Stille, Steine und Honig

Julikind und ich stehen in der Küche und schauen uns an. „Das ist seltsam“, flüstert sie. Ich nicke nur. Nach sieben Wochen ununterbrochenem Brummgeräusch wurden soeben die Trockengeräte aus der Küche, und dem Raum den wir einst Wohnzimmer nannten entfernt. Die Stille brüllt einen an. Man hat fast das Gefühl, selber Geräusche machen zu müssen, wie Städter beim Waldspaziergang. Nee, doch nicht. Leise ist schon schön. Erst am Nachmittag fällt uns auf, dass man die Plane zwischen Ess- und Wohnbereich dann ja jetzt auch entfernen kann. Es gibt wieder einen direkten Weg vom Esstisch zur Küche und ohne Geräuschkulisse bleibt man gern einen Moment länger sitzen als unbedingt notwendig. Fast wie damals, vor dem Wasserschaden…

Sauber machen, Möbel rücken, provisorische Normalität. Herrlich!

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Honig abgefüllt und in den Keller getragen. Eine krasse Farbe hat der dieses Jahr. Ich hatte gedacht, es könnte Waldhonig dabei sein, wegen der späten Ernte, aber das ist irgendwas anderes. Auf jeden Fall lecker, der wird seine Fans finden.

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Einen Vormittag lang habe ich 24 Grüße aus der Küche hergestellt, verpackt und anschließend verschickt. Aufs Gramm genau 10 kg Paket waren das. Jawoll. Keinerlei adventliche Gefühle entwickelt, der Kalender wird ein Geschenk.

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Also, wenn ich doch sehen kann, dass auf der anderen Seite NIEMAND steht und auch innerhalb der nächsten 30 Sekunden niemand kommen wird, dann fahre ich die 10 Meter durch die Baustelle, ohne an der Ampel mitten im Wald auf grün zu warten. Mehrmals. Kein Gegenverkehr bis zum nächsten Ort.

Leider verträgt diese Straße aber anscheind überhaupt keine Autos mehr. Ab nächster Woche wird voll gesperrt. Dann ist der Nachbarort nicht mehr drei, sondern 10 Kilometer weit weg, für ein halbes Jahr.

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Es ergibt sich eine spontane Hunderunde mitm Vatta. Eventuell müsse man den vorläufigen Weihnachts-Ablaufs-Plan anpassen, sagt er. Das mit den Ommas wird wohl eher nicht so funktionieren, wie wir es im Juli noch angenommen hatten. Man wird alles von der jeweiligen Tagesform abhängig machen müssen. Tja, dann ist es eben so. Wir brauchen nur 200 Meter um einen neuen Plan zu erstellen: Kirche ist um fünf, danach gibt`s Schnitzel*innen und Schnittchen, Käseplatte und Süßkram aller Art in gemütlicher Runde. Wer kommt ist da und falls es Reste gibt wird eingetuppert.

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Ein Traktor parkt direkt vor der Haustür. Das ist ungewöhnlich. Die Freundin musste ein geliehenes landwirtschaftliches Gerät zurückbringen und wir lagen auf dem Weg. Das ist schön. Sie sieht den Raum zum ersten mal ohne Plane, bleibt mittendrin stehen und lacht sich kaputt „ach! du! scheiße!“, also sie haben ja zu Hause Flur-Renovierung und das nervt gewaltig, aber das hier… jo, da geht es ihr doch schon viel besser. Freut mich. Ich mache eine Führung, wir trinken Tee vor rustikaler Bruchsteinmauer und unterhalten uns nett über Altbau-Versicherungskosten und andere Alltagsabenteuer.

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In dem Essenkorb vom foodsharing war eine Kilopackung Kartoffeln drin. Wie niedlich, ich wusste garnicht, dass es sowas gibt. Wir kaufen Kartoffeln in 25 Kilo Säcken. Von einem Kilo aussortierter Kartoffeln war eine einzige kleine angeditscht, die anderen 940g sind völlig in Ordnung. Man wird nachdenklich.

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Maikind kann den (im Führerschein als Beleitfahrer eingetragenen) Nachbarn mit zur Arbeit nehmen und fährt jetzt selbst. Ein Zeitgewinn von drei Stunden pro Woche für mich.

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Der Abwasch dauert inklusive allem hin und her von Geschirr fünfundvierzig Minuten, jeden Tag. Möööp.

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Der Nebel auf der morgendlichen Hunderunde ist so dicht, dass man nach hundert Metern das Gefühl hat alleine auf der Welt zu sein. Man kann kaum 20 Meter weit sehen, dahinter verschwimmt alles optisch miteinander. Sämtliche Geräusche der Umgebung werden irgendwie wattig gefiltert, unmöglich zu sagen, woher sie kommen. Ist auch egal, scheint alles weiter weg. Ich werfe den Ball, der Hund verschwindet und taucht mit Ball wieder auf. Es bewegt sich etwas, auf dem Feld neben uns, eine Gestalt kommt aus dem Nebel, wie im Film. Das ist ja mal ein richtig fetter Hase. Nee, wohl eher ein stattlicher Wäschbar. Hä? Ok. Der Hund hatte anscheind ähnliche Gedankengänge und guckt mich fragend an. Hasen sind ihm völlig egal, fremde Hunde begrüßt er gern in Ruhe, aber, das stelle ich gerade fest, mit diesem Dachs würde er echt gerne spielen. Ich verpasse die halbe Sekunde, in der ich das von vornherein hätte verbieten können. Fröhlich rennt er auf das Tier zu, es sind ja nur noch ein paar Schritte, die beiden haben tatsächlich in etwa die gleiche Größe, ich hätte gedacht… – verdammt – ich weiß garnichts über Dachse. Kämpfen die? Der da sieht auf jeden Fall gestresst aus, sonst wäre er uns wohl kaum so nahe gekommen. Ich rufe den Hund. Der Dachs rennt weiter zur nächsten Hecke und verschmilzt mit den Nebelschwaden, als wäre nie was gewesen. Der Hund nennt mich mit seinem Blick Spaßbremse.

Staub, Nebel und Fische

Gleich können wir essen. Ich laufe ums Haus, um der verstreuten Familie bescheid zu geben, bleibe an der Ecke aber abrupt stehen. Wow! Märzkind und der Liebste haben eine Baustaub-Abluft-Anlage konstruiert, die offensichtlich funktioniert. Aus dem Wohnzimmerfenster im Erdgeschoss schießt eine hellbraune Lehmstaubfontäne , die sich über dem Gartenweg derart verdichtet, dass es fast schon wieder Wand ist und dann, einige Meter weiter oben sanft wabernd ins Universum zurück gleitet. Nachbars Garten, die Fenster im Obergeschoss, ach, lassen wir das.

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Ich habe eine Wartezeit zu überbrücken und es gibt eine Weihnachts-Einkaufsliste. Man kann die gleiche Süßigkeit zu Kilopreisen zwischen 16 und 32 Euro erwerben, im gleichen Laden, am gleichen Tag. Alle Jahre wieder bin ich ehrlich fasziniert davon, was Leute bereit sind zu zahlen, wenn tanzende Wintertiere oder Christbaumschmuck auf die Folie gedruckt werden.

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Ein sehr nettes und ehrliches Gespräch geführt, mit jemandem, der die gleiche Schweigepflichtserklärung unterzeichnet hat. Das mit der Kündigung war tatsächlich der direkteste Weg, in Echtzeit. Blöd gelaufen. Aus Gründen, die man nur ahnen kann, und deswegen vielleicht sogar ganz gut so, für mich, denn den Murks sehen und garnichts tun können, fällt schwer. Herzliche Grüße!

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Zwei Stunden Abhänge rauf und runter gelaufen, zwecks Apfelernte. In einer perfekten Welt hätten wir die Äpfel danach in halb gemütlicher Atmosphäte gemeinschaftlich geschreddert, gepresst, und den Saft heiß abgefüllt. Dieses Jahr übernimmt das die Mosterei.

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Im Wohnzimmer meiner Oma gab eine schuhkartongroße Kiste mit Plastik-Bausteinen. Darin Steine unterschiedlicher Größe, kleine Bauplatten, Dachziegel, Fenster…. ich hab ewig nicht daran gedacht, aber gerade werde ich nostalgisch. Man kann Einzelteile bestellen auf dieser Seite, natürlich auch Bausätze, zu verschiedenen Themen, Häuser, Tiere, Blumen…und, in der Unterkategorie „für Mädchen“ findet man eine Eisdiele, kleine Drachen – die gleichen Sachen wie in den anderen Kategorien, nur vorsortiert für Weihnachts-einkaufende Männer. Die Beschreibungen sind sachlich und die Preise völlig in Ordnung. Sehr sympathisch. Klemmbausteine.(Werbung unbezahlt und unbeauftragt,weil mich die testosteron triefenden Werbetexte des Marktführers genervt haben)

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Was eigentlich im Moment so im Kino läuft hatte ich gefragt. Kleinkindersachen, Teenysachen und… da habe sie aber im Studium endlich mal was alltagstaugliches gelernt, sagt Märzkind und erklärt mir das Krankheitsbild von „folie à deux“. Interessant. Und unheimlich. Der Joker ist dann vielleicht auch eher nichts für mich. Julikind und ich verbringen einen gemütlichen Abend im Kino bei einem Film über häusliche Gewalt. Kinokarten kosten sonnstags 11 Euro, ein kurzer Moment von wottsefack

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„Das Gesicht hätte man eigentlich mal fotografieren müssen“, sagt Maikind und freut sich. Er ist der Fahrer dieser Elterntaxifahrt, denn da wo Julikind hin will, wohnt auch sein Kumpel. Der kennt das Auto noch nicht und braucht einen Moment, bis er versteht, was er sieht, als wir vorfahren. Ob er denn mal mitfahren will? Will er. Nach wenigen Sekunden sind die beiden in technische Gespräche vertieft und haben mich auf dem Rücksitz vergessen. Am Ortsausgang muss ich mich leider kurz ins Gespräch einklinken: „Ihr habt ein Video geguckt? Wir fahren mit youtube-Bremsen?“ „Jo, sicher“, sagt er völlig gelassen.

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Durch bunten Blätterwald laufen wir einen Berg runter, ohne genau zu wissen, wohin. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, das da noch was kommt, und wird überrascht. Hinter einem Zaun liegen Fischteiche versteckt. Auf dem Gelände verteilt stehen Tische und Bänke, daran fröhliche Leute, die uns herzlich begrüßen. Im Stundentakt kommen 20 Fische aus dem Räucherofen und werden sofort serviert, auf einem Holzbrett, dazu richtiges Besteck und auf Wunsch Beratung über die richtige filitier-Technik. Ich weiß garnicht, wie es dazu kam, dass wir eingeladen wurden, ist aber auch egal. Der beste Fisch aller Zeiten, in idyllischem Ambiente, schön war das.

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Wo ich denn hin wolle fragt de Omma. „An die Tür, es hat geklingelt.“ Nein, das kann nicht sein, das hätte sie gehört. Dreimal laufe ich an diesem Nachmittag scheinbar grundlos zur Tür. Dreimal steht jemand davor. Hören kann sie noch alles, de Omma, sie sieht halt nur den ganzen Tag niemanden.

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Ich mache den Scheibenwischer an, ich feudele über die von innen über die Frontscheibe, drehe die Lüftung voll auf aber es ändert sich nichts an dem Ausblick. Bei uns vor der Haustür war es garnicht so neblig, das hat sich schnell geändert. Ich mache das Fernlicht an und kann so immerhin den nächsten Leuchtpfosten am Straßenrand erkennen. „Irgendwo hiiiiieeeer müsste, nein, doch nicht“. „da, neee, daaa“, sagt Maikind. Also, wenn man die Ausfahrt erst sieht wenn man vorbei fährt ist offiziell Herbst, sind wir uns einig. Zwei Stunden später wird es hell.

die beste Ansage

Das Freibad in dem wir uns befinden ist alles in allem wohl ungefähr so groß wie ein Fussballfeld und wirkt liebevoll gepflegt, soweit man das beurteilen kann, denn es ist rappelvoll. Auf der Liegewiese sind zwei Mannschaftszelte aufgebaut, darin jeweils zwei Biergarnituren, rund herum stehen Iglo-Zelte, zwischendrin einige Gästebett-Luftmatratzen, einfach so auf der Wiese, überall liegen gemischte Stapel aus Handtüchern und Campingzubehör. Man hat das Tor im Zaun geöffnet, auf dem Grundstück der benachbarten Kita sieht es genauso aus. Fröhliche Menschen jeden Alters grüßen sich herzlich, wenn sie sich vor den Duschen begegnen. Sonnengebräunte Tagesgäste übergeben an die Feierabendschwimmer. Es riecht nach Abend im Freibad, aber die Geräuschkulisse passt nicht, denn dieses Bad wird heute nicht schließen. Da wo normalerweise Eintritt kassiert wird steht ein Bierpilz, am Beckenrand eine Pommesbude, der Kiosk hat geöffnet und die Sauna ist auch in Betrieb.

Zu dritt sitzen wir auf einer Bank am Zaun, schauen schweigend den Leuten zu und fragen uns allmählich, ob wir hier überhaupt richtig sind. Es gibt keinen Meter freie Fläche, wo bitte sollen Chearleader auftreten? Dann tut sich was. Die Dorfjugend trägt den 12 Personen-Stehtisch ein paar Meter weiter, Kiosk-Sitzgarnituren werden bis ans Beckenrandgeländer gezogen. Ein sportlich aussehender älterer Herr macht sich durchs Mikrofon bemerkbar. Er begrüßt alle Anwesenden und scheint sich wirklich zu freuen, dass so viele da sind. Hier im Dorf-Freibad ist es ja immer schön, das verdankt man dem Manfred, wo isser denn? *Lautäußerung vom Bierpilz aus* – ah, der ist zum gemütlichen Teil übergegangen, es sei ihm gegönnt, der kümmmert sich nämlich mit seinem Team das ganze Jahr um Hecken und Grünflächen, *dankbare Lautäußerungen, Applaus/ Gemurmel vom gesamten Gelände* besonders herzlich begrüßen möchten wir auch die Inge, die sich mit ihrem Team um den Kiosk kümmert, da gibts ja immer gute Sachen, aber heute eben ganz besonders *Applaus, Gemurmel*, ein herzlicher Dank auch an die DLRG, die die ganze Zeit in Bereitschaft steht und heute Nachmittag leider schon zum Einsatz kam, toll übrigens, dass alle sich an die Parkplatz-Regeln gehalten haben, der Rettungswagen kam einfach so durch, und das war wirklich gut… will man lieber nicht drüber nachdenken, wie das sonst…. *Zuschauer nicken und murmeln*, besonderer Dank geht auch an die Stricher am Beckenrand, die teilweise die ganze Nacht im Einsatz sein werden, (gemeint sind die Menschen, die am anderen Beckenrand mit Klemmbrettern auf Plastikstühlen sitzen, um die geschwommen Bahnen den Startnummern der Teilnehmenden zuzuordnen und dokumtieren, dass wirklich 24 Stunden lang immer irgendwer Bahnen schwimmt – nur für denn Fall, dass sich sonst noch jemand gewundert hat ) und dann freuen wir uns natürlich, dass die Dorfjugend so zahlreich erschienen ist *Lautäußerungen vom 12 Personen-Stehtisch*, wir nähern uns dem ersten Höhepunkt der Veranstaltung: Die Chearleader vom Sportverein des Städtchens werden jetzt gleich auftreten, morgen vormittag gegen elf, folgt dann der nächste Höhepunkt, da tritt der Shantychor des Nachbarortes auf. Offizielles Ende mit Ehrungen dann morgen um 13 Uhr, Getränke wird es selbstverständlich die ganze Nacht hindurch geben und der nächste Saunaaufguss ist um 21 Uhr, mit Zitrone/Orange. Jetzt wünsche ich allen einen schönen Abend. *Applaus* Dann geschieht einen Moment lang gar nichts. Die Chearleader stehen in Formation bereit, gucken fragend Richtung Kiosk, eine gestikuliert… Jemand müsste mal Musik… „Hach! Ja. Da war doch… so n Schtick… hatte man ihr ja gesagt, sowas aber auch“ sagt eine Frau, die vielleicht die Inge ist. Dann beginnt die Show und das Publikum ist beeindruckt, einige hören sogar auf, zu schwimmen. Sowas hat man hier noch nicht gesehen. Ich sehe es ja öfter, aber, das eben war vielleicht die beste Ansage, die ich je gehört habe.

Nach dem Auftritt tragen wir Schwimm- und Picknicktaschen wieder ins Auto und fahren an den nahe gelegenen See. Im Auto fragen wir uns, wie wir denn eigentlich auf dieser Veranstaltung gelandet sind? Lauras Oma ist Vorstand im Freibad-Verein. Ach so.

Hintergrundrauschen, Ende April 24

Morgens um halb acht im Wald. Aus dem Augenwinkel sehe ich am Hang zwei Rehe stehen. Wir begegnen uns jeden Morgen irgendwo auf der Runde, man kennt sich, man ignoriert sich. So nah kommen wir uns sonst allerdings nicht. Anscheind sind heute morgen alle mit den Gedanken woanders. Statt einfach geradeaus in den Wald zu laufen, dreht der junge Rehbock sich um und flüchtet genau in unsere Richtung. Er macht zwei lange Sätze, bemerkt, dass der Hund nicht aus dem Weg geht, weil er sich grundsätzlich nicht für Rehe interessiert und noch nicht gesehen hat, was da auf ihn zukommt, senkt den Kopf und Das kannste nicht erklären stellt die Stimme in meinem Kopf ganz sachlich fest, während ich in einer halben Sekunde darüber nachdenke, wie ich denn wohl das Geweih wieder aus dem Hund und den Hund aus dem Wald…“uuuuaaaaa“ sage ich laut, der Hund guckt hoch und springt sofort zur Seite. Nichts passiert. Alle wach.

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Ein Rapsfeld blüht, direkt vor dem Bienenstand und es schneit. Aus imkerlicher Sicht werden die zwei Sommertage neulich vielleicht als Unwetterereignis zu werten sein, am Ende der Saison.

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Textaufgabe: Eine Schulklasse fährt vom 21. – 24. Mai auf Klassenfahrt. Der zu zahlende Betrag für 4 Übernachtungen inkl Halbpension beträgt laut Elterninformationszettel 212 Euro plus Geld für Ausflüge und so. Details wurden den 13-jährigen Schülern mündlich mitgeteilt, vor den Osterferien und dem Praktikum. Insgesamt sind also 5 Wochen vergangen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die fehlenden Informationen in allen Elternhäusern angekommen sind in Prozent?

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Och guck, für ein bestmögliches Baustellen-Erlebnis baggern sie Freitag noch die Bushaltestelle weg, in dem Ort, durch den dann ab Montag alle durch müssen. Dreißigerzone mit Ampel, der kreuzende Verkehr möge sich nach eigenem Ermessen einordnen. Eine entschleunigende Achtsamkeitsübung.

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Maikind kommt nach Feierabend mit dem Bus nach Hause. Eigentlich. Es könnte sein, dass sich die Verbindung geändert hat, wegen Baustelle und unklarer Streckenänderung. Ich frage nach, ob ich ihn irgendwo auflesen soll. Ja, auf jeden Fall, aber wann und wo kann er noch nicht sagen, denn der Bus, der vor fünf Minuten bei uns vorm Haus hätte ankommen sollen, steht immernoch am Busbahnhof im Städtchen. Der Fahrer muss Pause machen, Lenkzeit überschritten. Nur zum Spaß hat er mal nachgeschaut, wie man die letzten 6 Kilometer überbrücken könnte, wenn man den Anschlussbus im Nachbarort verpasst, erzählt Maikind auf der Rückfahrt. Spoileralarm: Zu Fuss wäre man schneller.

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Märzkind ruft an, ob ich sie im Nachbarort holen könnte, es gibt anscheind keinen Anschluss. Sicher. Zur vereinbarten Zeit stehe ich an der Ersatz-Bushaltestelle hinter der Ampel. Märzkind ruft an, um zu fragen, ob ich schon da sei. Jo. Ah, Mist, tut ihr voll leid. Sie wurden rausgelassen und stehen gerade drei Orte weiter, da kommt gleich ein Bus, der fährt durch bis nach Hause, wusste niemand, steht nicht in der App, ist aber so.

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Julikind kann morgens mit dem Bus zum Praktikumsbetrieb fahren. Nachmittags fährt nichts. Sie muss abgeholt werden, um 15 Uhr. Es sei denn sie fährt mit auf Baustelle, dann könnte es später werden, es sei denn, sie sind eher fertig oder die Baustelle liegt so, dass man sie auf dem Rückweg zu Hause vorbeibringen kann.

Theoretisch liegt die Bushaltestellen-Einsammel-Fahrt in diesem Zeitraum auf dem Weg. Praktisch nicht einmal.

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Im Spülmaschinen-Ablauf-Sieb steckt eine Plastikpommesgabel. Intuitiv strecke ich eine Hand aus, um sie zu entfernen. Moment. Plastikpommesgabeln kommen doch eigentlich nicht in den Geschirrspüler und, wenn ich so darüber nachdenke, ist diese nervige Fehlermeldung, die sonst immer blinkt nicht da gewesen, beim letzten Spülgang. Könnte Zufall sein oder smartes engineering oder beides. Ich lasse die Pommesgabel wo sie ist. Never change a running system.

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Mittagessen zu dritt. Märzkind fällt was ein: „Ah so…, wegen Sektempfang, sollte ich dich noch fragen, ob du das… machste, ne?“ Pluseinskind verarbeitet die Frage, gibt dann ein zustimmendes Geräusch von sich und gestikuliert „kein Thema“, „siehste hab ich doch gesagt, braucht man nicht fragen, das macht der so“. „Ist höflicher“, argumentiere ich. Pluseinkind hat schon auf der Ladies-Night im Kino Sekt serviert, sagt er und schweigt dann vielsagend.

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„Und? Wie gefällt dir diese Deko?“, frage ich Julikind auf der Feier ihrer Freundin. „Sehr schön“, ungefähr genau so hatte sie sich das auch gedacht. „6 Tage vor Veranstaltung wissen wir also endlich, was für Dekogedöns auf den Tisch soll“, murmele ich, eigentlich nur zu mir selber. Och, das sei aber sehr sympathisch, sagt die neben mir sitzende Mutter, sie sei da auch immer recht entspannt. Aber das sagt man ja so kurz vorher lieber keinem. Stimmt. Ich wundere mich selber, aber das entspannte Gefühl ist echt. Naja, die Eskalation wird uns finden, zu gegebener Zeit.

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Es hat eine Weile gedauert, sich zu der Erkenntnis durchzuringen, aber jetzt ist es soweit. Ich hole mir die Winterhandschuhe wieder vom Dachboden, ziehe Skiunterwäsche drunter und ein zweites paar Socken an bevor ich mit dem Hund rausgehe. Könnte sein, er fährt morgen mit der Flitschbimmel an die Arbeit, sagt der Liebste. Bei seinem Auto sind schon Sommerreifen drauf, leichtsinnigerweise, Ende April.

vor Ostern 2024

So groß ist das Internet eigentlich garnicht. Maikind muss eine Präsentation schreiben zu einem Thema, das recht speziell zu sein scheint. Fachlich kann ich leider nicht helfen. Aber, ich hätte ein paar 90er Jahre Problemlösungsstrategien auf Lager und mache Vorschläge, alle unpraktisch und zeitaufwendig.

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Es dauert eine Weile bis uns klar wird, was hier eigentlich das Problem ist, aber dann ist die Lösung ist einfach. Ich erkläre Julikind den Aufbau einer Tageszeitung in Papierform anhand eines Beispiels, das sie aus dem Großelternhaushalt besorgt hat. Artikel, Reportagen, Meldungen, Anzeigen… „Aha, ah, achso“, sagt das Kind in wissenschaftlich interessiertem Tonfall, „und wozu?“, möchte sie wissen. „Wozu was?“, frage ich. „wozu braucht man das?“ ich gucke fragend, sie deutet auf die Zeitung, „zur Information“, sage ich, „Hääää?“ fragt sie, in dem Tonfall, der das gesamte Universum in Frage stellt. „war früher so“, erkläre ich, aber warum das Teil ihrer Deutscharbeit sein wird bleibt ein Rätsel. „Die tun immer so als müssten wir nach dem Schulabschluss im 20. Jahrhundert leben“, sagt Julikind und verlässt kopfschüttelnd den Raum.

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Tja, äh, Jahrgang 1982, ich hab vom letzten Jahrhundert fast genausoviel mitbekommen wie von diesem. Bei Fragen zu alten Kulturtechniken – einfach melden. Manchmal siehste sie nicht kommen, die Alterungsmomente.

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Märzkind läd Großeltern zum Geburtstags-Grillen. Alle freuen sich und kommen gerne. Herrliches Frühlingswetter haben wir an diesem Tag, genau wie bestellt. Feiern ist allerdings nicht mehr so einfach mit den Ur-Omas. Man wird das Konzept anpassen müssen, irgendwie, demnächst.

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Auf diesem Parkplatz hab ich so einiges an Wartezeit verbracht in den letzten Jahren. Ich kenne diesen Ausblick mit Schneegestöber, Vogel zwitschern, bei flirrender Hitze und mit bunten Blättern im Sturm. Kurz mal in mich reingehorcht ob mir das Fehlen wird? Nein, wenn ich ehrlich bin, eher nicht. „Meine“ letzte Konfirmandenstunde.

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Einen richtig schönen Vorstellungsgottesdienst haben sie vorbereitet. Sind alle gewachsen in dem einen Jahr. Aus Kindern werden Leute, sagt die Oma immer, recht hat sie.

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„und du so?“, fragt Märzkind. „ganz üble Aufschieberitis wegen Konfirmationseinladungen, gerade“, gebe ich zu. Julikind hat endlich eine Entscheidung getroffen, es ist auch alles da, in Einzelteilen, man müsste unbedingt, aber ach… Oh, da könnte sie aber sehr gerne bei helfen, weil sie hat ihrerseits gerade ganz üble Aufschieberitis wegen Lernen für Klausur. Das passt ja, zu zweit geht es schneller und ist sogar irgendwie gemütlich, tiefschürfende Gespräche bei stumpfsinniger Tätigkeit.

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Riecht es hier…..? Ja eindeutig. Handlung erforderlich. Auf halber Treppe nach oben fällt mir auf, dass es wohl sinnig gewesen wäre den kleinen Feuerlöscher, der für solche Momente neben der Kellertreppe steht gleich mitzunehmen. Ich öffne Zimmertüren zwecks sensorischer Überprüfung. Nichts. Das kann nicht sein. Ich drehe eine zweite Runde, langsamer und aufmerksamer, aber da ist nichts. Merkwürdig. Drei Tage später stelle ich fest, das der Föhn nur noch kalt föhnt, egal welche Einstellung man wählt. Ich erkundige mich, ob das sonst noch jemandem aufgefallen ist. Nee, aber das da vielleicht was nicht mit stimmt, habe man sich neulich schon gedacht, als da vorne Funken rauskamen. Aha.

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Boar, wieso riecht das hier so….? Handlung erforderlich, man kann sich denken wo, aber nein, beide Toiletten spülen ganz normal ab. Merkwürdig. Es dauert einen Moment, dann gluckert es in der Badewanne. Wurks. Ich nehme sämtliche Kleidung die da über den Badewannenrand hing, trage sie am ausgestreckten Arm Richtung Waschmaschine und starte eine Ladung völlig unsortierter Wäsche, führe dann einfache Klempnertätigkeiten aus und habe das Bad schon fast fertig geputzt, bevor noch jemandem auffällt, dass es hier irgendwie so riecht, als müsste man mal gucken…

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Beginn der Osterferien. Endlich. Schon. Oder so, kein richtiges Zeitgefühl, dieses Jahr.

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Ein verwunderter Blick aus dem Fenster: Es schneit. Vorgestern haben wir im T-Shirt draußen gesessen, ich habe die dicksten Winterjacken auf den Dachboden getragen und Allergietabletten bereit gelegt. Heute drei Grad und dicke weiße Flocken, nicht nur ein Schauer, es schneit.

ach komm, geh weg KWs 5,6,7/2024

Heeejjj, mein linkes Nasenloch ist wieder luftdurchlässig, zum ersten Mal seit drei Wochen. Ich freue mich – solange bis mir klar wird, dass dafür jetzt das rechte, naargh…

Der Krankenstand im Haus liegt konstant bei 3 von 5. Personen und Symthome wechseln stetig. Mittlerweile hat jeder eine persönliche Definition von „gesund“. Man gewöhnt sich.

Die Hausapotheke muss neu gefüllt werden. Zum ersten Mal überhaupt wurden die im Herbst angelegten Medikamentvorräte aufgebraucht.

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Es gab mentale Herausforderungen an Arbeitsstellen, der Uni und in der Schule, zeitgleich natürlich, wie auch sonst. Das Meiste davon betrifft mich garnicht, eigentlich ist alles gut aber in der Summe… sitze ich in dem Zimmerchen, dass mal Abstellkammer war, gucke blade mate lawn care videos auf youtube. „Ach, hier bist du“, sagt der Liebste, schüttet kommentarlos frischen Kaffee in meine Tasse und geht wieder. Gut, dass ich den schon geheiratet habe.

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Montag morgen um viertel nach fünf begegnen sich zwei Welten. Der Liebste kommt gerade von der Superbowl-Party, leider haben die falschen gewonnen, aber macht nichts, ein richtig schöner Abend ist das gewesen. Fröhlich begrüßt er Maikind. Der antwortet mit einem Brummgeräusch, für ihn ist schon morgen früh.

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Also, ich kann gut um kurz vor fünf aufstehen und Sachen erledigen. Bis nachmittags um drei. Da lauert ein mittelgroßes Müdigkeitstief, das hatte ich vergessen.

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Die neuen Verpackungs-Müll-Tonnen sind genauso groß wie die normalen, wiegen gefülllt aber weniger. Es ist sehr windig draußen. Jeder, der das Haus betritt, weist mich darauf hin, dass das kein gutes Konzept sei. Man habe die Mülltonne, die zur Abholung an der Straße lag, wieder hingestellt und sämtliche verwehten Verpackungen von der Fahrbahn und aus dem Hang eingesammelt. „Sehr gut, vielen Dank, ich kann allerdings auch nichts dafür“. Wir tun Plastikmüll jetzt wieder in gelbe Säcke und die dann in die Tonne. Total nachhaltig, so liegt es später nicht in den Büschen und im Wald rum.

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Da sitze ich nun, im kalten Auto, ohne Geld und Datenvolumen. Das Glockenspiel im dekorativen Türmchen mitten auf dem nebelverhangenen Parkplatz spielt „Freude schöner Götterfunken“ zur Untermalung der Situation. Maikind findet mich, das ist schon mal gut. Fröhlich erkundigt er sich, wie es zu dieser Planänderung kam. Das ist schnell erklärt: Ich drehe den Schlüssel im Zündschloss, das Auto hüstelt leise. „Ah so“, sagt er, und ich hätte doch das öffentliche W-Lan nutzen können, während der Wartezeit. Gab keins. Doch sicher, er hält mir sein Display vor die Nase. Drei Stück, und noch ein paar von Leuten, aber das macht man ja nicht. Mein mobiles Endgerät weiß nichts davon und stellt sich stur. Der Liebste findet uns. Er bittet mich auszusteigen, damit er „mal gucken“ kann. Ich verlasse das Fahrzeug mit dem Hinweis, dass ich durchaus in der Lage bin festzustellen, dass ein Auto nicht anspringt. Er dreht den Schlüssel, das Auto springt an. Ja nee, ist klar.

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Die Nachbarin ruft an und fragt, ob eventuell von uns jemand heute vor 16 Uhr im Städtchen sei und sie mitnehmen könnte. Sie werde jetzt aus dem Krankenhaus entlassen und der Fahrdiest kann erst um 16 Uhr. Es ist elf Uhr vormittags. Ich würde sie abholen. Sie freut sich sehr und wird im Foyer auf mich warten, bis gleich. Dort ist sie nicht, als ankomme. Ich finde sie, abmarschbereit, aber offensichtlich nicht entlassungsfertig im Patientenzimmer. Nach einigem hin und her ist klar, es wird noch länger dauern, bis 16 Uhr, ungefähr, Fahrdienst ist bestellt. Die Nachbarin entschuldigt sich vielmals. Das hat sie falsch verstanden, da bin ich ja nun umsonst…hach. Nicht schlimm, versichere ich ihr und erkläre, wie es jetzt weitergehen wird. Essen, Arzt, Papiere…. Ach so. Sie setzt sich an den Tisch, rückt das Mittagessenstablett darauf zurecht und stellt ihre Tasche auf den Boden. Ein Einkaufsbeutel vom Discounter, darin ist ein Nachthemd, sonst nichts. Sie ist seit drei Tagen hier.

Nachdenklich fahre ich wieder nach Hause.

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Eine Email zur Information der Erziehungsberechtigen. Sehr viel Text und vier Anhänge lassen sich ganz einfach zusammenfassen: Eltern haben das homeschooling beendet, die Blagen sind 13, da geht nix mehr. Die Schule ist entsetzt. Keine Arbeitsmoral, keine Leistungsbereitschaft, leider wird so niemand die Abschlussprüfung schaffen, man möge seine Brut disziplinieren oder wahlweise das Problem mit Geld bewerfen, bei Fragen oder Anregungen könne man sich natürlich melden. Tjaaaa, dann, formuliere ich doch noch mal ganz sachlich, und so freundlich und wertschätzend es mir nur möglich ist, genau das, was ich auf dem Elternabend schon gesagt hatte. Im Grunde lässt es sich mit einem legendären Filmzitat zusammenfassen: „Chantall! Heul leise.“

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Da läuft eine Haushaltsauflösung es gäbe Sachen zu verteilen. Danke, aber eher nein danke. Märzkind fährt „mal gucken“ und findet Schätze in Ur-Omas Kleiderschränken. Total stylisch das alles.

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An einem Morgen gehe ich die Hunderunde mit dicker Jacke, Handschuhen und Mütze auf gefrorenem Boden. Über Nacht wurde anscheind ein Schalter umgelegt. Am nächsten Tag 10°C und Vogelgezwitscher rund um mich herum. Normal ist das nicht, aber soll mir recht sein.

Gedanklicher Beginn der Bienen-Saison, Mitte Februar.

man müsste mal Advent, aber… KW47-49/2023

„Huch“, habe sie gesagt, als man sie Treppe runtertrug, im Rettungs-Stuhl, dabei gelacht und mit Sanitätern geschäkert, natürlich. So wie man sie kennt halt. Dann ging es schnell.

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Es gäbe die Möglichkeit sich von der Uroma zu verabschieden, falls jemand möchte. Ich frage alle drei Kinder einzeln in persönlichem Gespräch und bekomme dreimal die gleiche Antwort: Man selber habe jetzt eher vielleicht nicht das Bedürfnis, aber wenn von den anderen jemand wollen würde, dann würde man mitkommen. Zufällig sind zum angesetzten Verabschiedungs-Termin alle zu Hause. Wir nutzen also die Gelegenheit, dem Tod mal zu begegnen, denn in diesem Fall kam er als freundlicher Besuch und man weiß ja nie…

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Ich wollte sowieso mal einen anderen Frisör ausprobieren, nach der letzten Preiserhöhung. Da hat tatsächlich einer diese Woche noch einen Termin frei und ich zahle deutlich weniger. Aus Gründen, wird mir klar, nach der ersten Haarwäsche. Ich bitte Märzkind um Hilfe. Sie wuschelt und wuschelt und schneidet, seufzt dann leise und murmelt in tröstendem Tonfall, dass es bis Weihnachten ja noch drei Wochen hin seien.

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KRACKS. Der altgediente Wäschekorb quittiert den Dienst, voll beladen natürlich, auf halber Höhe der Treppe, alles andere wäre ja langweilig gewesen. Gut, die Zeichen waren da, ein Zahnbürstenstiel und Panzertape zum Prothesenbau lagen bereit, aber, da ist nichts mehr zu machen. Schade. Wir haben in den letzten 20 Jahren einige Kilometer gemeinsam zurückgelegt, hunderte von Treppen rauf und runter, in allen Ehren wird er dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt.

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Das es nach der Trauerfeier zu Veränderungen kommen würde war klar. Aber die Geschwindigkeit überrascht dann doch. Gut, dass jemand was gesagt hat. Eine zwischenmenschliche Beziehung ist eskaliert. Strenggenommen ist es nicht unsere Baustelle, aber so kann man das nicht stehen lassen, sonst wird es unsere. Wir denken. Der Liebste bringt beide Parteien an einen Tisch. Die Baustelle scheint schnell behoben aber, es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, egal wie man diese Situation dreht und wendet: Entweder es wurde routiniert gelogen oder jemand hat neuronale Aussetzter. Wir beobachten das.

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Zwischen „Systemrelevanz 24/7“ und „soll jede Abteilung mal selber sagen, wer entbehrlich ist“ lagen keine zwei Jahre. Der Liebste möge mal bitte in die Firma kommen. Man bietet ihm den gleichen Arbeitsplatz in anderer Funktion zu geänderten Konditionen. Dadurch würde sich einiges ändern, aber vielleicht auf die gute Art. Um zeitnahe Entscheidung wird gebeten. Alle denken, er selbst am längsten. Schließlich schicke ihn mit seinem Kumpel ein Bier trinken, der verrückt in einem beiläufigen Halbsatz die Perspektive. Möglicherweise ist es ein bisschen so, wie wir alle gesagt hatten.

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Es schneit und ist richtig kalt. Winterwonderland für Allergiker.

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Normalerweise erkundigt sich Julikind nach einem Kinofilm auf dem Weg zum Parkplatz nach dem Verkaufsstart der DVD. Diesmal nicht. Diesen Film möchte sie nie wieder gucken, der hat sie richtig wütend gemacht. Wie kann denn sowas? und dann am Ende? so ein cliffhanger…?? „Das war kein cliffhanger. Du weißt wie die Geschichte weitergeht“, erkläre ich. Während ihrer fiesen Erklältung letzte Woche haben wir alle drei Teile der ‚Tribute von Panem‘ gegeguckt. Der vierte Teil dauert zweieinhalb Stunden, was mir persönlich fast zu lang ist, aber, in diesem Fall machen gerade die leisen Minuten in denen scheinbar nichts passiert das Drama. War gut gemacht, der Liebste und ich sind uns einig. Auf halber Strecke nach Hause kommt ein gemurmeltes „Samma – wollte der die echt erschießen, oder was?“ vom Rücksitz. Vermittlung von gesellschafts-politscher Bildung: checked.

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Der Tag ist fast zu Ende, Abendroutinen, Sofa in Sichtweite. Der Liebste wirft einen letzten Blick auf eingegangene Nachrichten und erstarrt. Jemand ist gestorben. Was? Stille im Raum. Nachfrage. Antwort kommt sofort. Der Unfall eben, Cousin bei der Feuerwehr. Für Moment gefriert die ganze Welt. Ich bitte Julikind, das jetzt nicht rumzuerzählen, es scheint gerade eben erst passiert… „ohhajasorrynichtdrangedacht“ murmelt der Liebste. Dann sitzt man erstmal so da und kennt die Verstorbene, ihre Familie, Leute bei der freiwilligen Feuerwehr, die Seelsorgerin… Märzkind ruft an, sie seien da eben auf dem Weg zum Training an einer Unfallstelle vorbeigekommen, viel Blaulicht, sehr viel, konnte man sehen, dass das was Schlimmes…ob wir schon gehört? Ja. „Das fühlt sich ganz anders an, als bei der Oma“. Stimmt.

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Beim Versuch, Weihnachtsgeschenke in der echten Welt zu besorgen scheitere ich so krachend, dass man sich rückblickend fragt, wie ich überhaupt drauf gekommen bin, das zu versuchen.

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Die ersten sieben Türchen meines umgekehrten Adventskalenders auf einmal erledigt. Sehr gut erhaltene Winterkleidung, die niemandem hier passt wurde im secondhand Laden abgegeben danke fürs mitnehmen. Und wenn man erstmal anfängt… vielleicht hat der grinchige Raustrage-Adventskalender mehr als 24 Türchen.

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De Omma ruft an. Sie hätte Kuchen, den könnte mal jemand holen kommen. Das ist ungewöhnlich.

An einem Freitag?

Wie? Haben wir Freitag heute?

Jo.

Dann hat sie keinen Kuchen.

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Die Post kommt gefühlt nur noch einmal die Woche. Nix, nix, nix, Briefkasten knallvoll und vier Pakete am Ablageort, nix, nix. Total egal, was einem die Versender per mail als Zustellungsdatum nennen. Pakete kommen am Paketauslieferungstag.

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Der Plätzchenteller, der uns traditionell vor dem ersten Advent überreicht wurde, könnte abgeholt werden, erfahren wir. Der Liebste kümmert sich. Boar. Es ist kein Teller mehr. Die Plätzchen wurden in einer Tortenhaube dekorativ angerichtet, und gerne könnten wir noch was nachholen, bei Bedarf. Ich bin vom gucken schon satt.

durchziehender Oktober, 2023

Von außen betrachtet sieht es wohl so aus, als wäre nichts los. Aber es tun sich Dinge in Köpfen.

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Märzkind braucht vielleicht doch einen Laptop. Ich wechsle einen Blick mit Maikind. Hatten wir uns schon gedacht, dass man nur mit Kulli und Collegeblock nicht durchs Studium kommt. Maikind soll mal sagen, welcher wohl gut wäre. Er fragt nach Betriebssystem, Kostenrahmen, Arbeitsspeicher, Bildschirmgröße, Grafikkarte. Märzkind guckt fragend. „Vielleicht dann doch lieber ein Tablet?“ Maikind bemerkt ein Kommunikatiosproblem und versucht es anders. „Wofür brauchst du das Gerät denn?“ „Na – fürs Studium, so zum Schreiben, speichern, mitnehmen…“, sagt Märzkind in dem geschwisterlichen Tonfall für blöde-Frage-Vollpfosten. Maikind seufzt. Ich dolmetsche. Er findet was, wir bestellen gemeinsam, Märzkind bedankt sich herzlich. Hat sie doch gewusst, dass Maikind sowas kann, dauert halt nur immer, bis er verstanden hat…

Läuft bei den Blagen. Man freut sich richtig, einen Moment lang. Dann übernehmen die Senioren.

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Die Oma aus dem Städtchen bringt zwei Salatschüsseln und vier kleine Handtücher vorbei. Sie wird umziehen, demnächst. Ich biete ihr Hilfe an, bei konkreten Tätigkeiten, denn ich habe da so einen Verdacht. Fröhlich lächelnd lehnt sie ab, das wird nicht nötig sein. Sie kümmert sich heute um das hier – deutet auf Schüsseln- ihr Sohn dann um den Rest. Aha. Die Fassade war solide, aber jetzt hagelt es Erkenntnisse.

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Seine Oma liegt jetzt nur noch, erzählt der Liebste nach einem Besuch. Ansonsten wirkt sie aber fröhlich.

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De Omma braucht neue Schuhe. Oder auch nicht. Sie hat nämlich noch welche aus den späten siebzigern, die sind gut zu gebrauchen. „Also, ich persönlich fände es schöner, wenn du nicht im Hühnergarten auf die Schnauze legst und irgendwelche Knochen dabei brichst, aber, du bist ja alt genug, mach wie du meinst“. Ich staune selber, als ich mich das sagen höre, denn so rede ich eigentlich nicht mit Omas. Es ist allerdings nicht das erste Gespräch zu diesem Thema und ich wäre dann jetzt durch. „Njo. Vielleicht haste recht“, sagt sie. Wottsefack?

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Eine Woche Herbstferien ist wenig, aber immerhin. Erstmal natürlich, muss man garnichts machen, drei Tage lang. Dann erledigt Julikind Besuche, für die im laufenden Betrieb keine Zeit war. Zack, eine Woche rum.

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Seit der Grundschule lese ich für Maikind Korrektur und komme bei den Berichtsheft Einträgen langsam an meine Grenzen. Heißt es Steckdosenstromkreis oder Steckdosen Stromkreis? Aderendhülsen? Hast du dir das Wort ausgedacht? Maikind erklärt wo, wie und zu welchem Zweck man die einbaut. Und: Beim nächsten Baumarktbesuch fällt es mir plötzlich auf, wahrscheinlich war es schon immer da, das Regal mit den Aderendhülsen.

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Bei fast noch warmen Herbst-Regenwetter begegnen mir Feuersalamander im Wald. Ich hab lange keine gesehen und freu mich. Dachte schon, die wären ausgestorben. Es ist überhaupt richtig schönes Herbstwetter. Bunte Blätter an den Bäumen, Moos in allen grünschattierungen und Pilze, jede Menge Pilze. Sehr dekorativ, das alles.Beispielbild aus kostenlosem Archiv, aber könnte auch von hier sein

Photo by Matthias Zomer on Pexels.com

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Es fühlt sich nicht so an, aber lange ist es nicht mehr, bis Weihnachten. Ich hatte da um Absprachen gebeten, denn der Kalender füllt sich allmählich, aber, es wird auch ohne gehen und zwar folgendermaßen: Sollten Terminanfragen kommen, trage ich die ein und wenn sich Sachen überschneiden, teilen wir uns auf oder sagen ab. Er habe tatsächlich eine Weihnachtsgruppe mit seinen Geschwistern gegründet, zur Terminabsprache, sagt der Liebste. Sehr gut. Das freut mich. Leider sei erst nach der Planungsphase aufgefallen, dass statt seines Bruders einer von den alten Herren Mitglied der Gruppe war, unerwartete Verzögerungen, alles irgendwie ein bisschen komplizierter als gedacht. Ach was.

Bei einem flüchtigen Besuch in der Buchhandlung fällt mir ein Aufsteller mit Grinch-Merchandise-Artikeln auf. Interessant. Anscheind wird Grinch sein allmählich gesellschaftsfähig. Ich befürworte das, bin persönlich aber schon auf einem anderen Level. Ich kaufe nix wo Weihnachten drauf steht. Garnichts. Es gibt normale Geschenke, normales Blätterkrokant und Standard-Schichtnougat zu, naja, halbwegs normalen Preisen.

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Die Baustelle ist fertig – juhu. So mit 50 Sachen durch die Ortschaften Richtung Städtchen, es fühlt sich fast wie rasen an, nach Monaten bei Tempo 30. „Guck es dir an“, sage ich zum neben mir sitzenden Märzkind, auf der langen Geraden „niemand vor uns und niemand zu sehen, im Rückspiegel“ „so soll das“, sagt Märzkind, „einfach mal in Ruhe geradeaus fahren, ohne Leute“. Der Schulbus fährt auch wieder nach Plan. Macht 80 Minuten mehr Unterricht pro Woche. Natürlich ploppt sofort die nächste Baustelle auf. Wegen Schienenersatzverkehr wird Märzkind nächste Woche an dem Tag der autofreien Anreise 3 statt anderthalb Stunden für den Weg zur Uni brauchen.

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Leider, man kann sich nicht erklären wie eigentlich, ist eine Flasche preisgünstiges „Pahrfühm“ im Turnbeutel zerbrochen. Ein sensorisches Inferno, 80000 Olf verteilen sich im Haus.

bunt gemischtes und dunkle Seiten, KW 38-42

Kurz nach acht Uhr morgens mache ich mich auf den Weg ins Städtchen. Ich fahre nur 80 und etwas weiter mittig als man das normalerweise tun würde, weil ich sehen kann, das von vorne keiner kommt. Hinter mir ein Baustellen-Kleintransporter voll besetzt mit Malochern, alle unter 30. Eigentlich müssten die mir direkt an der Stoßstange kleben, hier, um diese Zeit, tun sie aber nicht. Die kleine Landstraße hat gelitten, nach einem halben Jahr Umleitungsverkehr von der Bundesstraße. Es gibt keine Bankette mehr. Also machen wir alle ein bisschen langsamer und teilen die Fahrbahn nach Bedarf. Man wundert sich, aber es geht.

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Zeiten, Abläufe, Wege alles ist leicht verändert in den letzten Wochen, auf gute Art, nur eben ungewohnt.

Mittagessen für drei Leute. Tja, äh, kocht man da was? Es könnte sich doch einfach jeder ein Brot schmieren, schlage ich vor und wir essen dann „was richtiges“ wenn mehr Leute da sind. Julikind nennt spontan drei Haushalte in denen immer nur zwei Leute wohnen und vermutet, dass die doch wohl nicht alle immer nur Käsebrot essen. Da hat sie recht, gebe ich zu und überlege mir was. Es fühlt sich ein bisschen an wie Puppenküche.

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„Ich muss rauchen, kommst du mit?“, fragt die Mutterkollegin und zupft leicht an meinem Arm. „Hä?“ sage ich in der Betonung für ich-verstehe-was-du-sagst-aber-nicht-was-du-meinst. Na, sie muss da hinten hinter die Hecke, ich soll bitte mit, sie muss mir noch was erzählen. „Also, ehrlich, es ist stockdunkel, wir sind über vierzig, wenn du rauchen möchtest, dann steck dir eine an“ „Meinst du? Wirklich? Hier?“ Ich nicke, merke dann, dass sie das nicht sehen kann und sage „jaha, sicher“. Dieser Elternabend war anstrengend. Zu Hause trinken der Liebste und ich noch ein Bier, auf der Treppe vorm Haus. Da kann er sich auf freuen, nächstes Jahr, sage ich, oder vielleicht geht einfach keiner mehr hin.

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Im August gabs einen Vormittag, da sind wir uns in dicken Jacken begegnet und hätten eigentlich Handschuhe gebrauchen können, ob er sich erinnern kann, frage ich den Landwirt, der mir auf der Hunderunde begegnet. Die laufe ich heute im T-Shirt und Sonnencreme wäre eigentlich nicht verkehrt gewesen fällt mir gerade auf. Jetzt, „wo ich das sage, stimmt“, sagt er, während er Blätter fegt, in kurzer Hose, Mitte Oktober.

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Landtagswahlen in Hessen: Seit Wochen halte ich immer wieder kleine Vorträge, darüber, wie toll das ist, in einer Demokratie zu leben, wo jeder alles sagen darf und das einzige Risiko darin besteht, dass man für eine kognitiv suboptimierte Arschkrampe gehalten wird und einem das auch gesagt wird. Dass es wichtig ist, hinzugehen, wenn Wahlen sind, weil jede Stimme gleich viel zählt und es hier sonst nur Politik für Rentner geben wird, denn die gehen hin….

Sonntag vormittag: Märzkind kommt von irgendwo und ist unterwegs nach irgendwo anders, wollte nur kurz Hallo sagen und dass sie schon gewählt hat. Ich freu mich. Das Pluseinskind durfte allerdings leider nicht wählen. Er wohnt erst seit September im Ort, das Wählerverzeichnis wurde im August auf den letzten Stand gebracht, deshalb steht er noch nicht drin. Er müsste in seinem vorherigen Wohnort wählen. „… und, ganz ehrlich, mal abgesehen davon, dass das zeitlich nicht passt, die Spritkosten wegen zwei kleinen Kreuzen? Dann eben nicht, leider“. Versteh ich. Schade eigentlich.

26% der abgegeben Stimmen im Ortsteil für die AfD. Anscheind mögen wir Nazis. Ich könnte kotzen.

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Der Liebste bestellt Holz inklusive Lieferung. Natürlich haben am einzig möglichen Liefertermin alle Kinder Unterricht und Arbeit, aber, eigentlich schafft man das auch zu zweit ganz gut. Wenn man nicht nebenher noch schnuddeln und Kaffee trinken muss. Symbolbild für den Muskelkater des Todes.

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„Ich habe gehört, was passiert ist. Es tut mir sehr leid.“

„Er war mein Freund“

Mehr Worte braucht es nicht. Ein Suzid im Freundeskreis meines Bruders.

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Zum zweiten Mal in dieser Woche fährt der Schulbus um drei Minuten nach acht hier weg, das weiß ich, weil der quasi vor unserem Fenster wendet. Schulbeginn ist um 8 Uhr. Es fängt an, mich zu stören, leider. Andererseits- es fährt ein Bus. So selbstverständlich ist das nicht, sagt der Fachoberschüler aus dem Nachbarort. Er sei letzte Woche zweimal stehen geblieben. Da kam einfach keiner, wo laut Plan einer hätte kommen sollen. Schon stört es mich kein bisschen mehr.

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Dann ändert sich die Jahreszeit, innerhalb eines Tages. Morgens ist Spätsommer, nachmittags eindeutig Herbst. Liegt es an mir? Nein, das Thermometer zeigt 10°C weniger an als heute morgen, wir lassen die Übergangsklamotten aus, und wechseln von T-Shirt auf Winterjacke, außerdem zieht der Liebste Winterreifen aufs Auto und ich die Winterdecke aufs Bett. Auf dem Sportplatz wird Glühwein ausgeschenkt, meldet Märzkind. Ernte- Fahrzeuge fahren bis Mitternacht durch den Ort. Am nächsten Morgen sind die Grasschwaden auf den Wiesen gefroren, habe ich so auch noch nicht gesehen.

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Ich packe zwei Brotdosen. Eine für einen Schultag, die andere für einen Berufsschultag, also knallevoll, weil ich nett gefragt wurde und wach bin. Viertel vor sieben fällt mir auf, das es ungewöhnlich leise ist, im Haus. Vielleicht besser, ich schaue mal nach. Gute Entscheidung, lobe ich mich selber, denn im Zimmer des Maikinds ist es dunkel. Vorsichtig mit dem Fuss voran tastend bewege ich mich Richtung Fenster, ziehe den Rollladen hoch und hä?? Da liegt niemand im Bett. Es war auch niemand im Badezimmer, bin ich mir sicher. Entweder, Maikind wurde hochgebeamt, oder er hat gar keine Berufsschule und ist im Betrieb?

Sommerweihnachten

Ein Fünfschichtsystem, dass von sieben Leuten bespielt wird ist ein komplexes Konstrukt aus regulären Früh-, Spät-, Nacht- und Freischichten, doppelt besetzten Kernzeiten, Urlaubstagen, Lehrgängen, Schulungen, Audits. Ein Fünfschichtsystem, dass von drei Leuten bespielt wird nicht. Der Liebste hat die Nachtschicht erwischt. Ein Glücksfall, wenn man so will.

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Der Ausbilder scheint freundlich und kompetent zu sein, das ist schon mal die halbe Miete, da sind wir uns einig. „Aber, ganz ehrlich, ein Zettel hätte mir gereicht“, raune ich dem Liebsten zu. Eine nett gemeinte Elternveranstaltung. Auf dem Weg zum Parkplatz fragen wir uns, ob der Standort wohl sicher ist. Eine Sorge, die wir uns garnicht gemacht haben, bevor drei verschiedene Abteilungsleiter das Bedürfnis hatten, sie uns in ausführlichen Reden zu nehmen.

funfact: „Verfahrensmechaniker“ heißen seit diesem Jahr „Kunststoff- und Kautschuktechnologen“. Was für eine klangvolle Berufsbezeichnung. Die tun ihm ein bisschen leid, sagt Maikind. „Stell dir mal vor, bist auf ner Party und dich fragt einer un?was machst du so?, und dann musste sagen KunzschoffundKauschuktechnoolooge“. „Ach, das ist die offizielle Berufsbezeichnung für die Gummiknechte?“ erkundigt sich der Liebste, wusste er garnicht. „Nja aber, Gummiknecht ist, glaube ich, wie Zigeunerschnitzel, dass sagt man nicht mehr…“ gebe ich zu bedenken.

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Julikind bekommt einen Stundenplan und ist entsetzt. Ihre Freizeit wird in unzumutbarer Weise beschnitten. Tatsächlich, dreimal die Woche bis zur achten Stunde, ich staune und bringe dem Kind schonend bei, dass sie auf eine Ganztagsschule geht, seit drei Jahren. Am Donnerstag kommt der zweite Stundenplan, der provisorisch für nächste Woche überbrücken wird, es haben sich Änderungen ergeben. Auf dem vorläufig endgültigen Stundenplan sind es dann schon fünf Wochenstunden weniger. Ein Nebenfach wird garnicht stattfinden. Der Kultusminister schickt einen Elternbrief. Kopfschüttelnd lese ich den ersten Abschnitt, dann kommt ein bisschen kalte Kotze. Ich lösche die mail, teilweise ungelesen. Willkommen im neuen Schuljahr.

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Nur noch ein Schulkind. Seltsam. Und preisgünstig. Der Schuljahresstart-Einkauf dauert nur 10 Minuten. Auf dem Weg Richtung Schreibwaren laufen wir an Regalen voller Adventskalender vorbei und wundern uns. Das war sonst nicht, würde ich behaupten, könnte aber auch sein, dass mein Fokus einfach woanders lag.

Maikind schaut voller Mitgefühl auf einen eskalierenden 4-Jährigen. Das Hirn wechselt in homeschooling Modus und eine Textaufgabe ploppt auf. Ein Adventskaldender hat 24 Türchen. Wie viele Kalender muss eine Mutter am 6. September kaufen, damit Ruhe ist, bis Heilig Abend?

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Ein Muttitaxi wäre selbstverständlich theoretisch möglich, praktisch wäre es mir anders lieber. Ja sicher, sagt der Liebste, das sollte ja wohl kein Problem sein. Er telefoniert, organisiert, gibt Nummern an Maikind weiter. Absprachen werden getroffen, geht/geht nicht/geht, aber nur an folgenden Tagen/natürlich, man wartet 10 Minuten / fährt ein bisschen eher, damit der Junge rechtzeitig… ich bin schwer beeindruckt von der Leichtigkeit mit der verbindliche Abmachungen getroffen werden und ein bisschen gerührt von soviel Hilfsbereitschaft. Am Ende seiner zweiten Arbeitswoche ist Maikind Teil von sieben verschiedenen Fahrgemeinschaften gewesen. Dorfkinder united. Danke dafür! Echt. Von Herzen. Und gerne auch in Euros, bitte einfach sagen, Kommunikation ist noch eine kleine Herausforderung für den Fahrgast