die beste Ansage

Das Freibad in dem wir uns befinden ist alles in allem wohl ungefähr so groß wie ein Fussballfeld und wirkt liebevoll gepflegt, soweit man das beurteilen kann, denn es ist rappelvoll. Auf der Liegewiese sind zwei Mannschaftszelte aufgebaut, darin jeweils zwei Biergarnituren, rund herum stehen Iglo-Zelte, zwischendrin einige Gästebett-Luftmatratzen, einfach so auf der Wiese, überall liegen gemischte Stapel aus Handtüchern und Campingzubehör. Man hat das Tor im Zaun geöffnet, auf dem Grundstück der benachbarten Kita sieht es genauso aus. Fröhliche Menschen jeden Alters grüßen sich herzlich, wenn sie sich vor den Duschen begegnen. Sonnengebräunte Tagesgäste übergeben an die Feierabendschwimmer. Es riecht nach Abend im Freibad, aber die Geräuschkulisse passt nicht, denn dieses Bad wird heute nicht schließen. Da wo normalerweise Eintritt kassiert wird steht ein Bierpilz, am Beckenrand eine Pommesbude, der Kiosk hat geöffnet und die Sauna ist auch in Betrieb.

Zu dritt sitzen wir auf einer Bank am Zaun, schauen schweigend den Leuten zu und fragen uns allmählich, ob wir hier überhaupt richtig sind. Es gibt keinen Meter freie Fläche, wo bitte sollen Chearleader auftreten? Dann tut sich was. Die Dorfjugend trägt den 12 Personen-Stehtisch ein paar Meter weiter, Kiosk-Sitzgarnituren werden bis ans Beckenrandgeländer gezogen. Ein sportlich aussehender älterer Herr macht sich durchs Mikrofon bemerkbar. Er begrüßt alle Anwesenden und scheint sich wirklich zu freuen, dass so viele da sind. Hier im Dorf-Freibad ist es ja immer schön, das verdankt man dem Manfred, wo isser denn? *Lautäußerung vom Bierpilz aus* – ah, der ist zum gemütlichen Teil übergegangen, es sei ihm gegönnt, der kümmmert sich nämlich mit seinem Team das ganze Jahr um Hecken und Grünflächen, *dankbare Lautäußerungen, Applaus/ Gemurmel vom gesamten Gelände* besonders herzlich begrüßen möchten wir auch die Inge, die sich mit ihrem Team um den Kiosk kümmert, da gibts ja immer gute Sachen, aber heute eben ganz besonders *Applaus, Gemurmel*, ein herzlicher Dank auch an die DLRG, die die ganze Zeit in Bereitschaft steht und heute Nachmittag leider schon zum Einsatz kam, toll übrigens, dass alle sich an die Parkplatz-Regeln gehalten haben, der Rettungswagen kam einfach so durch, und das war wirklich gut… will man lieber nicht drüber nachdenken, wie das sonst…. *Zuschauer nicken und murmeln*, besonderer Dank geht auch an die Stricher am Beckenrand, die teilweise die ganze Nacht im Einsatz sein werden, (gemeint sind die Menschen, die am anderen Beckenrand mit Klemmbrettern auf Plastikstühlen sitzen, um die geschwommen Bahnen den Startnummern der Teilnehmenden zuzuordnen und dokumtieren, dass wirklich 24 Stunden lang immer irgendwer Bahnen schwimmt – nur für denn Fall, dass sich sonst noch jemand gewundert hat ) und dann freuen wir uns natürlich, dass die Dorfjugend so zahlreich erschienen ist *Lautäußerungen vom 12 Personen-Stehtisch*, wir nähern uns dem ersten Höhepunkt der Veranstaltung: Die Chearleader vom Sportverein des Städtchens werden jetzt gleich auftreten, morgen vormittag gegen elf, folgt dann der nächste Höhepunkt, da tritt der Shantychor des Nachbarortes auf. Offizielles Ende mit Ehrungen dann morgen um 13 Uhr, Getränke wird es selbstverständlich die ganze Nacht hindurch geben und der nächste Saunaaufguss ist um 21 Uhr, mit Zitrone/Orange. Jetzt wünsche ich allen einen schönen Abend. *Applaus* Dann geschieht einen Moment lang gar nichts. Die Chearleader stehen in Formation bereit, gucken fragend Richtung Kiosk, eine gestikuliert… Jemand müsste mal Musik… „Hach! Ja. Da war doch… so n Schtick… hatte man ihr ja gesagt, sowas aber auch“ sagt eine Frau, die vielleicht die Inge ist. Dann beginnt die Show und das Publikum ist beeindruckt, einige hören sogar auf, zu schwimmen. Sowas hat man hier noch nicht gesehen. Ich sehe es ja öfter, aber, das eben war vielleicht die beste Ansage, die ich je gehört habe.

Nach dem Auftritt tragen wir Schwimm- und Picknicktaschen wieder ins Auto und fahren an den nahe gelegenen See. Im Auto fragen wir uns, wie wir denn eigentlich auf dieser Veranstaltung gelandet sind? Lauras Oma ist Vorstand im Freibad-Verein. Ach so.

hinter der Hecke

( eine Geschichte aus dem Sommer 2022, denn dieses Jahr hält uns der Sommer beschäftigt )

Der Gast hatte mich nach Wanderwegen gefragt, dann haben wir uns verquatscht. Die Wäsche, die ich vorhin aufgehangen habe kann ich vielleicht direkt wieder mit rein nehmen, so brüllewarm, wie das heute ist, sagt er. Kurzer Check, nee, eine halbe Stunde fehlt noch, verrücktes Wetter…

Ahh, beim Stichwort verrücktes Wetter fällt ihm noch was ein, sagt der Gast. Er geht ja in letzter Zeit nachts spazieren, ist uns doch bestimmt aufgefallen… Nee. Also, wenn er von der Arbeit kommt ist er von der Hitze so hinüber, dass er quasi direkt nach dem Duschen einpennt. Wenn er ausgeschlafen hat, morgens um drei, kann man nicht viel machen, außer halt spazieren gehen. Ist richtig schönes Wetter dann, nicht zu warm, nicht zu kalt. „Aber – weißte was seltsam ist?“ Ich schüttle den Kopf. „Da… auf diesem Grundstück…. “ er gestikuliert, ich weiß bescheid „da steht immer jemand hinter der Hecke, egal, ob du da abends um elf lang gehts oder morgens um halb zwei“. „Ja, nee, ist klar“, sage ich und deute vielsagend auf seinen Aschenbecher „nee, nee, nee, davon kommt das nicht“, sagt er. „Neulich, bin ich so gegen eins los, da stand sie da. Als ich um halb drei zurück gekommen bin, immernoch – oder schon wieder, könnte natürlich auch sein, auf jeden Fall an genau der gleichen Stelle. Ich also auf die Person zugegangen, vor der Hecke stehen geblieben. Zurück geguckt. Die war eindeutig echt. Aber – keine Reaktion. Da hab ich sie gefragt, ob ich vielleicht irgendwie helfen kann, daraufhin hat sie sich wortlos umgedreht, ist ins Haus gegangen und hat die Tür abgeschlossen. Das. war. unheimlich.“ „Gute Gruselgeschichte“, sage ich lächelnd. „Nee, nee, nix Gruselgeschichte, ist ehrlich genau so passiert“. Ich erkundige mich, wie die Person denn ausgesehen habe. Der Gast gibt eine exakte Beschreibung des Hausbewohners, inklusive eines kleinen Details, dass man sich beim besten Willen nicht ausdenken könnte.

„Boarh-hoo“, sagt der Liebste, als ich ihm die Geschichte erzähle, „das merkste jetzt aber selber, oder?“

Jo, schon.

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Pommes, Erdbeeren und Zecken

Es war aufgeräumt hier drin, das ist noch garnicht lange her. Tja. Ich räume einen Meter Platz frei, schichte kleine Stapel aus Kartons rund herum und hole einfach alles, was man zum Honig-Etiketten kleben braucht nach unten in den Keller. Das Wetter ist sowieso grau in grau, da kann man gut mal eine Weile neben dem Weck-Regal sitzen. Vorm Fenster sanfte Regengeräusche und dazu einen podcast über die Sprengung von nordstream zwei. Sehr stimmiges Ambiente.

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Ich hatte garnicht auf Thermometer geguckt, und mich gewohnheitsmäßig für Hunderunde bei 7°C angezogen. Schon auf dem Weg in den Wald kommt es mir ungewohnt warm vor, im Tal aber doch nicht. Als wir den Berg wieder hoch laufen ziehe ich die Jacke aus, kremple die Ärmel hoch. Der Hund geht direkt neben mir, hechelt, trinkt zu Hause einen halben Napf auf ex und legt sich danach auf die kühlen Fliesen. 14°C zeigt das Thermometer an, doppelt soviel wie gestern. Sind wir nicht mehr gewohnt, so eine Hitze.

Da krabbeln Zecken auf dem Hund. Mehrere. Viele. Bei 25 höre ich auf zu zählen, den Rest des Tages spüre ich Phantom-Zecken am Oberarm und an den Knöcheln, deshalb gehen wir am nächsten Tag lieber im Feld spazieren. Dort legt der Hund sich in eine schöne tiefe Pfütze, direkt neben einer frisch gegüllten Wiese. Irgendwas ist immer.

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„Ich wollte mal fragen…. eigentlich darf man das ja nicht sagen, aber, du wirst es wahrscheinlich eh nicht glauben…“ „Doch. Glaube ich, sofort. Ich hab auch mal in so einem Laden gearbeitet.“ Ein Gespräch unter Lebensmittelhandwerkern am Rande eines public-viewing-events. Leicht codiert, weil Leute drum herumstehen. Da kann ich einen Rat geben und es ist leider genau das, was der junge Mensch in Ausbildung sich schon selber überlegt hatte. Wir schweigen einen Moment. Der Liebste kommt dazu, fragt, ob wir denn vor Beginn der Veranstaltung noch irgendwas essen wollen. „Wenn ich dir auch einen Rat geben darf“, sagt der Azubi, „nimm Pommes. Die Brötchen sind von uns.“

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Das Brauchtumsfest neulich hatte so dermaßen gute Pommes, daran müssen sich dies Jahr sämtliche Veranstaltungen messen. Die public viewing Pommes waren gut essbar und die Schale für den Preis angemessen gefüllt, da hatten wir echt schon schlechtere für mehr Geld. Jemand eine zweite Portion? Nee, danke

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Da kommt fast überraschend doch ein bisschen Fussball-Stimmung auf.

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Gestern Abend wurde auf eine Vorwarnung für Unwetter hingewiesen. Ernsthaft. Ich gucke also morgens kurz in die Nachrichten. Jo, da kommt was, wahrscheinlich ab Mittag, nicht überall aber, man möge die Entwicklung im Blick behalten und sich vorbereiten auf Starkregen, Hagelkorngrößen zwischen 3 und 5 cm, Orkanböen und stellenweise Tornadobildung. Na dann. Ich klappe die Wäschespinne ein und lege sie unters Dach, schließe die Türen vom Gewächshaus, rolle den Grill in den Schuppen und baue die kleinen Starkregenschutzmauern vor den Kellerfenstern auf. Unwetterroutinen. Nachmittags regnet es heftig. Mehr nicht.

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Sonntag nachmittag bei der Omma in der Küche. Sie hat sich gerade einen Kaffee gekocht und ist dabei ein Stück Kuchen auszupacken, dass der Vatta ihr mitgebracht hat und bietet mir die Hälfte an, aber ich komme gerade vom essen, wir essen ja immer später Mittag… (als elf Uhr) Was das denn für Kuchen sei, erkundige ich mich, denn man kann es nicht richtig erkennen. De Omma guckt nachdenklich, nimmt noch eine Gabel voll, kaut und überlegt. Rhabarber? frage ich. „Nee, eigentlich, Rhabarber? Vielleicht nicht“, sagt sie. Ich gucke fragend, sie friemelt aus der Pudding-Creme-Schicht ein Stück Obst raus und hält es mir hin. Ich nehme es – und kann tatsächlich auch nicht sagen, was das ist. Eine Rosine? Die oberste Schicht dieses Kuchens scheint Baiser zu sein. Nehmen wir also an, es wären Stachelbeeren. Allmählich verschiebt sich die Grenze des Kuchenangebots von teuer Richtung dreist, scheint mir.

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Wir hatten das Gemüse-Abo nicht verlängert und sind seit vier Wochen ohne. Frage: Fehlt es uns? Nein. Tatsächlich garnicht. Die Solawi hat im Laufe des letzten Jahres das Gemüseangebot so zusammengeschrumpft, das ist jetzt Ablasshandel für Öko-Boomer.

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Es dauert nur eine halbe Stunde die drei kleinen Eimer voll zu pflücken. Die Erdbeeren sind riesig, dieses Jahr und man braucht nicht weit laufen, auf dem Feld. Ich koche einen Jahresvorrat an Marmelade und Sirup, dachte ich. Die Familie fragt nach, wie viele Gläser das denn jetzt genau gegeben hat? Zu wenige, da sind sie sich einig, nicht das die uns wieder ausgeht, die großen Kinder werden nach Feierabend nochmal aufs Feld fahren, der Liebste übernimmt alles andere, sagt er, nur, kochen müsste ich die Marmelade halt. Anscheind hatten sie Mangelerscheinungen. Fürs Protokoll: 10kg kosten 40 Euro, dies Jahr

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Ein bisschen wehmütig schaue ich abends bei der letzten Hunderunde in den Hang an der Straße. Es wurden Bäume markiert. Die kommen alle weg. Um die große Fledermaus-Buche tut es mir wirklich leid, andererseits hab ich hier abends schon öfter armdicke Äste von der Straße gezogen, die möchte man wirklich nicht aufs Auto bekommen, auf den Kopf noch weniger. Straßensperrung dann diese Woche an drei Tagen, jeweils ab 7.30 Uhr. Der Schulbus der um 7.35 Uhr an der Bushaltestelle gehalten hätte, kann diese deswegen nicht anfahren, man möge die auf dem Berg am anderen Ende des Ortes benutzen. Da läuft man doch bestimmt zwanzig Minuten? Julikind is not amused. Vielleicht bilden wir Fahrgemeinschaften. Zur Bushaltestelle. Obwohl wir nur 50 Meter von einer weg wohnen. Wegen fünf Minuten. Nicht. Witzig.

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Ein Baby-Feuersalamander, wie süüüß, ich hatte noch nie einen gesehen.

Anfang Juni, 2024

„Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich erwartet hatte, aber, das nicht“, murmele ich, während wir vor der Tür der saubersten Parkhaustoilette aller Zeiten Wache stehen. Nee, sie irgendwie auch nicht, sagt Märzkind. Julikind kommt dazu, bemerkt, dass diese Toilette wirklich angenehm…. sogar mit Seife… und, hier riecht es aber seltsam. Jo, sagen wir und deuten auf den Passanten der da beschwingt um die Ecke biegt. Der erste freilaufende Kiffer, der uns begegnet ist war ein junger Mann in gepflegtem Sportoutfit, mutmaßlich Pysiotherapeut, mit Barbershop Frisur, tätowierter Wade und riesiger Brötchentüte in der Hand, morgens um halb zehn in der Kurstadt.

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Ein Hauch von Sommer. Die Sonne hat Kraft, der Wind aber auch. Man weiß es nicht. 30er Sonnencreme und Strickjacke, Pollenflug des Todes plus Heuernte. Die Allergiker kacken ab.

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Kinderstunde. Leicht flusig gefiederte Meisen, Kleiber, Gimpel, Specht und Spatzen üben den Anflug und bekommen eine Einweisung in Sachen Sonnenblumenkerne am Futterhaus. So süüüß. Junge Füchse trainieren voll konzentriert das Mäuse fangen auf frisch gemähter Wiese, am hellichten Tag, direkt neben der Straße. So süüüß. Das Reh, das irgendwie zur Nachbarschaft gehört hat Zwillinge, erzählt jemand auf der Geburtstagsfeier. Ja sicher, haben wir schon gesehen, sagen alle Gassigeher und Anwohner. So süüüß. Direkt vor uns huscht was kleines felliges über die Straße, ein Baby-Marder, süüüß – und schön, dass der hier im Wald wohnt und nicht in der Nachbarschaft.

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Familientreffen. Das Schloss im Wald ist privat, weiß jeder. Geplant war, auf dem Wanderweg, der am Gebäude vorbeiläuft zu spazieren und auf der Wiese ein Foto von allen, mit Schloss im Hintergrund, zu machen. Aus der Cousinen-Generation ist allerdings jemand mit dem verheiratet, der sich um die Außenanlagen kümmert und sie sagt, eventuell dürfen wir auf den Hof und ein Foto machen, direkt vor dem Haus, in dem die Geschwister-Generation damals gewohnt hat. Es gab allerdings noch keine Bestätigung. Die Cousine geht vor, um nachzufragen, alle anderen warten am Tor.

„Sie winkt“, sagt jemand, der weiter vorne steht.

„In welche Richtung?“, fragt eine Cousine

„Hä?“, fragt die Stimme von vorne

„Na, ist es ein „macht das ihr weg kommt, lauft so schnell ihr könnt“- winken oder sollen wir kommen?“

„Ääh, warte mal…. nee, doch, wir dürfen“

Och guck. Ich hatte keine Ahnung, dass hier noch ein Haus steht, dabei bin ich bestimmt schon hundert mal vorbeigelaufen, an den Gebäuden. Ich dachte, das wäre eine Scheune und sonst nichts. Und ich bin nicht die einzige. Die Geschister-Generation geht nickend über den Hof, da der Stall und da, in dem Türmchen, gegenüber vom kleinen Haus war das Klo. Das Schloss, der Wald, das Flüsschen alles zusammen ergibt scheinbar eine märchenhafte Idylle. So war es aber nicht, man kann es noch sehen, in ihren Augen. 30 Meter über den Hof laufen zu müssen bis zur Toilette erscheint einem schon an einem sonnigen nachmittag unpraktisch, bei Regen oder Schnee, im stockdunkeln…. lieber nicht.

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Das erste Mal zu viert zu einer Wahl gegangen. Man tut was man kann, und lauscht abends kopfschüttelnd den Ergebnissen.

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„Boar, kumma hier, was ich! hier! habe!“, freut sich das Geburtstagskind. Der Liebste und ich tauschen einen high-five Blick mit einem Hauch von Nostalgie. Ist doch schon länger her, dass wir sandkastentaugliche Landmaschinen verschenkt haben.

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Als ich das letzte Mal über 7°C und Regen gejammert habe, hat es zwei Tage später geschneit. Aber, ach, zweistellige Temperaturen wären schon schön, morgens um halb neun, im Juni. Hunderunde gehe ich in T-Shirt, aber mit Winterjacke drüber. Wäre es nicht so hell und so grün, würde ich sagen, Oktober.

Der vier Uhr zwanzig Vogel

Mein Kopf ist schon wach, sehr wach, wie ein fünfjähriger nach einem halben Liter Isogetränk, mein Körper nicht. Wirkung und Nebenwirkung, es ist Mai, man muss sich entscheiden, tagsüber gut atmen oder nachts gut schlafen. Ich frage mich, wie spät es wohl ist, um auf die Uhr zu gucken müsste ich mich umdrehen. Oder auch nicht. Ein sanftes FlapFlap-Geräusch im Baum, vor dem Fenster dient als Zeitansage. Die Amsel ist da. Sie räuspert sich, macht ein paar Tschilp-Laute …Test, zwei drei… und begrüßt dann in wirklich beeindruckender Lautstärke den neuen Tag. Man könnte quasi, wie Mary Poppins den Arm einladend aus dem Fenster halten…mein Hirn spielt „wenn ein Löööööffelchen voll Zuuucckaaaa….“, im Bett neben mir ein Brummgeräusch. Der Liebste richtet sich auf und schließt das Fenster, setzt sich noch einen Moment, um wach zu werden und macht seinen Wecker aus. Der hat die ganze Woche noch nicht geklingelt denn, ich zitiere „irgendein scheiß-Vogel tririlliert da um zwanzig nach vier so dermaßen laut…“.

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De Omma hat einen guten Tag, wir sitzen am Küchentisch und unterhalten uns nett. Da hat sie aber eine schicke neue Pillendose, sage ich. Ja, die sei tatsächlich neu, und leer, bestimmt kommt dein Vatta gleich, der füllt ihr die jetzt immer, ist auch neu. Es klingelt an der Tür, „Och guck, da ist er schon“, sagt de Omma, „gerade von dir gesprochen“, sage ich, „die Dosen sind leer“. „Das kann nicht sein“, sagt der Vatta, hat er Donnerstag erst gemacht. Er nimmt das kleine Pillenregal auseinander, ordnet die Wochentage in die richtige Reihenfolge und stellt fest, es sind wirklich alle Fächer leer. „Ja sicher“, sagt de Omma, nimmt sie ja immer, so wie er gesagt hat. Wir haben Sonntag. Einen Moment lang wundert sich jeder im Raum über was anderes.

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Es regnet, aber das ist fast egal, denn es ist nicht kalt und viel nasser kann man nicht mehr werden – dachte ich. Dann setzt sich das Fahrgeschäft sanft in Bewegung “ uuuund jetzt mit Schwuuung“ sagt die fröhliche Jahrmarktstimme. Durch die entstehenden Fliehkräfte läuft sämtliches Regenwasser, dass sich während der minutenlangen Wartezeit irgendwo im Rückenbereich gesammelt hat auf den Sitz und wird von meiner Jeans aufgesogen, zeitgleich reagieren meine Innereien überrascht, auf die schnellen Veränderungen der Schwerkraft-Bedingungen und ich bin mir ehrlich gesagt einen Moment lang nicht sicher, ob ich diesen sensorischen Gesamteindruck angemessen schnell werde verarbeiten können…. dann nimmt der linke Fuss eine leicht angewinkelte Position ein, baut Verbindung zur rechten Seite der Hüfte auf, mein Magen sagt „ach so“ und alles ist fein. Anscheind kann der Autopilot die neunziger Jahre BreakDancer-Muskulatur noch ansteuern. Ob es mir gut geht, fragen die Mädels, als wir uns nach Fahrtende am Kassenhäuschen wieder treffen. Man dachte kurz, ich kotze vielleicht. Ja, ich auch, aber alles gut. Wir sehen aus, als wären wir aus der Wildwasserbahn gekommen, aber alle sind fröhlich. Bei Sonnenschein hätte die Fahrt vermutlich nur halb so lange gedauert.Fürs Protokoll: Einmal BreakDancer fahren kostet 5 Euro, ein Schokokuss 1,20 Euro. Gefühlt war das teurer als im letzten Jahr.

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Ich fahre Julikind ins Nachbardorf, ab da kann sie mitgenommen werden. Natürlich ist sie aufgeregt, aber es geht, so gut, dass man sich fast ein bisschen wundert. Wir freuen uns beide darüber. Start zu einer Klassenfahrt. Ohne besondere Vorkommnisse.

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Ganze Regalreihen wurden verstellt und umsortiert, mein Einkaufzettel passt nicht mehr zur Laufrichtung. Ich irre durch den Rewe wie ein mittelalter Mann am Tag vor Heilig Abend.

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Eigentlich wollte ich zu „Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen und danach gehen wir in aller Stille auseinander“ Beerdigungen nicht mehr hingehen. Ausser halt, es ist der Karl Heinz. Hier passt das Konzept, denn der Karl-Heinz hat konsequent garnichts verfügt, sagt die Freundin. Also haben die verbliebenen fünf Geschwister sich gekümmert, um die letzten Tage des Lebens und den Rest. So wie man das macht, wenn man aus einem landwirtschaftlich geprägten Haushalt mit Nebenbei-Bestattungsunternehmen kommt. Den Tod braucht in dieser Familie niemand zu fürchten. Das ist eigentlich was schönes. Wer nicht zum engsten Kreis gehört verlässt im Anschluss an die Beisetzung den Friedhof leise – bis zum Zaun. Dort atmet jeder einmal tief durch, dann endet die Stille und es fühlt sich kein bisschen seltsam an.

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Wir freuen uns über eine richtig gute Honigernte. So macht das Spaß. Einerseits. Andererseits dauert jeder einzelne Schritt etwas länger als gedacht. Die Küche ist zwei Tage lang ausser Betrieb. In alter Tradition natürlich in der Woche, in der Maikind Geburtstag hat. Eine Stunde vor Beginn des Kaffeetrinkens regiert noch das Chaos. Aber, mit großen Kindern reicht tatsächlich eine Stunde um das Esszimmer von Honigabfüllstation in Kaffeetafel zu verwandeln. Ich staune.

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Maikind wird 17, eigenes Geld, auf dem Weg zum Führerschein, Wahlbenachrichtung bekommen, hach, „und wir müssen noch Fotos machen, damit man sieht, wie die klein die Uromas im letzten Jahr geworden sind“

Konfirmation und ein Ausflug

Man einigt sich für heute auf untentschieden. Es wird zu kalt in der schicken Klamotte. Diese letzte Runde Kubb lief über zwei Stunden, zweimal gings auf den König und dann doch nicht… eine Verabredung wird getroffen für irgendwann in diesem Sommer, auf dem Sportplatz, bis es entschieden ist. Was hatten wir ein Glück mit dem Wetter, niemand hätte letzte Woche damit gerechnet, dass man heute die halbe Party draußen feiern kann.

Als die letzten Gäste gegangen sind, stehen der Liebste und ich vor den Resten des Kuchenbuffets. „Da ist aber ordentlich was übrig geblieben“, sagt er. „Das war eine Torte mehr, als ich dachte und 10 Leute weniger“, sage ich. Oh. Alles ist wunderbar hin gekommen.

Schön war`s. High five.

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Verschiedene Erkenntnisse im Nachgang, wie bei jeder guten Familienfeier. In großer Runde werden manchmal Dinge sichtbar, die sonst nicht auffallen und umgekehrt.

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Wenn das Schiff wendet, lassen die dabei entstehenden Wellen die Sperrmauer überschwappen. Wann haben wir den Edersee das letzte Mal so voll gesehen? Ich kann mich nicht erinnern. Auffallend wenig Touristen. Anscheind beginnt das lange Wochenende erst nach dem ersten Mai.

Auf dem Sperrmauervorplatz steht jetzt ein monumentales Bauwerk. Im Inneren finden wir Touristeninformation und anscheind gibt es eine Ausstellung oder einen Film? über Sperrmauergeschichte auf der unteren Etage. Toiletten gibt es leider keine, dafür muss man einmal aussen halb ums Gebäude herumlaufen und ernsthaft? Einmal Pipi kostet 1 Euro, Kartenzahlung wird akzeptiert, sagt das Drehkreuz. Ich bin offensichtlich nicht die erste, die das befremdlich findet, denn an der Mauer links daneben hängt ein großes Schild auf dem steht „Hier bitte nicht pinkeln“. Ich zahle bar, bin aber von dem Preis/Leistungsverhältnis enttäuscht. Wir sparen uns die Ausstellung und gehen etwas abseits der Touristen-Hotspots Eis essen. Nächster Halt Strandbad. Der Liebste badet an. Ich gehe rein bis zur Bauchnabelgrenze und überlege es mir anders.

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Der Bus kommt mir entgegen, hundert Meter vorm Ortsschild des Nachbarortes, seufz. Natürlich ist die Baustellenampel rot, Maikind kommt mir entgegen in der Mitte der Baustelle, denn die Ersatzbushaltestelle liegt so, dass Fussgänger mittendurch müssen, auf dem Weg zur Anschluss-Bushaltestelle. Der Bus, kommt uns auf dem Heimweg wieder entgegen, in unserer Straße, 300m von der Haltestelle entfernt. „och guck“, sagt Maikind, den hater ja dann wirklich sehr knapp verpasst. Stimmt.

Aber, eine twizzy-Fahrt bei sonnigen 23°C macht deutlich mehr Spaß als bei 5°C mit Schneegriesel, soviel steht fest. Man riecht das frisch gemähte Gras, den Raps und Gülle, natürlich.

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Von heute auf morgen völlig verrotzt und allgemeine Erkältungssymthome, nichts geht mehr. Märzkind erwischt es zuerst, Julikind natürlich am Tag vor der Konfirmation, mich in der Woche danach. Am nächsten Tag geht es schon viel besser. Zum Glück. Aber, ein kleiner Rest bleibt länger und macht den Alltag etwas zäh.

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Birdrace ist ein bisschen wie goecaching. Man fängt aus Quatsch an und entwickelt Ehrgeiz. Wäre da nicht diese Erkältung gewesen, wir hätten leicht noch mehr Arten finden können, da sind Maikind und ich uns einig. Nur so vom Küchenfenster und von der Haustür aus betrachtet, kommen wir auf 12 verschiedene Vogelarten und werden mit diesem Ergebnis quasi Kreismeister – weil wir die einzigen waren, von hier. Verdammt, wir wollten alle beide keine Urkunde. Wer ahnt denn auch sowas.

Hintergrundrauschen, Ende April 24

Morgens um halb acht im Wald. Aus dem Augenwinkel sehe ich am Hang zwei Rehe stehen. Wir begegnen uns jeden Morgen irgendwo auf der Runde, man kennt sich, man ignoriert sich. So nah kommen wir uns sonst allerdings nicht. Anscheind sind heute morgen alle mit den Gedanken woanders. Statt einfach geradeaus in den Wald zu laufen, dreht der junge Rehbock sich um und flüchtet genau in unsere Richtung. Er macht zwei lange Sätze, bemerkt, dass der Hund nicht aus dem Weg geht, weil er sich grundsätzlich nicht für Rehe interessiert und noch nicht gesehen hat, was da auf ihn zukommt, senkt den Kopf und Das kannste nicht erklären stellt die Stimme in meinem Kopf ganz sachlich fest, während ich in einer halben Sekunde darüber nachdenke, wie ich denn wohl das Geweih wieder aus dem Hund und den Hund aus dem Wald…“uuuuaaaaa“ sage ich laut, der Hund guckt hoch und springt sofort zur Seite. Nichts passiert. Alle wach.

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Ein Rapsfeld blüht, direkt vor dem Bienenstand und es schneit. Aus imkerlicher Sicht werden die zwei Sommertage neulich vielleicht als Unwetterereignis zu werten sein, am Ende der Saison.

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Textaufgabe: Eine Schulklasse fährt vom 21. – 24. Mai auf Klassenfahrt. Der zu zahlende Betrag für 4 Übernachtungen inkl Halbpension beträgt laut Elterninformationszettel 212 Euro plus Geld für Ausflüge und so. Details wurden den 13-jährigen Schülern mündlich mitgeteilt, vor den Osterferien und dem Praktikum. Insgesamt sind also 5 Wochen vergangen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die fehlenden Informationen in allen Elternhäusern angekommen sind in Prozent?

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Och guck, für ein bestmögliches Baustellen-Erlebnis baggern sie Freitag noch die Bushaltestelle weg, in dem Ort, durch den dann ab Montag alle durch müssen. Dreißigerzone mit Ampel, der kreuzende Verkehr möge sich nach eigenem Ermessen einordnen. Eine entschleunigende Achtsamkeitsübung.

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Maikind kommt nach Feierabend mit dem Bus nach Hause. Eigentlich. Es könnte sein, dass sich die Verbindung geändert hat, wegen Baustelle und unklarer Streckenänderung. Ich frage nach, ob ich ihn irgendwo auflesen soll. Ja, auf jeden Fall, aber wann und wo kann er noch nicht sagen, denn der Bus, der vor fünf Minuten bei uns vorm Haus hätte ankommen sollen, steht immernoch am Busbahnhof im Städtchen. Der Fahrer muss Pause machen, Lenkzeit überschritten. Nur zum Spaß hat er mal nachgeschaut, wie man die letzten 6 Kilometer überbrücken könnte, wenn man den Anschlussbus im Nachbarort verpasst, erzählt Maikind auf der Rückfahrt. Spoileralarm: Zu Fuss wäre man schneller.

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Märzkind ruft an, ob ich sie im Nachbarort holen könnte, es gibt anscheind keinen Anschluss. Sicher. Zur vereinbarten Zeit stehe ich an der Ersatz-Bushaltestelle hinter der Ampel. Märzkind ruft an, um zu fragen, ob ich schon da sei. Jo. Ah, Mist, tut ihr voll leid. Sie wurden rausgelassen und stehen gerade drei Orte weiter, da kommt gleich ein Bus, der fährt durch bis nach Hause, wusste niemand, steht nicht in der App, ist aber so.

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Julikind kann morgens mit dem Bus zum Praktikumsbetrieb fahren. Nachmittags fährt nichts. Sie muss abgeholt werden, um 15 Uhr. Es sei denn sie fährt mit auf Baustelle, dann könnte es später werden, es sei denn, sie sind eher fertig oder die Baustelle liegt so, dass man sie auf dem Rückweg zu Hause vorbeibringen kann.

Theoretisch liegt die Bushaltestellen-Einsammel-Fahrt in diesem Zeitraum auf dem Weg. Praktisch nicht einmal.

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Im Spülmaschinen-Ablauf-Sieb steckt eine Plastikpommesgabel. Intuitiv strecke ich eine Hand aus, um sie zu entfernen. Moment. Plastikpommesgabeln kommen doch eigentlich nicht in den Geschirrspüler und, wenn ich so darüber nachdenke, ist diese nervige Fehlermeldung, die sonst immer blinkt nicht da gewesen, beim letzten Spülgang. Könnte Zufall sein oder smartes engineering oder beides. Ich lasse die Pommesgabel wo sie ist. Never change a running system.

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Mittagessen zu dritt. Märzkind fällt was ein: „Ah so…, wegen Sektempfang, sollte ich dich noch fragen, ob du das… machste, ne?“ Pluseinskind verarbeitet die Frage, gibt dann ein zustimmendes Geräusch von sich und gestikuliert „kein Thema“, „siehste hab ich doch gesagt, braucht man nicht fragen, das macht der so“. „Ist höflicher“, argumentiere ich. Pluseinkind hat schon auf der Ladies-Night im Kino Sekt serviert, sagt er und schweigt dann vielsagend.

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„Und? Wie gefällt dir diese Deko?“, frage ich Julikind auf der Feier ihrer Freundin. „Sehr schön“, ungefähr genau so hatte sie sich das auch gedacht. „6 Tage vor Veranstaltung wissen wir also endlich, was für Dekogedöns auf den Tisch soll“, murmele ich, eigentlich nur zu mir selber. Och, das sei aber sehr sympathisch, sagt die neben mir sitzende Mutter, sie sei da auch immer recht entspannt. Aber das sagt man ja so kurz vorher lieber keinem. Stimmt. Ich wundere mich selber, aber das entspannte Gefühl ist echt. Naja, die Eskalation wird uns finden, zu gegebener Zeit.

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Es hat eine Weile gedauert, sich zu der Erkenntnis durchzuringen, aber jetzt ist es soweit. Ich hole mir die Winterhandschuhe wieder vom Dachboden, ziehe Skiunterwäsche drunter und ein zweites paar Socken an bevor ich mit dem Hund rausgehe. Könnte sein, er fährt morgen mit der Flitschbimmel an die Arbeit, sagt der Liebste. Bei seinem Auto sind schon Sommerreifen drauf, leichtsinnigerweise, Ende April.

Themenwoche Klamotten mit Blitz-Frühling

Neblig kalte 7°C sind als Ferienwetter ideal, um lange, lange aufgeschobenes zu erledigen.

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Wir schauen den Kleiderschrank des Julikinds durch. Da müsste eigentlich einiges zu klein sein, sie ist über Winter gewachsen. Nö. Im Gegenteil. Manches, was im Herbst knapp war passt wieder. Merkwürdig, aber erfreulich.

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Die riesige Plastikkiste, in der wir Klamotten für Flohmarkt sammeln, ist voll. Schneller als gedacht, könnten wir ja vielleicht schon den Frühlingsflohmarkt… je nach Wetterlage. Kiste auskippen, Preisvorstellungen machen, noch mehr Klamotten finden…

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Ich muss zwei bewährte Kleidungsstücke ersetzen, gerne ohne shopping Erlebnis. Im Online-Laden gibt Maßtabellen neben der Größenangabe. Ich suche ein Maßband und bestelle emotionslos ein T-Shirt Größe M und ein Top Größe 44/46. Beides passt einwandfrei. Tja dann, hab ich wohl drei Größen gleichzeitig, oder gar keine.

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Eine Socke reißt beim Anziehen, im Musterverlauf, oberhalb des Knöchels. Das hatte ich so auch noch nicht. Ok, die ist aus dem Socken-outlet-Laden, allerdings von einem Markenhersteller in einer Preisklasse wo man eine Haltbarkeit von mehr als fünf Monaten erwartet hätte. Funfact: die Socken mit tanzenden Lebkuchenmännern die von weitem auch als Blumenmuster durchgehen vom Kaffee-Discounter gehen in ihr zweites Jahr, ohne irgendwelche Ermüdungserscheinungen. Preis und Qualität haben nichts mehr miteinander zu tun.

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Ich ziehe mir normale, zueinander passende, saubere Sachen zum Einkaufen an. Also – wenn ich da jetzt so aufgedonnert hin gehe, dann müssen sie sich aber nochmal umziehen – sagen beide Mädels und verschwinden wieder in ihren Zimmern. Ich setze mich auf die Treppe und denke darüber nach.

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Das Prinzessinnen-Gen ist schwach in mir. All der Tüll und die funkelnden Steinchen, man fragt sich, ist es noch verrückt schon Wahnsinn, während man so in einem der mittig auf der Verkauffläche platzierten Aufbewahrungssessel für Angehörige sitzt. Aber die Show ist richtig gut. Der verantwortliche Fachverkäufer ist voll in seinem Element. Zwei Konfirmandinnen und eine Brautmutter probieren zeitgleich in verschiedenen Kabinen, bekommen jeweils passende Accessoires gereicht, werden nach getroffener Entscheidung in feiner Robe auf Socken rüber in die Schuhabteilung geschickt, kommen mit Schuhkarton zurück, werden wieder in Empfang genommen, Anruf in der Schneiderei, wenige Minuten später kommt eine Dame mit Nadelkissen am Arm, germurmelte Gespräche, dann ein Abholtermin, herzliche Verabschiedung, und alles wieder von vorne.

Zusammenfassend kann man sagen, es hat zweieinhalb Stunden gedauert, sich für das Kleid zu entscheiden, dass sie als allererstes anprobiert hat und ganz gut fand. Wir haben einen Abholtermin. Ich war tapfer. Die Mädels wundern sich, warum sie so hungrig sind, als wir den Laden verlassen.

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Freitag morgen Hunderunde bei 7°C und Nebel, wie immer. Nachmittags fühlt sich das Wetter schon ganz anders an. Am Wochenende ist Sommer: 25°C , strahlender Sonnenschein, Gartenarbeiten, Sonnencreme, draußen sitzen, Blütenexplosion überall, Freibadgedanken. Montag nachmittag steht Maikind verfroren unter dem kleinen Dach an Tor 2, als ich vorfahre. Heute morgen um fünf, als er los ist, war der Pulli angemessen warm. Jetzt nicht mehr. Dienstag morgen Hunderunde bei Sonnenschein durch herrlich frisches grün und an blühenden Hecken vorbei. Ich ziehe die Kapuze hoch und zum Glück war da noch ein paar Handschuhe in den Jackentaschen. 4°C und Wind. Durchschnittlich war dann wohl Frühling, diese Woche. Naargh.

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Bestes Flohmarktwetter, kurzentschlossen packen Märzkind und ich alles ins Auto. Aufbau war ab 7 Uhr, als wir um zwanzig vor acht ankommen, gibt es eigentlich schon keinen Stellplatz mehr. Man improvisiert. Wir verkaufen ganz gut, kommen aber auch zu verschiedenen Erkenntnissen, so über Vormittag. Ist ja alles auch immer zu Studienzwecken, mit angehender Sozialarbeiterin. Das Ziel war, mit weniger wieder nach Hause zu fahren und wir wundern uns am Ende, wie gut das geklappt hat. Märzkind hat ein paar Ohringe gekauft und ich tatsächlich garnichts. Noch nicht mal was aus irgendeiner verschenke-Kiste gekramt.

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Wenn der Vatta und ich zusammen sitzen und sonst keiner im Raum ist, tauschen wir gern Netzwerkinformationen aus dem gesundheitlichen Bereich. „Samma, weißt du, wieso der Menne im Krankenhaus ist?“ „Der Menne ist im Krankenhaus?“… es gäbe eine mögliche Erklärung, die wäre schlecht. „Der Herr E. ist verstorben, weißt du woran?“ „Welcher Herr E.?“ „Der- gestern“ „Ach. Du. Scheiße. Nee, weiß ich nichts“ wir schweigen einen Moment. „Ach, un de Elfriede hat Lungenkrebs, übrigens, ging ihr nicht so richtig gut, dachte man sich, dass was ist, aber… das dann doch nicht, eigentlich“. So, und schon liegt wirklich jedes „Problem“ wieder innerhalb der Komfortzone.

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Zack, drei Wochen Osterferien rum.

Komplizierte Belanglosigkeiten

Wenn ich gewusst hätte, wie sehr ich mich über diesen aufgeräumten Kellerraum freuen würde, hätte ich das vielleicht schon viel eher gemacht. Theoretisch. Man kann jetzt, mal gerade, einfach so, vom Eingang aus, drei kleine Schritte bis ans hinterste Vorratsregal und wieder zurück gehen, ohne über irgendwas drüber steigen zu müssen. Feine Sache. Als ich das nächste Mal in den Kellerraum komme steht mittendrin der Honigrührer, daneben ein Hobbock und ein großer Kanister. Naargh. Andererseits dann doch wieder schön, dass das nicht in der Küche steht.

Wochenenden als regelmäßiges Freizeitkonzept sind ungewohnt, aber nicht schlecht.

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Der Muttichat im Vorlauf zu diesem Termin ist legendär schnell eskaliert. Auf halben Weg zur Kirche bleibe ich einen Moment stehen und überlege ernsthaft, ob ich nochmal zurückgehe um Schnaps zu holen, entscheide mich aber dagegen, aus Zeitgründen.

Als ich ankomme läuft schon ein Gespräch. Es gibt Besonderheiten in diesem Jahrgang und die betroffene Mutterkollegin spielt mit offenen Karten. Ein Konfirmand befindet sich in Therapie, es gibt Fortschritte, aber, unmöglich zu sagen, ob er einen Gottesdienst mit Leuten und allem packen wird. Was dann passiert wirkt wie Magie. Die Mutter, die im chat auf Krawall aus war, teilt eine kleine Geschichte aus ihrem Leben. Aaaaha. Das erklärt einiges. Man äußert gegenseitiges Verständis und Hilfsbereitschaft, bei – äh, was auch immer, bitte einfach sagen. Es folgt das entspannteste, kompromissbereiteste Kirchen-Dekorations-Gespräch aller Zeiten. Wir wundern uns nachher selber. Die neu geschaffene Barrierefreiheit für mental-health-Sachen tut allen gut, denn, wenn man ehrlich ist hat im Moment niemand wirklich alle Latten am Zaun.

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Zum Saisonstart festgestellt, dass mein Fensterputzmittel-Zusatz fast leer ist, beim Einkaufen wieder dran gedacht, aber nichts gefunden. Nicht in den Drogeriemärkten, nicht in den Vollsortimentern, nicht im Profi-Reinigungs-online-Geschäft. Merkwürdig. Vielleicht – und da komme ich tatsächlich erst jetzt drauf, mal den Produktnamen googeln. Ach guck. Glycerin ist nicht mehr Putzmittel, sondern Pflegemittel für Gummidichtungen gleiche Verpackung aber jetzt als Kfz-Zubehör. Ich bitte den Liebsten ein Fläschchen mitzubringen, wenn er demnächst Sommerreifen kauft, ist nicht eilig. Er hört anscheind nur halb zu. Am nachmittag des nächsten Tages teilt er mit, der junge Mann im Kfz-Laden habe nicht gewusst, was er wollte und ihn nach Datenbankrecherche an den Bastelladen verwiesen. Im Bastelladen ist das Zeug allerdings Saisonware und die Schneekugelbastelsaison gerade rum, man hat ihn in die Apotheke geschickt. Da füllen sie einem das frisch ab, soviel wie man halt will. Ich hatte ehrlich keine Ahnung.

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Aus der laufenden Haushaltsauflösung landet eine größere Menge Wolle bei mir. Ich freue mich, dass man an mich gedacht hat, aber, so leid es mir tut, zwei Sekunden nachdem ich den Deckel des 80er Jahre Windelkartons geöffnet habe ist klar, das wird nix. Vorsichtig entnehme ich verschiedene Wollknäuel, die mit Sicherheit alle mal teuer waren. Eines fällt besonders auf. Es wirkt handgesponnen und war anscheind schon mal verstrickt. Jemand hat geribbelt und neu gewickelt und über Jahrzehnte aufgehoben, für den Fall des Falles, Kriegsgeneration. Einen Moment lang gedenke ich der vielen Arbeitsstunden und den Geschichten, die ich dahinter vermute. Dann trage ich alles Richtung Tonne. Hausstauballergie des Todes.

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Ganz vorsichtig kippe ich den Inhalt der Osterdeko-Kiste aus. Einiges ist angenagt, ich hatte es befürchtet. Um ein paar Teile tut es mir wirklich leid, aber, von den allermeisten trenne ich mich leichten Herzens. Diese Stimmung ruhig mal nutzen. Ich öffne weitere Kartons und fülle Müllbeutel mit Dingen, die die Mäuse erwischt haben, funktionslosen Einzelteilen und Sachen aus anderen Haushalten, die hier „zwischenlagern“ bis die Mülltonne voll ist, und die der Nachbarin und die von der Omma. Sehr gut fühlt sich das an.

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Hä? Was war denn hier los? Die Mülltonnen stehen nach der Abholung normalerweise fast genauso auf dem Bürgersteig, wie man sie hingestellt hatte. Diesmal nicht. An der neuen gelben Tonne ist ein Zettel befestigt, der mich darüber informiert, wie es in Zukunft „reibungslos laufen“ wird. Also, eigentlich lief alles prima, bis die angefangen haben zu optimieren, aber nun denn. Man möge bitte die gelbe Verpackungstonne mit der Deckelöffnung nach vorne an die rechte Straßenseite stellen. Das neue Fahrzeug, wird nur noch von einer Person gefahren und der automatische Greifer befindet sich an der Fahrzeugseite. Für optimale Abfuhrbedingungen ist auf einen Abstand der gelben Tonnen untereinander von 30cm zu achten. Alle anderen Tonnen werden old school abgeholt und sind daher wie bisher mit der Deckelöffnung nach hinten in einem Abstand von einem Meter zu den gelben Tonnen aufzustellen, sofern sie die gleiche Größe haben, ansonsten natürlich in Gruppen nach Größe sortiert mit einem Meter Abstand zwischen den jeweiligen Größen. Alles klar, mein Fehler.

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Der Liebste guckt aus der Haustür „samma, hattest du nicht Blumen umgetopft, gestern?“, fragt er. Stimmt. Ich stelle den Besen an die Hauswand und finde meinen Ehering in der Fingerkuppe des Gartenhandschuhes wieder. Nachdem seit einer Stunde alle mit mir gesucht haben, ich jedes einzelne Wäschestück der letzten zwei Waschladungen ausgeschlagen, die Wäschekammer aufgeräumt, die Laugenpumpe gereinigt, jede Jackentasche ausgekippt, Möbelstücke bewegt, hochkonzentriert 100qm Fussboden gescannt und mit chirurgischer Präzision die Einfahrt gefegt hatte, freut mich das wirklich. Sehr.

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Ich kippe passierte Tomaten zur Soße, mein Hirn spielt „stir it up“ dazu und ich muss ein bisschen schmunzeln. In einer zusammengewürfelten Damengruppe waren im Kino, der Film über Bob Marley lief. Die Musik kannte ich, aber der politsche Hintergrund war mir völlig neu und die Rastafari-Kultur irgendwie auch. Irgendwo auf dem Dachboden liegt die CD.

Challenges und Erkenntnisse, ungeordnet

Das Kind, das sich seit Monaten am liebsten ungestört im eigenen Zimmer aufhält möchte heute lieber auf dem Sofa im Wohnzimmer liegen. Sie bringt ihre Bettdecke mit, denn es ist kalt. Ich lege noch eine Wolldecke drüber, bitterkalt ist es. Ich nehme den heißen Stein vom Ofen und platziere ihn da, wo ich ihre Füsse vermute, bisschen besser, aber vielleicht könnte ich noch ein Stück Holz auflegen? 23°C Raumtemperatur. Ich koch dir erstmal einen Tee. Als ich nach fünf Minuten zurück komme sitzt sie ohne Decken da und fragt, ob ich vielleicht mal das Fenster aufmachen kann. Es ist so heiß. Aha. Wir haben keine Tests mehr, aber die braucht es auch nicht. Merkt man ja selber. Alle gleichzeitig Covid war Mist, alle hintereinander ist es auch.

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Freitag abend sieht es kurz so aus, als würden wir in das gesundeste Wochenende des Jahres starten. Mehrere Freizeit-Programmpunkte finden gleichzeitig statt oder sind in Planung. Samstag abend liegt der Krankenstand wieder bei 3 von 5.

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Normalerweise ziehen TikTok-challenges geräuschlos an uns vorbei. Diesmal nicht. Innerhalb von wenigen Tagen schaffen es gleich zwei davon als Hauptgesprächsthemen an den Esstisch.

Auf der Schultoilette wurde ein Possoir randvoll geschissen. Die Schule reagiert schnell und entschieden. Man weiß anscheind, wer es war, bevor die Helden der Sanitäranlagen-Challenge dazu kommen, ihren Ruhm zu genießen. Vandalismus nennt man sowas in der analogen Welt.

Erst ist es nur ein Gerücht, aber leider scheint was wahres dran zu sein. Im Rahmen einer Karnevalsveranstaltung wurden zum instrumentalen Refrain eines Liedes fröhliche Hassparolen gesungen. Fremdschäm-Modus aktiviert. Dass man in einer tanzenden Menschenmenge nicht mitbekommt, was neben einem gesungen wird ist leicht vorstellbar. Dass dieses spezielle Lied versehentlich gespielt wurde muss man, mit Blick auf die AfD Wahlergebnisse letztens, allerdings glauben wollen. So neu ist die challenge nicht. Aber es scheint so zu sein. Der Liebste bringt Tratsch vom Alte Herren Fussball mit. Einige wussten garnicht, dass es Tiktok-challenges gibt. Das macht es natürlich nicht besser. Schon drei Wochen später erscheint ein Artikel in der Regionalzeitung, der über die Vorkommnisse berichtet. Volksverhetzung ist strafbar, sehr ernst nimmt man das.

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Erkenntnisse am Küchentisch:

Dummheit in Kombination mit schlechten Manieren ist nicht erotisch.

Nie wieder ist jetzt und hier – und kam doch irgendwie überraschend.

TikTok ist die digitale Version eines Knusperhäuschens, gebaut, um Kinder anzulocken, nicht als KiTa…

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Dorftratsch: Der neue Unternehmensberater des Seniorenheims hat ein erstes Meeting einberufen und den Pflegenden geraten, die Bettwäsche der Bewohner nur noch einmal im Monat zu wechseln, um die Kosten für Wäscherei zu senken. Och guck. Einparpotential für dieses Unternehmen hätte man ehrlich gesagt eher im Immobilienportfolio, im Fuhrpark, dem Managment oder vielleicht sogar im Lebenswandel der Betreiber vermutet – aber natürlich sind es die Wäschewechsel, zum Glück hat es jemand bemerkt.

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Omas Hahn wurde gefressen. Ein Drama.

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Die ersten acht Wochen ohne Schichten sind rum. Ganz allmählich gewöhnen wir uns an die anderen Abläufe. Regelmäßig ausreichend Schlaf hat verblüffende Auswirkungen auf den Alltag.

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Der Liebste läuft mit einem heißen Blech in der Hand Richtung Esstisch, ruft „essen“ in die Weiten des Hauses

Ich: „ich glaube, dein Handy klingelt“

Er nimmt Handy mit auf den Flur wegen Empfang.

Die nach und nach ankommenden Blagen schnappen Gesprächsfetzen auf „Gulli schon abgedeckt?“ „wie schnell kannst du da sein?“ Der Liebste rennt die Treppe hoch und quasi sofort wieder zurück, schnürt sich die Schuhe zu, ruft „Esst“, nimmt Autoschlüssel und fährt weg. Wir schauen uns fragend an. Wird wohl was Wichtiges gewesen sein.

Maikind: „ah, ja, wenn man Chef ist, muss man wohl auch manchmal arbeiten, wenn eigentlich keine Arbeit ist, ne?“

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Einen bezahlbaren Caterer zu finden, der an einem Sonntag etwas für 30 Leute von denen 3 kein Fleisch essen möchten, 1 Person keinen Weizen verträgt, 1 keine Citronensäure, 5 laktoseintolerant und 2 alkoholkrank sind, kocht und liefert ist keine Herausforderung. Das ist schlicht unmöglich. Wenn man es endlich bemerkt, ist der Rest eigentlich ganz einfach. Der Schwipp-Schwager wird das Konfirmationsessen kochen, und das Drumherum machen wir so wie an Weihnachten.

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Ich hatte ehrlich gesagt gedacht, es wäre ein Scherz. Irgendwie wurde daraus aus ein Plan und jetzt muss ich mich outen: Ich esse gar kein Mett. Das macht nichts, versichert man mir, es wird Käseplatte geben. Tja dann, fühle ich mich geehrt dabei sein zu dürfen. „Pass uff, da wird mal ein ganz großes Ding raus“, sagt die neben mir sitzende Gastgeberin, „und dann sagen wir, weißte noch, wie alles begann, damals in der kleinen Gartenlaube“, „ein Festival“, sage ich, denn es tatsächlich witzig zu beobachten, und auch lehrreich, so ein Mett-Tasting. Heumett wird aus Strohschweinen gemacht, das wußte ich nicht.