vor Weihnachten, 2023

Eine kleine Ecke Tapete ist lose. Es stört eigentlich nicht, wird aber allmählich erkennbar größer. Der Liebste zupft ein wenig daran, um festzustellen, welches Klebematerial wohl geeignet wäre, um den Schaden zu beheben. 18 Kilo Spachtelmasse haben in das Loch gepasst und der Weihnachtsbaum steht vor einer ganz frisch tapezierten Wand, dies Jahr.

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Die Konfirmandenstunde wird nicht lange dauern, heute, sagen die Mädels. Ich habe ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, im Groß-Dorf und würde dann einfach warten. Schweigend und sichtlich berührt steigen die drei nach einer halben Stunde wieder ein. Ich regle die Radiolautstärke runter und frage vorsichtig, wie es denn gewesen sei. „Traurig“, sagt Julikind. Die andern beiden nicken nur und schlucken. Fast hätte sie geweint, flüstert eine Freundin vom Rücksitz, als wir aus dem Ort rausfahren. „Einer von den Jungs hat geweint“, murmelt die andere, „einer von den Pfarrern auch“, und es liegt nichtmal ein Hauch von Spott in dieser Bemerkung. Die Konfirmandengruppe war gemeinsam am Grab und hat anschließend die in der Kirche eingerichtete Gedenkstätte besucht. Beides war beeindruckend und nötig, denn diese Jugendarbeiterin war Teil der Gruppe und sie wird fehlen.

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„Ach, äh, sie machen dann übrigens doch das mit dem Wicheln morgen, ne?“, sagt das Kind abends um halb neun. Während ich so durchs Haus laufe und Wichtelgeschenk zusammenbaue fällt mir auf: Das ist tatsächlich die erste Elternsache, diesen Advent. Keine Schulweihnachtsfeier, keine Chorveranstaltung, Sportevent, Krippenspiele, Mitbringbuffets, Weihnachten im Stall, noch nicht mal Muttitaxifahrten zu Weihnachtsfeiern irgendwo. Nix. Witzigerweise fühlt es sich dadurch viel weihnachtlicher an, finde ich und erzähle dem Liebsten von meiner Beobachtung. „Zeiten ändern sich, dafür waren wir jeder auf drei Beerdigungen, im Advent“, sagt er. So hatte ich das noch garnicht gesehen.

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Maikind hat seinen ersten Urlaub und freut sich sehr. Einen ganzen Vormittag lang backt er Plätzchen. Das ist für alle gut.

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De Omma hat Plätzchen gebacken. Es gab Hilfsangebote, aber anscheind wollte sie lieber in Ruhe, man kann es sich nicht erklären. Wir unterhalten uns nett, wie jede Woche, zweimal hintereinander das gleiche Gespräch, fast wortgleich. Ich gehe mit einem mulmigen Gefühl nach Hause.

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Die Oma aus dem Städtchen ist eingeladen, zum Heilgen Abend, man würde sie gerne abholen, und natürlich auch nach Hause fahren. Das wird nicht nötig sein, sie fährt selbst, erfahren wir. Tja. Niemand hält das für eine gute Idee. Niemand hat die Macht es zu verhindern.

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Der Weihnachtsbaum in der Dorfmitte ist wirklich schön dieses Jahr. „Irgendwer hat da ein Händchen für Lichterketten“, sagt die Freundin, technisch interessiert, „dazu noch der Schnee, bisschen wie auf einer Postkarte“, sagt sie, jetzt mit der Weihnachtselfenstimme. „Njo. Stimmt. Ich gebs weiter“, sage ich und schreibe wirklich eine whatsapp an den, der das vermutlich gemacht hat, ohne mit einer Antwort zu rechnen. Kurze Zeit später erfahre ich, dass das eine Teamleistung gewesen sei, er habe ja nur die Hubbühne gefahren, Schmuck gebastelt und gelichtert hätten andere, aber, danke, man freue sich, wenn sich Leute freuen. Tja, da freue ich mich aber auch, wenn sich Leute so freuen, dass sich Leute freuen – und frage mich, ob ich wohl die Erste war, die da mal was gesagt hat?

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Schnee weg. Statt dessen dichter Nebel. Fast wäre ich an unserer Einfahrt vorbeigefahren, wobei gefahren fast schon das falsche Wort ist, für diese Geschwindigkeit, gerollt, eher. Dann stürmische Böen mit Regen, dann Dauerregen mit Hochwasserwarnungen in rot. Die Jacke wird bei der Hunderunde so nass, dass sie bis zur nächsten nicht richtig trocknet.

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Fupp. Strom weg.

„Haaalloooo?“ rufen die Blagen aus drei verschiedenen Ecken im Haus. Zwei wegen W-Lan, eins wegen Dunkelheit. In weiser Vorraussicht hatte ich mir die kleine Spinnenlichterkette von Halloween in die Küche gelegt. „Komme!“ rufe ich und hangele mich durch die Dunkelheit. Sie habe erst gedacht, es solle ein Scherz sein, sagt Märzkind, die sich sehr freut, als ich sie samt Spinnenlichterkette erreiche. Noch nicht mal ein Handy hatte sie dabei, im Keller, beim Wäsche aufhängen. Immer wieder erstaunlich, wie paddelig man sich im eigenen Haus bewegt, wenn es ungeplant so richtig dunkel wird. Überall. Mit Sturm, der ums Haus weht… Ein Mikroabenteuer.

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Während ich den Teller mit Plätzchen für ein Foto arrangiere, damit ich nächstes Jahr wieder weiß, was es dies Jahr gab, klingelt das Telefon des Liebsten. Als er an mir vorbei geht, schnappe ich ein „es ist nicht gut gegangen“ auf. Tja, als krönenden Abschluss unseres kleinen Eskalations-Adventskalenders, den wir dies Jahr hatten steht also Wasser in der Rohstoffhalle. Die Stimmung bessert sich erst wieder, als klar ist, dass da wirklich jeder alles gemacht hat, was ging.

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„Die Weihnachtsrunde“ ist aufgrund der aktuellen Situationen anders zusammengesetzt als üblich. Entweder wird das super, oder es erledigt sich von selber.

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Ich wünsche euch allen das bestmögliche Weihnachtsfest!

Herzliche Grüße

man müsste mal Advent, aber… KW47-49/2023

„Huch“, habe sie gesagt, als man sie Treppe runtertrug, im Rettungs-Stuhl, dabei gelacht und mit Sanitätern geschäkert, natürlich. So wie man sie kennt halt. Dann ging es schnell.

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Es gäbe die Möglichkeit sich von der Uroma zu verabschieden, falls jemand möchte. Ich frage alle drei Kinder einzeln in persönlichem Gespräch und bekomme dreimal die gleiche Antwort: Man selber habe jetzt eher vielleicht nicht das Bedürfnis, aber wenn von den anderen jemand wollen würde, dann würde man mitkommen. Zufällig sind zum angesetzten Verabschiedungs-Termin alle zu Hause. Wir nutzen also die Gelegenheit, dem Tod mal zu begegnen, denn in diesem Fall kam er als freundlicher Besuch und man weiß ja nie…

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Ich wollte sowieso mal einen anderen Frisör ausprobieren, nach der letzten Preiserhöhung. Da hat tatsächlich einer diese Woche noch einen Termin frei und ich zahle deutlich weniger. Aus Gründen, wird mir klar, nach der ersten Haarwäsche. Ich bitte Märzkind um Hilfe. Sie wuschelt und wuschelt und schneidet, seufzt dann leise und murmelt in tröstendem Tonfall, dass es bis Weihnachten ja noch drei Wochen hin seien.

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KRACKS. Der altgediente Wäschekorb quittiert den Dienst, voll beladen natürlich, auf halber Höhe der Treppe, alles andere wäre ja langweilig gewesen. Gut, die Zeichen waren da, ein Zahnbürstenstiel und Panzertape zum Prothesenbau lagen bereit, aber, da ist nichts mehr zu machen. Schade. Wir haben in den letzten 20 Jahren einige Kilometer gemeinsam zurückgelegt, hunderte von Treppen rauf und runter, in allen Ehren wird er dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt.

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Das es nach der Trauerfeier zu Veränderungen kommen würde war klar. Aber die Geschwindigkeit überrascht dann doch. Gut, dass jemand was gesagt hat. Eine zwischenmenschliche Beziehung ist eskaliert. Strenggenommen ist es nicht unsere Baustelle, aber so kann man das nicht stehen lassen, sonst wird es unsere. Wir denken. Der Liebste bringt beide Parteien an einen Tisch. Die Baustelle scheint schnell behoben aber, es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, egal wie man diese Situation dreht und wendet: Entweder es wurde routiniert gelogen oder jemand hat neuronale Aussetzter. Wir beobachten das.

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Zwischen „Systemrelevanz 24/7“ und „soll jede Abteilung mal selber sagen, wer entbehrlich ist“ lagen keine zwei Jahre. Der Liebste möge mal bitte in die Firma kommen. Man bietet ihm den gleichen Arbeitsplatz in anderer Funktion zu geänderten Konditionen. Dadurch würde sich einiges ändern, aber vielleicht auf die gute Art. Um zeitnahe Entscheidung wird gebeten. Alle denken, er selbst am längsten. Schließlich schicke ihn mit seinem Kumpel ein Bier trinken, der verrückt in einem beiläufigen Halbsatz die Perspektive. Möglicherweise ist es ein bisschen so, wie wir alle gesagt hatten.

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Es schneit und ist richtig kalt. Winterwonderland für Allergiker.

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Normalerweise erkundigt sich Julikind nach einem Kinofilm auf dem Weg zum Parkplatz nach dem Verkaufsstart der DVD. Diesmal nicht. Diesen Film möchte sie nie wieder gucken, der hat sie richtig wütend gemacht. Wie kann denn sowas? und dann am Ende? so ein cliffhanger…?? „Das war kein cliffhanger. Du weißt wie die Geschichte weitergeht“, erkläre ich. Während ihrer fiesen Erklältung letzte Woche haben wir alle drei Teile der ‚Tribute von Panem‘ gegeguckt. Der vierte Teil dauert zweieinhalb Stunden, was mir persönlich fast zu lang ist, aber, in diesem Fall machen gerade die leisen Minuten in denen scheinbar nichts passiert das Drama. War gut gemacht, der Liebste und ich sind uns einig. Auf halber Strecke nach Hause kommt ein gemurmeltes „Samma – wollte der die echt erschießen, oder was?“ vom Rücksitz. Vermittlung von gesellschafts-politscher Bildung: checked.

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Der Tag ist fast zu Ende, Abendroutinen, Sofa in Sichtweite. Der Liebste wirft einen letzten Blick auf eingegangene Nachrichten und erstarrt. Jemand ist gestorben. Was? Stille im Raum. Nachfrage. Antwort kommt sofort. Der Unfall eben, Cousin bei der Feuerwehr. Für Moment gefriert die ganze Welt. Ich bitte Julikind, das jetzt nicht rumzuerzählen, es scheint gerade eben erst passiert… „ohhajasorrynichtdrangedacht“ murmelt der Liebste. Dann sitzt man erstmal so da und kennt die Verstorbene, ihre Familie, Leute bei der freiwilligen Feuerwehr, die Seelsorgerin… Märzkind ruft an, sie seien da eben auf dem Weg zum Training an einer Unfallstelle vorbeigekommen, viel Blaulicht, sehr viel, konnte man sehen, dass das was Schlimmes…ob wir schon gehört? Ja. „Das fühlt sich ganz anders an, als bei der Oma“. Stimmt.

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Beim Versuch, Weihnachtsgeschenke in der echten Welt zu besorgen scheitere ich so krachend, dass man sich rückblickend fragt, wie ich überhaupt drauf gekommen bin, das zu versuchen.

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Die ersten sieben Türchen meines umgekehrten Adventskalenders auf einmal erledigt. Sehr gut erhaltene Winterkleidung, die niemandem hier passt wurde im secondhand Laden abgegeben danke fürs mitnehmen. Und wenn man erstmal anfängt… vielleicht hat der grinchige Raustrage-Adventskalender mehr als 24 Türchen.

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De Omma ruft an. Sie hätte Kuchen, den könnte mal jemand holen kommen. Das ist ungewöhnlich.

An einem Freitag?

Wie? Haben wir Freitag heute?

Jo.

Dann hat sie keinen Kuchen.

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Die Post kommt gefühlt nur noch einmal die Woche. Nix, nix, nix, Briefkasten knallvoll und vier Pakete am Ablageort, nix, nix. Total egal, was einem die Versender per mail als Zustellungsdatum nennen. Pakete kommen am Paketauslieferungstag.

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Der Plätzchenteller, der uns traditionell vor dem ersten Advent überreicht wurde, könnte abgeholt werden, erfahren wir. Der Liebste kümmert sich. Boar. Es ist kein Teller mehr. Die Plätzchen wurden in einer Tortenhaube dekorativ angerichtet, und gerne könnten wir noch was nachholen, bei Bedarf. Ich bin vom gucken schon satt.

ein grandioses event

Der Pastor ist Mitte zwanzig und bei bester Gesundheit, stellen wir fest und grinsen heimlich. Drei Wunschkanditaten hatte die Oma für diesen Anlass. Alle sind ihr vorangegangen. Der ganze Altarraum steht voller üppiger rosa Blumenkränze. Die Orgel beginnt zu spielen, mehrere Stücke hintereinander. Das hätte ihr alles gefallen, so. Gerade als wir anfangen, uns fragen, ob die Trauerfeier wohl darin besteht, dass man einfach eine Weile andächtig sitzt, erhebt sich der Pastor und heißt alle herzlich willkommen. Er nennt Geburtsdatum und Ort, Anzahl der Kinder, Enkel und Urenkel, das Sterbedatum, der Rest wird anscheind als bekannt vorrausgesetzt. Verschiede Bibelverse werden verlesen, ein Chor singt, kurze Ansprache zum Thema Leben und Sterben ganz allgemein, wobei es sich dabei eher um einen langen Schlaf handelt, erfahren wir, im Sarg liegend erwartet man den Tag der Auferstehung. Oh ha, eine Horrorvorstellung, Seitenblick aufs Julikind, sie befindet sich im totalen geistigen Leerlauf, alles gut. Chorgesang, Lieblingsbibeltext der Verstorbenen, Gemeinde singt, Auferstehungsverheißungen fürs eigene Team, für alle anderen leider ewige Verdammnis. Mein Hirn spielt das Intro von „highway to hell“, ermahnt sich dann selber, dass bei so heiligen Veranstaltungen Gedanken bestimmt mitgelesen werden, Chorgesang. Dann dürfen wir die Entschlafene zu ihrer Ruhestätte geleiten. Es ist windig und kalt, vielleicht riecht es ein bisschen nach Schnee, aber noch regnet es. Andächtig stehen wir auf matschigem Rasenflächen und lauschen einem mehrere Minuten andauernden Musikstück, Auferstehungsverheißungen, ein Zitat „grandioses event“, wird versprochen, tröstende Worte, dann Abschied am Grab, im Hintergrund Panflötenmusik, unplugged von einem Gemeindemitglied vorgetragen. Töchter nehmen Beileidsbekundungen entgegen, der Rest der Familie steht repräsentativ im Hintergrund. Gemeindemitglieder umarmen einander und nicken sich mit den Worten „Jesus kommt bald“ zu.

Teile der Enkelgruppe wundern sich ein bisschen über diese Art der Feierlichkeit, wechseln gedanklich aber schon zum weltlichen Teil. Die ersten Leute gehen. Verständlich. Aber, äh, Blickwechsel in alle Richtungen, was machen wir denn jetzt? Es sind mindestens fünf verschiedene Glaubensrichtungen anwesend, niemand weiß, ob die sich von wohl von selber eingeladen fühlen. Vielleicht sollte lieber mal irgendjemand… als ich schon auf halbem Weg zum Ausgang bin um Leute abzufangen, verkündet der Pastor doch noch die Einladung zum Kaffee trinken.

Eingedeckt haben wir für 90 Leute. Ich hatte ehrlich gesagt gedacht, das wäre reichlich, aber es kommt genau hin. Die Grundstimmung ist fröhlich und in einer Sache scheint sich die gesamte Christenheit einig zu sein. Bienenstich. Vom Streusel- und Apfelkuchen gab es Reste aber vom Bienenstich ist nicht ein Stück übrig geblieben.

Die Oma des Liebsten ist verstorben.

Man muss nicht traurig sein, denn „nochmal hundert Jahre hatte sie keine Lust drauf, hat sie gesagt“, sagt Julikind.

Fehlen wird sie trotzdem.

Von hundert auf null, KW 29/30 2023

So viel und so häufig haben wir seit der Kleinkinderzeit nicht mehr über Schlaf geredet, aus Gründen. Wir schlafen alle schlecht, seit längerem und jeder auf andere Art. Man bemüht sich, niemandem auf den Sack zu gehen, jeder räumt jedem Sachen hinterher, läuft Wege doppelt oder dreifach, weil der eigene Kram dabei vergessen wurde. Insgesamt erinnert dieser Zustand an was. Vielleicht ist das noch Rest-Corona?

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Ein Aufbackbrötchen vom Discounter, die Backzeit wurde offensichtlich auf das Minimum reduziert. Es ist aufgeschnitten, aber nicht erkennbar belegt. Aus Neugier hebe ich den Deckel an, sehe zwei hauchzarte Scheiben Mortadella auf einer dünnen Schicht Streichfett und seufze leise. Man hätte so viele Brötchen schmieren dürfen wie man will, sagt Julikind, aber eins musste jeder. Da hat der Klassenlehrer drauf bestanden, sonst hätte sie gar keins eingepackt, weil „is eklig, ne?“ Jo. Aber ich esse das jetzt trotzdem.

Nominiert für das unterwältigendste Gastro-Erlebnis in der Kategorie Preis/Leistung ist damit…Trommelwirbel… dieses Lunchpaket, bestehend aus einem halben Liter Wasser in Plastikmehrwegflasche, einem selbstgeschmiertes Brötchen und einem Großhandels-Müsliriegel zum Preis von 8 Euro.

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Julikind hat am letzten Schultag Geburtstag. Kaffeetrinken gibt es bei der Oma auf dem Hof. Sie teilen sich einen Geburtstag. Einige Gäste kommen etwas später und wundern sich, dass wir so draußen sitzen, wo sie herkommen ist Hagel und Sturm. Wir haben die Wolken vorbei ziehen sehen, aber sonst war nichts.

Abendessen gibt es bei uns. Nudeln wurden gewünscht, und das passt gut, denn zum draußen sitzen ist es abends tatsächlich zu frisch. Julikind freut sich ehrlich über alle Geschenke. Die Gäste sind ein bisschen erleichtert, geben sie zu. Dieses Jahr hatte niemand so richtig eine Idee, was Julikind eigentlich gerade gerne mag, noch nicht mal sie selber. Am meisten freut sie sich über einen besonderen Gast. Das Baby der Patentante ist gerade mal zwei Wochen alt. Julikind verliebt sich sofort.

Zeugnisse machen die Runde. Schwiegermutter murmelt und schüttelt dann staunend den Kopf. Leider habe sie garnicht genug Bargeld dabei, um ihre Freude in den für diese Noten üblichen Beträgen Ausdruck zu verleihen. Kann man stolz sein. Vor allem, wenn man über Wochen immer nur das Drama und das „durchkommen, einfach nur durchkommen….“- Mantra am Küchentisch und mit was ganz anderem gerechnet hatte. Ich freue mich, dass dieses Schuljahr endlich geschafft ist!

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Auf zwei Partys an einem Tag folgt einer auf dem Sofa. Niemand will irgendwas. Auch mal schön.

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Wir feiern den 91. Geburtstag von der Omma. Hochbetagten Partys sind was Schönes, aber auch ein bisschen anstrengend. Selbst wenn man „nur“ Gast ist. Unauffällig tausche ich einen Blick mit der Mudda, ab morgen wirds leichter.

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Die Zahnarztpraxis ruft an, man hat die Termine der Kinder hintereinander legen müssen, parallel geht nicht, leider sei jemand krank geworden, ich möge bitte statt 45 Minuten anderthalb Stunden Zeit einplanen, nur dass ich bescheid weiß. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Man bietet mir an, einen oder beide Termine zu verschieben. Nee, aber danke. Ich gebe die Kinder ab und fahre einkaufen. Nach einer halben Stunde ruft Maikind an. Da sei nur ein Termin gebucht gewesen, war aber nicht schlimm, denn der war für Kleinkinder kalkuliert. Die Prohylaxefrau hat gesagt, das, was der Arzt da gemacht haben wollte ist eigentlich jenseits der Grundschule gar nicht mehr nötig, und wo sie denn jetzt hinkommen sollen? Man fragt sich verschiedenes. Aber, das Witzige ist, hätte jeder einzelne kommentarlos Dienst nach Vorschrift gemacht, es hätte von aussen gewirkt wie Kompetenz, stellt Maikind fest. Stimmt.

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Ein Starkregen-Ereignis. Der Liebste und ich gucken aus dem Fenster und beobachten, kann man ja nicht nachstellen, sowas. Sieht alles supergut aus. Regenmengen bis 30 Liter pro Stunde können wir jetzt entspannt sehen. Da läuft nix mehr in den Keller. Dank an den Steinmetz.

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Die erste Ferienwoche regnet es, durchgehend und ergiebig. Entspannend, man muss garnichts.

In der zweiten Woche kommen die Blagen das erste Mal aus ihren Zimmern, ohne dass vorher jemand „essen“ gerufen hat. Abends um halb 8 machen wir das Licht im Esszimmer an, weil es ohne zu dunkel wäre und spielen endlich mal dieses Gesellschaftsspiel, dass wir damals, vor dem ersten Lockdown in der Annahme, es könne langweilig werden, gekauft hatten.

Regen prasselt ans Fenster, der Liebste und ich sitzen mit Wolldecke über den Füßen und Bier in der Hand auf dem Sofa. Gemütlich. Kurz fragen wir uns, ob wir uns vielleicht selber peinlich sind. Aber nee, passt schon. Waaaackeeeen!!

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Ich hole mir eine zweite Decke vom Dachboden, ist sonst zu kalt nachts. Jemand hat die ersten Sendetermine für „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ im Status. Märzkind gesteht kleinlaut, gestern abend den ersten Weihnachtsfilm geguckt zu haben. Ach, soll sie ruhig, sage ich. Wir arbeiten die Jahreszeiten einfach so ab wie sie kommen. Vielleicht können wir an Heilig Abend irgendwo ein Tretboot mieten.

Hallo? Sommerferien?

Ende Mai, hauptsächlich Festtage KW 21/2023

Da sind Leute auf der Straße, fröhliche Erwachsene, ungewöhnlich um die Zeit aber egal, denke ich, so im Halbschlaf. Wenige Minuten später ertönt Blasmusik. So laut dass man wirklich wach wird, „im Ernst?“ murmelt der Liebste. Ich fürchte ja, in der Benachrichtgung über den Festablauf stand was von „es wird geweckt“, aber das hier, das hatte ich so auch nicht kommen sehen. Sonntag morgen um viertel nach sieben gehören wir also zu den allerersten für die dieses Brauchtumsfest beginnt. Zuviel der Ehre.

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Julikind wollte mit, zum Festzug, ist allerdings versehentlich wieder eingeschlafen, der Start verzögert sich ein wenig. Der Festzug kommt uns entgegen. Während der Pause, in der die sinnstiftende Sage dieses Festes verlesen wird, findet uns die Oma aus dem Städtchen, ihre Schwester auch. Guten Morgen, guten Morgen, das ist aber schön… „Huch, samma, du bist ja Julikind!“ Julikind nickt, die Großtante begrüßt und entschuldigt sich. Sowas von gewachsen ist das Kind, sie dachte, es sei irgendeine Dame, da neben mir, deshalb hatte sie nicht so genau geguckt. Julikind grinst und wächst gleich noch drei Zentimenter. Mittlerweile wurde der Silberbecher, den der Graf vor hunderten von Jahren dem Ort schenkte zur Einstimmung auf diesen Tag mit regionalen Spazialitäten gefüllt und macht die Runde. Ich suche Blickkontakt mit Märzkind. Sie trägt eine Fahne und hat daher kulturelle Verpflichtungen, aber, ich gestikuliere, sie möge bitte keinen Schluck aus diesem Becher nehmen, Brauchtum hin oder her, sonst holen wir uns womöglich gleich die nächste Seuche ins Haus. Sie guckt „biste bekloppt, das weiß ich doch wohl selber“ und hält ein kleines Plastikpinnchen hoch. Sehr gut. Da ist er ja der Becher, da wollten sie doch… die Oma hakt sich fröhlich bei ihrer Schwester ein, um locker flockig aus dem gleichen Becher zu trinken wie schon 100 andere Leute zuvor. Was denn drin ist, im Becher, frage ich. Irgendein süßes Zeug, murmelt Märzkind, hat sie Organverklemmung von bekommen und muss gleich erstmal Mantaplatte, oder so. „Zwetschge“, sagt die Großtante, aus der nächstgelegenen Brennerei, „köstlich, früher war immer Cognac drin, aber so für morgens ist was süßes ja viel schöner.“

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Die „kleinen“ Mädels haben es schwer, zu jung für Bier und zu alt für Hüpfburg. Aber „man kann nicht zu alt sein, für Hüpfburg, wer unter 1,80m groß ist darf, steht auf dem Schild“, sage ich. Sie haben Bedenken, wegen der vielen kleinen Kinder, ich nicht. Ein Rudel 4-Jähriger räumt innerhalb einer Minute die Hüpfburg. Da trauen sich auch die 12-jährigen und haben Spaß. Oberhalb von 1,80m gibt es keinen Sauerstoff, und jetzt verstehe ich auch, warum die Blagen alle nass geschwitzt sind. Ganz vielleicht wird man doch irgendwann zu alt für Hüpfburg.

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Geburtstagskaffee. An einem Tisch unterhält man sich angeregt, am anderen ist die Stimmung leicht verkatert. Eine Dame verlässt die Veranstaltung auf recht unterhaltsame Weise. Der Hut fehlt noch. „Die Ommi hat Style“, kommentiert Julikind, und möchte wissen wer das ist. Auch eine Großtante. Ach, die kennt sie garnicht. Wir überlegen kurz, und ja, das kann tatsächlich sein. Die hat sich sehr verändert, über Corona.

Zum Abendessen ist nur die Familie da. „so, wer von euch hat denn nun alle Prüfung, dies Jahr?“ nacheinander deutet Schwiegermudda auf ihre Enkel, drei von sechs anwesenden nicken stumm. Das erklärt die Stimmung. Die erfahrene mehrfach-Oma wechselt das Thema: Kartoffelsalat, scheinbar ganz einfach, in Wahrheit die Königsdisziplin der Festbewirtung. Neulich hat sie ein Rezept gefunden, handschriftlich, vom Opa, deshalb hat sie sich getraut und…? Gelungen. Die Enkelschar isst, bis alles alle ist.

Schwiegeroma darf nicht mehr allein aufstehen. Es wurde eine Kamera platziert, wegen Festtag, wer auch immer dran vorbeiläuft und was beobachtet – Meldung machen. „Oma, die Oma will aufstehen“

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Ein Gewitter. Bei der Omma hat der Blitz eingeschlagen. Sie nimmt es so dermaßen gelassen, dass man sich fast Sorgen macht. Der Rauch, der scheinbar aus dem Dach kam, kam zum Glück aus dem Schornstein, sagt der Vatta, aber bisschen Pulsfrequenz hat er gehabt.

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Eine spontane Einladung zur Geburtstagsfeier, und, jo, da haben wir tatsächlich ein bisschen Zeit. Es gibt wieder einen Bekanntenkreis von Leuten, denen man einmal im Jahr begegnet. Schön.

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Maikind hat erst ab Mittag Geburtstag, sagt er. Vorher will er garnichts. Ich zünde trotzdem die Geburtstagskerze an, gratuliere kurz und lasse ihn dann in Ruhe beim Hund sitzen. Letzter Prüfungstag, heute.

Mittags kommt er als neuer Mensch nach Hause. Zum Kaffee ist der ganze Tisch voller Großeltern. Draußen sitzen kann man nicht, die Sonne täuscht, aber Geburtstagsfotos kann man machen, vor der blühenden Hecke. Ein fröhlich blödelndes Geschwisterbild fängt die Stimmung perfekt ein, Prüfungen fertig. Abends Gegrilltes und Gemütlichkeit bis halb elf.

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Pfingstmarkt im Städtchen, die Mädels würden da ganz gern mal gucken. Wir finden direkt einen Parkplatz und wundern uns. Es ist überhaupt nicht so viel los wie erwartet. Nach einer Stunde wird uns klar wieso. In wirklich jeder Verkaufsbude der Marktgassen läuft das Radio. Nach Jubel wird gefachsimpelt. Ah, da war doch was. Ohne Absicht haben wir ein optimales Zeitfenster erwischt. Irgendwer wird gerade deutscher Meister und es scheint spannend zu sein. Bisher waren wir ja meist am Familientag auf dem Markt, wegen halber Fahrpreise. Unterm Strich nimmt es sich aber nichts. Nach einer Runde Fahrgeschäft zum vollen Preis geht man an den Fressbuden einfach so vorbei. An den Eingängen zum Festgelände gibts Trinkwasser-Zapfstellen, eine richtig gute Idee, heute ist nämlich Sommer. Sonnenbrand im Nacken.

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Fussballergebnisse: Ein grölendes OOOLeeeeeeeOleeeOOOlllee in Richtung des Liebten und die Anweisung gegenüber dem Pluseinskind „wirklich ganz ernsthaft einfach nur die Fresse zu halten, bitte, weil, schlimmer hätte es nicht kommen können“

Frühling, echt jetzt KW19 / 2023

Ich sitze mit einer Mutterkollegin am Esstisch. Wir plaudern. Die Zehntklässler sollten ursprünglich frei haben, an den Tagen zwischen den schriftlichen Abschlussprüfungen. Dann sind Stunden ausgefallen. Einige. Man entschloss sich, an den Tagen vor den Prüfungen jeweils vier Stunden in dem betreffenden Fach zu unterrichten. In Englisch wurde neulich eine Probearbeit geschrieben, Durchschnittsnote zweikommavier. Ein hervorragendes Ergebnis, mit dem, wenn man ehrlich sein will, so niemand gerechnet hatte. Der Mathelehrer geht in Elternzeit. Die Deutschlehrerin hat nach eigenen Angaben noch nie eine entspanntere Abschlussklasse erlebt als diese. Lange Rede kurzer Sinn, die Schultage zwischen den Prüfungstagen werden unterrichtsfrei sein. Macht das was, mit uns, als Erziehungsberechtigten? Möchten wir in irgendeiner Art emotional reagieren? Nö.

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Wer Aufwand und Kosequenzen der Organisation einer Abschlussfeier als „private Feier“ ermessen kann, lässt die Finger davon. Irgendwem scheint dieses Event aber am Herzen zu liegen. Es gab eine Einladung per Zettel, anschließend schlecht kommuniziertes Chaos. Wenn wir für diesen Abend 200 Euro ausgeben, könnten wir ihn vielleicht auch irgendwo feiern, wo es Personal gibt und wir nichts zu essen mitbringen brauchen. Nur so ein Gedanke.

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Der Liebste und ich sitzen auf der Treppe, trinken Kaffee und überlegen, wo wir denn mit dem Hund gehen, gleich. Man könnte, verrückte Idee, direkt von hier auf diesem Premium-Wanderweg bis irgendwo hin und Märzkind sammelt uns ein. Ein Blick an den Himmel, ich würde mir wohl eine Regenjacke mitnehmen wollen und wenn wir jetzt, wie so Touristen…vielleicht auch was zu trinken…wir brauchen also einen Rucksack. Der Hund freut sich, als er merkt, dass das hier eine andere Runde wird.

Es wurde Holz gemacht im Tal. Wir staksen durch matschige Harvesterspuren und klettern über liegen gebliebene Reste. Wenn Landwirte eine Straße so hinterlassen, würde am gleichen Tag jemand auf der Stadt anrufen. Andererseits hält diese Art der Weggestaltung natürlich auch die E-biker fern. Zumindest die, die eigentlich nicht fahren und nicht bremsen können, vielleicht ist es gewollt, man weiß es nicht. Der Liebste hebt einen großen flachen Stein auf und wirft ihn mit geschmeidiger Eleganz in die Mitte eines Matschloches hinter uns. Premiumstatus des Wanderweges wieder hergestellt.

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Da landet eine Geschichte bei uns am Esstisch… meine Güte… man weiß nicht, was man sagen soll, der Liebste und ich tauschen Blicke, das Vertrauen ehrt uns, aber – wir werden da wohl selber jemanden anrufen müssen. Auf Ratlosigkeit folgt nahtlos ein Gefühl der Dankbarkeit. Wir sind garnicht die einzigen, die völlig zerrupft aus dieser Lockdown-Homeschooling-Sache rausgekommen sind. Wir haben es anscheind nur früher bemerkt und genaugenommen hatten wir vergleichsweise kein Problem.

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Plötzlicher Beginn der Heuschnupfen-Saison, aber so richtig.

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Die Triathleten reisen durch Schottland. Per Statusmeldung bekommen wir täglich Urlaubsfotos. Da sind auffallend viele Holzstatuen zu sehen. Die gewitzte Schnitzerin bei Merida – das ist lustig. War es ja sowieso, aber jetzt versteh ichs, nur wenige Jahre nachdem wir den Film gesehen haben. Märzkind fragt, was ich denn dachte, bisher? Ja, nix.

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Vatta hatte Geburtstag. Frikadellen in Brötchen um 18 Uhr, lautete die Einladung. Im weiteren Verlauf des Abends kam bester Cognac auf den Tisch. Eine gelungene Veranstaltung, da sind wir uns alle einig, auf dem Weg nach Hause.

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Märzkind wird beim Abendessen vermisst. Die ist unterwegs in Sachen Brauchtumspflege, ob sie denn die Trommel eben nicht gehört habe, frage ich das Julikind. Nee, hat sie nicht, sie dachte, das sei nächste Woche, grummelgrummel. Ist es auch. Heute war erster Ausmarsch des Burschenvereins, die betrinken sich jetzt schon mal ein bisschen, dann schießen sie auf irgendwas und wer gewinnt trägt nächste Woche im Festzug eine Fahne, oder so, glaube ich. Ach so.

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Ich: „ooohh, guck, der Raps blüht ja schon richtig!“

Er: „wann warst du denn das letzte Mal draußen?“

Äh? Das ist tatsächlich schon eine Woche her, oder so. Deutschlandticket ist ja in der Theorie eine schöne Idee, aber die AS-Taxis sind immer voll. Damit ist das bisschen öffentlicher Nahverkehr, das bis dahin fährt, wo wir wohnen quasi zusammengebrochen. Zum Glück kann Märzkind jetzt selber fahren – nur – dann hab ich halt kein Auto. Diese Woche wird ein neues Level freigeschaltet: das Auto des Liebsten muss in die Werkstatt, er ist dran, bei der Fahrgemeinschaft und Märzkind hat Prüfungen an den Tagen an denen die Buslinie bestreikt werden wird. Wer muss denn wann wohin mit vielen Leuten, und was ist eigentlich noch im Kühlschrank? Denksportaufgaben.

KW 15-18 2023, Bemerknisse

Da hatte ich neulich noch gedacht, vielleicht ist das Thermometer auch einfach einfach kaputt, weil es morgens immer 8 Grad anzeigt, wenn ich mit dem Hund raus will. Aber es funktioniert anscheind noch. 3 Grad heute, dafür blauer Himmel. Wenn man genau hinsieht kann man den Frühling erahnen. Muss auch langsam.

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Ein leichtes Halskratzen, einmal räuspern und erst da fällts mir auf. Der erste morgen an dem ich nicht husten muss, als würde ich seit 20 Jahren Kette rauchen – seit drei Wochen oder so. Genauso plötzlich wie es angefangen hat, hat es aufgehört. Jetzt würde ich gerne noch schlafen können, dann wäre alles wieder fein. Scheiß Corona.

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Jede Hochschule hat andere Auswahlkriterien, Fristen und Abläufe. Ich weiß nicht was ich dachte. Aber ich verstehe jetzt, glaube ich, das Problem. Wahrscheinlich nimmt man dann die, an der man genommen wird?

Zwei von drei Blagen machen Schulabschluss in wenigen Wochen – boar ej…

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Eine Unterkunft für drei Leute zu finden ist viel einfacher, als für fünf – und günstiger. Wir hätten Auswahl, obwohl gerade Ferien sind, ich kann es kaum glauben. Rücksprache mit den Mädels. Also, jetzt entscheiden, was man die nächsen drei Tage anziehen will, das alles in eine Tasche packen…man will ja niemanden traurig machen… aber ein bisschen umständlich wäre doch. Ach, sagen wir, wie es ist. Natürlich ständen uns die freien Tage zu, die Jungs waren ja schließlich auch ohne uns weg, aber wir sind dermaßen reiseunlustig. Man kann es sich nicht erklären. Alle sind doch gerade irgendwo oder kommen von irgendwo oder planen irgendwas und wir? Nicht. Ins große Möbelhaus könnten wir mal, schlägt Märzkind vor, da waren wir schon ewig nicht, es wäre immerhin ein Ausflug, ein Ferienerlebnis. Das ist eine gute Idee.

„Diese Fleischklösschen, oder was das sein soll, die schmecken schon nicht, aber die Soße, die ist widerlich, fast muss man würgen“, sagt Julikind. „Das ist Möbelhaus-Mittagessen, da weißte doch vorher wie das schmeckt“, Märzkind ist verwirrt. „Nee, also, wie können die das alle mögen?“ Julikind schaut sich um und ist leicht entsetzt. Wir wundern uns kurz, finden dann aber die Erkärung. Wegen ihrer Allergie hat sie quasi keine Erfahrung mit Fertigessen. Das kommt von der ganzen selbst-gekochten-Bio-Fresserei. „Da seid ihr dann wohl selber schuld“, sagt Julikind und schiebt mir ihre Nachtisch-Zimtschnecke zu. Nicht essbar. Och, für mich schon. „Ist nicht schlimm“, tröstet Märzkind, gibt ja später noch hotdogs. Den halben Tag trödeln wir durch die Austellung, ohne das jemand nörgelt.

Die Jungs haben ihren freien Tag auch genutzt. Anruf von unterwegs, wir kommen am Baumarkt vorbei, ist während unserer Abwesenheit unvorhergesehenes passiert? Nichts. Die halbe Küche ist renoviert und die Stimmung immernoch gut, was wahrscheinlich daran liegt, dass wir weg waren, sagen sie. Schön, dass sie nicht mit waren, sagen wir. Am nächsten Tag hat die Küche eine neue Tapete. Einfach so, nachdem die über ein Jahr in der Garage lag. Sieht richtig gut aus, so gut…der Flur wirkt schitterig jetzt.

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Eine Einladung zur Abschiedsparty wegen Weltreise. Julikind erkundigt sich, ob derjenige denn nicht vorhabe wieder zu kommen? Alle lachen – und sind doch gespannt auf die Antwort.

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Besuch bei der Omma. Wir plaudern über eine Geburtstagsparty, die kürzlich in einem Cafe stattfand. Schön war die, und guten Kuchen gabs, sagt de Omma. Ein höheres Lob gibt es nicht, ich beglückwünsche das Geburtstagskind erneut.

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Der Neffe, den man quasi neulich noch packen und auf den Boden legen konnte, um ihn durchzukitzeln wenn er frech war der ist aber…der Liebste sucht nach Worten…echt ein Schrank geworden, ne? Definitiv. Man muss 5 km in höchstens 18 Minuten laufen, für die Aufnahmeprüfung der GSG9 hat er gesagt.

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Offiziell würde ich jederzeit so tun, als hätte ich dieses Gemüse-Abo wegen Weltrettung, Investiton in regionale Landwirtschaft damit nachfolgende Generationen auch noch gute Böden haben und so. Aber die Wahrheit ist, es nimmt mir die Kochentscheidungen ab und das ist toll. Da holt man sich einmal die Woche einen Korb voll von was auch immer Saison hat, und das muss dann gegessen werden, manches dringender als anderes, der Rest ergibt sich. Zwei Wochen Gemüse-Pause über Ostern. Ich stehe im Rewe und bin kurz davor, die Regalauffüllerin zu fragen, was ich denn kochen soll.

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Man fragt sich, wieso man sich einen Beruf angucken soll, bei dem man sicher ist, dass er einen so garnicht interessiert… sagt Julikind auf der Hinfahrt. Auf der Rückfahrt bekomme ich einen begeisterten Kurzvortrag darüber wie sich unterschiedliche Metalle bearbeiten lassen, was man daraus alles herstellen kann und ein Geschenk gab es auch und überhaupt, hat total Spaß gemacht, vielleicht macht sie sowas ja mal, später… Girlsday. Wir hatten ja nix, damals.

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Der Liebste guckt auf meinen Teller und schmunzelt. Total anders, als das, was er sich geholt hat. Wenn man uns 10 Meter Frühstücksbuffett anbietet haben wir eine Schnittmenge von einer Tasse Kaffee und Rührei. Hochzeitstag.

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Ich überweise Geld für Klassenfahrten. Ach guck, da hatte der Finanzminister aber mal recht, die Kindergelderhöhung hat genau gereicht, für die außergewöhnlichen finanziellen Belastungen diesen Jahres. Alles auf einmal ausgegeben in nicht mal 10 Minuten. Bitte Deutschland. Wobei, stimmt garnicht. Die eine Fahrt hatte ich schon angezahlt und bei der anderen scheinen die Eintritte nicht inklusive zu sein. Außerdem kommt jeweils noch ein Betrag x für Verpflegung dazu weil es in der Unterkunft nur Frühstück gibt, aber essen müssten sie zu Hause ja auch. Strenggenommen ist auch noch garnicht klar, ob ich für Märzkind durchgängig Kindergeld bekommen werde und natürlich gab es das nicht als Einmalzahlung sondern es kommen halt monatlich 70 Euro mehr, insgesamt. Das freut uns. Allerdings sind in den letzten Monaten die alltäglichen finanzielle Belastungen hier und da ein wenig mehr geworden, so dass man von der Erhöhung nichts bemerkt, aber hej, man gönnt sich. Mein Dank geht an die Klassenlehrer, die das mögliche Budget nicht ausgeschöpft haben (9 Tage Miami waren drin, im Angebotskatalog für Abschlussfahrten-Budget) und an, wer auch immer den Inflationsausgleich für die IGBCE ausgehandelt hat.

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Die einzig überlebende Bienenkönigin, von denen die ich im letzten Jahr gekauft hatte ist bombig ins neue Jahr gestartet, sagt der Liebste. Vielleicht macht es dann unterm Strich nichts, dass ihre drei Kolleginnen das zeitliche gesegnet haben. Honiggläser bestellt, da kommt irgendwann eine Spedition und stellt uns eine Palette an die Bordsteinkante. Hoffentlich melden sie sich vorher. Alltagsabenteuer.

Ostern und unsortiertes, KW 14/15 23

Zwei Schritte vor, einer zurück. Auf drei Tage so tun, als wäre Corona vorbei und alles schaffbar, folgt ein Tag mit Fieber auf dem Sofa. Leider brauche ich zwei Runden davon, bis ichs kapiert habe. Langsam mit Tendenz Richtung garnicht. So gehts.

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Da hat etwas nicht in den Glascontainer gepasst und irgendwer hat es dann den Hang runter auf den Weg geworfen. Ich sammle Glasscherben und lege sie soweit an den Wegrand wie möglich. Da muss ich nochmal mit einer Mülltüte wiederkommen, denke ich und vergesse ich. Am nächsten Tag geht der Liebste mit dem Hund, wirft eine Frisbee und der Hund bremst genau da, wo die Scherben liegen. Verdammt. So, wenn ich jetzt was auf dem Glascontainer liegen sehe, hole ich es, bevor jemand auf Ideen kommt. Diese Woche, eine Tortenplatte und eine Snäckschüssel im 80er Jahre Style, waren sogar die Etiketten noch dran.

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Maikind hatte ein Viererpack Controller-Ersatzteile bestellt und seinen Heimstudientag für eine erste Reperatur genutzt. Wenn man einmal raushat wie, geht es eigentlich ganz schnell, sagt er. Vielleicht wird das sein zweites Standbein, neben dem Rasenmähen, denn dieses Bauteil geht ja bei jeder Konsole kaputt, und viele trauen sich nicht, das Ding aufzuschrauben, zwei Aufträge hat er schon. Am darauf folgenden Montag teilt nintendo mit, es gibt dann jetzt doch Garantie auf das Teil, man kann es einschicken. Tja.

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Es fühlt sich gerade nicht so an, als würde ich jemals wieder welche brauchen, aber meine Joggingschuhe sind im Angebot und die aktuellen sind durch. Man kann auch mal Glück haben.

Der Triathlet sagt, ihm habe man beim Belastungs-EKG gesagt, mit vollständiger Regeneration, soweit überhaupt möglich, sei erst nach 12-14 Monaten nach Corona zu rechnen. Das erklärt auch, warum er immernoch 20 Minuten langsamer Marathon läuft als vorher. Ist lieb gemeint. Du mich auch, sage ich.

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Es brennt nicht nur das Osterfeuer, auf dem Gelände verteilt stehen Schwedenfeuer. Eine richtig gute Idee, so kann man zusammenstehen, es warm haben und sich unterhalten. Beim großen Feuer ist so früh am Abend immer den einen kalt, während die anderen sich fragen, ob die Jacke schon schmilzt. Es ist weniger los als im letzen Jahr. Vielleicht weil insgesamt mehr los ist und sich die Leute wieder verteilen. Ich bin früh müde und mache mich auf den Heimweg. Zeitgleich macht sich eine Gruppe unbekannter Leute auf den Heimweg. Fröhlich laufen sie auf der rechten Fahrbahnseite über die nächtliche Landstraße, ich leuchte sie kurz mit der Taschenlampe an, alle schwarz gekleidet, kein einziger Reflektor, aber es handelt sich um halbwegs nüchterne Erwachsene, Städter offensichtlich. Dorfkinder lernen das Laufen an Straßen ohne Bürgersteig auf dem Weg zum Kindergarten. „Links gehen, der Gefahr ins Auge sehen“ Links ist die Seite mit den zwei Punkten am Pfosten, man geht am Straßenrand, nicht mitten drauf, Allgemeinbildung der Kategorie „iss keinen gelben Schnee“, dachte ich – andererseits wenn man mich im Stadtverkehr Auto fahren sieht, vermutet man auch keinen Führerschein. Ich wedele wild mit der Taschenlampe, damit das entgegenkommende Auto sich schon mal wundern kann. Es wird langsamer und langsamer und bleibt dann einfach einen Moment stehen, bis die Gruppe sich sortiert hat. Alles gut gegangen.

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Als Märzkind und ich uns auf den Weg machen sind noch nicht mal die Laternen an. Wenn in der unbeleuchteten Kirche die Kantorei anfängt zu singen, es ganz langsam heller wird hinter den bunten Fenstern, das Licht verteilt wird und alle vorsichtig mit den Kerzen hantieren um niemandem versehentlich die Frisur anzustecken… ich mag das. In dieser Gemeinde wird leider kurz nach dem Entzünden der Osterkerzen zusätzlich das elektrische Licht eingeschaltet, damit man die Liedtexte besser lesen kann vermutlich. Auf einen Schlag ist die Magie der Osternacht dahin. Schade. So kann man überall auch um elf Ostern feieren, da braucht man nicht morgens um fünf bis ins Städtchen fahren. War aber trotzdem ganz schön. Zu Hause geht Märzkind direkt wieder ins Bett. Ich bin wach, koche Kaffee, mache Frühstück, gehe osterhasen im Garten, weil Ostereier suchen ist halt was, was man an Ostern macht, das hat mit`m Alter nix zu tun, haben die Blagen gesagt. Alle Eier wurden wieder gefunden, dieses Jahr. Nachmittags Kaffee trinken bei der Oma mit anschließendem Eierwerfen. Kein einziges Ei ist kaputt gegangen dabei, man merkt, dass es viel geregnet hat, die letzen Wochen.

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Ostermontag ein Gefühl von so-viele-soziale-Kontakte-hatte-ich-schon-lange-nicht-mehr. Der Liebste besucht die Schwiegermutter, ich nutze den regenfreien Wind-tag zum Wäsche waschen. Nach der fünften Maschine kann man den Fussboden in der Wäschekammer wieder sehen. Wir nähern uns dem Normalbetrieb, das freut mich.

Fazit: Ostern ist ruhiger geworden und kleiner. Vielleicht liegt es dran, dass die Kinder größer sind, oder an der Inflation oder an Lockdown-Nachwirkungen. Nach nicht mal einer Woche sind alle Eier aufgegessen und alle Schokohasen geschlachtet. Ich finds gut so.

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Es tun sich Sachen, überraschend und erfreulich – oder der Beginn von chaotischem Schlamassel.

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„Ach Mama, wenn du dann sowieso da bist, kannste ja mal fragen….“ „Nee, das dürfen die mir überhaupt nicht mehr sagen.“ „Noooaaar, dieses Volljährigkeitsdings?“ „Jo“ Man muss sich dran gewöhnen.

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Da waren wir tatsächlich dies Jahr schon zum zweiten mal zusammen im Kino, kaum zu glauben. Ich bin ja die letzten zwei Stunden davon ausgegegangen, dass Niemand der Sohn von der Frau mit den krassen Hunden aus dem dritten Teil ist, weil, die hatte ja gesagt, die hohe Kammer weiß nicht, dass es ihn gibt, also hat er auch keinen Namen und er hatte halt den Hund dabei. Der Liebste dachte, das er der Junior vom Brieftaubenmann ist und, wenn man jetzt nochmal drüber nachdenkt – man weiß es nicht. Vielleicht muss es doch noch einen fünften Teil geben. John Wick. Ich glaube es waren nur vier Mädels in der Vorstellung.

Festwoche KW 13/23

Es geht wieder. Nicht gut und nur langsam, aber eine Teilnahme am Geburtstags-Kaffee trinken nachmittags scheint im Bereich des Möglichen zu liegen. Da hatte ich gestern noch nicht viel Hoffnung. Ich übernehme eine Elterntaxifahrt mit kleinem Einkauf während der Wartezeit, mache Kuchen fertig und bin danach eigentlich erledigt. Ein Hoch auf die gut sortierte Hausapotheke.

Gastgeben im eigentlichen Sinne kann ich nicht, aber es ist ja auch nicht meine Party. Nur so sitzen geht. Märzkind fragt, wie das denn losgeht, auf so einer Party. Man checkt ob alle da sind, sagt vielleicht kurz, dass man sich freut oder so und holt sich dann Kuchen, und es läuft. Anscheind sind alle da. Halt, doch nicht. Wer hat de Omma vergessen? Die Frage wird durch den Saal gemurmelt. Sie hat abgesagt, quasi in letzter Minute, sagt de Mudda. Hä? Wieso? Wegen Corona. Sehr merkwürdig. Dienstag hat sie noch drauf bestanden, dass jemand von uns Kuchen abholt. Wir konnten uns gerade so darauf einigen, dass sie eine Tüte an die Haustür hängt.

Sonntag morgen tut zum ersten mal seit langem nichts weh, beim wach werden. Der Kopf ist auch wieder klarer. Es fühlt sich nicht mehr an, als müsste man alles durch dichten Nebel denken. Leben in normaler Geschwindigkeit, herrlich. Ich freue mich richtig. Im Nachbarort ist heute Vorstellungsgottesdienst, da könnte ich mit Julikind hin. Brüderchen erkundigt sich in der Familiengruppe, ob wir denn alle an der Uhr gedreht haben. Hä? Nee. Zum ersten mal überhaupt hab ich die Zeitumstellung völlig vergessen. Spontane Planänderung…Gottesdienstbeginn in 10 Minuten ist nicht schaffbar, Kaffee also. Der Liebste wirkt leicht zerknittert. Er war länger auf der Party als ursprünglich gedacht, irgendwie sei ihm die Rolle des weisen Mannes zugefallen, Leute hatten Redebedarf, bis zwei Uhr stand immer jemand bei ihm am Grill, sagt er. Hunderunde schaffe ich noch nicht, aber ich könnte mal gucken, ob vom Salatbuffet noch was übrig/essbar ist.

Abgestandene Partys erzählen Geschichten und ich bin ehrlich gesagt neugierig. Es sieht bei weitem nicht so schlimm aus wie erwartet. Jemand hat sich für die kommende Saison der örtlichen Mannschaft verpflichtet, schriftlich, der durchgesiffte Bierdeckel ist wohl ein Dokument, den lass ich erstmal liegen. Anscheind trinkt man Fruchtsaft oder Eistee mit Korn, Bier ist jede Menge übrig. Auf einem der Tische liegt ein Haarreif mit Moosgummikrönchen und Schleier, der hat vielleicht idellen Wert, ich setze ihn auf, nicht das er weg kommt. Als ich den Kofferraum mit Salatschüsseln und Geschirr belade fahren Autos vor, oh, ist hier etwa Fussball, heute? Nee, sagen die Jungs, Auswärtsspiel, sie treffen sich nur hier. Ich bin erleichtert, frage mich kurz, warum die alle so komisch gucken, und mache weiter. Auf dem Weg zurück ins Gebäude weht mir der Wind einen Hauch von glitzerdem Polyestergeschmeide über die Schulter. Ach so.

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Alle räumen den Tisch ab. Auf dem Rückweg vom Kühlschrank ist ein knappes Gespräch unter Geschwistern zu belauschen Julikind: „Kannste mich mal von der Seite würgen?“ Maikind: „Samma, hackts bei dir?“ Gürtelprüfung, diese Woche, jeder ausser ihr ist sich sicher, dass sie das schafft.

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Weil wir jung genug sind um es zu können und alt genug um keine Kleinkinder mehr auf dem Schoss balancieren zu müssen sitzen wir an der Biergarnitur in der Küche. Aus dem Wohnzimmer ertönt eine schmissige Klingelmelodie. Wir gucken uns fragend an. Die Herrschaften, die da auf richtigen Stühlen um den Tisch sitzen sind eigentlich alle zu alt für Mobiltelefone. Als die Meldodie das dritte mal von vorn beginnt, seufzt Schwiegermudda leise und fragt sich murmelnd, ob denn die Tante wohl ernsthaft denkt, dass die Oma jetzt aufsteht und da hinläuft? In dem Moment kommt die Tante samt Telefon angelaufen. Diese Meldodie… ein Telefonklingeln… wie man denn abnimmt? Schwiegermudda nimmt das Gerät entgegen die Melodie endet. Kurze Erklärung was zu tun ist, sollte es nochmal vorkommen und wo das Telefon am besten liegt, damit alle es finden können. „Ok“, sagt die Tante, schon auf dem Rückweg „wenns grün leuchtet, einfach da drauf drücken“. „Nee“, sagt Schwiegermudda, „wenn es leuchtet auf grün drücken“, aber das kann die Tante schon nicht mehr hören. Drei Sekunden später wieder die schmissige Melodie. „Da klingelt doch was, da will doch bestimmt jemand gratulieren“, ruft die Oma, „ah, das gibt wahrscheinlich nix“, murmelt Schwiegermudda und geht der Tante hinterher. Ich fühle mich gut unterhalten, gebe mir aber Mühe, es nicht zu zeigen. Die Schwägerin stupst mich sanft mit dem Ellbogen und fragt leise, ob ich mich noch an die Serie „Golden Girls“ erinnern kann. Wir lachen, die Blagen verstehen nicht wieso und sind peinlich berührt. Die Oma des Liebsten feiert ihren 103. Geburtstag. Wer U70 ist sitzt am Kindertisch.

Ob er vorne sitzen darf, fragt Maikind, als wir uns auf den Rückweg machen. Jo sicher, hast Erster gefragt, sage ich. Die kurvige Strecke zurück muss sie üben sagt Märzkind, ich soll ihr mal die Schlüssel geben. Äh, das hatte ich ganz vergessen, aber wieso nicht. „Oh“, sagt Maikind, als Märzkind einsteigt, „das ist aber ungewohnt“. „Für mich auch“, sage ich. „Hä?“, fragt Julikind als sie hinten einsteigt, „wieso sitzt du hier? ach so… “ Die erste Kurve nimmt sie sportlich. „Uuuaa“, sagt Julikind, und hält sich an der Tür fest. Ich weise daraufhin, dass ich wahrscheinlich brechen muss, wenn Märzkind so jetzt den ganzen Weg. „Ruhe dahinten“, sagt Märzkind. „Hömma“, sage ich. Kind mit Führerschein ist schon toll, nur ungewohnt.

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Husten, Rotzenasen, Halsschmerzen, Müdigkeit, Gliederschmerzen, mangelhafte Nachtruhe, Zeitumstellung – alles viel besser als letzte Woche aber ach…

Ein herzliches Dankschön, für die Anteilnahme und Genesungswünsche, vonne Psyche her hat`s geholfen.

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Nachdem wir zwei Haus- und Hof-Samstage hintereinander ausfallen haben lassen, kann auch das ungeschulte Auge erkennen, wieso die nötig sind. Wer kann hauswirtschaftet ein bisschen. Von selber, ohne zu nörgeln. Deutliche vorher/nachher Effekte sind erkennbar. Bemerkenswert.

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Werbung für Heuschnupfenmedikamente erreicht mich. Ich blicke raus ins Schneegestöber und frage mich, was das wohl soll.

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Ob er sich ein Bier nehmen darf, fragt Maikind Donnerstag abend. Ja. Ob ich auch eins will? Ja. Im Vorbeilaufen stoßen wir an. Weil wir es können und weil für ihn jetzt die Ferien beginnen. „Heimstudientag“ ist das Fachwort für, „sind halt keine Lehrer da und es wären ja sowieso nur zwei Stunden gewesen“.

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Brüderchen hat anlässlich seines Geburtstags eingeladen zu Kaffee, Kuchen und Mettbrötchen. Man fragt sich, wann denn der Esstisch das letzte Mal so komplett ausgezogen war, es ist schon länger her. Ein gemütlicher Nachmittag in der Weihnachtsrunde. Es ist Geburtstagshochsaison, obwohl wir uns diese Woche schon mal begegnet sind, gibt es einiges zu erzählen. Nächstes Wochende kann jeder selber was machen, dann ist schon Ostern, stellen wir fest. Also, wenn es schneit oder in Strömen regnet, dann lassen wir Eierwerfen aber ausfallen, keine Lust mehr, auf dieses Wetter…wenn Gülle gefahren wurde auch, ansonsten gerne, und ruhig auch wieder Kuchen oder so, da ist man sich einig.

Der Einschlag, Teil 2

Diese Halsschmerzen, die hatte er schon mal so, sagt Maikind Freitag morgen, er macht mal einen Test. „Scheiße“ flüstert er zwei Minuten später. Wir schweigen einen Moment „armes Märzkind, der dritte Corona-Geburtstag“, murmelt er und schüttelt mit dem Kopf. Märzkind kommt von der Schule und macht selber nochmal einen Test. Auch zwei Balken. Hä? Drei Tage gings ihr echt schlecht und sie war immer negativ, und heute? wo sie wieder in der Schule war? Ok, wenn ich jetzt drüber nachdenke, diese Kopfschmerzen, die hatte ich auch schon mal so – negativ. Soll mir recht sein. Ich fahre Julikind zum Training. Am nächsten Morgen fühlt es sich an, als hätte jemand meine Knochen mit Beton ausgegossen. Zwischen, ich steht dann jetzt auf` und im Bad angekommen vergeht eine viertel Stunde. Dort beginne ich den Tag mit einem Test. Als das erste bisschen Rotz im Testbereich ankommt leuchtet der Strich rot auf. Jo, genau so fühlt es sich an. Bis zum Nachmittag sind alle positiv, fast, Märzkind ist genesen. Ich hatte gedacht, eine zweite Runde, sollte es sie jemals geben, würde weniger heftig werden. Damit lag ich falsch. Angenehmer war, dass man sich um nichts bürokratisches mehr kümmern muss. Niemanden anrufen, nicht zwei Stunden anstehen für PCR-Tests, keine Quarantäne organisieren.

Märzkind verbringt ihren Geburtstags-nachmittag ausser Haus, erst mit der Oma, dann mit Freunden. Anders als gedacht aber schön wars, und muss man ja eh mit allem rechnen, wenn man um diese Zeit Geburtstag hat, sagt sie. Es fühlt sich ein bisschen seltsam an, das eigene Auto vom Hof fahren zu sehen. Ein Rücklicht ist kaputt, wusste ich garnicht.

Dem Liebsten gehts nach drei Tagen deutlich besser, Julikind auch. Maikind und ich hängen hinterher. Am Wochenende ist Geburtstagsparty, ich falle komplett aus, bei den Vorbereitungen. Das ist auch mal eine Erfahrung, für uns alle. Freitag kann ich zu meiner eigenen Überraschung wieder normal gehen. Es gab einen Plan B, aber den brauchts nicht. Ich backe Kuchen. Abends auf dem Flur ein gemurmeltes Gespräch mit Maikind. Alle anderen sind schon wieder negativ, haben den ganzen Tag über Sachen durch die Gegend getragen und rumgerödelt, unglaublich, wie gut es denen geht. Wir sind immernoch am Arsch. Wenn man ganz ehrlich sein will, die Chance, dass wir morgen in der Lage sind eine Party zu feiern – 50/50.