Anfang Januar

Nichts muss mehr vorbereitet werden, nichts großartig aufgeräumt werden. Die Zeit um den Jahrswechsel ist angenehm ruhig.

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Die Patentante möchte nicht reinkommen. Geschenkeübergabe auf Abstand, kurz unterhalten wir uns, sie entschuldigt sich, sie hat viel zu tun, offiziell. Keine Zeit zu haben kommt natürlich vor, ist aber in diesem Fall ungewöhnlich. Ich hatte dem Julikind erklärt, dass die Patentante wahrscheinlich Angst hat, uns anzustecken. Sie hat Kontakt zur Feuerwehr, zur Polizei, zu Altenheimen, das ist eben so. Im Moment ist es wieder schlimmer, mit Corona, da muss man ein bisschen aufpassen. Die beiden winken sich zum Abschied, Halloweenparty im Schwimmbad wird ausgemacht, allerspätestens. „Jetzt tut sie mir aber leid“, sagt das Julikind, als wir die Haustür schließen, „sie hat so traurig geguckt“.

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Ein Bedienungsfehler, vielleicht eine Fehlfunktion, sagt das Maikind. Leider hat die Drohne Teile der Deckenverkleidung geschreddert. Tja, zum Glück war er es selber.

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Mein Körper weiß anscheind nicht, dass heute Sylvester ist. Ab halb elf muss ich mich schwer darauf konzentrieren nicht einzuschlafen.

Das Maikind hat uns ein minecraft Feuerwerk zusammengebaut. Wow! Ich wußte gar nicht, dass es sowas gibt und bin ehrlich begeistert. Anschließend gehen wir in den Garten und verlassen illegalerweise kurz das Grundstück, um den Nachbarn ein frohes Neues zu wünschen. Es gibt hier und da Feuerwerk, nicht so wie sonst, aber dafür, dass garnichts verkauft worden ist, dieses Jahr, doch ziemlich viel. Die Kinder verballern eine Packung Jugendfeuerwerk. Wir sind alle erstaunt, wie viel Rauch ein kleiner Vulkan macht und wie laut das ganze Zeug ist. Gegen halb eins wird es wieder leise im Ort. Der Hund ist total entspannt. Aus asthmatischer Sicht folgt der beste Neujahrstag aller Zeiten. Feuerwerk kommt auch auf die Liste der Dinge, die ich nicht vermisse.

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Der Außendienstler kommt auf eine Tasse Kaffee vorbei. Gestern ist er zum ersten Mal mit seinem Freifahrtschein durch eine Straßensperre gefahren. Man habe ihn abwimmeln wollen, da hat er aber mal nachgefragt, ob man denn ernsthaft glaube, dass er hier an einem Sonntag in Dienstkleidung mit dem Dienstwagen in eine völlig überfüllte nicht präparierte Winterlandschaft ohne Toiletten und so wollen würde. Ach, habe der Kontrollposten gesagt, er würde ja garnicht glauben, was man so alles schon probiert habe.

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Alle Kinder sind vor Bildschirmen, da können der Liebste und ich mal zusammen Kaffee trinken. In der viertel Stunde, die wir so sitzen kommt eine Nachricht „sie hat ja gesagt“ mit Foto von Ring am Finger und kurz danach ein anderes Foto mit dem Untertitel „rest in peace“. Beide sind in unserem Alter.

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Wenn man aus der Liegestützposition das rechte Knie an den linken Ellbogen ziehen soll und da dann halten, einen Moment, dann fragt man sich in diesem Moment, wofür das eigentlich gut sein soll.

Ich glaube, das sind genau die Muskeln, die man benutzt, wenn sich der luftgefüllte Treckerreifenschlauch, in dem man sitzt, mehrfach gedreht hat, man die Entfernung zur schanzenähnlichen Kante des Abhangs beim besten Willen nicht mehr schätzen kann und man die Fahrt spontan lieber vor dem Stopp beenden möchte.

Ich rolle durch den Schnee, das Julikind sitzt immernoch auf dem Reifen und lacht sich kaputt. Das waren doch noch vier Meter, fast, ich habe überreagiert…

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Der shutdown wird nicht nur nicht aufgehoben werden, der wird sogar noch verschärft, verlängert sowieso, das ist keine Überraschung. Ab einer 200er Inzidenz ist angedacht, den Bewegungsradius der Bewohner des jeweiligen Landkreises auf 15km um den Wohnort einzuschränken. Da würde man dann ohne triftigen Grund nicht raus dürfen. Ausflüge und Einkauf gelten ausdrücklich nicht als triftiger Grund. Ähm, Moment. Kurzer check mit der Sportapp des Liebsten. Jo, das Städtchen ist im Radius. Die Krankengymnatikpraxis auch. Aber wir liegen sowieso unter 200. Man darf sogar wieder nach 21 Uhr raus, wenn man will. Es will aber anscheind niemand. Abends, bei der letzten winzigen Gassirunde bemerkt man keinen Unterschied, alles wie immer.

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Und was ist nun mit Schule? Schule ist nicht, den ganzen Januar nicht.

Obwohl, einige Bundesländer, niemand sagt welche, überlegen die Grundschulen bis zur sechsten Klasse wieder zu öffnen. Bei uns geht die Grundschule nur bis zur vierten Klasse, was heißt das für die Fünftklässerin? Ausgenommen von dieser Regelung sind voraussichtlich die Abschlussklassen. Ok. Daraus ergeben sich für mich folgende Informationen:

Das Julikind hat vielleicht Schule, nächste Woche, wahrscheinlich aber eher nicht. Das Märzkind hat vielleicht übernächste Woche Präsentationsprüfung, wenn die Termine nicht wieder verschoben werden müssen, das wird am Samstag vermutlich fest stehen. Für das Maikind gibt es keinen Plan, aber das mit Sicherheit.

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