„Kuckuck“ rufts aus dem Wald

Das neue Jahr beginnt ruhig. Neue Abläufe, Dinge tun sich in Köpfen, Möglichkeiten und Murks. Deswegen hier eine ältere Geschichte.

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Es ist einer dieser Frühlingstage, an dem man eine Wanderung in outdoor-Klamotten startet und Sonnencreme im Rucksack hat. Noch ist es frisch im Tal, aber über dem Nebel wartet blauer Himmel. Ein Bächlein fließt leise murmelnd zwischen den Wiesen und Feldern. Während wir die kleine Brücke neben einer leicht windschiefe Feldscheune überqueren weisen wir uns gegenseitig auf diese fast vollkommende Idylle hin. Fast vollkommen, weil, das Gras hier ist so lang und so nass, man hätte rückblickend die echten Wanderschuhe anziehen können, nicht nur die für „mal gerade“, aber „meine Güte, ist das schön, wieso waren wir hier noch nie?“ „Es liegt zu nah dran, wahrscheinlich.“ Auf jeder Etappe das gleiche Gespräch.

Bergauf Richtung Wald lauschen wir schweigend den Geräuschen von nassen Turnschuhen und „da! hastes gehört?“ frage ich. Die Freundin guckt fragend und lauscht. „Ah, ein Kuckuck“. „mi hann n Kuckuck ropen jehort dütt joar, das nimmt uns keiner mehr“, sage ich. „Hä?“ Ob das denn was besonderes sei, erkundigt sie sich. „Naja, wenn man „n Kuckuck nimmer ropen hort“ ist schlecht“, sage ich.

Sie wohnt nur drei Kilometer weiter, hat diese Redewendung aber noch nie gehört. Mit uns spricht ja auch niemand platt. In den achtzigern hatte man Angst, dass Kinder, die kein hochdeutsch sprechen, nicht schreiben lernen. Platt ist also nicht Mutter- aber immerhin noch Oma-Sprache, mi könn et verstonn aber nit schwatzen, „schade eigentlich, das ist bald alles weg“, sagt die Freundin „und wie ist denn das nun mit dem Kuckuck?“. Man kann es nicht übersetzen, weil ie hochdeutsche Wortentsprechung nicht die Gefühlslage wiedergibt, die das Plattdeutsche auf den Punkt trifft. Wenn man sagt, das jemand wohl „den Kuckuck nicht mehr rufen hört“, ist das die aufrichtige Anteilnahme und Ausdruck tiefer Besorgnis über den Gesundheitszustand eines lieben Menschen, der möglicherweise das nächste Frühjahr nicht mehr erleben wird, und keinesfalls fies gemeint, hat der Vatta gesagt.

Funfact: wenn jemand verstorben ist, dann „ism woll“, was ungefähr „allumfassendes Wohlergehen“ bedeutet, im Sinne von es hinter sich haben– was aber auch nicht gemein ist, sondern aus einer Zeit stammt, in der schwere körperliche Arbeit Alltag, und betagte Menschen nicht mit Rentenkonten, Zahnersatz, Hörgeräten, Sehhilfen und Rollatoren ausgestattet waren. Und soooo lange ist das noch garnicht her, eigentlich.

2 Kommentare zu „„Kuckuck“ rufts aus dem Wald

  1. Do werds Zeit, dass de e mohl so do babbelsch, wie die Oma. Mer werd nit alles versteen, awer nur so denkt mer aach e mohl, wie die Alde.
    Wenn du es übersetzt haben möchtest, mach ich das gerne.

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