Osterferien 2022

Märzkind steht fröhlich, aber erkennbar müde, neben ihrem Koffer in der Tür.

„Zwei Sachen“, sagt sie „ich hab wahrscheinlich wieder Corona und mein Handy ist kaputt“.

„Hallo Kind, schön, dass du wieder da bist. Komm einfach rein, so ein FFP2-Masken-Gehampel würden wir sowieso nicht nochmal machen, das hat ja nichts gebracht und tja…“

Eine Woche war das Kind mit Freunden unterwegs und wir haben uns alle ein bisschen erholt.


Man muss in der Fastenzeit nicht unbedingt verzichten, man kann auch bewusst Sachen tun, hat de Mudda gesagt. Ich habe also seit dem Märzkind-Geburtstag jedesmal, wenn mir jemand ein Bier angeboten hat und ich nicht mehr fahren musste „ja“ gesagt, um entweder eine ausreichende Trinkfestigkeit zu erlangen, oder den Alkohlkonsum in der Öffentlichkeit einzustellen. Ostersonntag, morgens um halb drei, beende ich dieses Experiment, „nein danke, es ist genug“, trotz Freibier. Der Liebste und ich gehen zusammen mit Märzkind und Pluseinskind nach Hause. Das war ein erstklassiges Osterfeuer, da sind wir uns einig. Es folgt der faulste Ostersonntag aller Zeiten.


Am Ostermontag feiert Brüderchen seinen Geburtstag. Es gibt ein Frühstücksbuffet vom Feinsten. Da findet wirklich jeder was, zwei Stunden wird gegessen. Danach gehts zum Eierwerfen, dann wieder Sofa.

Bis Mittwoch sind alle Eier und Schokohasen aufgegessen. Gut so. Die Süßigkeitenberge vermisst niemand.


Alle Kinder haben schon wieder diese Erkältung. Ärgerlich in den Ferien. Bei den Mädels ist es nach drei Tagen wieder gut, beim Maikind beginnt nahtlos die Pollensaison.


Duschen, anziehen, mit dem Auto einmal ums Städtchen drumherum fahren, weil man wegen Baustelle nicht einfach durch kann – was für ein Aufwand, schwer vorstellbar, dass man sowas früher öfter gemacht hat. Aber, als ich mit Julikind im Kinosaal sitze, sind wir doch beide froh, dass wir uns aufgerafft haben. Ein schöner Film. Daniel Ratcliff kann den Bösen spielen, wer hätte das gedacht.


Man könnte es regelmäßiger machen, dann wäre es vielleicht weniger *wurks* , sagt eine Stimme in meinem Hinterkopf. Sicher. Man könnte seine Steuererklärung auch im Februar schon machen, sage ich. Fürs Protokoll: Waschmaschinendichtungen und Einspülkammern gereinigt, Maschine entkalkt, im April.


Julikind braucht was zum Anziehen für eine Hochzeit. Bei der Gelegenheit nehmen wir das Kommunionskleid mit, dass hier einige Jahre als Prinzessinenkleid im Einsatz war. Da passt niemand mehr rein, aber es ist immernoch gut, Julikind streicht noch einmal mit der Hand drüber, seufzt und übergibt die Tüte an die Dame im Rote Kreuz Laden. Eine Stunde später kommen wir nochmal am Laden vorbei. „Guck mal, was da im Schaufenster hängt“, sage ich. „Ooooohhh“, sagt Julikind. Da macht sich das Kleid viel besser als in unserem Dachbodenschrank.

Julikind hat aktuell drei verschiedene Kleidergrößen am Oberkörper. Klamotten kaufen ist ein bisschen kompliziert.


Post vom Energieversorger. Ab Juni wirds teurer, es sei denn, es wird günstiger, das könnte wohl auch sein, wenn da irgendwas wegfällt, aber wir sollen mal lieber davon ausgehen, dass es teurer wird. Das ist keine Überraschung. Ich rechne nach. In unserem Fall wären das in etwa die Stromkosten eines Monats, die nochmal dazu kämen, wenn denn dann.


„Wann wart ihr denn zuletzt auf einer kirchlichen Hochzeit?“ Da muss ich aber wirklich überlegen. Es ist auf jeden Fall schon länger her. Meine Schwester und ich stehen mitten im Sektempfang und schauen uns die Leute an. Dass man bei einer Hochzeit mal kaum jemanden kennt und nichts muss, ist ungewohnt, aber toll. Bestimmt füllen wir den Single-Tisch auf, vermutet meine Schwester – für sowas sind Cousinen doch da. Die vier Unbekannten, mit denen wir den Tisch teilen sind zwei Pärchen mitte zwanzig. Einer davon sieht so aus, wie Daniel Ratcliff in dem Film, flüstert Julikind mir zu. Tatsächlich. Wir sind der nicht-Schlager-hörende-Tisch, sehr viel näher an der Theke als an der Tanzfläche. Passt. Es gibt Gegrilltes und 6 Meter Salatbuffet dazu, dann Eis aus der Gefriertruhe zum selber nehmen. „Manche meinen ja, da müsse man noch mousse au chocolat servieren, wenn alle sowieso schon voll gefressen sind“ sagt die Tischnachbarin, „aber das ist doch Quatsch“. Finde ich auch. Eine richtig schöne Party.


So, von mir aus kann es jetzt gerne ein bisschen wärmer werden. Ich habe keine Lust mehr auf Hunderunden in Winterjacke.

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