Zu fünft im Juli

Um meine nervliche Anspannung nachempfinden zu können, müssen Sie für jeden der nun folgenden Absätze mit einer Stunde Zeitaufwand rechnen.


Das Mitte Februar spät ist, um einen Sommerurlaub zu buchen ist mir klar. Eine frühere Suche hätte in diesem Jahr aber keinen Sinn gemacht und ich bin zuversichtlich, etwas schönes zu finden. Am Wasser und mit W-Lan, sind die einzigen Vorgaben.

Ich bin etwas weniger zuversichtlich.

Ich checke die Urlaubskasse, und ermittele eine Schmerzgrenze für die Übernachtungskosten. Die ergibt sich aus Budget minus Urlaubsnebenkosten für Eintritte, Eis, Pommes, und ganz normales Essen.

Hintergrundinfo für Alleinreisende: Familienkarten kosten immer um die 35 Euro, egal wo. In der Hauptsaison besteht eine Familie aus zwei Erwachsenen und zwei Kindern, das dritte Kind kostet extra. Ist der Eintritt günstiger, entstehen die Kosten an anderer Stelle. Für einen Kinobesuch mit Popcorn und Getränk haben wir vorletztes Jahr 87 Euro hingelegt. Gut, es war in 3D, aber trotzdem. Man kann halt nicht mit einem Jahrhundertsommer planen.

Ich erweitere die Suche auf Nachbarländer. Wir liegen doch recht zentral, da kann man in 6-8 Autostunden viel erreichen.

Ich komme zu der Erkenntnis, dass alle im Juli Ferien haben.

Aus 10 Tagen Urlaub, wird eine Woche, sonst ist es aussichtslos.

Aus 5 Betten werden 4 Betten und eine „Schlafgelegenheit“.

Ich stelle meine Buchungsvorgaben zur Diskusion. Drei Wasserratten sind sich einig, so dicht wie möglich am Wasser heißt, man muss da hinlaufen können, von der Ferienwohnung aus. Ein Wasser, in dem man schwimmen kann, natürlich. W-Lan muss auch, alles andere ist eigentlich egal.

Vielleicht fragen wir mal im Reisebüro nach?

Wenn es keine Ferienwohnungen mehr gibt würde es auch eine Jugendherberge tun.

Da wäre tätsächlich noch ein JugendherbergsBungalow frei. Die errechnete Fahrzeit liegt bei fast 10 Stunden. Da wird man noch Stauzeiten drauf rechnen müssen, im Juli. Ein ganzer Tag im Auto, für eine Woche? Eher nicht.

Ich verfalle in eine Stimmung von „mimimimi“, der Liebste übernimmt.

Als ich mit dem Kind vom Training wiederkomme hat er was gefunden. So groß wie ein Hühnerstall, aber es erfüllt alle Kriterien. Mir fällt auf, dass auf den Bildern der Wohnung die Betten nicht bezogen sind, und ganz weit unten im Text erfahre ich auch wieso. Inklusive aller Nebenkosten, die ich finde, (man legt sich nicht genau fest, wieviel für Wasser und Strom berechnet werden soll) würden für eine Woche 900 Euro fällig. Würde gehen, wir überlegen.

Wir sind viel Platz gewohnt. Diese hühnerstallgroßen Apartments sind vielleicht eher eine Erholungsmöglichkeit für Großstädter, die das ganze Jahr in Schuhkartongröße wohnen.

Ich lese mich im Haustauschportal ein. Klingt gar nicht mal so schlecht. Man müsste nicht 85 Euro Miete für Bettwäsche und Handtücher zahlen… andererseits, wenn Gäste kommen, die das ganze Haus nutzen, müsste man hier vorher auch mal ernsthaft aufräumen. Wir überlegen und kommen zu dem Schluss, vielleicht im nächsten Jahr.

Es wird zu meinem Morgenritual eine Stunde über Ferienportale zu schauen.

Ein Fernsehbeitrag weist mich darauf hin, dass, wer jetzt noch Urlaubsziele sucht, ziemlich Pech hat. Küste, Berge, alles voll. Ach was. In den Mittelgebirgen würde es noch was geben. Na toll.

Wottsefack! Wir sind mitten im Mittelgebirge!

Innerhalb einer Stunde können wir drei verschiedene Strandbäder, an drei verschiedenen Seen erreichen. Der Kellerwald steht nationalparktechnisch gesehen auf der gleichen Stufe wie der Yellowstone Nationalpark. Wir waren aber noch nie wirklich da, weil man nicht mal eine halbe Stunde braucht, von hier aus. Man könnte jederzeit und macht es deswegen nie.

Wir beraten diese Idee erst zu zweit und machen einen groben Plan.

Die Wasserratten zögern. Sommerferien sollten aus schwimmen bestehen.

Aber in einen Freizeitpark würden sie schon auch mal gerne wieder, und ins Mathematikum und ins Senkenbergmuseum, und in einen Zoo, und eine längere Fahrradtour machen und im Zelt schlafen.

Können wir alles, auf einmal haben wir nämlich drei Wochen Familienurlaub und ein ausreichendes Budget.




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