Tag 39 und 40

Ein kurzer Blick auf den Kalender, ja, es waren tatsächlich nur zwei Tage.

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Hausaufgaben liefen beim Julikind gestern sehr zäh. Vor lauter Vorschul-kribbeln fühlt sie sich unvorbereitet, weiß nicht, womit anfangen, was ist am dringendsten, was wird abgefragt werden? GAR NICHTS! Sie glaubt nicht dran, kann sich auch keine Vorstellung vom Ablauf machen. Ich erkläre was ich weiß.

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Bei der Krankengymnastik stellen wir fest, dass selbstgenähte Masken auch nicht passen können. Die Pysiotherapeutin näht auch für die Verwandschaft, im Moment und kennt das. Wir fachsimpeln ein bisschen, sie kopiert uns ihren Schnitt.

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Das Märzkind installiert jede Menge Zeug. Heute morgen gab es eine Einweisung ins online Klassenzimmer. Montag morgen um neun geht das dann los. Ob das eine Verbesserung wird, werden wir sehen. Wir hatten immer erst um zehn angefangen.

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Die Mathelehrerin des Maikindes ruft an, um mal zu hören, wie es denn klappt. Es könnten jetzt bearbeitete Blätter abfotografiert oder hochgeladen werden, wenn Korrektur gewünscht ist. Lösungen seien in der Email, falls Eltern da lieber selbst… „Nein, nein, wenn Sie das machen wäre mir sehr geholfen.“ Mathe ist ein Selbstläufer in diesem Fall, siebte Klasse könnte ich zwar, aber wenn ich nicht muss… Selbstverständlich, deswegen meldet sie sich ja. Herzliche Grüsse ans Kind.

Das Kind strahlt. „Das sich mal jemand dafür interessiert, wie es bei uns so läuft, das ist aber schön“. Tatsächlich hänge er an einer Stelle, wenn er da was schicken soll, dann müssten wir mal. Nach zwei Minuten ist das Problem gelöst und ein frisch motivierter Schüler macht eben den Rest noch fertig.

Es war tatsächlich das erste mal, das sich jemand nach dem Verlauf erkundigt hat, in Woche vier des Hausaufgaben-Marathons. Das ist mir in dem ganzen Gewusel bisher nicht aufgefallen.

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Die Grundschulklassenlehrerin schickt Informationen zum Schulbeginn und eine aktualisierte Schulordnung. Mundschutz wird dringend empfohlen, ist aber keine Pflicht. Bitte unterschrieben am Montag mitgeben.

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Zeitgleich erreicht mich eine Nachricht im Elternchat, ob wir denn gehört hätten? Montag keine Schule für die Viertklässler.

Hä? Ich vermute einen Scherz. Aber anscheinend hat man schon gehört.

Es ist zwanzig vor eins, kurzentschlossen rufe ich im Sekretariat an und komme durch. Die Dame seufzt. Sie hat noch keine Infos, solange nichts offizielles ankommt, ist Schule.

Um eins ist man sich im Radio schon sicher, definitiv keine Grundschule. Irgendeine Vierklässlerin hat geklagt, weil es die totale Ungleichbehandlung von Grundschülern wäre, wenn die einen gehen müssen und die anderen nicht. Bäm! Ich find’s cool, weil ich in der komfortablen Lage bin, mir das leisten zu können. Wer am Montag mit vier Stunden Betreuung kalkuliert hat ist jetzt gekniffen.

Hin und wieder macht man sich Gedanken um die Hartz4 Kinder, dass es auch Grundschüler gibt, die seit Wochen nur von Akademikern umgeben sind, hatte ich nicht bedacht. Da kann der DFB nur hoffen, dass von den Blagen keiner Handballfan ist, oder Eishockey, oder Basketball.

Die Webseite der Schule bleibt dabei, Montag ist Unterricht für die Abschlussklassen und die vierten.

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Kochen, Wäsche aufhängen, essen

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Die erste Elterntaxifahrt zum Spass, seit Wochen. Das Märzkind trifft sich mit einer Freundin. Spazieren gehen. Große Freude.

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Wenn ich dann eh im Städtchen bin, kann ich auch einkaufen. Zum vorerst letzten Mal ohne Maske.

Ich wüßte nicht, das ich jemals ein Haar im Mund gehabt hätte, beim Einkaufen, vor Corona. Jetzt, wo ich mir auf keinen Fall ins Gesicht fassen will, schon das dritte mal.

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Während ich weg war haben die Kinder gesaugt und die Spülmaschine ausgeräumt. Jeder muss jetzt jeden Tag „was für die Allgemeinheit machen“. Das ist unterm Strich keine Zeitersparnis, weil ich dauernd irgendwas suche, was normalerweise einen Platz hat, und in guter Absicht aufgeräumt würde, aber ich plane da längerfristig.

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Wo sie einmal dran sind, tragen mir die Kinder noch den Einkauf rein. Ich räume und räume und räume, an verschiedene Orte im Haus.

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Die Kinder nehmen den Hund mit zum Opa, der will den Gartenschlauch in Betrieb nehmen. Ein Freizeit Highlight.

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Ich sehe einen Moment der Ruhe am Horizont, dann fällt mir auf, dass ich vergessen habe, das Maikind zum Konfirmandenunterricht anzumelden. Normalerweise hätte es da einen Elternabend gegeben. Drei Sätze auf einen AB gesprochen und fertig.

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De Omma ruft an, erzählt von ihren Gartenarbeiten und von ihrem Spaziergang. Dabei fällt mir ein, dass ich doch für heute eigentlich zum Streiken angemeldet war, Klima ist ja auch noch. Mist, da bin ich gar nicht zu gekommen.

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Die Vertretungplan app meldet eine neue Nachricht. Sieht auf den ersten Blick aus wie die alte Nachricht, nur zwei Sätze wurden aktualisiert. Am nächsten Montag findet Unterricht für die Abschlussklassen statt. Die vierten Klassen und alle anderen bleiben zu bitte zu Hause.

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Für 18 Kinder waren zwei Räume und fünf Lehrerinnen eingeplant. Den Rest können wir uns zusammenreimen.

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Märzkind im Städtchen abholen, Tisch decken, essen, aufräumen, Spätburgunder

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