ach komm, geh weg KWs 5,6,7/2024

Heeejjj, mein linkes Nasenloch ist wieder luftdurchlässig, zum ersten Mal seit drei Wochen. Ich freue mich – solange bis mir klar wird, dass dafür jetzt das rechte, naargh…

Der Krankenstand im Haus liegt konstant bei 3 von 5. Personen und Symthome wechseln stetig. Mittlerweile hat jeder eine persönliche Definition von „gesund“. Man gewöhnt sich.

Die Hausapotheke muss neu gefüllt werden. Zum ersten Mal überhaupt wurden die im Herbst angelegten Medikamentvorräte aufgebraucht.

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Es gab mentale Herausforderungen an Arbeitsstellen, der Uni und in der Schule, zeitgleich natürlich, wie auch sonst. Das Meiste davon betrifft mich garnicht, eigentlich ist alles gut aber in der Summe… sitze ich in dem Zimmerchen, dass mal Abstellkammer war, gucke blade mate lawn care videos auf youtube. „Ach, hier bist du“, sagt der Liebste, schüttet kommentarlos frischen Kaffee in meine Tasse und geht wieder. Gut, dass ich den schon geheiratet habe.

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Montag morgen um viertel nach fünf begegnen sich zwei Welten. Der Liebste kommt gerade von der Superbowl-Party, leider haben die falschen gewonnen, aber macht nichts, ein richtig schöner Abend ist das gewesen. Fröhlich begrüßt er Maikind. Der antwortet mit einem Brummgeräusch, für ihn ist schon morgen früh.

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Also, ich kann gut um kurz vor fünf aufstehen und Sachen erledigen. Bis nachmittags um drei. Da lauert ein mittelgroßes Müdigkeitstief, das hatte ich vergessen.

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Die neuen Verpackungs-Müll-Tonnen sind genauso groß wie die normalen, wiegen gefülllt aber weniger. Es ist sehr windig draußen. Jeder, der das Haus betritt, weist mich darauf hin, dass das kein gutes Konzept sei. Man habe die Mülltonne, die zur Abholung an der Straße lag, wieder hingestellt und sämtliche verwehten Verpackungen von der Fahrbahn und aus dem Hang eingesammelt. „Sehr gut, vielen Dank, ich kann allerdings auch nichts dafür“. Wir tun Plastikmüll jetzt wieder in gelbe Säcke und die dann in die Tonne. Total nachhaltig, so liegt es später nicht in den Büschen und im Wald rum.

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Da sitze ich nun, im kalten Auto, ohne Geld und Datenvolumen. Das Glockenspiel im dekorativen Türmchen mitten auf dem nebelverhangenen Parkplatz spielt „Freude schöner Götterfunken“ zur Untermalung der Situation. Maikind findet mich, das ist schon mal gut. Fröhlich erkundigt er sich, wie es zu dieser Planänderung kam. Das ist schnell erklärt: Ich drehe den Schlüssel im Zündschloss, das Auto hüstelt leise. „Ah so“, sagt er, und ich hätte doch das öffentliche W-Lan nutzen können, während der Wartezeit. Gab keins. Doch sicher, er hält mir sein Display vor die Nase. Drei Stück, und noch ein paar von Leuten, aber das macht man ja nicht. Mein mobiles Endgerät weiß nichts davon und stellt sich stur. Der Liebste findet uns. Er bittet mich auszusteigen, damit er „mal gucken“ kann. Ich verlasse das Fahrzeug mit dem Hinweis, dass ich durchaus in der Lage bin festzustellen, dass ein Auto nicht anspringt. Er dreht den Schlüssel, das Auto springt an. Ja nee, ist klar.

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Die Nachbarin ruft an und fragt, ob eventuell von uns jemand heute vor 16 Uhr im Städtchen sei und sie mitnehmen könnte. Sie werde jetzt aus dem Krankenhaus entlassen und der Fahrdiest kann erst um 16 Uhr. Es ist elf Uhr vormittags. Ich würde sie abholen. Sie freut sich sehr und wird im Foyer auf mich warten, bis gleich. Dort ist sie nicht, als ankomme. Ich finde sie, abmarschbereit, aber offensichtlich nicht entlassungsfertig im Patientenzimmer. Nach einigem hin und her ist klar, es wird noch länger dauern, bis 16 Uhr, ungefähr, Fahrdienst ist bestellt. Die Nachbarin entschuldigt sich vielmals. Das hat sie falsch verstanden, da bin ich ja nun umsonst…hach. Nicht schlimm, versichere ich ihr und erkläre, wie es jetzt weitergehen wird. Essen, Arzt, Papiere…. Ach so. Sie setzt sich an den Tisch, rückt das Mittagessenstablett darauf zurecht und stellt ihre Tasche auf den Boden. Ein Einkaufsbeutel vom Discounter, darin ist ein Nachthemd, sonst nichts. Sie ist seit drei Tagen hier.

Nachdenklich fahre ich wieder nach Hause.

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Eine Email zur Information der Erziehungsberechtigen. Sehr viel Text und vier Anhänge lassen sich ganz einfach zusammenfassen: Eltern haben das homeschooling beendet, die Blagen sind 13, da geht nix mehr. Die Schule ist entsetzt. Keine Arbeitsmoral, keine Leistungsbereitschaft, leider wird so niemand die Abschlussprüfung schaffen, man möge seine Brut disziplinieren oder wahlweise das Problem mit Geld bewerfen, bei Fragen oder Anregungen könne man sich natürlich melden. Tjaaaa, dann, formuliere ich doch noch mal ganz sachlich, und so freundlich und wertschätzend es mir nur möglich ist, genau das, was ich auf dem Elternabend schon gesagt hatte. Im Grunde lässt es sich mit einem legendären Filmzitat zusammenfassen: „Chantall! Heul leise.“

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Da läuft eine Haushaltsauflösung es gäbe Sachen zu verteilen. Danke, aber eher nein danke. Märzkind fährt „mal gucken“ und findet Schätze in Ur-Omas Kleiderschränken. Total stylisch das alles.

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An einem Morgen gehe ich die Hunderunde mit dicker Jacke, Handschuhen und Mütze auf gefrorenem Boden. Über Nacht wurde anscheind ein Schalter umgelegt. Am nächsten Tag 10°C und Vogelgezwitscher rund um mich herum. Normal ist das nicht, aber soll mir recht sein.

Gedanklicher Beginn der Bienen-Saison, Mitte Februar.

Winterwetter und der Einschlag Teil 2,6

Erst war es nur so eine Ahnung, dann ein Verdacht, ich habe gesucht und gefunden, leider. Mäuse wohnen auf unserem Dachboden, mehrere. Vorsichtig sichte ich Kartons. Es tut mir wirklich leid, andererseits ist die Entscheidung ganz leicht, da ist nichts mehr zu retten. Ich trage Dinge von emotionalem Wert, angefangene Nähprojekte und Sommerkleidung nach unten, bis die Restmülltonne voll ist.

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Auf allen Kanälen wird ein Unwetter angekündigt, bis zu 45 cm Schnee sollen fallen, allerdings erst ab Mittag, normaler Start in den Tag, erstmal abwarten. Tatsächlich fängt es gegen eins an, mit aller Entschlossenheit zu schneien, ohne Umwege fallen die Flocken aus den Wolken auf den Boden. Gegen drei lohnt es sich schon, mal die Einfahrt frei zu schaufeln, und um fünf und um sieben… Ein Unwetter-Gefühl kommt trotzdem nicht auf, dafür ist es zu leise.

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Sonntag morgen gehe ich eine große Runde mit dem Hund. Richtig schön ist es draußen, kalt und weiß. Die Spuren im Schnee verraten, wer hier noch alles hergelaufen ist, das sieht man ja sonst garnicht. Also, das Hirsche ein Stück größer sind als Rehe war ja klar, aber, einen Moment bleibe ich beeindruckt vor der Spur stehen, die den Wanderweg im Wald kreuzt. Da fragt man sich, wie die auf so riesen Füssen so leise laufen können.

Als ich nach über zwei Stunden den Berg wieder hoch stapfe, kommt mir aus dem Nichts eine Erkenntnis. Ich sage mir selber ein paar ehrliche Worte und beglückwünsche mich anschließend. Erfolge ruhig auch mal feiern. Bei der letzten Erkenntnis dieser Art saß ich heulend auf der Kellertreppe.

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Über Jahre waren die Damen in der Ortsmitte Teil meines Alltags. Auf dem Weg zum Kindergarten ist man immer mindestens einer von ihnen begegnet, so wie alle anderen auch. Soziale Medien in der unplugged Version, quasi. Drei von ihnen sind innerhalb der letzten Wochen verstorben. Sehr unterschiedliche Trauerfeiern waren das. Einmal klein, mit eindeutig wenig Geld, aber in liebevoller Erinnerung. Einmal sehr herzlich, die Kirche voll wie an Weihnachten mit Anschlusskaffee für geladene Gäste – und einmal bin ich nach Hause gegangen, mit dem Gefühl, dass es doch wirklich eine gesellschaftliche Errungenschaft ist, dass Leute die keine Kinder möchten, heutzutage keine haben müssen.

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Über Nacht ist das ganze Winterwonderland weggetaut. Beeindruckend.

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Die Waschmaschine macht Geräusche. Das Ende ist nahe, ob man vielleicht, wegen Lieferzeit besser schon mal?, frage ich den Liebsten. „Ach was“, sagt er, „wenn man so mit der Hand drauf drückt, beim Schleudern, dann hört das Geräusch auf.“ Stimmt.

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Sie fühle sich eigentlich nicht richtig krank, sagt Märzkind, andererseits aber doch krank genug, um ihre Schicht vielleicht lieber abzusagen. „Mach doch mal n Test“, sage ich reflexartig. Wir stellen fest, dass die allermeisten unserer eingelagerten Tests abgelaufen sind, ob die wohl noch was anzeigen? Ja. Tun sie. Zur Sicherheit noch einen frischeren hinterher. Es bleibt dabei. Och guck. Damit hatten wir ehrlich gesagt nicht gerechnet. Ich rufe Maikind herbei, denn ich hätte eine Idee, woher seine Kurzatmigkeit kommen könnte. Negativ, aber das macht es leider nicht besser. Zusammenfassend hatten wir ab da dreimal Covid, eine Virusinfektion der Atemwege, die aber wesentlich schlimmer verlief und länger gedauert hat als die aktuelle Corona-Variante, einmal Magen-Darm, einmal Nasen-Nebenhöhlen, und eine Person, die die ganze Zeit über gesund war. Spoileralarm, ich wars nicht.

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Ich schlage das Januarblatt am Kalender um. Kann weg.

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Man hat mich zu der Elternwhattsapp-Gruppe mit dem Titel „Konfirmation 2024“ hinzugefügt. Stimmt, da war ja was. Und nächstes Jahr April ist demnächst schon. Leicht erhöhte Pulsfrequenz. Obwohl, doch nicht.

„Kuckuck“ rufts aus dem Wald

Das neue Jahr beginnt ruhig. Neue Abläufe, Dinge tun sich in Köpfen, Möglichkeiten und Murks. Deswegen hier eine ältere Geschichte.

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Es ist einer dieser Frühlingstage, an dem man eine Wanderung in outdoor-Klamotten startet und Sonnencreme im Rucksack hat. Noch ist es frisch im Tal, aber über dem Nebel wartet blauer Himmel. Ein Bächlein fließt leise murmelnd zwischen den Wiesen und Feldern. Während wir die kleine Brücke neben einer leicht windschiefe Feldscheune überqueren weisen wir uns gegenseitig auf diese fast vollkommende Idylle hin. Fast vollkommen, weil, das Gras hier ist so lang und so nass, man hätte rückblickend die echten Wanderschuhe anziehen können, nicht nur die für „mal gerade“, aber „meine Güte, ist das schön, wieso waren wir hier noch nie?“ „Es liegt zu nah dran, wahrscheinlich.“ Auf jeder Etappe das gleiche Gespräch.

Bergauf Richtung Wald lauschen wir schweigend den Geräuschen von nassen Turnschuhen und „da! hastes gehört?“ frage ich. Die Freundin guckt fragend und lauscht. „Ah, ein Kuckuck“. „mi hann n Kuckuck ropen jehort dütt joar, das nimmt uns keiner mehr“, sage ich. „Hä?“ Ob das denn was besonderes sei, erkundigt sie sich. „Naja, wenn man „n Kuckuck nimmer ropen hort“ ist schlecht“, sage ich.

Sie wohnt nur drei Kilometer weiter, hat diese Redewendung aber noch nie gehört. Mit uns spricht ja auch niemand platt. In den achtzigern hatte man Angst, dass Kinder, die kein hochdeutsch sprechen, nicht schreiben lernen. Platt ist also nicht Mutter- aber immerhin noch Oma-Sprache, mi könn et verstonn aber nit schwatzen, „schade eigentlich, das ist bald alles weg“, sagt die Freundin „und wie ist denn das nun mit dem Kuckuck?“. Man kann es nicht übersetzen, weil ie hochdeutsche Wortentsprechung nicht die Gefühlslage wiedergibt, die das Plattdeutsche auf den Punkt trifft. Wenn man sagt, das jemand wohl „den Kuckuck nicht mehr rufen hört“, ist das die aufrichtige Anteilnahme und Ausdruck tiefer Besorgnis über den Gesundheitszustand eines lieben Menschen, der möglicherweise das nächste Frühjahr nicht mehr erleben wird, und keinesfalls fies gemeint, hat der Vatta gesagt.

Funfact: wenn jemand verstorben ist, dann „ism woll“, was ungefähr „allumfassendes Wohlergehen“ bedeutet, im Sinne von es hinter sich haben– was aber auch nicht gemein ist, sondern aus einer Zeit stammt, in der schwere körperliche Arbeit Alltag, und betagte Menschen nicht mit Rentenkonten, Zahnersatz, Hörgeräten, Sehhilfen und Rollatoren ausgestattet waren. Und soooo lange ist das noch garnicht her, eigentlich.

the final countdown, Jahreswechsel 23/24

Der Tisch ist für 13 Leute gedeckt. Das vergangene Jahr hatte Herausforderungen für wirklich jeden von uns. Alle sind nervlich etwas zerfleddert und müde. Als Gastgeber kann man nur hoffen…

Die Oma aus dem Städtchen, die selber herfahren wollte, damit niemand Umstände hat, ist dann wohl nicht aufgetaucht. Hier nicht, im anderen Enkel-Haushalt mit Weihnachtsveranstaltung nicht, in ihrer Wohnung scheint sie nicht zu sein und das Mobiltelefon klingelt ins Leere. Ich treffe Märzkind und den Liebsten auf dem Flur. In knappen Worten besprechen wir das weitere Vorgehen, Katastrophen-Routinen, gelernt ist gelernt. Da klingelt das Telefon in meiner Hand. Die Großtante hat die Oma gefunden, der Liebste holt sie ab. Ich informiere den Cousin. Nichts passiert. Weitermachen.

Schnitzel, Salate, Käseplatte, gefüllte Eier. Jeder hat etwas mitgebracht, deshalb schmeckt jedem irgendwas. Lob und Anerkennung, gemeinsames Abräumen, Fressstarre. Dann spielen wir „mal eine Ente“ und vier Generationen haben Spaß. Da sind wir, ehrlich gesagt, alle ein bisschen überrascht. Anschließend Bescherung und Gemütlichkeit in der leicht chaotischen weihnachts-Edition. War gut.

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Kopfschmerzen und Krankheitsgefühl, Test negativ, also Schmerzmittel und Feiertag.

Schwiegermutter hat geladen und alle sind gekommen. Auch hier spürt man mehr Jahresend-Erschöpfung als „o du fröhliche“. Ein bemerkenswert oberflächliches Fest, aber nicht schlecht.

Zweiter Feiertag, Reste essen und Sofasitzzeit, zum Glück, mehr wäre nicht gegangen.

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Am 27. fange ich vorsichtig an, Advents-Zubehör und Weihnachtsdeko wegzuräumen. Es fällt anscheind niemandem auf. Irgendwann steht nur noch der geschmückte Baum.

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Märzkind und ich haben das gleiche Klamotten-Problem. Eine Bestandsaufnahme könnte helfen. Wir hätten Zeit und Lust auf so eine Aktion wird nicht kommen. Nun denn. Wir treffen uns im Zimmer des Julikinds, wegen Platz und großem Spiegel, mit allem, was wir an Kleidung besitzen (außer Unterwäsche und Socken). Zwei Stunden später gibt es einen Stapel für Flohmarkt, einen für Spenden, einen kleinen, der direkt in die Tonne kann und eine Einkaufsliste. Das war gut.

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Maikind möchte Sylvester feiern, mit Leuten. Er organisiert selbst. Julikind läd eine Freundin ein. Die Jungs fahren einkaufen, Pyrotechnik und Schweineschulter. Der Liebste macht pulled pork und Salat. Vorbereitungsgewusel im Haus, vier Leute werden übernachten.

Ich begleite die Konfirmandinnen zum letzten Gottesdienst des Jahres. Die Kirche ist gut besucht. Auch hier liegt ein Hauch von Jahresend-Müdigkeit in der Luft, aber, nun gut, geben wir dem nächsten eine Chance und bevor wir gehen, hören wir das Orgelnachspiel. Ich kenne dieses Stück, aber, ich komme nicht drauf. „Was ist das?“, frage ich Julikind, die neben mir sitzt. „na, das ist dieses *düüüüdüüüüdüüüüüüü. dü dü düüü* “ „Ach was“, sage ich. Wir lachen leise, wissen aber beide, dass es uns für den Rest des Abends nerven wird, sollten wir nicht drauf kommen. Ha! „it`s the final countdown…“ bei Beginn der zweiten Strophe fangen wir zeitgleich an zu singen, das ist dann leider so laut, dass Julikind mich in die Seite stupst, wegen peinlich, weswegen ich lachen muss, auch peinlich. Fröhlich summend gehen wir nach Hause *dü dü düüüü düü*

Es läuft football den ganzen Abend. Passt schon.

Um zehn vor zwölf kommen die Mädels aus dem Zimmer, wir drehen den Fernseher sehr laut, damit der Hund möglichst wenig mitbekommt vom Geböller, ziehen warme Jacken an und gehen, ausgerüstet mit einer Flasche Sekt in den Garten. Dort treffen wir auf die Jungs, die ihre Party in der Ferienwohnung feiern. Feuerwerk. Er geht dann mal den Nachbarn frohes neues wünschen, sagt der Liebste. Ich hab Jogginghose, murmele ich, aber egal. Zwanzig Meter weiter den Hang hoch hat man tatsächlich nochmal eine andere Aussicht. Richtig schönes Feuerwerk. Wir bleiben, bis beide Flaschen Sekt leer sind. 2023 kann ruhig weg, sind wir uns einig. Aber 2024 die erste halbe Stunde war schon mal gut.

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Der gute Vorsatz für dies Jahr ist, Sachen mal wieder in die Reihe zu bekommen. Ein Vor-Corona-Organisations-Niveau wäre wünschenswert. Tschakka.

Och guck, wenn man am zweiten Januar in der Frauenarztpraxis anruft, um sich einen Termin für Kontrolle zu machen, hat man sogar Auswahl. Frei wäre 8.45 Uhr oder 10.30 Uhr. Am zwanzigsten… bestimmt hab ich mich verhört und frage nach…“August?“ „Ja richtig“, sagt die Dame am Telefon. „dann 8.45 Uhr“, sage ich.

man müsste mal Advent, aber… KW47-49/2023

„Huch“, habe sie gesagt, als man sie Treppe runtertrug, im Rettungs-Stuhl, dabei gelacht und mit Sanitätern geschäkert, natürlich. So wie man sie kennt halt. Dann ging es schnell.

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Es gäbe die Möglichkeit sich von der Uroma zu verabschieden, falls jemand möchte. Ich frage alle drei Kinder einzeln in persönlichem Gespräch und bekomme dreimal die gleiche Antwort: Man selber habe jetzt eher vielleicht nicht das Bedürfnis, aber wenn von den anderen jemand wollen würde, dann würde man mitkommen. Zufällig sind zum angesetzten Verabschiedungs-Termin alle zu Hause. Wir nutzen also die Gelegenheit, dem Tod mal zu begegnen, denn in diesem Fall kam er als freundlicher Besuch und man weiß ja nie…

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Ich wollte sowieso mal einen anderen Frisör ausprobieren, nach der letzten Preiserhöhung. Da hat tatsächlich einer diese Woche noch einen Termin frei und ich zahle deutlich weniger. Aus Gründen, wird mir klar, nach der ersten Haarwäsche. Ich bitte Märzkind um Hilfe. Sie wuschelt und wuschelt und schneidet, seufzt dann leise und murmelt in tröstendem Tonfall, dass es bis Weihnachten ja noch drei Wochen hin seien.

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KRACKS. Der altgediente Wäschekorb quittiert den Dienst, voll beladen natürlich, auf halber Höhe der Treppe, alles andere wäre ja langweilig gewesen. Gut, die Zeichen waren da, ein Zahnbürstenstiel und Panzertape zum Prothesenbau lagen bereit, aber, da ist nichts mehr zu machen. Schade. Wir haben in den letzten 20 Jahren einige Kilometer gemeinsam zurückgelegt, hunderte von Treppen rauf und runter, in allen Ehren wird er dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt.

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Das es nach der Trauerfeier zu Veränderungen kommen würde war klar. Aber die Geschwindigkeit überrascht dann doch. Gut, dass jemand was gesagt hat. Eine zwischenmenschliche Beziehung ist eskaliert. Strenggenommen ist es nicht unsere Baustelle, aber so kann man das nicht stehen lassen, sonst wird es unsere. Wir denken. Der Liebste bringt beide Parteien an einen Tisch. Die Baustelle scheint schnell behoben aber, es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, egal wie man diese Situation dreht und wendet: Entweder es wurde routiniert gelogen oder jemand hat neuronale Aussetzter. Wir beobachten das.

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Zwischen „Systemrelevanz 24/7“ und „soll jede Abteilung mal selber sagen, wer entbehrlich ist“ lagen keine zwei Jahre. Der Liebste möge mal bitte in die Firma kommen. Man bietet ihm den gleichen Arbeitsplatz in anderer Funktion zu geänderten Konditionen. Dadurch würde sich einiges ändern, aber vielleicht auf die gute Art. Um zeitnahe Entscheidung wird gebeten. Alle denken, er selbst am längsten. Schließlich schicke ihn mit seinem Kumpel ein Bier trinken, der verrückt in einem beiläufigen Halbsatz die Perspektive. Möglicherweise ist es ein bisschen so, wie wir alle gesagt hatten.

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Es schneit und ist richtig kalt. Winterwonderland für Allergiker.

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Normalerweise erkundigt sich Julikind nach einem Kinofilm auf dem Weg zum Parkplatz nach dem Verkaufsstart der DVD. Diesmal nicht. Diesen Film möchte sie nie wieder gucken, der hat sie richtig wütend gemacht. Wie kann denn sowas? und dann am Ende? so ein cliffhanger…?? „Das war kein cliffhanger. Du weißt wie die Geschichte weitergeht“, erkläre ich. Während ihrer fiesen Erklältung letzte Woche haben wir alle drei Teile der ‚Tribute von Panem‘ gegeguckt. Der vierte Teil dauert zweieinhalb Stunden, was mir persönlich fast zu lang ist, aber, in diesem Fall machen gerade die leisen Minuten in denen scheinbar nichts passiert das Drama. War gut gemacht, der Liebste und ich sind uns einig. Auf halber Strecke nach Hause kommt ein gemurmeltes „Samma – wollte der die echt erschießen, oder was?“ vom Rücksitz. Vermittlung von gesellschafts-politscher Bildung: checked.

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Der Tag ist fast zu Ende, Abendroutinen, Sofa in Sichtweite. Der Liebste wirft einen letzten Blick auf eingegangene Nachrichten und erstarrt. Jemand ist gestorben. Was? Stille im Raum. Nachfrage. Antwort kommt sofort. Der Unfall eben, Cousin bei der Feuerwehr. Für Moment gefriert die ganze Welt. Ich bitte Julikind, das jetzt nicht rumzuerzählen, es scheint gerade eben erst passiert… „ohhajasorrynichtdrangedacht“ murmelt der Liebste. Dann sitzt man erstmal so da und kennt die Verstorbene, ihre Familie, Leute bei der freiwilligen Feuerwehr, die Seelsorgerin… Märzkind ruft an, sie seien da eben auf dem Weg zum Training an einer Unfallstelle vorbeigekommen, viel Blaulicht, sehr viel, konnte man sehen, dass das was Schlimmes…ob wir schon gehört? Ja. „Das fühlt sich ganz anders an, als bei der Oma“. Stimmt.

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Beim Versuch, Weihnachtsgeschenke in der echten Welt zu besorgen scheitere ich so krachend, dass man sich rückblickend fragt, wie ich überhaupt drauf gekommen bin, das zu versuchen.

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Die ersten sieben Türchen meines umgekehrten Adventskalenders auf einmal erledigt. Sehr gut erhaltene Winterkleidung, die niemandem hier passt wurde im secondhand Laden abgegeben danke fürs mitnehmen. Und wenn man erstmal anfängt… vielleicht hat der grinchige Raustrage-Adventskalender mehr als 24 Türchen.

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De Omma ruft an. Sie hätte Kuchen, den könnte mal jemand holen kommen. Das ist ungewöhnlich.

An einem Freitag?

Wie? Haben wir Freitag heute?

Jo.

Dann hat sie keinen Kuchen.

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Die Post kommt gefühlt nur noch einmal die Woche. Nix, nix, nix, Briefkasten knallvoll und vier Pakete am Ablageort, nix, nix. Total egal, was einem die Versender per mail als Zustellungsdatum nennen. Pakete kommen am Paketauslieferungstag.

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Der Plätzchenteller, der uns traditionell vor dem ersten Advent überreicht wurde, könnte abgeholt werden, erfahren wir. Der Liebste kümmert sich. Boar. Es ist kein Teller mehr. Die Plätzchen wurden in einer Tortenhaube dekorativ angerichtet, und gerne könnten wir noch was nachholen, bei Bedarf. Ich bin vom gucken schon satt.

ein grandioses event

Der Pastor ist Mitte zwanzig und bei bester Gesundheit, stellen wir fest und grinsen heimlich. Drei Wunschkanditaten hatte die Oma für diesen Anlass. Alle sind ihr vorangegangen. Der ganze Altarraum steht voller üppiger rosa Blumenkränze. Die Orgel beginnt zu spielen, mehrere Stücke hintereinander. Das hätte ihr alles gefallen, so. Gerade als wir anfangen, uns fragen, ob die Trauerfeier wohl darin besteht, dass man einfach eine Weile andächtig sitzt, erhebt sich der Pastor und heißt alle herzlich willkommen. Er nennt Geburtsdatum und Ort, Anzahl der Kinder, Enkel und Urenkel, das Sterbedatum, der Rest wird anscheind als bekannt vorrausgesetzt. Verschiede Bibelverse werden verlesen, ein Chor singt, kurze Ansprache zum Thema Leben und Sterben ganz allgemein, wobei es sich dabei eher um einen langen Schlaf handelt, erfahren wir, im Sarg liegend erwartet man den Tag der Auferstehung. Oh ha, eine Horrorvorstellung, Seitenblick aufs Julikind, sie befindet sich im totalen geistigen Leerlauf, alles gut. Chorgesang, Lieblingsbibeltext der Verstorbenen, Gemeinde singt, Auferstehungsverheißungen fürs eigene Team, für alle anderen leider ewige Verdammnis. Mein Hirn spielt das Intro von „highway to hell“, ermahnt sich dann selber, dass bei so heiligen Veranstaltungen Gedanken bestimmt mitgelesen werden, Chorgesang. Dann dürfen wir die Entschlafene zu ihrer Ruhestätte geleiten. Es ist windig und kalt, vielleicht riecht es ein bisschen nach Schnee, aber noch regnet es. Andächtig stehen wir auf matschigem Rasenflächen und lauschen einem mehrere Minuten andauernden Musikstück, Auferstehungsverheißungen, ein Zitat „grandioses event“, wird versprochen, tröstende Worte, dann Abschied am Grab, im Hintergrund Panflötenmusik, unplugged von einem Gemeindemitglied vorgetragen. Töchter nehmen Beileidsbekundungen entgegen, der Rest der Familie steht repräsentativ im Hintergrund. Gemeindemitglieder umarmen einander und nicken sich mit den Worten „Jesus kommt bald“ zu.

Teile der Enkelgruppe wundern sich ein bisschen über diese Art der Feierlichkeit, wechseln gedanklich aber schon zum weltlichen Teil. Die ersten Leute gehen. Verständlich. Aber, äh, Blickwechsel in alle Richtungen, was machen wir denn jetzt? Es sind mindestens fünf verschiedene Glaubensrichtungen anwesend, niemand weiß, ob die sich von wohl von selber eingeladen fühlen. Vielleicht sollte lieber mal irgendjemand… als ich schon auf halbem Weg zum Ausgang bin um Leute abzufangen, verkündet der Pastor doch noch die Einladung zum Kaffee trinken.

Eingedeckt haben wir für 90 Leute. Ich hatte ehrlich gesagt gedacht, das wäre reichlich, aber es kommt genau hin. Die Grundstimmung ist fröhlich und in einer Sache scheint sich die gesamte Christenheit einig zu sein. Bienenstich. Vom Streusel- und Apfelkuchen gab es Reste aber vom Bienenstich ist nicht ein Stück übrig geblieben.

Die Oma des Liebsten ist verstorben.

Man muss nicht traurig sein, denn „nochmal hundert Jahre hatte sie keine Lust drauf, hat sie gesagt“, sagt Julikind.

Fehlen wird sie trotzdem.

durchziehender Oktober, 2023

Von außen betrachtet sieht es wohl so aus, als wäre nichts los. Aber es tun sich Dinge in Köpfen.

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Märzkind braucht vielleicht doch einen Laptop. Ich wechsle einen Blick mit Maikind. Hatten wir uns schon gedacht, dass man nur mit Kulli und Collegeblock nicht durchs Studium kommt. Maikind soll mal sagen, welcher wohl gut wäre. Er fragt nach Betriebssystem, Kostenrahmen, Arbeitsspeicher, Bildschirmgröße, Grafikkarte. Märzkind guckt fragend. „Vielleicht dann doch lieber ein Tablet?“ Maikind bemerkt ein Kommunikatiosproblem und versucht es anders. „Wofür brauchst du das Gerät denn?“ „Na – fürs Studium, so zum Schreiben, speichern, mitnehmen…“, sagt Märzkind in dem geschwisterlichen Tonfall für blöde-Frage-Vollpfosten. Maikind seufzt. Ich dolmetsche. Er findet was, wir bestellen gemeinsam, Märzkind bedankt sich herzlich. Hat sie doch gewusst, dass Maikind sowas kann, dauert halt nur immer, bis er verstanden hat…

Läuft bei den Blagen. Man freut sich richtig, einen Moment lang. Dann übernehmen die Senioren.

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Die Oma aus dem Städtchen bringt zwei Salatschüsseln und vier kleine Handtücher vorbei. Sie wird umziehen, demnächst. Ich biete ihr Hilfe an, bei konkreten Tätigkeiten, denn ich habe da so einen Verdacht. Fröhlich lächelnd lehnt sie ab, das wird nicht nötig sein. Sie kümmert sich heute um das hier – deutet auf Schüsseln- ihr Sohn dann um den Rest. Aha. Die Fassade war solide, aber jetzt hagelt es Erkenntnisse.

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Seine Oma liegt jetzt nur noch, erzählt der Liebste nach einem Besuch. Ansonsten wirkt sie aber fröhlich.

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De Omma braucht neue Schuhe. Oder auch nicht. Sie hat nämlich noch welche aus den späten siebzigern, die sind gut zu gebrauchen. „Also, ich persönlich fände es schöner, wenn du nicht im Hühnergarten auf die Schnauze legst und irgendwelche Knochen dabei brichst, aber, du bist ja alt genug, mach wie du meinst“. Ich staune selber, als ich mich das sagen höre, denn so rede ich eigentlich nicht mit Omas. Es ist allerdings nicht das erste Gespräch zu diesem Thema und ich wäre dann jetzt durch. „Njo. Vielleicht haste recht“, sagt sie. Wottsefack?

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Eine Woche Herbstferien ist wenig, aber immerhin. Erstmal natürlich, muss man garnichts machen, drei Tage lang. Dann erledigt Julikind Besuche, für die im laufenden Betrieb keine Zeit war. Zack, eine Woche rum.

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Seit der Grundschule lese ich für Maikind Korrektur und komme bei den Berichtsheft Einträgen langsam an meine Grenzen. Heißt es Steckdosenstromkreis oder Steckdosen Stromkreis? Aderendhülsen? Hast du dir das Wort ausgedacht? Maikind erklärt wo, wie und zu welchem Zweck man die einbaut. Und: Beim nächsten Baumarktbesuch fällt es mir plötzlich auf, wahrscheinlich war es schon immer da, das Regal mit den Aderendhülsen.

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Bei fast noch warmen Herbst-Regenwetter begegnen mir Feuersalamander im Wald. Ich hab lange keine gesehen und freu mich. Dachte schon, die wären ausgestorben. Es ist überhaupt richtig schönes Herbstwetter. Bunte Blätter an den Bäumen, Moos in allen grünschattierungen und Pilze, jede Menge Pilze. Sehr dekorativ, das alles.Beispielbild aus kostenlosem Archiv, aber könnte auch von hier sein

Photo by Matthias Zomer on Pexels.com

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Es fühlt sich nicht so an, aber lange ist es nicht mehr, bis Weihnachten. Ich hatte da um Absprachen gebeten, denn der Kalender füllt sich allmählich, aber, es wird auch ohne gehen und zwar folgendermaßen: Sollten Terminanfragen kommen, trage ich die ein und wenn sich Sachen überschneiden, teilen wir uns auf oder sagen ab. Er habe tatsächlich eine Weihnachtsgruppe mit seinen Geschwistern gegründet, zur Terminabsprache, sagt der Liebste. Sehr gut. Das freut mich. Leider sei erst nach der Planungsphase aufgefallen, dass statt seines Bruders einer von den alten Herren Mitglied der Gruppe war, unerwartete Verzögerungen, alles irgendwie ein bisschen komplizierter als gedacht. Ach was.

Bei einem flüchtigen Besuch in der Buchhandlung fällt mir ein Aufsteller mit Grinch-Merchandise-Artikeln auf. Interessant. Anscheind wird Grinch sein allmählich gesellschaftsfähig. Ich befürworte das, bin persönlich aber schon auf einem anderen Level. Ich kaufe nix wo Weihnachten drauf steht. Garnichts. Es gibt normale Geschenke, normales Blätterkrokant und Standard-Schichtnougat zu, naja, halbwegs normalen Preisen.

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Die Baustelle ist fertig – juhu. So mit 50 Sachen durch die Ortschaften Richtung Städtchen, es fühlt sich fast wie rasen an, nach Monaten bei Tempo 30. „Guck es dir an“, sage ich zum neben mir sitzenden Märzkind, auf der langen Geraden „niemand vor uns und niemand zu sehen, im Rückspiegel“ „so soll das“, sagt Märzkind, „einfach mal in Ruhe geradeaus fahren, ohne Leute“. Der Schulbus fährt auch wieder nach Plan. Macht 80 Minuten mehr Unterricht pro Woche. Natürlich ploppt sofort die nächste Baustelle auf. Wegen Schienenersatzverkehr wird Märzkind nächste Woche an dem Tag der autofreien Anreise 3 statt anderthalb Stunden für den Weg zur Uni brauchen.

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Leider, man kann sich nicht erklären wie eigentlich, ist eine Flasche preisgünstiges „Pahrfühm“ im Turnbeutel zerbrochen. Ein sensorisches Inferno, 80000 Olf verteilen sich im Haus.

bunt gemischtes und dunkle Seiten, KW 38-42

Kurz nach acht Uhr morgens mache ich mich auf den Weg ins Städtchen. Ich fahre nur 80 und etwas weiter mittig als man das normalerweise tun würde, weil ich sehen kann, das von vorne keiner kommt. Hinter mir ein Baustellen-Kleintransporter voll besetzt mit Malochern, alle unter 30. Eigentlich müssten die mir direkt an der Stoßstange kleben, hier, um diese Zeit, tun sie aber nicht. Die kleine Landstraße hat gelitten, nach einem halben Jahr Umleitungsverkehr von der Bundesstraße. Es gibt keine Bankette mehr. Also machen wir alle ein bisschen langsamer und teilen die Fahrbahn nach Bedarf. Man wundert sich, aber es geht.

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Zeiten, Abläufe, Wege alles ist leicht verändert in den letzten Wochen, auf gute Art, nur eben ungewohnt.

Mittagessen für drei Leute. Tja, äh, kocht man da was? Es könnte sich doch einfach jeder ein Brot schmieren, schlage ich vor und wir essen dann „was richtiges“ wenn mehr Leute da sind. Julikind nennt spontan drei Haushalte in denen immer nur zwei Leute wohnen und vermutet, dass die doch wohl nicht alle immer nur Käsebrot essen. Da hat sie recht, gebe ich zu und überlege mir was. Es fühlt sich ein bisschen an wie Puppenküche.

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„Ich muss rauchen, kommst du mit?“, fragt die Mutterkollegin und zupft leicht an meinem Arm. „Hä?“ sage ich in der Betonung für ich-verstehe-was-du-sagst-aber-nicht-was-du-meinst. Na, sie muss da hinten hinter die Hecke, ich soll bitte mit, sie muss mir noch was erzählen. „Also, ehrlich, es ist stockdunkel, wir sind über vierzig, wenn du rauchen möchtest, dann steck dir eine an“ „Meinst du? Wirklich? Hier?“ Ich nicke, merke dann, dass sie das nicht sehen kann und sage „jaha, sicher“. Dieser Elternabend war anstrengend. Zu Hause trinken der Liebste und ich noch ein Bier, auf der Treppe vorm Haus. Da kann er sich auf freuen, nächstes Jahr, sage ich, oder vielleicht geht einfach keiner mehr hin.

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Im August gabs einen Vormittag, da sind wir uns in dicken Jacken begegnet und hätten eigentlich Handschuhe gebrauchen können, ob er sich erinnern kann, frage ich den Landwirt, der mir auf der Hunderunde begegnet. Die laufe ich heute im T-Shirt und Sonnencreme wäre eigentlich nicht verkehrt gewesen fällt mir gerade auf. Jetzt, „wo ich das sage, stimmt“, sagt er, während er Blätter fegt, in kurzer Hose, Mitte Oktober.

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Landtagswahlen in Hessen: Seit Wochen halte ich immer wieder kleine Vorträge, darüber, wie toll das ist, in einer Demokratie zu leben, wo jeder alles sagen darf und das einzige Risiko darin besteht, dass man für eine kognitiv suboptimierte Arschkrampe gehalten wird und einem das auch gesagt wird. Dass es wichtig ist, hinzugehen, wenn Wahlen sind, weil jede Stimme gleich viel zählt und es hier sonst nur Politik für Rentner geben wird, denn die gehen hin….

Sonntag vormittag: Märzkind kommt von irgendwo und ist unterwegs nach irgendwo anders, wollte nur kurz Hallo sagen und dass sie schon gewählt hat. Ich freu mich. Das Pluseinskind durfte allerdings leider nicht wählen. Er wohnt erst seit September im Ort, das Wählerverzeichnis wurde im August auf den letzten Stand gebracht, deshalb steht er noch nicht drin. Er müsste in seinem vorherigen Wohnort wählen. „… und, ganz ehrlich, mal abgesehen davon, dass das zeitlich nicht passt, die Spritkosten wegen zwei kleinen Kreuzen? Dann eben nicht, leider“. Versteh ich. Schade eigentlich.

26% der abgegeben Stimmen im Ortsteil für die AfD. Anscheind mögen wir Nazis. Ich könnte kotzen.

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Der Liebste bestellt Holz inklusive Lieferung. Natürlich haben am einzig möglichen Liefertermin alle Kinder Unterricht und Arbeit, aber, eigentlich schafft man das auch zu zweit ganz gut. Wenn man nicht nebenher noch schnuddeln und Kaffee trinken muss. Symbolbild für den Muskelkater des Todes.

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„Ich habe gehört, was passiert ist. Es tut mir sehr leid.“

„Er war mein Freund“

Mehr Worte braucht es nicht. Ein Suzid im Freundeskreis meines Bruders.

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Zum zweiten Mal in dieser Woche fährt der Schulbus um drei Minuten nach acht hier weg, das weiß ich, weil der quasi vor unserem Fenster wendet. Schulbeginn ist um 8 Uhr. Es fängt an, mich zu stören, leider. Andererseits- es fährt ein Bus. So selbstverständlich ist das nicht, sagt der Fachoberschüler aus dem Nachbarort. Er sei letzte Woche zweimal stehen geblieben. Da kam einfach keiner, wo laut Plan einer hätte kommen sollen. Schon stört es mich kein bisschen mehr.

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Dann ändert sich die Jahreszeit, innerhalb eines Tages. Morgens ist Spätsommer, nachmittags eindeutig Herbst. Liegt es an mir? Nein, das Thermometer zeigt 10°C weniger an als heute morgen, wir lassen die Übergangsklamotten aus, und wechseln von T-Shirt auf Winterjacke, außerdem zieht der Liebste Winterreifen aufs Auto und ich die Winterdecke aufs Bett. Auf dem Sportplatz wird Glühwein ausgeschenkt, meldet Märzkind. Ernte- Fahrzeuge fahren bis Mitternacht durch den Ort. Am nächsten Morgen sind die Grasschwaden auf den Wiesen gefroren, habe ich so auch noch nicht gesehen.

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Ich packe zwei Brotdosen. Eine für einen Schultag, die andere für einen Berufsschultag, also knallevoll, weil ich nett gefragt wurde und wach bin. Viertel vor sieben fällt mir auf, das es ungewöhnlich leise ist, im Haus. Vielleicht besser, ich schaue mal nach. Gute Entscheidung, lobe ich mich selber, denn im Zimmer des Maikinds ist es dunkel. Vorsichtig mit dem Fuss voran tastend bewege ich mich Richtung Fenster, ziehe den Rollladen hoch und hä?? Da liegt niemand im Bett. Es war auch niemand im Badezimmer, bin ich mir sicher. Entweder, Maikind wurde hochgebeamt, oder er hat gar keine Berufsschule und ist im Betrieb?

wenns elve lutt wird injeschutt

Wochenlang findet man keinen passenden Termin für die nächste Etappe dieses Wanderwegs, und dann aus dem Nichts fügt sich alles einfach so – inklusive Fahrdienst. Wir sortieren Jacken, Rucksäcke und das Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben. Ein Hund fehlt, aus gesundheitlichen Gründen, das ist seltsam.

Sie würde da gerne kurz eine mal eine Sockenverklemmung richten, sagt die Freundin und deutet auf einen dicken Baumstamm. Ich warte und stelle dabei fest, dass dieser Baumstamm die optimale Sitzhöhe hat. „Kaffee?“, fragt die Freundin, und meint es vielleicht nur als Scherz. „Gerne. Gebäck dazu?“, „wir sind noch nicht mal eine Stunde unterwegs“ Ich halte ihr die Bäckertüte unter die Nase „nja dann…“, sagt sie.

Ab da gehts bergauf, im Sinne von Höhenmeter, langsam aber stetig, über eine recht lange Strecke. Gerade als wir anfangen, uns zu fragen, wie lange das denn wohl noch…bevor es wieder runter geht, oder wenigstens mal geradeaus, sieht man zwischen den Bäumen ein großes weißes Kreuz. Sind wir schon im Sauerland? Möglich wäre es. Aber nee. Es handelt sich hier um den höchsten Punkt der Gemeinde, 533 Meter, steht auf dem Schild. Och guck. Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, dass es diesen Ort gibt. Am Gipfelkreuz hängt ein Briefkasten, darin zwei Gipfelbücher, ein Kulli und zwei Flaschen Schnaps. „Nicht dein Ernst“, sagt die Freundin. Ich zeige ihr die Bücher, schlage willkürlich eine Seite auf und lese den Eintrag vor. Die kennt man doch, die das geschrieben haben. Sie überlegt einen Moment. Hat der nicht, nach einer Fahrradtour, tot auf einer Bank gesessen? Stimmt. Das war garnicht weit von hier. Drei Wochen vor der Konfirmation seiner Tochter, war das. „Der Eintrag ist von Mitte April“ sage ich. Konfirmationen sind Anfang Mai. Wir schauen uns an und denken wahrscheinlich das Gleiche. In dem Moment fährt ein Windstoss durch das Blätterdach über uns und irgendwo im Tal fangen Kirchenglocken an zu läuten. „bisschen unheimlich, ne?“, flüstere ich. „Warte mal, welches Jahr denn?“, fragt sie. Da war doch Corona…die Konfirmationen im September…das muss ein Jahr später… aber boarmannej, schon so`n bisschen… Wir setzen uns unters Gipfelkreuz und blättern in den Büchern. Der Freundeskreis Postkarten erfreut sich am handgeschriebenen Wort. Manche Leute kommen mit Gedanken hierher, andere zufällig oder wegen Likörchen. Ob ich bitte den Kaffeebecher nochmal haben könnte? Ja sicher, aber wozu. „Wir machen das jetzt auch“ sage ich und bin schon auf halbem Weg. „Du bist doch verrückt“, sagt sie „Himbeer oder Kirsche?“, frage ich, „dann Kirsche“. Ist schön hier und wir leben noch, das kann man ruhig mal würdigen, eine Achtsamkeitsübung, quasi. Prostend nicken wir uns zu. „Morgens um elf Likörchen im Wald – checked“, sage ich. „schreiben wir genauso ins Buch“, sagt sie und grinst. „Dass es Menschen gibt, die ehrenamtlich Schnaps auf 500 Meter Höhe in den Wald tragen….“ murmele ich. „ein richtig gutes Ehrenamt“, sagt sie „man hat das Gefühl, solange es solche Leute gibt, ist die Welt noch nicht verloren.“ Da kann ich nur zustimmen. Wir formulieren unseren Eintrag also ein wenig blumiger und machen uns wieder auf den Weg.

„Wenns elve lutt wird injeschutt“, sagt die Freundin einen halben Kilometer später „das hätten wir schreiben können“. „Hätte genau gepasst“, sage ich. Sie ärgert sich ein bisschen, dass ihr gute Sachen immer erst später einfallen. Kein Problem, man kann das bestimmt nochmal verwenden, irgendwo, sage ich.

Unwetter und Alterungsmomente, KW 25/26 2023

Montag morgen um halb sechs bemerke ich auf dem Weg zum Auto, die Strickjacke hätte ich garnicht gebraucht. Es ist richtig schön draußen. Maikind sieht das anders und hofft sehr, dass sie bei diesem Wetter nicht im Stau stehen müssen, zumal die Fahrt ja sowieso schon fast 12 Stunden…

Die Busfahrerin öffnet die Kofferräume „bitte, ihr dürft, seid ja schon groß“, sagt sie und beißt in ihr Brötchen. Junge Menschen in Jogginghosen verabschieden sich, verladen Reisetaschen, und verschwinden im Bus. Ich hab eine Winkerlaubnis und bleibe an der Hecke stehen. In diesem kleinen Elterngrüppchen haben wir schon den Kindergartenausflügen hinterher gewunken. Als der Bus die Hauptstraße erreicht wird uns klar, das war gerade das letzte Mal, ab Herbst winkt jeder woanders, wenn überhaupt. Es ist so ein Moment.

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Der Liebste sieht blass aus, als er von der Hunderunde wiederkommt und setzt sich erstmal. Was er auf dem Weg erfahren hat ist kein Tratsch, es ist eine Nachricht. Es gab einen Unfall, Stromschlag, Spezialklinik, Intensivstation. Schweigen. Dann kommt die Sicherheitsfachkraft im Liebsten durch. Sowas sollte unmöglich sein. Wie nur?

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In der morning-show des regionalen Radiosenders spielt der Moderator normalerweise das Wetter als Klaviermelodie. Heute wäre das schnell erledigt, für ganz Hessen gilt das Gleiche. Allerdings ist diese Wetterlage auf dem Klavier nicht darstellbar. Man behilft sich mit ACDC „Thunderstruck“.

Äh, wenn es Tornados geben soll, würde ich den geplanten Gartenmarktbesuch vielleicht lieber verschieben. Nee, nee, sagt der Liebste, Tornados erst heute Nachmittag, wir machen das jetzt. Auf der Rückfahrt sind die Wetterwarnungen nicht mehr lustig. „Die Pumpe steht in der Garage“, sagt er, als er sich zur Spätschicht aufmacht, „nur für den Fall“. Ja nee, ist klar. Der Familienchat deckt diese Woche ein Gebiet von Dangast bis Wien ab. Fotos von Wolken, Stand jetzt: überall alles tutti.

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Ein Anruf. Jemand braucht eine Unterkunft, nur für eine Nacht, heute. Kein Problem, sage ich, in der Annahme, die Gäste kämen nach Feierabend. Man freut sich sehr und wäre dann in einer halben Stunde da, wegen Wetter… oh. Die Ferienwohnung war länger nicht belegt, ich hatte Grundreinigung…ääähh… die Mädels eilen zur Hilfe. Betten beziehen, durchsaugen, Bad fertig, Geschirrschränke einräumen, Bezüge aufs Sofa, Handtücher und Tischdecke, Gäste willkommen heißen. High five, große Kinder sind toll, das hätte ich alleine nicht geschafft. Eine halbe Stunde später schwitzen wir immernoch.

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Eine Luft draußen, man wundert sich fast, dass man sie nicht sehen kann, als gestapelte Würfel, oder so. Der Hund müsste nochmal raus. Bei dem Wetter kriegt er womöglich wieder Kreislauf, aber bei Hagel-Gewitter will man ja auch nicht. Ein rundum Blick an den Himmel, leichte Entscheidung, wir gehen jetzt. Die Wolken klingen, als würde jemand eine Mülltonne über Kopfsteinpflaster ziehen. Dann wird es dunkel im Wald. Ich drehe um, der Hund wundert sich. Erst sind es nur wenige Regentropfen, aber jeder einzelne geht sofort durch, bis auf die Haut. Wir joggen den Weg zurück.

Der Liebste ruft an, er hat Wolken ziehen sehen und Geräuschkulisse wahrgenommen. Alles gut, nur Regen sage ich und in dem Moment ändert sich das Geräusch. Die größten Hagelkörner, die ich je gesehen habe. Nur wenige und nur kurz, aber beeindruckend. Für 10 Minuten, dann erreichen uns Bilder aus dem Nachbarort. Hagelkörner so groß wie Hühnereier.

In der Gewitterpause gehe ich kurz zur Omma. Die ist fröhlich. Jo, es habe da eben mal ganz ordentlich geregnet, aber alles in Ordnung. „Da kommt gleich noch mehr“, sage ich, genaugenommen geht es schon los. Ich deute auf den laut prasselnden Regenschauer vorm Fenster. Die Omma dreht sich um. „Ja, die Blume da, auf der Fensterbank, wunderschön blüht die, ne?“ Ich unterdrücke ein Schmunzeln. Soviel zum Thema „ich höre und sehe noch alles“, aber für heute ist es praktisch. Den Weg zurück jogge ich und bin Sekunden vor dem richtig fetten Regen an der Haustür angekommen.

Der Vatta ruft an. Er hat Hessenschau geguckt im Urlaub und …wie es denn aussehe, bei uns? Gut. Ich mache das Fernseh an und bekomme eine Ahnung, wieviel Glück wir wirklich hatten. Nur wenige Kilometer weiter sieht es ganz anders aus. Gärten liegen darnieder, Autos mit Totalschaden, kaputte Dachfenster…

Wien schickt ein Foto vom Schnitzel.

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Auf wundersame Weise hat sich ein Chaos so zusammengefügt, dass ich nur sitzen und warten brauche. Ein Buch und ein Getränk, angenehm temperierter Sommerwind weht durch eine geöffnete Autotür, friedliche Parkplatzstille, ich vergesse die Zeit. Wegen Hunger gucke ich dann doch irgendwann auf die Uhr. Trainingsende ist schon länger her, eigentlich. Merkwürdig. Ich gehe nachsehen und finde eine fröhlich tratschende Runde von Kickboxern verschiedener Generationen.

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Die Spiele der Klostertrophy sind angelehnt an bekannte Klassiker wie vier gewinnt, looping Loui oder der heiße Draht, nur halt in XXL-outdoor-Versionen, gespielt wird in fünfer-Teams, alle müssen volljährig sein. Wir sind nur Zuschauer. „Weißte noch, damals?“, fragt der Liebste. Sicher. Legendär der Abend als sein Heimatort den ersten und den dritten Platz gemacht hat. 800 Euro Preisgeld waren das, kein einziger davon hat das Festzelt verlassen. Die, die jetzt mitspielen, waren da noch garnicht auf der Welt, stellen wir fest. Einige von ihnen haben wir auf Kindergeburtstagen bespaßt, neulich doch erst, wie kann das sein?

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Es gäbe einen Anlass, wir würden eventuell ins Phantasialand wollen. Karten muss man vorher buchen. Der angedachte Tag liegt in einer günstigen Preiskategorie, juhu – äh, nee, doch nicht. Bei allem Verständnis für Inflation und so, aber da bin ich raus. Für 270 Euro Eintritt würde mich jede in Warteschlangen verbrachte Minute stressen.

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Kind: „… Bundesjugendspiele… Bankballtunier… Wasserski fahren… und Freitag ist ja dann der Feiertag“

Ich: „Freitag ist kein Feiertag“

Kind: „Hä? Wieso haben wir denn dann Freitag keine Schule?“

Ich: „Ihr habt Freitag keine Schule?“

Es gab mal eine Zeit, da hat die Schule sowas an Eltern kommuniziert, aber, ach komm geh weg, ist ja auch egal.