Die Hitze ist vorbei. Wir dachten wohl alle, wenn es kühler wird machen wir einfach normal weiter. Statt dessen fühlen sich alle irgendwie wärmeverkatert, mental dehydriert und froh, dass es vorbei ist. Gibt`s schon ein Wort für diesen Zustand?
Das Vogelfutterhaus hat sich verzogen, der Gartentisch auch, in der Auffahrt ist Asphalt gerissen, sämtliche Werbegeschenks- und Souvenirladen-Fächer die wir vorrätig hatten sind durch. Bewährt haben sich die mutmaßlich vietnamesischen Palmblattfächer, die ich während der Haushaltsräumung auf Ommas Dachboden gefunden hatte. Die wurden offensichtlich für Dauerbetrieb bei hohen Temperaturen konstruiert.
Die Waschmaschine funktioniert wieder. Bei Temperaturen über 35°C ließ sie sich zu nichts überreden. Touchscreen ist viel besser als Drehknöpfe haben sie gesagt, total einfach zu bedienen haben sie gesagt.
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Märzkind und ich pflücken Sauerkirschen. Das Sommergefühl wird mit eingekocht, man wird es brauchen, eines Tages, wenn wieder Schnee liegt und der Wind pfeift… unvorstellbar.
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Alle haben sich Zeit genommen, ich fühle mich geehrt. Wir im Haus weil der Wind zu kalt ist, um draußen zu sitzen. Man trägt Strickjäckchen und wundert sich darüber. Traditionell werden am Geburtstag Fotos mit Eltern gemacht, um den Verlauf der Zeit zu dokumentieren. Weil sonst niemand mit in den Garten gekommen ist, machen wir ein Dreipersonenselfie. Vatta erzählt, mit wem er wo heute vor 44 Jahren schon was getrunken hatte. Damals musste man ja noch zu Leuten hin, um Ihnen was zu erzählen, wir hatten ja nix.
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Beide Mädels haben Auftritte auf dem Altstadtfest. Lustigerweise zu genau den gleichen Zeiten wie letztes Jahr. Überhaupt ist dieses ganze Fest genauso wie immer. Die gleichen Buden an den gleichen Stellen, die gleiche Musik auf denselben Bühnen. Nur mit weniger Leuten, wegen Ferien wahrscheinlich. Der Raum vor der Bühne füllt sich, wir finden uns und schauen den Auftritt des Julikinds in einer größeren, locker verteilten Gruppe. Die, die immer dabei sind, nicken anerkennend. Diejenige von ihren Freundinnen, die zum ersten Mal zuschaut, ist ganz aus dem Häuschen. Ich bekomme viel Lob, und freue mich natürlich, aber… ehrlich gesagt, fahre ich nur gelegentlich das Auto zum Training, also… Neee, also wirklich soso toll ist das, sagt sie.
Märzkind ist erst viel später dran. Weil niemand Lust hat auf Kultur bei Kirmesfeeling, fahren wir ins nächst gelegene Freibad, in der Hoffnung, dass man da noch einen Platz frei hat, für uns. Der Mann an der Kasse freut sich, dass wir kommen. Ausser uns sind noch drei andere Badegäste im Bad. Die gesamte Liegewiese ist frei, alles ist blitzeblank sauber, man hört das sanfte Wellenplatschen am Beckenrand – an einem Sonntag nachmittag im Juli, während der Sommerferien, wie kann das sein?

Nach zwei Stunden Urlaubsgefühl fahren wir zurück und bewundern den zweiten Auftritt des Tages. Es gab Nachwuchs in diesem Verein, das ist schön, aber ich hatte so zwei oder drei Momente Nervenflattern, weil ich dachte, jemand könnte stürzen. Nix passiert. Ab hier beginnt dann eigentlich traditionell der Sommer, überlegen wir, während wir zurück zum Auto laufen. „Aber mit Sommer meint man ja was anderes, nicht wie letzte Woche“, sagt Julikind. Recht hat sie.
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Der Twizzy bremst wieder. So gut, dass er sogar TÜV bekommt. Wir freuen uns, weil er erstens gebraucht wird, als Sommerfahrzeug und zweitens, weil diese Reperatur ungefähr 3000 Euro günstiger war, als die Vertragswerkstatt kalkuliert hatte, selbst wenn man die Ersatzteilkosten und Werkzeuganschaffungen ehrlich zusammenrechnet, sagen die Herren. Naja, die investierten Wochenenden und Nerven verbuchen sie dabei als Gewinn von Lebenserfahrung.
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Frisch Getratschtes: Ich dachte, die USA Reisenden hätten Tickets für die Achtelfinale, und wüssten halt nur nicht, wer spielt. Im Pauschalangebot dieser Fussballreise waren aber nur die Tickets für Deutschland-Achtelfinals inklusive, alternativ optional eben keine Tickets. Wer hätte gedacht, dass Leute für sowas Geld bezahlen würden? Die beste Geschäftsidee, seit jemand unsichtbare Stoffe für des Kaisers neue Kleider gewoben hat. Respekt. Aber man darf natürlich nicht lachen, es wird dauern, bis das lustig ist, falls überhaupt. Die große Schwester des Investors schickt ein Foto vom Einkaufen.

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Innerhalb von wenigen Tagen bekommen alle Halskratzen und Schnupfnasen, dazu ein Gefühl von müden Knochen. Hitzeerschöpfung, Freibad-Erkältung, Klimaanlagen- Temperaturschwankungs-rotz oder vielleicht ein Hauch von Sommercovid? Man weiß es nicht. Mich streift die Erkältung nur, Glück gehabt. Dafür verknackse mir den Fuss, beim Spaziergang. Nichts geht mehr. Na toll. Ich hab die Schnauze voll und verfalle kurz in mimimi.
Bis das Telefon klingelt. Zwei Verkehrsunfälle sind im Bekanntenkreis passiert. Einer heute, der war blöd. Es gibt einen Schaden und Verletzungen, die mich aufhören lassen über einen bunten Fuss zu jammern, aber nicht so schlimm, dass man sich sorgen muss. Der andere ist wohl schon etwas länger her. Die Nachricht ist Teil einer Antwort auf die Geburtstagseinladung des Liebsten, und wird am Ende zusammengefasst mit, es bestehe keine Lebensgefahr mehr, aber man könne derzeit leider nichts im Voraus planen und deshalb noch nicht zusagen.
Ich nehme mir ein Buch, setze mich in den neuen Sessel, wickle den Fuss in Eis und genieße das Leben.