vor Ostern 2024

So groß ist das Internet eigentlich garnicht. Maikind muss eine Präsentation schreiben zu einem Thema, das recht speziell zu sein scheint. Fachlich kann ich leider nicht helfen. Aber, ich hätte ein paar 90er Jahre Problemlösungsstrategien auf Lager und mache Vorschläge, alle unpraktisch und zeitaufwendig.

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Es dauert eine Weile bis uns klar wird, was hier eigentlich das Problem ist, aber dann ist die Lösung ist einfach. Ich erkläre Julikind den Aufbau einer Tageszeitung in Papierform anhand eines Beispiels, das sie aus dem Großelternhaushalt besorgt hat. Artikel, Reportagen, Meldungen, Anzeigen… „Aha, ah, achso“, sagt das Kind in wissenschaftlich interessiertem Tonfall, „und wozu?“, möchte sie wissen. „Wozu was?“, frage ich. „wozu braucht man das?“ ich gucke fragend, sie deutet auf die Zeitung, „zur Information“, sage ich, „Hääää?“ fragt sie, in dem Tonfall, der das gesamte Universum in Frage stellt. „war früher so“, erkläre ich, aber warum das Teil ihrer Deutscharbeit sein wird bleibt ein Rätsel. „Die tun immer so als müssten wir nach dem Schulabschluss im 20. Jahrhundert leben“, sagt Julikind und verlässt kopfschüttelnd den Raum.

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Tja, äh, Jahrgang 1982, ich hab vom letzten Jahrhundert fast genausoviel mitbekommen wie von diesem. Bei Fragen zu alten Kulturtechniken – einfach melden. Manchmal siehste sie nicht kommen, die Alterungsmomente.

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Märzkind läd Großeltern zum Geburtstags-Grillen. Alle freuen sich und kommen gerne. Herrliches Frühlingswetter haben wir an diesem Tag, genau wie bestellt. Feiern ist allerdings nicht mehr so einfach mit den Ur-Omas. Man wird das Konzept anpassen müssen, irgendwie, demnächst.

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Auf diesem Parkplatz hab ich so einiges an Wartezeit verbracht in den letzten Jahren. Ich kenne diesen Ausblick mit Schneegestöber, Vogel zwitschern, bei flirrender Hitze und mit bunten Blättern im Sturm. Kurz mal in mich reingehorcht ob mir das Fehlen wird? Nein, wenn ich ehrlich bin, eher nicht. „Meine“ letzte Konfirmandenstunde.

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Einen richtig schönen Vorstellungsgottesdienst haben sie vorbereitet. Sind alle gewachsen in dem einen Jahr. Aus Kindern werden Leute, sagt die Oma immer, recht hat sie.

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„und du so?“, fragt Märzkind. „ganz üble Aufschieberitis wegen Konfirmationseinladungen, gerade“, gebe ich zu. Julikind hat endlich eine Entscheidung getroffen, es ist auch alles da, in Einzelteilen, man müsste unbedingt, aber ach… Oh, da könnte sie aber sehr gerne bei helfen, weil sie hat ihrerseits gerade ganz üble Aufschieberitis wegen Lernen für Klausur. Das passt ja, zu zweit geht es schneller und ist sogar irgendwie gemütlich, tiefschürfende Gespräche bei stumpfsinniger Tätigkeit.

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Riecht es hier…..? Ja eindeutig. Handlung erforderlich. Auf halber Treppe nach oben fällt mir auf, dass es wohl sinnig gewesen wäre den kleinen Feuerlöscher, der für solche Momente neben der Kellertreppe steht gleich mitzunehmen. Ich öffne Zimmertüren zwecks sensorischer Überprüfung. Nichts. Das kann nicht sein. Ich drehe eine zweite Runde, langsamer und aufmerksamer, aber da ist nichts. Merkwürdig. Drei Tage später stelle ich fest, das der Föhn nur noch kalt föhnt, egal welche Einstellung man wählt. Ich erkundige mich, ob das sonst noch jemandem aufgefallen ist. Nee, aber das da vielleicht was nicht mit stimmt, habe man sich neulich schon gedacht, als da vorne Funken rauskamen. Aha.

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Boar, wieso riecht das hier so….? Handlung erforderlich, man kann sich denken wo, aber nein, beide Toiletten spülen ganz normal ab. Merkwürdig. Es dauert einen Moment, dann gluckert es in der Badewanne. Wurks. Ich nehme sämtliche Kleidung die da über den Badewannenrand hing, trage sie am ausgestreckten Arm Richtung Waschmaschine und starte eine Ladung völlig unsortierter Wäsche, führe dann einfache Klempnertätigkeiten aus und habe das Bad schon fast fertig geputzt, bevor noch jemandem auffällt, dass es hier irgendwie so riecht, als müsste man mal gucken…

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Beginn der Osterferien. Endlich. Schon. Oder so, kein richtiges Zeitgefühl, dieses Jahr.

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Ein verwunderter Blick aus dem Fenster: Es schneit. Vorgestern haben wir im T-Shirt draußen gesessen, ich habe die dicksten Winterjacken auf den Dachboden getragen und Allergietabletten bereit gelegt. Heute drei Grad und dicke weiße Flocken, nicht nur ein Schauer, es schneit.

Novemberhusten, KW44-46

Es gab einen Plan für diesen Umzug. Der wurde geändert. Das kam überraschend aber, wenn man ehrlich ist, es hätte kaum besser laufen können. Mittags um eins sitzen Menschen aus vier verschiedenen Haushalten um einen Tisch in der besten Dönerbude des Städtchens. Alle ein bisschen erledigt, vonne Psyche her. Vielleicht wird jetzt alles viel leichter.

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Dieser Umzugs-Einsatz ging schneller als gedacht und wenn wir sowieso schon hier parken, könnten wir doch gerade noch in den Baumarkt, wegen Duschkabine, sagt der Liebste. Nun denn. Duschkabinen kosten etwa soviel mein letztes Auto, das macht mich nachdenklich. „Man fragt sich, wie lange wir noch wohnen…“, murmelt der Liebste im Vorbeigehen. Somit sind wir uns einig. Das Sortiment bietet für unsere baulichen Gegebenheiten zwei Modelle zur Auswahl, drei Stellen vor dem Komma auf dem Preisschild sind völlig ausreichend.

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Für durch Starrsinnigkeit teilweise selbst verschuldetet kleinere Senioren-Unfälle gilt die gleiche Regel wie für den Fight Club. Schweigen wir also.

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Zwei Tage lang ist es windig. Die Wetterapps sagen sogar stürmisch. Auf der Hunderunde bleiben wir einen Moment stehen um das Naturschauspiel zu würdigen. Über der Wiese vorm Wald wehen bunte Blätter. Schön sieht das aus, wie ein Bildschirmschoner, wenn man Instagramm hätte könnte man jetzt aber mal so richtig. So, goldener Oktober abgeräumt und weggefegt. Willkommen November.

Nebel so dicht, dass man nicht sicher sagen kann, ob es nicht vielleicht doch ein leichter Nieselregen ist. Vom Fenster aus kann man die andere Straßenseite sehen, dahinter scheint Weltende zu sein. Dazu ist es kalt. Eklig kalt. Glühwein also und meinetwegen, weil ich hatte ja gesagt, wir machen das mit den Jahreszeiten jetzt so, wie es kommt, ein Weihnachtsfilm. Märzkind, der Liebste und ich verbringen den Abend mit Familie Griswold.

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Maikind bemängelt etwas an der Dachboden-Verteilerdose. Soll er halt einen Einkaufzettel schreiben, sagt der Liebste. An einem Samstag nachmittag verschwinden die Herren. Man hört das sanfte Getrappel von Sicherheitsschuhen auf dem Dachboden, untermalt von gemurmelten Halbsätzen, schließlich schallt ein „unjez?“ vom Sicherungskasten aus durchs Haus und dann soll ich mal gucken kommen. Wow! Die Dachbodentreppe ist beleuchtet. Ein gamechanger, ich hatte keine Ahnung, dass sowas möglich ist und finde es toll. Die Herren freuen sich über Lob und Anerkennung, dachten aber anscheind, ich spreche von der neuen Verkabelung, stelle ich fest, als sie auf dem Rückweg beiläufig erwähnen, dass es so übrigens auch möglich gewesen sei, ein weiteres Licht über der Treppe zu installieren.

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Kann das noch Erkältung sein, oder wurde hier die nächste Runde eingeläutet? Übelster Männerschnupfen bei Maikind, bei mir, beim Julikind. Immer der Reihe nach. Alle Tests negativ, aber schön ist das auch nicht.

Die Schule informiert uns über eine erneute Häufung der Coronainfektionen. Die Klassenlehrerin des Julikinds fügt dem Schreiben die Bitte an, positiv getestete Kinder, wenn möglich nicht in die Schule zu schicken. Ich würde da gerne mit einem Herzchen oder einem Applaus smiley reagieren, aber das geht bei Elternbriefen ja nicht.

Hömma, was ist eigentlich los?

Der Liebste wirft einen Stapel Zettel in die Tischmitte. Zufällig sitzen gerade noch zwei Kinder mit am Tisch, die können eigentlich mal selber… ich verteile Kullis und erkläre wer da was wohin schreiben soll. Es dauert fast fünf Minuten, bis diese Aktion jemandem komisch vor kommt „was machen wir hier eigentlich?“, möchte Julikind wissen. „Steuererklärung“, sage ich. „Ach was. So sieht eine Steuerklärung aus?“, Märzkind ist ehrlich interessiert. Sie habe gedacht, man würde das digital… das war ja garnicht so kompliziert und ging auch schneller, als sie gedacht hätte. Tja also, verheirateter Alleinverdienerhaushalt mit minderjährigen Kindern ist der einfachste Fall. Die Zettel auszufüllen dauert eine halbe Stunde. Ehrlicherweise sollte man aber die dreieinhalb Stunden Lebenszeit mit einrechnen, die ich versucht habe, in das ELSTER-Programm reinzukommen, bevor ich die Möglichkeit in Betracht zog, das das vielleicht garnicht an mir liegt.

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Für mich ist eine neue digitale Versicherungskarte in der Post. Der chip müsste noch aktiviert werden, das geht angeblich ganz einfach und dauert nur wenige Minuten und die alte Versichertenkarte ist dann übrigens ab sofort ungültig, steht in beiliegedem Schreiben. Aha. Nach einer viertel Stunde wird mir klar, dass die Aktivierung unmöglich ist, weil mein Perso anscheind nicht über die dafür notwendige Funktion verfügt. Ich könnte jetzt auf die Stadt fahren, um das ändern zu lassen, oder alternativ einen Termin bei der Krankenkasse machen, damit jemand meinen Ausweis mit den Augen anguckt und feststellt, dass ich ich bin und das auf der Krankenkarte speichert. Tja, blöd, dass ich das nicht habe kommen sehen… Anruf in der Hausarztpraxis, weil, ich würde das bestellte Rezept wahrscheinlich brauchen, bevor diese Karte voll funktionsfähig ist. Überhaupt! kein! Problem!, sagt die Dame am Telefon, mit dem E-Rezept fangen sie an, wenn das Pflicht wird, keinen Tag eher. Niemand hat Lust auf eine Übergangszeit voller halbdigitalem Gewurschtel.

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Letzte Ferienwoche, spontan gäbe es die Möglichkeit, ein paar Tage weg zu fahren, für uns Mädels. Wir planen was. Direkt buchen geht leider nicht, ich schicke eine Anfrage. An nachmittag des nächten Tages bekomme ich eine mail, auf der ganz oben, noch vor der Anrede in fetter roter Schrift steht, dass es sich dabei nicht um eine Buchungsbestätigung handelt, man teile nur mit, das die Anfrage eingegangen sei. Spaßeshalber gibt der Liebste mal unsere Wunschdaten in seine Buchungsapp ein. Wenn man bereit ist, zu dritt ein Zimmer zu teilen und auf Fussballplatz und Kickerraum verzichten kann, gibt es Angebote die günstiger sind, als der Preis, den die Jugendherberge aufruft. Deutlich günstiger, trotz bezogener Betten und Fernseher und W-Lan im Zimmer, ich bin ehrlich überrascht. Dann implodieren zwei Dienstpläne. Gut, dass nichts gebucht ist. Drei Tage später, abends um halb neun klingelt das Telefon. Eine freundliche junge Frau von der Rezeption erkundigt sich, ob wir später anreisen. Hä? Es dauert einen Moment, bis ich verstehe, was sie meint. Nein, wir reisen garnicht an, unsere Anfrage wurde nicht beantwortet. Die Frau murmelt *Tastaturklappergeräusch*, richtig, die Bestätigung sei garnicht rausgegangen, das könne sie sehen, das ist ja jetzt schade, ob wir denn trotzdem noch kommen wollen? Nein, die Pläne haben sich geändert, aber danke der Nachfrage. Sie entschuldigt sich, vielleicht ja beim nächsten Mal, man würde sich freuen… Um 20.39 Uhr erhalte ich eine email. Schade, dass sich unsere Reisepläne geändert haben, der Aufenthalt wurde kostenlos storniert. Das eine nicht gebuchte Reise kostenlos stornierbar ist, entspricht meinen Erwartungen.

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Im Juni hatte ich mit dem NVV telefoniert, wegen Kündigungsfrist für das Schüler-Hessenticket und erfahren: es werden Schreiben verschickt, im August, wenn man darauf nicht reagiert, wird das Ticket automatisch gekündigt, in dem Jahr, indem das Kind 18 wird. Ich muss also garnichts tun. Service der begeistert. Mitte September kündigt der NVV an, demnächst den Betrag für das Jahresticket abbuchen zu wollen. Ich telefoniere. Die Schreiben seien leider nicht rausgegangen, Chaos wegen Deutschlandticket. Verstehe. Mein Problem liegt allerdings nicht darin, dass ich das Schreiben, auf das ich nicht hätte reagieren sollen nicht bekommen habe. „Ah, so, bei Ihnen ist Geld abgebucht worden für ein Ticket das gekündigt werden sollte?“ kombiniert der Servicemitarbeiter. Ganz genau. Dann *Tastaturklappergeräusch* kündigt er das jetzt rückwirkend und das Geld wird mir zeitnah zurückerstattet werden. Damit wäre mein Problem gelöst, ich bedanke mich, der Mitarbeiter wirkt leicht verwirrt, wahrscheinlich sieht das Protokoll noch mehrere Minuten Genörgel vor. Drei Tage später bekommt Märzkind ein Schreiben indem mitgeteilt wird, das das Abo gekündigt ist und sie demnächst eine Rückzahlung von 31 Euro erhalten wird. Missverständnis. Wir hätten tatsächlich gerne die ganzen 365 Euro zurück. Diesmal hängt sich der Liebste in die Warteschleife.

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Während einer Wartezeit ploppt eine Videoempfehlung für mich auf. Mal sehen was youtube denkt, was mich interessieren könnte. Och guck. Meine Cousine im Fernseh. Der Kinderarzt, der ihre Tochter noch vor wenigen Wochen als Patientin aufgenommen hat, ist verschwunden. Praxisaufgabe. Funfact: Alle Kinderärzte im Umkreis von 30km sind voll. Sie hofft sehr, dass der Kinderarzt im Nachbarstädtchen, 40 Autominuten entfernt, noch was frei hat. Die Anfrage läuft.

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Neun Jahre am Stück war ich (als hinbringende/abholende Mami) im kleinen örtlichen Kindergarten, während der ganzen Zeit gab es ein festes Team aus zwei Erzieherinnen und einer Reinigungskraft, die den Laden geschmissen haben plus wechselnde Teilzeitkräften und Praktikanten. Die Atmosphäre war wertschätzend und freundlich. Eine der Erzieherinnen ist letzten Sommer in Rente gegangen, die verbliebenen drei haben gekündigt. Dorftratsch. Man fragt sich verschiedenes. Funfact: Die drei nächstliegenden Kindergärten der Nachbardörfer sind alle voll. Was für ein Glück, dass unsere groß sind.

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Märzkind sitzt bei mir am Esstisch, müde. Sie hat seit dem sehr frühen Sonntag morgen ein kaputtes Knie begleitet. In die Notaufnahme, zum Anästhesistengespräch, zum OP-Termin und nach Wartezeit zurück aufs heimische Sofa. Wiedervorlage morgen früh, weil es sich bei diesem „Notfall-OP-Termin“ um einen „OP-Termin auf Warteliste“ handelte, was bedeutet, man bekommt zwar innerhalb von drei Tagen einen OP-Termin, der wird aber abgesagt, falls ein echter Notfall dazwischen kommt, was dann um halb zehn eben der Fall war. Natürlich hat man Verständnis. Es waren auch alle die ganze Zeit über nett. Aber hätte einem das vorher jemand gesagt, man wäre mit einer anderen Haltung in diesen Tag gestartet.

Anfang Juli, KW 27/28 2023

Altstadt- und Kulturfest, drei Tage lang Konzerte und Aufführungen verschiedenster Vereine, ich staune, für was ich mich alles nicht interessiere. Julikind und ich gucken die Chearleader und die Aufführung einer Tanzschule an, stellen fest, dass sie sich sonst auch nicht interessiert, kaufen eine Tüte gebrannte Mandeln und fahren wieder nach Hause.

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Der Hund, der da scheinbar so friedlich liegt, ist in Wahrheit genervt von vorbeifliegenden Insekten, ich sehe es ihm an. Genug ist genug, er schnappt in die Luft, guckt einen Moment komisch und jault. Ich serviere einen Eiswürfel und ein „ich hatte doch gesagt…“

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Zwei komplette Vormittage damit verbracht einen neuen airbnb-Eintrag zu erstellen, alles viel aufwändiger als „damals“. Wenige Minuten nach Freischaltung fällt mir wieder ein, wieso ich den gelöscht hatte. Meine Frustrationstoleranz ist nicht mehr algorythmuskompatibel, fürchte ich.

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Geburtstag gefeiert mit einem langen Spaziergang durch den Nationalpark, Mittagessen in Premium-Imbissbude und Abendessen in gemütlicher Runde. Es wurden tatsächlich mehrere Flaschen Wein getrunken, man kann schon fast von Party sprechen. Glückwünsche kamen aus allen Richtungen, hab mich sehr gefreut.

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Zwei offizielle Schulentlassungs-Feiern haben wir besucht. Eine fröhliche, mit an Herzlichkeit grenzendem Respekt voreinander, aufgeregten aber professionell wirkenden Reden, schöner Musik und funktionierender Veranstaltungstechnik in einem ausreichend großen Raum und eine wird uns als ganz nett in Erinnerung bleiben.

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Ein warmer Sommerabend, wie gemacht für eine Abschlussfeier. Als wir um halb zehn ankommen ist vor der Halle richtig was los. „Ach, ihr seid ja doch da…“ „Sicher, hatte halt nur niemand Lust auf dieses Essen…deswegen“ „gute Entscheidung“.

Eigentlich sind es dann doch zwei Partys geworden. Die „Palette Dosenbier auf`m Sportplatz und Musik organisieren die Blagen selber“-Fraktion steht draußen vor der Halle, die „festlich dekorierter Ballsaal mit DJ und Fotobox“-Leute feiern drin. Kurz vor zwei bin ich müde, so leid es mir tut. „Gut“, sagt die Freundin, dann können sie ja auch gehen. „Ähhh“, sage ich. „Nee, nee“, sie hatten sich geschworen, nicht die ersten zu sein, die zum Aufbruch rufen, aber, wenn wir jetzt…

Wir fünf, alle zusammen im Auto nach Hause, wer hätte das gedacht? Niemand.

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Bei Hitzewarnung bekommen Paketboten ein Trinkgeld und eine Flasche Wasser. Außer, sie sprinten zum Auto, knallen die Tür zu und fahren filmreif vom Hof, wenn man „hallo“ hinter ihnen herruft, dann nicht.

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In der Klasse des Julikinds werden spontan noch zwei Lernstandserhebungen geschrieben. In Mathe wird ein Schnitt von vier komma eins erreicht und in Deutsch liegt er bei vier komma drei. Somit stellen wir fest, dass in diesem Schuljahr ausreichend Unterricht stattgefunden hat, oder was?

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Da kommt eine Wurzel hoch, direkt vor dem Hauseingang. Irgendwer wird sich da eher früher als später richtig auf die Schnauze legen, das geht so nicht mehr. Kein Problem, sagt der Steinmetz und bringt Werkzeug mit. Das Haus beginnt zu beben, ich geh dann mal mit dem Hund. Als ich zurück komme ist es verdächtig still. Der Liebste und der Steinmetz halten jeder eine Flasche Bier in der Hand und gucken schweigend in das entstandene Loch. Oh,oh. Die Baustelle sei größer geworden als gedacht, sagen sie, und der Aushub bestehe auch nicht aus dem Material, dass man erwartet hatte. Verfüllungs- und Entsorgungskosten haben sich verändert, es gäbe Möglichkeiten, ich soll mal sagen. Ganz einfach, wenn der Betrag dreistellig bleibt, würde es mir ehrlich gesagt nichts ausmachen, wenn es ein bisschen scheiße aussieht. Tatsächlich ist die Notlösung vielleicht sogar die bessere.

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Einen Immatrikulationsprozess begleitet. Also, ich hab daneben gesessen, Kaffee getrunken und regelmäßig bestätigt, dass das alles akademisch verschwurbelter Kackmist ist. Man tut, was man kann.

Maikind zur Einkleidung an Tor eins gebracht und Berufsstarts-Bürokratie erledigt. Gleiche Gefühlslage wie bei der Kindergarten-Eingewöhnung.

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Honig geschleudert und im Anschluss mit dem Liebsten ein Bier getrunken, abends um halb zwölf auf der Treppe. Wir sind beide ziemlich kaputt, aber, dieses kleine Zeitfenster zwischen zwei Hitzephasen hat zum Schichtsystem gepasst, das war gut. Jetzt bin ich gespannt, wie dieser Honig im Glas aussehen wird. Von „sieht aus Rapsöl“ bis „Samma, gibts eigentlich schon Waldhonig?“ war alles dabei.

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Boar, ich bin gut. Die Windböe kam überraschend, aber, einfach so, ohne drüber nachzudenken hab ich, während ich noch dabei war, mir das T-Shirt über den Kopf zu ziehen, die davon wehende äh, Wäsche mit den Zehen gefangen, voll der krasse move. Es wäre mir allerdings recht, wenn das keiner gesehen hätte. Ein schneller rundum Blick, Glück gehabt. Sonntag morgen um acht bin ich die einzige im Strandbad. Der Wind ist frisch aber das Wasser ist herrlich. Ich will später mal Frühschwimmer-Omi werden, glaub ich.

Honig und Eichhörnchen, KW 24/2023

Schönstes Sommerwetter. Ich sitze allein im Garten, die anderen bevorzugen bei dieser „scheiß Hitze schon wieder“ abgedunkelte Innenräume. Nach einer Weile geht die Tür auf, wir hätten Besuch, falls ich reinkommen wollen würde… aber da kommt der Besuch schon in den Garten. Sie sind zu Fuss gekommen, aus dem Nachbarort und „Der Eselspfad ist garnicht frei geschnitten“, sagt er und und deutet vorwurfsvoll auf seine Waden. Kratzspuren von Beerengesträuch und Brennessel. „oh ha, tja“, ich zucke mit den Schultern, mache ein Furzgeräusch, ortsunkundige laufen eher den Premiumweg, vielleicht deswegen…

Trotz Wärme trinken wir Kaffee, lange nicht gesehen, und es gibt was zu erzählen. Eine Episode Dorftratsch vom allerfeinsten aus erster Hand, hätte man so nicht für möglich gehalten. Frau mit bestem Kumpel….alleine geht das mit dem Haus ja nicht… wobei, wenn man nachrechnet, für das zweite Kind wird er vielleicht keinen Unterhalt zahlenm müssen…da fängste bei Null wieder an… man kann ihm nur wünschen, dass es eine schwarze Null wird, wenigstens das.

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„Vielleicht könnten wir es ja morgen ausfallen lassen?“, schlägt Julikind vor. Ich bin dafür. Zum nächstgelegenen Gottesdienst würde man 20 Minuten fahren, zurück natürlich auch. Ich habe mein Konfirmandenmutter-Engagement glaube ich während der Coronazeit ziemlich verbraucht.

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Der Hund hat was. Heute nachmittag ging es ihm noch gut. Jetzt nicht mehr, es wirkt bedrohlich. Das hab ich so noch nicht erlebt. Wir rekonstruieren den Tag, wer war wann wo mit ihm und hat er vielleicht irgendwas gefressen? Ich google Symthome und Tiernotdienst und entscheide kurz vor Mitternacht, dass es keine Vergiftung ist. Die Kinder, die sowieso noch länger wach sein werden übernehmen den Patienten. Am nächsten Morgen wird klar – der Hund hat die Wärme nicht vertragen. Der Liebste kauft eine Kühlmatte. Der Hund mag sie nicht. Drei Menschen diskutieren, wer die Kühlmatte nutzen dürfte, sollte der Hund sie wirklich nicht wollen.

Hundenrunden werden auf Hochsommerbetrieb umgestellt. Morgens um halb acht ist anscheind Kinderstunde im Wald, ein Fuchswelpe, Kitze, zwei kleine Eichhörnchen spielen auf dem Weg „aaaawwww wie süüüß- guck ma!“, sage ich. Den Hund interessiert es nicht, aber das ist ja eigentlich gut so.

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Märzkind fährt auf Klassenfahrt und ich sie deswegen zur Schule. Anhalten am Treffpunkt, Kind steigt aus, wuchtet die Tasche aus dem Kofferraum, gibt mir ein angedeutetes Wangenküsschen, sagt „schüssi dann“, rollkoffert los und verschmilzt nach wenigen Sekunden mit der Gruppe junger Menschen in Jogginghosen. Ist noch garnicht so lange her, da musste ich aber auf jeden Fall winken, bis der Bus um die Kurve gefahren ist. Große Kinder zu haben ist doch auch schön.

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Honig geerntet, ganz normal – kiloschwere Waben in die Schleuder rein, Mittelwand-schwere Waben wieder raus, so soll das, so macht das Spaß, war auch mal nötig, nach den letzen Jahren. Die Menge ist erfreulich, also, in der Annahme, dass da nochwas kommt, im Sommer, aber bis hierhin, kann man nicht jammern.

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In der Mottowoche gehen die Abschlussklassen traditionell tagesaktuell kostümiert zur Schule. Mittwoch wäre Thema Zeitreise. Maikind hat als Ziel seiner Zeitreise das Jahr 2020 gewählt und plant, an diesem Tag zu Hause zu bleiben, ob ich ihm wohl eine Entschuldigung schreiben würden, sollte man das fälschlicherweise als schwänzen auslegen? Ja, würde ich tatsächlich, weise allerdings darauf hin, dass die fröhlichen PartyPeople möglicherweise Wege finden werden, die Spaßbremsen zu integrieren…Er denkt nach und geht dann doch hin. Als sie sich auf den Weg machen fragt Julikind welches Motto denn heute? Zeitreise. Ob er denn kein outfit habe? Doch sicher. Das von gestern. Julikind seufzt.

Alltag, sommerlich KW 22/2023

Wieviel Regelmäßigkeit in einem Vierschicht-System steckt, fällt einem auch erst auf, wenn es zum Fünfschicht-System wird. Das kann sich ganz schnell wieder ändern, in jede Richtung, aber für den Moment, ist es gut. Der Liebste hat Freizeit im Sinne von freie Zeit, in der er wach ist, in einem vorher bekannten Zeitraum. Das schafft Möglichkeiten.

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Ich wollte nur was auf den Dachboden bringen – Saisonwechsel – aber, kurz drüber nachgedacht, ja, es könnte sein, dass der Moment gekommen ist. Ich nehme einen Karton und zwei Einkaufstaschen voller Kabelsalat mit nach unten und kippe alles auf dem Esstisch aus. „Ach du scheiße, wo kommt das denn alles her?“, möchte Maikind wissen. Dachboden, was davon kann denn weg? Ich sehe nur meterweise Chaos, aber die Herren haben Spaß. Eine Stunde später ist ein kleiner Karton voll mit, Schrott darf man nicht sagen, weil funktionieren tut das schon noch, sagt Maikind, es kann sich nur niemand mehr erinnern zu welchen Geräten es gehört, elektronischem Zubehör also, `which has outlived it`s usefullness`. Sämtliche Steckdosen im Esszimmer sind belegt. Im weiteren Tagesverlauf finden wir Fotos, Musik, digitale Bücher…

So ein Fotoapparat ist eigentlich eine richtig gute Idee, aufm Handy guckt man ja immer Sachen, so macht man ein Bild und ist fertig, vielleicht nimmt er einen mit auf Klasenfahrt, sagt Maikind. Maikind ist im gleichen Jahr auf die Welt gekommen wie smartphones.

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Ein sonniger Sonntag mittag am Gartentisch. Wir unterhalten uns nett über das Wetter, die Grünflächen- Pflege und plötzlich hat der Gast eine Frage: Wann will ich denn eigentlich mal wieder was arbeiten? „Hä?“, sagt das mit am Tisch sitzende Kind, „die arbeitet doch den ganzen Tag.“ „Ja, nee, klar“, sagt der Gast, das meinte er nicht. Ich ahne was kommt. „richtige Arbeit, meine ich“. Autsch. „Tja, die Kinder gehen ja demnächst arbeiten, da war mein Plan ehrlich gesagt Dusche und Steckdosen auf Münzbetrieb umzustellen“, antworte ich, in der Hoffnung, dass der Gast es vielleicht selber merkt, aber so leicht lässt er sich nicht abwimmeln. Die Kinder seien ja nun groß und ganz ehrlich so könne das doch nicht weitergehen, also wann? denn? nun? „Vor drei Jahren. Dann kam es vorrübergehend zu Besonderheiten im Bereich öffentliche Infrastruktur und Gesundheit, dann war jetzt…“ „Ach, alles Ausreden“, sagt er und im Übrigen sei ich schon auch ein bisschen selber schuld, wenn die Kinder nicht selbstständig…. Es fühlt sich so an, als würde ein flauschiger kleiner Alte-Tanten-Hund quietschig kleffend hinterm Zaun auf und ab laufen. Ich schweige, denke allerdings verschiedenes dabei.

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Das herrliche Sommerwetter hat eine Schattenseite. Ich lege Allergietabletten in das Körbchen mit Sachen, die man eventuell brauchen könnte auf der Gästetoilette und bügele Taschentücher, viele die Stofftaschentücher, die hier intern verwendet werden, wegen Nasenfreundlichkeit und Weltrettung

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Eine Elterntaxifahrt bis zwei Orte weiter mit einer Stunde Aufenthalt, ich nehme den Hund mit. Auf der Weiterfahrt ins Feld springt der Hund freudig gegen die Scheibe, und da erkenne ich es auch. Eine Mutterkollegin hatte die gleiche Idee und sie hat einen von seinen Lieblingshunden dabei. Ich nutze die nächste Parkmöglichkeit und wir gehen gemeinsam.

Beim Postauto sind beide Fenster runtergelassen, es ist Sommer heute. Das Auto hält neben uns. „Was macht ihr denn hier?“, erkundigt sich der Fahrer. Konfirmandenstunde, wir haben Wartezeit. „Ah so“, er dachte nur, weil hier gehören wir ja nicht hin. „Stimmt, ist nett, dass er fragt“, sagen wir, „wenn wir verloren gewesen wären…“ „jooo, dann hätte er gleich beim M bescheid gegeben“, sagt er und grinst, „sehr aufmerksam, schönen Dank auch“, man kennt sich hier. M ist der Betreiber des nahegelegenen Seniorenheims.

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Die Vertretunsplan-App wurde gehäckt. Nichts geht mehr. Julikind steht vorm Tablet und ist ratlos. Woher soll man denn jetzt wissen, wann der Unterricht anfängt? Äh – garnicht, du hast einen Stundenplan, wir tun jetzt mal so, als würde der gelten. Damals, als ich jung war…

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Ein sehr angenehmer Konfirmanden-Elternabend. Innerhalb von nur einer Stunde erfahren, wie es dieses Jahr laufen wird und in freundlicher Atmosphäre Konfirmationstermine verteilt. Das war leicht, wir wundern uns im Rausgehen ein bisschen.

Mit dem Liebsten mal so ganz grob eine Gästeliste geschrieben. Es sind scheinbar weniger Leute als damals bei Märzkind, das kann eigentlich nicht, oder doch, ach, man weiß es nicht. Der Liebste bucht den Saal.

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Der Edersee ist so voll, dass die nächste Badestelle in einer viertel Stunde erreichbar ist. Das Wasser ist uuuuaaaarschkalt, seehr kalt, kalt, ganz wunderbar, wenn man erstmal drin ist.

Ende Mai, hauptsächlich Festtage KW 21/2023

Da sind Leute auf der Straße, fröhliche Erwachsene, ungewöhnlich um die Zeit aber egal, denke ich, so im Halbschlaf. Wenige Minuten später ertönt Blasmusik. So laut dass man wirklich wach wird, „im Ernst?“ murmelt der Liebste. Ich fürchte ja, in der Benachrichtgung über den Festablauf stand was von „es wird geweckt“, aber das hier, das hatte ich so auch nicht kommen sehen. Sonntag morgen um viertel nach sieben gehören wir also zu den allerersten für die dieses Brauchtumsfest beginnt. Zuviel der Ehre.

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Julikind wollte mit, zum Festzug, ist allerdings versehentlich wieder eingeschlafen, der Start verzögert sich ein wenig. Der Festzug kommt uns entgegen. Während der Pause, in der die sinnstiftende Sage dieses Festes verlesen wird, findet uns die Oma aus dem Städtchen, ihre Schwester auch. Guten Morgen, guten Morgen, das ist aber schön… „Huch, samma, du bist ja Julikind!“ Julikind nickt, die Großtante begrüßt und entschuldigt sich. Sowas von gewachsen ist das Kind, sie dachte, es sei irgendeine Dame, da neben mir, deshalb hatte sie nicht so genau geguckt. Julikind grinst und wächst gleich noch drei Zentimenter. Mittlerweile wurde der Silberbecher, den der Graf vor hunderten von Jahren dem Ort schenkte zur Einstimmung auf diesen Tag mit regionalen Spazialitäten gefüllt und macht die Runde. Ich suche Blickkontakt mit Märzkind. Sie trägt eine Fahne und hat daher kulturelle Verpflichtungen, aber, ich gestikuliere, sie möge bitte keinen Schluck aus diesem Becher nehmen, Brauchtum hin oder her, sonst holen wir uns womöglich gleich die nächste Seuche ins Haus. Sie guckt „biste bekloppt, das weiß ich doch wohl selber“ und hält ein kleines Plastikpinnchen hoch. Sehr gut. Da ist er ja der Becher, da wollten sie doch… die Oma hakt sich fröhlich bei ihrer Schwester ein, um locker flockig aus dem gleichen Becher zu trinken wie schon 100 andere Leute zuvor. Was denn drin ist, im Becher, frage ich. Irgendein süßes Zeug, murmelt Märzkind, hat sie Organverklemmung von bekommen und muss gleich erstmal Mantaplatte, oder so. „Zwetschge“, sagt die Großtante, aus der nächstgelegenen Brennerei, „köstlich, früher war immer Cognac drin, aber so für morgens ist was süßes ja viel schöner.“

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Die „kleinen“ Mädels haben es schwer, zu jung für Bier und zu alt für Hüpfburg. Aber „man kann nicht zu alt sein, für Hüpfburg, wer unter 1,80m groß ist darf, steht auf dem Schild“, sage ich. Sie haben Bedenken, wegen der vielen kleinen Kinder, ich nicht. Ein Rudel 4-Jähriger räumt innerhalb einer Minute die Hüpfburg. Da trauen sich auch die 12-jährigen und haben Spaß. Oberhalb von 1,80m gibt es keinen Sauerstoff, und jetzt verstehe ich auch, warum die Blagen alle nass geschwitzt sind. Ganz vielleicht wird man doch irgendwann zu alt für Hüpfburg.

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Geburtstagskaffee. An einem Tisch unterhält man sich angeregt, am anderen ist die Stimmung leicht verkatert. Eine Dame verlässt die Veranstaltung auf recht unterhaltsame Weise. Der Hut fehlt noch. „Die Ommi hat Style“, kommentiert Julikind, und möchte wissen wer das ist. Auch eine Großtante. Ach, die kennt sie garnicht. Wir überlegen kurz, und ja, das kann tatsächlich sein. Die hat sich sehr verändert, über Corona.

Zum Abendessen ist nur die Familie da. „so, wer von euch hat denn nun alle Prüfung, dies Jahr?“ nacheinander deutet Schwiegermudda auf ihre Enkel, drei von sechs anwesenden nicken stumm. Das erklärt die Stimmung. Die erfahrene mehrfach-Oma wechselt das Thema: Kartoffelsalat, scheinbar ganz einfach, in Wahrheit die Königsdisziplin der Festbewirtung. Neulich hat sie ein Rezept gefunden, handschriftlich, vom Opa, deshalb hat sie sich getraut und…? Gelungen. Die Enkelschar isst, bis alles alle ist.

Schwiegeroma darf nicht mehr allein aufstehen. Es wurde eine Kamera platziert, wegen Festtag, wer auch immer dran vorbeiläuft und was beobachtet – Meldung machen. „Oma, die Oma will aufstehen“

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Ein Gewitter. Bei der Omma hat der Blitz eingeschlagen. Sie nimmt es so dermaßen gelassen, dass man sich fast Sorgen macht. Der Rauch, der scheinbar aus dem Dach kam, kam zum Glück aus dem Schornstein, sagt der Vatta, aber bisschen Pulsfrequenz hat er gehabt.

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Eine spontane Einladung zur Geburtstagsfeier, und, jo, da haben wir tatsächlich ein bisschen Zeit. Es gibt wieder einen Bekanntenkreis von Leuten, denen man einmal im Jahr begegnet. Schön.

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Maikind hat erst ab Mittag Geburtstag, sagt er. Vorher will er garnichts. Ich zünde trotzdem die Geburtstagskerze an, gratuliere kurz und lasse ihn dann in Ruhe beim Hund sitzen. Letzter Prüfungstag, heute.

Mittags kommt er als neuer Mensch nach Hause. Zum Kaffee ist der ganze Tisch voller Großeltern. Draußen sitzen kann man nicht, die Sonne täuscht, aber Geburtstagsfotos kann man machen, vor der blühenden Hecke. Ein fröhlich blödelndes Geschwisterbild fängt die Stimmung perfekt ein, Prüfungen fertig. Abends Gegrilltes und Gemütlichkeit bis halb elf.

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Pfingstmarkt im Städtchen, die Mädels würden da ganz gern mal gucken. Wir finden direkt einen Parkplatz und wundern uns. Es ist überhaupt nicht so viel los wie erwartet. Nach einer Stunde wird uns klar wieso. In wirklich jeder Verkaufsbude der Marktgassen läuft das Radio. Nach Jubel wird gefachsimpelt. Ah, da war doch was. Ohne Absicht haben wir ein optimales Zeitfenster erwischt. Irgendwer wird gerade deutscher Meister und es scheint spannend zu sein. Bisher waren wir ja meist am Familientag auf dem Markt, wegen halber Fahrpreise. Unterm Strich nimmt es sich aber nichts. Nach einer Runde Fahrgeschäft zum vollen Preis geht man an den Fressbuden einfach so vorbei. An den Eingängen zum Festgelände gibts Trinkwasser-Zapfstellen, eine richtig gute Idee, heute ist nämlich Sommer. Sonnenbrand im Nacken.

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Fussballergebnisse: Ein grölendes OOOLeeeeeeeOleeeOOOlllee in Richtung des Liebten und die Anweisung gegenüber dem Pluseinskind „wirklich ganz ernsthaft einfach nur die Fresse zu halten, bitte, weil, schlimmer hätte es nicht kommen können“

Ostern und unsortiertes, KW 14/15 23

Zwei Schritte vor, einer zurück. Auf drei Tage so tun, als wäre Corona vorbei und alles schaffbar, folgt ein Tag mit Fieber auf dem Sofa. Leider brauche ich zwei Runden davon, bis ichs kapiert habe. Langsam mit Tendenz Richtung garnicht. So gehts.

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Da hat etwas nicht in den Glascontainer gepasst und irgendwer hat es dann den Hang runter auf den Weg geworfen. Ich sammle Glasscherben und lege sie soweit an den Wegrand wie möglich. Da muss ich nochmal mit einer Mülltüte wiederkommen, denke ich und vergesse ich. Am nächsten Tag geht der Liebste mit dem Hund, wirft eine Frisbee und der Hund bremst genau da, wo die Scherben liegen. Verdammt. So, wenn ich jetzt was auf dem Glascontainer liegen sehe, hole ich es, bevor jemand auf Ideen kommt. Diese Woche, eine Tortenplatte und eine Snäckschüssel im 80er Jahre Style, waren sogar die Etiketten noch dran.

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Maikind hatte ein Viererpack Controller-Ersatzteile bestellt und seinen Heimstudientag für eine erste Reperatur genutzt. Wenn man einmal raushat wie, geht es eigentlich ganz schnell, sagt er. Vielleicht wird das sein zweites Standbein, neben dem Rasenmähen, denn dieses Bauteil geht ja bei jeder Konsole kaputt, und viele trauen sich nicht, das Ding aufzuschrauben, zwei Aufträge hat er schon. Am darauf folgenden Montag teilt nintendo mit, es gibt dann jetzt doch Garantie auf das Teil, man kann es einschicken. Tja.

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Es fühlt sich gerade nicht so an, als würde ich jemals wieder welche brauchen, aber meine Joggingschuhe sind im Angebot und die aktuellen sind durch. Man kann auch mal Glück haben.

Der Triathlet sagt, ihm habe man beim Belastungs-EKG gesagt, mit vollständiger Regeneration, soweit überhaupt möglich, sei erst nach 12-14 Monaten nach Corona zu rechnen. Das erklärt auch, warum er immernoch 20 Minuten langsamer Marathon läuft als vorher. Ist lieb gemeint. Du mich auch, sage ich.

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Es brennt nicht nur das Osterfeuer, auf dem Gelände verteilt stehen Schwedenfeuer. Eine richtig gute Idee, so kann man zusammenstehen, es warm haben und sich unterhalten. Beim großen Feuer ist so früh am Abend immer den einen kalt, während die anderen sich fragen, ob die Jacke schon schmilzt. Es ist weniger los als im letzen Jahr. Vielleicht weil insgesamt mehr los ist und sich die Leute wieder verteilen. Ich bin früh müde und mache mich auf den Heimweg. Zeitgleich macht sich eine Gruppe unbekannter Leute auf den Heimweg. Fröhlich laufen sie auf der rechten Fahrbahnseite über die nächtliche Landstraße, ich leuchte sie kurz mit der Taschenlampe an, alle schwarz gekleidet, kein einziger Reflektor, aber es handelt sich um halbwegs nüchterne Erwachsene, Städter offensichtlich. Dorfkinder lernen das Laufen an Straßen ohne Bürgersteig auf dem Weg zum Kindergarten. „Links gehen, der Gefahr ins Auge sehen“ Links ist die Seite mit den zwei Punkten am Pfosten, man geht am Straßenrand, nicht mitten drauf, Allgemeinbildung der Kategorie „iss keinen gelben Schnee“, dachte ich – andererseits wenn man mich im Stadtverkehr Auto fahren sieht, vermutet man auch keinen Führerschein. Ich wedele wild mit der Taschenlampe, damit das entgegenkommende Auto sich schon mal wundern kann. Es wird langsamer und langsamer und bleibt dann einfach einen Moment stehen, bis die Gruppe sich sortiert hat. Alles gut gegangen.

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Als Märzkind und ich uns auf den Weg machen sind noch nicht mal die Laternen an. Wenn in der unbeleuchteten Kirche die Kantorei anfängt zu singen, es ganz langsam heller wird hinter den bunten Fenstern, das Licht verteilt wird und alle vorsichtig mit den Kerzen hantieren um niemandem versehentlich die Frisur anzustecken… ich mag das. In dieser Gemeinde wird leider kurz nach dem Entzünden der Osterkerzen zusätzlich das elektrische Licht eingeschaltet, damit man die Liedtexte besser lesen kann vermutlich. Auf einen Schlag ist die Magie der Osternacht dahin. Schade. So kann man überall auch um elf Ostern feieren, da braucht man nicht morgens um fünf bis ins Städtchen fahren. War aber trotzdem ganz schön. Zu Hause geht Märzkind direkt wieder ins Bett. Ich bin wach, koche Kaffee, mache Frühstück, gehe osterhasen im Garten, weil Ostereier suchen ist halt was, was man an Ostern macht, das hat mit`m Alter nix zu tun, haben die Blagen gesagt. Alle Eier wurden wieder gefunden, dieses Jahr. Nachmittags Kaffee trinken bei der Oma mit anschließendem Eierwerfen. Kein einziges Ei ist kaputt gegangen dabei, man merkt, dass es viel geregnet hat, die letzen Wochen.

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Ostermontag ein Gefühl von so-viele-soziale-Kontakte-hatte-ich-schon-lange-nicht-mehr. Der Liebste besucht die Schwiegermutter, ich nutze den regenfreien Wind-tag zum Wäsche waschen. Nach der fünften Maschine kann man den Fussboden in der Wäschekammer wieder sehen. Wir nähern uns dem Normalbetrieb, das freut mich.

Fazit: Ostern ist ruhiger geworden und kleiner. Vielleicht liegt es dran, dass die Kinder größer sind, oder an der Inflation oder an Lockdown-Nachwirkungen. Nach nicht mal einer Woche sind alle Eier aufgegessen und alle Schokohasen geschlachtet. Ich finds gut so.

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Es tun sich Sachen, überraschend und erfreulich – oder der Beginn von chaotischem Schlamassel.

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„Ach Mama, wenn du dann sowieso da bist, kannste ja mal fragen….“ „Nee, das dürfen die mir überhaupt nicht mehr sagen.“ „Noooaaar, dieses Volljährigkeitsdings?“ „Jo“ Man muss sich dran gewöhnen.

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Da waren wir tatsächlich dies Jahr schon zum zweiten mal zusammen im Kino, kaum zu glauben. Ich bin ja die letzten zwei Stunden davon ausgegegangen, dass Niemand der Sohn von der Frau mit den krassen Hunden aus dem dritten Teil ist, weil, die hatte ja gesagt, die hohe Kammer weiß nicht, dass es ihn gibt, also hat er auch keinen Namen und er hatte halt den Hund dabei. Der Liebste dachte, das er der Junior vom Brieftaubenmann ist und, wenn man jetzt nochmal drüber nachdenkt – man weiß es nicht. Vielleicht muss es doch noch einen fünften Teil geben. John Wick. Ich glaube es waren nur vier Mädels in der Vorstellung.

Festwoche KW 13/23

Es geht wieder. Nicht gut und nur langsam, aber eine Teilnahme am Geburtstags-Kaffee trinken nachmittags scheint im Bereich des Möglichen zu liegen. Da hatte ich gestern noch nicht viel Hoffnung. Ich übernehme eine Elterntaxifahrt mit kleinem Einkauf während der Wartezeit, mache Kuchen fertig und bin danach eigentlich erledigt. Ein Hoch auf die gut sortierte Hausapotheke.

Gastgeben im eigentlichen Sinne kann ich nicht, aber es ist ja auch nicht meine Party. Nur so sitzen geht. Märzkind fragt, wie das denn losgeht, auf so einer Party. Man checkt ob alle da sind, sagt vielleicht kurz, dass man sich freut oder so und holt sich dann Kuchen, und es läuft. Anscheind sind alle da. Halt, doch nicht. Wer hat de Omma vergessen? Die Frage wird durch den Saal gemurmelt. Sie hat abgesagt, quasi in letzter Minute, sagt de Mudda. Hä? Wieso? Wegen Corona. Sehr merkwürdig. Dienstag hat sie noch drauf bestanden, dass jemand von uns Kuchen abholt. Wir konnten uns gerade so darauf einigen, dass sie eine Tüte an die Haustür hängt.

Sonntag morgen tut zum ersten mal seit langem nichts weh, beim wach werden. Der Kopf ist auch wieder klarer. Es fühlt sich nicht mehr an, als müsste man alles durch dichten Nebel denken. Leben in normaler Geschwindigkeit, herrlich. Ich freue mich richtig. Im Nachbarort ist heute Vorstellungsgottesdienst, da könnte ich mit Julikind hin. Brüderchen erkundigt sich in der Familiengruppe, ob wir denn alle an der Uhr gedreht haben. Hä? Nee. Zum ersten mal überhaupt hab ich die Zeitumstellung völlig vergessen. Spontane Planänderung…Gottesdienstbeginn in 10 Minuten ist nicht schaffbar, Kaffee also. Der Liebste wirkt leicht zerknittert. Er war länger auf der Party als ursprünglich gedacht, irgendwie sei ihm die Rolle des weisen Mannes zugefallen, Leute hatten Redebedarf, bis zwei Uhr stand immer jemand bei ihm am Grill, sagt er. Hunderunde schaffe ich noch nicht, aber ich könnte mal gucken, ob vom Salatbuffet noch was übrig/essbar ist.

Abgestandene Partys erzählen Geschichten und ich bin ehrlich gesagt neugierig. Es sieht bei weitem nicht so schlimm aus wie erwartet. Jemand hat sich für die kommende Saison der örtlichen Mannschaft verpflichtet, schriftlich, der durchgesiffte Bierdeckel ist wohl ein Dokument, den lass ich erstmal liegen. Anscheind trinkt man Fruchtsaft oder Eistee mit Korn, Bier ist jede Menge übrig. Auf einem der Tische liegt ein Haarreif mit Moosgummikrönchen und Schleier, der hat vielleicht idellen Wert, ich setze ihn auf, nicht das er weg kommt. Als ich den Kofferraum mit Salatschüsseln und Geschirr belade fahren Autos vor, oh, ist hier etwa Fussball, heute? Nee, sagen die Jungs, Auswärtsspiel, sie treffen sich nur hier. Ich bin erleichtert, frage mich kurz, warum die alle so komisch gucken, und mache weiter. Auf dem Weg zurück ins Gebäude weht mir der Wind einen Hauch von glitzerdem Polyestergeschmeide über die Schulter. Ach so.

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Alle räumen den Tisch ab. Auf dem Rückweg vom Kühlschrank ist ein knappes Gespräch unter Geschwistern zu belauschen Julikind: „Kannste mich mal von der Seite würgen?“ Maikind: „Samma, hackts bei dir?“ Gürtelprüfung, diese Woche, jeder ausser ihr ist sich sicher, dass sie das schafft.

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Weil wir jung genug sind um es zu können und alt genug um keine Kleinkinder mehr auf dem Schoss balancieren zu müssen sitzen wir an der Biergarnitur in der Küche. Aus dem Wohnzimmer ertönt eine schmissige Klingelmelodie. Wir gucken uns fragend an. Die Herrschaften, die da auf richtigen Stühlen um den Tisch sitzen sind eigentlich alle zu alt für Mobiltelefone. Als die Meldodie das dritte mal von vorn beginnt, seufzt Schwiegermudda leise und fragt sich murmelnd, ob denn die Tante wohl ernsthaft denkt, dass die Oma jetzt aufsteht und da hinläuft? In dem Moment kommt die Tante samt Telefon angelaufen. Diese Meldodie… ein Telefonklingeln… wie man denn abnimmt? Schwiegermudda nimmt das Gerät entgegen die Melodie endet. Kurze Erklärung was zu tun ist, sollte es nochmal vorkommen und wo das Telefon am besten liegt, damit alle es finden können. „Ok“, sagt die Tante, schon auf dem Rückweg „wenns grün leuchtet, einfach da drauf drücken“. „Nee“, sagt Schwiegermudda, „wenn es leuchtet auf grün drücken“, aber das kann die Tante schon nicht mehr hören. Drei Sekunden später wieder die schmissige Melodie. „Da klingelt doch was, da will doch bestimmt jemand gratulieren“, ruft die Oma, „ah, das gibt wahrscheinlich nix“, murmelt Schwiegermudda und geht der Tante hinterher. Ich fühle mich gut unterhalten, gebe mir aber Mühe, es nicht zu zeigen. Die Schwägerin stupst mich sanft mit dem Ellbogen und fragt leise, ob ich mich noch an die Serie „Golden Girls“ erinnern kann. Wir lachen, die Blagen verstehen nicht wieso und sind peinlich berührt. Die Oma des Liebsten feiert ihren 103. Geburtstag. Wer U70 ist sitzt am Kindertisch.

Ob er vorne sitzen darf, fragt Maikind, als wir uns auf den Rückweg machen. Jo sicher, hast Erster gefragt, sage ich. Die kurvige Strecke zurück muss sie üben sagt Märzkind, ich soll ihr mal die Schlüssel geben. Äh, das hatte ich ganz vergessen, aber wieso nicht. „Oh“, sagt Maikind, als Märzkind einsteigt, „das ist aber ungewohnt“. „Für mich auch“, sage ich. „Hä?“, fragt Julikind als sie hinten einsteigt, „wieso sitzt du hier? ach so… “ Die erste Kurve nimmt sie sportlich. „Uuuaa“, sagt Julikind, und hält sich an der Tür fest. Ich weise daraufhin, dass ich wahrscheinlich brechen muss, wenn Märzkind so jetzt den ganzen Weg. „Ruhe dahinten“, sagt Märzkind. „Hömma“, sage ich. Kind mit Führerschein ist schon toll, nur ungewohnt.

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Husten, Rotzenasen, Halsschmerzen, Müdigkeit, Gliederschmerzen, mangelhafte Nachtruhe, Zeitumstellung – alles viel besser als letzte Woche aber ach…

Ein herzliches Dankschön, für die Anteilnahme und Genesungswünsche, vonne Psyche her hat`s geholfen.

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Nachdem wir zwei Haus- und Hof-Samstage hintereinander ausfallen haben lassen, kann auch das ungeschulte Auge erkennen, wieso die nötig sind. Wer kann hauswirtschaftet ein bisschen. Von selber, ohne zu nörgeln. Deutliche vorher/nachher Effekte sind erkennbar. Bemerkenswert.

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Werbung für Heuschnupfenmedikamente erreicht mich. Ich blicke raus ins Schneegestöber und frage mich, was das wohl soll.

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Ob er sich ein Bier nehmen darf, fragt Maikind Donnerstag abend. Ja. Ob ich auch eins will? Ja. Im Vorbeilaufen stoßen wir an. Weil wir es können und weil für ihn jetzt die Ferien beginnen. „Heimstudientag“ ist das Fachwort für, „sind halt keine Lehrer da und es wären ja sowieso nur zwei Stunden gewesen“.

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Brüderchen hat anlässlich seines Geburtstags eingeladen zu Kaffee, Kuchen und Mettbrötchen. Man fragt sich, wann denn der Esstisch das letzte Mal so komplett ausgezogen war, es ist schon länger her. Ein gemütlicher Nachmittag in der Weihnachtsrunde. Es ist Geburtstagshochsaison, obwohl wir uns diese Woche schon mal begegnet sind, gibt es einiges zu erzählen. Nächstes Wochende kann jeder selber was machen, dann ist schon Ostern, stellen wir fest. Also, wenn es schneit oder in Strömen regnet, dann lassen wir Eierwerfen aber ausfallen, keine Lust mehr, auf dieses Wetter…wenn Gülle gefahren wurde auch, ansonsten gerne, und ruhig auch wieder Kuchen oder so, da ist man sich einig.

warten auf Frühling, KW 11/23

Ein Wochenende lang überhaupt nicht vor der Tür gewesen. Das fühlt sich seltsam an, hat aber gut getan. Das Wetter war übel, ich hab mich über jede Hunderunde gefreut, die ich nicht machen musste. Montag morgen ist immernoch Winter, Mütze, Handschuhe… dann hatte ich drei Stunden drin zu tun, als ich das nächste mal vor die Tür gehe ist so dermaßen Frühling, das kann eigentlich garnicht sein, doch, sagt das Thermometer 16°C. Ich finds gut. Mittwoch morgen wieder Schneegestöber und kalter Winterwind aus allen Richtungen. Och nö. Geh doch zu Haaaauuuuseeeee duu alte scheeeeiße….

Aber immerhin, kurzes Vogelgezwitscher morgens und abends, merklich länger hell.

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Anruf der Pensionswirtin drei Häuser weiter, verschiedene Dinge haben sich in ihrem Belegungsplan geändert ob ich vielleicht… ? Eigentlich wollte ich erst im April wieder anfangen, aber ja, das geht. Spontane Saisonstart-Reinigung. Einmal Weihnachtsstern runter, Osterhase hin dauert drei Stundennur fürs Protokoll.

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Änderung der Streckenführung des Fahrradwandertags. Es wird kein Eis für 17 Leute in unserem Garten benötigt. Auf der anderen Strecke wurde eine Dornenhecke geschnitten und übelst Holz abgefahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich da jemand einen Platten holt liegt bei vorsichtig geschätzten 98,9%. Tja, wer das Abenteuer sucht…

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Da hatten wir tatsächlich zwei Wochen mal überhaupt keinen Kontakt, erst auf dem Weg zur Omma fällt mir das auf. Manchmal sieht sie den ganzen Tag lang niemanden, sagt sie. Tja, das kann ich gerade ganz gut aushalten, so leid es mir tut.

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Ein Berg an Muttizetteln liegt auf dem Esstisch, Wandertag, Kompo7, Girls day, windows-Kram. Ach, gäbe es doch nur eine Möglichkeit armen, überlasteten Lehrkräften die zeitaufwändigen Tätigkeiten des kopierens, der Verteilung, wieder Einsammlung und Kontrolle all dieser kleinen Zettelabschnitte zu erleichtern.

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Die dritte Runde Erkältung läuft an. Nicht so, dass man sich Sorgen machen muss, aber stören tut es doch. Halskratzen, Rotz, Gliederschmerzen, immer mal jemand anderes. Wann waren eigentlich das letzte Mal alle gleichzeitig gesund? So ganz allmählich müssten die Immunsysteme die Lockdownjahre eigentlich aufgeholt haben.

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Maikind guckt konzentriert aufs Handy, dass ist ungewöhnlich eigentlich spielt er morgens die paar Minuten, die er übrig hat mit dem Hund. Der Hund guckt mich vorwurfsvoll an. Ich weiß doch auch nicht was der da macht. Oh, sagt Maikind, er musste da noch gerade die Umfrage beantworten. Sein Kumpel plant den Vormetttag. Ich habs nicht so mit sozialen Netzwerken, bin aber bemüht, wenigstens meine whatssapp-Kenntnisse auf dem neuestem Stand zu halten. Was also ist die Umfrage-Funktion? Maikind erklärt es mir auf blödisch. In einer Gruppe kann jemand eine Umfrage starten und verschiedene Möglichkeiten zur Auswahlt stellen, beispielsweise Mettbrötchen/Mettbrötchen mit Zwiebeln/Fleischkäsebrötchen/Brötchen mit Fleischkäseaufschnitt. Wenn man dafür ist, klickt man drauf. Im konkreten Fall wird das als Bestellung gewertet, zwei Klicks entsprechen zwei Mettbrötchen. Verstehe. „Und dann am Ende fasst der Algorythmus das alles zusammen und schickt es an die Fleischerei?“, frage ich und meine es als Scherz. „Nee, leider nicht“, sagt Maikind und erklärt, warum und wie man lösen könnte. Äh jo, einfach programmieren ist für mich ein Widerspruch in sich, aber so ist es auch ziemlich praktisch, finde ich. Wir hatten ja nix, damals.

Nach den Ferien macht eine Schulcafeteria auf, dann darf man nichts mehr von ausserhalb bestellen. Schade eigentlich. Die Blagen haben ohne Cafetria viel gelernt.

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Eigentlich haben wir alle ausreichend Kürbisgerichte und Wintergemüse gehabt, diese Saison, Kochblockade. Der Liebste taut was auf. „Ich glaube, das ist garnicht zweimal das gleiche“, sage ich im Vorbeigehen. „werden wir sehen“ murmelt er, „warum haben wir sowas“ fragt ein Kind im Vorbeigehen, und versucht einen leicht angewiderten Gesichtsausdruck zu kaschieren, „weil wir restliches Essen nicht einfach wegwerfen“, sage ich, der Liebste nickt zustimmend „richtig“, „wir packen das in Gläser, tun es in den Froster, warten, bis keiner mehr den Hauch einer Ahnung hat, was es sein könnte, tauen es auf, stellen fest, dass es nicht mehr gut ist – und dann werfen wirs weg, ist viel nachhaltiger so“.