Wir sitzen auf der Treppe in der Sonne, unterhalten uns nett, jemand wirft einen Ball. Der Hund springt, fängt ihn aus der Luft und freut sich. 30 Kilo Lebensfreude landen genau mittig auf meinem nackten Fuss. Zwei Tage nachdem der offiziell rundum seine normale Farbe wieder hatte. Das wirft den Heilungsprozess zurück.
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Der Sommerhonig steht seit Wochen im Eimer herum und sieht immernoch aus, wie an dem Tag, als er geschleudert wurde. Ich fülle ihn in Gläser und klebe Waldhonig Etiketten. Damit geht eine verrückte Saison zu Ende. Meine vorsichtige Nachfrage im befreundeten Imkerhaushalt wird gern beantwortet. Farbe, Konsistenz, Erntemenge und Unsicherheit, alles genau wie hier. Gutes Gespräch, ich freue mich.
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Wenn Baumarktmitarbeiter Sachen googeln müssen ist immer schlecht. Teambesprechung am Esstisch. Der Liebste hatte ein Ersatzteil gekauft. Es passt nicht, was unmöglich sein sollte. Wir hatten es ja geahnt, aber man hofft halt immer. Nun ist sie da, die Herausforderung und will vielleicht sogar ein Problem werden, aber, noch haben wir Möglichkeiten. Ich schreibe eine Nachricht. Der Liebste glaubt nicht dran, lächelt aber tapfer. Kurze Zeit später bekomme ich eine Antwort. „Siehste“, sage ich. Normale Leute hätten mich wahrscheinlich für bescheuert gehalten. Die Freundin sagt schlicht „schick mal ein Foto“, auf die Frage, ob sie eine Dichtung für ein KG Rohr von vor 1977 vorrätig hat. Ich schicke ein Foto vom Dichtungsring. Schwer zu beurteilen, das Bildmaterial, sie ist noch im Dienst, sagt sie, im Notfall sei ihr Mann aber zu Hause. Ein Notfall ist es nicht, noch nicht.
Der Steinmetz kommt am nächsten Tag vorbei. Er hat selber gerade ein Bad saniert und weiß vielleicht Rat. Murmelnd stehen die Männer auf dem kleinen Flur. Man wird eine Seilsäge brauchen und eine Doppelmuffe, sagen sie. „Ja, nee, ist klar“, sage ich. Sie beteuern, dass es beides wirklich gibt. Es folgt ein geplanter Baumarktbesuch bei dem besagte Doppelmuffe und drei Pakete neuer Bodenbelag gekauft werden und ein ungeplanter, weil sich rausstellt, dass doch mehr nass ist, als vermutet. Wir kreuzen im imaginären Jahres-Katastrophen-Bingo die Kästchen für „Samstag kurz vor Torschluss im Baumarkt gewesen, wegen was, was man wirklich dringend braucht“ und „Wasserschaden“.
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Wir kommen später zur Party, deswegen. Es fällt nicht weiter auf. Wir essen zu zweit am Kindertisch, und sind uns einig, dass ab hier im Ernstfall alles immer normgerecht aus frischem Material verbaut wird. Unbekannte Baustoffe, die für mögliche Reperaturen in Ecken lagern können weg. Es hilft ja nix.
Sie waren schon eine ganze Weile zusammen auf der Hüpfburg, sagen die, die mit uns am Tisch sitzen. Aber, bei Erwachsenen darf leider immer nur einer, „und, man muss durch den Eingang passen“, sagt der junior Gastgeber in leicht bedauerndem Tonfall und guckt den Liebsten an dabei. Er wolle eh erstmal lieber Bier trinken, sagt der Liebste. Das zapft man sich hier selbst. Wir verbringen einen fröhlichen Abend, mit den Leuten, mit denen wir damals auf Laternenfesten Glühwein tranken.
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Es ist ungewöhlich dunkel am morgen. Einen Moment lang stehen Julikind und ich andächtig am Fenster. Es regnet. Dieses Geräusch, das Licht, der Geruch, endlich, so so schön ist das. Dann wird uns klar, dass wir da gleich raus müssen, und, das Haus verlassen bei Regen, wie macht man das nochmal?
Weintrauben, Kürbis und SterneHerzenBrezeln eingekauft und gegessen. Es ist also September. Man wundert sich.
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Im Ort findet ein Gottesdienst statt, und eigentlich könnten wir da ja mal hin, sagt Märzkind, weil, sonst geht vielleicht keiner, das wäre doch schade. Stimmt. Außerdem ist es vielleicht die letzte Gelegenheit auf einen Gottesdienst „mit garnichts“, bevor wieder dieses ganze adventliche jubilieren losgeht. Die Kirche ist voller Leute, außer uns so gut wie alle festlich gekleidet. Ähm ja, was auch immer hier los ist stand nicht im Programm und wird vermutlich sehr viel länger dauern als gedacht. Eine Stunde später hab ich schon mal eine Idee, wie wir unsere Silberhochzeit auf gar keinen Fall feiern werden. Märzkind fands toll, und darüber staunen wir beide. Fast wie an Weihnachten.
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Ich habe einen Behördengang digital erledigt. Es war tatsächlich total einfach, zwei klicks nur und fertig, genau wie man es mir gesagt hatte. Am Arsch. Der Weg dahin hat mehrere Tage und Anläufe gebraucht. Ich kann den Code meines Personalausweises jetzt auswendig. Aber – der Moment wird kommen, indem mir das wirklich irgendwen beeindruckt oder irgendwas einfacher macht oder schneller oder besser oder so.
Spontan ergibt sich eine Gelegenheit, meine neu gewonnene Lebenserfahrung weiterzugeben, dachte ich. Aber natürlich bekommt jeder Vorgang seine eigenen challenges. Märzkind und ich sitzen am Laptop um ein runtergeladenes Formular auszufüllen, dass dann ausgedruckt und per Post versendet werden muss, weil auf dem Bürgeramt die Passdigitalisierungscodefreischaltfunktion defekt ist und leider niemand weiß, wann das wieder repariert sein wird. Die benötigten Anlagen bitte nur als Kopie einsenden, auf keinen Fall originale, weil der gesamte Vorgang nach der Digitalisierung datenkonform geschreddert wird, steht da. Aber das versteht sich ja eigentlich von selbst in einer führenden Industrienation. Man muss es als escape game sehen.
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„Haste von der Wahl gehört, in Sachsen-Anhalt“, werde ich gefragt, mehrmals am Tag. Ja, hab ich. AfD bekommt allerdings keine Bühne im meinem Kopf, deshalb hab ich auch sonst nichts dazu zu sagen. Und der schlechteste Pisatest aller Zeiten schockt mich auch kein bisschen. Würde man im Gegenzug auch digitale Komepetenz und logisches Denken im 21. Jahrhundert bei 65 ährigen abfragen, ich bezweifele, dass die schlauer wären.
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Hab die Speisekammer aufgeräumt. Das war nötig. Sowohl in echt, als auch für mental health. Man kann einfach so reinlaufen und sofort alles finden, was kurz die Frage aufwirft, ob man drei Waffeleisen braucht, wobei, eins ist für Hörnchen, das gilt nicht und eins ist gerade verliehen. Drei sind also genau ausreichend.
