Tag 39 und 40

Ein kurzer Blick auf den Kalender, ja, es waren tatsächlich nur zwei Tage.

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Hausaufgaben liefen beim Julikind gestern sehr zäh. Vor lauter Vorschul-kribbeln fühlt sie sich unvorbereitet, weiß nicht, womit anfangen, was ist am dringendsten, was wird abgefragt werden? GAR NICHTS! Sie glaubt nicht dran, kann sich auch keine Vorstellung vom Ablauf machen. Ich erkläre was ich weiß.

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Bei der Krankengymnastik stellen wir fest, dass selbstgenähte Masken auch nicht passen können. Die Pysiotherapeutin näht auch für die Verwandschaft, im Moment und kennt das. Wir fachsimpeln ein bisschen, sie kopiert uns ihren Schnitt.

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Das Märzkind installiert jede Menge Zeug. Heute morgen gab es eine Einweisung ins online Klassenzimmer. Montag morgen um neun geht das dann los. Ob das eine Verbesserung wird, werden wir sehen. Wir hatten immer erst um zehn angefangen.

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Die Mathelehrerin des Maikindes ruft an, um mal zu hören, wie es denn klappt. Es könnten jetzt bearbeitete Blätter abfotografiert oder hochgeladen werden, wenn Korrektur gewünscht ist. Lösungen seien in der Email, falls Eltern da lieber selbst… „Nein, nein, wenn Sie das machen wäre mir sehr geholfen.“ Mathe ist ein Selbstläufer in diesem Fall, siebte Klasse könnte ich zwar, aber wenn ich nicht muss… Selbstverständlich, deswegen meldet sie sich ja. Herzliche Grüsse ans Kind.

Das Kind strahlt. „Das sich mal jemand dafür interessiert, wie es bei uns so läuft, das ist aber schön“. Tatsächlich hänge er an einer Stelle, wenn er da was schicken soll, dann müssten wir mal. Nach zwei Minuten ist das Problem gelöst und ein frisch motivierter Schüler macht eben den Rest noch fertig.

Es war tatsächlich das erste mal, das sich jemand nach dem Verlauf erkundigt hat, in Woche vier des Hausaufgaben-Marathons. Das ist mir in dem ganzen Gewusel bisher nicht aufgefallen.

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Die Grundschulklassenlehrerin schickt Informationen zum Schulbeginn und eine aktualisierte Schulordnung. Mundschutz wird dringend empfohlen, ist aber keine Pflicht. Bitte unterschrieben am Montag mitgeben.

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Zeitgleich erreicht mich eine Nachricht im Elternchat, ob wir denn gehört hätten? Montag keine Schule für die Viertklässler.

Hä? Ich vermute einen Scherz. Aber anscheinend hat man schon gehört.

Es ist zwanzig vor eins, kurzentschlossen rufe ich im Sekretariat an und komme durch. Die Dame seufzt. Sie hat noch keine Infos, solange nichts offizielles ankommt, ist Schule.

Um eins ist man sich im Radio schon sicher, definitiv keine Grundschule. Irgendeine Vierklässlerin hat geklagt, weil es die totale Ungleichbehandlung von Grundschülern wäre, wenn die einen gehen müssen und die anderen nicht. Bäm! Ich find’s cool, weil ich in der komfortablen Lage bin, mir das leisten zu können. Wer am Montag mit vier Stunden Betreuung kalkuliert hat ist jetzt gekniffen.

Hin und wieder macht man sich Gedanken um die Hartz4 Kinder, dass es auch Grundschüler gibt, die seit Wochen nur von Akademikern umgeben sind, hatte ich nicht bedacht. Da kann der DFB nur hoffen, dass von den Blagen keiner Handballfan ist, oder Eishockey, oder Basketball.

Die Webseite der Schule bleibt dabei, Montag ist Unterricht für die Abschlussklassen und die vierten.

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Kochen, Wäsche aufhängen, essen

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Die erste Elterntaxifahrt zum Spass, seit Wochen. Das Märzkind trifft sich mit einer Freundin. Spazieren gehen. Große Freude.

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Wenn ich dann eh im Städtchen bin, kann ich auch einkaufen. Zum vorerst letzten Mal ohne Maske.

Ich wüßte nicht, das ich jemals ein Haar im Mund gehabt hätte, beim Einkaufen, vor Corona. Jetzt, wo ich mir auf keinen Fall ins Gesicht fassen will, schon das dritte mal.

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Während ich weg war haben die Kinder gesaugt und die Spülmaschine ausgeräumt. Jeder muss jetzt jeden Tag „was für die Allgemeinheit machen“. Das ist unterm Strich keine Zeitersparnis, weil ich dauernd irgendwas suche, was normalerweise einen Platz hat, und in guter Absicht aufgeräumt würde, aber ich plane da längerfristig.

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Wo sie einmal dran sind, tragen mir die Kinder noch den Einkauf rein. Ich räume und räume und räume, an verschiedene Orte im Haus.

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Die Kinder nehmen den Hund mit zum Opa, der will den Gartenschlauch in Betrieb nehmen. Ein Freizeit Highlight.

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Ich sehe einen Moment der Ruhe am Horizont, dann fällt mir auf, dass ich vergessen habe, das Maikind zum Konfirmandenunterricht anzumelden. Normalerweise hätte es da einen Elternabend gegeben. Drei Sätze auf einen AB gesprochen und fertig.

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De Omma ruft an, erzählt von ihren Gartenarbeiten und von ihrem Spaziergang. Dabei fällt mir ein, dass ich doch für heute eigentlich zum Streiken angemeldet war, Klima ist ja auch noch. Mist, da bin ich gar nicht zu gekommen.

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Die Vertretungplan app meldet eine neue Nachricht. Sieht auf den ersten Blick aus wie die alte Nachricht, nur zwei Sätze wurden aktualisiert. Am nächsten Montag findet Unterricht für die Abschlussklassen statt. Die vierten Klassen und alle anderen bleiben zu bitte zu Hause.

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Für 18 Kinder waren zwei Räume und fünf Lehrerinnen eingeplant. Den Rest können wir uns zusammenreimen.

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Märzkind im Städtchen abholen, Tisch decken, essen, aufräumen, Spätburgunder

Tag 37 und 38

In Woche 4 kommt das Schulmaterial immernoch ziemlich verpeilt an, ich habe aber mittlerweile mehr Routine.

Das Märzkind zeigt mir völlig entnervt ihre Email. Zwei Sachen kann sie Montag beginnen, vom Zeitaufwand wäre damit die Woche wohl voll. Mittwoch müssen dann Arbeitsblätter in der Schule geholt werden für den ganzen Rest. Das Wochenende wird demnach mit eingeplant, in aller Selbstverständlichkeit. Warum es umgekehrt unzumutbar ist, das kopierte Material bereits am Montag zur Verfügung zu stellen? Ich kann das nicht erklären, beim besten Willen nicht.

Das Maikind besucht eine Kombi-Klasse. Hauptfächer werden getrennt nach Haupt- und Realschule unterrichtet, der Rest gemeinsam, aber mit unterschiedlichem Arbeitsmaterial. Das zu sortieren dauert einen Moment. Ich lache herzlich über das Pensum, das in Englisch vorgesehen ist. Aufgaben für die nächsten drei Woche wurden kommentarlos über den Klassenlehrer geschickt. Die Aufgaben der letzten drei Wochen werden nirgendwo erwähnt. Ich hätte da mal eine Meinung, aber die gute Frau hat weder Telefonnummer noch Email-Adresse bekannt gegeben. Dann ist es vielleicht auch schlicht und ergreifend egal. Ich summe Pippi Langstrumpf.

Grundschule muss ich nur ausdrucken. Diese Woche wird sogar ein Diktat geschrieben, ohne Noten, nur um Übungsmaterial passend zu machen. Was so alles geht, in diesem Internet, wenn denn dann…

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Hausaufgaben, Hausaufgaben, Hausaufgaben, Hausaufgaben

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Gespräche zur Grundschulöffnung nächste Woche, eine Meinung zu haben ist zeitaufwändig, tja, jetzt hab ich nun mal eine

Das neue Konzept wird uns mitgeteilt. Das Julikind ist in einer Gruppe mit allen anderen Buskindern und hat immer von der zweiten bis zur fünften Stunde Unterricht. Die große Pause ist nach der dritten Stunde. Die andere Gruppe besteht aus den Kindern, die zu Fuss zur Schule kommen. Man wird sich nicht begegnen. Zum Glück sind viele Freunde Buskinder. Der Landkreis sagt es wird sowas von krass geputzt im Gebäude. Zu den Bussen äußert sich niemand, aber, na gut, wenn ich mich zusammenreiße kann ich das ignorieren. Dann also wieder Schule, nächste Woche. Ein mulmiges Gefühl bleibt.

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Wir holen Unterrichtsmaterialien. Die Tür ist zu, die Klingel müssen wir kurz suchen. Während wir warten machen wir Virus Witze. Jeder drückt den gleichen Klingelknopf, wir werden alle sterben. Wir werden eingelassen, die Dame sieht, dass ich Kinder dabei habe, die sich auskennen und verschwindet wieder. Im Großgruppenraum hat jede Klasse ihren Tisch. Man nimmt sich, was man braucht und lässt es im Sekretariat kopieren. Das Märzkind muss nur einen Stapel abholen, da war alles vorbereitet. Das Maikind und ich laufen murmelnd an drei Meter Materialien vorbei und stellen fest, dass wir schon alles haben, was wir brauchen. Die Email-Adresse der Englischlehrerin steht in ihrer Mail an den Klassenlehrer. Abfotografiert, ätschibätschi.

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Die Schule schickt eine Mail mit einer geänderten Schulordnung.

Wer hüstelt oder so, bleibt zu Hause.

Hände waschen , Hände waschen, Hände waschen

Maskenpflicht. Die Masken können nicht gestellt werden, weil sie in der kritischen Infrastruktur des Kreises gebraucht werden, dafür haben wir ja sicher Verständnis.

Wer sich mehrfach widersetzt wird ausgeschlossen.

Das ist doch mal ne Drohung.

Tag 34 bis 36, Wochenende und weiter so

Samstag morgen ruft die Grundschulklassenlehrerin an, meine Fragen könne man schwer in drei Sätzen beantworten, so sei es einfacher.

Schulpflicht bestehe ja die ganze Zeit. Es werde zwei Klassen – Gruppen geben. Wer die unterrichtet hängt mit davon ab, ob Lehrer im Lauf der kommenden Woche für systemrelevant erklärt werden. Ansonsten ergebe sich ein Problem in der Kinderbetreuung. Geplant sind 20 Unterrichtsstunden in der Woche. In der Schule gibt es zwei Waschbecken, die mit funktionstüchtigen Seifenspendern ausgestattet sind. In der Notbetreuung waren während der Ferien nur wenige Kinder, man habe allerdings da schon feststellen können, dass das eher nicht ausreichen wird. Die Schulleitung telefoniere nach Seife, schön wären auch Einweghandtücher. Im Unterricht werde nach Möglichkeit Abstand gehalten, auf dem Schulhof wird das, wenn man ehrlich ist, nicht einzuhaltenden sein. Im Bus sowieso nicht.

Ich bedanke mich für diese ehrliche Rückmeldung. Butter bei die Fische.

„Würden Sie es persönlich nehmen, wenn ich das Hygienekonzept für unzureichend halte und mein Kind nicht schicke?“

Nein, überhaupt nicht. Eher im Gegenteil, ganz im Stillen hoffe man darauf, dass Eltern sich quer stellen und dieses Problem dadurch Aufmerksamkeit erhält.

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Der Landkreis verlängert sein Zweitwohnungs-Nutzungsverbot bis zum 4. Mai. Parkplätze an Seen wurden gesperrt.

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Corona Nachdenklichkeit bei mir, irgendwas passt doch da nicht.

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Im letzten Jahr haben wir die Löwenzahnblüte verpasst, das darf nicht wieder passieren. Das Maikind hat seit Tagen die Wiesen im Blick. Er sammelt einen großen Topf voll. Das gibt 15 Gläser Gelee, genug bis zum nächsten Jahr.

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Das Frisörpaket kommt an. Salon „Affenfelsen“ eröffnet.

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Die von mir gekaufte Menge Rindenmulch ist nicht annähernd ausreichend. Der Liebste amüsiert sich. Er würde dann diese Woche mal mit dem Hänger fahren. Man könnte statt Mulch ja auch Hackschnitzel in hell, dunkel oder rötlich verwenden. Ähm, jo, überrasch mich einfach. Garten Entscheidungen überfordern mich.

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Eigentlich wollte ich keine Masken nähen, weil, also, entweder braucht man Schutzkleidung oder nicht. Es erreichen mich aber immer mehr Anfragen, ob ich das denn können könnte. Ich könnte schon. Das Netz ist voll von Anleitungen, die hunderttausendfach geklickt werden. Mittlerweile kenne ich zwei Varianten, die nicht bequem sitzen.

Gummibänder, jahrelang schlummerten sie halb vergessen ganz unten im Nähkörbchen. Als wir dachten Mehl und Klopapier seien schwer zu bekommen wussten wir einfach noch nicht, wie gern wir Gummibänder kaufen wollen würden.

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Im Grundschul – Elternchat wird um Rückmeldung gebeten, wer denn nächste Woche seine Kinder zum Unterricht schickt, gerne mit Feedback.

Ich werde das Julikind nicht schicken. Es geht mir ums Prinzip. Zwei funktionstüchtige Seifenspender sind meiner Meinung nach kein strenges Hygienekonzept und das sage ich auch so. Es war gar keine Frage, aber eine Mutterkollegin antwortet darauf.

Wasser und Seife reichen aber in der Regel aus. Ich möchte nicht, dass meine Kinder mit Desinfektionsmittel hantieren und Mundschutz tragen, dafür gibt es keinen bestätigten Nutzen. Die sollen keine op am offenen Herzen durchführen, sondern was lernen.

Danke dafür. Ich kann dieses mulmige Gefühl, dass ich die ganze Zeit hatte jetzt einordnen.

Tatsächlich denke ich auch, das Wasser und Seife extrem viel bewirken. Wenn sie denn angewendet werden, an Händen, auf Tischen, Stuhllehnen, Haltegriffen, geteilten Materialien, gründlich, mehrmals pro Woche. Vielleicht empfindet man es als so selbstverständlich, dass man es nicht mitteilen muss, aber ob Busse und Gebäude derzeit häufiger oder anders gereinigt werden als normal hat noch niemand kommuniziert.

Das mulmige Gefühl ist Angst, vor ignoranter Dummheit.

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Erleichterung, endlich weiß ich, was mit mir los ist. Und ich habe auch kein schlechtes Gewissen mehr, dass ich dem Julikind Kontakte vorenthalte.

Danke, an alle, die so selbstverständlich Rücksicht nehmen auf Vorerkrankte und Angsthasen.

Tag 30 bis 33, fast wie Ferien

Der Sommer ist zurück. Innerhalb von zwei Tagen ist die Hecke vorm Haus blickdicht geworden.

Der Liebste hat Honigräume aufgesetzt, also, auf die Bienen. Ich habe den Bestand an Gläsern und Etiketten durchgesehen. Es ist wieder Dürre angesagt, man kann eigentlich unmöglich schätzen, wie viel wir brauchen werden.

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Ich habe versucht mit einer Bestellung den örtlichen kleinen Buchhandel zu unterstützen. Leider waren meine Bezahlmöglichkeiten nicht systemkompatibel. Tja, zwei Klicks nebenan waren sie es, so leid es mir tut.

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Das Märzkind hat sehr konkrete Vorstellungen, wie eine kurze Hose in diesem Jahr auszusehen hat. Ich habe wenig Hoffnung, gebe aber zum Spaß ihre Erwartungen mal in die Kleinanzeigen des Auktionshauses ein. Siehe da, es gibt sogar zwei. Meine Bezahlmöglichkeiten werden akzeptiert und drei Tage später kommen zwei fette Briefumschläge an. An beiden Hosen sind die Etiketten noch dran. Da kam der Sommer wohl ein Kilo zu früh… Glück für mich, sie passen und gefallen.

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Das Maikind ist wieder aufgetaucht, ich freue mich. Natürlich war er genauso zu Hause wie wir alle, hat sich aber irgendwie unsichtbar gemacht. Als ich mal vorsichtig bei ihm reingeschaut habe, saß er am Schreibtisch über Englisch. Ich begann, mir Sorgen zu machen. Gestern hat er mir das Deutschbuch auf den Esstisch geworfen und gemurmelt, dass das alles ziemlicher kackmist sei. Er kann mir jetzt fast in die Augen gucken und seine Stimme klingt irgendwie anders. Dieses stille vor sich hin pubertieren ist mir immernoch fremd. Wenn bei den Mädels Türen knallen und die Fetzen fliegen mache ich mir nie Sorgen.

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Bei der Abend-Hunde-Runde im Wald rascheln Blätter am Hang gegenüber. Die beiden Rehe, die mir sonst mehrmals in der Woche begegnen, habe ich schon länger nicht gesehen, fällt mir auf. Suchend schaue ich in die Richtung, aus der das Geräusch kam.

Wow!

Das sich so ein großes Tier so leise bewegen kann ist erstaunlich. Eine Hirschkuh schaut in meine Richtung. Zwei weitere stehen ein Stück höher. Drei sogar, wenn sie still stehen kann man sie kaum erkennen, in dieser Umgebung. Die Ohren bewegen sich permanent, der Rest des Tieres garnicht. Sie schaut in Richtung ihrer Kolleginnen „ich schwöre, da war was“, scheint sie zu sagen. Der Hund und ich stehen ganz still. Die anderen Hirsche horchen jetzt auch. „Du wieder“, sagen sie und laufen in aller Ruhe den Hang hoch Richtung Wiese. Sehr beeindruckend.

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Weil ja jetzt kaum noch Autos fahren pinkeln die Rennradfahrer einfach so am Straßenrand. Man will das gar nicht so im Detail sehen, aber es ist wie ein Unfall, man guckt automatisch hin. Es sind immer Rennradfahrer. Wahrscheinlich können die dünnen Reifen nur auf Asphalt fahren. Mountainbiker hab ich noch nie pinkeln sehen.

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Mittwoch kommt die Nachricht, dass alles noch so bleibt wie es ist, Kontaktverbot bis zum 4. Mai. Da hatte ich mit gerechnet, es ist OK.

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Das Märzkind leidet zunehmend unter unser aller Frisuren. So sehr, dass es vielleicht sogar mehr Erkenntnisse bringt, als es das ausgefallene Betriebspraktikum gekonnt hätte. Ich bestelle etwas im Frisörversand.

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Donnerstag erhalte ich eine Mail der Grundschul-Klassenlehrerin. Sie sei angehalten, mal nachzufragen, wer aufgrund eigener Erkrankungen oder Erkrankungen im direkten Umfeld ein erhöhtes Risiko habe, wenn denn die Schule wieder losgeht. Risiko wird nicht weiter definiert, kein Plan erkennbar, ich reagiere nicht.

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Freitag morgen teilt das Julikind mit, ihre Freundinnen hätten gesagt, für sie gehe übernächste Woche die Schule wieder los. Ich weiß von nichts und gehe von einem Missverständnis aus. Mittags zeigt die Vertretungsplan app dann auch bei mir eine Nachricht.

Die vierten Klassen der Grundschule haben tatsächlich, wie die Abschlussklassen ab 27. April Schule. Die Klasse wird geteilt, daher wird ein anderer Stundenplan gelten, außerdem natürlich strikte Hygiene und Gesundheitsregeln.

Für die anderen Klassen werden im Hauptgebäude Materialtische aufgebaut, an denen bearbeite Unterrichtsmaterialien abgegeben und neue abgeholt werden können.

Bitte? Was soll das denn für eine Information sein?

Ruhe bewahren.

Der Grundschulelternchat beginnt zu brodeln. Die einen haben Großeltern im Haushalt, die anderen würden die Blagen gerne einfach wieder abgeben. Niemand hat Lust bis zu den Sommerferien homeschooling anzubieten. Aber die meisten haben den Eindruck, es handelt sich hier um irgendeine Art von Versuch. Der Elternbeirat, ach, der hat eine Meinung. Ich hätte gerne Informationen, die es gegebenenfalls erlauben, anderer Meinung zu sein.

Es sagen ja dauernd alle, man könne sich an die Klassenlehrerin wenden, das hat bis jetzt auch wirklich gut geklappt. Ein bisschen tut sie mir leid, weil ich vermute, dass sie es auch nicht weiß. Trotzdem möchte ich gerne folgendes wissen:

Besteht Schulpflicht?

Wird Unterricht stattfinden, oder soll „nur“ der Ablauf einer Wiederaufnahme unter anderen Bedingungen geprobt werden?

Was bedeuten „strikte Hygiene und Gesundheitsregeln“ konkret?

Gibt es genug Material um diese Regeln verlässlich umsetzen zu können?

Was genau ist mit geändertem Stundenplan gemeint?

Wird dieser Stundenplan mit der Bustaktung abgestimmt?

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Wer mir Informationen im „schaunwama dann sehnwaschon“-Stil zukommen lässt, kann sich ab jetzt auf Rückfragen gefasst machen.

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Fortsetzung folgt

Tag 25 bis 29, Ostern

Wir färben 40 Eier, das wird in diesem Jahr ausreichen. Die Eier kommen aus dem Eierautomaten zwei Orte weiter. Das witzige ist, das da verschiedene Größen Formen und Farben in der gleichen Packung sein können. Hier gleicht kein Ei dem anderen.

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Die Kirchenglocken sind im Moment so ziemlich das einzige Geräusch in der Außenwelt. Zwischen Karfreitag und Ostersonntag schweigen die Glocken. Es fahren auch kaum Motorräder vorbei, was bei diesen Temperaturen am Wochenende sehr ungewöhnlich ist, Trecker auch nicht, wegen Feiertag. Es ist still im Ort.

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Abends um halb zwölf, ich bin auf dem Weg ins Bett, kommt das Julikind im Schlafanzug die Haustür rein.

Die waldecksche Mundart kennt ein allumfassendes Fragewort für solche Situationen. Durch Variationen in Klang und Länge kann man den eigenen Standort anzeigen und Zukunftspläne oder Herkunft seiner Mitmenschen erfragen. Es klingt kompliziert, wird aber von Ortsansässigen aller Generationen intuitiv verstanden. Deshalb brauche ich nur ein Wort.

„Hää?“

Die Patentante habe doch am späten Abend ein Osternest bringen wollen, da habe sie jetzt nur nochmal geguckt, nicht das die Waschbären…

„Ach so.“

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Der Samstag erfüllt jedes Klischee. Ein bißchen putzen, ein spontaner Baumarktbesuch, Gartenarbeiten, Straße fegen, grillen.

Als es dunkel wird machen wir Osterfeuerchen im Garten. Zu fünft sitzen wir um die Feuerschale und suchen Sternbilder. Das kleine Feuer ist angenehm. Man kann dicht genug dran sitzen, dass man nicht friert, ohne das einem dabei die Schuhsohlen schmelzen, weil es einen Meter weiter schon echt richtig heiß ist.

Die Nachbarn machen auch Osterfeuer. Es gibt also doch noch mehr Menschen außer uns.

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Normalerweise würden das Märzkind und ich um kurz vor fünf aufstehen und ins Städtchen fahren. Dort beginnt um halb sechs die Osternacht. Da ist es noch dunkel. Am Eingang der Kirche bekommt man mit eine Kerze und ein Gesangbuch gereicht, mit einem freundlichen, aber wortlosen Nicken. Entlang der Sitzbänke stehen drei kleine Laternen um grob den Weg zu zeigen, man braucht ein paar Sekunden um sich zu entscheiden, Leute sieht man nicht, aber man kann spüren, das noch andere da sind. Nicht auf gruselige Art, nur leise und dunkel. Andächtig. Irgendwann kraschpelt es ein bisschen. Während man noch überlegt, ob das Geräusch wohl echt war oder nur eingebildet, fängt der Chor an zu singen. Unplugged. In einem Gebäude, dessen Akustik genau dafür gemacht wurde, ein Gänsehautmoment. Nicht digitalisierbar.

Merkwürdig, der Gottesdienst an Heilig Abend hat mir garnicht gefehlt.

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Ich rufe meine Schwester an, um frohe Ostern zu wünschen. Nach einer viertel Stunde Gespräch fällt uns auf, das wäre gar nicht nötig gewesen. Wir sind uns die letzten 20 Jahre nie an Ostern begegnet, wenn nicht zufällig jemand Geburtstag hatte. Ach guck, haben wir das auch mal bemerkt. Es ist aber trotzdem schön sich mal zu hören.

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Das Osternest der Patentante wird gefunden. „Schöne Ostern soll ich euch sagen“ , meldet das Julikind mit einem fröhlichen Grinsen „wir machen dann was, wenn Corona vorbei ist, hat sie geschrieben“. Dazu gabs eine gesegnete Portion Schnuck, die sofort ins Kinderzimmer getragen wird. Läuft.

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Die anderen Osterkörbchen hatte der Hase wegen sommerlicher Temperaturen im Haus versteckt. Das ist unüblich, es gibt keine Standardverstecke und die Suche dauert entsprechend länger. Eiersuche im Garten geht dann schneller.

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Mittagessen besteht aus Marzipan und Blätterkrokant.

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Am frühen Nachmittag gehen wir Eierwerfen. Bei 25 Grad ist es eigentlich schon zu warm, um den Hang mehrmals wieder hochzulaufen. Nach der zweiten Runde essen wir die Eier, die noch heil geblieben sind in Picknick Atmosphäre auf der Wiese. Die zwei die kaputt gegangen sind darf der Hund sich holen. Am Himmel über der Eierwiese ist nicht ein einziges Flugzeug zu sehen, die ganze Zeit nicht.

Am Wanderparkplatz ist schon ein Hinweis auf Waldbrandgefahr angebracht. Anscheind rechnet man mit anreisenden Städtern. Das man im Wald nicht raucht und keine Zufahrtswege zuparkt ist eigentlich klar.

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Oma und Opa haben das Eiersuchareal ausgeweitet. „Die ganze Hecke, bis da hoch“, die Oma macht eine ausladende Armbewegung. Die Kinder verschwinden.

Als alles gefunden ist sitzen wir noch eine Weile auf dem Hof.

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Als wir zu Hause ankommen fährt gerade die Oma aus dem Städtchen vor. Sie bleibt im Auto sitzen, wir bleiben stehen und warten. Sie bleibt sitzen, wir wundern uns. Sie öffnet die Tür einen kleinen Spalt und sagt, sie wolle nur die Osterhasen für die Kinder bringen, bleibt aber sitzen. Der Liebste fragt, ob er denn ans Auto kommen dürfe, um sie ihr abzunehmen. Sie ringt sichtlich mit sich, steigt dann aus und übergibt mit ausgestreckten Armen eine Tasche mit Osterhasen und eine mit ausgelesenen Büchern, die ich ihr geliehen hatte.

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Abends wieder Star wars. Ich habe jetzt drei Folgen gesehen und frage mich, worin die Handlung wohl besteht. Natürlich nur innerlich, sonst wird mir das noch jemand erklären. Ich habe allerdings nachträglich noch einige Witze aus big bang theory und Lego Movie verstanden. Das Märzkind und ich waren uns einig, das die dieses Fluggerät mal grundsätzlich warten sollten. Nach jedem Start fliegen irgendwo Funken und jemand rennt fluchend mit dem Schraubenschlüssel los. Das verliert zunehmend an Unterhaltungswert. Die Jungs waren der Meinung, wir hätten keine Ahnung.

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Montag dann fünfzehn Grad weniger und viel Wind. Ich mache den Ofen an.

Nach der Hunde-Spaziergangs-Runde sammeln wir ein Osternest bei der Oma im Nachbarort ein.

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Märzkind und Maikind erkundigen sich unabhängig voneinander, ob ich schon weiß, ob die Schule nach den Ferien weitergeht, und wenn ja, wie?

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In den Nachrichten spricht ein Professor der Leopoldina. Bestimmt einer der besten seines Fachs. Leider hat er ganz offensichtlich keine Vorstellung davon, wie sich Grundschüler verhalten werden, die sich seit 5 Wochen nicht gesehen haben. Das nicht alle Schüler generell zu Fuss zur Schule kommen hat anscheind auch noch niemand im Detail bedacht.

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Zu meiner eigenen Überraschung stelle ich fest, das mir die Probleme der letzten Wochen sympathischer werden, je näher wir einer Lösung kommen.

Tag 20 bis 25

Samstag

Haus und Hoftag läuft etwas zäh. Irgendwie ist die Luft raus.

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Der Ferienbeginn war ein Punkt, auf den wir hingearbeitet hatten. Die Erkenntnis, dass es im Grunde genauso weitergehen wird wie die letzten drei Wochen trifft uns hart. Es sind noch so viele Aufgaben zu erledigen. Die Kinder haben viel gearbeitet, ich würde behaupten, mehr als im Unterricht. Aber das Pensum war für zwei von drei Kindern unter diesen Bedingungen nicht zu schaffen. Die Bedingungen machen mich allmählich wütend.

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Das Julikind fragt, ob es denn möglich sein wird, trotz Corona bei der Patentante im neuen Haus zu übernachten. Leider macht es keinen Unterschied, ob man das schon im Januar verabredet hat. Die Enttäuschung ist groß, obwohl sie sich das gedacht hatte.

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Letzte Woche hats noch geschneit, da waren Winterstiefel in Ordnung. Heute sind es über 20 Grad. Ich suche auf dem Dachboden nach Schuhen für das Julikind. Wir haben einen Fundus an Sportschuhen, die nur 8 Wochen gepasst haben und ähnlichem. In dieser Größe aber leider gar nichts. Ich überlasse ihr meine Sportschuhe, aber die drücken.

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Der Landkreis untersagt ab heute für die Dauer der Osterferien die Nutzung von Zweit-und Ferienwohnungen. Wir hätten sowieso nicht vermietet, unter diesen Umständen. Wir hatten überlegt, Freunde einzuladen, aber den Gedanken auch schon vor Wochen fallen gelassen. Trotzdem. Etwas amtlich verboten zu bekommen fühlt sich seltsam an.

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Bei der Abend-Hunde-Runde schallt Musik durch das Tal. Vor einer Feldscheune auf dem Hügel stehen zwei Gestalten und – prosten uns zu? In dieser Scheune war noch nie Musik. Da waren auch noch nie Leute. Die Fragen kommen prompt.

„Ich denke, man soll sich nicht treffen und nicht feiern, warum dürfen die denn? Und wir nicht?“

„Die dürfen auch nicht. Das sind Kameradenschweine.“

Das Märzkind seufzt. „Ich wäre jetzt auch gerne ein Kameradenschwein.“

Ich weiß.

Die Kinder haben seit Wochen ihre Freunde nicht gesehen, die Großeltern nur auf dem Hof, mit viel Abstand. Die Schule funktioniert nur analog, alles andere haben wir selbst zusammengebastelt, in dieser Zeit. Der Nullpunkt der Stimmung ist erreicht. Ein bisschen erschrecke ich mich vor mir selbst. Ich bin normalerweise kein Blockwart, aber ich schwöre, wäre da eine dritte Person aufgetaucht, ich hätte gepetzt.

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Das Märzkind telefoniert mit ihren Freundinnen bis irgendwann nachts.

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Ich gucke mit den beiden anderen Star Wars. Die Ereignisdichte ist überschaubar, so habe ich nebenbei Zeit, darüber nachzudenken, wie seltsam es doch ist. Seit über 20 Jahren bin ich erfolgreich drumrum gekommen, mir dieses Epos anschauen zu müssen. Und nun sitze ich hier und freue mich, dass die Kinder sich darüber freuen. Außerhalb von lockdown Maßnahmen werde ich vorraussichtlich keine weiteren Episoden anschauen.

Sonntag

Der Liebste schläft zwischen zwei Wochenend-Nachtschichten. Alle anderen sitzen vor verschiedenen Bildschirmen oder kruscheln irgendwas.

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Hier steht eigentlich nie ein Auto. Und wenn, dann von Einheimischen, die mal ne andere Runde mit dem Hund gehen. Gerade fährt ein fetter schwarzer SUV in Schrittgeschwindigkeit auf den Parkplatz im Nirgendwo. Kennzeichen aus dem Nachbarkreis, die hinteren Scheiben getönt, die Felgen waren noch nie Offroad unterwegs . Es ist so merkwürdig, dass ich die Leute direkt anschaue, falls ich später eine Personenbeschreibung abgeben muss, oder so. Beide Insassen senken den Blick und bleiben im Auto sitzen, bis ich um die Kurve bin. Vermutlich fanden sie mich auch unheimlich.

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Ich versuche, das home office freie Internet zu nutzen, um das Radioprojekt des Märzkindes an den hr zu senden. Es geht nicht, auf verschiedene Arten. Kurz überlege ich, jemanden zu fragen. Aber ich möchte eigentlich keine Tipps mehr bekommen. Wenn mir noch einmal jemand sagt, ich solle mich entspannen, die Dinge lockerer angehen, den Kindern auch einfach Halt geben in diesen ungewohnten Abläufen, dann schreie ich.

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Wir planen ein bisschen an unserem Osterfest. Das wird auf jeden Fall schön.

Montag, Dienstag, … was auch immer

De Omma ruft an, jemand möge den Kuchen holen. Die letzten beiden Wochen haben wir aus fadenscheinigen Gründen keinen Kuchen geholt. Montags kommt ja sonst immer die Dora, aber die hat Schiss jetzt, zwei Wochen war sie schon nicht da, sagt de Omma.

Ich hole also Kuchen, bei meiner herzkranken 87-jährigen Oma. Für alles andere fehlt mir der Kampfgeist.

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Eine Mutterkollegin fragt vorsichtig, ob ich denn den Radiobeitrag schon gesendet hätte, und wenn ja? Wie?

Zwei Minuten später kommt ein, danke, es habe sich erledigt.

Wie? Möchte ich gern wissen. Die große Schwester des Grundschulkindes hat einen Weg gefunden, der bei mir auch schon nicht ging. Pech gehabt.

„Wenn ich noch einmal den Satz ‚und wenn euch langweilig ist…‘ höre, dann eskaliere ich, echt!“, sagt die Mutter Kollegin. Danke dafür. Ich packe die Dateien in einen Email Anhang und schicke sie der Klassenlehrerin. Fertig ist die Laube.

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Meerschweindame Elsa tritt nach einem langen und erfüllten Leben die Reise über die Regenbogenbrücke an. Ein Drama. Große Anteilnahme. Das feierlichste Kleintierbegräbnis, das diese Familie bisher hatte. Dann geht es wieder besser.

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Das Märzkind kann möglicherweise eine neue Kamerafunktion bedienen und würde gerne mal Fotos machen, von Menschen. Zur Not auch von Geschwistern, das Maikind stellt sich zur Verfügung.

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Ich gucke die Ansprache der Queen beim Wäsche zusammenlegen.

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Die Freundin ruft an, nur mal so hören. Wir sind dann anscheind in einem Alter, wo man sich zu diesem Zweck übers Festnetz anruft. Ich freue mich. Die Freundin hat gerade frei, obwohl sie systemrelevant ist. Alle Fortbildungen und Einweisungen sind erledigt, Normalbetrieb findet im Moment nicht statt. Alle warten auf die Welle. Und die wird kommen. Denn der Normalbetrieb wird ja nicht einfach von alleine gesund, das kommt einfach alles später wieder. Ansonsten, fröhliche Distanz.

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Der Liebste macht die Bienenkästen startklar.

„Was hast du denn da für einen Fleck am Oberschenkel“, erkundige ich mich.

„Das ist Blut.“

„Wie das?“

Nun, durch eine Verkettung diverser Unwahrscheinlichkeiten ist es im Rahmen der geltenden physikalischen Gesetze zu einer leichten Verletzung….

„Du hast dir selber ins Bein getackert?“

Schadenfreude Lebensfreude, willkommen zurück!

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Ein später Spaziergang, der Vollmond strahlt so hell, dass man Schatten sieht. Wahnsinn.

Lockdown Einkäufe/Dienstleistungen

man gewöhnt sich an das Arbeiten mit tutorials

Mein erster Lebensmitteleinkauf seit über drei Wochen. Alles sehr geordnet, alle nehmen Rücksicht, halten sich an Regeln und Abstand voneinander. Im Zweifel redet man miteinander und schaut sich in die Augen dabei. Es ist sowas von nicht normal, ein beklemmendes Gefühl. Könnte aber gut werden, sollte etwas davon über bleiben, wenn sie die ganzen Absperrungen zurückbauen.

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6 beim gleichen Betrieb bestellte Tshirts werden in 5 Einheiten unabhängig voneinander geliefert. Natürlich passt die Hälfte nicht und muss tatsächlich in drei verschiedene Logistikzentren zurückgeschickt werden. Ich werde weich.

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Kontaktlose Heulieferung

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Vorm Baumarkt steht ein Schild. Aufgrund der Kita und Schulschließungen sei Beratung im Moment nur sehr eingeschränkt möglich, man bitte um Verständnis. Im Kassenbereich wurden Markierungen auf den Boden geklebt. Die Kunden bleiben jeweils dahinter stehen. Es fühlt sich in diesem Ambiente ganz natürlich an. Der Kassierer sitzt hinter Plexiglas, die Einschnitte für den Zahlungsvorgang wurden sinnig gesägt, keine Verrenkungen nötig. Ich möge bitte vorfahren, der Kollege räumt die Säcke ins Auto, schöne Feiertage.

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Der Kalli stellt eine Auswahl an Schuhen für das Märzkind zusammen, das wäre kein Probem. Die kann sie zu Hause probieren, den Rest bringen wir zurück, das geht alles kontaktlos. Der Liebste fährt.

*Werbung
Für den regionalen kleinen Einzelhandel

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Für diese Woche haben wir alle Probleme gelöst.

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My warmest wishes to all of you!

Tag 16 bis 19

Rehe, nicht mal hundert Meter von der Bushaltestelle weg. An einem Dienstag morgen um halb acht.

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Den Arm voller Backwaren klopfe ich an die Haustür und warte vergebens. Die schlafen alle noch. Offensichtlich habe ich mich dran gewöhnt, dass immer jemand zu Hause ist. Als der Brotwagen hupte hab ich die Tür einfach so hinter mir zugezogen.

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Mein Alltag hat sich, mal abgesehen von den Bergen an Hausaufgaben, und Distanz zu Großeltern, eigentlich wenig geändert. Dass Kinos, Restaurants und Geschäfte geschlossen sind, fällt nicht weiter auf. Auch im Bekanntenkreis wird relativ normal weiter gearbeitet. Vermutlich, weil der Bekanntenkreis einer Familie, die sich rund um ein Vierschichtsystem organisieren muss irgendwann nur noch aus Leuten im öffentlichen Dienst, Pflegenden, Außendienstlern und Feuerwehrleuten besteht.

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Ich habe 10 Wassergläser in einen Karton gepackt und in den Keller gebracht. Wir haben anscheind mehr Gläser, als in den Schrank passen. Unter normalen Bedingungen stehen ja immer welche in der Spülmaschine, da fällt das nicht auf. Seit zwei Wochen kein Besuch, ich weiß nicht, ob es das schon je gegeben hat.

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Glockengeläut um 19.30 Uhr ist ungewöhnlich. Eigentlich läutet es abends um 18 Uhr. Am ersten Tag nach der Zeitumstellung ist es gar nicht richtig aufgefallen. Am zweiten Tag haben wir uns gewundert und sind davon ausgegangen, dass bei der Uhrumstellung wohl etwas schief gelaufen ist, kann ja passieren. Am dritten Tag frage ich bei einem engagierten Kirchenmitglied nach. Es handele sich dabei um eine Aktion der Landeskirche, erfahre ich. Man habe so die Möglichkeit der persönlichen Andacht, weil ja keine Gottesdienste sind. Ah so.

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Kaffee getrunken mit dem Pfarrer. Nicht in echt natürlich. Über die Whatsapp Gruppe der Alten Herren kam der Link zur persönlichen Andacht. War so unterhaltsam, das wir direkt einen ganzen Kaffee lang andächtig waren.

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Mit der Omma telefoniert.

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Den Computer fernwarten lassen. Er ist in aller Stille von uns gegangen. Ich hatte es geahnt.

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Ich war anwesend als Star wars lief und habe fast den ganzen Film gesehen.

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Der Liebste bräuchte zwei neue Sommerreifen, wenn er dann sowieso ins Städtchen muss, kann er ja auch einkaufen. Jeder möge intensiv nachdenken, es findet nur ein Einkauf statt diese Woche. Eine Gesichtsmaske (Kosmetikbedarf) wird gewünscht und frische Schnittblumen. Der Liebste zieht die Stirn kraus und guckt fragend. „Blumen machen das Leben fröhlich“, sagt das Julikind zwischen zwei Löffeln Cornflakes. Noch vor drei Wochen wäre dieser Wunsch mit „Du hast wohl n Vogel“ oder etwas ähnlichem kommentiert worden. Aber das ist lange her.

*Werbung, weil Markennamen erkennbar

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Ein Kapitän steht auf der Brücke seines Schiffes. Das Schiff ist 40m hoch. Der Erdradius beträgt sechstausendachthundertdrölfizig km. Wie weit kann der Kapitän gucken?

Herausforderung angenommen.

Es ist Mathe, also kann man wohl getrost davon ausgehen, dass die aktuellen Wetterbedingungen und mögliche Verunreinigungen im Frontscheibenbereich, durch beispielsweise Seevogelkot nicht von Bedeutung sind. Es wird irgendwas mit Pythagoras sein. Man bräuchte einen rechten Winkel. Ich suche im Speicher nach einer Hirnwindung aus den späten neunziger Jahren. Irgendwas muss doch da noch sein.

Skizze, nicht Maßstabsgetreu

Der visualisierte kleine Kapitän in meinem Kopf trägt plötzlich ein Superheldenkostüm und beginnt zu rappen: “ This looks like a job for me, so everybody just follow me, we need a little contreversy, cause it feels so empty without me. La la la laa la, la la la laa laa, la la la laaaa…“ Ich nehme mir vor, mal zu googln, was Marshal Mathers jetzt beruflich macht. Zeitlich war diese Hirnwindung dicht dran, thematisch, ach, machen wir uns nichts vor.

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Das Märzkind telefoniert mit der Mathelehrerin. Old school, das funktioniert gut.

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Für ein Lesetagebuch soll ein Elfchen über die Hauptperson der Lektüre geschrieben werden.

„Was ist denn ein Elfchen?“ frage ich in die Runde.

„Zwei kleine Einsen nebeneinander?“ schlägt das Maikind vor.

„Nee, das sind so Worte, so untereinander“ erklärt mir das Julikind.

Onlinerecherche ergibt, das es sich bei einem Elfchen um eine pädagogisch wertvolle Wortspielerei handelt, die am Ende aus elf Worten besteht. In Zeile eins steht ein Wort, in der zweiten Zeile zwei… Mehrere Elfchen ergeben quasi als Strophen sowas wie ein Gedicht. Ist klar.

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Käptn

Guckst du

Licht am Horizont

Unberechenbar ist die Weite

Ferienbeginn?

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Ich glaube, die lernen auch viel Quatsch in der Schule.

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Das Radioprojekt der Grundschule kann in einer digitalisierten Version doch stattfinden. Das Julikind hatte Spaß bei der Umsetzung. So könnte digitales Lernen gehen.

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Mit warmen Worten und lieben Wünschen verabschieden uns die Klassenlehrer in diese seltsamen Ferien. Wenn man ehrlich ist klang es nicht so, als würde es danach anders werden. Aber, bis hierher haben wir es geschafft.

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Ab morgen wird nicht um neun geweckt und man darf in Jogginghose rumlaufen. Die Duschpflicht alle zwei Tage bleibt bestehen.