Staub, Nebel und Fische

Gleich können wir essen. Ich laufe ums Haus, um der verstreuten Familie bescheid zu geben, bleibe an der Ecke aber abrupt stehen. Wow! Märzkind und der Liebste haben eine Baustaub-Abluft-Anlage konstruiert, die offensichtlich funktioniert. Aus dem Wohnzimmerfenster im Erdgeschoss schießt eine hellbraune Lehmstaubfontäne , die sich über dem Gartenweg derart verdichtet, dass es fast schon wieder Wand ist und dann, einige Meter weiter oben sanft wabernd ins Universum zurück gleitet. Nachbars Garten, die Fenster im Obergeschoss, ach, lassen wir das.

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Ich habe eine Wartezeit zu überbrücken und es gibt eine Weihnachts-Einkaufsliste. Man kann die gleiche Süßigkeit zu Kilopreisen zwischen 16 und 32 Euro erwerben, im gleichen Laden, am gleichen Tag. Alle Jahre wieder bin ich ehrlich fasziniert davon, was Leute bereit sind zu zahlen, wenn tanzende Wintertiere oder Christbaumschmuck auf die Folie gedruckt werden.

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Ein sehr nettes und ehrliches Gespräch geführt, mit jemandem, der die gleiche Schweigepflichtserklärung unterzeichnet hat. Das mit der Kündigung war tatsächlich der direkteste Weg, in Echtzeit. Blöd gelaufen. Aus Gründen, die man nur ahnen kann, und deswegen vielleicht sogar ganz gut so, für mich, denn den Murks sehen und garnichts tun können, fällt schwer. Herzliche Grüße!

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Zwei Stunden Abhänge rauf und runter gelaufen, zwecks Apfelernte. In einer perfekten Welt hätten wir die Äpfel danach in halb gemütlicher Atmosphäte gemeinschaftlich geschreddert, gepresst, und den Saft heiß abgefüllt. Dieses Jahr übernimmt das die Mosterei.

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Im Wohnzimmer meiner Oma gab eine schuhkartongroße Kiste mit Plastik-Bausteinen. Darin Steine unterschiedlicher Größe, kleine Bauplatten, Dachziegel, Fenster…. ich hab ewig nicht daran gedacht, aber gerade werde ich nostalgisch. Man kann Einzelteile bestellen auf dieser Seite, natürlich auch Bausätze, zu verschiedenen Themen, Häuser, Tiere, Blumen…und, in der Unterkategorie „für Mädchen“ findet man eine Eisdiele, kleine Drachen – die gleichen Sachen wie in den anderen Kategorien, nur vorsortiert für Weihnachts-einkaufende Männer. Die Beschreibungen sind sachlich und die Preise völlig in Ordnung. Sehr sympathisch. Klemmbausteine.(Werbung unbezahlt und unbeauftragt,weil mich die testosteron triefenden Werbetexte des Marktführers genervt haben)

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Was eigentlich im Moment so im Kino läuft hatte ich gefragt. Kleinkindersachen, Teenysachen und… da habe sie aber im Studium endlich mal was alltagstaugliches gelernt, sagt Märzkind und erklärt mir das Krankheitsbild von „folie à deux“. Interessant. Und unheimlich. Der Joker ist dann vielleicht auch eher nichts für mich. Julikind und ich verbringen einen gemütlichen Abend im Kino bei einem Film über häusliche Gewalt. Kinokarten kosten sonnstags 11 Euro, ein kurzer Moment von wottsefack

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„Das Gesicht hätte man eigentlich mal fotografieren müssen“, sagt Maikind und freut sich. Er ist der Fahrer dieser Elterntaxifahrt, denn da wo Julikind hin will, wohnt auch sein Kumpel. Der kennt das Auto noch nicht und braucht einen Moment, bis er versteht, was er sieht, als wir vorfahren. Ob er denn mal mitfahren will? Will er. Nach wenigen Sekunden sind die beiden in technische Gespräche vertieft und haben mich auf dem Rücksitz vergessen. Am Ortsausgang muss ich mich leider kurz ins Gespräch einklinken: „Ihr habt ein Video geguckt? Wir fahren mit youtube-Bremsen?“ „Jo, sicher“, sagt er völlig gelassen.

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Durch bunten Blätterwald laufen wir einen Berg runter, ohne genau zu wissen, wohin. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, das da noch was kommt, und wird überrascht. Hinter einem Zaun liegen Fischteiche versteckt. Auf dem Gelände verteilt stehen Tische und Bänke, daran fröhliche Leute, die uns herzlich begrüßen. Im Stundentakt kommen 20 Fische aus dem Räucherofen und werden sofort serviert, auf einem Holzbrett, dazu richtiges Besteck und auf Wunsch Beratung über die richtige filitier-Technik. Ich weiß garnicht, wie es dazu kam, dass wir eingeladen wurden, ist aber auch egal. Der beste Fisch aller Zeiten, in idyllischem Ambiente, schön war das.

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Wo ich denn hin wolle fragt de Omma. „An die Tür, es hat geklingelt.“ Nein, das kann nicht sein, das hätte sie gehört. Dreimal laufe ich an diesem Nachmittag scheinbar grundlos zur Tür. Dreimal steht jemand davor. Hören kann sie noch alles, de Omma, sie sieht halt nur den ganzen Tag niemanden.

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Ich mache den Scheibenwischer an, ich feudele über die von innen über die Frontscheibe, drehe die Lüftung voll auf aber es ändert sich nichts an dem Ausblick. Bei uns vor der Haustür war es garnicht so neblig, das hat sich schnell geändert. Ich mache das Fernlicht an und kann so immerhin den nächsten Leuchtpfosten am Straßenrand erkennen. „Irgendwo hiiiiieeeer müsste, nein, doch nicht“. „da, neee, daaa“, sagt Maikind. Also, wenn man die Ausfahrt erst sieht wenn man vorbei fährt ist offiziell Herbst, sind wir uns einig. Zwei Stunden später wird es hell.

Licht und Schatten, Anfang Oktober

Man übermittelt mir ein alternatives Stellenangebot den Fall, dass sich ab Montag wirklich etwas ändern sollte. Doppelt so viele Stunden, doppelt so weiter Anfahrtsweg und ich zitiere „leider noch schlechter bezahlt“, was natürlich Gründe habe, die kurz erläutert werden. Das beantwortet nicht meine Frage.

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Donnerstag ist Feiertag. Beim Abendessen fragen wir uns gegenseitig, was wir eigentlich den ganzen Tag gemacht haben. Nichts.

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Der Vater vom Zauberer ist jetzt Hypnosetherapeut. Manche Sachen kann man sich nicht ausdenken. Herzliche Glückwünsche gehen ins Land der Friesen.

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Die neue Waschmaschine wird geliefert. Sie kalibriert sich und nimmt anschließend fast geräuschlos ihren Dienst auf. Einen Moment lang stehen wir staunend im Durchgang, kein Vergleich zum Sound der Alten. Man kann hier jetzt eigentlich ganz gut sein, ein Barhocker vielleicht noch, ein kleiner Klapptisch an die Wand… gibt auch gutes W-Lan.

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Diese Erkältung war nie richtig weg, wenn man ehrlich und jetzt lässt sie sich nicht mehr ignorieren. Ich schleppe mich durch den Samstag, nützt ja nichts. Alle anderen sind zum Hecken-Schneide-Einsatz bei Schwiegermutter.

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Ach, er hat dann übrigens gleich einen Termin, sagt der Liebste, beim Mittagessen am Sonntag. Das passt, sagt der Neue, er nämlich auch, da können sie gemeinsam fahren, Maikind kann leider nicht, er ist schon woanders verabredet, ihm sagt ja keiner was… wusste man ja selber nicht, manchmal ergibt es sich einfach und dann passt das… Spoileralarm: Autos kaufen ist eine Superkraft des Liebsten. Das macht der einfach so, nebenbei.

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Montag morgen, sieben Uhr, es wäre interessant zu wissen, ob es meinen Job noch gibt, denn gegebenfalls müsste ich mich gleich auf den Weg machen. Anfrage beim Auftraggeber. Eine ungewöhnlich lange Zeit kommt garnichts. Ich packe meine Tasche und wappne mich, für einen besonderen Tag. Dann erhalte ich doch eine Antwort. Ja, die Situation hat sich geändert, ich werde nicht länger gebraucht. Vielen Dank für die tolle Arbeit. Ich wünsche von Herzen alles Gute und meine es ehrlich. Wenige Minuten später erkundigt sich die, mit der ich vor Ort direkt zusammen gearbeitet habe, ob ich denn schon etwas gehört habe, ob wir heute kommen? „Auftraggeber sagt nein“, antworte ich. „gerade sitze ich hier und frage mich, ob mein Arbeitgeber davon weiß“. Zehn Minuten später kommt eine whatssapp vom Arbeitgeber. Du bist ab heute raus, aus dem Auftrag, bitte sag bescheid, ob du in die Alternative einsteigen möchtest. Ich brauche einen kurzen Moment. Das haben die doch mit Sicherheit am Freitag schon gewusst. Mit einem sanften innerlichen Klick löst Mental-Health-Sicherung aus. Nein, ich möchte nicht einsteigen.

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Der Triathlet klingelt und der Hund schlägt an. Da hat auch recht, sagt der Triathlet, und knuddelt den Hund, so lange wie er nicht mehr hier war. „Ich habe schon gehört“, sage ich und setze Kaffee an. Bei der Geschichte, die er zu erzählen hat, reicht Kaffee alleine nicht aus. Ich fülle eine Schale mit Spekulatius. Sein Bruder ist gestürzt, es gab eine unklare Formulierung in der Vorsorgevollmacht. Um die Betreuung offiziell übernehmen zu dürfen musste er eine Schufa-Auskunft und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Natürlich, man versteht den Sinn dahinter, aber – zwei Wochen hat das gedauert, eine Ewigkeit, wenn jemand auf Intensiv liegt. Dann Grundbucheinträge besorgen, Besitz auflisten, Pflegeplatz finden, alles kompliziert und zeitaufwändig und Preisschilder an gelebtes Leben heften zu müssen macht traurig.

Och guck, vor einer Stunde dachte ich noch, mein Tag läuft scheiße – es geht wieder.

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Statt außer-Haus-Arbeit nehme ich mir den Wäscheberg vor. Später ein Telefonat mit der Freundin, wir waren so larifari verabredet für diese Woche und ich hätte Zeit. „Von heute auf morgen gekündigt? das ist blöd“, findet sie. „von heute auf morgen wäre völlig in Ordnung gewesen, die Nachricht kam eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn. Aber ist egal, eine Lernerfahrung“. Natürlich gibt es eine Wetterwarnung wegen ergiebigem Dauerregen, an dem Tag, an dem wir uns zum wandern verabredet hatten. Wir verlegen den Termin, auf wann anders.

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Die Äpfel sind reif. Wir brauchen Apfelmus. Einkochen funktioniert bei mir unter normalen Umständen im Autopilot. In der kleinen Fewo-Küche nicht, aber man gewöhnt sich.

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Märzkind bringt mir Blumen mit. Einfach nur so. Ein Glas Wein, Herbst-Wetterereignis vor dem Fenster, der Duft von frischem Apfelmus – Pause – mental health matters.

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„Was machen die da?“, fragt Julikind. Zu zweit stehen wir eine Weile am Fenster und blicken schweigend auf den Parkplatz. Drei Männer in Arbeitskleidung gehen um das „neue“ Auto herum, wechseln dabei regelmäßig die Richtungen, blicken auf Reifen, knien sich hin, stehen wieder auf, jemand holt einen Wagenheber. Irgendeinen Grund scheint das ganze zu haben, denn sie reden miteinander. Nur mal gucken würden sie wahrscheinlich ohne Worte, „keine Ahnung“, sage ich, es ist ein bisschen so, als würde man ins Aquarium gucken.

Maikind hat ein Auto gekauft, Wunschzustand zum Wunschpreis, es wurde Dienstag geliefert. Am Freitag bringt der Liebste das Wunsch-Kennzeichen mit, weil er natürlich jemanden kennt, die nebenberuflich für Leute zur Zulassungsstelle geht. Leider sind die Bremsen, die der Neue bestellt hatte noch nicht da, das verzögert den Einbau.

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Freitag morgen steht die nächste Messung der Bautrocknung an. „Was hat Ihnen denn der Kollege gesagt?“, fragt der freundliche junge Mann. „Es waren drei verschiedene Leute aus Ihrer Firma da, jeder hat was anderes gesagt.“ „Ja“, er lacht „das ist immer so“. Er misst nach, er murmelt. Das decke sich mit dem, was der Kollege vor zwei Wochen gemessen und angegeben hat. Er habe dann jetzt im Auftrag stehen, dass er die Fliesen abnehmen soll. „Aha“, sage ich.

Während der in der Küche die Fliesen von der Wand geholt werden, klingelt der Postbote, er braucht meine Unterschrift. Die offizielle Kündigung kommt per Einschreiben, außerdem ein Paket mit 6 Kartuschen gratis Waschmittel, die gabs zu der Waschmaschine dazu.

Eine halbe Stunde später bittet der Handwerker um Entscheidungen. Soll ihre Firma die Sanierung übernehmen? Jo, so hatten wir das gedacht. Natürlich, er könne das so schreiben aber, „ich sag Ihnen ganz ehrlich, dies Jahr wird das nichts mehr“ Ok. Neuer Plan.

Ich würde also bei verschiedenen Handwerksfirmen Kostenvoranschläge einholen, denn wir möchten die Räume gern zeitnah wieder nutzen. Er wirkt erleichtert, dann schreibt er jetzt Fremdfirmen und dann muss er garnicht sooo genau dokumentieren, und für die Wand da hätte er noch einen Rat, wenn ich Bedarf hätte. Gerne. Wo wir uns so nett unterhalten, „wieso hat der Kollege, der hier vor vier Wochen die Trocknungsgeräte hingestellt hat nicht schon sofort die Fliesen abgenommen?“, frage ich. Ja, es sei so, man würde meinen, diese Fliesen gäbe es nicht mehr, kann man aber natürlich bestellen, in einer Firma die Kleinstauflagen nach Muster fertigt – da kostet dann so eine Fliese 10x10cm 20 Euro. „Die Fliesen sind vierzig Jahre alt und naja, sehen sie ja selber… Wir hätten die dann einfach alle abgemacht und irgendwas neues hin“ „Das sagen Sie, das sage ich, aber es gibt Leute… das stellen Sie sich nicht vor“, sagt er.

Herbstanfang

Es gibt gute Nachrichten, mehrere. Hinter jeder steht eine Geschichte. Aus Zeit- und Verschwiegenheitsgründen werden die unerzählt bleiben. Allzuviel Vorstellungskraft braucht es allerdings nicht, wenn man schon mal mit Teenagern zu tun hatte oder mit Altbauten.

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Maikind hat seinen Führerschein bestanden und darf jetzt begleitet fahren.

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Wenn „alle“ zum essen da sind, bedeutet dass wieder 6 Personen. Auf dem Plus-Eins-Platz sitzt jetzt allerdings jemand anderes. Drei Tage geben sich alle Mühe einen guten Eindruck zu machen, dann ist die Integrationsphase abgeschlossen.

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Der Estrich in der Küche kann drin bleiben. Juhu! Der Fussboden im Wohnzimmer auch. Wer hätte gedacht, dass das mal als gute Nachricht durchgeht. Bautrockner laufen, man freut sich darüber, nach neun Wochen. Andererseits – die Geräuschkulisse, die Raumluft, die Umstände… die Trockner ziehen Lebensenergie. Als Symbolbild der Stimmung, diese im Gewürzregal vergessene Chili.

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Ein abrupter Wechsel der Jahrezeiten. Zwischen „boar ej, man schwitzt im sitzen“ und „hätte ich mal lieber Handschuhe mitgenommen“ liegen nur 36 Stunden.

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Wir hatten SterneHerzenBrezeln, gefüllte Herzen, Marzipan-Nougat Baumstamm, Blätterkrokant und Spekulatius. Ich wäre dann durch mit Weihnachten, von mir aus könnte das Sortiment wieder raus. Leider ist das Gegenteil der Fall. Die Drogerie bietet 30 verschiedene Adventskalender. Am ersten Oktober. Ich spüre das Erwachen meines inneren Grinches.

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Es ist nur eine Erkältung. Wobei das „nur“ sich auf den Covid-Massstab bezieht. Früher – da hätte ich durchaus gejammert. Drei Tage bin ich völlig fertig und werde dann wieder gesund. Einfach so. Schön ist das.

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Autsch. Da bin ich aber irgendwo ganz fies hängen geblieben. Ich ziehe meinen Arm und die Wäsche wieder aus der Waschmaschine, kann aber nichts finden. Merkwürdig. Bei der nächsten Ladung das gleiche, ich fluche und wundere mich, erkältungsbedingt allerdings nur ein bisschen. Stunden später kommt mir eine Idee, was das für eine Art Schmerz gewesen sein könnte, aber das ist unmöglich oder, frage ich Maikind. „Naaargh“, sagt er, muss er mal gucken. Beim Abendessen ist klar, ich hatte recht. Da fließt Strom, wo keiner sein sollte, er hat auch direkt einen verbraten gekriegt, musste er garnichts messen, sagt Maikind. „Und jetzt? Lieber nicht mehr benutzen?“, frage ich nach. „Auf. Keinen. Fall.“, sagt er und guckt dabei einen Lebensgefahr durch Dummheit Blick. Dachte ich mir schon.

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Erkenntnisse im Vorbeigehen: Man hat viel Platz, so ohne Spülmaschine und Unterschränke und Waschmaschine. Man braucht eigentlich ziemlich wenig Geschirr, wenn man immer alles sofort mit der Hand spült. Man gewöhnt sich an die seltsamsten Abläufe. Zum Kochen und spülen gehen wir jetzt eben einmal ums Haus, in die Ferienwohnung. Was für ein Glück, dass wir die haben!

Nach 10 Tagen ohne Waschmaschine ist die Definition von „nichts zum anziehen“ eine andere.

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Er würde eventuell heute noch einen Whiskey trinken, sagt der Liebste, abends nachdem wir gemeinsam den Abwasch gemacht haben. Ich auch. Problem: Da wo wir sind gibt es keinen Whiskey, und wo der Whiskey ist gibt es kein Sofa, niemand hat Lust noch zweimal ums Haus zu laufen. Eine halbe Stunde später sitzen wir auf dem Bett, jeder mit einem Buch und reichen uns hin und wieder das Glas rüber. Eine richtig gute Lösung, hätten wir schon eher mal drauf kommen können. Der angemessene Abschluss für so eine Woche. Naja, fast, es ist Dienstag. Eventuell gibt es eine leichte Tendenz Richtung Schnauze voll.

die beste Ansage

Das Freibad in dem wir uns befinden ist alles in allem wohl ungefähr so groß wie ein Fussballfeld und wirkt liebevoll gepflegt, soweit man das beurteilen kann, denn es ist rappelvoll. Auf der Liegewiese sind zwei Mannschaftszelte aufgebaut, darin jeweils zwei Biergarnituren, rund herum stehen Iglo-Zelte, zwischendrin einige Gästebett-Luftmatratzen, einfach so auf der Wiese, überall liegen gemischte Stapel aus Handtüchern und Campingzubehör. Man hat das Tor im Zaun geöffnet, auf dem Grundstück der benachbarten Kita sieht es genauso aus. Fröhliche Menschen jeden Alters grüßen sich herzlich, wenn sie sich vor den Duschen begegnen. Sonnengebräunte Tagesgäste übergeben an die Feierabendschwimmer. Es riecht nach Abend im Freibad, aber die Geräuschkulisse passt nicht, denn dieses Bad wird heute nicht schließen. Da wo normalerweise Eintritt kassiert wird steht ein Bierpilz, am Beckenrand eine Pommesbude, der Kiosk hat geöffnet und die Sauna ist auch in Betrieb.

Zu dritt sitzen wir auf einer Bank am Zaun, schauen schweigend den Leuten zu und fragen uns allmählich, ob wir hier überhaupt richtig sind. Es gibt keinen Meter freie Fläche, wo bitte sollen Chearleader auftreten? Dann tut sich was. Die Dorfjugend trägt den 12 Personen-Stehtisch ein paar Meter weiter, Kiosk-Sitzgarnituren werden bis ans Beckenrandgeländer gezogen. Ein sportlich aussehender älterer Herr macht sich durchs Mikrofon bemerkbar. Er begrüßt alle Anwesenden und scheint sich wirklich zu freuen, dass so viele da sind. Hier im Dorf-Freibad ist es ja immer schön, das verdankt man dem Manfred, wo isser denn? *Lautäußerung vom Bierpilz aus* – ah, der ist zum gemütlichen Teil übergegangen, es sei ihm gegönnt, der kümmmert sich nämlich mit seinem Team das ganze Jahr um Hecken und Grünflächen, *dankbare Lautäußerungen, Applaus/ Gemurmel vom gesamten Gelände* besonders herzlich begrüßen möchten wir auch die Inge, die sich mit ihrem Team um den Kiosk kümmert, da gibts ja immer gute Sachen, aber heute eben ganz besonders *Applaus, Gemurmel*, ein herzlicher Dank auch an die DLRG, die die ganze Zeit in Bereitschaft steht und heute Nachmittag leider schon zum Einsatz kam, toll übrigens, dass alle sich an die Parkplatz-Regeln gehalten haben, der Rettungswagen kam einfach so durch, und das war wirklich gut… will man lieber nicht drüber nachdenken, wie das sonst…. *Zuschauer nicken und murmeln*, besonderer Dank geht auch an die Stricher am Beckenrand, die teilweise die ganze Nacht im Einsatz sein werden, (gemeint sind die Menschen, die am anderen Beckenrand mit Klemmbrettern auf Plastikstühlen sitzen, um die geschwommen Bahnen den Startnummern der Teilnehmenden zuzuordnen und dokumtieren, dass wirklich 24 Stunden lang immer irgendwer Bahnen schwimmt – nur für denn Fall, dass sich sonst noch jemand gewundert hat ) und dann freuen wir uns natürlich, dass die Dorfjugend so zahlreich erschienen ist *Lautäußerungen vom 12 Personen-Stehtisch*, wir nähern uns dem ersten Höhepunkt der Veranstaltung: Die Chearleader vom Sportverein des Städtchens werden jetzt gleich auftreten, morgen vormittag gegen elf, folgt dann der nächste Höhepunkt, da tritt der Shantychor des Nachbarortes auf. Offizielles Ende mit Ehrungen dann morgen um 13 Uhr, Getränke wird es selbstverständlich die ganze Nacht hindurch geben und der nächste Saunaaufguss ist um 21 Uhr, mit Zitrone/Orange. Jetzt wünsche ich allen einen schönen Abend. *Applaus* Dann geschieht einen Moment lang gar nichts. Die Chearleader stehen in Formation bereit, gucken fragend Richtung Kiosk, eine gestikuliert… Jemand müsste mal Musik… „Hach! Ja. Da war doch… so n Schtick… hatte man ihr ja gesagt, sowas aber auch“ sagt eine Frau, die vielleicht die Inge ist. Dann beginnt die Show und das Publikum ist beeindruckt, einige hören sogar auf, zu schwimmen. Sowas hat man hier noch nicht gesehen. Ich sehe es ja öfter, aber, das eben war vielleicht die beste Ansage, die ich je gehört habe.

Nach dem Auftritt tragen wir Schwimm- und Picknicktaschen wieder ins Auto und fahren an den nahe gelegenen See. Im Auto fragen wir uns, wie wir denn eigentlich auf dieser Veranstaltung gelandet sind? Lauras Oma ist Vorstand im Freibad-Verein. Ach so.

hinter der Hecke

( eine Geschichte aus dem Sommer 2022, denn dieses Jahr hält uns der Sommer beschäftigt )

Der Gast hatte mich nach Wanderwegen gefragt, dann haben wir uns verquatscht. Die Wäsche, die ich vorhin aufgehangen habe kann ich vielleicht direkt wieder mit rein nehmen, so brüllewarm, wie das heute ist, sagt er. Kurzer Check, nee, eine halbe Stunde fehlt noch, verrücktes Wetter…

Ahh, beim Stichwort verrücktes Wetter fällt ihm noch was ein, sagt der Gast. Er geht ja in letzter Zeit nachts spazieren, ist uns doch bestimmt aufgefallen… Nee. Also, wenn er von der Arbeit kommt ist er von der Hitze so hinüber, dass er quasi direkt nach dem Duschen einpennt. Wenn er ausgeschlafen hat, morgens um drei, kann man nicht viel machen, außer halt spazieren gehen. Ist richtig schönes Wetter dann, nicht zu warm, nicht zu kalt. „Aber – weißte was seltsam ist?“ Ich schüttle den Kopf. „Da… auf diesem Grundstück…. “ er gestikuliert, ich weiß bescheid „da steht immer jemand hinter der Hecke, egal, ob du da abends um elf lang gehts oder morgens um halb zwei“. „Ja, nee, ist klar“, sage ich und deute vielsagend auf seinen Aschenbecher „nee, nee, nee, davon kommt das nicht“, sagt er. „Neulich, bin ich so gegen eins los, da stand sie da. Als ich um halb drei zurück gekommen bin, immernoch – oder schon wieder, könnte natürlich auch sein, auf jeden Fall an genau der gleichen Stelle. Ich also auf die Person zugegangen, vor der Hecke stehen geblieben. Zurück geguckt. Die war eindeutig echt. Aber – keine Reaktion. Da hab ich sie gefragt, ob ich vielleicht irgendwie helfen kann, daraufhin hat sie sich wortlos umgedreht, ist ins Haus gegangen und hat die Tür abgeschlossen. Das. war. unheimlich.“ „Gute Gruselgeschichte“, sage ich lächelnd. „Nee, nee, nix Gruselgeschichte, ist ehrlich genau so passiert“. Ich erkundige mich, wie die Person denn ausgesehen habe. Der Gast gibt eine exakte Beschreibung des Hausbewohners, inklusive eines kleinen Details, dass man sich beim besten Willen nicht ausdenken könnte.

„Boarh-hoo“, sagt der Liebste, als ich ihm die Geschichte erzähle, „das merkste jetzt aber selber, oder?“

Jo, schon.

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Ende Juni

Das Familienunternehmen mit Tradition, ist dann wohl offiziell insolvent, jemand schickt mir einen link zum Insolvenzregister und wirkt überrascht. Ich leite die Nachricht an den Liebsten weiter, „tja“, sagt er nur. Die Teams Traditon und Familie haben schon vor Jahren Abschied genommen. Aus Gründen.

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Die Mülltonnen, die laut Plan heute hätten geleert werden sollen stehen immer noch genauso da wie heute morgen. Ich ziehe sie hundert Meter weiter, denn hier kommt morgen niemand durch. Die Tonne, die für den nächsten Tag auf dem Plan steht hole ich dazu.

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Endlich Sommer. Statt im Auto zu warten nehme ich mein Buch und setze ich mich auf die Brücke am rauschenden Bach, umgeben von grünen Wäldern. Auf der anderen Uferseite wird Heu gewendet, der Wind trägt den Geruch bis hierher, als wäre eine Postkarte lebendig geworden. Die beste Mutti-Taxi-Wartezeit des Jahres.

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Seine Mitfahrgelegenheit sollte eigentlich jetzt hier sein, aber, der, der im Städtchen zusteigt steht noch, sagt Maikind und wird ein bisschen blass. Klassenarbeit in der ersten Stunde – ob ich ihn vielleicht fahren würde? Ja sicher. Der Bus ins Nachbarstädtchen mit Berufsschule ist seit 28 Minuten weg (Stadtkindern muss man vielleicht erklären: der Bus bedeutet, da fährt heute sonst nichts mehr) Wir bringen Julikind noch zur Bushaltestelle auf dem Berg, und dann aber… och guck, das Auto vor uns an der Bahnschranke kennen wir, es hat mit 99,5%iger Wahrscheilichkeit genau den gleichen Weg und hätte Maikind bestimmt mitgenommen. Warum haben wir uns denn vorher nicht gesehen? Muttitaxi-rush-hour an der Bushaltestelle… mein Hirn spielt spontan 90er Jahre Musik: isn`t it ironic?

Wenn ich jetzt eh im Nachbarstädtchen bin, kann ich auch gerade noch ein paar Lebensmittel einkaufen. OK, ich hatte gedacht, die stellen die Straßensperre 10 Meter weiter hinten auf. Gut, dass ich unterwegs war, denn unsere Einfahrt ist jetzt dicht. Ich parke hinter dem Haus und trage alle Einkäufe durch den Garten.

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Lieferengpass, jeder bekommt nur eine Packung. Kein Problem, reicht mir, aber ääähhh? Der Liebste war für mich in der Apotheke und hat etwas abgeholt, das fast so heißt wie das, was ich brauche. Nachfrage in der Hausarztpraxis. Das Rezept war korrekt, wenn die Apotheke es so rausgibt, hat es den gleichen Wirkstoff in gleicher Dosierung, sagt die Dame am Telefon. Na gut.

Fun fact: Dieses Importprodukt hat einen fett gedruckten Warnhinweis auf dem Karton. The action of *Medikament hier in der Schachtel* may last for up to 6 hours, weitere Dosierungshinweise und Handlungsanweisungen für den Fall, dass es nicht besser wird plus Infos zur richtigen Lagerung. Man geht also davon aus, dass es zu medinzinischen Zwecken genutzt wird, von Leuten, die nachts gern schlafen möchten. Das ist nett. Auf der deutschen Packung steht nur der Wirkstoff.

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Der Linienbus ist wohl schon weg, als wir drei Minuten vor der laut App planmäßigen Abfahrtszeit an der Bushaltestelle ankommen. Da steht kein Mensch. Wer jetzt hier lang fährt will mit ziemlicher Sicherheit Richtung Städtchen, spontan ergibt sich eine Mitfahrgelegenheit. Das Kind, bei dem ich mir sicher war, dass es zur Bushaltestelle gefahren werden muss, verlässt, leicht gehetzt aber pünktlich das Haus und erwischt den Schulbus. AS-Taxi-Verspätung bis zu 15 Minuten ist normal, solange muss man warten, dann kann man anrufen, was Märzkind gerade tut. Aha, ja, hatte sie sich gedacht. Wir waren um 7.59 Uhr hier, es war knapp, deshalb wissen wir es genau. Anscheind hat man uns nicht kommen sehen, auf der langen Geraden. Oder… ist vielleicht schon um 7.58 Uhr losgefahren? Egal, der Anschluss ist weg.

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Der Hund hat sich geschnitten, so richtig. Jeder Schritt hinterlässt eine kleine Blutlache auf den weißen Fliesen. Wieso hab ich das denn nicht vorher schon gesehen? Er läuft ganz normal, aber der Flur sieht aus wie ein Tatort. Nicht so schlimm, wie es aussah, zum Glück, aber – einen Hund ruhig zu halten, der lieber raus möchte ist anstrengend.

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Der einzige Facharzt, bei dem überhaupt noch jemand das Telefon abnimmt, kann einen Termin im September anbieten, nachdem man glaubhaft versichert hat, dass man im Einzugsgebiet seiner Zuständigkeit wohnt, verweist aber darauf, dass das eigentlich zu spät sei, denn Zeit sei hier wichtig. Mit Dringlichkeitscode auf der Überweisung könnte man über das medizinische Versorgunszentrum eventuell einen früheren Termin beim anderen Facharzt bekommen. Wir wussten nicht, dass es Dringlichkeitscodes existieren. Anruf in der Hausarztpraxis. Überhaupt kein Problem, der muss allerdings persönlich abgeholt werden. Ab ins Städtchen. Die abholberechtigte Person bringt einen 2×3 cm großen Papierschnipsel, der aussieht wie aus einem Kita-Papierkorb entnommen, darauf steht schlicht Vermittlungscode und eine 12 stellige Zahlenkombi. Man fragt sich Verschiedenes. Anruf im MVZ. Leider sind im 50 Kilometer-Radius innerhalb der nächsten 6 Wochen überhaupt keine Facharzttermine zu bekommen. ACH! WAS! genau das war doch das Ausgangs-Problem. Von sowas steht nie was in der Landlust.

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Eine Person verlässt das Nachbarhaus. Ich erkundige mich, ob da alles soweit… oder sollte lieber heute Nachmittag nochmal jemand gucken? Alles gut, da drin, erfahre ich und noch einiges mehr.

Dorftratsch: Ein Esel ist gestorben und zwei Hunde beinahe, zum Glück ist jemand drauf gekommen, dass es eine Vergiftung sein könnte, gerade noch rechtzeitig. Als kurz danach ein Pferd krank wurde haben sie das Futter durchgesiebt. Gefunden wurden Glassplitter, Heftzwecke und Teile einer Pflanze die für Pferde giftig ist. Die wächst hier nicht. Es gibt einen Verdacht. Man möchte das garnicht weiter denken.

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De Omma würde ihren Geburtstag gern so feiern wie immer. Das wird nicht möglich sein. Gut. Dann Frühstück. So wie die letzten beiden Jahre. Da hatte sie am Wochenende. Dieses Jahr nicht. Wer arbeiten muss, oder verstorben ist, wird nicht kommen können und außerdem hat ihr Wunschlokal leider geschlossen. Ach was, das haben wir letztes Jahr auch gesagt, dann hat sie nachgefragt und es ging. Nnnjaaa, richtig. Aber, dies Jahr ist wirklich geschlossen und vielleicht könnte eine Feier in einem Betrieb, der mehr als 2 Beerdigungskaffees und ein Frühstück im Jahr ausrichtet sogar noch schöner werden. War doch prima da, macht sie genau so wieder, sagt de Omma. Cheerio – Miss Sophie!

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Es ist schon Ende Juni und man kann hier noch schwimmen, das ist toll, stellen der Liebste und ich fest. Der Edersee ist voll, die nächste Badestelle liegt somit nur 15 Minuten entfernt. Herrlich ist das. Und tatsächlich das erste Mal in diesem Jahr, das ich im Wasser bin. Zu Hause trage ich die Winterjacken auf den Dachboden.

Anfang Juni, 2024

„Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich erwartet hatte, aber, das nicht“, murmele ich, während wir vor der Tür der saubersten Parkhaustoilette aller Zeiten Wache stehen. Nee, sie irgendwie auch nicht, sagt Märzkind. Julikind kommt dazu, bemerkt, dass diese Toilette wirklich angenehm…. sogar mit Seife… und, hier riecht es aber seltsam. Jo, sagen wir und deuten auf den Passanten der da beschwingt um die Ecke biegt. Der erste freilaufende Kiffer, der uns begegnet ist war ein junger Mann in gepflegtem Sportoutfit, mutmaßlich Pysiotherapeut, mit Barbershop Frisur, tätowierter Wade und riesiger Brötchentüte in der Hand, morgens um halb zehn in der Kurstadt.

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Ein Hauch von Sommer. Die Sonne hat Kraft, der Wind aber auch. Man weiß es nicht. 30er Sonnencreme und Strickjacke, Pollenflug des Todes plus Heuernte. Die Allergiker kacken ab.

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Kinderstunde. Leicht flusig gefiederte Meisen, Kleiber, Gimpel, Specht und Spatzen üben den Anflug und bekommen eine Einweisung in Sachen Sonnenblumenkerne am Futterhaus. So süüüß. Junge Füchse trainieren voll konzentriert das Mäuse fangen auf frisch gemähter Wiese, am hellichten Tag, direkt neben der Straße. So süüüß. Das Reh, das irgendwie zur Nachbarschaft gehört hat Zwillinge, erzählt jemand auf der Geburtstagsfeier. Ja sicher, haben wir schon gesehen, sagen alle Gassigeher und Anwohner. So süüüß. Direkt vor uns huscht was kleines felliges über die Straße, ein Baby-Marder, süüüß – und schön, dass der hier im Wald wohnt und nicht in der Nachbarschaft.

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Familientreffen. Das Schloss im Wald ist privat, weiß jeder. Geplant war, auf dem Wanderweg, der am Gebäude vorbeiläuft zu spazieren und auf der Wiese ein Foto von allen, mit Schloss im Hintergrund, zu machen. Aus der Cousinen-Generation ist allerdings jemand mit dem verheiratet, der sich um die Außenanlagen kümmert und sie sagt, eventuell dürfen wir auf den Hof und ein Foto machen, direkt vor dem Haus, in dem die Geschwister-Generation damals gewohnt hat. Es gab allerdings noch keine Bestätigung. Die Cousine geht vor, um nachzufragen, alle anderen warten am Tor.

„Sie winkt“, sagt jemand, der weiter vorne steht.

„In welche Richtung?“, fragt eine Cousine

„Hä?“, fragt die Stimme von vorne

„Na, ist es ein „macht das ihr weg kommt, lauft so schnell ihr könnt“- winken oder sollen wir kommen?“

„Ääh, warte mal…. nee, doch, wir dürfen“

Och guck. Ich hatte keine Ahnung, dass hier noch ein Haus steht, dabei bin ich bestimmt schon hundert mal vorbeigelaufen, an den Gebäuden. Ich dachte, das wäre eine Scheune und sonst nichts. Und ich bin nicht die einzige. Die Geschister-Generation geht nickend über den Hof, da der Stall und da, in dem Türmchen, gegenüber vom kleinen Haus war das Klo. Das Schloss, der Wald, das Flüsschen alles zusammen ergibt scheinbar eine märchenhafte Idylle. So war es aber nicht, man kann es noch sehen, in ihren Augen. 30 Meter über den Hof laufen zu müssen bis zur Toilette erscheint einem schon an einem sonnigen nachmittag unpraktisch, bei Regen oder Schnee, im stockdunkeln…. lieber nicht.

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Das erste Mal zu viert zu einer Wahl gegangen. Man tut was man kann, und lauscht abends kopfschüttelnd den Ergebnissen.

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„Boar, kumma hier, was ich! hier! habe!“, freut sich das Geburtstagskind. Der Liebste und ich tauschen einen high-five Blick mit einem Hauch von Nostalgie. Ist doch schon länger her, dass wir sandkastentaugliche Landmaschinen verschenkt haben.

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Als ich das letzte Mal über 7°C und Regen gejammert habe, hat es zwei Tage später geschneit. Aber, ach, zweistellige Temperaturen wären schon schön, morgens um halb neun, im Juni. Hunderunde gehe ich in T-Shirt, aber mit Winterjacke drüber. Wäre es nicht so hell und so grün, würde ich sagen, Oktober.

Der vier Uhr zwanzig Vogel

Mein Kopf ist schon wach, sehr wach, wie ein fünfjähriger nach einem halben Liter Isogetränk, mein Körper nicht. Wirkung und Nebenwirkung, es ist Mai, man muss sich entscheiden, tagsüber gut atmen oder nachts gut schlafen. Ich frage mich, wie spät es wohl ist, um auf die Uhr zu gucken müsste ich mich umdrehen. Oder auch nicht. Ein sanftes FlapFlap-Geräusch im Baum, vor dem Fenster dient als Zeitansage. Die Amsel ist da. Sie räuspert sich, macht ein paar Tschilp-Laute …Test, zwei drei… und begrüßt dann in wirklich beeindruckender Lautstärke den neuen Tag. Man könnte quasi, wie Mary Poppins den Arm einladend aus dem Fenster halten…mein Hirn spielt „wenn ein Löööööffelchen voll Zuuucckaaaa….“, im Bett neben mir ein Brummgeräusch. Der Liebste richtet sich auf und schließt das Fenster, setzt sich noch einen Moment, um wach zu werden und macht seinen Wecker aus. Der hat die ganze Woche noch nicht geklingelt denn, ich zitiere „irgendein scheiß-Vogel tririlliert da um zwanzig nach vier so dermaßen laut…“.

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De Omma hat einen guten Tag, wir sitzen am Küchentisch und unterhalten uns nett. Da hat sie aber eine schicke neue Pillendose, sage ich. Ja, die sei tatsächlich neu, und leer, bestimmt kommt dein Vatta gleich, der füllt ihr die jetzt immer, ist auch neu. Es klingelt an der Tür, „Och guck, da ist er schon“, sagt de Omma, „gerade von dir gesprochen“, sage ich, „die Dosen sind leer“. „Das kann nicht sein“, sagt der Vatta, hat er Donnerstag erst gemacht. Er nimmt das kleine Pillenregal auseinander, ordnet die Wochentage in die richtige Reihenfolge und stellt fest, es sind wirklich alle Fächer leer. „Ja sicher“, sagt de Omma, nimmt sie ja immer, so wie er gesagt hat. Wir haben Sonntag. Einen Moment lang wundert sich jeder im Raum über was anderes.

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Es regnet, aber das ist fast egal, denn es ist nicht kalt und viel nasser kann man nicht mehr werden – dachte ich. Dann setzt sich das Fahrgeschäft sanft in Bewegung “ uuuund jetzt mit Schwuuung“ sagt die fröhliche Jahrmarktstimme. Durch die entstehenden Fliehkräfte läuft sämtliches Regenwasser, dass sich während der minutenlangen Wartezeit irgendwo im Rückenbereich gesammelt hat auf den Sitz und wird von meiner Jeans aufgesogen, zeitgleich reagieren meine Innereien überrascht, auf die schnellen Veränderungen der Schwerkraft-Bedingungen und ich bin mir ehrlich gesagt einen Moment lang nicht sicher, ob ich diesen sensorischen Gesamteindruck angemessen schnell werde verarbeiten können…. dann nimmt der linke Fuss eine leicht angewinkelte Position ein, baut Verbindung zur rechten Seite der Hüfte auf, mein Magen sagt „ach so“ und alles ist fein. Anscheind kann der Autopilot die neunziger Jahre BreakDancer-Muskulatur noch ansteuern. Ob es mir gut geht, fragen die Mädels, als wir uns nach Fahrtende am Kassenhäuschen wieder treffen. Man dachte kurz, ich kotze vielleicht. Ja, ich auch, aber alles gut. Wir sehen aus, als wären wir aus der Wildwasserbahn gekommen, aber alle sind fröhlich. Bei Sonnenschein hätte die Fahrt vermutlich nur halb so lange gedauert.Fürs Protokoll: Einmal BreakDancer fahren kostet 5 Euro, ein Schokokuss 1,20 Euro. Gefühlt war das teurer als im letzten Jahr.

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Ich fahre Julikind ins Nachbardorf, ab da kann sie mitgenommen werden. Natürlich ist sie aufgeregt, aber es geht, so gut, dass man sich fast ein bisschen wundert. Wir freuen uns beide darüber. Start zu einer Klassenfahrt. Ohne besondere Vorkommnisse.

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Ganze Regalreihen wurden verstellt und umsortiert, mein Einkaufzettel passt nicht mehr zur Laufrichtung. Ich irre durch den Rewe wie ein mittelalter Mann am Tag vor Heilig Abend.

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Eigentlich wollte ich zu „Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen und danach gehen wir in aller Stille auseinander“ Beerdigungen nicht mehr hingehen. Ausser halt, es ist der Karl Heinz. Hier passt das Konzept, denn der Karl-Heinz hat konsequent garnichts verfügt, sagt die Freundin. Also haben die verbliebenen fünf Geschwister sich gekümmert, um die letzten Tage des Lebens und den Rest. So wie man das macht, wenn man aus einem landwirtschaftlich geprägten Haushalt mit Nebenbei-Bestattungsunternehmen kommt. Den Tod braucht in dieser Familie niemand zu fürchten. Das ist eigentlich was schönes. Wer nicht zum engsten Kreis gehört verlässt im Anschluss an die Beisetzung den Friedhof leise – bis zum Zaun. Dort atmet jeder einmal tief durch, dann endet die Stille und es fühlt sich kein bisschen seltsam an.

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Wir freuen uns über eine richtig gute Honigernte. So macht das Spaß. Einerseits. Andererseits dauert jeder einzelne Schritt etwas länger als gedacht. Die Küche ist zwei Tage lang ausser Betrieb. In alter Tradition natürlich in der Woche, in der Maikind Geburtstag hat. Eine Stunde vor Beginn des Kaffeetrinkens regiert noch das Chaos. Aber, mit großen Kindern reicht tatsächlich eine Stunde um das Esszimmer von Honigabfüllstation in Kaffeetafel zu verwandeln. Ich staune.

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Maikind wird 17, eigenes Geld, auf dem Weg zum Führerschein, Wahlbenachrichtung bekommen, hach, „und wir müssen noch Fotos machen, damit man sieht, wie die klein die Uromas im letzten Jahr geworden sind“

Blumen und ein lost place

Julikind ist ganz aufgeregt. Es wird einen Vortrag geben heute, für alle, in der Festhalle, nachher noch einen workshop in der Schule, über cybermobbing, weil, damit kennt die sich ja wirklich aus, die arme…. Ich hab den Namen der Rednerin noch nie gehört. echt nicht? wie kann das sein? da fragt man sich aber schon…. Die junge Frau, war vor längerer Zeit Teilnehmerin der Sendung „germanys next Topmodel“ , hat das Format anscheind auf eigenen Wunsch verlassen und daraufhin feedback der aller übelsten Art bekommen. Sie tourt jetzt durch Schulen und betreibt Aufklärungsarbeit. Cybermobbing, Vertragsverhältnisse, Beauty-Standards, mental health, es dauert nur 3 Stunden, die Infos in pubertierende Gehirne so reinzubekommen, dass es verarbeitet wird. Ich bin begeistert.

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Da sind richtig viele, richtig schöne Fotos entstanden, auf der Feier. Als wäre ein Fotograf mitgelaufen. Märzkind macht immer tolle Bilder, es ist ihre Kamera. Maikind hat die benutzt um sich selber unsichtbar zu machen und so Leute vor die Linse bekommen, die seit Jahren auf keinem Bild drauf waren. Ungestellte Fotos erzählen interessante Geschichten.

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Der Garten sieht jeden Tag anders aus. Man sitzt so da und freut sich, diskutiert Rasenhöhen, Gießrituale und überlegt mit einem ersten Halbsatz, dass es vielleicht bald schon zu warm für so zum sitzen sein könnte. Ach was. Schön ist das.

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Aufgrund der außergewöhnlichen Umstände des kommenden Wochenendes bekomme ich schon Freitag einen Muttertagsstrauß – und was für einen. Boar. Gut, dass ich den nicht in den Status gestellt habe, stelle ich Sonntag abend fest. Da wären alle anderen Mamis (inklusive meiner, hüstel) aber traurig geworden. „Ahhh, kamma aber ruhig“, sagt Märzkind.

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Na, wer ist gleich auf dem ersten Bild der Fotostrecke vom Brauchtumsfest in der online Ausgabe der Regionalzeitung? Ich natürlich. Somit ist dokumentiert, dass ich da war. Leider kann man auch sehen, wieviel Spaß ich hatte. Vielleicht kann ich nächstes Jahr das ehrenamtliche Engagement der jungen Menschen irgendwie vom homeoffice aus würdigen. Mit hundert anderen Leuten aus dem gleichen Spülwasser trinken fühlt sich nach dreimal Corona nicht mehr gut an, Persönliche Befindlichkeit, ausgelöst durch den Biergeschmack, den das Wasser des Julikinds hatte, in Kombination mit Blasmusik und Schießsport. Gab den ganzen Morgen Freibier, gutes Fest

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Eine Cousine meiner Mutter meldet sich bei mir, mit der Bitte um Verbreitung einer Nachricht, zwecks Familientreffen. Aus Altersgründen muss die Organisation in die nächste Generation übergehen. Ich wundere mich kurz. Strenggenommen bin ich schon die übernächste Generation, andererseits, die Cousine meiner Mutter ist vielleicht 7 Jahre älter als ich, wenn überhaupt. Gebucht wurde, witzigerweise die Unterkunft, die nur drei Häuser von uns entfernt liegt. Der Liebste freut sich, wollte er sowieso mal gerne angucken, das Haus, und erkundigt sich, welche Cousine das denn da war am Telefon. Ich zeige ihm das whatsapp Foto. Sieht aus wie deine Cousine – nur halt mit braunen Haaren. „Fa-mi -li-en-treffen“, sage ich. De Mudda kommt auf 17 lebende Cousinen und Cousins aus dieser Richtung, hat sie extra nachgerechnet. Da sehen alle aus wie irgendwer.

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Eigentlich wollte ich nur kurz fragen ob alles OK ist, dann haben wir uns verquatscht. Die Gästin wird ein Haus kaufen hier im Ort. Es hat eine Weile gedauert, bis das möglich war, und heute war sie zum ersten Mal drin. Der letzte Mieter ist schon lange weg, wohin weiß eigentlich niemand. Bevor er ging hat er die Wasser- und Elektroleitungen ausgebaut und verkauft. An der Tür waren Zinken, jeder der wollte durfte rein. Also, da wo sie wohnt hätte es keine 10 Minuten gedauert, bis jemand diese kostenlose Übernachtungsmöglichkeit genutzt hätte, aber hier…? „Also, ich wüsste ehrlich gesagt garnicht, wie das Symbol für „jeder der will darf rein“ aussieht“, sage ich. Auf dem Dachboden haben sie Kinderkleidung gefunden und Spielzeug. Es gab ein Gerücht, dass der letzte Mieter mit einer Frau aus dem Ort verschwunden sei, erzähle ich und lasse es scherzhaft nach Aktenzeichen XY klingen, die hat einen Sohn. Die Gästin wird blass. „Der Junge – ist der noch da?“. Sicher, der wohnt bei seinem Vater. Sie wirkt erleichtert und möchte Fotos zeigen. Ein lost place, mitten im Dorf. Man braucht tatsächlich nicht viel Fantasie, um dort verschwundene Kinder zu vermuten.

Konfirmation und ein Ausflug

Man einigt sich für heute auf untentschieden. Es wird zu kalt in der schicken Klamotte. Diese letzte Runde Kubb lief über zwei Stunden, zweimal gings auf den König und dann doch nicht… eine Verabredung wird getroffen für irgendwann in diesem Sommer, auf dem Sportplatz, bis es entschieden ist. Was hatten wir ein Glück mit dem Wetter, niemand hätte letzte Woche damit gerechnet, dass man heute die halbe Party draußen feiern kann.

Als die letzten Gäste gegangen sind, stehen der Liebste und ich vor den Resten des Kuchenbuffets. „Da ist aber ordentlich was übrig geblieben“, sagt er. „Das war eine Torte mehr, als ich dachte und 10 Leute weniger“, sage ich. Oh. Alles ist wunderbar hin gekommen.

Schön war`s. High five.

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Verschiedene Erkenntnisse im Nachgang, wie bei jeder guten Familienfeier. In großer Runde werden manchmal Dinge sichtbar, die sonst nicht auffallen und umgekehrt.

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Wenn das Schiff wendet, lassen die dabei entstehenden Wellen die Sperrmauer überschwappen. Wann haben wir den Edersee das letzte Mal so voll gesehen? Ich kann mich nicht erinnern. Auffallend wenig Touristen. Anscheind beginnt das lange Wochenende erst nach dem ersten Mai.

Auf dem Sperrmauervorplatz steht jetzt ein monumentales Bauwerk. Im Inneren finden wir Touristeninformation und anscheind gibt es eine Ausstellung oder einen Film? über Sperrmauergeschichte auf der unteren Etage. Toiletten gibt es leider keine, dafür muss man einmal aussen halb ums Gebäude herumlaufen und ernsthaft? Einmal Pipi kostet 1 Euro, Kartenzahlung wird akzeptiert, sagt das Drehkreuz. Ich bin offensichtlich nicht die erste, die das befremdlich findet, denn an der Mauer links daneben hängt ein großes Schild auf dem steht „Hier bitte nicht pinkeln“. Ich zahle bar, bin aber von dem Preis/Leistungsverhältnis enttäuscht. Wir sparen uns die Ausstellung und gehen etwas abseits der Touristen-Hotspots Eis essen. Nächster Halt Strandbad. Der Liebste badet an. Ich gehe rein bis zur Bauchnabelgrenze und überlege es mir anders.

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Der Bus kommt mir entgegen, hundert Meter vorm Ortsschild des Nachbarortes, seufz. Natürlich ist die Baustellenampel rot, Maikind kommt mir entgegen in der Mitte der Baustelle, denn die Ersatzbushaltestelle liegt so, dass Fussgänger mittendurch müssen, auf dem Weg zur Anschluss-Bushaltestelle. Der Bus, kommt uns auf dem Heimweg wieder entgegen, in unserer Straße, 300m von der Haltestelle entfernt. „och guck“, sagt Maikind, den hater ja dann wirklich sehr knapp verpasst. Stimmt.

Aber, eine twizzy-Fahrt bei sonnigen 23°C macht deutlich mehr Spaß als bei 5°C mit Schneegriesel, soviel steht fest. Man riecht das frisch gemähte Gras, den Raps und Gülle, natürlich.

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Von heute auf morgen völlig verrotzt und allgemeine Erkältungssymthome, nichts geht mehr. Märzkind erwischt es zuerst, Julikind natürlich am Tag vor der Konfirmation, mich in der Woche danach. Am nächsten Tag geht es schon viel besser. Zum Glück. Aber, ein kleiner Rest bleibt länger und macht den Alltag etwas zäh.

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Birdrace ist ein bisschen wie goecaching. Man fängt aus Quatsch an und entwickelt Ehrgeiz. Wäre da nicht diese Erkältung gewesen, wir hätten leicht noch mehr Arten finden können, da sind Maikind und ich uns einig. Nur so vom Küchenfenster und von der Haustür aus betrachtet, kommen wir auf 12 verschiedene Vogelarten und werden mit diesem Ergebnis quasi Kreismeister – weil wir die einzigen waren, von hier. Verdammt, wir wollten alle beide keine Urkunde. Wer ahnt denn auch sowas.