Geburtstage und frühsommerliches

Die neue Spülmaschine hat ihren ersten Spülgang beendet. Die Tür wird von einem weißen Plastikteil einen Spaltbreit offen gehalten, oder geschlossen, je nachdem. Wir schauen uns fragend an, jeder zieht mal vorsichtig an der Tür, man will nicht gleich was kaputt machen. Die Bedienungsanleitung sagt, es handelt sich um einen energiesparenden Trockungsvorgang, man solle kräftig ziehen, wenn das Display anzeigt, das die Zeit abgelaufen ist, na dann. Mit einem mechanischen Geräusch verschwindet das weiße Plastikteil in der Maschine und ich ahne, was an diesem Gerät als allererstes kaputt gehen wird.

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Der Dorftratsch meldet einen Todesfall im erweiterten Familienkreis. Das kann nicht sein, sage ich, es gibt whatsapp Gruppen, das wüsste ich. Es ist aber tatsächlich so und das ist so merkwürdig, dass meine Mutter sich erkundigt, ob meine Schwester und ich uns denn wohl einigen können würden, wenn da mal was kritsches entschieden werden müsste. Ich denke schon, sage ich. Sie verfügt mündlich, dass wir bei Uneinigkeit eine Münze werfen.

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Der Nachbarort möchte ein Ortssippenbuch erstellen. Man sammelt Daten von ortsansässigen Familien. Es ist ein bisschen kompliziert, weil es sich um nicht googlebares Wissen handelt, und sich jeder persönlich schriftlich damit einverstanden erklären, dass die gefundenen Daten veröffentlicht werden dürfen. Auf Schwiegermutters Geburtstagskaffee werden entsprechende Formulare verteilt. Julikind bestaunt gemeinsam mit ihrer Cousine den Stammbaum, den Schwiegermutter in Lockdownzeiten aus den in den Schränken der Oma lagernden Informationen zusammenngestellt hatte. Ein gemeinsamer 8-mal-Ur-Opa hat am 21. Mai 1687 geheiratet. Das ist beeindruckend lange her, solche Daten kennt man sonst eher aus Geschichtsbüchern, dass die mal Wirklichkeit waren, wird ihnen gerade erst klar.

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Die Honigernte läuft total entspannt ab, im Vergleich zum letzten Jahr. Die Bienen wurden vermisst, von Nachbarn, das ist schön und schade gleichzeitig.

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Der lang ersehnte Geburtstag des Maikinds ist endlich da. Leider fällt er auf einen Wochentag, an dem alle erst später kommen, macht aber eigentlich nichts. Wir verabreden uns zum Geburtstagskaffee im kleinsten Kreis. Märzkind ruft an, sie habe natürlich den Anschlussbus verpasst, es müsste bitte jemand. Maikind grinst, „dann fahr ich mal gerade“, sagt er und zieht den Schuh, den er gerade ins Regal stellen wollte direkt wieder an. Die erste Fahrt ganz alleine im Auto – ein Fest.

Zur Geburtstagsfeier am Wochenende hat er die ganze Familie und alle Fahrgemeinschaften eingeladen. Die Planung läuft irgendwie nicht so voll automatisch, wie damals, als wir noch regelmäßig Familienfeiern ausgerichtet haben. Dauernd fragen wir uns wieviel wohl von was wann eingekauft werden muss, um dann wo genau zu lagern?

Der zentrale Sammelplatz für Geschirr, Deko und Sonstiges ist voll, wir brechen auf um schon „mal gerade“ eine Ladung ins Sportlerheim zu fahren, und, welch ein Glück, das es noch so früh ist. Das Sportlerheim sieht nämlich orginal so aus, wie man es sich an einem Samstagmorgen vorstellt, Rasenschnitt und Scherben auf klebrigem Fussboden, Sportzubehör, Aschenbecher…. Zu dritt brauchen wir anderthalb Stunden um das Ambiente soweit herzustellen, dass hier Omas am Tisch sitzen können. Das war so nicht geplant und das Zeitmanagment fühlt sich daraufhin eine ganze Weile so an, als hätte man verschlafen. Mittags kommen die ersten Gäste, Maikind freut sich sehr, alle anderen auch. Wir haben uns auf seiner Konfirmation das letzte Mal gesehen. Abends dann gemütliche Party bei ständig wechselndem Wetter.

Nach-Party-Überlegungen: Erdbeerbowle kam überraschend gut an, das hätte mehr sein können, aber wer ahnt denn sowas. / Wir spielen Kubb seit ungefähr 15 Jahren auf jeder Sommerparty nach den falschen Regeln, es hat wohl einfach nie jemand die Anleitung gelesen. / Bisher galt immer die unausgesprochene Party-AGB wer nicht absagt kommt, das scheint sich irgendwie verändert zu haben. / Niemand hat Fotos gemacht.

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Breakdancer gefahren im Regen und dann eine Weile staunend unter dem größten fahrbaren freefall-Tower Europas gestanden, in dem Julikind mit einer Freundin saß, vorher-nachher Fotos gemacht. Ansonsten faule Pfingsten genossen.

Anfang Mai

Ein Mann mit Kleinkind auf dem Arm steht im Rapsfeld, eine Frau mit Handy in der Hand davor, sie fotografiert offensichtlich, aber wieso? Man wundert sich. Der Liebste hat es auch gesehen. „Ab hier sind es Stadtmenschen“, sagt er.

Hochzeitstagsausflug nach Fulda. Wir finden auf Anhieb ein Restaurant, dass man trotz Nahrungsmittelunverträglichkeit besuchen kann. Es gibt sogar eine Auswahl an Gerichten. Wir werden so freundlich und so schnell bedient, dass es sich anfühlt, als wäre hier Fachpersonal im Einsatz. Wir überlegen, wann wir sowas zuletzt erlebt und wo. Zum Nachtisch eine Kugel Eis. Die kostet hier 1,70 Euro und der Preis ist angemessen, denn es schmeckt richtig gut.

Die Menschen in der Fußgängerzone sehen alle anders aus. Man kann ziemlich lange nur so sitzen und Leute gucken, ohne sich zu langweilen. Da wo wir herkommen hat jedes Lebensjahrzehnt seine Uniform.

Das Kino ist viel größer, was vielleicht der Grund dafür ist, dass der Ton sich so gut anfühlt. Auch die Kinositze sind bequem. In dieser Atmosphäre könnte man komfortabel Filme schauen, die länger als zwei Stunden laufen.

Eine Taube sitzt irgendwo im Innenhof, auf den das Hotelzimmerfenster rausgeht. Aber ansonsten – unmöglich im Halbschlaf am Vogelgesang abzuschätzen, wie spät es ungefähr ist. Und das man dass normalerweise automatisch so macht, ist uns auch gerade eben erst aufgefallen.

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Spülmaschine kaputt. Tja. Abwasch mit Spülbecken und Wasser in der Küche nervt deutlich weniger als Abwasch nebenan. Aber, ach.

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Eine Motorradkolonne, die gesperrte Straße ist scheint also wieder befahrbar. Gesperrt ist sie aber noch, da fragt man sich… Der Liebste fährt eine Hunderunde mit dem Fahrrad. Es fehlen noch Leitplanken, sagt er, als zurück ist. Allerdings nur die ganz weit unten, weiter oben im Hang ist wohl irgendwas mit dem Wasserablauf schief gegangen. Die Fahrbahn ist an einer Stelle unterspült.

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Zwei Tage Sommer. Dann doch wieder kalt. Morgendliche Hunderunde in Winterjacke und, och guck, da sind noch Handschuhe in den Taschen, das ist gut. Aber es ist schon richtig hell, morgens um halb sechs, und die Wiesen verheißen eine erhöhte Allergiebelastung für den Nachmittag.

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Zwanzig Minuten vor Abfahrt treffen wir uns zufällig alle auf dem Flur und fragen uns gegenseitig, was man denn wohl anzieht, zu einem Konfirmations-Kaffeetrinken, wenn man in keinerlei verwandschaftlichen Verhältnis zum Konfirmanden steht. Sauber und gebügelt sollte es sein, da sind wir uns schnell einig, aber ansonsten? In jedem Raum Gemurmel.

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Die Freundin kommt vorbei, nur mal Hallo sagen. Ich freue mich. Als Neuigkeit kann ich erzählen, dass ich gerade gestern den ersten Aperol meines Lebens getrunken habe. Anscheind bin ich jetzt in dem Alter, wo die gesellschaftlichen Konventionen so sind. War ganz gut, so als Gesamterlebnis. Die Freundin ist leicht überrascht, kann aber noch einen drauf setzen. Sie hat nämlich am Wochenende Eierlikör aus einem Waffelbecher getrunken, morgens um halb neun, mit den Sonntagmorgen-Frühschwimmerdamen vom Diemelsee, anlässlich des Muttertages. Wassertemperatur liegt bei 11°C, das sei schon ziemlich frisch, sagt sie, war aber ganz gut, so als Gesamterlebnis.

Hallo April

Wir haben ein neues Auto. Wenige Wochen nach der Entscheidung, das Alte nochmal durch den TÜV zu bringen, zwei Wochen nach einer entsprechenden Reperatur… klingelte morgens um fünf das Festnetztelefon. Der Liebste hatte einen Wildunfall, garnicht weit von zu Hause. Das kaputte Auto blieb im nächsten Feldweg stehen, er fuhr mit dem anderen an die Arbeit. Ich verbrachte meinen freien Tag mit Resten des Adrenalienspiegels, den ich immer habe, nach solchen Anrufen. Nur das Auto… es war nur das Auto…

In mir unbegreiflicher Geschwindigkeit hat er ein „neues“ gefunden, Probe gefahren, gekauft, zugelassen und das Alte weiterverkauft. Zu einem Preis, der fast so hoch war, wie die letzte Reperatur und die neuen Reifen gekostet haben.

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Bei windigen 5°C steht die Nachbarin im Garten. Das ist schön, ich habe sie lange nicht gesehen, und oh. Anstatt zu grüßen beobachte ich einen Moment die Situation. Vielleicht müsste ich da mal – irgendwas? Nö, eigentlich alles OK. Fröhlich summend arbeitet sie mit der Gartenschere an einem Blumenbeet. Sie trägt einen Bademantel über etwas, dass von hier aus aussieht wie ein Pyjama. Ich bin mir ziemlich sicher, diese Erkenntnis wäre ihr peinlich.

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In einer fünfer Gruppe laufen wir die wegen Bauarbeiten gesperrte Straße ab bis ins Tal und über Wanderwege durch den Wald wieder zurück zum Ort. Eigentlich hatten wir nicht damit gerechnet, viel Müll zu finden, schließlich ist „allmählich Grund drin“, wie man sich alle Jahre wieder zum Start dieses Aktionstages sagt. Als wir am Brunnen ankommen sind wir uns ziemlich sicher, wir werden König, heute: beide Müllsäcke voll, plus ein bröseliger Altreifen. Weit gefehlt. Eine Mutterkollegin zeigt ein frisch in die Gruppe gestelltes Foto rum, die Herren haben tatsächlich einen ganzen Autoanhänger voll gesammelt.

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Eier färben geht total schnell, wenn man es quasi alleine macht. Die Mädels sitzen am Tisch und wir unterhalten uns nett, aber das mit der Farbe und so, dass kann ich ruhig selber, sagen sie. Vielleicht bin ich dann im nächsten Jahr alt genug, fertig gefärbte Eier zu kaufen.

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Eigentlich wollte ich verschiedene Dinge einkaufen, in der echten Welt. Leider gibt es entweder die Läden nicht mehr oder nicht mal annähernd das, was ich gesucht hatte. Nach anderthalb Stunden gebe ich auf und verlasse die Fussgängerzone nur mit zwei Glückwunschkarten. Eine Kugel Eis in der Waffel kostet 1,60 Euro diese Saison, lese ich im Vorbeigehen. Tja, da bin ich dann raus.

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Ähm, ich würde mal davon ausgehen, dass sich die Heimwerker-Baustelle in den kommenden Wochen eher nicht verändern wird? frage ich vorsichtig nach. Damit läge ich richtig, sagt der Liebste. Dann könnten wir ja vielleicht die Möbel wieder so hinstellen, wie es ursprünglich mal war? Sicher. Die Männer legen mal gerade die Verkabelungen passend hin, holen Möbel aus der Garage, Julikind geht auf den Dachboden und holt Sachen, um sie in Regale zu stellen. Ich stehe mittendrin und frage mich, wieso ich diese Frage nicht schon vor Wochen gestellt habe.

Nach monatelangem Suchen, abwägen und diskutieren haben wir dann einfach so ein Sofa gekauft. Maikind und der Liebste holen es noch am gleichen Tag ab. Ein Filmabend auf dem Sofa. Herrlich! Nach 8 Monaten provisorischer Möblierung hat das fast Event-Charakter.

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Auffallend wenig Urlaubs-Status-Meldungen bisher.

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Cannabis-Dünger wird jetzt im Gartencenter verkauft. Nachdenklich stehen wir vorm Regal. Entweder der Hype hat sich gelegt oder es gehört jetzt zum normalen Gartensortiment. Letztes Jahr um diese Zeit musste man das Zeug suchen wie Klopapier im Lockdown.

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Eine Geburtstagskarte, Konfirmationskarten und eine Trauerkarte geschrieben, hintereinander weg, wenn man einmal dran ist.

12+1 Gäste

Brüderchen feiert seinen Geburtstag. Es gibt Kaffee und Kuchen bei den Eltern in der Küche. Eingeladen ist „die Weihnachtsrunde“ und ein guter Freund. Der witzigerweise unabhängig voneinander sowohl mit dem Brüderchen als auch mitm Vatta befreundet war, was erst auffiel, als sie sich zufällig alle in einem Cafe begegnet sind. Man begrüßt sich fröhlich. Wir haben uns schon bei früheren Feiern gesehen, aber so ganz ohne andere Leute rund um einen Tisch da nutzt er doch mal die Gelegenheit, die Verwandschaftsverhältnisse zu ergründen. Märzkind ist doch bestimmt die Tochter von?..“ „nee… die Enkeltochter…“ „ach, dann bist du die Tochter von…?“ „nee, auch die Enkeltochter, denken die Leute aber öfter, wahrscheinlich wegen der Haarfarbe…“ „Aha, ahso, ja“, der Gast schaut in Gesichter und man kann in seinem sehen, wie Informationen verarbeitet werden. Eigentlich ist es ganz einfach und schnell erklärt: Wir sind drei Söhne, fünf Töchter, ein Opa, drei Omas – davon zwei Uromas, sechs Enkel, drei davon auch Urenkel, (zwei Schwiegersöhne, eine Schwiegertochter, zwei Brüder, vier Schwestern ein Onkel und eine Tante, zwei Nichten und ein Neffe, vier Mütter, zwei Väter, ein Schwiegervatta, drei Schwiegermütter). „Nah, vielleicht, für Außenstehende doch ein bisschen kompliziert…“, gibt meine Schwester zu, und für manche ist es ungewohnt, dass vier Generationen so um einen Tisch sitzen. Der Gast wirkt aber nur leicht überfordert, er habe ja vier Schwestern, „war auch nicht immer leicht“. Maikind und Brüderchen nehmen ehrlich Anteil, zwei Schwestern geht gerade so, aber vier…

So lief die Feier im letzten Jahr. In diesem Jahr fand der Geburtstag an einem Wochentag statt, mit weniger Gästen, aber nervlich aufwändiger. Beide Omas haben ihr Zeitgefühl verloren. An ihrem Gesichtsausdruck merkt man ab und an, dass sie sich auch eigentlich nicht sicher sind, wer genau da so am Tisch sitzt. Brüderchen freut sich sehr, dass das geklappt hat. Schön, dass wir alle sind sagt er, und ein Hauch von „wer weiß wie oft man noch so…“ liegt in der Luft.

Mitte März, unsortiert

Bis vor wenigen Wochen sah ich morgens öfter den Nachbarn auf der Bank unter der Linde sitzen. Er hatte ein Sitzkissen dabei und Zeit. Solange bis der hochbetagte Hund, der einen Meter weiter auf der Wiese lag andeutete, dass er den Weg nach Hause jetzt wieder schafft. Dann wurde in aller Ruhe zusammengepackt und der Rückweg angetreten. Ein Spaziergang von 200 Metern etwa, einträchtig nebeneinander, total entspannt. Ich habe den Nachbarn eine Weile nicht gesehen, ohne mir etwas dabei zu denken, es fällt mir erst gerade auf, denn heute ist er wieder da. Er geht sein gewohntes Tempo. Sein neuer Begleiter läuft kläffend um ihn herum, als müsste es viel schneller gehen, der Mann stakt eilig seine Gehhilfen aus der sich windenden Leine und dreht sich einmal um die eigene Achse, kurz sieht es so aus, als würde das Gleichgewicht verlieren, als der kleine Hund mit aller Kraft zieht. Oh hauahaua ha, denke ich vom Fenster aus. Gut, dass de Omma sich nur einen neuen Hahn gekauft hat.

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Einen Moment lang stehen wir vorm Schaltschrank und beobachten das kleine Rädchen. Der Stromzähler dreht sich sehr langsam, aber erkennbar rückwärts. Irgendwann demnächst wird bestimmt ein digitaler Zähler kommen, dann müssen wir den geernteten Strom immer frisch verbrauchen.

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Frühlingsbeginn so ganz ohne Bienen fühlt sich merkwürdig an.

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Ist das ein Rauchmelder? Wir gucken uns fragend an. Nee, ist nur dieser Alarm, wegen Warntag, sagt eine Kollegin, schiebt das Handy zurück in die Tasche und guckt so, dabei… Die Nutzung mobiler Endgeräte aller Art sind eigentlich im ganzen Gebäude verboten, gerade gestern wurden wir darauf hingewiesen. Macht schon Sinn, diese Regel, eigentlich. Nur – Sirenengeheul hört man offensichtlich nicht, über 20 spielende Kinder hinweg. Da müsste sich die Katastrophe dann übers Festnetz melden, oder ans Fenster klopfen, oder so.

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Ohne echtes Interesse gelegentlich die Koalitionsverhandlungen verfolgt und kopfschüttelnd amüsiert dabei.

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Man würde die Kindergeldzahlung aufgrund der Volljährigkeit demnächst einstellen, es sei denn, ich kann belegen, dass es noch zur Schule geht oder eine erste Ausbildung macht, teilt das Amt mit. Ich nutze den aufgedruckten QR-Code um die nötigen Unterlagen einzureichen, und frage mich, ob das wohl wirklich so einfach geht. Wenige Tage später bekomme ich wieder Post, in den Briefkasten neben der Haustür. Mein Kind befinde sich in einer Berufsausbildung. Der Ausbildungsbetrieb möge das fristgerecht bestätigen, sonst wird es kein Kindergeld mehr geben. Das Kind nimmt den Zettel mit in den Betrieb, der Ausbilder unterschreibt und stempelt, ich adressiere einen Umschlag, klebe eine Briefmarke, laufe zum Briefkasten und hoffe, dass die Post das fristgerecht hinbekommt. So fühlt es sich viel normaler an.

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Klausur und Zwischenprüfung wurden geschrieben, das Betriebspraktikum läuft und macht Spaß, die Stimmung im Haus ist nicht mehr zu vergleichen, mit der von letzter Woche. Puh.

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Wir haben wirklich schöne Schüsseln, sagt Märzkind beiläufig, während der Essensvorbereitungen, und eine richtig gute Rezeptesammlung, da kann man sich später mal über ein Erbe freuen. Vermögen wäre natürlich auch toll, aber so was praktisches, als Andenken fürs Leben ist auf jeden Fall viel besser als ein Haufen Klump, wo man sich sofort fragt, wie man es am besten entsorgen kann. Ein ungewöhnliches, aber nettes Kompliment.

Ich könnte ja mal das Fotoalbum holen, sagen die Gäste. Wenige Minuten später schwelgen alle Anwesenden in fröhlicher Nostalgie. „Dann bist jetzt seit 20 Jahren Mama“, sagt meine Mama, ich nicke nur und mache ein so-isses-Brummgeräusch „…und ich Oma“. Auf dem „Kind mit Großeltern-Foto“, dass heute vor genau 19 Jahren gemacht wurde, sind 9 Personen. Heute feiern noch zwei Omas und ein Opa mit.

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Eine Wartezeit im Auto. Mit Tee aus dem Thermobecher einem Buch und einer Wolldecke ist es eigentlich ganz gemütlich. Normalerweise würde ich einkaufen fahren, solange, bin aber schon wieder erkältet, ich würde sowieso die Hälfte vergessen. Es nervt.

Was das Bild schon immer da? Könnte sein, es stand eine Mülltonne davor, oder so.

Praktisch wie ein Apfel

Die Nach-Grippe-Woche ist zäh und lang. Es geht alles wieder, nur halt nicht so gut. Ein Film reicht uns für drei Abende.

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Morgens um halb sechs zeigt das Thermometer -10°C und wird wohl ungefähr recht haben. Es dauert einen Moment, bis ich den Schal so zurecht gezuppelt habe, dass die Luft, die ich einatme einigermaßen warm ist, mir beim ausatmen aber nicht die Brille beschlägt. Aber dann ist es richtig schön. Das Gras am Wegrand glitzert im Licht der Taschenlampe. Obwohl, die Lampe kann ich ausmachen, so hell scheint der Mond, Sterne funkeln, wie in so nem outdoor-Video. Der Hund guckt fragend. Tja, ich hab leider keinen Ball dabei, wer rechnet denn mit sowas, normalerweise ist es zappenduster und nebelverhangen.

Die Wintergummistiefel, die damit beworben wurden, dass sie für Temperaturen bis -10°C geeignet sind, haben Wort gehalten. Wunderbar warme Füsse und sicherer Halt bei winterlichen Bedingungen.

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Der Liebste kommt fröhlich nach Hause. Der neue Werksleiter habe sich gleich zu Beginn entschuldigt. In allen anderen Betrieben sei es längst üblich, damit jede:r alle Informationen aus erster Hand bekommt, was die Anweisung „Betriebsversammlung mit Anwesenheitspflicht für alle“ hierzulande auslöst, sei ihm nicht bewusst gewesen. Jo, wir hatten da tatsächlich verschiedene Szenarien für möglich gehalten, amerikanische Firma, verrückte Zeiten.

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Morgens in dicker Winterjacke Eis vom Auto gekratzt, nachmittags im T-Shirt bis zum Altglascontainer gelaufen, ohne dabei zu frieren. Im Hang blüht ein Krokuss. Das war gestern noch nicht.

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De Omma kocht nicht mehr. Sie hat es selber noch nicht bemerkt. Alle anderen schon, der Alltag wird angepasst.

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Die Schilder, die auf die Straßensperrung hinweisen wurden aufgerüstet. Es gibt jetzt eine Umleitung und angeblich ist hier Sackgasse ohne Wendemöglichkeit, wollen wir doch mal sehen. Die Straßensperre, die ernsthaft absperren würde, ist geöffnet, man kann also. Allerdings wurden schon Leitplanken entfernt und, ganz ehrlich, einseitig abgesackte Fahrbahn ohne Leitplanken vor Steilhang macht dann doch ein mulmiges Gefühl.

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Julikind muss Wahlergebnisse angucken, für PoWi. Leider sehen die ziemlich genau so aus, wie ich dachte. Fritze Merz als Kanzler, das wird bestimmt toll – für heterosexuelle reiche deutsche Männer.

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Vor der Garage liegt ein riesiger Karton, darin ein etwa faustgroßes Loch. Irgendwas muss dagegen geknallt sein, beim Transport, denn in der Garage kann das nicht passiert sein. Der Inhalt ist unbrauchbar. Ich war dabei als es ausgeladen wurde und habe nichts bemerkt, verdammt, wie kann das sein? Im Geiste rekonstruiere ich den Ablauf . Respekt! Der etwa 1,75m große und 70 Kilo schwere Paketlieferant hat das sperrige, schwere Paket so gekonnt getragen, dass ich diese Macke zu keiner Zeit im Sichtfeld hatte, und die anderen drei Pakete in beeindruckend kurzer Zeit davor gestellt. Er hat natürlich auch Trinkgeld bekommen. Naaargh

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„Praktisch wie ein Apfel“ steht auf dem kleinen Aufkleber, der auf meiner Birne pappt. Ich bin verwirrt, was soll das bedeuten. Inwiefern ist ein Apfel praktisch? Ist es ein geheimer Code für irgendwas? Eine Verzehrempfehlung?

Luft nach oben

Drei Stunden lang hat es geregnet. Jetzt schneit es, aber wie. Das ist kein leises rieseln. Große, nasse Flocken fallen entschlossen zu Boden, auf den dort liegenden nassen Schnee. Es sind nur 5 Kilometer bis nach Hause und meine Winterreifen sind gut. Nach 500 Metern denke ich darüber nach, einfach rechts ran zu fahren und auf ein Räumfahrzeug zu warten. Zu Hause angekommen schaufele ich die Einfahrt frei. Es dauert. Natürlich kommt, genau in dem Moment, als ich fertig bin ein Räumfahrzeug und wirft dicke Eisklumpen in die Einfahrt. Julikind wird das übernehmen, sagt sie. Ich freue mich. Eine Stunde nach Fahrtbeginn komme ich endlich an der Haustür an.

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Die gesperrte Straße wird geräumt, aber nicht gestreut. Das ist super für verletzte Hundepfoten. Für gesunde auch, eine Premium-Gassirunde. Die wenigen Autos, die die Schilder ignorieren fahren sehr langsam, man hält an, tratscht durch Autofenster.

Das die Ortsdurchfahrt morgens nicht mehr geräumt wird nervt allerdings. Im Ort wohnen ja noch Menschen, auch wenn es keinen Durchgangsverkehr gibt.

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Am Wochenende dann Winter-Wonder-Land, mit Schnee und blauem Himmel. Vier Leute und ein Hund begeben sich zum Schlittenhang. Zum Schlitten fahren ist der Schnee zu tief, aber wir haben den aufgepumpten Treckerschlauch dabei. Das funktionert richtig gut, schneller und weiter als gedacht. Der Versuch, die Fahrtrichtung so zu ändern, dass ich den Stacheldrahtzaun sehen kann, bevor ich reinfahre endet schmerzhaft.

Am nächsten Wochentag dann der schnellste Besuch in einer chirurgischen Praxis aller Zeiten, ich freue mich fast, als ich wieder ins Auto steige. Es ist nichts kaputt. Weh tuts trotzdem. Mein Handgelenk wechselt täglich die Farbe.

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„Zwischendurch mal für eine Stunde“ sei die Küche nicht zu betreten, hatte der Handwerker gesagt. Das ist ja nun wirklich kein Problem, wir richten uns darauf ein. Irgendwann haben dann doch alle Hunger und es sieht gut aus, der Handwerker räumt ungewöhlich früh seine Sachen zusammen Für heute ist er hier fertig, sagt er, Trockungszeit ab jetzt seien 4-6 Stunden, um 20 Uhr könnten wir die Küche also wieder betreten, aber – bitte vorher testen, nicht gleich mit dem ganzen Gewicht. Ähm, ja.

Der Liebste fährt ins Pommesgeschäft und holt uns etwas zu essen. Drei recht kleine Cheeseburger und vier Portionen Pommes, die garnicht mal so gut schmecken kosten 42 Euro. Schade, die waren mal gut, aber das kann man dann in Zukunft einfach sein lassen.

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Die Oma im Städtchen feiert ihren halb runden Geburtstag. Der engste Kreis sind etwa 30 Leute. Wir sitzen in einem seperaten Raum der Pizzeria mit Ambiente, alle unterhalten sich nett. Das Geburtstagskind bekommt routiniert ein Ständchen gesungen, als die erste Runde Getränke auf dem Tisch steht, so schön, dass im angrenzenden Gastraum alles still wird. Es gibt einige „Kind bist du groß geworden“-Momente, Kreuzfahrergeschichten werden ausgetauscht, Wochenplanung gemacht. Es dauert lange, bis alle etwas zu essen haben, dafür hat man natürlich Verständnis, aber – wenn ich eine Stunde auf eine Pizza warte, hätte ich gern das Gefühl, dass die frisch für mich gemacht wurde. Lauwarme Pizza kann man auch zu Hause… leider auch nur so mittelgut im Geschmack. Der Laden war rappelvoll, das macht nachdenklich.

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Am Tag darauf, wie es die Traditon in der dritten Januarwoche verlangt, drei von fünf krank. Coronatests negativ, immerhin, aber das ändert nichts am elenden Gefühl.

2025 hat noch Luft nach oben.

eine Adventswoche

Treffen um 9 Uhr im Tal. Endlich hat es mal gepasst, die Freundin und ich gehen eine Hunderunde. Es ist kalt, es ist matschig und es ist uns egal. Das Flüsschen führt viel Wasser, aber es sind noch alle Teile der Hängebrücke da, wir können die ganze Runde gehen. Früher, da hätte man um diese Jahreszeit Winterschuhe getragen, aber mittlerweile kommen einem zwei Stunden spazieren in Gummistiefeln völlig normal vor, stellen wir fest.

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Es dauert eine halbe Stunde, herauszufinden, dass es heute Bäume zu kaufen gibt und eigentlich niemand mit möchte. Das ist seltsam, passt aber in diesen Advent. Zu zweit brauchen wir kaum drei Minuten, um einen Weihnachtsbaum auszusuchen und fragen uns, ob das wirklich so einfach sein kann. Sicherheitshalber richte ich noch einen zweiten am Zaun lehnenden Baum auf. Der ist zu klein. Wir bleiben bei dem, den wir haben. Neben der riesigen Feuerschale wird kassiert, man begrüßt uns herzlich. Der Preis wird hier anhand von Markierungen auf einer Dachlatte ermittelt. Die Spitze unseres Baums ragt knapp aber eindeutig über einen schwarzen Strich. Die Verkäufer beraten sich per Blickwechsel. „Hätten wir mal besser die Astkiepe mitgebracht“, sage ich und meine es scherzhaft, der Liebste registriert, wie hier berechnet wird „na, na, na, nu aber“, sagt er, die Spitze wird er gleich in der Garage sowieso einkürzen, die Verkäufer grinsen, kassieren den Preis bis zum Strich und weisen darauf hin, dass der Liebste die ungenutze Spitze dann aber wieder bringen muss. Das sei ja wohl selbstverständlich, nur heute wird er es nicht mehr schaffen, ob es ausreicht, wenn er sie morgen in den Briefkasten wirft? Natürlich, da sei man kundenfreundlich. Ich fühle mich gut unterhalten. Und weil ein Weihnachtsbaumkauf länger als 10 Minuten dauern sollte trinken wir noch einen Glühwein, allerdings echt nur einen, auch wenn man uns versichert, dass solange geöffnet ist, bis die Leute nach Hause gehen.

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Aus einer gigantische Weihnachtsshow wurden zwei große Veranstaltungen hintereinander gemacht. Das ist eine enorme Verbesserung im Bereich Sitzkomfort und Unterhaltungswert. Wir haben das Glück, das beide Kinder bei der Abendverstaltung auftreten. Andere sind sitzen schon länger hier, man merkt es der Stimmung im Publikum an. Die dargebotenen Tanz und Turnaufführungen waren allesamt klasse. Beide Mädels stehen in ihren Teams vorne Mitte, leicht zu finden. Ich bekomme viel Lob und begeisterte Kommentare danach zu hören. Danke, danke. Ich fahre nur zum Trainung, Märzkind noch nicht mal mehr, aber danke, ich freue mich.

Nach zwei Stunden Weihnachtsmusik in krippenspielartigem Ambiente ist mein Merry Christmas-Akku auf null Prozent.

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Kopfschmerzen von einem Kaliber, dass mich überlegen lässt, ob eigentlich noch Coronatests vorrätig sind. Dann gehts wieder, einfach so. Am nächsten Tag ist es zehn Grad wärmer draußen. Das ist die Gelegenheit. Eine Stunde lang erledige ich liegen gebliebene Gartenarbeiten. Danach sieht es tatsächlich ein bisschen weniger traurig aus.

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10 Tage vor Weihnachten landen die obligatorischen „wünschen sie sich denn was?“ Anfragen bei mir. Ich verweigere den mental load und bin ein bisschen stolz drauf, wie leicht mir das fällt. Man möge Bargeld schenken, wenn man keine eigenen Ideen und/oder Lust auf Wunschgespräche hat.

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Die Covid-Saison wird eröffnet. Ich frage die Betroffene nach dem Befinden und bekomme einen ausführlichen Bericht des Gesundheitszustands. Jo, kenne ich alles. Denke ich, sagen tue ich das natürlich nicht. Da hat jemand, der Corona bisher als „leichten Schnupfen mit Kratzen im Hals“- kennengelernt hat mal die Vollversion erwischt.

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Julikind wird mit ihrer Hausarbeit fertig, um 20.30 Uhr am Abend vor dem Tag der Abgabe. Der Drucker druckt sie aus. Beim ersten Versuch. Wir halten einen Moment lang andächtig inne, zeitlich gesehen ist das der Familienrekord, ich hebe die Hand für high-five, „lieber erstmal gucken, ob auch alles dabei ist“, sagt sie. Es ist alles dabei. Erleichterung. Noch zwei Klassenarbeiten, dann Weihnachtsstimmung.

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Plätzchen gebacken, nicht viele, aber immerhin.

Aschenbrödel und Nikolaus

Man nimmt den Topf mit Kartoffeln vom Herd, geht zwei Schritte und schüttet das heiße Wasser einfach ins Spülbecken ab. Es ist toll. Ich freue mich heute zum zehnten mal, oder so darüber. Ein Spülbecken mit Wasseranschluss in der Küche ist so dermaßen praktisch. Nach dem Abendbrot räumen wir feierlich die Spülmaschine ein, drücken den Knopf und lauschen einen Moment andächtig ihrem Arbeitsgeräusch. Man müsste sich eigentlich albern vorkommen dabei. Tun wir aber nicht, kein bisschen. Die Arbeitsplatte ist auch wieder da. Man kann in der Küche stehend Dinge zubereiten, das vereinfacht die Arbeitsabläufe, es kocht sich wie von selber, also fast. Man hatte sich tatsächlich schon gewöhnt, an die provisorische Lagerung von Dosen, Tellern und Kleinteilen und zieht ständig die falschen Schubladen. Bisschen fusskalt ist es, so direkt auf dem Estrich aber irgendwas ist ja immer.

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So, da nun klar ist, in welchem Zustand sich der Hauptraum an Heilig Abend befinden wird, können wir anfangen, über Details nachzudenken. Wo soll denn der Baum stehen, dieses Jahr? Wo die Leute sitzen? Wir überlegen, zählen Namen an Fingern ab, diskutieren Eventualitäten und sich daraus ergebende Gehwege. Wahrscheinlich sind wir nur zu zwölft. Die Möbel können genau so stehen bleiben, eine zusätzliche Tischplatte rein, ein paar Stühle vom Dachboden und fertig. „Nur zwölf?“, der Neue schmunzelt ein bisschen, sie feiern zu dritt, sagt er.

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„Wo sind wir eigentlich?“, fragt Julikind auf dem Heimweg. „Irgendwo zwischen dem Nachbarort und zu Hause, aber so ganz genau weiß ich es ehrlich gesagt auch nicht“. Es geht nur langsam voran. Wenn man an einem Leuchtpfosten vorbei fährt kann man gerade so die Reflektoren des nächsten Pfostens erkennen und wirklich nur die. Wir unterhalten uns darüber, was Leute von woanders so meinen, wenn sie „Nebel“ sagen, sowas wie hier kennen die garnicht.

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Die Musik aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, gespielt vom Orchester, der Film läuft darüber auf Leinwand mit. Die Karten hatten wir bereits im Sommer gekauft. Ich war ehrlich gesagt skeptisch und daher auch nur mäßig aufgeregt, vorher. Aber, zu meiner Überraschung war das wirklich schön. Die Oper war beinahe ausverkauft, die Stimmung kulturell, kein merchandise, keine Plastikbecher. Eine interessante Mischung von Leuten im Weihnachtspulli bis hin zu russischen Damen in Abendgarderobe. Das Orchester war wirklich beeindruckend. Die Zugfahrt zurück auch, denn da war gerade ein Fussballspiel zu Ende gegangen. Es gab an dem Tag keinen extra Zug für die Fans, und der reguläre hatte laut Anzeige leider heute einen Waggon weniger als üblich. Frankfurt hat auffallend freundliche Fans. Aber, wie viele Leute wirklich in einen Zug reinpassen, das stellt man sich nicht vor, als Landei. Am Abend fühlt es sich so an, als wäre es eine ganze Reise gewesen.

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Uhhh ha, da war doch was. Am späten Abend des 5. Dezember schleicht der Nikolaus noch mal über den Flur und befüllt Stiefel. Die Kinder wundern sich am Morgen. Alle drei hatten es total vergessen. Ein Meilenstein. Da könnte der Nikolaus ja vielleicht in Rente gehen? Neee, neeee, neee, das nun nicht, sie waren einfach zu busy, sagen die Blagen.

Zwei kleine Nikoläuse kamen am späten Nachmittag zum Süßigkeiten einsammeln. Vielleicht fällt diese Tradition Halloween zum Opfer oder es liegt daran, dass der Bär jetzt früher rum geht. Der war gut gewickelt und hat so gebrüllt – „ein bisschen gruselt es immernoch“, sagt Julikind und fragt dann interessiert, wer denn drin steckt (im aus Strohschlangen massgewickelten Kostüm)

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Der Parkplatz, den wir als Haltestelle einer wöchentlichen Elterntaxifahrt nutzen wurde zum Großteil gesperrt, man baut eine Eisbahn auf mit Würstchenbuden und so. Eigentlich wollte ich die Wartezeit für Besorgungen in der Fussgängerzone nutzen, tja, dann nicht, Weiterfahrt zum Baumarkt mit Parkplatz.

Äh, hä? Einen Moment lang stehe ich leicht verwirrt vor dieser Drogeriemarkt-Produktinsel. Wo letzte Woche noch Nougatmandeln und Lebkuchen standen sind jetzt Konfettikanonen und Glücksschweinchen aufgebaut. Man möge sich mit Sylvesterkitsch eindecken – am Freitag vor dem zweiten Advent.

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Nach drei Tagen bei windigen 4°C und Regen von allen Seiten, fühlt sich eine Hunderunde bei 4°C ohne Wind und Regen unter blauem Himmel an wie Frühlingserwachen.

Besinnlichkeits-basics

Der Drogeriemarkt wünscht eine „Fröhliche Vorweihnachtszeit“, die Kinder fahren freudestrahlend zu einer „Winterausstellung“ bis nach Kassel, auf den abendlichen Autofahrten fallen zunehmend Sterne in Fenstern und scheinbar hastig angebrachtes Lichtergedöns in Vorgärten auf. Die Adventszeit wurde um 2 Wochen verlängert, man kann es nicht mehr ignorieren. Ich verlege meine weiteren Einkäufe ins digitale und schaue einen Moment lang nicht hin. Dann war Totensonntag und – anscheind hatte man sich doch zurückgehalten, bis zum tatsächlichen Beginn der Adventszeit. Lichtermeer, Dekotipps, Rezeptideen und Besinnlichkeitserlebnis-Abgebote, alles eskalkiert, wohin man auch sieht oder hört der Aufruf, man möge es sich jetzt verdammt nochmal gemütlich machen! Zeitgleich werden so viele Klassenarbeiten geschrieben wie nur geht, das Schulhalbjahr ist nach den Weihnachtsferien ja quasi zu Ende. Es tun sich Sachen an Arbeitsplätzen, die bis nach Feierabend in den Köpfen bleiben, Termine lassen sich nicht mehr länger aufschieben, Dinge müssen besorgt und Abläufe geplant werden. Es ist grau und neblig und kalt. Bisher, besser als letztes Jahr

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Eigentlich wollte ich hauswirtschaftliches erledigen, bräuchte allerdings Strom dafür. Der kommt und geht gerade. Die Herren suchen einen Fehler. Ich arbeite statt dessen an analogen Weihnachtsvorbereitungen und lausche dabei der Geräuschkulisse, die von Raum zu Raum wandert „das kann nicht sein“, „ist aber so“, „dann müsste“, „hä?“, „verdammte scheiße“. Besser als jeder podcast.

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Ein Sonntagsessen mit allen. Man sieht sich garnicht mehr jeden Tag, stellen wir fest.

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Wir bekommen ein Geschenk mit adventlichem Hintergrund einfach so und freuen uns darüber. Es ist tatsächlich schon das zweite mal, dieses Jahr, dass sowas passiert. Ein Hauch von Weihnachtsmagie.

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Schwiegermutter bringt ein halbes Blech Kuchen vorbei und bleibt zum Abendessen. Das ist ungewöhnlich. Wir haben es nett und wundern uns später alle ein bisschen, ohne genau zu wissen worüber eigentlich.

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Der Liebste telefoniert in Sachen Baustelle, denn wenn sich Firmen nicht in angesagten Zeitfenstern melden, braucht man auf garnichts warten, soviel haben wir gelernt, in den letzen Monaten. „Man wird den Auftrag ab KW 50 terminieren“, sagt er. Moment. Das klingt schön, sagt aber rein garnichts aus. Frage: In welchem Zustand werden sich Küche und Wohnbereich am 23. Dezember konkret befinden? „Oh“, sagt er nur, und telefoniert noch mal. Am Ende des Tages stehen wir zu viert in der Küche und lauschen andächtig dem Spülmaschinengeräusch. Ein Fest. 6 Wochen ohne Spülen liegen vor uns. Danach dann allerdings, ach… erstmal ist jetzt.