23-27 Dezember

„Ist heute schon der 23ste? Oder?“. Ja ist es, der Baum kann rein. Ich muss nur noch mein Küchenchaos aufräumen. Ach, das schafft sie schon, sagt das Märzkind. Der Baum ist klatschnass, unhandlich und schwer. Das macht alles nichts, sie wuchtet ihn bis ins Wohnzimmer. Die Geschwister haben mittlerweile bemerkt, dass es losgeht und wollen helfen. Das Gezänk beginnt. Ich ziehe die Küchentür zu, sollen sie das selber regeln. Siehe da, innerhalb weniger Minuten werden sie sich einig. Eine Stunde später sieht der Baum toll aus und die Küche wieder normal. Große Kinder sind toll.

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Am Vormittag des 24. packe ich die letzen Päckchen. Anruf bei meiner Schwester, zur Absprache der kontaktlosen Geschenkeübergabe. Wie-ein-Onkel schlägt vor, man könne sich doch an der Weihnachtsscheune treffen und winken. Wir verabreden uns für zwei Uhr. Daraus ergibt sich der restliche Tagesplan von selbst.

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Die Weihnachtsscheune ist beeindruckend schön geworden. Lichterketten hängen auf halber Höhe, Gartenbänke und Stühle aller Art stehen im Kreis, jeder Platz mit einem Namensschild. Wir legen Geschenke ab und warten am Zaun. 10 Minuten später stehen wir in einem großen Kreis auf dem Hof und unterhalten uns kurz. Manche tragen Maske dabei. Es ist eigentlich nur ein bisschen seltsam. Man hat sich an schon an einiges gewöhnt.

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Man könnte es sich auch zu Hause anhören, aber dann wird es nicht richtig Weihnachten. Also haben wir uns für die Gottesdienstübertragung in der Ortsmitte entschieden. 15 Minuten Andacht vor Weihnachtsdorfkulisse. Von weitem kann man andere Familien sehen – Weihnachtswinken. Es ist eigentlich viel schöner, als so Arsch an Arsch in der rappelvollen Kirche zu sitzen, da sind wir uns einig, auf dem Rückweg.

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Nach der Bescherung zu Hause machen wir uns auf zu Oma und Opa. Die erste Stunde verbringen wir in der Scheune, dann wird es einfach zu kalt. Drin gibt es Schnittchenplatte und Süßigkeiten. Es ist leiser als sonst, wir sind ja auch viel weniger. Irgendwie sind auch alle ein bisschen müde. Die ständigen Umplanungen und Anpassungen waren anstrengend. Aber es ist doch schön, dass wir so zusammen sitzen können. Selbstverständlich ist das nicht. Ist es ja nie, nur in normalen Zeiten denkt man darüber nicht nach.

Gerne würde ich meinen Bruder mal in die Seite pieksen. Am Liebsten natürlich, wenn er gerade was getrunken hat. Das geht aus der Distanz nicht. Ich wußte gar nicht, dass das zum Weihnachtsabend dazu gehört. Aber das tut es offensichtlich. De Mudda sitzt neben ihm, weil sie über die Feiertage ein Haushalt sind. Ich bitte sie, das für mich zu übernehmen. Halbherzig piekst sie ihn ein bisschen. Es ist nicht dasselbe.

Die Oma aus dem Städtchen ruft an, um uns allen Frohe Weihnachten zu wünschen. „Warte, wir geben dich rum, oh nee, das geht ja nicht.“ Soweit hätte ich gar nicht gedacht… Der Haushalt zu dem das Telefon gehört spricht, alle anderen rufen leise Frohe Weihnachten. Ein liebevoll zusammengeknüddeltes Alupapier vom Marzipanstern werfe ich in den Mülleimer. Eigentlich wollte ich es dem Brüderchen an den Kopp schnipsen, das traue ich mich aus Seuchenschutzgründen nicht mehr.

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Anruf bei der Oma im Städtchen mit unserem Telefon. Sie ist fröhlicher, als ich gedacht hätte. Das war schon alles gut so. Sie hat ein bisschen mit dem alleinstehenden Onkel gefeiert und dann ferngesehen. Das Programm war wirklich gut, da hat sie sich gefreut und bis nach Mitternacht geguckt. Das macht sie sonst nicht. Für morgen sei sie zum Essen eingeladen, da hat sie auch abgesagt. Sie bekommt aber was gebracht, weil, das war schon bestellt, und dann soll sie ihre Portion auch essen, haben sie gesagt. Jo, und dann haben wir Weihnachten doch gut geschafft.

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Am ersten Feiertag kommen die Omas aus dem Nachbarort zum Mittagessen. Damit der Hund dabei nicht die ganze Zeit rumwuselt gehe ich morgens die große Runde. Bei strahlendem Sonnenschein und klarer Winterluft ist das herrlich. Der Liebste kocht solange ein klassisches Premium-Weihnachtsmenü.

Die Oma hat die Enkel länger nicht gesehen und nimmt erstmal alle in den Arm. Die Kinder wundern sich kurz, sie sind eher auf Abstand zu Omas trainiert. Eine Stimme in meinem Hinterkopf hofft, dass das hier nicht der Moment sein wird, an den wir uns ewig erinnern… Es wird ein gemütlicher Nachmittag. Wir spielen das neue Spiel, die Oma guckt sich die neuen Zimmer an, wir schauen total unsortierte Fotos der letzten Jahre, trinken nebenbei Kaffee und essen Plätzchen.

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Am zweiten Feiertag klingelt es schon um halb zehn. Nee, nee, rein wollen sie auf keinen Fall, nur was abgeben, sagen die Paten aus dem Nachbarort. Wir tauschen Geschenke im Türrahmen und unterhalten uns mit Abstand. Also, vielleicht, wenn einer da ist, würden sie doch einen Kaffee vor dem Haus… Kurzentschlossen holen wir den Stehtisch raus. Tee, Kaffee, Plätzchen vor dem Haus, das ist eigentlich ganz schön.

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Der Rest des Tages haben wir in Jogginghosen Märchenfilme geguckt. Da kommen wir sonst nicht zu. Das war auch mal schön. Es tut mir ein bisschen leid, aber ich habe so gut wie nichts vermisst, dieses Weihnachten.

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Der Coronaimpfstoff. Er ist zugelassen. Er ist da. Er wird verladen. Er wird unter Polizeischutz über die Autobahn gefahren. Er wird ausgeladen. Erste Senioren in einem Altersheim werden vor laufenden Kameras geimpft.

Mal was ganz anderes: Schulbetrieb ab Mitte Januar, gibt es da eigentlich schon Ideen FRAGEZEICHEN?

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