Liebes Brautpaar

Ein Hochzeitsspiel bat uns, uns an eure Feier zu erinnern. Im März. Und, in dem ganzen Gewusel hätte ich es fast, übersehen. Es ist März.

Der perfekte Ort und wir

Es ist die Hochzeitslocation. Früher wars wohl mal die Scheune einer Mühle, aber das sieht man kaum noch. Stoffbahnen und Lichtinstallationen, weiße Tischtücher und Stuhlhussen, Wiesenblumen in Vintagevasen auf Baumscheiben, Team Braut trägt pastellfarbene Tüllkleider mit Jeansjacken, die Herren haben ihre Socken farblich mit den Einstecktüchern abgestimmt. Professionelle Restaurantfachkräfte umsorgen stets freundlich lächelnd die 160 Gäste, zwei Fotografinnen halten alles aus verschiedenen Perspektiven fest, auf der Damentoilette steht ein Notfallkörbchen.

Auf unserer Hochzeit gab’s sowas nicht. Laufmaschen wurden mit Nagellack behandelt, Flecken durch geliehene Halstücher, Blasen an den Füssen? Damals hat man Schuhe eingelaufen, oder einfach ausgezogen. Von der Feier gibts keine 20 Bilder, aber so manches zu erzählen. Ich komme mir uralt vor.

„Wollen wir mal nach draußen?“ werde ich gefragt. Gerne. Draußen stehen outdoor Sitzgruppen wie Sofalandschaften. Jeweils mit einem mobilen Außenkamin in der Mitte. Wir entscheiden uns für eine Sitzgruppe etwas abseits. Ein sehr romantischer Ort. Man blickt auf eine Teichanlage, die umstehenden Bäume werden dezent angestrahlt, im Hintergrund das sanfte Rauschen des Mühlenbachs und neben mir – ein markantes Furzgeräusch.

„Samma?“, erkundige ich mich, „geht’s noch?“ „Ja, jetzt gehts wieder, der hing schon seit ner halben Stunde quer“. Mit einem entspannten Seufzer legt die Person neben mir die Füsse auf den Tisch. Eine weitere Person setzt sich zu uns in die hinterletzte Ecke, wirft die Kissen auf den letzten freien Sessel, schaut sich verstohlen um – Furzgeräusch.

Ich schlage die Hände vors Gesicht und murmele. „Was?“ fragt der Neuankömmling, „seid nur ihr hier, hab extra geguckt“. Eine Weile beobachten wir die Festgesellschaft von hier aus. Die Braut bahnt sich einen Weg nach draußen. Etwa alle drei Meter muss sie ein selfie mit irgendwem machen. Eine weitere Person findet zu uns, setzt sich und schaut sich dann suchend um. „Da is aber grad ne Brüllmücke vorbei, haste gehört?“ „Tut gut, ne?“ „Joo, da drinne isses so schick…“ Ich schlage die Hände vors Gesicht und murmele.

Die Braut kommt auf uns zu. Ihr Gesicht entspannt sich und so ohne Instagramlächeln sieht sie ein bisschen müde aus. „Warum sitzt ihr denn so hier hinten, stimmt was nicht?“ Nein, alles super, wirklich eine ganz tolle Feier, es ist perfekt. Nur, einige von uns mussten sich mal einen Moment unflätig benehmen, erkläre ich, deshalb sitzen wir hier.

Ach so, ja denn. Also, eben habe sie sich gefragt, ob denn die Leute nicht langsam nach Hause gehen wollen. Aber, es sei ja noch nicht mal halb zehn, hat sie gerade gesehen und seufzt. Ich ramme meinem Sitznachbarn unauffällig den Ellbogen in die Seite, und bitte im Flüsterton darum, in Anwesenheit der Braut doch bitte die Füsse vom Tisch zu nehmen.

„Was? Oh, sicher, ich dachte sie muss nur pupsen.“ Die Braut posiert da schon für das nächste Foto und hat das zum Glück nicht mitbekommen.

Tja, ein Jahr intensiver Vorbereitungen, hunderte liebevoll ausgewählte Details und das ist er nun, der Moment, der in Erinnerung geblieben ist.

In diesem Sinne, Prost, auf Euch!

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