Bienen, Kühe, Hirsche & Menschen

Im Supermarkt ist das volle Weihnachts-Süßigkeiten-Sortiment aufgebaut. Die ersten bunten Blätter sind zu sehen. Morgens bei der frühen winzigen Hunderunde und abends bei der letzen hören wir die Hirsche röhren. Der Hund ist leicht verwirrt. Das war doch sonst nicht.

Hallo Herbst! Die erste Jahreszeit dieses Jahr, die ich bewusst wahrnehme. Frühling und Sommer sind an mir vorbeigerauscht.


Beim Wäsche aufhängen komme ich mit dem Gast der Ferienwohnung ins Gespräch. Er spricht mehrere Sprachen, deshalb ist er meist derjenige, der Kollegen nach Unfällen mit ins Krankenhaus begleitet. In Deutschland muss man lieber nicht ins Krankenhaus, sage ich. Garnicht hin zu müssen ist natürlich immer am besten, da sind wir uns einig, aber wenn, dann sei Deutschland „the best“, sagt er. Belgien wäre auch sehr gut, in Polen aber, wenn man da keine pivate Versicherung hat, dann dauert es, bis jemand Zeit hat. Sein Kollege hatte sich die Fingerkuppe abgesägt, 6 Stunden haben sie gewartet und das Blut die ganze Zeit so – er macht eine Handbewegung Richtung Boden – „not good“. Oh. Mit dem Wissen das ich jetzt habe, würde ich sagen, da ist wirklich alles prima gelaufen, bei dieser Fuss-Sache de Liebsten. Für die Möglichkeit der Krankenversicherung für alle bin ich eh immer dankbar.

Am gleichen Tag begegnet mir die pflegende Freundin. Wir haben uns schon eine Weile nicht gesehen, und unterhalten uns kurz. Sie hatte sieben Tage Dienst am Stück und war sowas von fertig. Da ging nichts mehr. Vier Leute hätten sie sein sollen, in der Schicht, es ist jemand krank geworden, also haben sie es eben zu dritt gewuppt, es gibt niemanden mehr, den man anrufen könnte. Während Corona hatte sie die Hoffnung, dass sich was ändert. Danach sieht es nicht aus. Vielleicht fängt sie an, sich nach etwas anderem umzusehen. Das schwingt schon länger mit, wenn sie erzählt, aber laut gesagt hat sie es zum ersten mal.


Ich habe 100 Kilo Zucker gekauft, und weil ich schon mal im Großhandel war, noch 5 Kilo Spagetti dazu. Die Frau an der Kasse hatte ein großes Fragezeichen im Gesicht. Diese Kombination wird wohl nicht häufig genommen. „Bienenfutter und Teenager“ erkläre ich. „Ach, ja. Für Bienen. Sicher. Man nimmt den Honig raus – und dann brauchen die ja irgendwas – sicher. Da denkt man ja sonst nicht drüber nach, fressen die denn Zucker?“ Jo, tun sie.

Ich habe 50 Kilo Zucker zu Sirup gekocht und auf die Bienenvölker verteilt. Es lief etwas holprig. Der Liebste hat Garage und Scheune so organisiert – das ist für mich nicht intuitiv bedienbar. Ich musste alles suchen. Was ich fand, war zum Teil nicht einsatzbereit. Ich habe improvisiert und die nächste Runde wird schneller gehen.


Der Hund von „wo wir immer die Milch holen“ hatte einen Unfall. Vorsichtig erkundige mich, wie es ihm geht. Geht so, erfahre ich, drei Wochen muss er noch ruhig gehalten werden, richtig ruhig, das ist natürlich nicht sein Ding, aber muss, es war knapp. Tja, da könnte er sich mit dem Liebsten zusammentun, der muss auch noch drei Wochen ruhig gehalten werden. Wir kommen ins Gespräch.

Es wird neue Kühe geben demnächst, die Umstellung hat gerade angefangen, ob ich mal gucken will. Jo, gerne, ich mag Kühe. Die neuen Kühe sind eigentlich alte, also eine alte Rasse. Der Unterschied ist im direkten Vergleich leicht zu erkennen, die sind kleiner und haben Zitat: „stabilere Füsse und einen dickeren Arsch“, ( sehen aus wie die in den Ali Mitgusch Wimmelbüchern). Sie geben weniger Milch. Das macht aber nichts, weil sie länger leben und viel gesünder sind, unterm Strich lohnt sich das. Und so nebenbei wurden noch zwei Galloway-Rinder gekauft. Die sind noch robuster und sollen in der Landschaftspflege arbeiten, das ist jetzt neu, Flächen werden anders genutzt, wegen Wirtschaftlichkeit und Weltrettung. Das freut den Imker-Haushalt.


Der Liebste wird allmählich unruhig. Irgendwas will er auch tun. Egal was. Es muss doch irgendwas geben, von der samstäglichen Haus und Hof to-do-Liste, was man im Sitzen erledigen kann. Das Julikind bietet ihm an, ihre Hausaufgaben zu machen. Nee, nee, sagt er, das nun auch nicht. Tja, da bliebe noch das Sockenmemory und Taschentücher bügeln, sagen die Kinder. Jeder weiß, das der Liebste nix bügelt. Taschentücher bügeln ist hier sowieso Kinderarbeit.

Ich erledige verschiedene Draußen-Aufgaben. Als ich wieder rein komme liegt ein Stapel akkurat gefalteter Taschentücher auf dem Tisch. Ich gucke fragend. Der Knopf für die power-Dampffunktion des Bügeleisens habe geknackt, der darauf folgende Dampfstoss war gewaltig und ging durch das Bügelbrett durch, es sieht so aus, als sei die Taste möglicherweise defekt, jetzt, sagt der Liebste. Eine leichte Brandverletzung auf dem rechten Knie, hat er, natürlich nicht der Rede wert. Aber ungefährlich ist das nicht, bügeln im Sitzen, sagt er.

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