nächsten Morgen fühlt es sich an, als hätte jemand meine Knochen mit Beton ausgegossen. Zwischen, ich steht dann jetzt auf` und im Bad angekommen vergeht eine viertel Stunde. Dort beginne ich den Tag mit einem Test. Als das erste bisschen Rotz im Testbereich ankommt leuchtet der Strich rot auf. Jo, genau so fühlt es sich an. Bis zum Nachmittag sind alle positiv, fast, Märzkind ist genesen. Ich hatte gedacht, eine zweite Runde, sollte es sie jemals geben, würde weniger heftig werden. Damit lag ich falsch. Angenehmer war, dass man sich um nichts bürokratisches mehr kümmern muss. Niemanden anrufen, nicht zwei Stunden anstehen für PCR-Tests, keine Quarantäne organisieren.

Märzkind verbringt ihren Geburtstags-nachmittag ausser Haus, erst mit der Oma, dann mit Freunden. Anders als gedacht aber schön wars, und muss man ja eh mit allem rechnen, wenn man um diese Zeit Geburtstag hat, sagt sie. Es fühlt sich ein bisschen seltsam an, das eigene Auto vom Hof fahren zu sehen. Ein Rücklicht ist kaputt, wusste ich garnicht.

Dem Liebsten gehts nach drei Tagen deutlich besser, Julikind auch. Maikind und ich hängen hinterher. Am Wochenende ist Geburtstagsparty, ich falle komplett aus, bei den Vorbereitungen. Das ist auch mal eine Erfahrung, für uns alle. Freitag kann ich zu meiner eigenen Überraschung wieder normal gehen. Es gab einen Plan B, aber den brauchts nicht. Ich backe Kuchen. Abends auf dem Flur ein gemurmeltes Gespräch mit Maikind. Alle anderen sind schon wieder negativ, haben den ganzen Tag über Sachen durch die Gegend getragen und rumgerödelt, unglaublich, wie gut es denen geht. Wir sind immernoch am Arsch. Wenn man ganz ehrlich sein will, die Chance, dass wir morgen in der Lage sind eine Party zu feiern – 50/50.

durchgewurschtelt, KW 7/8 2023

Seit fast zwei Jahren suchen sie einen Termin und dieses Wochenende könnte es wirklich klappen, was ich denn meine, erkundigt sich der Liebste. Passt, freut mich, fahrt ihr mal ruhig. Maikind und der Liebste werden den Patenonkel besuchen. Märzkind hat am Samstag einen Auftritt und einen Thekendienst, Julikind hat ein Extra-Training wegen Gürtelprüfung, ähm jo, das ist ja dann schon irgendwie blöd für mich, wenn ich den ganzen Haus-und Hoftag alleine machen muss… allgemeine Betroffenheit. Aber da kann ich sie beruhigen. Ich werde nur das allernötigste machen, den Rest können sie dann selber. Leider ist nach einer Woche Matschwetter mit diversen Terminen doch einiges nötig.

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Samstag morgen: Küche aufräumen, Kaffee kochen, Waschmaschine voll machen, Spülmaschine ausräumen, erleichtert feststellen, dass Märzkind doch schon wach ist und die Hunderunde übernimmt, Tasse Kaffee trinken, Stühle hoch stellen, saugen und wischen, Stühle runter stellen, Hund füttern, Julikind zum Training fahren, einkaufen, Julikind abholen, Kartoffelgratin für drei Leute zubereiten – niedlich, so eine kleine Form, Wäsche aufhängen, Einkäufe verräumen, essen, wischen im Obergeschoss, Hunderunde. Ich freue mich über den sauberen Fussboden, als ich wieder reinkomme. Das Telefon klingelt. Der Liebste wollte nur mal Hallo sagen und fragen, ob ich denn den freien Tag genieße. Hallo, freut mich und äh? genießen? ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, aber, danke der Nachfrage.

Sonntag morgen ruft de Omma an, um mir mitzuteilen, dass die Hochzeitssuppen-Einlage, die ich ihr vom Einkaufen mitgebracht hatte „nicht essbar“ sei, also, sowas von nicht ihr Geschmack, das hätte man sich sparen können. Tja, da hat sie Pech gehabt. Sollen doch die Hühner den Rest essen, sage ich ihr, und wundere mich selber ein bisschen darüber. Wenn sich dreijährige theatralisch vor ein Süßigkeitenregal im Supermarkt auf den Boden werfen und „ichwillabba“ rufen macht mir das garnichts, aber hochbetagten-Pubertät kann ich nicht. Diesen Tonfall lasse ich mir nicht mehr gefallen, dann soll sie selber.

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Ich motiviere um baldigen Aufbruch:“nu aber! der Bus ist schon runter gefahren“, „der darf doch garnicht früher fahren“, sagt Julikind tiefenentspannt „regulär wäre der schon seit ner viertel Stunde weg, wenn der jetzt 5 Minuten eher fährt als „normal“ ist er immernoch 10 Minuten zu spät“ „oh shit, stimmt ja“ die Blagen laufen los und erwischen den Bus gerade noch so. Ich stehe in der Tür und bin ein bisschen stolz. Eine Freundin des Julikinds wird zur Bushaltestelle gefahren, die Mutterkollegin wendet und fährt dem Bus filmreif mit quietschenden Reifen hinterher. Wir haben uns alle an die Fahrplanänderung gewöhnt.

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Dieser Schultag war komplett sinnlos, sagt Maikind. Ich gucke fragend. Naja, komplett dann doch nicht, eine Stunde Unterricht hatten sie. Der Rest war gefüllt mit Arbeitsaufträgen und Vertretungs- irgendwas. Morgen genau das gleiche. Bei ihr auch, sagt Julikind. Die Paralellklasse hatte Heimstudientag, deshalb war der halbe E-Kurs nicht da und deswegen haben sie eigentlich auch garnichts gemacht. Natürlich sollen Lehrkräfte krank zu Hause bleiben. Ich beschwer mich nicht, ich gebe nur zu Protokoll. In acht Wochen sind Abschlussprüfungen. Niemand erwartet mehr besondere Vorbereitung. Aber, dass der normale Unterricht nach Stundenplan stattfindet, zumindest in den Hauptfächern, das wäre vielleicht schon schön gewesen. Für Deutschland.

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Der Liebste hat was, schon länger. Nach mehreren Facharztterminen und einem MRT (inklusive 3 Stunden Autofahrt, die man in Kauf nehmen muss, wenn man einen Termin vor Ende Mai haben möchte) kam heraus: doch nicht. Kaum zu glauben, aber gut. Vorsichtig nimmt er den Alltag wieder auf. Eine Erschütterung beim e-bike fahren, bäm, ab in die Notaufnahme. Ergebnis: entweder wird jetzt alles von selber wieder gut, oder es ist eine OP nötig. Ruhig halten, Ibu nehmen, abwarten. Nachmittags nochmal zum Hausarzt, krank schreiben lassen. Stimmung im Keller. Der Rest der Familie nimmt intuitiv die alten Routinen wieder auf… nach drei Tagen Ruhe ganz vorsichtiger Optimismus.

Maikind war bei der Einstellungsuntersuchung, alles tutti, damit gilt der Ausbildungsvertrag. Freude und Entspannung. Julikind pubertiert. Märzkind ist Geburtstags-raschelig, was einerseits ja schön ist, weil man ziemlich sicher sagen kann, dass diese Party wirklich stattfinden wird, andererseits, hach, die letzten drei Wochen vor einem „Kindergeburtstag“ halt… Der Hund leidet mit dem Liebsten.

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Der Schreiner ruft an, sie sind mit einer Baustelle früher fertig als gedacht und könnten spontan, morgen früh um acht, die Fenster einbauen. Gerne. Die Kinder und ich rücken Möbel. Ein Anruf um 7.30 Uhr. Der Schreiner ist auch Bestatter und wird leider heute vormittag woanders gebraucht. Um ein paar Tage kommt es jetzt auch nicht mehr.

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Anfrage für eine Übernachtung in der Ferienwohnung, touristische Zwecke. Die Wohnung ist über Winter stillgelegt und auch nur noch auf einer Monteurseite zu finden. Ich wundere mich kurz, mache aber ein Angebot. Die Dame am Telefon schluckt und muss mir dann „aber ganz ehrlich mal sagen, da haben sie hier in der Gegend beim letzten Mal aber DEUTLICH! weniger bezahlt DEUTLICH! und da war Frühstück mit dabei“. Das muss schon länger her sein. Ich schmunzelei innerlich ein bisschen, erkläre kurz die Zusammensetzung des Preises, und mich bereit, ihr die Telefonnummer der Pension drei Häuser weiter zu geben. Da sind die Gegebenheiten vielleicht anders. Nein, das brauche ich nicht, sagt die Dame, die Pension sei ausgebucht, an dem betreffenden Wochenende. Aha. Wir sind hier aufm Dorf. Wenn es sich um nette Stammgäste der Pension handeln würde, hätte mich die Wirtin angerufen. Tja, dann, viel Erfolg, bei der Suche, sage ich. Reicht für diese Woche.

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Ich hätte dann gerne 18 Grad, blauen Himmel, fröhliche Menschen und keine besonderen Vorkommnisse in den nächsten Tagen.

Meilensteine und Situationen KW 5/6 2023

Sonnenschein! Herrlich. Ich hatte schon fast vergessen, wie blauer Himmel aussieht.

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Ich warte auf dem Beifahrersitz sitzend vorm TÜV, auf dem Armaturenbrett liegt eine Partytröte bereit. Märzkind klopft ans Fenster, ich soll rüber rutschen. Och nö. Nee, nee sie hat schon bestanden, sagt sie, aber den Fahrerlaubniszettel muss sie auf der Führerscheinstelle abholen. Es ist Freitag Mittag, zwölf Uhr. Dienstag abend erkundigt sich der Opa, wie es denn nun aussieht… ich hab keine aktuellen Informationen, gehe aber mal davon aus, dass sie den Zettel heute geholt hat…Märzkind kommt rein, ich übergebe das Telefon… „Jo, Opa, voll die scheiße ist das…“ Man braucht einen Termin. Wenn man die zur Terminvereinbarung angegebene Nummer anruft, landet man in einer Warteschleife, die länger dauert, als man sich im Schulalltag Zeit nehmen kann. Schrödingers Führerschein. Der Opa kümmert sich um einen Termin, ich fahre Freitag morgen extra ins Städtchen, folge dem fetten Schild, auf dem Führerscheinstelle steht, lese das kleine Schild an der verschlossenen Tür, auf dem „hier kein Eingang bitte Haupteingang nutzen“, gehe passiv aggressiv direkt über die Wiese, werde am Empfang, nennen wir es mal unhöflich begrüßt, und bekomme von dem anscheind zuständigen Mitarbeiter, der gerade durchs Foyer läuft und meinen Namen gehört hat den Zettel ausgehändigt. Die Tröte kam nicht zum Einsatz.

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Der Mitarbeiter, der mir den Zettel gegeben hat war auffallend freundlich. Zuvorkommend, könnte man fast sagen. Im rausgehen habe ich mitbekommen, wie er die zwei (dunkelhäutigen) wartenden jungen Männer angesprochen hat. Ich gehe mal davon aus, dass es da irgendeine Vorgeschichte gab. Das Freundlichkeitsgefälle war nämlich dermaßen krass, es könnte Rassismus gewesen sein. Auf jeden Fall war es unangemessen und ich hab mich im Namen des Landkreises geschämt.

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Als Wahlpflichtfächer hatte sie Kunst und Glück. Wie schön. Drei rührselige Sekunden gönne ich mir. Es ist das letzte Zeugnis, dass eine Muttiunterschrift braucht.

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Man darf wieder ohne Maske Bus fahren. Wer hätte gedacht, dass das mal nur eine Randnotiz im Alltag wird.

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Man hat bemerkt, dass mein Kind demnächst volljährig wird und würde deswegen gerne kein Kindergeld mehr zahlen. Es sei denn, das betreffende Kind besucht noch eine Schule oder macht eine Ausbildung. Dann müsste ich bitte diesen Antrag einreichen. Gerne. Äh? Die digitalisierte Form dieses Formulars besteht darin, dass ich es online ausfülle, ausdrucke, unterschreibe, und per Post schicke? Witzig. Ich fülle also die Papiere aus, die mir zugeschickt wurden. Habe ich für dieses Kind schon mal Kindergeld bekommen und wenn ja von wo? Ja, von euch ihr Heiopeis. Die Kindergeldnummer ist auf der Vorderseite des Formulars eingedruckt. Bürokratie bringt mich an nervliche Grenzen, diese Woche.

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Die Teilzeitnachbarin muss wieder nach Hause. Abflug in Frankfurt um 12.30 Uhr, damit sie sicher früh genug da ist muss sie um 6.05 Uhr am Zug sein. Ihre Mama soll im Dunkeln lieber kein Auto mehr fahren. Dass es hier morgens um halb sechs dunkel ist, hatte sie nicht bedacht, bei der Buchung, aber kein Problem, sie nimmt ein AS-Taxi, dachte sie. Zum Glück hat ihr die andere Nachbarin erzählt, dass man das im Voraus buchen muss. Vor sechs Uhr fährt nix, hat man ihr dann am Telefon gesagt. Tja, das war überraschend blöd, aber, weil die Situation nun mal ist wie sie ist, zahlt sie für die Reise was es kostet, in Australien sind gerade Sommerferien und Hauptsaison… nun hatte sie gedacht, wenn man bereit ist, für eine 15 km Fahrt über 40 Euro zu zahlen, darf man sich die Abfahrtszeit wünschen. Dem ist nicht so. Die Dame in der Taxizentrale hat gesagt, Freitag morgen kann sie eine Fahrt ins Städtchen um 5 Uhr anbieten, die kann sie nehmen oder nicht. Sie wird also eine dreiviertel Stunde Aufenthalt haben, am Bahnhof, das nächste mal fliegt sie wieder über Dubai, das ist einfacher, aber, was sie eigentlich sagen wollte, das Taxi wird vor unserem Haus halten. Ihr Haus ist von der Straße aus nicht zu sehen und sie wollte lieber nichts riskieren, nur dass wir bescheid wissen und uns nicht wundern. Überhaupt kein Problem. Morgens um fünf wundert mich nichts. Ein bisschen witzig ist es aber. Die Frau fliegt zweimal im Jahr um die halbe Welt, und das Abenteuer steckt in den paar Kilometern von hier bis ins Städtchen.

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De Omma sieht blass aus und ist insgesamt ein bisschen wackelig. Brombeergelee hat sie gekocht, heute, 24 Gläser von 6 Packungen Zucker, erfahre ich. Sie deutet auf den Küchenschrank. Tatsächlich. Da stehen die Gläser. Die Küche ist pikkobello aufgeräumt, nur der Entsafter steht noch auf dem Ofen. „Alles heute?“, ich bin beeindruckt, aber „wieso teilst du dir das denn nicht ein bisschen auf?“, frage ich, „heute zwei Ladungen, morgen zwei…?“ Die Oma guckt verwundert. Diese Möglichkeit ist ihr anscheind gar nicht eingefallen. Nee, nee, das habe sie sich vorgenommen und geschafft, sagt sie und ist ein bisschen stolz. Vorhin hat sie die Hühner reingelassen und auf dem Weg zurück zum Haus, da habe sie ganz kurz mal gedacht, vielleicht sei es doch ein bisschen zu viel gewesen, „aber jetzt geht es schon wieder“, sagt sie und beißt fröhlich in ihr Schinkenbrot.

Es war nicht vielleicht ein bisschen zu viel, sondern definitiv ziemlich. Am nächsten Morgen sind de Eltern leicht verhuscht. De Omma hatte morgens um vier angerufen, weil sie sich in einer Situation befand. Zum Glück nicht so schlimm wie befürchtet, aber aufregend war es doch. Ausnahmsweise wird sie heute nicht selber kochen, und, wenn wir ehrlich sind, den Rest der Woche wohl auch eher nicht. Mittagessen im Stile der frühen 60er Jahre, morgens um viertel nach elf – sowas kann von uns gar keiner. De Mudda improvisiert für heute und bestellt für die nächsten Tage Mittagessen im Nachbarort, ohne groß zu fragen. Wenn man den Namen des Nachbarorts so betont, dann meint man das dortige Seniorenheim. De Omma macht damit offiziell nicht mehr alles selber. Selbstverständlich nur diese Woche, sagt sie.

Chronisch krank sein ab mitte dreißig bietet einem die Chance, das „in Würde altern“ zu üben, stelle ich fest. Ich koche nie 6 Packungen Gelee an einem Tag.

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Die Honigkundin, der er einmal im Jahr einen Karton in den Keller trägt, hat jetzt einen Treppenlift, erzählt der Liebste. Total praktisch, das Ding. Einer beläd die Kiste im Keller mit Holz oder Eingewecktem, die andere nimmt es oben in Empfang. Niemand muss mehr irgendwas die hoch oder runter Treppe tragen. So machen wir das auch mal, später.

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Die Fenster, die in KW 45 eingebaut hätten werden sollen sind beim Schreiner angekommen. Sobald es 10°Grad hat werden die eingebaut. Juhu!

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Sonst war nix.