Ende März

Nach vier Tagen nicht funktionierendem Distanzunterricht rufe ich dann doch mal in der Schule an. „Oh“, sagt die Frau am Telefon, man wird mich gleich zurückrufen. Es meldet sich der Arbeitslehre-Lehrer, der jetzt auch IT-ler ist. Ich übergebe an das Maikind, sie kommen zu dem Schluss, dass das Endgerät des Maikindes nicht funktioniert. Das ist unwahrscheinlich, aber natürlich nicht unmöglich. Wir probieren also die drei anderen Endgeräte, jeweils an drei verschiedenen Orten, die als Arbeitsplatz in Frage kommen würden. Vielleicht liegt es ja doch am Wlan. Auf allen Endgeräten funktioniert an jedem Ort alles -außer Jitsi. Ich habe den Verdacht, dass das Endgerät nicht das Problem ist.

Ich schreibe eine mail an den Klassenlehrer. Entweder hat da jetzt seitens der Schule noch jemand eine Idee oder wir sind raus. Schöne Ferien.

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Das Maikind ist mental am Ende seiner Kräfte. Er hat am längsten durchgehalten von uns allen. Wir suchen gemeinsam nach dem Licht am Ende des Tunnels. Wir finden mehrere. Sehr kleine, schwache Lichter.

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Das Märzkind hatte Bauchschmerzen, nicht so schlimm, schlimmer, schlimm genug um Samstag morgen zum hausärztlichen Notdienst zu fahren. Der Liebste geht mit, ich kaufe so lange ein und warte dann. Der Liebste kommt allein raus, das Märzkind wird gerade OP fertig gemacht. Schluck. Ich fahre nach Hause und packe eine Tasche. Dann wieder hin um den Liebsten abzuholen. Die Tasche wird am Tresen abgegeben. Weil das Märzkind minderjährig ist, darf ein Elternteil trotz Besuchsverbot am Abend kurz rein. Ich hätte ja gedacht, da muss ich vorher einen Schnelltest machen, aber Zettel ausfüllen genügt. Ist mir ehrlich gesagt egal. Das Märzkind ist noch ziemlich beduselt, wirkt aber den Umständen entsprechend fröhlich. Sonntag fährt der Liebste hin, Montag morgen um elf können wir sie abholen, am Eingang. Die Pflegekraft am Telefon durfte keine Auskunft geben, einen Arzt haben wir nie erwischt. Ein ganz kleines bisschen habe ich den Verdacht, dass dieser Blinddarm ohne Situation vielleicht noch hätte drin bleiben können. Naja, irgendwas war ja, und nun isses eben so. Einen Moment wundere ich mich darüber, was mich alles nicht mehr aufregt.

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Im letzten Jahr haben wir unter dem Balkon gestanden und gewunken, am Geburtstag. Dieses Jahr gehen wir rein. Käthe sitzt im Sessel und hat einen Tisch mit Kerze vor sich. Neben dem Fernseher steht ein extra Tisch für die Blumensträuße und Kartengrüße, im Fernseh läuft Eiskunstlauf. Wir werden herzlich begrüßt, gratulieren mit Händeschütteln, sie erkundigt sich nach dem Märzkind. Der Liebste fragt, ob Käthe eigentlich schon geimpft wurde. „Ach was“, sie winkt ab, „das wird der Herrgott entscheiden, wenn es so sein soll.“ Ihre Töchter seufzen und zucken mit einer Schulter. „War denn der Bürgermeister schon da?“, frage ich, um mal das Thema zu wechseln. „Nee, der war nicht da, hat aber eben angerufen“, sagt Käthe. Ihre Tochter grinst. Käthe habe richtig geschäkert. „Der klang so frisch und freundlich, das war ein richtig nettes Gespräch“, sagt Käthe. Er habe sich entschuldigt, weil er habe ja letztes Jahr gesagt, er komme dann dieses Jahr zum gratulieren und jetzt ging das wieder nicht. „Ganz ehrlich“, Käthe grinst, „ich hatte vergessen, dass er das versprochen hatte“. Naja, sie sind jetzt so verblieben, dass er im Sommer, wenn sie im Garten sitzt mal winken kommt. 101 ist Käthe geworden. Leider wieder ohne Party.

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Brüderchen hat seine erste Impfung bekommen. Damit kenne ich jetzt mehr Leute, die gegen Corona geimpft wurden, als Leute, die daran gestorben sind. Das freut mich.

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Das Maikind und der Liebste schaufeln den Sandkasten leer. Den haben wir schon, solange wir hier wohnen. Er ist nicht mehr schön und wird auch eigentlich nicht mehr genutzt. Trotzdem, den zum Sperrmüll zu legen, das ist ein Meilenstein der Familiengeschichte.

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Der Liebste und ich öffnen den Neujahrswhiskey von Marianne, das haben wir uns diese Woche verdient. Der ist richtig gut. Anstoßen können wir nicht, wir nutzen aus Bequemlichkeit nur ein Glas, aber es ist doch wirklich schön, dass wir uns immernoch mögen, nach diesem verqueren Jahr, da sind wir uns einig. In diesem Sinne, Prost!

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