KW 37/38 2022

Morgens um kurz nach acht wabert noch Nebel durch den Wald. Es ist herbstlich, auf die schöne Art. „ding. ding.“ Vom Dorf her hört man die Totenglocke, zwei Schläge nur. Das ist seltsam. Stille, dann läutet die normale Glocke, fünf Sekunden lang. Als ich noch dabei bin mich zu wundern, röhrt irgendwo im Tal ein Hirsch. Der Hund guckt mich fragend an „ok, du hast das auch gehört“ murmele ich und bin ein bisschen erleichtert.

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Eine gemeinsame Hunderunde war geplant, schon länger. Endlich hats geklappt und ich hab mich richtig gefreut. Der Hund auch. Sofort fröhlich losgespielt, als würde er die Dame schon ewig kennen. Herzliche Grüße.

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Als wir los sind haben sie mich ausgelacht, weil ich mir Handschuh eingesteckt habe, jetzt hätten sie selber gerne welche. Wir verabschieden uns vom Hoffest. „Das war fast wie Osterfeuer. Nur, beim Osterfeuer war vorher Winter und man ist entsprechend angezogen, und wenn man dann sowieso schon ein bisschen müde ist…“ sagen wir uns gegenseitig beim Zähne putzen, Freitag abend um zehn…

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Nach sechs Wochen wird das bestellte Bauteil für unsere Heizung geliefert. Juhu – halt, doch nicht. Richtiges Teil aber völlig falsche Größe. Der Außendienstler telefoniert mit der Servicehotline und wird ein wenig emotional, dabei. Der Versand des richtigen Teils wird drei bis fünf Werktage dauern sagen sie, wie beim letzten Mal. Ich rechne mit voll funktionsfähiger Heizung ab Mitte November. Fünf Tage später ist das richtige Teil da, wir bauen es ein. Also, der Außendienstler baut und ich halte die Taschenlampe, reiche Werkzeuge an und koche Kaffee. „Man darf da garnicht drüber nachdenken“, sagt er, „Baumaterialien werden einfach irgendwann geliefert, im Moment – oder auch nicht.“

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Pflaumen, Birnen, Brombeeren wurden geerntet und verarbeitet. Die Tomatensaison neigt sich dem Ende. Es war eine gute, muss am Dünger gelegen haben, und hunderten Litern Wasser, die wir reingetragen haben. Nach dem Regen sehen die Beete nicht mehr ganz so traurig aus, aber ernten werden wir da wohl eher nichts.

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Ein paar Gedanken-Dinge dröseln sich auf. Wo vorher „narrrghh“ war zeigen sich Möglichkeiten. Das ist erfreulich.

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Abgabe der Hausarbeit in drei Wochen? Ich dachte das hat Zeit bis Mitte November. Das Thema wurde doch letzte Woche erst offiziell genehmigt? Sowas könnten die eigentlich mal im Elternchat, oder per Email…Beim Maikind liegen die Nerven blank. Wie soll der Text aussehen, wie macht man korrekte Quellenangaben? Ich weiß das leider auch nicht. Als die große Schwester ihre Arbeit geschrieben hat, gab es vorher Unterricht, indem sowas erklärt wurde, damals, vor zwei Jahren. Märzkind hilft mit gutem Rat. Ein Hauch von homeschooling weht über den Flur.

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Ein Buffet für 300 Leute, ich stehe davor und bin kurz überfordert. Zwei Mädels im Kindergartenalter stehen neben mir, denen gehts genauso. „Booaaar“ sagt die eine, als sie den gut gefüllten Donutbaum sieht. Die andere zupft sie am Ärmel und deutet mit leuchtenden Augen in Richtung der candy bar. Ein kurzer Rundumblick, kein Erziehungsberechtiger in Sicht, leichte Entscheidung. Ich esse erstmal „was gescheites“. Der Arbeitgeber des Liebsten hat alle Mitarbeiter eingeladen, mit Familie, leider nur Kinder bis 14 Jahre. Wir schicken den Blagen ein Foto vom Spießbraten über dem riesen Grill, dann haben sie auch was davon, höhö.

Ich kenne niemanden und hab auch keine Ahnung, über was sie sich unterhalten. Einfach sitzen und mir die Leute angucken, das ist auch mal schön. Obwohl, vom hören sagen kenn ich doch einige. Es ist nämlich nicht nur die Arbeit, sagen die Herren. Würde es diese Firma nicht geben, würde ein ganzer Direktvermarktermarkt zusammenbrechen: Eier, Honig, Kartoffeln, Fleisch, wird alles hier auf dem Parkplatz umgeschlagen.

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Ein Festgottesdienst im Wald, bei windigen 10 Grad und Nieselwetter überfordert mich modisch. Vorsichtig erkundige ich mich, was denn die anderen anziehen? Schicke Jeans und dicke Schuhe, alles andere macht ja keinen Sinn. Das ist ziemlich genau das, woran ich auch dachte. Ich besitze allerdings nur eine einzige schwarze Hose – für Beerdigungen. Das geht nicht, vom Feiergefühl her, stell ich fest. Der Gottesdienst findet nicht im Wald, sondern auf der angrenzenden Wiese statt. Man hat herrliche Fernsicht, hört wunderschöne Musik, eine fröhliche Erntedank & Taufpredigt und hofft die ganze Zeit, es möge schneller gehen, damit man aus dem kalten Wind raus kann. Ich bin dann durch, mit outdoor-Gottesdiensten, bis Mai oder so. Aber, ich bin auch wieder eine Patentante, und das ist doch wirklich mal was Schönes.

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