01/22, Halbzeit

Der Schulkiosk schließt aus wirtschaftlichen Gründen. Man möge den Blagen ausreichend Frühstück eintuppern, sagt die Elternmail, natürlich nicht in diesem Wortlaut. Kein Problem. Der Kiosk hatte Preise, da haben wir schon von selber ans Pausenbrot gedacht. Sollte es aber jemals wieder Nachmittagsunterricht oder AG´s geben wird die Cafetria vielleicht doch fehlen.


Mir ist kalt und das kann eigentlich nicht sein. Ich habe alles doppelt an und der Ofen läuft, die Raumtemperatur ist eher höher als normal. Der Liebste kommt nach Hause. Er trägt seine Winterjacke über einem Pullover, das ist ungewöhnlich. Eigentlich reicht ihm ein „Winter- T-Shirt“ plus normaler Jacke. Der Pullover kommt nur bei höheren Minusgraden zum Einsatz. Das muss eine verspätete Nebenwirkung sein, sagt der Liebste. Daran hatte ich garnicht gedacht. Drei Tage dauert die Moderna-Kälte und verschwindet genauso plötzlich wie sie gekommen ist.


„Warst du schon mit dem Hund?“, frage ich die Freundin. Nee, war sie nicht. Bei ihr hat heute morgen um viertel vor sechs das Telefon geklingelt und sie hat spontan eine Frühschicht übernommen. Der Tag ist sowieso gelaufen, sie zieht sich nur gerade was an, dann kommt sie mit. Eigentlich wollten wir nur ein paar Meter ins Feld. Aber der Himmel ist blau, die Felder weiß verschneit und zu Hause warten Teenager-Launen. Wir gehen die große Runde und trinken danach noch einen Kaffee. Ein hervorragend genutzer Nachmittag. Die Wäsche läuft ja nicht weg.

Als ich nach Hause komme steht das Märzkind hinterm Bügelbrett. Sie hatte eigentlich gedacht, ich komme gleich, weil hier alles noch so stand. Naja, jetzt ist sie fast fertig. Große Kinder sind toll, meistens.


Ein Schwimmbadbesuch mit dem Julikind und einer Freundin. Beim letzen Mal kam jemand von den Bademeistern raus, zum kontrollieren. Diesmal werde ich schon vor dem Kassenautomaten angesprochen. So einfach könne man da aber nicht rein. Ähm, wusste ich, ich wollte gerade klingeln. Nee, nee, erstmal Impfnachweis bitte. Ich gucke fragend, dann sehe ich, dass die Dame, die da so saß, als wäre sie eine wartende Schwimmkurs-Oma, ein T-Shirt der Bäderbetriebe unter ihrer Strickjacke trägt. Die Freundin des Julikinds hatte gestern vergessen ihr Testheft unterschreiben zu lassen und war eben noch ganz frisch beim offiziellen Test. Sie zeigt den Zettel, „sehr schön“, sagt die Dame. Das Testheft des Julikinds ist schon ziemlich zerfleddert. So geht das nicht, den Namen muss die Dame schon sehen können, und dieses Testheft, das muss aber mal neu, zeitnah. Sicher, ich richte es dem Land Hessen aus. Impfstatus und Personalausweis braucht sie von mir. Beides wird ausgiebig geprüft. Dann dürfen wir zum Kassenautomaten gehen.

Die Mädels toben und tauchen und springen. Ich schwimme Bahnen und sitze vor Nackenmassagedüsen. Beim Rausgehen ist die Dame wesentlich entspannter, sie hat einen halben Socken gestrickt, während wir drin waren. Ob es denn Spaß gemacht habe, erkundigt sie sich. „Ja sehr“, sagen die Mädels, „richtig schön war das.“


Schwimmen hat nicht geholfen. Dieser Schmerz in der Schulter, was das wohl ist. Google sagt, eine Operation sei nicht notwendig. Das ist erfreulich. Leider wird das jetzt ein halbes Jahr lang immer schlimmer werden, dann wird das Schultergelenk für etwa ein halbes Jahr ganz steif werden und dann wird der Körper diese Fehlfunktion von selber abbauen. In etwa anderthalb Jahren sollte alles wieder tutti sein. Ähm, jo. Ich versuchs mal mit Sportsalbe und hole mir eventuell eine Zweitmeinung.


Eine Freundin des Julikinds wird abgeholt. Ich öffne die Haustür. Davor steht eine junge Frau, mit Autoschlüssel in der Hand. Wir begrüßen uns fröhlich und unterhalten uns kurz. Sie ist im Moment das Familientaxi. Es ist noch garnicht so lange her, da ist sie bei mir mitgefahren, zu Fussballtrainings und Kindergeburtstagen. Ich komme mir uralt vor.


Anruf beim Hausarzt, Auffischungsimpfung für die großen Kinder wäre schön. Hausarzt sagt, machen sie nicht, weil die Stiko sagt, ist nicht nötig. Ähm, in der Sozialwesen-Klasse mischen sich die Praktikant*innen so ziemlich aller Einrichtungen des Landkreises. Ich halte Impfschutz an dieser Stelle durchaus für sinnvoll und möchte nicht warten, bis der Stiko-Opa da in Ruhe fertig drüber nachgedacht hat. NRW boostert Menschen ab 12. Dann fahren wir eben die 30km und stellen uns in eine Warteschlange. Ich suche Impftermine raus. Das Maikind sagt, ein Klassenkamerad sei im örtlichen Impfzentrum geboostert worden. Ich erkundige mich bei seiner Mutter. Jo, die sagen das zwar nicht auf der Internetseite, aber möglich ist es. Dann brauchen wir nicht so weit zu fahren. Am gleichen Abend befindet die Stiko, dass Auffrischungsimpfungen für Kinder eine gute Sache sind. Anruf beim Hausarzt, Termin nächste Woche. Der Countdown läuft.

2G+ gilt ab dieser Woche fast überall. Das Märzkind ist angefressen. An der Arbeit dürfen sie keine Testbescheinigungen mehr ausstellen. Das heißt man wird getestet, kann den Test aber nach der Arbeit für nichts mehr nutzen. Das Testzentrum hat blöde Öffnungszeiten und liegt nicht auf dem Weg. Im Freundeskreis sind einige schon über 18, andere kommen aus NRW. Die sind fertig geimpft. Jetzt ist sie wieder die, die nix darf. Das Mutterherz seufzt innerlich. Es geht bei der Impferei nicht mehr ums Virus. Es geht darum, ohne großen Aufwand Dinge tun zu können, die vor zwei Jahren ganz selbstverständlich waren.


Wir sind eingeladen zur Überraschungsparty anlässlich einer Petersilienhochzeit. „Aber, Hochzeitstag? Wir haben doch im Sommer…? Hätte ich das gewußt, ich hätte was zu Trinken gekauft.“ Das Petersilienbrautpaar hatte diesen Anlass nicht auf dem Schirm, die Überraschung ist gelungen. Die Gäste haben alles dabei. Es ist nur der engeste Freundeskreis und Familie, man kennt sich aus. Die Autos müssen unterm Carport raus, jemand holt die Biergarnitur aus der Scheune und Strom für den Gulaschsuppenbehälter, auf dem Hof wird ein mitgebrachtes Schwedenfeuer entzündet. Man hat schon gewisse Routinen im distanzierten outdoor feiern entwickelt. Zwei Stunden stehen wir in großen Kreisen und unterhalten uns, dann wird es frisch und manche haben noch Nachschicht. Die Party wird zusammengeräumt. Schön war das. Heute in zwölfeinhalb Jahren kommen wir wieder, wegen Silberhochzeit. Vielleicht fangen wir dann aber schon nachmittags an. Kaffee und Likörchen. Wir werden ja älter.

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