Von hundert auf null, KW 29/30 2023

So viel und so häufig haben wir seit der Kleinkinderzeit nicht mehr über Schlaf geredet, aus Gründen. Wir schlafen alle schlecht, seit längerem und jeder auf andere Art. Man bemüht sich, niemandem auf den Sack zu gehen, jeder räumt jedem Sachen hinterher, läuft Wege doppelt oder dreifach, weil der eigene Kram dabei vergessen wurde. Insgesamt erinnert dieser Zustand an was. Vielleicht ist das noch Rest-Corona?

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Ein Aufbackbrötchen vom Discounter, die Backzeit wurde offensichtlich auf das Minimum reduziert. Es ist aufgeschnitten, aber nicht erkennbar belegt. Aus Neugier hebe ich den Deckel an, sehe zwei hauchzarte Scheiben Mortadella auf einer dünnen Schicht Streichfett und seufze leise. Man hätte so viele Brötchen schmieren dürfen wie man will, sagt Julikind, aber eins musste jeder. Da hat der Klassenlehrer drauf bestanden, sonst hätte sie gar keins eingepackt, weil „is eklig, ne?“ Jo. Aber ich esse das jetzt trotzdem.

Nominiert für das unterwältigendste Gastro-Erlebnis in der Kategorie Preis/Leistung ist damit…Trommelwirbel… dieses Lunchpaket, bestehend aus einem halben Liter Wasser in Plastikmehrwegflasche, einem selbstgeschmiertes Brötchen und einem Großhandels-Müsliriegel zum Preis von 8 Euro.

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Julikind hat am letzten Schultag Geburtstag. Kaffeetrinken gibt es bei der Oma auf dem Hof. Sie teilen sich einen Geburtstag. Einige Gäste kommen etwas später und wundern sich, dass wir so draußen sitzen, wo sie herkommen ist Hagel und Sturm. Wir haben die Wolken vorbei ziehen sehen, aber sonst war nichts.

Abendessen gibt es bei uns. Nudeln wurden gewünscht, und das passt gut, denn zum draußen sitzen ist es abends tatsächlich zu frisch. Julikind freut sich ehrlich über alle Geschenke. Die Gäste sind ein bisschen erleichtert, geben sie zu. Dieses Jahr hatte niemand so richtig eine Idee, was Julikind eigentlich gerade gerne mag, noch nicht mal sie selber. Am meisten freut sie sich über einen besonderen Gast. Das Baby der Patentante ist gerade mal zwei Wochen alt. Julikind verliebt sich sofort.

Zeugnisse machen die Runde. Schwiegermutter murmelt und schüttelt dann staunend den Kopf. Leider habe sie garnicht genug Bargeld dabei, um ihre Freude in den für diese Noten üblichen Beträgen Ausdruck zu verleihen. Kann man stolz sein. Vor allem, wenn man über Wochen immer nur das Drama und das „durchkommen, einfach nur durchkommen….“- Mantra am Küchentisch und mit was ganz anderem gerechnet hatte. Ich freue mich, dass dieses Schuljahr endlich geschafft ist!

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Auf zwei Partys an einem Tag folgt einer auf dem Sofa. Niemand will irgendwas. Auch mal schön.

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Wir feiern den 91. Geburtstag von der Omma. Hochbetagten Partys sind was Schönes, aber auch ein bisschen anstrengend. Selbst wenn man „nur“ Gast ist. Unauffällig tausche ich einen Blick mit der Mudda, ab morgen wirds leichter.

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Die Zahnarztpraxis ruft an, man hat die Termine der Kinder hintereinander legen müssen, parallel geht nicht, leider sei jemand krank geworden, ich möge bitte statt 45 Minuten anderthalb Stunden Zeit einplanen, nur dass ich bescheid weiß. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Man bietet mir an, einen oder beide Termine zu verschieben. Nee, aber danke. Ich gebe die Kinder ab und fahre einkaufen. Nach einer halben Stunde ruft Maikind an. Da sei nur ein Termin gebucht gewesen, war aber nicht schlimm, denn der war für Kleinkinder kalkuliert. Die Prohylaxefrau hat gesagt, das, was der Arzt da gemacht haben wollte ist eigentlich jenseits der Grundschule gar nicht mehr nötig, und wo sie denn jetzt hinkommen sollen? Man fragt sich verschiedenes. Aber, das Witzige ist, hätte jeder einzelne kommentarlos Dienst nach Vorschrift gemacht, es hätte von aussen gewirkt wie Kompetenz, stellt Maikind fest. Stimmt.

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Ein Starkregen-Ereignis. Der Liebste und ich gucken aus dem Fenster und beobachten, kann man ja nicht nachstellen, sowas. Sieht alles supergut aus. Regenmengen bis 30 Liter pro Stunde können wir jetzt entspannt sehen. Da läuft nix mehr in den Keller. Dank an den Steinmetz.

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Die erste Ferienwoche regnet es, durchgehend und ergiebig. Entspannend, man muss garnichts.

In der zweiten Woche kommen die Blagen das erste Mal aus ihren Zimmern, ohne dass vorher jemand „essen“ gerufen hat. Abends um halb 8 machen wir das Licht im Esszimmer an, weil es ohne zu dunkel wäre und spielen endlich mal dieses Gesellschaftsspiel, dass wir damals, vor dem ersten Lockdown in der Annahme, es könne langweilig werden, gekauft hatten.

Regen prasselt ans Fenster, der Liebste und ich sitzen mit Wolldecke über den Füßen und Bier in der Hand auf dem Sofa. Gemütlich. Kurz fragen wir uns, ob wir uns vielleicht selber peinlich sind. Aber nee, passt schon. Waaaackeeeen!!

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Ich hole mir eine zweite Decke vom Dachboden, ist sonst zu kalt nachts. Jemand hat die ersten Sendetermine für „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ im Status. Märzkind gesteht kleinlaut, gestern abend den ersten Weihnachtsfilm geguckt zu haben. Ach, soll sie ruhig, sage ich. Wir arbeiten die Jahreszeiten einfach so ab wie sie kommen. Vielleicht können wir an Heilig Abend irgendwo ein Tretboot mieten.

Hallo? Sommerferien?

Anfang Juli, KW 27/28 2023

Altstadt- und Kulturfest, drei Tage lang Konzerte und Aufführungen verschiedenster Vereine, ich staune, für was ich mich alles nicht interessiere. Julikind und ich gucken die Chearleader und die Aufführung einer Tanzschule an, stellen fest, dass sie sich sonst auch nicht interessiert, kaufen eine Tüte gebrannte Mandeln und fahren wieder nach Hause.

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Der Hund, der da scheinbar so friedlich liegt, ist in Wahrheit genervt von vorbeifliegenden Insekten, ich sehe es ihm an. Genug ist genug, er schnappt in die Luft, guckt einen Moment komisch und jault. Ich serviere einen Eiswürfel und ein „ich hatte doch gesagt…“

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Zwei komplette Vormittage damit verbracht einen neuen airbnb-Eintrag zu erstellen, alles viel aufwändiger als „damals“. Wenige Minuten nach Freischaltung fällt mir wieder ein, wieso ich den gelöscht hatte. Meine Frustrationstoleranz ist nicht mehr algorythmuskompatibel, fürchte ich.

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Geburtstag gefeiert mit einem langen Spaziergang durch den Nationalpark, Mittagessen in Premium-Imbissbude und Abendessen in gemütlicher Runde. Es wurden tatsächlich mehrere Flaschen Wein getrunken, man kann schon fast von Party sprechen. Glückwünsche kamen aus allen Richtungen, hab mich sehr gefreut.

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Zwei offizielle Schulentlassungs-Feiern haben wir besucht. Eine fröhliche, mit an Herzlichkeit grenzendem Respekt voreinander, aufgeregten aber professionell wirkenden Reden, schöner Musik und funktionierender Veranstaltungstechnik in einem ausreichend großen Raum und eine wird uns als ganz nett in Erinnerung bleiben.

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Ein warmer Sommerabend, wie gemacht für eine Abschlussfeier. Als wir um halb zehn ankommen ist vor der Halle richtig was los. „Ach, ihr seid ja doch da…“ „Sicher, hatte halt nur niemand Lust auf dieses Essen…deswegen“ „gute Entscheidung“.

Eigentlich sind es dann doch zwei Partys geworden. Die „Palette Dosenbier auf`m Sportplatz und Musik organisieren die Blagen selber“-Fraktion steht draußen vor der Halle, die „festlich dekorierter Ballsaal mit DJ und Fotobox“-Leute feiern drin. Kurz vor zwei bin ich müde, so leid es mir tut. „Gut“, sagt die Freundin, dann können sie ja auch gehen. „Ähhh“, sage ich. „Nee, nee“, sie hatten sich geschworen, nicht die ersten zu sein, die zum Aufbruch rufen, aber, wenn wir jetzt…

Wir fünf, alle zusammen im Auto nach Hause, wer hätte das gedacht? Niemand.

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Bei Hitzewarnung bekommen Paketboten ein Trinkgeld und eine Flasche Wasser. Außer, sie sprinten zum Auto, knallen die Tür zu und fahren filmreif vom Hof, wenn man „hallo“ hinter ihnen herruft, dann nicht.

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In der Klasse des Julikinds werden spontan noch zwei Lernstandserhebungen geschrieben. In Mathe wird ein Schnitt von vier komma eins erreicht und in Deutsch liegt er bei vier komma drei. Somit stellen wir fest, dass in diesem Schuljahr ausreichend Unterricht stattgefunden hat, oder was?

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Da kommt eine Wurzel hoch, direkt vor dem Hauseingang. Irgendwer wird sich da eher früher als später richtig auf die Schnauze legen, das geht so nicht mehr. Kein Problem, sagt der Steinmetz und bringt Werkzeug mit. Das Haus beginnt zu beben, ich geh dann mal mit dem Hund. Als ich zurück komme ist es verdächtig still. Der Liebste und der Steinmetz halten jeder eine Flasche Bier in der Hand und gucken schweigend in das entstandene Loch. Oh,oh. Die Baustelle sei größer geworden als gedacht, sagen sie, und der Aushub bestehe auch nicht aus dem Material, dass man erwartet hatte. Verfüllungs- und Entsorgungskosten haben sich verändert, es gäbe Möglichkeiten, ich soll mal sagen. Ganz einfach, wenn der Betrag dreistellig bleibt, würde es mir ehrlich gesagt nichts ausmachen, wenn es ein bisschen scheiße aussieht. Tatsächlich ist die Notlösung vielleicht sogar die bessere.

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Einen Immatrikulationsprozess begleitet. Also, ich hab daneben gesessen, Kaffee getrunken und regelmäßig bestätigt, dass das alles akademisch verschwurbelter Kackmist ist. Man tut, was man kann.

Maikind zur Einkleidung an Tor eins gebracht und Berufsstarts-Bürokratie erledigt. Gleiche Gefühlslage wie bei der Kindergarten-Eingewöhnung.

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Honig geschleudert und im Anschluss mit dem Liebsten ein Bier getrunken, abends um halb zwölf auf der Treppe. Wir sind beide ziemlich kaputt, aber, dieses kleine Zeitfenster zwischen zwei Hitzephasen hat zum Schichtsystem gepasst, das war gut. Jetzt bin ich gespannt, wie dieser Honig im Glas aussehen wird. Von „sieht aus Rapsöl“ bis „Samma, gibts eigentlich schon Waldhonig?“ war alles dabei.

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Boar, ich bin gut. Die Windböe kam überraschend, aber, einfach so, ohne drüber nachzudenken hab ich, während ich noch dabei war, mir das T-Shirt über den Kopf zu ziehen, die davon wehende äh, Wäsche mit den Zehen gefangen, voll der krasse move. Es wäre mir allerdings recht, wenn das keiner gesehen hätte. Ein schneller rundum Blick, Glück gehabt. Sonntag morgen um acht bin ich die einzige im Strandbad. Der Wind ist frisch aber das Wasser ist herrlich. Ich will später mal Frühschwimmer-Omi werden, glaub ich.

Unwetter und Alterungsmomente, KW 25/26 2023

Montag morgen um halb sechs bemerke ich auf dem Weg zum Auto, die Strickjacke hätte ich garnicht gebraucht. Es ist richtig schön draußen. Maikind sieht das anders und hofft sehr, dass sie bei diesem Wetter nicht im Stau stehen müssen, zumal die Fahrt ja sowieso schon fast 12 Stunden…

Die Busfahrerin öffnet die Kofferräume „bitte, ihr dürft, seid ja schon groß“, sagt sie und beißt in ihr Brötchen. Junge Menschen in Jogginghosen verabschieden sich, verladen Reisetaschen, und verschwinden im Bus. Ich hab eine Winkerlaubnis und bleibe an der Hecke stehen. In diesem kleinen Elterngrüppchen haben wir schon den Kindergartenausflügen hinterher gewunken. Als der Bus die Hauptstraße erreicht wird uns klar, das war gerade das letzte Mal, ab Herbst winkt jeder woanders, wenn überhaupt. Es ist so ein Moment.

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Der Liebste sieht blass aus, als er von der Hunderunde wiederkommt und setzt sich erstmal. Was er auf dem Weg erfahren hat ist kein Tratsch, es ist eine Nachricht. Es gab einen Unfall, Stromschlag, Spezialklinik, Intensivstation. Schweigen. Dann kommt die Sicherheitsfachkraft im Liebsten durch. Sowas sollte unmöglich sein. Wie nur?

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In der morning-show des regionalen Radiosenders spielt der Moderator normalerweise das Wetter als Klaviermelodie. Heute wäre das schnell erledigt, für ganz Hessen gilt das Gleiche. Allerdings ist diese Wetterlage auf dem Klavier nicht darstellbar. Man behilft sich mit ACDC „Thunderstruck“.

Äh, wenn es Tornados geben soll, würde ich den geplanten Gartenmarktbesuch vielleicht lieber verschieben. Nee, nee, sagt der Liebste, Tornados erst heute Nachmittag, wir machen das jetzt. Auf der Rückfahrt sind die Wetterwarnungen nicht mehr lustig. „Die Pumpe steht in der Garage“, sagt er, als er sich zur Spätschicht aufmacht, „nur für den Fall“. Ja nee, ist klar. Der Familienchat deckt diese Woche ein Gebiet von Dangast bis Wien ab. Fotos von Wolken, Stand jetzt: überall alles tutti.

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Ein Anruf. Jemand braucht eine Unterkunft, nur für eine Nacht, heute. Kein Problem, sage ich, in der Annahme, die Gäste kämen nach Feierabend. Man freut sich sehr und wäre dann in einer halben Stunde da, wegen Wetter… oh. Die Ferienwohnung war länger nicht belegt, ich hatte Grundreinigung…ääähh… die Mädels eilen zur Hilfe. Betten beziehen, durchsaugen, Bad fertig, Geschirrschränke einräumen, Bezüge aufs Sofa, Handtücher und Tischdecke, Gäste willkommen heißen. High five, große Kinder sind toll, das hätte ich alleine nicht geschafft. Eine halbe Stunde später schwitzen wir immernoch.

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Eine Luft draußen, man wundert sich fast, dass man sie nicht sehen kann, als gestapelte Würfel, oder so. Der Hund müsste nochmal raus. Bei dem Wetter kriegt er womöglich wieder Kreislauf, aber bei Hagel-Gewitter will man ja auch nicht. Ein rundum Blick an den Himmel, leichte Entscheidung, wir gehen jetzt. Die Wolken klingen, als würde jemand eine Mülltonne über Kopfsteinpflaster ziehen. Dann wird es dunkel im Wald. Ich drehe um, der Hund wundert sich. Erst sind es nur wenige Regentropfen, aber jeder einzelne geht sofort durch, bis auf die Haut. Wir joggen den Weg zurück.

Der Liebste ruft an, er hat Wolken ziehen sehen und Geräuschkulisse wahrgenommen. Alles gut, nur Regen sage ich und in dem Moment ändert sich das Geräusch. Die größten Hagelkörner, die ich je gesehen habe. Nur wenige und nur kurz, aber beeindruckend. Für 10 Minuten, dann erreichen uns Bilder aus dem Nachbarort. Hagelkörner so groß wie Hühnereier.

In der Gewitterpause gehe ich kurz zur Omma. Die ist fröhlich. Jo, es habe da eben mal ganz ordentlich geregnet, aber alles in Ordnung. „Da kommt gleich noch mehr“, sage ich, genaugenommen geht es schon los. Ich deute auf den laut prasselnden Regenschauer vorm Fenster. Die Omma dreht sich um. „Ja, die Blume da, auf der Fensterbank, wunderschön blüht die, ne?“ Ich unterdrücke ein Schmunzeln. Soviel zum Thema „ich höre und sehe noch alles“, aber für heute ist es praktisch. Den Weg zurück jogge ich und bin Sekunden vor dem richtig fetten Regen an der Haustür angekommen.

Der Vatta ruft an. Er hat Hessenschau geguckt im Urlaub und …wie es denn aussehe, bei uns? Gut. Ich mache das Fernseh an und bekomme eine Ahnung, wieviel Glück wir wirklich hatten. Nur wenige Kilometer weiter sieht es ganz anders aus. Gärten liegen darnieder, Autos mit Totalschaden, kaputte Dachfenster…

Wien schickt ein Foto vom Schnitzel.

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Auf wundersame Weise hat sich ein Chaos so zusammengefügt, dass ich nur sitzen und warten brauche. Ein Buch und ein Getränk, angenehm temperierter Sommerwind weht durch eine geöffnete Autotür, friedliche Parkplatzstille, ich vergesse die Zeit. Wegen Hunger gucke ich dann doch irgendwann auf die Uhr. Trainingsende ist schon länger her, eigentlich. Merkwürdig. Ich gehe nachsehen und finde eine fröhlich tratschende Runde von Kickboxern verschiedener Generationen.

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Die Spiele der Klostertrophy sind angelehnt an bekannte Klassiker wie vier gewinnt, looping Loui oder der heiße Draht, nur halt in XXL-outdoor-Versionen, gespielt wird in fünfer-Teams, alle müssen volljährig sein. Wir sind nur Zuschauer. „Weißte noch, damals?“, fragt der Liebste. Sicher. Legendär der Abend als sein Heimatort den ersten und den dritten Platz gemacht hat. 800 Euro Preisgeld waren das, kein einziger davon hat das Festzelt verlassen. Die, die jetzt mitspielen, waren da noch garnicht auf der Welt, stellen wir fest. Einige von ihnen haben wir auf Kindergeburtstagen bespaßt, neulich doch erst, wie kann das sein?

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Es gäbe einen Anlass, wir würden eventuell ins Phantasialand wollen. Karten muss man vorher buchen. Der angedachte Tag liegt in einer günstigen Preiskategorie, juhu – äh, nee, doch nicht. Bei allem Verständnis für Inflation und so, aber da bin ich raus. Für 270 Euro Eintritt würde mich jede in Warteschlangen verbrachte Minute stressen.

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Kind: „… Bundesjugendspiele… Bankballtunier… Wasserski fahren… und Freitag ist ja dann der Feiertag“

Ich: „Freitag ist kein Feiertag“

Kind: „Hä? Wieso haben wir denn dann Freitag keine Schule?“

Ich: „Ihr habt Freitag keine Schule?“

Es gab mal eine Zeit, da hat die Schule sowas an Eltern kommuniziert, aber, ach komm geh weg, ist ja auch egal.

Honig und Eichhörnchen, KW 24/2023

Schönstes Sommerwetter. Ich sitze allein im Garten, die anderen bevorzugen bei dieser „scheiß Hitze schon wieder“ abgedunkelte Innenräume. Nach einer Weile geht die Tür auf, wir hätten Besuch, falls ich reinkommen wollen würde… aber da kommt der Besuch schon in den Garten. Sie sind zu Fuss gekommen, aus dem Nachbarort und „Der Eselspfad ist garnicht frei geschnitten“, sagt er und und deutet vorwurfsvoll auf seine Waden. Kratzspuren von Beerengesträuch und Brennessel. „oh ha, tja“, ich zucke mit den Schultern, mache ein Furzgeräusch, ortsunkundige laufen eher den Premiumweg, vielleicht deswegen…

Trotz Wärme trinken wir Kaffee, lange nicht gesehen, und es gibt was zu erzählen. Eine Episode Dorftratsch vom allerfeinsten aus erster Hand, hätte man so nicht für möglich gehalten. Frau mit bestem Kumpel….alleine geht das mit dem Haus ja nicht… wobei, wenn man nachrechnet, für das zweite Kind wird er vielleicht keinen Unterhalt zahlenm müssen…da fängste bei Null wieder an… man kann ihm nur wünschen, dass es eine schwarze Null wird, wenigstens das.

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„Vielleicht könnten wir es ja morgen ausfallen lassen?“, schlägt Julikind vor. Ich bin dafür. Zum nächstgelegenen Gottesdienst würde man 20 Minuten fahren, zurück natürlich auch. Ich habe mein Konfirmandenmutter-Engagement glaube ich während der Coronazeit ziemlich verbraucht.

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Der Hund hat was. Heute nachmittag ging es ihm noch gut. Jetzt nicht mehr, es wirkt bedrohlich. Das hab ich so noch nicht erlebt. Wir rekonstruieren den Tag, wer war wann wo mit ihm und hat er vielleicht irgendwas gefressen? Ich google Symthome und Tiernotdienst und entscheide kurz vor Mitternacht, dass es keine Vergiftung ist. Die Kinder, die sowieso noch länger wach sein werden übernehmen den Patienten. Am nächsten Morgen wird klar – der Hund hat die Wärme nicht vertragen. Der Liebste kauft eine Kühlmatte. Der Hund mag sie nicht. Drei Menschen diskutieren, wer die Kühlmatte nutzen dürfte, sollte der Hund sie wirklich nicht wollen.

Hundenrunden werden auf Hochsommerbetrieb umgestellt. Morgens um halb acht ist anscheind Kinderstunde im Wald, ein Fuchswelpe, Kitze, zwei kleine Eichhörnchen spielen auf dem Weg „aaaawwww wie süüüß- guck ma!“, sage ich. Den Hund interessiert es nicht, aber das ist ja eigentlich gut so.

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Märzkind fährt auf Klassenfahrt und ich sie deswegen zur Schule. Anhalten am Treffpunkt, Kind steigt aus, wuchtet die Tasche aus dem Kofferraum, gibt mir ein angedeutetes Wangenküsschen, sagt „schüssi dann“, rollkoffert los und verschmilzt nach wenigen Sekunden mit der Gruppe junger Menschen in Jogginghosen. Ist noch garnicht so lange her, da musste ich aber auf jeden Fall winken, bis der Bus um die Kurve gefahren ist. Große Kinder zu haben ist doch auch schön.

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Honig geerntet, ganz normal – kiloschwere Waben in die Schleuder rein, Mittelwand-schwere Waben wieder raus, so soll das, so macht das Spaß, war auch mal nötig, nach den letzen Jahren. Die Menge ist erfreulich, also, in der Annahme, dass da nochwas kommt, im Sommer, aber bis hierhin, kann man nicht jammern.

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In der Mottowoche gehen die Abschlussklassen traditionell tagesaktuell kostümiert zur Schule. Mittwoch wäre Thema Zeitreise. Maikind hat als Ziel seiner Zeitreise das Jahr 2020 gewählt und plant, an diesem Tag zu Hause zu bleiben, ob ich ihm wohl eine Entschuldigung schreiben würden, sollte man das fälschlicherweise als schwänzen auslegen? Ja, würde ich tatsächlich, weise allerdings darauf hin, dass die fröhlichen PartyPeople möglicherweise Wege finden werden, die Spaßbremsen zu integrieren…Er denkt nach und geht dann doch hin. Als sie sich auf den Weg machen fragt Julikind welches Motto denn heute? Zeitreise. Ob er denn kein outfit habe? Doch sicher. Das von gestern. Julikind seufzt.

Alltag, sommerlich KW 22/2023

Wieviel Regelmäßigkeit in einem Vierschicht-System steckt, fällt einem auch erst auf, wenn es zum Fünfschicht-System wird. Das kann sich ganz schnell wieder ändern, in jede Richtung, aber für den Moment, ist es gut. Der Liebste hat Freizeit im Sinne von freie Zeit, in der er wach ist, in einem vorher bekannten Zeitraum. Das schafft Möglichkeiten.

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Ich wollte nur was auf den Dachboden bringen – Saisonwechsel – aber, kurz drüber nachgedacht, ja, es könnte sein, dass der Moment gekommen ist. Ich nehme einen Karton und zwei Einkaufstaschen voller Kabelsalat mit nach unten und kippe alles auf dem Esstisch aus. „Ach du scheiße, wo kommt das denn alles her?“, möchte Maikind wissen. Dachboden, was davon kann denn weg? Ich sehe nur meterweise Chaos, aber die Herren haben Spaß. Eine Stunde später ist ein kleiner Karton voll mit, Schrott darf man nicht sagen, weil funktionieren tut das schon noch, sagt Maikind, es kann sich nur niemand mehr erinnern zu welchen Geräten es gehört, elektronischem Zubehör also, `which has outlived it`s usefullness`. Sämtliche Steckdosen im Esszimmer sind belegt. Im weiteren Tagesverlauf finden wir Fotos, Musik, digitale Bücher…

So ein Fotoapparat ist eigentlich eine richtig gute Idee, aufm Handy guckt man ja immer Sachen, so macht man ein Bild und ist fertig, vielleicht nimmt er einen mit auf Klasenfahrt, sagt Maikind. Maikind ist im gleichen Jahr auf die Welt gekommen wie smartphones.

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Ein sonniger Sonntag mittag am Gartentisch. Wir unterhalten uns nett über das Wetter, die Grünflächen- Pflege und plötzlich hat der Gast eine Frage: Wann will ich denn eigentlich mal wieder was arbeiten? „Hä?“, sagt das mit am Tisch sitzende Kind, „die arbeitet doch den ganzen Tag.“ „Ja, nee, klar“, sagt der Gast, das meinte er nicht. Ich ahne was kommt. „richtige Arbeit, meine ich“. Autsch. „Tja, die Kinder gehen ja demnächst arbeiten, da war mein Plan ehrlich gesagt Dusche und Steckdosen auf Münzbetrieb umzustellen“, antworte ich, in der Hoffnung, dass der Gast es vielleicht selber merkt, aber so leicht lässt er sich nicht abwimmeln. Die Kinder seien ja nun groß und ganz ehrlich so könne das doch nicht weitergehen, also wann? denn? nun? „Vor drei Jahren. Dann kam es vorrübergehend zu Besonderheiten im Bereich öffentliche Infrastruktur und Gesundheit, dann war jetzt…“ „Ach, alles Ausreden“, sagt er und im Übrigen sei ich schon auch ein bisschen selber schuld, wenn die Kinder nicht selbstständig…. Es fühlt sich so an, als würde ein flauschiger kleiner Alte-Tanten-Hund quietschig kleffend hinterm Zaun auf und ab laufen. Ich schweige, denke allerdings verschiedenes dabei.

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Das herrliche Sommerwetter hat eine Schattenseite. Ich lege Allergietabletten in das Körbchen mit Sachen, die man eventuell brauchen könnte auf der Gästetoilette und bügele Taschentücher, viele die Stofftaschentücher, die hier intern verwendet werden, wegen Nasenfreundlichkeit und Weltrettung

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Eine Elterntaxifahrt bis zwei Orte weiter mit einer Stunde Aufenthalt, ich nehme den Hund mit. Auf der Weiterfahrt ins Feld springt der Hund freudig gegen die Scheibe, und da erkenne ich es auch. Eine Mutterkollegin hatte die gleiche Idee und sie hat einen von seinen Lieblingshunden dabei. Ich nutze die nächste Parkmöglichkeit und wir gehen gemeinsam.

Beim Postauto sind beide Fenster runtergelassen, es ist Sommer heute. Das Auto hält neben uns. „Was macht ihr denn hier?“, erkundigt sich der Fahrer. Konfirmandenstunde, wir haben Wartezeit. „Ah so“, er dachte nur, weil hier gehören wir ja nicht hin. „Stimmt, ist nett, dass er fragt“, sagen wir, „wenn wir verloren gewesen wären…“ „jooo, dann hätte er gleich beim M bescheid gegeben“, sagt er und grinst, „sehr aufmerksam, schönen Dank auch“, man kennt sich hier. M ist der Betreiber des nahegelegenen Seniorenheims.

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Die Vertretunsplan-App wurde gehäckt. Nichts geht mehr. Julikind steht vorm Tablet und ist ratlos. Woher soll man denn jetzt wissen, wann der Unterricht anfängt? Äh – garnicht, du hast einen Stundenplan, wir tun jetzt mal so, als würde der gelten. Damals, als ich jung war…

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Ein sehr angenehmer Konfirmanden-Elternabend. Innerhalb von nur einer Stunde erfahren, wie es dieses Jahr laufen wird und in freundlicher Atmosphäre Konfirmationstermine verteilt. Das war leicht, wir wundern uns im Rausgehen ein bisschen.

Mit dem Liebsten mal so ganz grob eine Gästeliste geschrieben. Es sind scheinbar weniger Leute als damals bei Märzkind, das kann eigentlich nicht, oder doch, ach, man weiß es nicht. Der Liebste bucht den Saal.

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Der Edersee ist so voll, dass die nächste Badestelle in einer viertel Stunde erreichbar ist. Das Wasser ist uuuuaaaarschkalt, seehr kalt, kalt, ganz wunderbar, wenn man erstmal drin ist.

Ende Mai, hauptsächlich Festtage KW 21/2023

Da sind Leute auf der Straße, fröhliche Erwachsene, ungewöhnlich um die Zeit aber egal, denke ich, so im Halbschlaf. Wenige Minuten später ertönt Blasmusik. So laut dass man wirklich wach wird, „im Ernst?“ murmelt der Liebste. Ich fürchte ja, in der Benachrichtgung über den Festablauf stand was von „es wird geweckt“, aber das hier, das hatte ich so auch nicht kommen sehen. Sonntag morgen um viertel nach sieben gehören wir also zu den allerersten für die dieses Brauchtumsfest beginnt. Zuviel der Ehre.

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Julikind wollte mit, zum Festzug, ist allerdings versehentlich wieder eingeschlafen, der Start verzögert sich ein wenig. Der Festzug kommt uns entgegen. Während der Pause, in der die sinnstiftende Sage dieses Festes verlesen wird, findet uns die Oma aus dem Städtchen, ihre Schwester auch. Guten Morgen, guten Morgen, das ist aber schön… „Huch, samma, du bist ja Julikind!“ Julikind nickt, die Großtante begrüßt und entschuldigt sich. Sowas von gewachsen ist das Kind, sie dachte, es sei irgendeine Dame, da neben mir, deshalb hatte sie nicht so genau geguckt. Julikind grinst und wächst gleich noch drei Zentimenter. Mittlerweile wurde der Silberbecher, den der Graf vor hunderten von Jahren dem Ort schenkte zur Einstimmung auf diesen Tag mit regionalen Spazialitäten gefüllt und macht die Runde. Ich suche Blickkontakt mit Märzkind. Sie trägt eine Fahne und hat daher kulturelle Verpflichtungen, aber, ich gestikuliere, sie möge bitte keinen Schluck aus diesem Becher nehmen, Brauchtum hin oder her, sonst holen wir uns womöglich gleich die nächste Seuche ins Haus. Sie guckt „biste bekloppt, das weiß ich doch wohl selber“ und hält ein kleines Plastikpinnchen hoch. Sehr gut. Da ist er ja der Becher, da wollten sie doch… die Oma hakt sich fröhlich bei ihrer Schwester ein, um locker flockig aus dem gleichen Becher zu trinken wie schon 100 andere Leute zuvor. Was denn drin ist, im Becher, frage ich. Irgendein süßes Zeug, murmelt Märzkind, hat sie Organverklemmung von bekommen und muss gleich erstmal Mantaplatte, oder so. „Zwetschge“, sagt die Großtante, aus der nächstgelegenen Brennerei, „köstlich, früher war immer Cognac drin, aber so für morgens ist was süßes ja viel schöner.“

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Die „kleinen“ Mädels haben es schwer, zu jung für Bier und zu alt für Hüpfburg. Aber „man kann nicht zu alt sein, für Hüpfburg, wer unter 1,80m groß ist darf, steht auf dem Schild“, sage ich. Sie haben Bedenken, wegen der vielen kleinen Kinder, ich nicht. Ein Rudel 4-Jähriger räumt innerhalb einer Minute die Hüpfburg. Da trauen sich auch die 12-jährigen und haben Spaß. Oberhalb von 1,80m gibt es keinen Sauerstoff, und jetzt verstehe ich auch, warum die Blagen alle nass geschwitzt sind. Ganz vielleicht wird man doch irgendwann zu alt für Hüpfburg.

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Geburtstagskaffee. An einem Tisch unterhält man sich angeregt, am anderen ist die Stimmung leicht verkatert. Eine Dame verlässt die Veranstaltung auf recht unterhaltsame Weise. Der Hut fehlt noch. „Die Ommi hat Style“, kommentiert Julikind, und möchte wissen wer das ist. Auch eine Großtante. Ach, die kennt sie garnicht. Wir überlegen kurz, und ja, das kann tatsächlich sein. Die hat sich sehr verändert, über Corona.

Zum Abendessen ist nur die Familie da. „so, wer von euch hat denn nun alle Prüfung, dies Jahr?“ nacheinander deutet Schwiegermudda auf ihre Enkel, drei von sechs anwesenden nicken stumm. Das erklärt die Stimmung. Die erfahrene mehrfach-Oma wechselt das Thema: Kartoffelsalat, scheinbar ganz einfach, in Wahrheit die Königsdisziplin der Festbewirtung. Neulich hat sie ein Rezept gefunden, handschriftlich, vom Opa, deshalb hat sie sich getraut und…? Gelungen. Die Enkelschar isst, bis alles alle ist.

Schwiegeroma darf nicht mehr allein aufstehen. Es wurde eine Kamera platziert, wegen Festtag, wer auch immer dran vorbeiläuft und was beobachtet – Meldung machen. „Oma, die Oma will aufstehen“

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Ein Gewitter. Bei der Omma hat der Blitz eingeschlagen. Sie nimmt es so dermaßen gelassen, dass man sich fast Sorgen macht. Der Rauch, der scheinbar aus dem Dach kam, kam zum Glück aus dem Schornstein, sagt der Vatta, aber bisschen Pulsfrequenz hat er gehabt.

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Eine spontane Einladung zur Geburtstagsfeier, und, jo, da haben wir tatsächlich ein bisschen Zeit. Es gibt wieder einen Bekanntenkreis von Leuten, denen man einmal im Jahr begegnet. Schön.

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Maikind hat erst ab Mittag Geburtstag, sagt er. Vorher will er garnichts. Ich zünde trotzdem die Geburtstagskerze an, gratuliere kurz und lasse ihn dann in Ruhe beim Hund sitzen. Letzter Prüfungstag, heute.

Mittags kommt er als neuer Mensch nach Hause. Zum Kaffee ist der ganze Tisch voller Großeltern. Draußen sitzen kann man nicht, die Sonne täuscht, aber Geburtstagsfotos kann man machen, vor der blühenden Hecke. Ein fröhlich blödelndes Geschwisterbild fängt die Stimmung perfekt ein, Prüfungen fertig. Abends Gegrilltes und Gemütlichkeit bis halb elf.

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Pfingstmarkt im Städtchen, die Mädels würden da ganz gern mal gucken. Wir finden direkt einen Parkplatz und wundern uns. Es ist überhaupt nicht so viel los wie erwartet. Nach einer Stunde wird uns klar wieso. In wirklich jeder Verkaufsbude der Marktgassen läuft das Radio. Nach Jubel wird gefachsimpelt. Ah, da war doch was. Ohne Absicht haben wir ein optimales Zeitfenster erwischt. Irgendwer wird gerade deutscher Meister und es scheint spannend zu sein. Bisher waren wir ja meist am Familientag auf dem Markt, wegen halber Fahrpreise. Unterm Strich nimmt es sich aber nichts. Nach einer Runde Fahrgeschäft zum vollen Preis geht man an den Fressbuden einfach so vorbei. An den Eingängen zum Festgelände gibts Trinkwasser-Zapfstellen, eine richtig gute Idee, heute ist nämlich Sommer. Sonnenbrand im Nacken.

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Fussballergebnisse: Ein grölendes OOOLeeeeeeeOleeeOOOlllee in Richtung des Liebten und die Anweisung gegenüber dem Pluseinskind „wirklich ganz ernsthaft einfach nur die Fresse zu halten, bitte, weil, schlimmer hätte es nicht kommen können“

Rosen aus Salami, KW 20/2023

Zwei leere Flaschen stehen neben der Kaffeemaschine. Ohne groß drüber nachzudenken packe ich sie ein und bringe Milch mit, von der Hunderunde durchs Feld. Äh, im Kühlschrank stehen noch zwei fast volle Flaschen. Merkwürdig, aber, wenn man so darüber nachdenkt, die zwei, die hier so regelmäßig mitessen, dass es Teil der Einkaufsroutine ist waren alle beide schon länger nicht da. Vielleicht läuft das Vor-Ferien-Chaos schon an.

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Oh, oh, für zwei Sekunden sieht es so aus, als würde ich gleich einen riesen Scherbenhaufen geliefert bekommen. „Müssen se n bisschen aufpassen, damit, die Palette ist im Arsch“, sagt der Lieferant. Er hat da eine von seinen noch mit drunter gepackt, sonst hätte man das garnicht transportieren können. Das ist nett. Ich hole mir die Schubkarre und mache mich daran, die Kartons von der Bordsteinkante in den Keller zu verfrachten. Nach zweimal hin und her ziehe ich mir Sportklamotten an, schwülwarme 26 Grad, morgens um elf, ausgerechnet heute, die Wolken werden immer dunkler, es grummelt. Nicht nur das Wetter. In die Kartons, in denen bisher geliefert wurden, haben wir nach der Ernte die vollen Honiggläser wieder reingepackt. Die Kunden nehmen die Kartons mit, quer durchs Land und bringen im Lauf des Jahres leere Honiggläser darin zurück. Ein Mehrwegsystem, quasi. Wo früher riesige Tackernadeln stabilen Kartonboden zusammenhielten, sind jetzt Klebebandstreifen auf wabbeliger Pappe. Diese Verpackung wurde für den einmaligen Transport leerer Gläser konstruiert, einige sind schon auf der Palette zerbeult. Ich hatte mich kurz gefreut, dass es garnicht so viel teurer geworden ist, wie erwartet aber, hätte ich eine Ahnung gehabt, was mit dem Begriff „Beispielbild“ in der Angebotsbeschreibung gemeint war, ich hätte das so nicht bestellt. Aaarggghhh!

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Innerhalb von einer Stunde bekommen wir einen halben Meter Schinken/Salami/Wurst-Aufschnitt-Brett-Reste und eine Torte geschenkt. Reste des Muttertagsbuffets und einer Geburtstagsfeier, nicht schaffbar, man müsste es wegwerfen. Soweit darf man es kommen lassen, sagen die Teenager. Bilder ähnlich einer Pinguinfütterung.

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„Ach übrigens, ich bin dann morgen auf einen Geburtstag eingeladen…“ Äh, jo. Ein Geburtstagsgeschenk für sofort, bitte. Das hatten wir schon lange nicht.

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Drei Brotdosen gefüllt, mit dem Hund bis an die Bank gewesen, Spülmaschine aus und Waschmaschine eingeräumt, eine Besucherin begrüßt, zwei Überweisungen getätigt, eine Elterntaxifahrt zur Schule (Klassenarbeit, Bus kommt immernoch 20 Minuten später als normal), alles noch vorm ersten Kaffee. Es geht wieder, stelle ich fest, obwohl ich gestern Kartons geschleppt hab, da ruhig mal einen Moment drüber freuen, denn das sah vor wenigen Wochen ganz anders aus.

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Am späten Nachmittag dann öffnet jemand die Tür und der „wind of change“ weht mir um die Ohren. Ein Drama. Nicht meines und eigentlich auch nicht überraschend, aber irgendwie halt doch.

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So sehr sich die Geschwister untereinander manchmal auf den Sack gehen – in der Not stehen sie zusammen. Jeder tut was möglich ist. Ein Hauch von freundlicher Rücksichtnahme weht durchs Haus, lauter nette Gesten und aufrichtige Anteilnahme. Ungewohnt. Fast gespenstisch, nach wochenlangen Vor-Prüfungs-Launen.

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Der Liebste hat überraschend den Feiertag frei und wünscht sich eine Vatertagswanderung mit seiner Familie. Die Blagen sind nicht begeistert, aber tapfer, danach wird gegrillt.

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„Warum liegt da eine angefangene Tüte Popcorn?“ „Hab ich nicht auf einmal geschafft…“ „Mmmhh“ Pause „Was klebt denn da?“ „Ein Namensschild, hat wahrscheinlich, ich lese Vor- und Nachname vor, hingeklebt“ „Naarha- und wieso steckt da eine Krone auf dem Rückspiegel?“ „Keine Krone, is n Diadem, falls jemand 18 wird, oder sonstige Anlässe“ „aha“ Julikind sucht Sinn während dieser Elterntaxifahrt, vergeblich. Märzkind und ich teilen dieses Auto, Menschen fahren mit, Sachen bleiben liegen.

Frühling, echt jetzt KW19 / 2023

Ich sitze mit einer Mutterkollegin am Esstisch. Wir plaudern. Die Zehntklässler sollten ursprünglich frei haben, an den Tagen zwischen den schriftlichen Abschlussprüfungen. Dann sind Stunden ausgefallen. Einige. Man entschloss sich, an den Tagen vor den Prüfungen jeweils vier Stunden in dem betreffenden Fach zu unterrichten. In Englisch wurde neulich eine Probearbeit geschrieben, Durchschnittsnote zweikommavier. Ein hervorragendes Ergebnis, mit dem, wenn man ehrlich sein will, so niemand gerechnet hatte. Der Mathelehrer geht in Elternzeit. Die Deutschlehrerin hat nach eigenen Angaben noch nie eine entspanntere Abschlussklasse erlebt als diese. Lange Rede kurzer Sinn, die Schultage zwischen den Prüfungstagen werden unterrichtsfrei sein. Macht das was, mit uns, als Erziehungsberechtigten? Möchten wir in irgendeiner Art emotional reagieren? Nö.

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Wer Aufwand und Kosequenzen der Organisation einer Abschlussfeier als „private Feier“ ermessen kann, lässt die Finger davon. Irgendwem scheint dieses Event aber am Herzen zu liegen. Es gab eine Einladung per Zettel, anschließend schlecht kommuniziertes Chaos. Wenn wir für diesen Abend 200 Euro ausgeben, könnten wir ihn vielleicht auch irgendwo feiern, wo es Personal gibt und wir nichts zu essen mitbringen brauchen. Nur so ein Gedanke.

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Der Liebste und ich sitzen auf der Treppe, trinken Kaffee und überlegen, wo wir denn mit dem Hund gehen, gleich. Man könnte, verrückte Idee, direkt von hier auf diesem Premium-Wanderweg bis irgendwo hin und Märzkind sammelt uns ein. Ein Blick an den Himmel, ich würde mir wohl eine Regenjacke mitnehmen wollen und wenn wir jetzt, wie so Touristen…vielleicht auch was zu trinken…wir brauchen also einen Rucksack. Der Hund freut sich, als er merkt, dass das hier eine andere Runde wird.

Es wurde Holz gemacht im Tal. Wir staksen durch matschige Harvesterspuren und klettern über liegen gebliebene Reste. Wenn Landwirte eine Straße so hinterlassen, würde am gleichen Tag jemand auf der Stadt anrufen. Andererseits hält diese Art der Weggestaltung natürlich auch die E-biker fern. Zumindest die, die eigentlich nicht fahren und nicht bremsen können, vielleicht ist es gewollt, man weiß es nicht. Der Liebste hebt einen großen flachen Stein auf und wirft ihn mit geschmeidiger Eleganz in die Mitte eines Matschloches hinter uns. Premiumstatus des Wanderweges wieder hergestellt.

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Da landet eine Geschichte bei uns am Esstisch… meine Güte… man weiß nicht, was man sagen soll, der Liebste und ich tauschen Blicke, das Vertrauen ehrt uns, aber – wir werden da wohl selber jemanden anrufen müssen. Auf Ratlosigkeit folgt nahtlos ein Gefühl der Dankbarkeit. Wir sind garnicht die einzigen, die völlig zerrupft aus dieser Lockdown-Homeschooling-Sache rausgekommen sind. Wir haben es anscheind nur früher bemerkt und genaugenommen hatten wir vergleichsweise kein Problem.

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Plötzlicher Beginn der Heuschnupfen-Saison, aber so richtig.

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Die Triathleten reisen durch Schottland. Per Statusmeldung bekommen wir täglich Urlaubsfotos. Da sind auffallend viele Holzstatuen zu sehen. Die gewitzte Schnitzerin bei Merida – das ist lustig. War es ja sowieso, aber jetzt versteh ichs, nur wenige Jahre nachdem wir den Film gesehen haben. Märzkind fragt, was ich denn dachte, bisher? Ja, nix.

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Vatta hatte Geburtstag. Frikadellen in Brötchen um 18 Uhr, lautete die Einladung. Im weiteren Verlauf des Abends kam bester Cognac auf den Tisch. Eine gelungene Veranstaltung, da sind wir uns alle einig, auf dem Weg nach Hause.

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Märzkind wird beim Abendessen vermisst. Die ist unterwegs in Sachen Brauchtumspflege, ob sie denn die Trommel eben nicht gehört habe, frage ich das Julikind. Nee, hat sie nicht, sie dachte, das sei nächste Woche, grummelgrummel. Ist es auch. Heute war erster Ausmarsch des Burschenvereins, die betrinken sich jetzt schon mal ein bisschen, dann schießen sie auf irgendwas und wer gewinnt trägt nächste Woche im Festzug eine Fahne, oder so, glaube ich. Ach so.

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Ich: „ooohh, guck, der Raps blüht ja schon richtig!“

Er: „wann warst du denn das letzte Mal draußen?“

Äh? Das ist tatsächlich schon eine Woche her, oder so. Deutschlandticket ist ja in der Theorie eine schöne Idee, aber die AS-Taxis sind immer voll. Damit ist das bisschen öffentlicher Nahverkehr, das bis dahin fährt, wo wir wohnen quasi zusammengebrochen. Zum Glück kann Märzkind jetzt selber fahren – nur – dann hab ich halt kein Auto. Diese Woche wird ein neues Level freigeschaltet: das Auto des Liebsten muss in die Werkstatt, er ist dran, bei der Fahrgemeinschaft und Märzkind hat Prüfungen an den Tagen an denen die Buslinie bestreikt werden wird. Wer muss denn wann wohin mit vielen Leuten, und was ist eigentlich noch im Kühlschrank? Denksportaufgaben.

KW 15-18 2023, Bemerknisse

Da hatte ich neulich noch gedacht, vielleicht ist das Thermometer auch einfach einfach kaputt, weil es morgens immer 8 Grad anzeigt, wenn ich mit dem Hund raus will. Aber es funktioniert anscheind noch. 3 Grad heute, dafür blauer Himmel. Wenn man genau hinsieht kann man den Frühling erahnen. Muss auch langsam.

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Ein leichtes Halskratzen, einmal räuspern und erst da fällts mir auf. Der erste morgen an dem ich nicht husten muss, als würde ich seit 20 Jahren Kette rauchen – seit drei Wochen oder so. Genauso plötzlich wie es angefangen hat, hat es aufgehört. Jetzt würde ich gerne noch schlafen können, dann wäre alles wieder fein. Scheiß Corona.

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Jede Hochschule hat andere Auswahlkriterien, Fristen und Abläufe. Ich weiß nicht was ich dachte. Aber ich verstehe jetzt, glaube ich, das Problem. Wahrscheinlich nimmt man dann die, an der man genommen wird?

Zwei von drei Blagen machen Schulabschluss in wenigen Wochen – boar ej…

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Eine Unterkunft für drei Leute zu finden ist viel einfacher, als für fünf – und günstiger. Wir hätten Auswahl, obwohl gerade Ferien sind, ich kann es kaum glauben. Rücksprache mit den Mädels. Also, jetzt entscheiden, was man die nächsen drei Tage anziehen will, das alles in eine Tasche packen…man will ja niemanden traurig machen… aber ein bisschen umständlich wäre doch. Ach, sagen wir, wie es ist. Natürlich ständen uns die freien Tage zu, die Jungs waren ja schließlich auch ohne uns weg, aber wir sind dermaßen reiseunlustig. Man kann es sich nicht erklären. Alle sind doch gerade irgendwo oder kommen von irgendwo oder planen irgendwas und wir? Nicht. Ins große Möbelhaus könnten wir mal, schlägt Märzkind vor, da waren wir schon ewig nicht, es wäre immerhin ein Ausflug, ein Ferienerlebnis. Das ist eine gute Idee.

„Diese Fleischklösschen, oder was das sein soll, die schmecken schon nicht, aber die Soße, die ist widerlich, fast muss man würgen“, sagt Julikind. „Das ist Möbelhaus-Mittagessen, da weißte doch vorher wie das schmeckt“, Märzkind ist verwirrt. „Nee, also, wie können die das alle mögen?“ Julikind schaut sich um und ist leicht entsetzt. Wir wundern uns kurz, finden dann aber die Erkärung. Wegen ihrer Allergie hat sie quasi keine Erfahrung mit Fertigessen. Das kommt von der ganzen selbst-gekochten-Bio-Fresserei. „Da seid ihr dann wohl selber schuld“, sagt Julikind und schiebt mir ihre Nachtisch-Zimtschnecke zu. Nicht essbar. Och, für mich schon. „Ist nicht schlimm“, tröstet Märzkind, gibt ja später noch hotdogs. Den halben Tag trödeln wir durch die Austellung, ohne das jemand nörgelt.

Die Jungs haben ihren freien Tag auch genutzt. Anruf von unterwegs, wir kommen am Baumarkt vorbei, ist während unserer Abwesenheit unvorhergesehenes passiert? Nichts. Die halbe Küche ist renoviert und die Stimmung immernoch gut, was wahrscheinlich daran liegt, dass wir weg waren, sagen sie. Schön, dass sie nicht mit waren, sagen wir. Am nächsten Tag hat die Küche eine neue Tapete. Einfach so, nachdem die über ein Jahr in der Garage lag. Sieht richtig gut aus, so gut…der Flur wirkt schitterig jetzt.

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Eine Einladung zur Abschiedsparty wegen Weltreise. Julikind erkundigt sich, ob derjenige denn nicht vorhabe wieder zu kommen? Alle lachen – und sind doch gespannt auf die Antwort.

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Besuch bei der Omma. Wir plaudern über eine Geburtstagsparty, die kürzlich in einem Cafe stattfand. Schön war die, und guten Kuchen gabs, sagt de Omma. Ein höheres Lob gibt es nicht, ich beglückwünsche das Geburtstagskind erneut.

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Der Neffe, den man quasi neulich noch packen und auf den Boden legen konnte, um ihn durchzukitzeln wenn er frech war der ist aber…der Liebste sucht nach Worten…echt ein Schrank geworden, ne? Definitiv. Man muss 5 km in höchstens 18 Minuten laufen, für die Aufnahmeprüfung der GSG9 hat er gesagt.

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Offiziell würde ich jederzeit so tun, als hätte ich dieses Gemüse-Abo wegen Weltrettung, Investiton in regionale Landwirtschaft damit nachfolgende Generationen auch noch gute Böden haben und so. Aber die Wahrheit ist, es nimmt mir die Kochentscheidungen ab und das ist toll. Da holt man sich einmal die Woche einen Korb voll von was auch immer Saison hat, und das muss dann gegessen werden, manches dringender als anderes, der Rest ergibt sich. Zwei Wochen Gemüse-Pause über Ostern. Ich stehe im Rewe und bin kurz davor, die Regalauffüllerin zu fragen, was ich denn kochen soll.

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Man fragt sich, wieso man sich einen Beruf angucken soll, bei dem man sicher ist, dass er einen so garnicht interessiert… sagt Julikind auf der Hinfahrt. Auf der Rückfahrt bekomme ich einen begeisterten Kurzvortrag darüber wie sich unterschiedliche Metalle bearbeiten lassen, was man daraus alles herstellen kann und ein Geschenk gab es auch und überhaupt, hat total Spaß gemacht, vielleicht macht sie sowas ja mal, später… Girlsday. Wir hatten ja nix, damals.

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Der Liebste guckt auf meinen Teller und schmunzelt. Total anders, als das, was er sich geholt hat. Wenn man uns 10 Meter Frühstücksbuffett anbietet haben wir eine Schnittmenge von einer Tasse Kaffee und Rührei. Hochzeitstag.

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Ich überweise Geld für Klassenfahrten. Ach guck, da hatte der Finanzminister aber mal recht, die Kindergelderhöhung hat genau gereicht, für die außergewöhnlichen finanziellen Belastungen diesen Jahres. Alles auf einmal ausgegeben in nicht mal 10 Minuten. Bitte Deutschland. Wobei, stimmt garnicht. Die eine Fahrt hatte ich schon angezahlt und bei der anderen scheinen die Eintritte nicht inklusive zu sein. Außerdem kommt jeweils noch ein Betrag x für Verpflegung dazu weil es in der Unterkunft nur Frühstück gibt, aber essen müssten sie zu Hause ja auch. Strenggenommen ist auch noch garnicht klar, ob ich für Märzkind durchgängig Kindergeld bekommen werde und natürlich gab es das nicht als Einmalzahlung sondern es kommen halt monatlich 70 Euro mehr, insgesamt. Das freut uns. Allerdings sind in den letzten Monaten die alltäglichen finanzielle Belastungen hier und da ein wenig mehr geworden, so dass man von der Erhöhung nichts bemerkt, aber hej, man gönnt sich. Mein Dank geht an die Klassenlehrer, die das mögliche Budget nicht ausgeschöpft haben (9 Tage Miami waren drin, im Angebotskatalog für Abschlussfahrten-Budget) und an, wer auch immer den Inflationsausgleich für die IGBCE ausgehandelt hat.

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Die einzig überlebende Bienenkönigin, von denen die ich im letzten Jahr gekauft hatte ist bombig ins neue Jahr gestartet, sagt der Liebste. Vielleicht macht es dann unterm Strich nichts, dass ihre drei Kolleginnen das zeitliche gesegnet haben. Honiggläser bestellt, da kommt irgendwann eine Spedition und stellt uns eine Palette an die Bordsteinkante. Hoffentlich melden sie sich vorher. Alltagsabenteuer.

Ostern und unsortiertes, KW 14/15 23

Zwei Schritte vor, einer zurück. Auf drei Tage so tun, als wäre Corona vorbei und alles schaffbar, folgt ein Tag mit Fieber auf dem Sofa. Leider brauche ich zwei Runden davon, bis ichs kapiert habe. Langsam mit Tendenz Richtung garnicht. So gehts.

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Da hat etwas nicht in den Glascontainer gepasst und irgendwer hat es dann den Hang runter auf den Weg geworfen. Ich sammle Glasscherben und lege sie soweit an den Wegrand wie möglich. Da muss ich nochmal mit einer Mülltüte wiederkommen, denke ich und vergesse ich. Am nächsten Tag geht der Liebste mit dem Hund, wirft eine Frisbee und der Hund bremst genau da, wo die Scherben liegen. Verdammt. So, wenn ich jetzt was auf dem Glascontainer liegen sehe, hole ich es, bevor jemand auf Ideen kommt. Diese Woche, eine Tortenplatte und eine Snäckschüssel im 80er Jahre Style, waren sogar die Etiketten noch dran.

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Maikind hatte ein Viererpack Controller-Ersatzteile bestellt und seinen Heimstudientag für eine erste Reperatur genutzt. Wenn man einmal raushat wie, geht es eigentlich ganz schnell, sagt er. Vielleicht wird das sein zweites Standbein, neben dem Rasenmähen, denn dieses Bauteil geht ja bei jeder Konsole kaputt, und viele trauen sich nicht, das Ding aufzuschrauben, zwei Aufträge hat er schon. Am darauf folgenden Montag teilt nintendo mit, es gibt dann jetzt doch Garantie auf das Teil, man kann es einschicken. Tja.

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Es fühlt sich gerade nicht so an, als würde ich jemals wieder welche brauchen, aber meine Joggingschuhe sind im Angebot und die aktuellen sind durch. Man kann auch mal Glück haben.

Der Triathlet sagt, ihm habe man beim Belastungs-EKG gesagt, mit vollständiger Regeneration, soweit überhaupt möglich, sei erst nach 12-14 Monaten nach Corona zu rechnen. Das erklärt auch, warum er immernoch 20 Minuten langsamer Marathon läuft als vorher. Ist lieb gemeint. Du mich auch, sage ich.

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Es brennt nicht nur das Osterfeuer, auf dem Gelände verteilt stehen Schwedenfeuer. Eine richtig gute Idee, so kann man zusammenstehen, es warm haben und sich unterhalten. Beim großen Feuer ist so früh am Abend immer den einen kalt, während die anderen sich fragen, ob die Jacke schon schmilzt. Es ist weniger los als im letzen Jahr. Vielleicht weil insgesamt mehr los ist und sich die Leute wieder verteilen. Ich bin früh müde und mache mich auf den Heimweg. Zeitgleich macht sich eine Gruppe unbekannter Leute auf den Heimweg. Fröhlich laufen sie auf der rechten Fahrbahnseite über die nächtliche Landstraße, ich leuchte sie kurz mit der Taschenlampe an, alle schwarz gekleidet, kein einziger Reflektor, aber es handelt sich um halbwegs nüchterne Erwachsene, Städter offensichtlich. Dorfkinder lernen das Laufen an Straßen ohne Bürgersteig auf dem Weg zum Kindergarten. „Links gehen, der Gefahr ins Auge sehen“ Links ist die Seite mit den zwei Punkten am Pfosten, man geht am Straßenrand, nicht mitten drauf, Allgemeinbildung der Kategorie „iss keinen gelben Schnee“, dachte ich – andererseits wenn man mich im Stadtverkehr Auto fahren sieht, vermutet man auch keinen Führerschein. Ich wedele wild mit der Taschenlampe, damit das entgegenkommende Auto sich schon mal wundern kann. Es wird langsamer und langsamer und bleibt dann einfach einen Moment stehen, bis die Gruppe sich sortiert hat. Alles gut gegangen.

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Als Märzkind und ich uns auf den Weg machen sind noch nicht mal die Laternen an. Wenn in der unbeleuchteten Kirche die Kantorei anfängt zu singen, es ganz langsam heller wird hinter den bunten Fenstern, das Licht verteilt wird und alle vorsichtig mit den Kerzen hantieren um niemandem versehentlich die Frisur anzustecken… ich mag das. In dieser Gemeinde wird leider kurz nach dem Entzünden der Osterkerzen zusätzlich das elektrische Licht eingeschaltet, damit man die Liedtexte besser lesen kann vermutlich. Auf einen Schlag ist die Magie der Osternacht dahin. Schade. So kann man überall auch um elf Ostern feieren, da braucht man nicht morgens um fünf bis ins Städtchen fahren. War aber trotzdem ganz schön. Zu Hause geht Märzkind direkt wieder ins Bett. Ich bin wach, koche Kaffee, mache Frühstück, gehe osterhasen im Garten, weil Ostereier suchen ist halt was, was man an Ostern macht, das hat mit`m Alter nix zu tun, haben die Blagen gesagt. Alle Eier wurden wieder gefunden, dieses Jahr. Nachmittags Kaffee trinken bei der Oma mit anschließendem Eierwerfen. Kein einziges Ei ist kaputt gegangen dabei, man merkt, dass es viel geregnet hat, die letzen Wochen.

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Ostermontag ein Gefühl von so-viele-soziale-Kontakte-hatte-ich-schon-lange-nicht-mehr. Der Liebste besucht die Schwiegermutter, ich nutze den regenfreien Wind-tag zum Wäsche waschen. Nach der fünften Maschine kann man den Fussboden in der Wäschekammer wieder sehen. Wir nähern uns dem Normalbetrieb, das freut mich.

Fazit: Ostern ist ruhiger geworden und kleiner. Vielleicht liegt es dran, dass die Kinder größer sind, oder an der Inflation oder an Lockdown-Nachwirkungen. Nach nicht mal einer Woche sind alle Eier aufgegessen und alle Schokohasen geschlachtet. Ich finds gut so.

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Es tun sich Sachen, überraschend und erfreulich – oder der Beginn von chaotischem Schlamassel.

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„Ach Mama, wenn du dann sowieso da bist, kannste ja mal fragen….“ „Nee, das dürfen die mir überhaupt nicht mehr sagen.“ „Noooaaar, dieses Volljährigkeitsdings?“ „Jo“ Man muss sich dran gewöhnen.

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Da waren wir tatsächlich dies Jahr schon zum zweiten mal zusammen im Kino, kaum zu glauben. Ich bin ja die letzten zwei Stunden davon ausgegegangen, dass Niemand der Sohn von der Frau mit den krassen Hunden aus dem dritten Teil ist, weil, die hatte ja gesagt, die hohe Kammer weiß nicht, dass es ihn gibt, also hat er auch keinen Namen und er hatte halt den Hund dabei. Der Liebste dachte, das er der Junior vom Brieftaubenmann ist und, wenn man jetzt nochmal drüber nachdenkt – man weiß es nicht. Vielleicht muss es doch noch einen fünften Teil geben. John Wick. Ich glaube es waren nur vier Mädels in der Vorstellung.