Bundesnotbremsen-Woche

Montag morgen um zwanzig vor sieben bekomme ich eine whattsapp vom Märzkind: „Nicht wundern, ich habe erst zur zweiten Stunde“. Mich wundern gerade was ganz anderes. „Ich stehe gerade vorm Rewe im Nachbarstädtchen und warte. Die machen erst um sieben auf. Surreal.“

Um viertel nach acht habe ich eine riesen Brotdose befüllt, zwei Überweisungen getätigt, hatte eine Elterntaxifahrt und der Wocheneinkauf ist erledigt und verräumt. Ja, Hund, wir gehen gleich. Erstmal muss ich das Julikind wecken, ist ja wieder Hausaufgabentag, heute. Obwohl, die kann noch eine halbe Stunde schlafen. Ich brauche erstmal einen Kaffee.

Hunderunde. Kochen. Essen. Neue Stundenpläne zur Kenntnis nehmen. Sport? Im Ernst? Passen die Schuhe noch? Wo zum Geier, sollen wir denn bis Donnerstag Sportschuhe herbekommen? Moment. Du darfst doch diese Woche noch keinen Sport machen. Nächste Woche ist Schulsport bestimmt eh schon wieder verboten. Wir haben kein Problem. Hausaufgaben. Ist da jetzt was in Lanis hinterlegt? Oder kommt das so aus, das jede Gruppe jeden Lehrer einmal in der Woche sieht?

Maikind wieder abholen. Er war heute mit auf einer Baustelle, da durften sie ohne Maske arbeiten, das war schön. Vorsichtig erkundige ich mich, wie viele Leute denn da sonst noch… Nicht so viele, ein paar Maler, ein paar Fensterputzer. Seufz. Dafür sitzen wir eigentlich nicht seit November zu Hause. Aber wenn sich alle anderen einig sind, dann gibt es eben auf Baustellen kein Covid. Hauptsache der Junge kann sich mal wieder über was freuen.

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Der Liebste feiert Überstunden ab. Er übernimmt die Familien-Frühschicht. Ich kann morgens um sieben mit Kaffee anfangen, das ist ungewohnt. Aber es tut gut. Die letzte Woche hat mich mental geschafft.

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Mutterkollegin teilt im whattsappchat mit, dass das Konfirmationsdatum verschoben wurde. Seufz. Mal abgesehen davon, dass das Maikind auf keinen Fall verschieben möchte, dieser Termin passt nicht. Garnicht.

Anruf im Pfarramt. Dieses Jahr macht man alles möglich. Der Termin kann bleiben.

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Außer dem Termin ändert sich dadurch allerdings alles. Wir sagen ab, denken um, planen um.

Was darf man denn mit wie vielen Personen unter welchen Umständen wo?

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Der Dachdecker ruft an, morgen passt es. Morgen passt eigentlich nicht so richtig gut. Andererseits warten wir seit fast drei Jahren auf einen Dachdecker, der so einen winzigen Auftrag annimmt. Der Liebste beginnt mit dem Abriss. Das geht einfacher und schneller als erwartet. Am Nachmittag des nächsten Tages ist alles neu. Wie schlimm das wirklich aussah merkt man erst jetzt. Wir freuen uns. Man könnte auf dieses Dach sogar einen Bodenbelag drauftun, dann wäre es als Fläche nutzbar, murmelnd laufen wir eine Weile im Garten auf und ab.

Es ist etwas fertig geworden. Einfach so, mitten im Leben.

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