Klimastreik

Wir sind ein Haushalt mit Hobbyimkerei. Da guckt man anders auf die Wiesen und Felder. Und man merkt, es gibt Probleme. Wenn Imker das Thema auf den Tisch bringen, sieht es schnell so aus, als gehe es um den eigenen Vorteil : keine Blüten, kein Honig, keine Euros, so die Vermutung. Das stimmt zum Teil. Aber leider haben die kleinen Krabbelviecher sonst keine Lobby. Sie sind nicht niedlich und meistens da, wo man sie nicht haben will. Dass man nicht mehr bei jedem Tanken die Scheinwerfer von kleinen Kadavern befreien muss, ist auch ganz angenehm. Wer vermisst die schon? Na gut, vielleicht die Vögel, oder die Fledermäuse, oder die Spinnen…

Das Maikind interessiert sich für Astronomie. Er ist zu der Erkenntnis gekommen: „So groß ist die Erde eigentlich gar nicht, und irgendwie hängt alles zusammen. Und das mit dem Auswandern auf einen anderen Planeten, das ist Quatsch. Ohne Erde würde das nicht funktionieren.“

Wir reisen also zur nächstgelegenen Klimademo, um unseren örtlichen Planeten zu unterstützen.

und wir malen sogar ein Schild

„Und jetzt?“, fragen mich die Kinder, als wir aus dem Zug aussteigen.

„Jetzt die Treppe hoch, dann sehen wir weiter“, antworte ich.

„Oh, wollten Sie bis zur Holländischen Straße?“ spricht uns ein älterer Herr an. “ Der Zug hat jetzt Pause, da ist alles gesperrt für die nächste halbe Stunde. Aber es gibt einen Bus, wenn Sie es eilig haben, das müsste die Linie…“

„Nee, wir sind wegen der Klimademo hier. Die geht am Bahnhof los, ich denke, die werden wir finden“, ich bedanke mich, das war nett, und gehe weiter. Der Mann geht mit uns. Wir haben ja die gleiche Richtung.

„Ach“, sagt er, „davon habe ich gehört“. Er guckt nachdenklich. Ich wappne mich für irgendeinen blöden Kommentar und werde überrascht.

Es sei ihm auch schon aufgefallen, mit dem Müll, sagt er. Dabei macht er eine Geste so über die Schienen hinweg. Früher war das nicht so viel und schön sei das nun wirklich nicht.

Er guckt wieder nachdenklich und als wir die Treppe schon halb oben sind sagt er „Wissen Sie, wenn man so alt ist wie ich, dann denkt man sich „was soll man da jetzt noch machen?““. Wir betreten die Bahnhofshalle. „Aber“ er sieht mich zum ersten Mal an, „Sie sind ja noch jung. Und die Kinder, die haben völlig recht.“

Auf dem Klavier, das da einfach so steht, spielen zwei junge Männer gerade etwas vierhändig. Es klingt toll hier in dem weiten Raum. Alle bleiben einen Moment stehen und lauschen einfach. Dann bemerkt der Mann das Meer aus Regenschirmen vor dem Bahnhofsgebäude und zeigt darauf. „Da haben Sie sie doch schon gefunden“ , und im Gehen sagt er zu den Kindern “ ihr macht das schon richtig, find ich gut. Und Ihnen auch viel Spaß“.

Fröhlich lächelnt verschwindet er im Drogeriemarkt. Ich glaube, für die Länge eines Klavierstücks hat er mit demonstriert. Dem Maikind ist das auch aufgefallen. “ Ich glaube, der denkt jetzt nach“, kommentiert er und guckt auch ganz fröhlich.

Es hat sich schon gelohnt. Und am Ende des Vormittags sind wir erstaunt, wie viele Leute da waren. Wenn jetzt jeder da anfängt, wo er ist, mit dem was er hat, dann kriegen wir das gewuppt.



Verschiedene leckere Sachen

Mein Wunschtraum vom Schulessen

Alle Kinder die nachmittags Unterricht haben nehmen sich einen Teller und bedienen sich am Buffet. Es gibt ganz normales essen, das vor Ort mit (vielleicht sogar mit regional verfügbaren) Lebensmitteln gekocht wurde. Eventuell zwei verschiedene Varianten zur Auswahl, dazu ein paar geschnittene Gemüse und Salatblätter die man mit Dressing überschütten kann, oder auch nicht. Eine Kantinenfachkraft steht in Rufweite bereit, um unauffällig die Portionsgrößenwahl zu beaufsichtigen, und bei Bedarf zu helfen ( Diabetes/Allergien usw.). So nebenbei könnte man da viel über soziales Miteinander und Ernährung lernen. Weil es so lecker wäre würden die Lehrer auch dort essen. Es könnten sich Gespräche ergeben, die sich für keinen wie Arbeit anfühlen. Ganz allgemein über Essgewohnheiten, über Lebensmittelmittelverschwendung und die Auswirkung, über religiöse Besonderheiten, über Berufe im Lebensmittelbereich. Das anschließende Tische abwischen könnte jeweils eine Klasse übernehmen, das wäre dann hauswirtschaftlicher Unterricht. Bezahlt würde das ganze vom Land, oder von der Stadt, oder von den Krankenkassen, oder vom Jobcenter, oder von allen ein bißchen. Es könnte ruhig auch einen Elternanteil geben. Denn schließlich sind doch alle dafür, dass regionale kleine Landwirtschaftsbetriebe überleben, dass es Jobs gibt, die auch Menschen mit Beeinträchtigungen erledigen können, dass Kinder gut essen und nicht immer dicker werden oder viel zu dünn sind, und daran, die Sache mit der globalen Erwärmung nicht zu beschleunigen.

Das würde mehr kosten, als 3,50 Euro pro Teller. Obwohl, wenn man da mal alles gegeneinander aufrechnet vielleicht auch nicht. Oder zumindest könnte es das wert sein.

Meine Hoffnung

Seien wir realistisch, dass Essen muss in portionierten Einheiten vorbestellt werden. Die Kantinenfrau muss morgens wissen, wieviel sie aus dem Froster holen muss, sie ist meist alleine. Aber wieso kann ich das nicht von zu Hause aus? Die Menüauswahl besteht sowieso nur aus „take it or leave it“ alternativ werden immer Schnitzelbrötchen angeboten. Eine Art Kadermanager für Schnitzelbrötchen muss doch technisch machbar sein. Mit der Übermittlung von derart sensiblen Daten würde ich mich natürlich ausdrücklich einverstanden erklären. Das Geld könnte ich auf eine prepaid-Karte laden, die die Kantinenfrau scannt. So eine Karte haben wir im Schwimmbad auch, da funktioniert es. Vielleicht wäre es sogar möglich, diese Karte online mit Geld aufzuladen. Das ist aber nur so eine verrückte Idee.

Und so isses

Dieser Zettel wird mir am Montag, den 21. überreicht. Er war also nicht am Freitag im Briefkasten der Grundschule. Es wird dem zu Folge am Donnerstag kein Pizzastück geben. Das ist natürlich meine Schuld, denn ich weiß ja wohl, dass es jede Woche so einen Essenszettel gibt und hätte da ruhig mal nach fragen können. Jetzt kann man nur hoffen, dass Lia und Marie ihre Portion wieder nicht schaffen und dem Julikind den Rest überlassen. Und die Brotdose am Donnerstag möge bitte sehr voll sein, mit sehr leckeren Sachen, verschiedenen leckeren Sachen, nicht nur Brot.

Ich verstehe den Unmut. Leider, ich habe das überprüft, hat die kleine Pizzeria im Ort mittags noch zu. Sonst hätte ich ihr was liefern lassen. Die nehmen Bestellungen nämlich für den gleichen Tag entgegen.


vielleicht gruselig

Drei Grundschüler spielen seit einer Stunde verstecken im ganzen Haus. Es sind nette Kinder, keine Chaoten, aber sie sind gefühlt überall. Nun überlegen sie, mal rauszugehen. Gute Idee! Nur wohin, bei dem Nieselmatschwetter. Bolzplatz macht da keinen Spaß, die Grillhütte wäre eine Idee. Oder – sie könne auch das neue Geheimversteck zeigen, sagt das Julikind.  Man muss allerdings ein Stück Richtung Wald laufen und im Wald wirds schneller dunkel. Manchen ist das zu gruselig. Sie guckt fragend in die Runde.

Der Freund macht einen robusten Eindruck, jemand der keine speziellen Klamotten zum draußen spielen braucht. Er winkt ab, ein bißchen Dunkelheit am Waldrand macht ihm nichts aus. Die Freundin ist zierlich und erinnert vom Typ her an Prinzessin Jasmin aus Aladin. Sie ist schon dabei ihre Schuhe anzuziehen, als sie bemerkt, dass die anderen beiden auf ihre Antwort warten. Offensichtlich versteht sie die Frage, aber nicht das Problem. „Ich hab schon da gespielt, wo Krieg ist“, sagt sie ganz locker. Ach so, stimmt ja.

Drei Grundschüler verlassen das Haus um am Waldrand zu spielen. Ich bin mir zu 99,9% sicher, dass alle drei in einer Stunde wieder unversehrt hier vor der Tür stehen. Bis vor 30 Sekunden erschien mir das selbstverständlich. Jetzt muss ich kurz schlucken, denn das war kein vorpubertärer Spruch. In Syrien ist das gerade anders. Nur, im Fernseh kommt mir das irgendwie nicht so nah.