Sommerweihnachten

Ein Fünfschichtsystem, dass von sieben Leuten bespielt wird ist ein komplexes Konstrukt aus regulären Früh-, Spät-, Nacht- und Freischichten, doppelt besetzten Kernzeiten, Urlaubstagen, Lehrgängen, Schulungen, Audits. Ein Fünfschichtsystem, dass von drei Leuten bespielt wird nicht. Der Liebste hat die Nachtschicht erwischt. Ein Glücksfall, wenn man so will.

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Der Ausbilder scheint freundlich und kompetent zu sein, das ist schon mal die halbe Miete, da sind wir uns einig. „Aber, ganz ehrlich, ein Zettel hätte mir gereicht“, raune ich dem Liebsten zu. Eine nett gemeinte Elternveranstaltung. Auf dem Weg zum Parkplatz fragen wir uns, ob der Standort wohl sicher ist. Eine Sorge, die wir uns garnicht gemacht haben, bevor drei verschiedene Abteilungsleiter das Bedürfnis hatten, sie uns in ausführlichen Reden zu nehmen.

funfact: „Verfahrensmechaniker“ heißen seit diesem Jahr „Kunststoff- und Kautschuktechnologen“. Was für eine klangvolle Berufsbezeichnung. Die tun ihm ein bisschen leid, sagt Maikind. „Stell dir mal vor, bist auf ner Party und dich fragt einer un?was machst du so?, und dann musste sagen KunzschoffundKauschuktechnoolooge“. „Ach, das ist die offizielle Berufsbezeichnung für die Gummiknechte?“ erkundigt sich der Liebste, wusste er garnicht. „Nja aber, Gummiknecht ist, glaube ich, wie Zigeunerschnitzel, dass sagt man nicht mehr…“ gebe ich zu bedenken.

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Julikind bekommt einen Stundenplan und ist entsetzt. Ihre Freizeit wird in unzumutbarer Weise beschnitten. Tatsächlich, dreimal die Woche bis zur achten Stunde, ich staune und bringe dem Kind schonend bei, dass sie auf eine Ganztagsschule geht, seit drei Jahren. Am Donnerstag kommt der zweite Stundenplan, der provisorisch für nächste Woche überbrücken wird, es haben sich Änderungen ergeben. Auf dem vorläufig endgültigen Stundenplan sind es dann schon fünf Wochenstunden weniger. Ein Nebenfach wird garnicht stattfinden. Der Kultusminister schickt einen Elternbrief. Kopfschüttelnd lese ich den ersten Abschnitt, dann kommt ein bisschen kalte Kotze. Ich lösche die mail, teilweise ungelesen. Willkommen im neuen Schuljahr.

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Nur noch ein Schulkind. Seltsam. Und preisgünstig. Der Schuljahresstart-Einkauf dauert nur 10 Minuten. Auf dem Weg Richtung Schreibwaren laufen wir an Regalen voller Adventskalender vorbei und wundern uns. Das war sonst nicht, würde ich behaupten, könnte aber auch sein, dass mein Fokus einfach woanders lag.

Maikind schaut voller Mitgefühl auf einen eskalierenden 4-Jährigen. Das Hirn wechselt in homeschooling Modus und eine Textaufgabe ploppt auf. Ein Adventskaldender hat 24 Türchen. Wie viele Kalender muss eine Mutter am 6. September kaufen, damit Ruhe ist, bis Heilig Abend?

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Ein Muttitaxi wäre selbstverständlich theoretisch möglich, praktisch wäre es mir anders lieber. Ja sicher, sagt der Liebste, das sollte ja wohl kein Problem sein. Er telefoniert, organisiert, gibt Nummern an Maikind weiter. Absprachen werden getroffen, geht/geht nicht/geht, aber nur an folgenden Tagen/natürlich, man wartet 10 Minuten / fährt ein bisschen eher, damit der Junge rechtzeitig… ich bin schwer beeindruckt von der Leichtigkeit mit der verbindliche Abmachungen getroffen werden und ein bisschen gerührt von soviel Hilfsbereitschaft. Am Ende seiner zweiten Arbeitswoche ist Maikind Teil von sieben verschiedenen Fahrgemeinschaften gewesen. Dorfkinder united. Danke dafür! Echt. Von Herzen. Und gerne auch in Euros, bitte einfach sagen, Kommunikation ist noch eine kleine Herausforderung für den Fahrgast

Hömma, was ist eigentlich los?

Der Liebste wirft einen Stapel Zettel in die Tischmitte. Zufällig sitzen gerade noch zwei Kinder mit am Tisch, die können eigentlich mal selber… ich verteile Kullis und erkläre wer da was wohin schreiben soll. Es dauert fast fünf Minuten, bis diese Aktion jemandem komisch vor kommt „was machen wir hier eigentlich?“, möchte Julikind wissen. „Steuererklärung“, sage ich. „Ach was. So sieht eine Steuerklärung aus?“, Märzkind ist ehrlich interessiert. Sie habe gedacht, man würde das digital… das war ja garnicht so kompliziert und ging auch schneller, als sie gedacht hätte. Tja also, verheirateter Alleinverdienerhaushalt mit minderjährigen Kindern ist der einfachste Fall. Die Zettel auszufüllen dauert eine halbe Stunde. Ehrlicherweise sollte man aber die dreieinhalb Stunden Lebenszeit mit einrechnen, die ich versucht habe, in das ELSTER-Programm reinzukommen, bevor ich die Möglichkeit in Betracht zog, das das vielleicht garnicht an mir liegt.

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Für mich ist eine neue digitale Versicherungskarte in der Post. Der chip müsste noch aktiviert werden, das geht angeblich ganz einfach und dauert nur wenige Minuten und die alte Versichertenkarte ist dann übrigens ab sofort ungültig, steht in beiliegedem Schreiben. Aha. Nach einer viertel Stunde wird mir klar, dass die Aktivierung unmöglich ist, weil mein Perso anscheind nicht über die dafür notwendige Funktion verfügt. Ich könnte jetzt auf die Stadt fahren, um das ändern zu lassen, oder alternativ einen Termin bei der Krankenkasse machen, damit jemand meinen Ausweis mit den Augen anguckt und feststellt, dass ich ich bin und das auf der Krankenkarte speichert. Tja, blöd, dass ich das nicht habe kommen sehen… Anruf in der Hausarztpraxis, weil, ich würde das bestellte Rezept wahrscheinlich brauchen, bevor diese Karte voll funktionsfähig ist. Überhaupt! kein! Problem!, sagt die Dame am Telefon, mit dem E-Rezept fangen sie an, wenn das Pflicht wird, keinen Tag eher. Niemand hat Lust auf eine Übergangszeit voller halbdigitalem Gewurschtel.

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Letzte Ferienwoche, spontan gäbe es die Möglichkeit, ein paar Tage weg zu fahren, für uns Mädels. Wir planen was. Direkt buchen geht leider nicht, ich schicke eine Anfrage. An nachmittag des nächten Tages bekomme ich eine mail, auf der ganz oben, noch vor der Anrede in fetter roter Schrift steht, dass es sich dabei nicht um eine Buchungsbestätigung handelt, man teile nur mit, das die Anfrage eingegangen sei. Spaßeshalber gibt der Liebste mal unsere Wunschdaten in seine Buchungsapp ein. Wenn man bereit ist, zu dritt ein Zimmer zu teilen und auf Fussballplatz und Kickerraum verzichten kann, gibt es Angebote die günstiger sind, als der Preis, den die Jugendherberge aufruft. Deutlich günstiger, trotz bezogener Betten und Fernseher und W-Lan im Zimmer, ich bin ehrlich überrascht. Dann implodieren zwei Dienstpläne. Gut, dass nichts gebucht ist. Drei Tage später, abends um halb neun klingelt das Telefon. Eine freundliche junge Frau von der Rezeption erkundigt sich, ob wir später anreisen. Hä? Es dauert einen Moment, bis ich verstehe, was sie meint. Nein, wir reisen garnicht an, unsere Anfrage wurde nicht beantwortet. Die Frau murmelt *Tastaturklappergeräusch*, richtig, die Bestätigung sei garnicht rausgegangen, das könne sie sehen, das ist ja jetzt schade, ob wir denn trotzdem noch kommen wollen? Nein, die Pläne haben sich geändert, aber danke der Nachfrage. Sie entschuldigt sich, vielleicht ja beim nächsten Mal, man würde sich freuen… Um 20.39 Uhr erhalte ich eine email. Schade, dass sich unsere Reisepläne geändert haben, der Aufenthalt wurde kostenlos storniert. Das eine nicht gebuchte Reise kostenlos stornierbar ist, entspricht meinen Erwartungen.

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Im Juni hatte ich mit dem NVV telefoniert, wegen Kündigungsfrist für das Schüler-Hessenticket und erfahren: es werden Schreiben verschickt, im August, wenn man darauf nicht reagiert, wird das Ticket automatisch gekündigt, in dem Jahr, indem das Kind 18 wird. Ich muss also garnichts tun. Service der begeistert. Mitte September kündigt der NVV an, demnächst den Betrag für das Jahresticket abbuchen zu wollen. Ich telefoniere. Die Schreiben seien leider nicht rausgegangen, Chaos wegen Deutschlandticket. Verstehe. Mein Problem liegt allerdings nicht darin, dass ich das Schreiben, auf das ich nicht hätte reagieren sollen nicht bekommen habe. „Ah, so, bei Ihnen ist Geld abgebucht worden für ein Ticket das gekündigt werden sollte?“ kombiniert der Servicemitarbeiter. Ganz genau. Dann *Tastaturklappergeräusch* kündigt er das jetzt rückwirkend und das Geld wird mir zeitnah zurückerstattet werden. Damit wäre mein Problem gelöst, ich bedanke mich, der Mitarbeiter wirkt leicht verwirrt, wahrscheinlich sieht das Protokoll noch mehrere Minuten Genörgel vor. Drei Tage später bekommt Märzkind ein Schreiben indem mitgeteilt wird, das das Abo gekündigt ist und sie demnächst eine Rückzahlung von 31 Euro erhalten wird. Missverständnis. Wir hätten tatsächlich gerne die ganzen 365 Euro zurück. Diesmal hängt sich der Liebste in die Warteschleife.

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Während einer Wartezeit ploppt eine Videoempfehlung für mich auf. Mal sehen was youtube denkt, was mich interessieren könnte. Och guck. Meine Cousine im Fernseh. Der Kinderarzt, der ihre Tochter noch vor wenigen Wochen als Patientin aufgenommen hat, ist verschwunden. Praxisaufgabe. Funfact: Alle Kinderärzte im Umkreis von 30km sind voll. Sie hofft sehr, dass der Kinderarzt im Nachbarstädtchen, 40 Autominuten entfernt, noch was frei hat. Die Anfrage läuft.

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Neun Jahre am Stück war ich (als hinbringende/abholende Mami) im kleinen örtlichen Kindergarten, während der ganzen Zeit gab es ein festes Team aus zwei Erzieherinnen und einer Reinigungskraft, die den Laden geschmissen haben plus wechselnde Teilzeitkräften und Praktikanten. Die Atmosphäre war wertschätzend und freundlich. Eine der Erzieherinnen ist letzten Sommer in Rente gegangen, die verbliebenen drei haben gekündigt. Dorftratsch. Man fragt sich verschiedenes. Funfact: Die drei nächstliegenden Kindergärten der Nachbardörfer sind alle voll. Was für ein Glück, dass unsere groß sind.

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Märzkind sitzt bei mir am Esstisch, müde. Sie hat seit dem sehr frühen Sonntag morgen ein kaputtes Knie begleitet. In die Notaufnahme, zum Anästhesistengespräch, zum OP-Termin und nach Wartezeit zurück aufs heimische Sofa. Wiedervorlage morgen früh, weil es sich bei diesem „Notfall-OP-Termin“ um einen „OP-Termin auf Warteliste“ handelte, was bedeutet, man bekommt zwar innerhalb von drei Tagen einen OP-Termin, der wird aber abgesagt, falls ein echter Notfall dazwischen kommt, was dann um halb zehn eben der Fall war. Natürlich hat man Verständnis. Es waren auch alle die ganze Zeit über nett. Aber hätte einem das vorher jemand gesagt, man wäre mit einer anderen Haltung in diesen Tag gestartet.

Anfang Juli, KW 27/28 2023

Altstadt- und Kulturfest, drei Tage lang Konzerte und Aufführungen verschiedenster Vereine, ich staune, für was ich mich alles nicht interessiere. Julikind und ich gucken die Chearleader und die Aufführung einer Tanzschule an, stellen fest, dass sie sich sonst auch nicht interessiert, kaufen eine Tüte gebrannte Mandeln und fahren wieder nach Hause.

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Der Hund, der da scheinbar so friedlich liegt, ist in Wahrheit genervt von vorbeifliegenden Insekten, ich sehe es ihm an. Genug ist genug, er schnappt in die Luft, guckt einen Moment komisch und jault. Ich serviere einen Eiswürfel und ein „ich hatte doch gesagt…“

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Zwei komplette Vormittage damit verbracht einen neuen airbnb-Eintrag zu erstellen, alles viel aufwändiger als „damals“. Wenige Minuten nach Freischaltung fällt mir wieder ein, wieso ich den gelöscht hatte. Meine Frustrationstoleranz ist nicht mehr algorythmuskompatibel, fürchte ich.

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Geburtstag gefeiert mit einem langen Spaziergang durch den Nationalpark, Mittagessen in Premium-Imbissbude und Abendessen in gemütlicher Runde. Es wurden tatsächlich mehrere Flaschen Wein getrunken, man kann schon fast von Party sprechen. Glückwünsche kamen aus allen Richtungen, hab mich sehr gefreut.

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Zwei offizielle Schulentlassungs-Feiern haben wir besucht. Eine fröhliche, mit an Herzlichkeit grenzendem Respekt voreinander, aufgeregten aber professionell wirkenden Reden, schöner Musik und funktionierender Veranstaltungstechnik in einem ausreichend großen Raum und eine wird uns als ganz nett in Erinnerung bleiben.

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Ein warmer Sommerabend, wie gemacht für eine Abschlussfeier. Als wir um halb zehn ankommen ist vor der Halle richtig was los. „Ach, ihr seid ja doch da…“ „Sicher, hatte halt nur niemand Lust auf dieses Essen…deswegen“ „gute Entscheidung“.

Eigentlich sind es dann doch zwei Partys geworden. Die „Palette Dosenbier auf`m Sportplatz und Musik organisieren die Blagen selber“-Fraktion steht draußen vor der Halle, die „festlich dekorierter Ballsaal mit DJ und Fotobox“-Leute feiern drin. Kurz vor zwei bin ich müde, so leid es mir tut. „Gut“, sagt die Freundin, dann können sie ja auch gehen. „Ähhh“, sage ich. „Nee, nee“, sie hatten sich geschworen, nicht die ersten zu sein, die zum Aufbruch rufen, aber, wenn wir jetzt…

Wir fünf, alle zusammen im Auto nach Hause, wer hätte das gedacht? Niemand.

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Bei Hitzewarnung bekommen Paketboten ein Trinkgeld und eine Flasche Wasser. Außer, sie sprinten zum Auto, knallen die Tür zu und fahren filmreif vom Hof, wenn man „hallo“ hinter ihnen herruft, dann nicht.

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In der Klasse des Julikinds werden spontan noch zwei Lernstandserhebungen geschrieben. In Mathe wird ein Schnitt von vier komma eins erreicht und in Deutsch liegt er bei vier komma drei. Somit stellen wir fest, dass in diesem Schuljahr ausreichend Unterricht stattgefunden hat, oder was?

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Da kommt eine Wurzel hoch, direkt vor dem Hauseingang. Irgendwer wird sich da eher früher als später richtig auf die Schnauze legen, das geht so nicht mehr. Kein Problem, sagt der Steinmetz und bringt Werkzeug mit. Das Haus beginnt zu beben, ich geh dann mal mit dem Hund. Als ich zurück komme ist es verdächtig still. Der Liebste und der Steinmetz halten jeder eine Flasche Bier in der Hand und gucken schweigend in das entstandene Loch. Oh,oh. Die Baustelle sei größer geworden als gedacht, sagen sie, und der Aushub bestehe auch nicht aus dem Material, dass man erwartet hatte. Verfüllungs- und Entsorgungskosten haben sich verändert, es gäbe Möglichkeiten, ich soll mal sagen. Ganz einfach, wenn der Betrag dreistellig bleibt, würde es mir ehrlich gesagt nichts ausmachen, wenn es ein bisschen scheiße aussieht. Tatsächlich ist die Notlösung vielleicht sogar die bessere.

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Einen Immatrikulationsprozess begleitet. Also, ich hab daneben gesessen, Kaffee getrunken und regelmäßig bestätigt, dass das alles akademisch verschwurbelter Kackmist ist. Man tut, was man kann.

Maikind zur Einkleidung an Tor eins gebracht und Berufsstarts-Bürokratie erledigt. Gleiche Gefühlslage wie bei der Kindergarten-Eingewöhnung.

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Honig geschleudert und im Anschluss mit dem Liebsten ein Bier getrunken, abends um halb zwölf auf der Treppe. Wir sind beide ziemlich kaputt, aber, dieses kleine Zeitfenster zwischen zwei Hitzephasen hat zum Schichtsystem gepasst, das war gut. Jetzt bin ich gespannt, wie dieser Honig im Glas aussehen wird. Von „sieht aus Rapsöl“ bis „Samma, gibts eigentlich schon Waldhonig?“ war alles dabei.

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Boar, ich bin gut. Die Windböe kam überraschend, aber, einfach so, ohne drüber nachzudenken hab ich, während ich noch dabei war, mir das T-Shirt über den Kopf zu ziehen, die davon wehende äh, Wäsche mit den Zehen gefangen, voll der krasse move. Es wäre mir allerdings recht, wenn das keiner gesehen hätte. Ein schneller rundum Blick, Glück gehabt. Sonntag morgen um acht bin ich die einzige im Strandbad. Der Wind ist frisch aber das Wasser ist herrlich. Ich will später mal Frühschwimmer-Omi werden, glaub ich.

Unwetter und Alterungsmomente, KW 25/26 2023

Montag morgen um halb sechs bemerke ich auf dem Weg zum Auto, die Strickjacke hätte ich garnicht gebraucht. Es ist richtig schön draußen. Maikind sieht das anders und hofft sehr, dass sie bei diesem Wetter nicht im Stau stehen müssen, zumal die Fahrt ja sowieso schon fast 12 Stunden…

Die Busfahrerin öffnet die Kofferräume „bitte, ihr dürft, seid ja schon groß“, sagt sie und beißt in ihr Brötchen. Junge Menschen in Jogginghosen verabschieden sich, verladen Reisetaschen, und verschwinden im Bus. Ich hab eine Winkerlaubnis und bleibe an der Hecke stehen. In diesem kleinen Elterngrüppchen haben wir schon den Kindergartenausflügen hinterher gewunken. Als der Bus die Hauptstraße erreicht wird uns klar, das war gerade das letzte Mal, ab Herbst winkt jeder woanders, wenn überhaupt. Es ist so ein Moment.

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Der Liebste sieht blass aus, als er von der Hunderunde wiederkommt und setzt sich erstmal. Was er auf dem Weg erfahren hat ist kein Tratsch, es ist eine Nachricht. Es gab einen Unfall, Stromschlag, Spezialklinik, Intensivstation. Schweigen. Dann kommt die Sicherheitsfachkraft im Liebsten durch. Sowas sollte unmöglich sein. Wie nur?

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In der morning-show des regionalen Radiosenders spielt der Moderator normalerweise das Wetter als Klaviermelodie. Heute wäre das schnell erledigt, für ganz Hessen gilt das Gleiche. Allerdings ist diese Wetterlage auf dem Klavier nicht darstellbar. Man behilft sich mit ACDC „Thunderstruck“.

Äh, wenn es Tornados geben soll, würde ich den geplanten Gartenmarktbesuch vielleicht lieber verschieben. Nee, nee, sagt der Liebste, Tornados erst heute Nachmittag, wir machen das jetzt. Auf der Rückfahrt sind die Wetterwarnungen nicht mehr lustig. „Die Pumpe steht in der Garage“, sagt er, als er sich zur Spätschicht aufmacht, „nur für den Fall“. Ja nee, ist klar. Der Familienchat deckt diese Woche ein Gebiet von Dangast bis Wien ab. Fotos von Wolken, Stand jetzt: überall alles tutti.

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Ein Anruf. Jemand braucht eine Unterkunft, nur für eine Nacht, heute. Kein Problem, sage ich, in der Annahme, die Gäste kämen nach Feierabend. Man freut sich sehr und wäre dann in einer halben Stunde da, wegen Wetter… oh. Die Ferienwohnung war länger nicht belegt, ich hatte Grundreinigung…ääähh… die Mädels eilen zur Hilfe. Betten beziehen, durchsaugen, Bad fertig, Geschirrschränke einräumen, Bezüge aufs Sofa, Handtücher und Tischdecke, Gäste willkommen heißen. High five, große Kinder sind toll, das hätte ich alleine nicht geschafft. Eine halbe Stunde später schwitzen wir immernoch.

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Eine Luft draußen, man wundert sich fast, dass man sie nicht sehen kann, als gestapelte Würfel, oder so. Der Hund müsste nochmal raus. Bei dem Wetter kriegt er womöglich wieder Kreislauf, aber bei Hagel-Gewitter will man ja auch nicht. Ein rundum Blick an den Himmel, leichte Entscheidung, wir gehen jetzt. Die Wolken klingen, als würde jemand eine Mülltonne über Kopfsteinpflaster ziehen. Dann wird es dunkel im Wald. Ich drehe um, der Hund wundert sich. Erst sind es nur wenige Regentropfen, aber jeder einzelne geht sofort durch, bis auf die Haut. Wir joggen den Weg zurück.

Der Liebste ruft an, er hat Wolken ziehen sehen und Geräuschkulisse wahrgenommen. Alles gut, nur Regen sage ich und in dem Moment ändert sich das Geräusch. Die größten Hagelkörner, die ich je gesehen habe. Nur wenige und nur kurz, aber beeindruckend. Für 10 Minuten, dann erreichen uns Bilder aus dem Nachbarort. Hagelkörner so groß wie Hühnereier.

In der Gewitterpause gehe ich kurz zur Omma. Die ist fröhlich. Jo, es habe da eben mal ganz ordentlich geregnet, aber alles in Ordnung. „Da kommt gleich noch mehr“, sage ich, genaugenommen geht es schon los. Ich deute auf den laut prasselnden Regenschauer vorm Fenster. Die Omma dreht sich um. „Ja, die Blume da, auf der Fensterbank, wunderschön blüht die, ne?“ Ich unterdrücke ein Schmunzeln. Soviel zum Thema „ich höre und sehe noch alles“, aber für heute ist es praktisch. Den Weg zurück jogge ich und bin Sekunden vor dem richtig fetten Regen an der Haustür angekommen.

Der Vatta ruft an. Er hat Hessenschau geguckt im Urlaub und …wie es denn aussehe, bei uns? Gut. Ich mache das Fernseh an und bekomme eine Ahnung, wieviel Glück wir wirklich hatten. Nur wenige Kilometer weiter sieht es ganz anders aus. Gärten liegen darnieder, Autos mit Totalschaden, kaputte Dachfenster…

Wien schickt ein Foto vom Schnitzel.

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Auf wundersame Weise hat sich ein Chaos so zusammengefügt, dass ich nur sitzen und warten brauche. Ein Buch und ein Getränk, angenehm temperierter Sommerwind weht durch eine geöffnete Autotür, friedliche Parkplatzstille, ich vergesse die Zeit. Wegen Hunger gucke ich dann doch irgendwann auf die Uhr. Trainingsende ist schon länger her, eigentlich. Merkwürdig. Ich gehe nachsehen und finde eine fröhlich tratschende Runde von Kickboxern verschiedener Generationen.

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Die Spiele der Klostertrophy sind angelehnt an bekannte Klassiker wie vier gewinnt, looping Loui oder der heiße Draht, nur halt in XXL-outdoor-Versionen, gespielt wird in fünfer-Teams, alle müssen volljährig sein. Wir sind nur Zuschauer. „Weißte noch, damals?“, fragt der Liebste. Sicher. Legendär der Abend als sein Heimatort den ersten und den dritten Platz gemacht hat. 800 Euro Preisgeld waren das, kein einziger davon hat das Festzelt verlassen. Die, die jetzt mitspielen, waren da noch garnicht auf der Welt, stellen wir fest. Einige von ihnen haben wir auf Kindergeburtstagen bespaßt, neulich doch erst, wie kann das sein?

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Es gäbe einen Anlass, wir würden eventuell ins Phantasialand wollen. Karten muss man vorher buchen. Der angedachte Tag liegt in einer günstigen Preiskategorie, juhu – äh, nee, doch nicht. Bei allem Verständnis für Inflation und so, aber da bin ich raus. Für 270 Euro Eintritt würde mich jede in Warteschlangen verbrachte Minute stressen.

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Kind: „… Bundesjugendspiele… Bankballtunier… Wasserski fahren… und Freitag ist ja dann der Feiertag“

Ich: „Freitag ist kein Feiertag“

Kind: „Hä? Wieso haben wir denn dann Freitag keine Schule?“

Ich: „Ihr habt Freitag keine Schule?“

Es gab mal eine Zeit, da hat die Schule sowas an Eltern kommuniziert, aber, ach komm geh weg, ist ja auch egal.

Honig und Eichhörnchen, KW 24/2023

Schönstes Sommerwetter. Ich sitze allein im Garten, die anderen bevorzugen bei dieser „scheiß Hitze schon wieder“ abgedunkelte Innenräume. Nach einer Weile geht die Tür auf, wir hätten Besuch, falls ich reinkommen wollen würde… aber da kommt der Besuch schon in den Garten. Sie sind zu Fuss gekommen, aus dem Nachbarort und „Der Eselspfad ist garnicht frei geschnitten“, sagt er und und deutet vorwurfsvoll auf seine Waden. Kratzspuren von Beerengesträuch und Brennessel. „oh ha, tja“, ich zucke mit den Schultern, mache ein Furzgeräusch, ortsunkundige laufen eher den Premiumweg, vielleicht deswegen…

Trotz Wärme trinken wir Kaffee, lange nicht gesehen, und es gibt was zu erzählen. Eine Episode Dorftratsch vom allerfeinsten aus erster Hand, hätte man so nicht für möglich gehalten. Frau mit bestem Kumpel….alleine geht das mit dem Haus ja nicht… wobei, wenn man nachrechnet, für das zweite Kind wird er vielleicht keinen Unterhalt zahlenm müssen…da fängste bei Null wieder an… man kann ihm nur wünschen, dass es eine schwarze Null wird, wenigstens das.

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„Vielleicht könnten wir es ja morgen ausfallen lassen?“, schlägt Julikind vor. Ich bin dafür. Zum nächstgelegenen Gottesdienst würde man 20 Minuten fahren, zurück natürlich auch. Ich habe mein Konfirmandenmutter-Engagement glaube ich während der Coronazeit ziemlich verbraucht.

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Der Hund hat was. Heute nachmittag ging es ihm noch gut. Jetzt nicht mehr, es wirkt bedrohlich. Das hab ich so noch nicht erlebt. Wir rekonstruieren den Tag, wer war wann wo mit ihm und hat er vielleicht irgendwas gefressen? Ich google Symthome und Tiernotdienst und entscheide kurz vor Mitternacht, dass es keine Vergiftung ist. Die Kinder, die sowieso noch länger wach sein werden übernehmen den Patienten. Am nächsten Morgen wird klar – der Hund hat die Wärme nicht vertragen. Der Liebste kauft eine Kühlmatte. Der Hund mag sie nicht. Drei Menschen diskutieren, wer die Kühlmatte nutzen dürfte, sollte der Hund sie wirklich nicht wollen.

Hundenrunden werden auf Hochsommerbetrieb umgestellt. Morgens um halb acht ist anscheind Kinderstunde im Wald, ein Fuchswelpe, Kitze, zwei kleine Eichhörnchen spielen auf dem Weg „aaaawwww wie süüüß- guck ma!“, sage ich. Den Hund interessiert es nicht, aber das ist ja eigentlich gut so.

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Märzkind fährt auf Klassenfahrt und ich sie deswegen zur Schule. Anhalten am Treffpunkt, Kind steigt aus, wuchtet die Tasche aus dem Kofferraum, gibt mir ein angedeutetes Wangenküsschen, sagt „schüssi dann“, rollkoffert los und verschmilzt nach wenigen Sekunden mit der Gruppe junger Menschen in Jogginghosen. Ist noch garnicht so lange her, da musste ich aber auf jeden Fall winken, bis der Bus um die Kurve gefahren ist. Große Kinder zu haben ist doch auch schön.

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Honig geerntet, ganz normal – kiloschwere Waben in die Schleuder rein, Mittelwand-schwere Waben wieder raus, so soll das, so macht das Spaß, war auch mal nötig, nach den letzen Jahren. Die Menge ist erfreulich, also, in der Annahme, dass da nochwas kommt, im Sommer, aber bis hierhin, kann man nicht jammern.

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In der Mottowoche gehen die Abschlussklassen traditionell tagesaktuell kostümiert zur Schule. Mittwoch wäre Thema Zeitreise. Maikind hat als Ziel seiner Zeitreise das Jahr 2020 gewählt und plant, an diesem Tag zu Hause zu bleiben, ob ich ihm wohl eine Entschuldigung schreiben würden, sollte man das fälschlicherweise als schwänzen auslegen? Ja, würde ich tatsächlich, weise allerdings darauf hin, dass die fröhlichen PartyPeople möglicherweise Wege finden werden, die Spaßbremsen zu integrieren…Er denkt nach und geht dann doch hin. Als sie sich auf den Weg machen fragt Julikind welches Motto denn heute? Zeitreise. Ob er denn kein outfit habe? Doch sicher. Das von gestern. Julikind seufzt.

Alltag, sommerlich KW 22/2023

Wieviel Regelmäßigkeit in einem Vierschicht-System steckt, fällt einem auch erst auf, wenn es zum Fünfschicht-System wird. Das kann sich ganz schnell wieder ändern, in jede Richtung, aber für den Moment, ist es gut. Der Liebste hat Freizeit im Sinne von freie Zeit, in der er wach ist, in einem vorher bekannten Zeitraum. Das schafft Möglichkeiten.

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Ich wollte nur was auf den Dachboden bringen – Saisonwechsel – aber, kurz drüber nachgedacht, ja, es könnte sein, dass der Moment gekommen ist. Ich nehme einen Karton und zwei Einkaufstaschen voller Kabelsalat mit nach unten und kippe alles auf dem Esstisch aus. „Ach du scheiße, wo kommt das denn alles her?“, möchte Maikind wissen. Dachboden, was davon kann denn weg? Ich sehe nur meterweise Chaos, aber die Herren haben Spaß. Eine Stunde später ist ein kleiner Karton voll mit, Schrott darf man nicht sagen, weil funktionieren tut das schon noch, sagt Maikind, es kann sich nur niemand mehr erinnern zu welchen Geräten es gehört, elektronischem Zubehör also, `which has outlived it`s usefullness`. Sämtliche Steckdosen im Esszimmer sind belegt. Im weiteren Tagesverlauf finden wir Fotos, Musik, digitale Bücher…

So ein Fotoapparat ist eigentlich eine richtig gute Idee, aufm Handy guckt man ja immer Sachen, so macht man ein Bild und ist fertig, vielleicht nimmt er einen mit auf Klasenfahrt, sagt Maikind. Maikind ist im gleichen Jahr auf die Welt gekommen wie smartphones.

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Ein sonniger Sonntag mittag am Gartentisch. Wir unterhalten uns nett über das Wetter, die Grünflächen- Pflege und plötzlich hat der Gast eine Frage: Wann will ich denn eigentlich mal wieder was arbeiten? „Hä?“, sagt das mit am Tisch sitzende Kind, „die arbeitet doch den ganzen Tag.“ „Ja, nee, klar“, sagt der Gast, das meinte er nicht. Ich ahne was kommt. „richtige Arbeit, meine ich“. Autsch. „Tja, die Kinder gehen ja demnächst arbeiten, da war mein Plan ehrlich gesagt Dusche und Steckdosen auf Münzbetrieb umzustellen“, antworte ich, in der Hoffnung, dass der Gast es vielleicht selber merkt, aber so leicht lässt er sich nicht abwimmeln. Die Kinder seien ja nun groß und ganz ehrlich so könne das doch nicht weitergehen, also wann? denn? nun? „Vor drei Jahren. Dann kam es vorrübergehend zu Besonderheiten im Bereich öffentliche Infrastruktur und Gesundheit, dann war jetzt…“ „Ach, alles Ausreden“, sagt er und im Übrigen sei ich schon auch ein bisschen selber schuld, wenn die Kinder nicht selbstständig…. Es fühlt sich so an, als würde ein flauschiger kleiner Alte-Tanten-Hund quietschig kleffend hinterm Zaun auf und ab laufen. Ich schweige, denke allerdings verschiedenes dabei.

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Das herrliche Sommerwetter hat eine Schattenseite. Ich lege Allergietabletten in das Körbchen mit Sachen, die man eventuell brauchen könnte auf der Gästetoilette und bügele Taschentücher, viele die Stofftaschentücher, die hier intern verwendet werden, wegen Nasenfreundlichkeit und Weltrettung

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Eine Elterntaxifahrt bis zwei Orte weiter mit einer Stunde Aufenthalt, ich nehme den Hund mit. Auf der Weiterfahrt ins Feld springt der Hund freudig gegen die Scheibe, und da erkenne ich es auch. Eine Mutterkollegin hatte die gleiche Idee und sie hat einen von seinen Lieblingshunden dabei. Ich nutze die nächste Parkmöglichkeit und wir gehen gemeinsam.

Beim Postauto sind beide Fenster runtergelassen, es ist Sommer heute. Das Auto hält neben uns. „Was macht ihr denn hier?“, erkundigt sich der Fahrer. Konfirmandenstunde, wir haben Wartezeit. „Ah so“, er dachte nur, weil hier gehören wir ja nicht hin. „Stimmt, ist nett, dass er fragt“, sagen wir, „wenn wir verloren gewesen wären…“ „jooo, dann hätte er gleich beim M bescheid gegeben“, sagt er und grinst, „sehr aufmerksam, schönen Dank auch“, man kennt sich hier. M ist der Betreiber des nahegelegenen Seniorenheims.

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Die Vertretunsplan-App wurde gehäckt. Nichts geht mehr. Julikind steht vorm Tablet und ist ratlos. Woher soll man denn jetzt wissen, wann der Unterricht anfängt? Äh – garnicht, du hast einen Stundenplan, wir tun jetzt mal so, als würde der gelten. Damals, als ich jung war…

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Ein sehr angenehmer Konfirmanden-Elternabend. Innerhalb von nur einer Stunde erfahren, wie es dieses Jahr laufen wird und in freundlicher Atmosphäre Konfirmationstermine verteilt. Das war leicht, wir wundern uns im Rausgehen ein bisschen.

Mit dem Liebsten mal so ganz grob eine Gästeliste geschrieben. Es sind scheinbar weniger Leute als damals bei Märzkind, das kann eigentlich nicht, oder doch, ach, man weiß es nicht. Der Liebste bucht den Saal.

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Der Edersee ist so voll, dass die nächste Badestelle in einer viertel Stunde erreichbar ist. Das Wasser ist uuuuaaaarschkalt, seehr kalt, kalt, ganz wunderbar, wenn man erstmal drin ist.

Rosen aus Salami, KW 20/2023

Zwei leere Flaschen stehen neben der Kaffeemaschine. Ohne groß drüber nachzudenken packe ich sie ein und bringe Milch mit, von der Hunderunde durchs Feld. Äh, im Kühlschrank stehen noch zwei fast volle Flaschen. Merkwürdig, aber, wenn man so darüber nachdenkt, die zwei, die hier so regelmäßig mitessen, dass es Teil der Einkaufsroutine ist waren alle beide schon länger nicht da. Vielleicht läuft das Vor-Ferien-Chaos schon an.

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Oh, oh, für zwei Sekunden sieht es so aus, als würde ich gleich einen riesen Scherbenhaufen geliefert bekommen. „Müssen se n bisschen aufpassen, damit, die Palette ist im Arsch“, sagt der Lieferant. Er hat da eine von seinen noch mit drunter gepackt, sonst hätte man das garnicht transportieren können. Das ist nett. Ich hole mir die Schubkarre und mache mich daran, die Kartons von der Bordsteinkante in den Keller zu verfrachten. Nach zweimal hin und her ziehe ich mir Sportklamotten an, schwülwarme 26 Grad, morgens um elf, ausgerechnet heute, die Wolken werden immer dunkler, es grummelt. Nicht nur das Wetter. In die Kartons, in denen bisher geliefert wurden, haben wir nach der Ernte die vollen Honiggläser wieder reingepackt. Die Kunden nehmen die Kartons mit, quer durchs Land und bringen im Lauf des Jahres leere Honiggläser darin zurück. Ein Mehrwegsystem, quasi. Wo früher riesige Tackernadeln stabilen Kartonboden zusammenhielten, sind jetzt Klebebandstreifen auf wabbeliger Pappe. Diese Verpackung wurde für den einmaligen Transport leerer Gläser konstruiert, einige sind schon auf der Palette zerbeult. Ich hatte mich kurz gefreut, dass es garnicht so viel teurer geworden ist, wie erwartet aber, hätte ich eine Ahnung gehabt, was mit dem Begriff „Beispielbild“ in der Angebotsbeschreibung gemeint war, ich hätte das so nicht bestellt. Aaarggghhh!

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Innerhalb von einer Stunde bekommen wir einen halben Meter Schinken/Salami/Wurst-Aufschnitt-Brett-Reste und eine Torte geschenkt. Reste des Muttertagsbuffets und einer Geburtstagsfeier, nicht schaffbar, man müsste es wegwerfen. Soweit darf man es kommen lassen, sagen die Teenager. Bilder ähnlich einer Pinguinfütterung.

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„Ach übrigens, ich bin dann morgen auf einen Geburtstag eingeladen…“ Äh, jo. Ein Geburtstagsgeschenk für sofort, bitte. Das hatten wir schon lange nicht.

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Drei Brotdosen gefüllt, mit dem Hund bis an die Bank gewesen, Spülmaschine aus und Waschmaschine eingeräumt, eine Besucherin begrüßt, zwei Überweisungen getätigt, eine Elterntaxifahrt zur Schule (Klassenarbeit, Bus kommt immernoch 20 Minuten später als normal), alles noch vorm ersten Kaffee. Es geht wieder, stelle ich fest, obwohl ich gestern Kartons geschleppt hab, da ruhig mal einen Moment drüber freuen, denn das sah vor wenigen Wochen ganz anders aus.

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Am späten Nachmittag dann öffnet jemand die Tür und der „wind of change“ weht mir um die Ohren. Ein Drama. Nicht meines und eigentlich auch nicht überraschend, aber irgendwie halt doch.

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So sehr sich die Geschwister untereinander manchmal auf den Sack gehen – in der Not stehen sie zusammen. Jeder tut was möglich ist. Ein Hauch von freundlicher Rücksichtnahme weht durchs Haus, lauter nette Gesten und aufrichtige Anteilnahme. Ungewohnt. Fast gespenstisch, nach wochenlangen Vor-Prüfungs-Launen.

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Der Liebste hat überraschend den Feiertag frei und wünscht sich eine Vatertagswanderung mit seiner Familie. Die Blagen sind nicht begeistert, aber tapfer, danach wird gegrillt.

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„Warum liegt da eine angefangene Tüte Popcorn?“ „Hab ich nicht auf einmal geschafft…“ „Mmmhh“ Pause „Was klebt denn da?“ „Ein Namensschild, hat wahrscheinlich, ich lese Vor- und Nachname vor, hingeklebt“ „Naarha- und wieso steckt da eine Krone auf dem Rückspiegel?“ „Keine Krone, is n Diadem, falls jemand 18 wird, oder sonstige Anlässe“ „aha“ Julikind sucht Sinn während dieser Elterntaxifahrt, vergeblich. Märzkind und ich teilen dieses Auto, Menschen fahren mit, Sachen bleiben liegen.

Frühling, echt jetzt KW19 / 2023

Ich sitze mit einer Mutterkollegin am Esstisch. Wir plaudern. Die Zehntklässler sollten ursprünglich frei haben, an den Tagen zwischen den schriftlichen Abschlussprüfungen. Dann sind Stunden ausgefallen. Einige. Man entschloss sich, an den Tagen vor den Prüfungen jeweils vier Stunden in dem betreffenden Fach zu unterrichten. In Englisch wurde neulich eine Probearbeit geschrieben, Durchschnittsnote zweikommavier. Ein hervorragendes Ergebnis, mit dem, wenn man ehrlich sein will, so niemand gerechnet hatte. Der Mathelehrer geht in Elternzeit. Die Deutschlehrerin hat nach eigenen Angaben noch nie eine entspanntere Abschlussklasse erlebt als diese. Lange Rede kurzer Sinn, die Schultage zwischen den Prüfungstagen werden unterrichtsfrei sein. Macht das was, mit uns, als Erziehungsberechtigten? Möchten wir in irgendeiner Art emotional reagieren? Nö.

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Wer Aufwand und Kosequenzen der Organisation einer Abschlussfeier als „private Feier“ ermessen kann, lässt die Finger davon. Irgendwem scheint dieses Event aber am Herzen zu liegen. Es gab eine Einladung per Zettel, anschließend schlecht kommuniziertes Chaos. Wenn wir für diesen Abend 200 Euro ausgeben, könnten wir ihn vielleicht auch irgendwo feiern, wo es Personal gibt und wir nichts zu essen mitbringen brauchen. Nur so ein Gedanke.

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Der Liebste und ich sitzen auf der Treppe, trinken Kaffee und überlegen, wo wir denn mit dem Hund gehen, gleich. Man könnte, verrückte Idee, direkt von hier auf diesem Premium-Wanderweg bis irgendwo hin und Märzkind sammelt uns ein. Ein Blick an den Himmel, ich würde mir wohl eine Regenjacke mitnehmen wollen und wenn wir jetzt, wie so Touristen…vielleicht auch was zu trinken…wir brauchen also einen Rucksack. Der Hund freut sich, als er merkt, dass das hier eine andere Runde wird.

Es wurde Holz gemacht im Tal. Wir staksen durch matschige Harvesterspuren und klettern über liegen gebliebene Reste. Wenn Landwirte eine Straße so hinterlassen, würde am gleichen Tag jemand auf der Stadt anrufen. Andererseits hält diese Art der Weggestaltung natürlich auch die E-biker fern. Zumindest die, die eigentlich nicht fahren und nicht bremsen können, vielleicht ist es gewollt, man weiß es nicht. Der Liebste hebt einen großen flachen Stein auf und wirft ihn mit geschmeidiger Eleganz in die Mitte eines Matschloches hinter uns. Premiumstatus des Wanderweges wieder hergestellt.

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Da landet eine Geschichte bei uns am Esstisch… meine Güte… man weiß nicht, was man sagen soll, der Liebste und ich tauschen Blicke, das Vertrauen ehrt uns, aber – wir werden da wohl selber jemanden anrufen müssen. Auf Ratlosigkeit folgt nahtlos ein Gefühl der Dankbarkeit. Wir sind garnicht die einzigen, die völlig zerrupft aus dieser Lockdown-Homeschooling-Sache rausgekommen sind. Wir haben es anscheind nur früher bemerkt und genaugenommen hatten wir vergleichsweise kein Problem.

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Plötzlicher Beginn der Heuschnupfen-Saison, aber so richtig.

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Die Triathleten reisen durch Schottland. Per Statusmeldung bekommen wir täglich Urlaubsfotos. Da sind auffallend viele Holzstatuen zu sehen. Die gewitzte Schnitzerin bei Merida – das ist lustig. War es ja sowieso, aber jetzt versteh ichs, nur wenige Jahre nachdem wir den Film gesehen haben. Märzkind fragt, was ich denn dachte, bisher? Ja, nix.

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Vatta hatte Geburtstag. Frikadellen in Brötchen um 18 Uhr, lautete die Einladung. Im weiteren Verlauf des Abends kam bester Cognac auf den Tisch. Eine gelungene Veranstaltung, da sind wir uns alle einig, auf dem Weg nach Hause.

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Märzkind wird beim Abendessen vermisst. Die ist unterwegs in Sachen Brauchtumspflege, ob sie denn die Trommel eben nicht gehört habe, frage ich das Julikind. Nee, hat sie nicht, sie dachte, das sei nächste Woche, grummelgrummel. Ist es auch. Heute war erster Ausmarsch des Burschenvereins, die betrinken sich jetzt schon mal ein bisschen, dann schießen sie auf irgendwas und wer gewinnt trägt nächste Woche im Festzug eine Fahne, oder so, glaube ich. Ach so.

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Ich: „ooohh, guck, der Raps blüht ja schon richtig!“

Er: „wann warst du denn das letzte Mal draußen?“

Äh? Das ist tatsächlich schon eine Woche her, oder so. Deutschlandticket ist ja in der Theorie eine schöne Idee, aber die AS-Taxis sind immer voll. Damit ist das bisschen öffentlicher Nahverkehr, das bis dahin fährt, wo wir wohnen quasi zusammengebrochen. Zum Glück kann Märzkind jetzt selber fahren – nur – dann hab ich halt kein Auto. Diese Woche wird ein neues Level freigeschaltet: das Auto des Liebsten muss in die Werkstatt, er ist dran, bei der Fahrgemeinschaft und Märzkind hat Prüfungen an den Tagen an denen die Buslinie bestreikt werden wird. Wer muss denn wann wohin mit vielen Leuten, und was ist eigentlich noch im Kühlschrank? Denksportaufgaben.

KW 15-18 2023, Bemerknisse

Da hatte ich neulich noch gedacht, vielleicht ist das Thermometer auch einfach einfach kaputt, weil es morgens immer 8 Grad anzeigt, wenn ich mit dem Hund raus will. Aber es funktioniert anscheind noch. 3 Grad heute, dafür blauer Himmel. Wenn man genau hinsieht kann man den Frühling erahnen. Muss auch langsam.

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Ein leichtes Halskratzen, einmal räuspern und erst da fällts mir auf. Der erste morgen an dem ich nicht husten muss, als würde ich seit 20 Jahren Kette rauchen – seit drei Wochen oder so. Genauso plötzlich wie es angefangen hat, hat es aufgehört. Jetzt würde ich gerne noch schlafen können, dann wäre alles wieder fein. Scheiß Corona.

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Jede Hochschule hat andere Auswahlkriterien, Fristen und Abläufe. Ich weiß nicht was ich dachte. Aber ich verstehe jetzt, glaube ich, das Problem. Wahrscheinlich nimmt man dann die, an der man genommen wird?

Zwei von drei Blagen machen Schulabschluss in wenigen Wochen – boar ej…

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Eine Unterkunft für drei Leute zu finden ist viel einfacher, als für fünf – und günstiger. Wir hätten Auswahl, obwohl gerade Ferien sind, ich kann es kaum glauben. Rücksprache mit den Mädels. Also, jetzt entscheiden, was man die nächsen drei Tage anziehen will, das alles in eine Tasche packen…man will ja niemanden traurig machen… aber ein bisschen umständlich wäre doch. Ach, sagen wir, wie es ist. Natürlich ständen uns die freien Tage zu, die Jungs waren ja schließlich auch ohne uns weg, aber wir sind dermaßen reiseunlustig. Man kann es sich nicht erklären. Alle sind doch gerade irgendwo oder kommen von irgendwo oder planen irgendwas und wir? Nicht. Ins große Möbelhaus könnten wir mal, schlägt Märzkind vor, da waren wir schon ewig nicht, es wäre immerhin ein Ausflug, ein Ferienerlebnis. Das ist eine gute Idee.

„Diese Fleischklösschen, oder was das sein soll, die schmecken schon nicht, aber die Soße, die ist widerlich, fast muss man würgen“, sagt Julikind. „Das ist Möbelhaus-Mittagessen, da weißte doch vorher wie das schmeckt“, Märzkind ist verwirrt. „Nee, also, wie können die das alle mögen?“ Julikind schaut sich um und ist leicht entsetzt. Wir wundern uns kurz, finden dann aber die Erkärung. Wegen ihrer Allergie hat sie quasi keine Erfahrung mit Fertigessen. Das kommt von der ganzen selbst-gekochten-Bio-Fresserei. „Da seid ihr dann wohl selber schuld“, sagt Julikind und schiebt mir ihre Nachtisch-Zimtschnecke zu. Nicht essbar. Och, für mich schon. „Ist nicht schlimm“, tröstet Märzkind, gibt ja später noch hotdogs. Den halben Tag trödeln wir durch die Austellung, ohne das jemand nörgelt.

Die Jungs haben ihren freien Tag auch genutzt. Anruf von unterwegs, wir kommen am Baumarkt vorbei, ist während unserer Abwesenheit unvorhergesehenes passiert? Nichts. Die halbe Küche ist renoviert und die Stimmung immernoch gut, was wahrscheinlich daran liegt, dass wir weg waren, sagen sie. Schön, dass sie nicht mit waren, sagen wir. Am nächsten Tag hat die Küche eine neue Tapete. Einfach so, nachdem die über ein Jahr in der Garage lag. Sieht richtig gut aus, so gut…der Flur wirkt schitterig jetzt.

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Eine Einladung zur Abschiedsparty wegen Weltreise. Julikind erkundigt sich, ob derjenige denn nicht vorhabe wieder zu kommen? Alle lachen – und sind doch gespannt auf die Antwort.

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Besuch bei der Omma. Wir plaudern über eine Geburtstagsparty, die kürzlich in einem Cafe stattfand. Schön war die, und guten Kuchen gabs, sagt de Omma. Ein höheres Lob gibt es nicht, ich beglückwünsche das Geburtstagskind erneut.

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Der Neffe, den man quasi neulich noch packen und auf den Boden legen konnte, um ihn durchzukitzeln wenn er frech war der ist aber…der Liebste sucht nach Worten…echt ein Schrank geworden, ne? Definitiv. Man muss 5 km in höchstens 18 Minuten laufen, für die Aufnahmeprüfung der GSG9 hat er gesagt.

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Offiziell würde ich jederzeit so tun, als hätte ich dieses Gemüse-Abo wegen Weltrettung, Investiton in regionale Landwirtschaft damit nachfolgende Generationen auch noch gute Böden haben und so. Aber die Wahrheit ist, es nimmt mir die Kochentscheidungen ab und das ist toll. Da holt man sich einmal die Woche einen Korb voll von was auch immer Saison hat, und das muss dann gegessen werden, manches dringender als anderes, der Rest ergibt sich. Zwei Wochen Gemüse-Pause über Ostern. Ich stehe im Rewe und bin kurz davor, die Regalauffüllerin zu fragen, was ich denn kochen soll.

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Man fragt sich, wieso man sich einen Beruf angucken soll, bei dem man sicher ist, dass er einen so garnicht interessiert… sagt Julikind auf der Hinfahrt. Auf der Rückfahrt bekomme ich einen begeisterten Kurzvortrag darüber wie sich unterschiedliche Metalle bearbeiten lassen, was man daraus alles herstellen kann und ein Geschenk gab es auch und überhaupt, hat total Spaß gemacht, vielleicht macht sie sowas ja mal, später… Girlsday. Wir hatten ja nix, damals.

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Der Liebste guckt auf meinen Teller und schmunzelt. Total anders, als das, was er sich geholt hat. Wenn man uns 10 Meter Frühstücksbuffett anbietet haben wir eine Schnittmenge von einer Tasse Kaffee und Rührei. Hochzeitstag.

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Ich überweise Geld für Klassenfahrten. Ach guck, da hatte der Finanzminister aber mal recht, die Kindergelderhöhung hat genau gereicht, für die außergewöhnlichen finanziellen Belastungen diesen Jahres. Alles auf einmal ausgegeben in nicht mal 10 Minuten. Bitte Deutschland. Wobei, stimmt garnicht. Die eine Fahrt hatte ich schon angezahlt und bei der anderen scheinen die Eintritte nicht inklusive zu sein. Außerdem kommt jeweils noch ein Betrag x für Verpflegung dazu weil es in der Unterkunft nur Frühstück gibt, aber essen müssten sie zu Hause ja auch. Strenggenommen ist auch noch garnicht klar, ob ich für Märzkind durchgängig Kindergeld bekommen werde und natürlich gab es das nicht als Einmalzahlung sondern es kommen halt monatlich 70 Euro mehr, insgesamt. Das freut uns. Allerdings sind in den letzten Monaten die alltäglichen finanzielle Belastungen hier und da ein wenig mehr geworden, so dass man von der Erhöhung nichts bemerkt, aber hej, man gönnt sich. Mein Dank geht an die Klassenlehrer, die das mögliche Budget nicht ausgeschöpft haben (9 Tage Miami waren drin, im Angebotskatalog für Abschlussfahrten-Budget) und an, wer auch immer den Inflationsausgleich für die IGBCE ausgehandelt hat.

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Die einzig überlebende Bienenkönigin, von denen die ich im letzten Jahr gekauft hatte ist bombig ins neue Jahr gestartet, sagt der Liebste. Vielleicht macht es dann unterm Strich nichts, dass ihre drei Kolleginnen das zeitliche gesegnet haben. Honiggläser bestellt, da kommt irgendwann eine Spedition und stellt uns eine Palette an die Bordsteinkante. Hoffentlich melden sie sich vorher. Alltagsabenteuer.

warten auf Frühling, KW 11/23

Ein Wochenende lang überhaupt nicht vor der Tür gewesen. Das fühlt sich seltsam an, hat aber gut getan. Das Wetter war übel, ich hab mich über jede Hunderunde gefreut, die ich nicht machen musste. Montag morgen ist immernoch Winter, Mütze, Handschuhe… dann hatte ich drei Stunden drin zu tun, als ich das nächste mal vor die Tür gehe ist so dermaßen Frühling, das kann eigentlich garnicht sein, doch, sagt das Thermometer 16°C. Ich finds gut. Mittwoch morgen wieder Schneegestöber und kalter Winterwind aus allen Richtungen. Och nö. Geh doch zu Haaaauuuuseeeee duu alte scheeeeiße….

Aber immerhin, kurzes Vogelgezwitscher morgens und abends, merklich länger hell.

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Anruf der Pensionswirtin drei Häuser weiter, verschiedene Dinge haben sich in ihrem Belegungsplan geändert ob ich vielleicht… ? Eigentlich wollte ich erst im April wieder anfangen, aber ja, das geht. Spontane Saisonstart-Reinigung. Einmal Weihnachtsstern runter, Osterhase hin dauert drei Stundennur fürs Protokoll.

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Änderung der Streckenführung des Fahrradwandertags. Es wird kein Eis für 17 Leute in unserem Garten benötigt. Auf der anderen Strecke wurde eine Dornenhecke geschnitten und übelst Holz abgefahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich da jemand einen Platten holt liegt bei vorsichtig geschätzten 98,9%. Tja, wer das Abenteuer sucht…

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Da hatten wir tatsächlich zwei Wochen mal überhaupt keinen Kontakt, erst auf dem Weg zur Omma fällt mir das auf. Manchmal sieht sie den ganzen Tag lang niemanden, sagt sie. Tja, das kann ich gerade ganz gut aushalten, so leid es mir tut.

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Ein Berg an Muttizetteln liegt auf dem Esstisch, Wandertag, Kompo7, Girls day, windows-Kram. Ach, gäbe es doch nur eine Möglichkeit armen, überlasteten Lehrkräften die zeitaufwändigen Tätigkeiten des kopierens, der Verteilung, wieder Einsammlung und Kontrolle all dieser kleinen Zettelabschnitte zu erleichtern.

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Die dritte Runde Erkältung läuft an. Nicht so, dass man sich Sorgen machen muss, aber stören tut es doch. Halskratzen, Rotz, Gliederschmerzen, immer mal jemand anderes. Wann waren eigentlich das letzte Mal alle gleichzeitig gesund? So ganz allmählich müssten die Immunsysteme die Lockdownjahre eigentlich aufgeholt haben.

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Maikind guckt konzentriert aufs Handy, dass ist ungewöhnlich eigentlich spielt er morgens die paar Minuten, die er übrig hat mit dem Hund. Der Hund guckt mich vorwurfsvoll an. Ich weiß doch auch nicht was der da macht. Oh, sagt Maikind, er musste da noch gerade die Umfrage beantworten. Sein Kumpel plant den Vormetttag. Ich habs nicht so mit sozialen Netzwerken, bin aber bemüht, wenigstens meine whatssapp-Kenntnisse auf dem neuestem Stand zu halten. Was also ist die Umfrage-Funktion? Maikind erklärt es mir auf blödisch. In einer Gruppe kann jemand eine Umfrage starten und verschiedene Möglichkeiten zur Auswahlt stellen, beispielsweise Mettbrötchen/Mettbrötchen mit Zwiebeln/Fleischkäsebrötchen/Brötchen mit Fleischkäseaufschnitt. Wenn man dafür ist, klickt man drauf. Im konkreten Fall wird das als Bestellung gewertet, zwei Klicks entsprechen zwei Mettbrötchen. Verstehe. „Und dann am Ende fasst der Algorythmus das alles zusammen und schickt es an die Fleischerei?“, frage ich und meine es als Scherz. „Nee, leider nicht“, sagt Maikind und erklärt, warum und wie man lösen könnte. Äh jo, einfach programmieren ist für mich ein Widerspruch in sich, aber so ist es auch ziemlich praktisch, finde ich. Wir hatten ja nix, damals.

Nach den Ferien macht eine Schulcafeteria auf, dann darf man nichts mehr von ausserhalb bestellen. Schade eigentlich. Die Blagen haben ohne Cafetria viel gelernt.

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Eigentlich haben wir alle ausreichend Kürbisgerichte und Wintergemüse gehabt, diese Saison, Kochblockade. Der Liebste taut was auf. „Ich glaube, das ist garnicht zweimal das gleiche“, sage ich im Vorbeigehen. „werden wir sehen“ murmelt er, „warum haben wir sowas“ fragt ein Kind im Vorbeigehen, und versucht einen leicht angewiderten Gesichtsausdruck zu kaschieren, „weil wir restliches Essen nicht einfach wegwerfen“, sage ich, der Liebste nickt zustimmend „richtig“, „wir packen das in Gläser, tun es in den Froster, warten, bis keiner mehr den Hauch einer Ahnung hat, was es sein könnte, tauen es auf, stellen fest, dass es nicht mehr gut ist – und dann werfen wirs weg, ist viel nachhaltiger so“.