vor Weihnachten, 2023

Eine kleine Ecke Tapete ist lose. Es stört eigentlich nicht, wird aber allmählich erkennbar größer. Der Liebste zupft ein wenig daran, um festzustellen, welches Klebematerial wohl geeignet wäre, um den Schaden zu beheben. 18 Kilo Spachtelmasse haben in das Loch gepasst und der Weihnachtsbaum steht vor einer ganz frisch tapezierten Wand, dies Jahr.

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Die Konfirmandenstunde wird nicht lange dauern, heute, sagen die Mädels. Ich habe ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, im Groß-Dorf und würde dann einfach warten. Schweigend und sichtlich berührt steigen die drei nach einer halben Stunde wieder ein. Ich regle die Radiolautstärke runter und frage vorsichtig, wie es denn gewesen sei. „Traurig“, sagt Julikind. Die andern beiden nicken nur und schlucken. Fast hätte sie geweint, flüstert eine Freundin vom Rücksitz, als wir aus dem Ort rausfahren. „Einer von den Jungs hat geweint“, murmelt die andere, „einer von den Pfarrern auch“, und es liegt nichtmal ein Hauch von Spott in dieser Bemerkung. Die Konfirmandengruppe war gemeinsam am Grab und hat anschließend die in der Kirche eingerichtete Gedenkstätte besucht. Beides war beeindruckend und nötig, denn diese Jugendarbeiterin war Teil der Gruppe und sie wird fehlen.

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„Ach, äh, sie machen dann übrigens doch das mit dem Wicheln morgen, ne?“, sagt das Kind abends um halb neun. Während ich so durchs Haus laufe und Wichtelgeschenk zusammenbaue fällt mir auf: Das ist tatsächlich die erste Elternsache, diesen Advent. Keine Schulweihnachtsfeier, keine Chorveranstaltung, Sportevent, Krippenspiele, Mitbringbuffets, Weihnachten im Stall, noch nicht mal Muttitaxifahrten zu Weihnachtsfeiern irgendwo. Nix. Witzigerweise fühlt es sich dadurch viel weihnachtlicher an, finde ich und erzähle dem Liebsten von meiner Beobachtung. „Zeiten ändern sich, dafür waren wir jeder auf drei Beerdigungen, im Advent“, sagt er. So hatte ich das noch garnicht gesehen.

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Maikind hat seinen ersten Urlaub und freut sich sehr. Einen ganzen Vormittag lang backt er Plätzchen. Das ist für alle gut.

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De Omma hat Plätzchen gebacken. Es gab Hilfsangebote, aber anscheind wollte sie lieber in Ruhe, man kann es sich nicht erklären. Wir unterhalten uns nett, wie jede Woche, zweimal hintereinander das gleiche Gespräch, fast wortgleich. Ich gehe mit einem mulmigen Gefühl nach Hause.

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Die Oma aus dem Städtchen ist eingeladen, zum Heilgen Abend, man würde sie gerne abholen, und natürlich auch nach Hause fahren. Das wird nicht nötig sein, sie fährt selbst, erfahren wir. Tja. Niemand hält das für eine gute Idee. Niemand hat die Macht es zu verhindern.

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Der Weihnachtsbaum in der Dorfmitte ist wirklich schön dieses Jahr. „Irgendwer hat da ein Händchen für Lichterketten“, sagt die Freundin, technisch interessiert, „dazu noch der Schnee, bisschen wie auf einer Postkarte“, sagt sie, jetzt mit der Weihnachtselfenstimme. „Njo. Stimmt. Ich gebs weiter“, sage ich und schreibe wirklich eine whatsapp an den, der das vermutlich gemacht hat, ohne mit einer Antwort zu rechnen. Kurze Zeit später erfahre ich, dass das eine Teamleistung gewesen sei, er habe ja nur die Hubbühne gefahren, Schmuck gebastelt und gelichtert hätten andere, aber, danke, man freue sich, wenn sich Leute freuen. Tja, da freue ich mich aber auch, wenn sich Leute so freuen, dass sich Leute freuen – und frage mich, ob ich wohl die Erste war, die da mal was gesagt hat?

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Schnee weg. Statt dessen dichter Nebel. Fast wäre ich an unserer Einfahrt vorbeigefahren, wobei gefahren fast schon das falsche Wort ist, für diese Geschwindigkeit, gerollt, eher. Dann stürmische Böen mit Regen, dann Dauerregen mit Hochwasserwarnungen in rot. Die Jacke wird bei der Hunderunde so nass, dass sie bis zur nächsten nicht richtig trocknet.

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Fupp. Strom weg.

„Haaalloooo?“ rufen die Blagen aus drei verschiedenen Ecken im Haus. Zwei wegen W-Lan, eins wegen Dunkelheit. In weiser Vorraussicht hatte ich mir die kleine Spinnenlichterkette von Halloween in die Küche gelegt. „Komme!“ rufe ich und hangele mich durch die Dunkelheit. Sie habe erst gedacht, es solle ein Scherz sein, sagt Märzkind, die sich sehr freut, als ich sie samt Spinnenlichterkette erreiche. Noch nicht mal ein Handy hatte sie dabei, im Keller, beim Wäsche aufhängen. Immer wieder erstaunlich, wie paddelig man sich im eigenen Haus bewegt, wenn es ungeplant so richtig dunkel wird. Überall. Mit Sturm, der ums Haus weht… Ein Mikroabenteuer.

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Während ich den Teller mit Plätzchen für ein Foto arrangiere, damit ich nächstes Jahr wieder weiß, was es dies Jahr gab, klingelt das Telefon des Liebsten. Als er an mir vorbei geht, schnappe ich ein „es ist nicht gut gegangen“ auf. Tja, als krönenden Abschluss unseres kleinen Eskalations-Adventskalenders, den wir dies Jahr hatten steht also Wasser in der Rohstoffhalle. Die Stimmung bessert sich erst wieder, als klar ist, dass da wirklich jeder alles gemacht hat, was ging.

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„Die Weihnachtsrunde“ ist aufgrund der aktuellen Situationen anders zusammengesetzt als üblich. Entweder wird das super, oder es erledigt sich von selber.

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Ich wünsche euch allen das bestmögliche Weihnachtsfest!

Herzliche Grüße

man müsste mal Advent, aber… KW47-49/2023

„Huch“, habe sie gesagt, als man sie Treppe runtertrug, im Rettungs-Stuhl, dabei gelacht und mit Sanitätern geschäkert, natürlich. So wie man sie kennt halt. Dann ging es schnell.

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Es gäbe die Möglichkeit sich von der Uroma zu verabschieden, falls jemand möchte. Ich frage alle drei Kinder einzeln in persönlichem Gespräch und bekomme dreimal die gleiche Antwort: Man selber habe jetzt eher vielleicht nicht das Bedürfnis, aber wenn von den anderen jemand wollen würde, dann würde man mitkommen. Zufällig sind zum angesetzten Verabschiedungs-Termin alle zu Hause. Wir nutzen also die Gelegenheit, dem Tod mal zu begegnen, denn in diesem Fall kam er als freundlicher Besuch und man weiß ja nie…

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Ich wollte sowieso mal einen anderen Frisör ausprobieren, nach der letzten Preiserhöhung. Da hat tatsächlich einer diese Woche noch einen Termin frei und ich zahle deutlich weniger. Aus Gründen, wird mir klar, nach der ersten Haarwäsche. Ich bitte Märzkind um Hilfe. Sie wuschelt und wuschelt und schneidet, seufzt dann leise und murmelt in tröstendem Tonfall, dass es bis Weihnachten ja noch drei Wochen hin seien.

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KRACKS. Der altgediente Wäschekorb quittiert den Dienst, voll beladen natürlich, auf halber Höhe der Treppe, alles andere wäre ja langweilig gewesen. Gut, die Zeichen waren da, ein Zahnbürstenstiel und Panzertape zum Prothesenbau lagen bereit, aber, da ist nichts mehr zu machen. Schade. Wir haben in den letzten 20 Jahren einige Kilometer gemeinsam zurückgelegt, hunderte von Treppen rauf und runter, in allen Ehren wird er dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt.

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Das es nach der Trauerfeier zu Veränderungen kommen würde war klar. Aber die Geschwindigkeit überrascht dann doch. Gut, dass jemand was gesagt hat. Eine zwischenmenschliche Beziehung ist eskaliert. Strenggenommen ist es nicht unsere Baustelle, aber so kann man das nicht stehen lassen, sonst wird es unsere. Wir denken. Der Liebste bringt beide Parteien an einen Tisch. Die Baustelle scheint schnell behoben aber, es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, egal wie man diese Situation dreht und wendet: Entweder es wurde routiniert gelogen oder jemand hat neuronale Aussetzter. Wir beobachten das.

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Zwischen „Systemrelevanz 24/7“ und „soll jede Abteilung mal selber sagen, wer entbehrlich ist“ lagen keine zwei Jahre. Der Liebste möge mal bitte in die Firma kommen. Man bietet ihm den gleichen Arbeitsplatz in anderer Funktion zu geänderten Konditionen. Dadurch würde sich einiges ändern, aber vielleicht auf die gute Art. Um zeitnahe Entscheidung wird gebeten. Alle denken, er selbst am längsten. Schließlich schicke ihn mit seinem Kumpel ein Bier trinken, der verrückt in einem beiläufigen Halbsatz die Perspektive. Möglicherweise ist es ein bisschen so, wie wir alle gesagt hatten.

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Es schneit und ist richtig kalt. Winterwonderland für Allergiker.

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Normalerweise erkundigt sich Julikind nach einem Kinofilm auf dem Weg zum Parkplatz nach dem Verkaufsstart der DVD. Diesmal nicht. Diesen Film möchte sie nie wieder gucken, der hat sie richtig wütend gemacht. Wie kann denn sowas? und dann am Ende? so ein cliffhanger…?? „Das war kein cliffhanger. Du weißt wie die Geschichte weitergeht“, erkläre ich. Während ihrer fiesen Erklältung letzte Woche haben wir alle drei Teile der ‚Tribute von Panem‘ gegeguckt. Der vierte Teil dauert zweieinhalb Stunden, was mir persönlich fast zu lang ist, aber, in diesem Fall machen gerade die leisen Minuten in denen scheinbar nichts passiert das Drama. War gut gemacht, der Liebste und ich sind uns einig. Auf halber Strecke nach Hause kommt ein gemurmeltes „Samma – wollte der die echt erschießen, oder was?“ vom Rücksitz. Vermittlung von gesellschafts-politscher Bildung: checked.

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Der Tag ist fast zu Ende, Abendroutinen, Sofa in Sichtweite. Der Liebste wirft einen letzten Blick auf eingegangene Nachrichten und erstarrt. Jemand ist gestorben. Was? Stille im Raum. Nachfrage. Antwort kommt sofort. Der Unfall eben, Cousin bei der Feuerwehr. Für Moment gefriert die ganze Welt. Ich bitte Julikind, das jetzt nicht rumzuerzählen, es scheint gerade eben erst passiert… „ohhajasorrynichtdrangedacht“ murmelt der Liebste. Dann sitzt man erstmal so da und kennt die Verstorbene, ihre Familie, Leute bei der freiwilligen Feuerwehr, die Seelsorgerin… Märzkind ruft an, sie seien da eben auf dem Weg zum Training an einer Unfallstelle vorbeigekommen, viel Blaulicht, sehr viel, konnte man sehen, dass das was Schlimmes…ob wir schon gehört? Ja. „Das fühlt sich ganz anders an, als bei der Oma“. Stimmt.

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Beim Versuch, Weihnachtsgeschenke in der echten Welt zu besorgen scheitere ich so krachend, dass man sich rückblickend fragt, wie ich überhaupt drauf gekommen bin, das zu versuchen.

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Die ersten sieben Türchen meines umgekehrten Adventskalenders auf einmal erledigt. Sehr gut erhaltene Winterkleidung, die niemandem hier passt wurde im secondhand Laden abgegeben danke fürs mitnehmen. Und wenn man erstmal anfängt… vielleicht hat der grinchige Raustrage-Adventskalender mehr als 24 Türchen.

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De Omma ruft an. Sie hätte Kuchen, den könnte mal jemand holen kommen. Das ist ungewöhnlich.

An einem Freitag?

Wie? Haben wir Freitag heute?

Jo.

Dann hat sie keinen Kuchen.

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Die Post kommt gefühlt nur noch einmal die Woche. Nix, nix, nix, Briefkasten knallvoll und vier Pakete am Ablageort, nix, nix. Total egal, was einem die Versender per mail als Zustellungsdatum nennen. Pakete kommen am Paketauslieferungstag.

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Der Plätzchenteller, der uns traditionell vor dem ersten Advent überreicht wurde, könnte abgeholt werden, erfahren wir. Der Liebste kümmert sich. Boar. Es ist kein Teller mehr. Die Plätzchen wurden in einer Tortenhaube dekorativ angerichtet, und gerne könnten wir noch was nachholen, bei Bedarf. Ich bin vom gucken schon satt.

Novemberhusten, KW44-46

Es gab einen Plan für diesen Umzug. Der wurde geändert. Das kam überraschend aber, wenn man ehrlich ist, es hätte kaum besser laufen können. Mittags um eins sitzen Menschen aus vier verschiedenen Haushalten um einen Tisch in der besten Dönerbude des Städtchens. Alle ein bisschen erledigt, vonne Psyche her. Vielleicht wird jetzt alles viel leichter.

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Dieser Umzugs-Einsatz ging schneller als gedacht und wenn wir sowieso schon hier parken, könnten wir doch gerade noch in den Baumarkt, wegen Duschkabine, sagt der Liebste. Nun denn. Duschkabinen kosten etwa soviel mein letztes Auto, das macht mich nachdenklich. „Man fragt sich, wie lange wir noch wohnen…“, murmelt der Liebste im Vorbeigehen. Somit sind wir uns einig. Das Sortiment bietet für unsere baulichen Gegebenheiten zwei Modelle zur Auswahl, drei Stellen vor dem Komma auf dem Preisschild sind völlig ausreichend.

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Für durch Starrsinnigkeit teilweise selbst verschuldetet kleinere Senioren-Unfälle gilt die gleiche Regel wie für den Fight Club. Schweigen wir also.

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Zwei Tage lang ist es windig. Die Wetterapps sagen sogar stürmisch. Auf der Hunderunde bleiben wir einen Moment stehen um das Naturschauspiel zu würdigen. Über der Wiese vorm Wald wehen bunte Blätter. Schön sieht das aus, wie ein Bildschirmschoner, wenn man Instagramm hätte könnte man jetzt aber mal so richtig. So, goldener Oktober abgeräumt und weggefegt. Willkommen November.

Nebel so dicht, dass man nicht sicher sagen kann, ob es nicht vielleicht doch ein leichter Nieselregen ist. Vom Fenster aus kann man die andere Straßenseite sehen, dahinter scheint Weltende zu sein. Dazu ist es kalt. Eklig kalt. Glühwein also und meinetwegen, weil ich hatte ja gesagt, wir machen das mit den Jahreszeiten jetzt so, wie es kommt, ein Weihnachtsfilm. Märzkind, der Liebste und ich verbringen den Abend mit Familie Griswold.

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Maikind bemängelt etwas an der Dachboden-Verteilerdose. Soll er halt einen Einkaufzettel schreiben, sagt der Liebste. An einem Samstag nachmittag verschwinden die Herren. Man hört das sanfte Getrappel von Sicherheitsschuhen auf dem Dachboden, untermalt von gemurmelten Halbsätzen, schließlich schallt ein „unjez?“ vom Sicherungskasten aus durchs Haus und dann soll ich mal gucken kommen. Wow! Die Dachbodentreppe ist beleuchtet. Ein gamechanger, ich hatte keine Ahnung, dass sowas möglich ist und finde es toll. Die Herren freuen sich über Lob und Anerkennung, dachten aber anscheind, ich spreche von der neuen Verkabelung, stelle ich fest, als sie auf dem Rückweg beiläufig erwähnen, dass es so übrigens auch möglich gewesen sei, ein weiteres Licht über der Treppe zu installieren.

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Kann das noch Erkältung sein, oder wurde hier die nächste Runde eingeläutet? Übelster Männerschnupfen bei Maikind, bei mir, beim Julikind. Immer der Reihe nach. Alle Tests negativ, aber schön ist das auch nicht.

Die Schule informiert uns über eine erneute Häufung der Coronainfektionen. Die Klassenlehrerin des Julikinds fügt dem Schreiben die Bitte an, positiv getestete Kinder, wenn möglich nicht in die Schule zu schicken. Ich würde da gerne mit einem Herzchen oder einem Applaus smiley reagieren, aber das geht bei Elternbriefen ja nicht.

durchziehender Oktober, 2023

Von außen betrachtet sieht es wohl so aus, als wäre nichts los. Aber es tun sich Dinge in Köpfen.

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Märzkind braucht vielleicht doch einen Laptop. Ich wechsle einen Blick mit Maikind. Hatten wir uns schon gedacht, dass man nur mit Kulli und Collegeblock nicht durchs Studium kommt. Maikind soll mal sagen, welcher wohl gut wäre. Er fragt nach Betriebssystem, Kostenrahmen, Arbeitsspeicher, Bildschirmgröße, Grafikkarte. Märzkind guckt fragend. „Vielleicht dann doch lieber ein Tablet?“ Maikind bemerkt ein Kommunikatiosproblem und versucht es anders. „Wofür brauchst du das Gerät denn?“ „Na – fürs Studium, so zum Schreiben, speichern, mitnehmen…“, sagt Märzkind in dem geschwisterlichen Tonfall für blöde-Frage-Vollpfosten. Maikind seufzt. Ich dolmetsche. Er findet was, wir bestellen gemeinsam, Märzkind bedankt sich herzlich. Hat sie doch gewusst, dass Maikind sowas kann, dauert halt nur immer, bis er verstanden hat…

Läuft bei den Blagen. Man freut sich richtig, einen Moment lang. Dann übernehmen die Senioren.

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Die Oma aus dem Städtchen bringt zwei Salatschüsseln und vier kleine Handtücher vorbei. Sie wird umziehen, demnächst. Ich biete ihr Hilfe an, bei konkreten Tätigkeiten, denn ich habe da so einen Verdacht. Fröhlich lächelnd lehnt sie ab, das wird nicht nötig sein. Sie kümmert sich heute um das hier – deutet auf Schüsseln- ihr Sohn dann um den Rest. Aha. Die Fassade war solide, aber jetzt hagelt es Erkenntnisse.

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Seine Oma liegt jetzt nur noch, erzählt der Liebste nach einem Besuch. Ansonsten wirkt sie aber fröhlich.

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De Omma braucht neue Schuhe. Oder auch nicht. Sie hat nämlich noch welche aus den späten siebzigern, die sind gut zu gebrauchen. „Also, ich persönlich fände es schöner, wenn du nicht im Hühnergarten auf die Schnauze legst und irgendwelche Knochen dabei brichst, aber, du bist ja alt genug, mach wie du meinst“. Ich staune selber, als ich mich das sagen höre, denn so rede ich eigentlich nicht mit Omas. Es ist allerdings nicht das erste Gespräch zu diesem Thema und ich wäre dann jetzt durch. „Njo. Vielleicht haste recht“, sagt sie. Wottsefack?

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Eine Woche Herbstferien ist wenig, aber immerhin. Erstmal natürlich, muss man garnichts machen, drei Tage lang. Dann erledigt Julikind Besuche, für die im laufenden Betrieb keine Zeit war. Zack, eine Woche rum.

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Seit der Grundschule lese ich für Maikind Korrektur und komme bei den Berichtsheft Einträgen langsam an meine Grenzen. Heißt es Steckdosenstromkreis oder Steckdosen Stromkreis? Aderendhülsen? Hast du dir das Wort ausgedacht? Maikind erklärt wo, wie und zu welchem Zweck man die einbaut. Und: Beim nächsten Baumarktbesuch fällt es mir plötzlich auf, wahrscheinlich war es schon immer da, das Regal mit den Aderendhülsen.

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Bei fast noch warmen Herbst-Regenwetter begegnen mir Feuersalamander im Wald. Ich hab lange keine gesehen und freu mich. Dachte schon, die wären ausgestorben. Es ist überhaupt richtig schönes Herbstwetter. Bunte Blätter an den Bäumen, Moos in allen grünschattierungen und Pilze, jede Menge Pilze. Sehr dekorativ, das alles.Beispielbild aus kostenlosem Archiv, aber könnte auch von hier sein

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Es fühlt sich nicht so an, aber lange ist es nicht mehr, bis Weihnachten. Ich hatte da um Absprachen gebeten, denn der Kalender füllt sich allmählich, aber, es wird auch ohne gehen und zwar folgendermaßen: Sollten Terminanfragen kommen, trage ich die ein und wenn sich Sachen überschneiden, teilen wir uns auf oder sagen ab. Er habe tatsächlich eine Weihnachtsgruppe mit seinen Geschwistern gegründet, zur Terminabsprache, sagt der Liebste. Sehr gut. Das freut mich. Leider sei erst nach der Planungsphase aufgefallen, dass statt seines Bruders einer von den alten Herren Mitglied der Gruppe war, unerwartete Verzögerungen, alles irgendwie ein bisschen komplizierter als gedacht. Ach was.

Bei einem flüchtigen Besuch in der Buchhandlung fällt mir ein Aufsteller mit Grinch-Merchandise-Artikeln auf. Interessant. Anscheind wird Grinch sein allmählich gesellschaftsfähig. Ich befürworte das, bin persönlich aber schon auf einem anderen Level. Ich kaufe nix wo Weihnachten drauf steht. Garnichts. Es gibt normale Geschenke, normales Blätterkrokant und Standard-Schichtnougat zu, naja, halbwegs normalen Preisen.

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Die Baustelle ist fertig – juhu. So mit 50 Sachen durch die Ortschaften Richtung Städtchen, es fühlt sich fast wie rasen an, nach Monaten bei Tempo 30. „Guck es dir an“, sage ich zum neben mir sitzenden Märzkind, auf der langen Geraden „niemand vor uns und niemand zu sehen, im Rückspiegel“ „so soll das“, sagt Märzkind, „einfach mal in Ruhe geradeaus fahren, ohne Leute“. Der Schulbus fährt auch wieder nach Plan. Macht 80 Minuten mehr Unterricht pro Woche. Natürlich ploppt sofort die nächste Baustelle auf. Wegen Schienenersatzverkehr wird Märzkind nächste Woche an dem Tag der autofreien Anreise 3 statt anderthalb Stunden für den Weg zur Uni brauchen.

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Leider, man kann sich nicht erklären wie eigentlich, ist eine Flasche preisgünstiges „Pahrfühm“ im Turnbeutel zerbrochen. Ein sensorisches Inferno, 80000 Olf verteilen sich im Haus.

bunt gemischtes und dunkle Seiten, KW 38-42

Kurz nach acht Uhr morgens mache ich mich auf den Weg ins Städtchen. Ich fahre nur 80 und etwas weiter mittig als man das normalerweise tun würde, weil ich sehen kann, das von vorne keiner kommt. Hinter mir ein Baustellen-Kleintransporter voll besetzt mit Malochern, alle unter 30. Eigentlich müssten die mir direkt an der Stoßstange kleben, hier, um diese Zeit, tun sie aber nicht. Die kleine Landstraße hat gelitten, nach einem halben Jahr Umleitungsverkehr von der Bundesstraße. Es gibt keine Bankette mehr. Also machen wir alle ein bisschen langsamer und teilen die Fahrbahn nach Bedarf. Man wundert sich, aber es geht.

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Zeiten, Abläufe, Wege alles ist leicht verändert in den letzten Wochen, auf gute Art, nur eben ungewohnt.

Mittagessen für drei Leute. Tja, äh, kocht man da was? Es könnte sich doch einfach jeder ein Brot schmieren, schlage ich vor und wir essen dann „was richtiges“ wenn mehr Leute da sind. Julikind nennt spontan drei Haushalte in denen immer nur zwei Leute wohnen und vermutet, dass die doch wohl nicht alle immer nur Käsebrot essen. Da hat sie recht, gebe ich zu und überlege mir was. Es fühlt sich ein bisschen an wie Puppenküche.

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„Ich muss rauchen, kommst du mit?“, fragt die Mutterkollegin und zupft leicht an meinem Arm. „Hä?“ sage ich in der Betonung für ich-verstehe-was-du-sagst-aber-nicht-was-du-meinst. Na, sie muss da hinten hinter die Hecke, ich soll bitte mit, sie muss mir noch was erzählen. „Also, ehrlich, es ist stockdunkel, wir sind über vierzig, wenn du rauchen möchtest, dann steck dir eine an“ „Meinst du? Wirklich? Hier?“ Ich nicke, merke dann, dass sie das nicht sehen kann und sage „jaha, sicher“. Dieser Elternabend war anstrengend. Zu Hause trinken der Liebste und ich noch ein Bier, auf der Treppe vorm Haus. Da kann er sich auf freuen, nächstes Jahr, sage ich, oder vielleicht geht einfach keiner mehr hin.

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Im August gabs einen Vormittag, da sind wir uns in dicken Jacken begegnet und hätten eigentlich Handschuhe gebrauchen können, ob er sich erinnern kann, frage ich den Landwirt, der mir auf der Hunderunde begegnet. Die laufe ich heute im T-Shirt und Sonnencreme wäre eigentlich nicht verkehrt gewesen fällt mir gerade auf. Jetzt, „wo ich das sage, stimmt“, sagt er, während er Blätter fegt, in kurzer Hose, Mitte Oktober.

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Landtagswahlen in Hessen: Seit Wochen halte ich immer wieder kleine Vorträge, darüber, wie toll das ist, in einer Demokratie zu leben, wo jeder alles sagen darf und das einzige Risiko darin besteht, dass man für eine kognitiv suboptimierte Arschkrampe gehalten wird und einem das auch gesagt wird. Dass es wichtig ist, hinzugehen, wenn Wahlen sind, weil jede Stimme gleich viel zählt und es hier sonst nur Politik für Rentner geben wird, denn die gehen hin….

Sonntag vormittag: Märzkind kommt von irgendwo und ist unterwegs nach irgendwo anders, wollte nur kurz Hallo sagen und dass sie schon gewählt hat. Ich freu mich. Das Pluseinskind durfte allerdings leider nicht wählen. Er wohnt erst seit September im Ort, das Wählerverzeichnis wurde im August auf den letzten Stand gebracht, deshalb steht er noch nicht drin. Er müsste in seinem vorherigen Wohnort wählen. „… und, ganz ehrlich, mal abgesehen davon, dass das zeitlich nicht passt, die Spritkosten wegen zwei kleinen Kreuzen? Dann eben nicht, leider“. Versteh ich. Schade eigentlich.

26% der abgegeben Stimmen im Ortsteil für die AfD. Anscheind mögen wir Nazis. Ich könnte kotzen.

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Der Liebste bestellt Holz inklusive Lieferung. Natürlich haben am einzig möglichen Liefertermin alle Kinder Unterricht und Arbeit, aber, eigentlich schafft man das auch zu zweit ganz gut. Wenn man nicht nebenher noch schnuddeln und Kaffee trinken muss. Symbolbild für den Muskelkater des Todes.

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„Ich habe gehört, was passiert ist. Es tut mir sehr leid.“

„Er war mein Freund“

Mehr Worte braucht es nicht. Ein Suzid im Freundeskreis meines Bruders.

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Zum zweiten Mal in dieser Woche fährt der Schulbus um drei Minuten nach acht hier weg, das weiß ich, weil der quasi vor unserem Fenster wendet. Schulbeginn ist um 8 Uhr. Es fängt an, mich zu stören, leider. Andererseits- es fährt ein Bus. So selbstverständlich ist das nicht, sagt der Fachoberschüler aus dem Nachbarort. Er sei letzte Woche zweimal stehen geblieben. Da kam einfach keiner, wo laut Plan einer hätte kommen sollen. Schon stört es mich kein bisschen mehr.

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Dann ändert sich die Jahreszeit, innerhalb eines Tages. Morgens ist Spätsommer, nachmittags eindeutig Herbst. Liegt es an mir? Nein, das Thermometer zeigt 10°C weniger an als heute morgen, wir lassen die Übergangsklamotten aus, und wechseln von T-Shirt auf Winterjacke, außerdem zieht der Liebste Winterreifen aufs Auto und ich die Winterdecke aufs Bett. Auf dem Sportplatz wird Glühwein ausgeschenkt, meldet Märzkind. Ernte- Fahrzeuge fahren bis Mitternacht durch den Ort. Am nächsten Morgen sind die Grasschwaden auf den Wiesen gefroren, habe ich so auch noch nicht gesehen.

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Ich packe zwei Brotdosen. Eine für einen Schultag, die andere für einen Berufsschultag, also knallevoll, weil ich nett gefragt wurde und wach bin. Viertel vor sieben fällt mir auf, das es ungewöhnlich leise ist, im Haus. Vielleicht besser, ich schaue mal nach. Gute Entscheidung, lobe ich mich selber, denn im Zimmer des Maikinds ist es dunkel. Vorsichtig mit dem Fuss voran tastend bewege ich mich Richtung Fenster, ziehe den Rollladen hoch und hä?? Da liegt niemand im Bett. Es war auch niemand im Badezimmer, bin ich mir sicher. Entweder, Maikind wurde hochgebeamt, oder er hat gar keine Berufsschule und ist im Betrieb?

Sommerweihnachten

Ein Fünfschichtsystem, dass von sieben Leuten bespielt wird ist ein komplexes Konstrukt aus regulären Früh-, Spät-, Nacht- und Freischichten, doppelt besetzten Kernzeiten, Urlaubstagen, Lehrgängen, Schulungen, Audits. Ein Fünfschichtsystem, dass von drei Leuten bespielt wird nicht. Der Liebste hat die Nachtschicht erwischt. Ein Glücksfall, wenn man so will.

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Der Ausbilder scheint freundlich und kompetent zu sein, das ist schon mal die halbe Miete, da sind wir uns einig. „Aber, ganz ehrlich, ein Zettel hätte mir gereicht“, raune ich dem Liebsten zu. Eine nett gemeinte Elternveranstaltung. Auf dem Weg zum Parkplatz fragen wir uns, ob der Standort wohl sicher ist. Eine Sorge, die wir uns garnicht gemacht haben, bevor drei verschiedene Abteilungsleiter das Bedürfnis hatten, sie uns in ausführlichen Reden zu nehmen.

funfact: „Verfahrensmechaniker“ heißen seit diesem Jahr „Kunststoff- und Kautschuktechnologen“. Was für eine klangvolle Berufsbezeichnung. Die tun ihm ein bisschen leid, sagt Maikind. „Stell dir mal vor, bist auf ner Party und dich fragt einer un?was machst du so?, und dann musste sagen KunzschoffundKauschuktechnoolooge“. „Ach, das ist die offizielle Berufsbezeichnung für die Gummiknechte?“ erkundigt sich der Liebste, wusste er garnicht. „Nja aber, Gummiknecht ist, glaube ich, wie Zigeunerschnitzel, dass sagt man nicht mehr…“ gebe ich zu bedenken.

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Julikind bekommt einen Stundenplan und ist entsetzt. Ihre Freizeit wird in unzumutbarer Weise beschnitten. Tatsächlich, dreimal die Woche bis zur achten Stunde, ich staune und bringe dem Kind schonend bei, dass sie auf eine Ganztagsschule geht, seit drei Jahren. Am Donnerstag kommt der zweite Stundenplan, der provisorisch für nächste Woche überbrücken wird, es haben sich Änderungen ergeben. Auf dem vorläufig endgültigen Stundenplan sind es dann schon fünf Wochenstunden weniger. Ein Nebenfach wird garnicht stattfinden. Der Kultusminister schickt einen Elternbrief. Kopfschüttelnd lese ich den ersten Abschnitt, dann kommt ein bisschen kalte Kotze. Ich lösche die mail, teilweise ungelesen. Willkommen im neuen Schuljahr.

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Nur noch ein Schulkind. Seltsam. Und preisgünstig. Der Schuljahresstart-Einkauf dauert nur 10 Minuten. Auf dem Weg Richtung Schreibwaren laufen wir an Regalen voller Adventskalender vorbei und wundern uns. Das war sonst nicht, würde ich behaupten, könnte aber auch sein, dass mein Fokus einfach woanders lag.

Maikind schaut voller Mitgefühl auf einen eskalierenden 4-Jährigen. Das Hirn wechselt in homeschooling Modus und eine Textaufgabe ploppt auf. Ein Adventskaldender hat 24 Türchen. Wie viele Kalender muss eine Mutter am 6. September kaufen, damit Ruhe ist, bis Heilig Abend?

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Ein Muttitaxi wäre selbstverständlich theoretisch möglich, praktisch wäre es mir anders lieber. Ja sicher, sagt der Liebste, das sollte ja wohl kein Problem sein. Er telefoniert, organisiert, gibt Nummern an Maikind weiter. Absprachen werden getroffen, geht/geht nicht/geht, aber nur an folgenden Tagen/natürlich, man wartet 10 Minuten / fährt ein bisschen eher, damit der Junge rechtzeitig… ich bin schwer beeindruckt von der Leichtigkeit mit der verbindliche Abmachungen getroffen werden und ein bisschen gerührt von soviel Hilfsbereitschaft. Am Ende seiner zweiten Arbeitswoche ist Maikind Teil von sieben verschiedenen Fahrgemeinschaften gewesen. Dorfkinder united. Danke dafür! Echt. Von Herzen. Und gerne auch in Euros, bitte einfach sagen, Kommunikation ist noch eine kleine Herausforderung für den Fahrgast

Hömma, was ist eigentlich los?

Der Liebste wirft einen Stapel Zettel in die Tischmitte. Zufällig sitzen gerade noch zwei Kinder mit am Tisch, die können eigentlich mal selber… ich verteile Kullis und erkläre wer da was wohin schreiben soll. Es dauert fast fünf Minuten, bis diese Aktion jemandem komisch vor kommt „was machen wir hier eigentlich?“, möchte Julikind wissen. „Steuererklärung“, sage ich. „Ach was. So sieht eine Steuerklärung aus?“, Märzkind ist ehrlich interessiert. Sie habe gedacht, man würde das digital… das war ja garnicht so kompliziert und ging auch schneller, als sie gedacht hätte. Tja also, verheirateter Alleinverdienerhaushalt mit minderjährigen Kindern ist der einfachste Fall. Die Zettel auszufüllen dauert eine halbe Stunde. Ehrlicherweise sollte man aber die dreieinhalb Stunden Lebenszeit mit einrechnen, die ich versucht habe, in das ELSTER-Programm reinzukommen, bevor ich die Möglichkeit in Betracht zog, das das vielleicht garnicht an mir liegt.

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Für mich ist eine neue digitale Versicherungskarte in der Post. Der chip müsste noch aktiviert werden, das geht angeblich ganz einfach und dauert nur wenige Minuten und die alte Versichertenkarte ist dann übrigens ab sofort ungültig, steht in beiliegedem Schreiben. Aha. Nach einer viertel Stunde wird mir klar, dass die Aktivierung unmöglich ist, weil mein Perso anscheind nicht über die dafür notwendige Funktion verfügt. Ich könnte jetzt auf die Stadt fahren, um das ändern zu lassen, oder alternativ einen Termin bei der Krankenkasse machen, damit jemand meinen Ausweis mit den Augen anguckt und feststellt, dass ich ich bin und das auf der Krankenkarte speichert. Tja, blöd, dass ich das nicht habe kommen sehen… Anruf in der Hausarztpraxis, weil, ich würde das bestellte Rezept wahrscheinlich brauchen, bevor diese Karte voll funktionsfähig ist. Überhaupt! kein! Problem!, sagt die Dame am Telefon, mit dem E-Rezept fangen sie an, wenn das Pflicht wird, keinen Tag eher. Niemand hat Lust auf eine Übergangszeit voller halbdigitalem Gewurschtel.

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Letzte Ferienwoche, spontan gäbe es die Möglichkeit, ein paar Tage weg zu fahren, für uns Mädels. Wir planen was. Direkt buchen geht leider nicht, ich schicke eine Anfrage. An nachmittag des nächten Tages bekomme ich eine mail, auf der ganz oben, noch vor der Anrede in fetter roter Schrift steht, dass es sich dabei nicht um eine Buchungsbestätigung handelt, man teile nur mit, das die Anfrage eingegangen sei. Spaßeshalber gibt der Liebste mal unsere Wunschdaten in seine Buchungsapp ein. Wenn man bereit ist, zu dritt ein Zimmer zu teilen und auf Fussballplatz und Kickerraum verzichten kann, gibt es Angebote die günstiger sind, als der Preis, den die Jugendherberge aufruft. Deutlich günstiger, trotz bezogener Betten und Fernseher und W-Lan im Zimmer, ich bin ehrlich überrascht. Dann implodieren zwei Dienstpläne. Gut, dass nichts gebucht ist. Drei Tage später, abends um halb neun klingelt das Telefon. Eine freundliche junge Frau von der Rezeption erkundigt sich, ob wir später anreisen. Hä? Es dauert einen Moment, bis ich verstehe, was sie meint. Nein, wir reisen garnicht an, unsere Anfrage wurde nicht beantwortet. Die Frau murmelt *Tastaturklappergeräusch*, richtig, die Bestätigung sei garnicht rausgegangen, das könne sie sehen, das ist ja jetzt schade, ob wir denn trotzdem noch kommen wollen? Nein, die Pläne haben sich geändert, aber danke der Nachfrage. Sie entschuldigt sich, vielleicht ja beim nächsten Mal, man würde sich freuen… Um 20.39 Uhr erhalte ich eine email. Schade, dass sich unsere Reisepläne geändert haben, der Aufenthalt wurde kostenlos storniert. Das eine nicht gebuchte Reise kostenlos stornierbar ist, entspricht meinen Erwartungen.

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Im Juni hatte ich mit dem NVV telefoniert, wegen Kündigungsfrist für das Schüler-Hessenticket und erfahren: es werden Schreiben verschickt, im August, wenn man darauf nicht reagiert, wird das Ticket automatisch gekündigt, in dem Jahr, indem das Kind 18 wird. Ich muss also garnichts tun. Service der begeistert. Mitte September kündigt der NVV an, demnächst den Betrag für das Jahresticket abbuchen zu wollen. Ich telefoniere. Die Schreiben seien leider nicht rausgegangen, Chaos wegen Deutschlandticket. Verstehe. Mein Problem liegt allerdings nicht darin, dass ich das Schreiben, auf das ich nicht hätte reagieren sollen nicht bekommen habe. „Ah, so, bei Ihnen ist Geld abgebucht worden für ein Ticket das gekündigt werden sollte?“ kombiniert der Servicemitarbeiter. Ganz genau. Dann *Tastaturklappergeräusch* kündigt er das jetzt rückwirkend und das Geld wird mir zeitnah zurückerstattet werden. Damit wäre mein Problem gelöst, ich bedanke mich, der Mitarbeiter wirkt leicht verwirrt, wahrscheinlich sieht das Protokoll noch mehrere Minuten Genörgel vor. Drei Tage später bekommt Märzkind ein Schreiben indem mitgeteilt wird, das das Abo gekündigt ist und sie demnächst eine Rückzahlung von 31 Euro erhalten wird. Missverständnis. Wir hätten tatsächlich gerne die ganzen 365 Euro zurück. Diesmal hängt sich der Liebste in die Warteschleife.

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Während einer Wartezeit ploppt eine Videoempfehlung für mich auf. Mal sehen was youtube denkt, was mich interessieren könnte. Och guck. Meine Cousine im Fernseh. Der Kinderarzt, der ihre Tochter noch vor wenigen Wochen als Patientin aufgenommen hat, ist verschwunden. Praxisaufgabe. Funfact: Alle Kinderärzte im Umkreis von 30km sind voll. Sie hofft sehr, dass der Kinderarzt im Nachbarstädtchen, 40 Autominuten entfernt, noch was frei hat. Die Anfrage läuft.

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Neun Jahre am Stück war ich (als hinbringende/abholende Mami) im kleinen örtlichen Kindergarten, während der ganzen Zeit gab es ein festes Team aus zwei Erzieherinnen und einer Reinigungskraft, die den Laden geschmissen haben plus wechselnde Teilzeitkräften und Praktikanten. Die Atmosphäre war wertschätzend und freundlich. Eine der Erzieherinnen ist letzten Sommer in Rente gegangen, die verbliebenen drei haben gekündigt. Dorftratsch. Man fragt sich verschiedenes. Funfact: Die drei nächstliegenden Kindergärten der Nachbardörfer sind alle voll. Was für ein Glück, dass unsere groß sind.

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Märzkind sitzt bei mir am Esstisch, müde. Sie hat seit dem sehr frühen Sonntag morgen ein kaputtes Knie begleitet. In die Notaufnahme, zum Anästhesistengespräch, zum OP-Termin und nach Wartezeit zurück aufs heimische Sofa. Wiedervorlage morgen früh, weil es sich bei diesem „Notfall-OP-Termin“ um einen „OP-Termin auf Warteliste“ handelte, was bedeutet, man bekommt zwar innerhalb von drei Tagen einen OP-Termin, der wird aber abgesagt, falls ein echter Notfall dazwischen kommt, was dann um halb zehn eben der Fall war. Natürlich hat man Verständnis. Es waren auch alle die ganze Zeit über nett. Aber hätte einem das vorher jemand gesagt, man wäre mit einer anderen Haltung in diesen Tag gestartet.

Anfang Juli, KW 27/28 2023

Altstadt- und Kulturfest, drei Tage lang Konzerte und Aufführungen verschiedenster Vereine, ich staune, für was ich mich alles nicht interessiere. Julikind und ich gucken die Chearleader und die Aufführung einer Tanzschule an, stellen fest, dass sie sich sonst auch nicht interessiert, kaufen eine Tüte gebrannte Mandeln und fahren wieder nach Hause.

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Der Hund, der da scheinbar so friedlich liegt, ist in Wahrheit genervt von vorbeifliegenden Insekten, ich sehe es ihm an. Genug ist genug, er schnappt in die Luft, guckt einen Moment komisch und jault. Ich serviere einen Eiswürfel und ein „ich hatte doch gesagt…“

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Zwei komplette Vormittage damit verbracht einen neuen airbnb-Eintrag zu erstellen, alles viel aufwändiger als „damals“. Wenige Minuten nach Freischaltung fällt mir wieder ein, wieso ich den gelöscht hatte. Meine Frustrationstoleranz ist nicht mehr algorythmuskompatibel, fürchte ich.

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Geburtstag gefeiert mit einem langen Spaziergang durch den Nationalpark, Mittagessen in Premium-Imbissbude und Abendessen in gemütlicher Runde. Es wurden tatsächlich mehrere Flaschen Wein getrunken, man kann schon fast von Party sprechen. Glückwünsche kamen aus allen Richtungen, hab mich sehr gefreut.

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Zwei offizielle Schulentlassungs-Feiern haben wir besucht. Eine fröhliche, mit an Herzlichkeit grenzendem Respekt voreinander, aufgeregten aber professionell wirkenden Reden, schöner Musik und funktionierender Veranstaltungstechnik in einem ausreichend großen Raum und eine wird uns als ganz nett in Erinnerung bleiben.

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Ein warmer Sommerabend, wie gemacht für eine Abschlussfeier. Als wir um halb zehn ankommen ist vor der Halle richtig was los. „Ach, ihr seid ja doch da…“ „Sicher, hatte halt nur niemand Lust auf dieses Essen…deswegen“ „gute Entscheidung“.

Eigentlich sind es dann doch zwei Partys geworden. Die „Palette Dosenbier auf`m Sportplatz und Musik organisieren die Blagen selber“-Fraktion steht draußen vor der Halle, die „festlich dekorierter Ballsaal mit DJ und Fotobox“-Leute feiern drin. Kurz vor zwei bin ich müde, so leid es mir tut. „Gut“, sagt die Freundin, dann können sie ja auch gehen. „Ähhh“, sage ich. „Nee, nee“, sie hatten sich geschworen, nicht die ersten zu sein, die zum Aufbruch rufen, aber, wenn wir jetzt…

Wir fünf, alle zusammen im Auto nach Hause, wer hätte das gedacht? Niemand.

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Bei Hitzewarnung bekommen Paketboten ein Trinkgeld und eine Flasche Wasser. Außer, sie sprinten zum Auto, knallen die Tür zu und fahren filmreif vom Hof, wenn man „hallo“ hinter ihnen herruft, dann nicht.

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In der Klasse des Julikinds werden spontan noch zwei Lernstandserhebungen geschrieben. In Mathe wird ein Schnitt von vier komma eins erreicht und in Deutsch liegt er bei vier komma drei. Somit stellen wir fest, dass in diesem Schuljahr ausreichend Unterricht stattgefunden hat, oder was?

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Da kommt eine Wurzel hoch, direkt vor dem Hauseingang. Irgendwer wird sich da eher früher als später richtig auf die Schnauze legen, das geht so nicht mehr. Kein Problem, sagt der Steinmetz und bringt Werkzeug mit. Das Haus beginnt zu beben, ich geh dann mal mit dem Hund. Als ich zurück komme ist es verdächtig still. Der Liebste und der Steinmetz halten jeder eine Flasche Bier in der Hand und gucken schweigend in das entstandene Loch. Oh,oh. Die Baustelle sei größer geworden als gedacht, sagen sie, und der Aushub bestehe auch nicht aus dem Material, dass man erwartet hatte. Verfüllungs- und Entsorgungskosten haben sich verändert, es gäbe Möglichkeiten, ich soll mal sagen. Ganz einfach, wenn der Betrag dreistellig bleibt, würde es mir ehrlich gesagt nichts ausmachen, wenn es ein bisschen scheiße aussieht. Tatsächlich ist die Notlösung vielleicht sogar die bessere.

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Einen Immatrikulationsprozess begleitet. Also, ich hab daneben gesessen, Kaffee getrunken und regelmäßig bestätigt, dass das alles akademisch verschwurbelter Kackmist ist. Man tut, was man kann.

Maikind zur Einkleidung an Tor eins gebracht und Berufsstarts-Bürokratie erledigt. Gleiche Gefühlslage wie bei der Kindergarten-Eingewöhnung.

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Honig geschleudert und im Anschluss mit dem Liebsten ein Bier getrunken, abends um halb zwölf auf der Treppe. Wir sind beide ziemlich kaputt, aber, dieses kleine Zeitfenster zwischen zwei Hitzephasen hat zum Schichtsystem gepasst, das war gut. Jetzt bin ich gespannt, wie dieser Honig im Glas aussehen wird. Von „sieht aus Rapsöl“ bis „Samma, gibts eigentlich schon Waldhonig?“ war alles dabei.

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Boar, ich bin gut. Die Windböe kam überraschend, aber, einfach so, ohne drüber nachzudenken hab ich, während ich noch dabei war, mir das T-Shirt über den Kopf zu ziehen, die davon wehende äh, Wäsche mit den Zehen gefangen, voll der krasse move. Es wäre mir allerdings recht, wenn das keiner gesehen hätte. Ein schneller rundum Blick, Glück gehabt. Sonntag morgen um acht bin ich die einzige im Strandbad. Der Wind ist frisch aber das Wasser ist herrlich. Ich will später mal Frühschwimmer-Omi werden, glaub ich.

Unwetter und Alterungsmomente, KW 25/26 2023

Montag morgen um halb sechs bemerke ich auf dem Weg zum Auto, die Strickjacke hätte ich garnicht gebraucht. Es ist richtig schön draußen. Maikind sieht das anders und hofft sehr, dass sie bei diesem Wetter nicht im Stau stehen müssen, zumal die Fahrt ja sowieso schon fast 12 Stunden…

Die Busfahrerin öffnet die Kofferräume „bitte, ihr dürft, seid ja schon groß“, sagt sie und beißt in ihr Brötchen. Junge Menschen in Jogginghosen verabschieden sich, verladen Reisetaschen, und verschwinden im Bus. Ich hab eine Winkerlaubnis und bleibe an der Hecke stehen. In diesem kleinen Elterngrüppchen haben wir schon den Kindergartenausflügen hinterher gewunken. Als der Bus die Hauptstraße erreicht wird uns klar, das war gerade das letzte Mal, ab Herbst winkt jeder woanders, wenn überhaupt. Es ist so ein Moment.

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Der Liebste sieht blass aus, als er von der Hunderunde wiederkommt und setzt sich erstmal. Was er auf dem Weg erfahren hat ist kein Tratsch, es ist eine Nachricht. Es gab einen Unfall, Stromschlag, Spezialklinik, Intensivstation. Schweigen. Dann kommt die Sicherheitsfachkraft im Liebsten durch. Sowas sollte unmöglich sein. Wie nur?

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In der morning-show des regionalen Radiosenders spielt der Moderator normalerweise das Wetter als Klaviermelodie. Heute wäre das schnell erledigt, für ganz Hessen gilt das Gleiche. Allerdings ist diese Wetterlage auf dem Klavier nicht darstellbar. Man behilft sich mit ACDC „Thunderstruck“.

Äh, wenn es Tornados geben soll, würde ich den geplanten Gartenmarktbesuch vielleicht lieber verschieben. Nee, nee, sagt der Liebste, Tornados erst heute Nachmittag, wir machen das jetzt. Auf der Rückfahrt sind die Wetterwarnungen nicht mehr lustig. „Die Pumpe steht in der Garage“, sagt er, als er sich zur Spätschicht aufmacht, „nur für den Fall“. Ja nee, ist klar. Der Familienchat deckt diese Woche ein Gebiet von Dangast bis Wien ab. Fotos von Wolken, Stand jetzt: überall alles tutti.

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Ein Anruf. Jemand braucht eine Unterkunft, nur für eine Nacht, heute. Kein Problem, sage ich, in der Annahme, die Gäste kämen nach Feierabend. Man freut sich sehr und wäre dann in einer halben Stunde da, wegen Wetter… oh. Die Ferienwohnung war länger nicht belegt, ich hatte Grundreinigung…ääähh… die Mädels eilen zur Hilfe. Betten beziehen, durchsaugen, Bad fertig, Geschirrschränke einräumen, Bezüge aufs Sofa, Handtücher und Tischdecke, Gäste willkommen heißen. High five, große Kinder sind toll, das hätte ich alleine nicht geschafft. Eine halbe Stunde später schwitzen wir immernoch.

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Eine Luft draußen, man wundert sich fast, dass man sie nicht sehen kann, als gestapelte Würfel, oder so. Der Hund müsste nochmal raus. Bei dem Wetter kriegt er womöglich wieder Kreislauf, aber bei Hagel-Gewitter will man ja auch nicht. Ein rundum Blick an den Himmel, leichte Entscheidung, wir gehen jetzt. Die Wolken klingen, als würde jemand eine Mülltonne über Kopfsteinpflaster ziehen. Dann wird es dunkel im Wald. Ich drehe um, der Hund wundert sich. Erst sind es nur wenige Regentropfen, aber jeder einzelne geht sofort durch, bis auf die Haut. Wir joggen den Weg zurück.

Der Liebste ruft an, er hat Wolken ziehen sehen und Geräuschkulisse wahrgenommen. Alles gut, nur Regen sage ich und in dem Moment ändert sich das Geräusch. Die größten Hagelkörner, die ich je gesehen habe. Nur wenige und nur kurz, aber beeindruckend. Für 10 Minuten, dann erreichen uns Bilder aus dem Nachbarort. Hagelkörner so groß wie Hühnereier.

In der Gewitterpause gehe ich kurz zur Omma. Die ist fröhlich. Jo, es habe da eben mal ganz ordentlich geregnet, aber alles in Ordnung. „Da kommt gleich noch mehr“, sage ich, genaugenommen geht es schon los. Ich deute auf den laut prasselnden Regenschauer vorm Fenster. Die Omma dreht sich um. „Ja, die Blume da, auf der Fensterbank, wunderschön blüht die, ne?“ Ich unterdrücke ein Schmunzeln. Soviel zum Thema „ich höre und sehe noch alles“, aber für heute ist es praktisch. Den Weg zurück jogge ich und bin Sekunden vor dem richtig fetten Regen an der Haustür angekommen.

Der Vatta ruft an. Er hat Hessenschau geguckt im Urlaub und …wie es denn aussehe, bei uns? Gut. Ich mache das Fernseh an und bekomme eine Ahnung, wieviel Glück wir wirklich hatten. Nur wenige Kilometer weiter sieht es ganz anders aus. Gärten liegen darnieder, Autos mit Totalschaden, kaputte Dachfenster…

Wien schickt ein Foto vom Schnitzel.

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Auf wundersame Weise hat sich ein Chaos so zusammengefügt, dass ich nur sitzen und warten brauche. Ein Buch und ein Getränk, angenehm temperierter Sommerwind weht durch eine geöffnete Autotür, friedliche Parkplatzstille, ich vergesse die Zeit. Wegen Hunger gucke ich dann doch irgendwann auf die Uhr. Trainingsende ist schon länger her, eigentlich. Merkwürdig. Ich gehe nachsehen und finde eine fröhlich tratschende Runde von Kickboxern verschiedener Generationen.

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Die Spiele der Klostertrophy sind angelehnt an bekannte Klassiker wie vier gewinnt, looping Loui oder der heiße Draht, nur halt in XXL-outdoor-Versionen, gespielt wird in fünfer-Teams, alle müssen volljährig sein. Wir sind nur Zuschauer. „Weißte noch, damals?“, fragt der Liebste. Sicher. Legendär der Abend als sein Heimatort den ersten und den dritten Platz gemacht hat. 800 Euro Preisgeld waren das, kein einziger davon hat das Festzelt verlassen. Die, die jetzt mitspielen, waren da noch garnicht auf der Welt, stellen wir fest. Einige von ihnen haben wir auf Kindergeburtstagen bespaßt, neulich doch erst, wie kann das sein?

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Es gäbe einen Anlass, wir würden eventuell ins Phantasialand wollen. Karten muss man vorher buchen. Der angedachte Tag liegt in einer günstigen Preiskategorie, juhu – äh, nee, doch nicht. Bei allem Verständnis für Inflation und so, aber da bin ich raus. Für 270 Euro Eintritt würde mich jede in Warteschlangen verbrachte Minute stressen.

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Kind: „… Bundesjugendspiele… Bankballtunier… Wasserski fahren… und Freitag ist ja dann der Feiertag“

Ich: „Freitag ist kein Feiertag“

Kind: „Hä? Wieso haben wir denn dann Freitag keine Schule?“

Ich: „Ihr habt Freitag keine Schule?“

Es gab mal eine Zeit, da hat die Schule sowas an Eltern kommuniziert, aber, ach komm geh weg, ist ja auch egal.

Honig und Eichhörnchen, KW 24/2023

Schönstes Sommerwetter. Ich sitze allein im Garten, die anderen bevorzugen bei dieser „scheiß Hitze schon wieder“ abgedunkelte Innenräume. Nach einer Weile geht die Tür auf, wir hätten Besuch, falls ich reinkommen wollen würde… aber da kommt der Besuch schon in den Garten. Sie sind zu Fuss gekommen, aus dem Nachbarort und „Der Eselspfad ist garnicht frei geschnitten“, sagt er und und deutet vorwurfsvoll auf seine Waden. Kratzspuren von Beerengesträuch und Brennessel. „oh ha, tja“, ich zucke mit den Schultern, mache ein Furzgeräusch, ortsunkundige laufen eher den Premiumweg, vielleicht deswegen…

Trotz Wärme trinken wir Kaffee, lange nicht gesehen, und es gibt was zu erzählen. Eine Episode Dorftratsch vom allerfeinsten aus erster Hand, hätte man so nicht für möglich gehalten. Frau mit bestem Kumpel….alleine geht das mit dem Haus ja nicht… wobei, wenn man nachrechnet, für das zweite Kind wird er vielleicht keinen Unterhalt zahlenm müssen…da fängste bei Null wieder an… man kann ihm nur wünschen, dass es eine schwarze Null wird, wenigstens das.

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„Vielleicht könnten wir es ja morgen ausfallen lassen?“, schlägt Julikind vor. Ich bin dafür. Zum nächstgelegenen Gottesdienst würde man 20 Minuten fahren, zurück natürlich auch. Ich habe mein Konfirmandenmutter-Engagement glaube ich während der Coronazeit ziemlich verbraucht.

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Der Hund hat was. Heute nachmittag ging es ihm noch gut. Jetzt nicht mehr, es wirkt bedrohlich. Das hab ich so noch nicht erlebt. Wir rekonstruieren den Tag, wer war wann wo mit ihm und hat er vielleicht irgendwas gefressen? Ich google Symthome und Tiernotdienst und entscheide kurz vor Mitternacht, dass es keine Vergiftung ist. Die Kinder, die sowieso noch länger wach sein werden übernehmen den Patienten. Am nächsten Morgen wird klar – der Hund hat die Wärme nicht vertragen. Der Liebste kauft eine Kühlmatte. Der Hund mag sie nicht. Drei Menschen diskutieren, wer die Kühlmatte nutzen dürfte, sollte der Hund sie wirklich nicht wollen.

Hundenrunden werden auf Hochsommerbetrieb umgestellt. Morgens um halb acht ist anscheind Kinderstunde im Wald, ein Fuchswelpe, Kitze, zwei kleine Eichhörnchen spielen auf dem Weg „aaaawwww wie süüüß- guck ma!“, sage ich. Den Hund interessiert es nicht, aber das ist ja eigentlich gut so.

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Märzkind fährt auf Klassenfahrt und ich sie deswegen zur Schule. Anhalten am Treffpunkt, Kind steigt aus, wuchtet die Tasche aus dem Kofferraum, gibt mir ein angedeutetes Wangenküsschen, sagt „schüssi dann“, rollkoffert los und verschmilzt nach wenigen Sekunden mit der Gruppe junger Menschen in Jogginghosen. Ist noch garnicht so lange her, da musste ich aber auf jeden Fall winken, bis der Bus um die Kurve gefahren ist. Große Kinder zu haben ist doch auch schön.

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Honig geerntet, ganz normal – kiloschwere Waben in die Schleuder rein, Mittelwand-schwere Waben wieder raus, so soll das, so macht das Spaß, war auch mal nötig, nach den letzen Jahren. Die Menge ist erfreulich, also, in der Annahme, dass da nochwas kommt, im Sommer, aber bis hierhin, kann man nicht jammern.

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In der Mottowoche gehen die Abschlussklassen traditionell tagesaktuell kostümiert zur Schule. Mittwoch wäre Thema Zeitreise. Maikind hat als Ziel seiner Zeitreise das Jahr 2020 gewählt und plant, an diesem Tag zu Hause zu bleiben, ob ich ihm wohl eine Entschuldigung schreiben würden, sollte man das fälschlicherweise als schwänzen auslegen? Ja, würde ich tatsächlich, weise allerdings darauf hin, dass die fröhlichen PartyPeople möglicherweise Wege finden werden, die Spaßbremsen zu integrieren…Er denkt nach und geht dann doch hin. Als sie sich auf den Weg machen fragt Julikind welches Motto denn heute? Zeitreise. Ob er denn kein outfit habe? Doch sicher. Das von gestern. Julikind seufzt.